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Zur Geschichte der proletarischen Frauenbewegung Deutschlands

Clara Zetkin: Zur Geschichte der proletarischen Frauenbewegung Deutschlands - Kapitel 12
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authorClara Zetkin
titleZur Geschichte der proletarischen Frauenbewegung Deutschlands
publisherVerlag Roter Stern
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Die kommunistische Frauenbewegung

Die kommunistische Frauenbewegung hat eine kurze, aber höchst inhaltsreiche Geschichte. Sie entwickelt sich und wirkt in der bedeutungsvollsten Periode, die die Menschheitsgeschichte bis nun kennt. In der Periode der mit dem Roten Oktober 1917 begonnenen proletarischen Weltrevolution, die dank der Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und der Verwirklichung des Kommunismus als Gesellschaftsordnung alle wirtschaftlichen und sozialen Schranken zwischen den Menschen niederreißt und neue gesellschaftliche Lebensformen schafft. Diese gewaltige Umwälzung der Gesellschaft ist unerläßliche Bedingung für ein neues, höheres Verhältnis von Mann und Weib, von Eltern und Kindern und in der Folge für die volle menschliche Befreiung und Gleichberechtigung des gesamten weiblichen Geschlechts. Die kommunistische Frauenbewegung soll und will bewußt diesem großen Ziel dienen, dessen Verwirklichung das Werk der vom Kapitalismus Ausgebeuteten und Unterdrückten der ganzen Welt sein muß, die unter Vorantritt und Führung des klassenklaren Proletariats zu revolutionär Kämpfenden werden. Die Tätigkeit der Kommunistinnen ist planmäßig und organisch darauf gerichtet, breiteste Massen der durch die Klassenherrschaft der Großbesitzenden ausgeplünderten und niedergetretenen werktätigen Frauen, die durch die Geschlechtsherrschaft des Mannes gefesselten Frauen aller sozialen Schichten zu Mitkämpferinnen für dieses Befreiungswerk zu erheben. Das Wollen und Handeln der zwiefach Geknechteten müssen von dem Wissen geleitet werden, daß die proletarische Weltrevolution der einzige Weg zu ihrer Befreiung ist.

Auf höherer Stufe der geschichtlichen, der theoretischen Erkenntnis und der praktischen Betätigung setzt die kommunistische Frauenbewegung das von der sozialdemokratischen Frauenbewegung einst im marxistischen Geiste willig begonnene, aber heute verratene Werk fort. Zwischen beiden gähnt abgrundtief ein unüberbrückbarer Gegensatz: die Einstellung zur bürgerlichen Gesellschaftsordnung, zu ihrer Wirtschaft, ihrem Staat. Volle Frauenemanzipation durch Reform der bürgerlichen Gesellschaft oder durch die Revolution – das ist die Frage, die die beiden Bewegungen grundsätzlich und taktisch trennt. Verbürgerlicht weicht die sozialdemokratische Frauenbewegung revolutionsfeindlich vor den klaren, eindeutigen Lehren der Ereignisse seit 1914 zurück. Die kommunistische Frauenbewegung zieht dagegen in Theorie und Praxis die zielsetzenden, wegweisenden Schlußfolgerungen aus dem imperialistischen Weltkrieg, der russischen Revolution und dem historischen Geschehen seither. Sie wird dabei von der treu festgehaltenen Geschichtsauffassung des revolutionären Marxismus geleitet und seiner konsequenten, lebenskräftigen leninistischen Anwendung auf die Probleme und Aufgaben des gesellschaftlichen Entwicklungsprozesses.

Der Ausgangspunkt der organisierten kommunistischen Frauenbewegung ist der Gründungskongreß der III. Internationale zu Moskau im März 1919. Das Verhältnis dieser weltumspannenden Organisation des Proletariats zu ihr spiegelt die fortgeschrittene objektive und subjektive geschichtliche Reife der gesellschaftlichen Entwicklung für die proletarische Revolution wider. Der Gründungskongreß der III. Internationale begnügte sich nicht damit, gleich dem Gründungskongreß der II. Internationale der Forderung der Gleichberechtigung der Frauen und ihres Marschierens in Reih und Glied des kämpfenden Proletariats Beifall zu spenden und nichts mehr. Auf Antrag russischer Genossinnen – ausländische Kommunistinnen konnten wegen, der damaligen außerordentlichen Schwierigkeiten des Verkehrs mit Sowjetrußland an der Tagung nicht teilnehmen – nahm er einstimmig eine Resolution an, die die volle Gleichberechtigung der Frauen und ihre Bedeutung als nicht zu missende Kraft der Revolution in sich begreift. Sie stellte fest, daß die Kommunistische Internationale »die vor ihr stehenden Aufgaben nur erfüllen, den endgültigen Sieg des Weltproletariats und die vollständige Abschaffung der kapitalistischen Ordnung nur sichern kann durch den engverbundenen gemeinsamen Kampf der Frauen und Männer der Arbeiterklasse. Die Diktatur des Proletariats kann nur unter regem und aktivem Anteil der Frauen der Arbeiterklasse verwirklicht und behauptet werden.« Siehe »Protokoll über die Verhandlungen in Moskau vom 2. bis 19. März 1919«, Hamburg 1921, S. 194.

Der Geist dieses Beschlusses ist bestimmend geblieben für das Werden, Wachsen und Wirken der kommunistischen Frauenbewegung, für ihr Verhältnis zu der Kommunistischen Internationale und ihren nationalen Sektionen. Die II. Internationale war ideologisch und organisatorisch ein loses Gebilde, dessen verpflichtende und führende Kraft nicht über Resolutionen und Demonstrationen hinausreichte. Die sozialdemokratische Frauenbewegung entwickelte sich in ihrem Rahmen, jedoch nicht unter ihrer Leitung. Die III. Internationale hat aus dem Geschehen des imperialistischen Zeitalters, hat aus den Mängeln und dem schließlichen schimpflichen Versagen und Verraten ihrer Vorgängerin gelernt. Im Gegensatz zu ihr ist sie ideologisch und organisatorisch eine festgefügte Einheit. Die kommunistische Frauenbewegung entfaltet und betätigt sich daher nicht bloß im Rahmen der III. Internationale, sondern in unlösbarem Zusammenhang mit ihr und unter ihrer Führung. Wie die ganze große Weltorganisation des vorstürmenden Proletariats stützt sie sich für ihr Arbeiten und Kämpfen auf die Theorie des historischen Materialismus, wie sie Lenin weiterentwickelt zur gestaltenden Praxis erhoben hat, und auf die Erfahrungen, die Lehren der russischen Revolution. Internationale Einheitlichkeit der Grundsätze der Organisation, der Aktion, um die mit Hand und Hirn werktätigen Frauenmassen gemeinschaftlich mit ihren Klassenbrüdern als Kräfte der sie befreienden, gleichberechtigenden Revolution zur geschichtlichen Geltung zu bringen: Das sind Leitgrundsätze und Ziele der kommunistischen Frauenbewegung.

Erfolgreich wirken internationale Frauenkonferenzen und Frauenberatungen für das dreifache Ziel. Sie finden in Verbindung mit Weltkongressen der Kommunistischen Internationale oder Vollsitzungen ihrer Exekutive statt, und ihre Beschlüsse wie Berichte werden diesen Tagungen zur Prüfung und Entscheidung vorgelegt, wobei selbstverständlich die Vertreterinnen der Genossinnen mitzusprechen und mitzustimmen haben. Für Grundsätze, Taktik und Organisation der kommunistischen Frauenbewegung war besonders die zweite Internationale Konferenz der Kommunistinnen 1921 zu Moskau grundlegend und richtunggebend. Sie beriet und beschloß Richtlinien für die internationale kommunistische Frauenbewegung, die diese scharf ebenso von der Frauenrechtlerei als auch von der nicht weniger bürgerlichen reformistischen Sozialdemokratie und ihrer Frauenbewegung scheiden. Die Richtlinien gehen von der Feststellung aus, daß das Privateigentum die letzte Ursache der Geschlechtssklaverei und der Klassensklaverei ist und daß einzig und allein die Aufhebung des Privateigentums an den Produktionsmitteln, ihre Umwandlung in Gesellschaftsbesitz, volle Frauenbefreiung sichert. Diese weit- und tiefreichende Umwälzung der Gesellschaftsordnung muß die Gemeinschaftstat der Besitzlosen und Wenigbesitzenden ohne Unterschied des Geschlechts sein. Ohne revolutionären Klassenkampf des Proletariats keine wirkliche volle Frauenemanzipation, ohne Beteiligung der Frauen daran keine Zerschmetterung des Kapitalismus, keine sozialistische Neuschöpfung.

Die Richtlinien weisen zwingend nach, daß der erlösende Kommunismus zur Voraussetzung die Revolution hat, in der das kämpfende, siegreiche Proletariat seine Diktatur aufrichtet als Weg zum Ziel der gewaltigen gesellschaftlichen Umwälzung. Sie zerfetzen die trügerische und verderbliche Illusion, daß geänderte Gesetzestexte zugunsten der Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts und soziale Reformen zur Besserstellung des Proletariats, daß bürgerliche Diktatur statt proletarischer Diktatur Freiheit und Gleichberechtigung zu bringen vermöchten. Reformen der einen und anderen Art sind und bleiben Flickwerk an der ausbeutenden, knechtenden bürgerlichen Gesellschaft, sie bedeuten keine Lösung der Frauenfrage, der sozialen Frage, erklären die Richtlinien. Nach dieser grundsätzlichen Ablehnung der Reformen als »Endziele« der kommunistischen Frauenbewegung formulieren sie eine Reihe von Forderungen, geeignet, brennende Tagesnöte der werktätigen Frauen ein weniges zu lindern, als Anknüpfungspunkte für die kommunistische Aufklärungs- und Organisierungsarbeit unter ihnen zu dienen, die Erkenntnis, den Willen und die Entschlußkraft der Erweckten über sich aufdrängende Tages- und Teilforderungen auf die Machteroberung des Proletariats, den Umsturz der Gesellschaft zu richten und ihre Kampftüchtigkeit für die Revolution zu stärken und zu steigern.

Die Richtlinien lehnen Sonderorganisierung der Kommunistinnen mit aller Entschiedenheit ab. Diese treten als gleichberechtigte, gleichverpflichtete und gleichgewertete Mitglieder in die kommunistische Partei ihres Landes ein; Arbeiterinnen, weibliche Berufstätige müssen den Gewerkschaften ihrer Berufsgenossen angehören. Angesichts vorgefundener bestimmter sozialer Verhältnisse, der Rückständigkeit und Unfähigkeit vieler Frauen und Männer, die Notwendigkeit und Überlegenheit der gemeinschaftlichen Organisation zu erfassen, bedürfen die kommunistischen Parteien zur Zeit noch besonderer Organe, die sich durch ihr erfolgreiches Wirken mit der Zeit selbst überflüssig machen. Wie diese Organe zusammengesetzt sind – am besten aus Genossinnen und Genossen – , ist Zweckmäßigkeitsfrage. Das Wesentliche der internationalen kommunistischen Frauenbewegung ist die planmäßig organisierte, energische Betätigung der nationalen kommunistischen Parteien unter den Proletarierinnen, den werktätigen Frauen, um diese in Massen gegen den Kapitalismus, die bürgerliche Ordnung, in Bewegung zu setzen.

Der III. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale hat die Richtlinien bestätigt. Ihren Leitgedanken entsprechend, haben sich internationale Konferenzen und Beratungen der organisierten Kommunistinnen – zwei in Berlin, die übrigen in Moskau – mit der Betätigung auf wichtigen Gebieten der Parteiarbeit auseinandergesetzt: in den Gewerkschaften, den Genossenschaften, auf dem Gebiet des Bildungs- und Erziehungswesens. Die Tagungen haben sich ferner eingehend mit der systematischen Durchführung von Frauen- und Arbeiterinnendelegiertenversammlungen und Konferenzen beschäftigt als einem wertvollen Mittel, über die Kreise der kommunistischen Partei hinaus für deren Aktionen werktätige Frauen zu werben und die Geworbenen gleichzeitig zu sozialer Gemeinschaftsarbeit zu erziehen. Sie haben in dem gleichen Sinne Stellung genommen zu dem Wirken in überparteilichen Massenorganisationen, sympathisierenden, insbesondere überparteilichen Frauenorganisationen. Nationale Tagungen der Kommunistinnen fördern die Bewegung in der gleichen Weise, selbstverständlich in Verbindung mit der kommunistischen Partei ihres Landes. Seit 1921 wirkten zwei internationale Frauensekretariate – das eine in Berlin für den Westen, das andere in Moskau für den Osten – für die feste Verbindung der kommunistischen Frauenbewegung der einzelnen Länder miteinander und mit der Leitung der Kommunistischen Internationale. Sie wurden nach dem V. Weltkongreß als Frauenabteilung der Exekutive vereinigt und ausgestaltet. Sie hat ihren Sitz in Moskau und ist mit ihrer Arbeit allen Abteilungen und Organen des Stabes der proletarischen Weltorganisation eingegliedert. Diese geht mit gutem Beispiel der Leitung der nationalen Sektionen voran.

Die internationale Einheitlichkeit der grundsätzlichen Einstellung und Organisation der kommunistischen Frauenbewegung stärkt die internationale Einheitlichkeit ihrer Aktionen, verleiht ihnen fortreißenden Schwung und durchhaltende Kraft. Der Aufruf führender Kommunistinnen zur Hungerhilfe für Sowjetrußland 1921 entflammte in allen noch kapitalistischen Staaten ungezählte Frauenherzen zu opferfreudigem, tatkräftigem Beistand. Der internationale kommunistische Frauentag des 8. März vereinigt von Jahr zu Jahr wachsende Scharen revolutionär aufbauender Frauen in der Sowjetunion, revolutionär vorwärtsdrängender Frauen in den kapitalistischen Staaten und Kolonial- und Halbkolonialländern in dem einen gemeinschaftlichen Bewußtsein ihrer unlöslichen internationalen Zusammengehörigkeit miteinander und mit ihren Brüdern für die Verwirklichung des befreienden Kommunismus. Wann immer nationale kommunistische Parteien im Zeichen der III. Internationale die Massen der Proletarier, der Werktätigen aller Schichten zum geschlossenen und entschlossenen einheitlichen Kampf aufrufen gegen imperialistische Kriegsgefahr, gegen bürgerliche und sozialdemokratische antibolschewistische Hetzkampagnen, die eine sowjetfeindliche Politik zur wirtschaftlichen Erdrosselung des ersten Staates der proletarischen Diktatur rechtfertigen, militärische Überfälle imperialistischer Mächte wider ihn vorbereiten sollen: da stehen in den vordersten Reihen Frauen bereit, ihre ganze Kraft für die Sache der Revolution und damit für ihre eigene Befreiung einzusetzen.

Werktätige Frauen haben allerwärts durch höchstes Helden- und Märtyrertum den großen revolutionären Wert ihrer Beteiligung an den Kämpfen ihrer Brüder in die Geschichte geschrieben – bei den Erhebungen der sozial und national Niedergetretenen und Ausgesogenen in Bulgarien, Rumänien, Jugoslawien, bei dem Ringen industrieller, ländlicher, intellektueller Werktätiger mit Faschismus und Terror in Italien, Polen und anderen Staaten; bei dem Riesenkampf der Bergarbeiter in Großbritannien; bei dem revolutionären Vorstürmen von Arbeitern, Bauern, Kleinbürgern und Akademikern gegen nationale und soziale Knechtschaft in China, Indien, Indonesien, Indochina, Südwestafrika und anderen Gebieten imperialistischer Ausplünderung; bei Streiks und Aussperrungen jeder Art und überallhin denen die Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen nicht selten beispielgebend vorangingen; bei harten Auseinandersetzungen um sozialpolitische Maßnahmen, politisches und kulturelles Recht der Habenichtse und anderes mehr. Stets und allerorten, wo die Frauen aktiv in das Geschehen eingriffen, wurde ihre Kampfentschlossenheit und Kampffreudigkeit durch das Bewußtsein internationaler Verbundenheit erhöht, auch wenn diese nicht in den Taten zum Ausdruck kommen konnte. Die revolutionäre Ideensaat der kommunistischen Frauenbewegung keimt, schießt in die Halme.

Starke und wohlgeschulte Bataillone, ja eine ganze stattliche Armee stellen die organisierten Genossinnen in der Sowjetunion der kommunistischen Frauenbewegung. Es ist wahrlich mehr und Wertvolleres als nur ihre zahlenmäßige Stärke und ihre Machtstellung als Gleichberechtigte im Staate der proletarischen Diktatur und der ihn führenden russischen Kommunistischen Partei, was sie ihr zubringen. Es ist der reiche Schatz ihrer Erfahrungen als revolutionär Kämpfende in der Periode der Eroberung und der Behauptung der Staatsmacht durch das Proletariat; als Mitarbeitende in der Zeit des Gebrauchs der Macht zum sozialistischen Aufbau; als Miterweckende und Miterziehende der proletarischen und bäuerlichen Massen – insbesondere der werktätigen Frauenmassen – in beiden aufgaben- und verantwortungsreichen Perioden. Es versteht sich, daß diese Erfahrungen für die kommunistische Frauenbewegung außerhalb der Sowjetunion keine gedankenlose, sklavische Nachtreterei unter anderen geschichtlichen Verhältnissen als dort bedeuten, wohl aber eine Fülle fruchtbarer Anregungen und Hinweise übermitteln. Ein unversiegbarer Born revolutionärer Kraft und Erhebung ist für die internationale kommunistische Frauenbewegung das glänzende persönliche Vorbild der Freiheitskämpferinnen des Roten Oktober, der Blockadezeit, des Interventions- und Bürgerkrieges, ist das nicht minder heroische Beispiel der sozialistisch Aufbauenden von heute. Die Kommunistinnen aller nichtsowjetischen Länder können von ihnen lernen, wie man für die Revolution stirbt und – was oft noch schwerer ist – für die Revolution lebt.

Zusammen mit der III. Internationale zieht die kommunistische Frauenbewegung ihre Kreise über den Erdball. Sie lebt und wirkt, nicht nur in Kanada und den Vereinigten Staaten, in Mexiko und den Ländern Mittel- und Südamerikas, in Südafrika und Australien. Sie revolutioniert auch Massen von Frauen im Nahen und Fernen Osten; Frauen, die, durch jahrtausendealte wirtschaftliche und soziale Lebensformen gekettet, die Versklavtesten der Geschlechtssklavinnen sind. Gewiß, der dort eingebrochene kapitalistische Handel und die in manchen jener Länder aufkommende kapitalistische Produktion haben mit ihren Auswirkungen zum Entstehen einer bürgerlichen Frauenbewegung geführt, die bemerkenswerte Erfolge errungen hat. Jedoch von dem bürgerlichen Wesen und den bürgerlichen Zielen dieser Bewegung abgesehen, ist sie nicht erweckend, emporreißend in die Tiefen der Gesellschaft gedrungen, es hat ihr deshalb der Schwung umfangreicher Bewegungen und höchster Zielsetzungen gefehlt. Im ziel- und wegweisenden Leuchten des Sowjetsterns entsteht in den Ländern des Orients im Zusammenhang mit kommunistischen Parteien eine kommunistische Frauenbewegung, die zumal in China Scharen von Proletarierinnen, Bäuerinnen wie auch zahlreiche studierte Frauen und Kleinbürgerinnen zu todesmutigen revolutionären Kämpferinnen erhebt. Am internationalen kommunistischen Frauentag 1927 trat für die Provinz Hubee eine Frauenkonferenz zusammen, die ihr Aktionsprogramm mit der Erklärung einleitete: »Die Revolution ist der einzige Weg zur Befreiung der Frau.«

Anerkennenswert ist die Entwicklung, sind die Leistungen der kommunistischen Frauenbewegung. Erfolge dürfen nicht berauschen, sie verpflichten. Es wäre des Kommunismus unwürdig, wollten seine organisierten Vorkämpferinnen ihr Werk unter den Frauenmassen des Proletariats, der Werktätigen an dem Erreichten messen und nicht an der Größe und Bedeutung der Aufgaben, die ihnen die Periode des niedergehenden Weltkapitalismus und der begonnenen, unaufhaltsam weiterreifenden proletarischen Weltrevolution stellt. Die Trägerinnen und Träger der kommunistischen Frauenbewegung dürfen diese nicht sehen, wie sie sein soll, sie müssen sie so erblicken, wie sie ist. Von ihrer Entwicklung und ihrem Wirken in der Sowjetunion abgesehen, ist sie in beiden Beziehungen noch schwach. Fast in allen nationalen Sektionen der Kommunistischen Internationale erweisen die Zentralleitungen und die ihnen unterstehenden Organe noch immer ungenügendes Verständnis für die Notwendigkeit und den Wert der Beteiligung werktätiger Frauenmassen am revolutionären Klassenkampf des Proletariats, für die geschichtlich gegebenen Bedingungen dieser Beteiligung. Wo der imperialistische Kapitalismus herrscht und ausbeutet, hat die kommunistische Frauenbewegung die Gewalten seiner Wirtschaft, seines Staates, seiner Gesellschaftsordnung gegen sich, dazu die schärfste, skrupellose Konkurrenz der bürgerlichen und der sozialdemokratischen Frauenbewegung. Sie ist noch jung, und aus geschichtlich begreiflichen Gründen kommen in ihr die Schwächen und Fehler der kommunistischen Parteien der einzelnen Länder besonders stark zum Ausdruck.

Diese und andere hindernde Umstände raschen und gewaltigen Aufschwungs der kommunistischen Frauenbewegung entmutigen nicht, im Gegenteil, sie spornen zu höchster Willens- und Kraftentfaltung an. Mit leninistischer Gewissenhaftigkeit wird sie an Hand des dialektischen Materialismus die Bedingungen ihres Reifens und Wirkens untersuchen, wird sie sich dank festgegründeter theoretischer Erkenntnis erfolgreiches praktisches Handeln sichern. Lernend, arbeitend, kämpfend wird die kommunistische Frauenbewegung die sich ihr entgegentürmenden Hindernisse und Schwierigkeiten bezwingen. Ihren Anspruch auf Gleichwertung der Frauen als Kräfte der Revolution, des Kommunismus wird sie durch Taten erhärten. Von besonderer Bedeutung dafür ist, daß die organisierten Kommunistinnen die Fehler und Mängel ihrer theoretischen und praktischen Einstellung niederringen, daß sie eifrigsten, verständnisvollen Anteil nehmen an der Überwindung der Fehler und Mängel, die den Entwicklungsprozeß der nationalen Sektionen zu führenden Massenparteien des revolutionären Proletariats begleiten. Vor der kommunistischen Frauenbewegung steht das anfeuernde Beispiel des ersten Staates der proletarischen Diktatur, der in seiner Verfassung die volle Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts festlegt, der diese Gleichberechtigung durch Einrichtungen und Maßnahmen für die berufliche und allgemeine kulturelle Bildung und Betätigung der werktätigen Frauen, durch weitreichende soziale Fürsorge für Mutter und Kind und andere grundlegende Neuerungen sichert. Sie wird getragen und vorwärtsgetrieben von den Auswirkungen der objektiven Elemente, die trotz Stabilisierung und Rationalisierung unter der erbarmungslosen Herrschaft des imperialistischen Monopolkapitals das Ende der bürgerlichen Gesellschaftsordnung beschleunigen. Mit den sich organisierenden, revolutionär kämpfenden Ausgebeuteten aller Staaten und Gebiete kapitalistischer Macht erweist sich auch die kommunistische Frauenbewegung als ein subjektiver Faktor des Umsturzes, der Verwirklichung des Kommunismus. Als ein solcher muß sie die werktätigen Frauenmassen der revolutionsfeindlichen bürgerlichen und sozialdemokratischen Frauenbewegung entreißen. Nicht die zahlenmäßige Stärke allein, mit der jene sich brüsten, bedeutet gesellschaftsumwälzende, befreiende Kraft. Von entscheidendem geschichtlichem Wert ist die richtige Einschätzung der gesellschaftlichen Entwicklung und der für ihr Ziel entfesselten Energien des Willens, der Tat. An diesen geschichtlichen Werten ist die junge kommunistische Frauenbewegung den beiden gegenrevolutionären Bewegungen, ja allen Gewalten der bürgerlichen Gesellschaft bei weitem überlegen. Diese Erkenntnis, durch Taten veranschaulicht, wird die proletarischen, die werktätigen Frauen lehren und um das rote Banner sammeln. Als frauenbefreiende Kraft wird der Sieg der Revolution auch das Werk der kommunistischen Frauenbewegung sein.

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