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Zwei Nächte zu Valladolid

Joseph Christian von Zedlitz: Zwei Nächte zu Valladolid - Kapitel 4
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authorJoseph Christian von Zedlitz
titleZwei Nächte zu Valladolid
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Dritter Aufzug.

Der Gartensaal wie am Ende des vorigen Aufzugs.

Erste Scene.

In der Halle sieht man Garcia noch auf dem Ruhebett schlafend. Im vordern Theile des Saales geht Estela in der heftigsten Unruhe umher.

Estela.

Noch schlummert Garcia. – Was soll ich thun?
Oeffn' ich die Blende, laß Fugaç' entfliehn?
Wohlan, ich wag' es; Himmel, steh' mir bei! –
Doch wenn mein Gatte aufwacht, wenn Geräusch
Ihn weckt! Verloren bin ich dann, bin's rettungslos,
Nicht meines Lebens schonen würd' er, noch
Fugaçe's! – Trieb zu Thaten blinder Wuth
Ja oft schon Eifersucht Gemüther an,
In denen nie des Argwohns Wucherkraut
Zu grauser Ernte wild empor geblüht.
Ja, solche, die wie Frühlingslüfte mild,
Voll Taubensanftmuth und Geduld des Lammes:
Sie übten Thaten aus, so schaudervoll,
Daß beim Gedanken uns das Mark gerinnt:
Was würd' Er thun, der Maß nicht kennt im Zorn?
Er würde rasen, und, dem Tiger gleich,
Das Blut in langen, durst'gen Zügen trinken! –
O Gott des Himmels! Furcht bringt mich von Sinnen! –
Mir ist, als hört' ich lachen neben mir!
Als wär' aus tiefster Hölle aufgetaucht
Ein Geist, der Teufel, der den Menschen höhnt
In seiner Angst! – Weh, meine Kniee wanken;
Doch kann ich rasten nicht, noch ruhn. Es treibt,
Wie matt ich bin, Entsetzen immer wieder
Mich auf vom Stuhle! – Horch! was stöhnt? – O Gott! –
Nein, nein! – 's ist nichts! – Ein Traum ist's meiner Angst!
Währt diese Nacht denn ewig? – Endlich! – ha,
Dort graut es! ja, – doch nein! – es ist der Mond,
Der wankend Ungewissen Schein verbreitet
Durch die verworrnen Nebel. – Wie? nein, nein!
Es ist der Tag, der Morgen ist's! dort tönt's! –
Die Lieder in den Wipfeln werden wach!
Die blasse Röthe dort am Wolkensaume,
Der lichte Streif gehört der Dämmrung! Gott!
O, sey barmherzig! laß den Tag es seyn!
Es muß der Tag seyn, muß, – mich zu erlösen
Von dieser Höllenqual, die mich verzehrt,

(Man hört in der Blende ein Geräusch. Don Garcia wird wach.)

Estela.

Weh mir! Was ist geschehn? – Don Garcia!
Er ist erwacht! er naht. O Himmel, schütze!

Zweite Scene.

Estela. Don Garcia tritt in den Saal.

Garcia.

Schon beginnt es fern zu dämmern,
Wie mir scheint! – Verzeiht, Estela;
Um den Schlummer dieser Nacht
Hat Euch meine Schuld gebracht.

Estela.

Was die Nacht dem Schlummer schuldet,
Mag der Morgen ihm bezahlen.

Garcia.

Hohe Zeit ist's, daß ich eile,
Soll mich nicht der helle Tag
Uebereilen.

Estela.

Nicht zurück
Halt ich länger Euch; Ihr müßt!
Kehret heim zu guter Stunde!

Garcia.

Nun, Geliebte, Gott mit Euch!
Ohne Furcht zieh' ich von hier,
Doch ich zieh' mit schweren Sorgen.

Estela.

Gleichen Antheil laßt Ihr mir.

Garcia.

Sonderbar bin ich bewegt!
Glaubt' an Ahnung ich, an Zeichen,
Die im Bild Verborgnes deuten,
Möcht' ich schier es Grauen nennen,
Was sich mir im Busen regt.
Wie ein festverschloss'ner Brief
Liegt die Zukunft vor mir da,
Und es zögert scheu die Hand,
Seines Siegels Band zu lösen.

Estela.

Laßt die Zeit den Brief entfalten,
Und ob gute oder böse
Kunde sey in ihm enthalten,
Werden wir von ihr erfahren;
Laßt uns harren in Geduld!
Wir bewahren uns vor Schuld,
Gott mag uns vor Unheil wahren!

Garcia.

Darum bet' ich heiß! – Lebt wohl!

(Will gehen.)

Estela.

(reicht ihm seinen Degen).

Herr, vergeßt Ihr Euren Degen:
Ohne Waffen wollt Ihr fort?

Garcia (betroffen).

Weh! das däucht mir nimmer gut! –
Diesen einz'gen treuen Bürgen
Meiner Ehr', ihr Hort und Pfand,
Konnt' ich unbeachtet lassen!
Als mein Vater mir ihn reichte,
Schlug er erst mich ins Gesicht,
Und als ich, von Scham durchglühet,
Vor ihm stand, sprach er zu mir:
Diesen Degen geb' ich dir,
Und dich schlug des Vaters Hand,
Daß du denkst auf allen Wegen,
Nimmer ihn von dir zu legen;
Daß, wer jemals Schmach dir thut,
Dir's bezahlen mag mit Blut!
Und die Lehr' aus Vaters Munde
Hielt ich treu bis diese Stunde;
Ohne ihn könnt' ich nicht gehen.
Darum – sey es Gott geklagt!
Böses ist mir jetzt geschehen.

Estela.

Ließt Ihr Euren Degen hier,
Nun, so ließt Ihr ihn ja mir.
Nehmt's als Zeichen guter Art,
Eure Ehre sey bewahrt
Wie durch Euch, so auch durch mich.

Garcia.

Einmal wach in unsrer Brust,
Ist die Sorge, wie die Hyder;
Haut ihr hundert Häupter ab,
Wachsen schnell ihr hundert wieder. –
Wär' ich schon zurückgekehrt!

Estela.

Darum gehet, Herr, und weilet
Länger nicht! je mehr Ihr eilet,
Mag es für uns Beide nützen.
Und noch einmal, mein Gemahl!
Was wir immer auch erfahren:
Wenn nur wir vor Schuld uns wahren,
Mag vor Unheil Gott uns schützen!

Garcia (beklommen).
Nun – auf fröhlich Wiedersehn!

(Er geht ab, Estela blickt ihm durch das Fenster nach.)

Dritte Scene.

Estela (allein).

Ihr Heil'gen, Dank! Fort zog des Wetters Grauen.
Wie nah der Blitz, doch hat er nicht geschlagen!
Froh aus dem Dunkel des gewitterblauen,
Umflorten Himmels seh' ich's wieder tagen,
Und Licht durch die zerriss'nen Wolken schauen!
So kehrt in Hoffen sich mein banges Zagen!
Nun darf er fort, kann nun zur Flucht sich wenden.
Ja, besser wird, was schlimm begann, sich enden!

(Sie geht in die Halle und zieht den Vorhang von der Blende weg. Man sieht Fugaçe auf den Stufen am Fuße des Bettes liegen, – Estela fährt mit einem Schrei des Entsetzens zurück.)

Weh mir! Um Gott! – Lisarda! – Oh, Lisarda!
Lisarda! schnell herbei! – O, welch Entsetzen!
Hörst du mich nicht? – O Himmel! Ewige
Barmherzigkeit! –

Vierte Scene.

Estela. Lisarda.

Lisarda.

Was fehlt Euch, edle Frau?
Erschrocken nah' ich mich, – ich hört' Euch rufen.

Estela.

Todt! Todt!

Lisarda.

Verhüt' es Gott!

Estela.

Blick' her!

Lisarda.

Weh. weh!

O heil'ge Engel! Wehe unsrer Noth!

Estela.

Starr – leblos – bleich!

(Sie wirft sich über den Leichnam.)

Lisarda.

O Heiland, welch Ereigniß!
(Pause eines stummen Schmerzens.)

Estela.

Hast du mich so erhört, furchtbare Macht,
Vor der ich lag in heißem, brünst'gen Flehen:
Die meiner Seele Ringen hat gesehen,
Zu der ich einsam klagte in der Nacht?
Hab' ich des Herzens heißen Wunsch bezwungen
Und all mein Glück dir opfernd dargebracht,
Hab' ich geweint, gebetet und gewacht,
Und solchen Trost hab' ich von dir errungen?
Für solch Entsagen konntest so du lohnen?
Für solche Kämpfe gabst du solche Kronen? – –
Und auch du hast mich verrathen!
Grausam, Theurer, war dein Lieben,
Daß du fern nicht bist geblieben,
Als du fühltest Todeswehen!

(Immer weicher, zuletzt in Thränen ausbrechend.)

Warst du mir nicht schon entrissen,
Nicht von mir getrennt, verbannt?
Hatt' ich nicht mit tausend Thränen,
Armer, unglücksel'ger Freund,
Dich schon lang' als todt beweint?
Mußte denn das Auge sehen,
Was das Herz schon lang erkannt?

Lisarda.

O, zähmet Euern Schmerz, seyd muthig, Donna!

Estela.

Du armer Lebensmüder! schläfst du nun?
Gehetztes Wild, das blut'ge Rüden jagten
Durch Wald und Grund, bist du hierher geflüchtet
lind ruhst nun hier? Ein fühlend Herz war dein,
Ein einziges im Umkreis der Natur;
Die einz'ge Freistatt, wo, dir gleich gestimmt,
Ein Wesen lebte, dem der eigne Schmerz
Den deinen ließ verstehn! Es aufzusuchen,
Trieb dich dein Sehnen, Trost und Lind'rung hoffend;
Und als du es erreicht, mühsam erreicht,
Von Schmerz und Todesnoth, und Qual und Bangen
Geleitet; als den ersten Klagelaut
Die kranke, wundenvolle Brust gehaucht
In die verwandte, – sinkst du hin und stirbst!
O, all' Ihr Engel! ist denn Schmerz die Seele,
Die diese Welt belebt, der Herzensschlag,
Der durch die Pulse geht der rauhen Erde?

Lisarda.

O güt'ge Vorsicht! Donna, faßt Euch doch!
Beweint den Todten nicht, beweint Euch selbst;
Ersinnet Rath und Rettung aus für uns,
Denn wir bedürfen sie, der Todte nicht.

Estela.

Was kümmert mich, was noch geschieht, was nicht?
Das Aergste ist geschehn! – Ich biete Trotz
Dem Schicksal, es verwunde, schleudre nieder
Den Strahl des Blitzes, sende seine Pfeile
Auf diese Brust: hier ist sie, hier – ich lache!

Lisarda.

O Gott, geliebte Frau! Vergeßt doch nicht,
Daß Ihr die Gattin seyd Don Garcia's,
Daß Eure Ehre, Eures Gatten Ehre –

Estela.

Du mahnst zu rechter Zeit, du redest wahr!
Der hier gestorben, war mein Gatte nicht.
Was kümmert mich sein Ende. Wer auch hieß
Hierher ihn kommen, mit dem Tod im Herzen?
Thörichte Sehnsucht, die ihn trieb, Gefahr
Und Qual nicht achtend, mit dem Grabesengel
Um eine schmerzliche Minute noch
Zu ringen! Thor! – er war mein Gatte nicht.

Lisarda.

Ertrugt Ihr nicht mit muthgestählter Seele
Die Trennung vom Geliebten? nun, so tragt
Auch jetzt das Kleinre muthig – seinen Tod.
Bringt so das letzte Opfer Eurer Ehre.

Estela.

Die Lieb' ist todt, des Tages helle Sonne.

Lisarda.

Die Ehre lebet noch.

Estela.

Der Mond der Nacht.

Lisarda.

Schon ist es Tag. Wenn Eure Diener nahn,
Wenn man den Leichnam trifft in Eurer Kammer?
Wie bringen wir den Todten aus dem Haus? –
Wer naht?

Estela.

O Gott!

Lisarda.

Don Nuñez? – Ihr? – Zurück!

(Sie sucht Nuñez, der während der letzten Reden eingetreten war, zu entfernen; Estela zieht den Vorhang zu.)

Fünfte Scene.

Vorige. Don Nuñez.

Nuñez.

Ha, welch ein Bild enthüllt sich meinen Blicken?
Was ist geschehn? Sprecht, Donna, sprecht! Was ist's?
Welch sonderbar befremdendes Ereigniß,
Dem ich ein unwillkommner Zeuge nahe?
Ein Leichnam hier in Eurer Kammer, Donna –
Lisarda, die den Eingang mir verwehrt –
Ihr selbst in Thränen, der Verzweiflung Schrift
In Eurem Antlitz lesbar eingegraben –
Klärt mir, ich bitt' Euch sehr, dieß Räthsel auf!
Ihr schweigt? – Wer ist der Todte? – Laßt doch sehn!
Ist's möglich! – Er – Fugaçe!

Estela.

Tödte mich!
Wirf deinen Blitz herab, mich zu zerschmettern!

Nuñez.

Wenn Euch Erstaunen faßt, mich hier zu sehn,
So glaubt, noch mehr erstaunet bin ich selbst.
Fänd' den Geliebten lebend ich bei Euch,
Es würde mich, der Eure Strenge kennt,
Ein solcher Anblick seltsam wohl befremden;
Doch daß ich todt ihn seh' zu Euren Füßen,
Bei meinem Haupt! das ist so wunderbar,
Daß ich's für Fabel hielte, stände nicht
Die Wahrheit sichtbar, fühlbar vor mir da.

Estela.

Beschlossen hat das Schicksal mein Verderben,
Zu meinem Untergang seyd Ihr genaht.
Aus allen Sterblichen in Eure Hand,
In Eure nicht, Don Nuñez, sollt' ich fallen.

Nuñez.

Warum in meine nicht? Weil kalte Strenge,
Ja bittern Hohn ich oft von Euch erfuhr?
Weil Ihr mit Eurer Unschuld Sonnenglanz
Die Augen mir geblendet, mir so oft
Die Kluft gezeigt, die meine Niedrigkeit
Vom Adel Euerer Gesinnung schied? –
Seyd unbesorgt deßhalb, Donna Estela!
Ich nehme gern die Zeit, wie sie sich zeigt,
Sie ändert ihr Gewand, und wir mit ihr.

Estela.

Glaubt, was Ihr hier gesehn, wie auch befremdend –

Nuñez.

O, laßt das, edle Frau! ich grüble nicht.
Und weil ein solcher Augenblick gekommen,
Daß Ihr, ich weiß es wohl, mir müßt vertraun,
Darf ich ein offnes Wort Euch ja bekennen. –
Des Schicksals Güter sind nicht gleich getheilt,
Und Manches miss' ich, das es mir entzog,
Um die Begünstigtern zu krönen;
Doch einer Gabe rühm' ich dennoch mich,
Die mir für viele andre gelten muß:
Ein fester Sinn ward mir ins Herz gelegt,
Beharrlichkeit, die leicht sich beugt und biegt,
Doch die kein Sturm entwurzelt und verweht, –
Mir ist die Zeit die strenge Parze nicht,
Die mit geschäft'ger Scheere rasch den Faden
Abschneidet meiner Wünsche, meines Glücks;
Die mildre Schwester, die ihn weit hinaus
Mit goldner Spindel spinnet, ist sie mir.
Es reift Geduld mir manche süße Frucht,
Und nicht voreilig brech' ich sie herab!
So lange lass' am hoffnungsgrünen Zweige
Ich sie die Sonne der Gelegenheit
Bescheinen, bis, vom süßen Safte schwer,
Sie mir von selbst herabfällt in den Schooß.
Doch strenger als der goldnen Aepfel Pracht
Im alten Zauberhain der Hesperiden
Des Drachen Auge – halt' ich sie bewacht.
Ihr seyd die goldne Frucht, und lohnend zeigt
Sich mir für langes Harren nun der Preis.

Estela.

O, ew'ge Vorsicht! und dein Donner schweigt?

Nuñez.

Sie hat in meine Hand Euch jetzt gegeben,
Und nicht gesonnen bin ich, Euch zu lassen! –
Der Todte ist die Brücke, die mich führt
Zum duft'gen Blütheneiland meiner Liebe,
Zu dem umsonst ich lang' den Weg gesucht.

Lisarda.

Das ist zu viel, zu viel!

Estela.

O, Fassung, Fassung!
Du nur, o Himmel, weißt –

Nuñez.

Was ich errathe.
Entflohen war Fugaçe, verbannt?
Ja wohl! Entflohn zu Euch, verbannt zu Euch! –
Wozu Verstellung länger zwischen uns?
Indeß den Gatten Ihr mit falschem Scheine
Erborgter Tugend hintergingt, die Welt
Getäuscht mit einer Maske, die Ihr trugt,
Kommt das Geschick und lachet Eurer Künste,
Reißt Euch die Larve vom Gesicht herab;
Und die, ein unnahbarer Cherub, lang
Geglänzt im Heil'genscheine, wird ein Weib,
Die des Geschlechtes Reiz' und Schwächen theilt.

Estela.

Unwürdiger Verdacht, der mich befleckt!

Nuñez.

Und glaubt mir auf mein Wort, Donna Estela!
Bei diesem Tausche habt Ihr nur Gewinn.
Die strengen Fraun sind selten liebenswerth,
Die liebenswerthen Fraun – sind selten streng;
Und sagt, ward je, was liebenswerth, gehaßt?

Estela.

Mißbrauchet nicht unedel die Gewalt,
Die über mich der Zufall Euch verschafft!
So wahr ihm Ruhe werden soll im Grabe,
Dem man im Sterben selbst sie nicht vergönnt:
Die Schuld, der Ihr mich zeiht, sie trifft mich nicht!
Es hat Estela's Blick ihn nicht gesehn,
So lang des Lebens letzte Kohle glimmte.
Nur, als verfolgt vom Grimme seiner Feinde,
Er Raum nicht fand in Spanien, sein Haupt
Im Tode friedlich hinzulegen, trieb
Die letzte Tücke seines bösen Schicksals
Ihn in die Nähe der verlobten Braut,
Von der ein edles Opfer ihn geschieden.
Beim ew'gen Heil, bei seiner Seele Frieden:
Mich hat sein brechend Auge nur geschaut!

Nuñez.

Nehmt immer an, daß ich die Rede glaube!
Wie es auch sey, sehr hart seyd Ihr bedrängt,
Verloren, hätt' ich nicht zu schweigen Lust,
Ja selbst, wenn Euch zu helfen ich versäume.
So lang' dieß Dach ihn noch beherbergt, ist
Der Todte hier nicht todt für Euch. Dem Munde
Enthallen Worte, eine Stimme schreit
Aus dieses Leichnams Brust, verbotner Liebe
Euch streng bezüchtigend! Laut ruft sie's aus,
Daß Euern Buhlen, den geächteten,
Ihr in der Nähe hier geheim verbargt. –
Stellt einen Zeugen für das Gegentheil;
Ihr habt ihn nicht. – Laßt Thränenströme fließen,
Betheuert Eure Unschuld, schwöret Eide –
Man glaubt Euch nicht; denn ich erschein' als Kläger,
Und dieser Zeuge, Donna –

(Deutet auf den Todten,)

Zeugt für mich!

(Nach einer Pause Estela's Hand fassend.)

Doch seyd getrost, mich dauert Eure Noth! –
Den Todten schaff' ich fort, lass' in mein Haus
Ihn tragen, als ob leblos auf der Straße
Man ihn gefunden. Harret bis zum Abend;
Denn schon ist's Tag, unmöglich wär' es jetzt,
Den Leichnam unbemerkt hinweg zu bringen.
Doch kommt die Nacht, die dem Geheimniß hold,
Und liebend, wie Ihr wißt, mit ihrem Mantel
Gar Manches deckt, was fremdem Auge gern
Verborgen bliebe, dann erwartet mich.
Euch zu befrein von diesem bösen Gaste,
Mag meine Sorge seyn, – Ich gehe nun,
Und lass' Euch Zeit zu denken, edle Frau,
Ob meine Dienste Eurer Freundschaft werth.
Nachts kehr' ich wieder; – bis dahin – lebt wohl!

(Geht ab.)

Estela.

O thränenwerthe Lieb' – unsel'ge Neigung!

(Der Vorhang fällt.)

Ende des dritten Aufzugs.

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