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Zu Tempeln und Pyramiden

Rudolf von Habsburg: Zu Tempeln und Pyramiden - Kapitel 5
Quellenangabe
typereport
authorKronprinz Rudolf von Österreich
titleZu Tempeln und Pyramiden
publisherEdition Erdmann GmbH
editorHeinrich Pleticha
year2005
isbn3865030238
firstpub1881
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20080523
projectidca9b9311
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5. Kapitel

Vom Bahnhofe fuhren wir durch die schönen Baumreihen über die große Nilbrücke nach der alten Kalifenstadt, in deren Straßen jetzt zur späten eleganten Nachmittagszeit reges Leben herrschte. Equipagen und Reiter, leichtfüßige Vorläufer, europäisches Tun und Treiben neben echt arabischen Kamel-Karawanen, verschleierten Fellachen-Weibern, brüllenden Eseln, Wasserträgern und blinden Bettlern, das alles gleitet wie im Fluge vorbei und froh waren wir wieder, das Kairenser Leben genießen zu können. Durch die europäischen Viertel über die Kanalbrücke gelangten wir bald in die Schubra-Allee und nach unserem Kasr-en-Nusha. Ein Bad und darauf das Diner erfrischten und stärkten nach langer Reise.

Der Zauber einer afrikanischen Mondnacht lockte mehrere von uns hinaus und in Mietwagen fuhren wir in die Stadt. Beim Esbekîyé-Garten hielten wir an und gingen zwischen den üppigen, duftenden Anpflanzungen neben dem Teich, den künstlichen Wasserfällen, Felsenpartien und Kiosken herum. In den meist im arabischen Stile erbauten Restaurationen saßen Leute, fast ausschließlich Levantiner aller Art, dem Handelsstande angehörend, junge Männer, bei Trunk, Musik und Spiel. Dieser, besonders in heißen Zeiten des Jahres, für die Kairenser außerordentlich wohltätige Garten ist in der Tat wundervoll angelegt und gut gehalten, üppig und blühend durch die Segnungen des Klimas. Sein schönster Moment fällt in die Tage des Vollmondes und doch waren wir nicht zufrieden; schon der Mondschein Kairos schien uns blaß und matt im Vergleiche mit jenem des herrlichen Assuans.

Aus dem Esbekîyé-Garten unternahmen wir eine Rundfahrt durch die alten arabischen Stadtviertel. Ohne es zu ahnen war ein günstiger Abend gewählt worden. Die Muslimen feierten das Fest des großen El-Hossein und da genossen wir in den in der Nähe der ihm geweihten Moschee gelegenen Gassen den höchst eigentümlichen Anblick eines orientalischen nächtlichen Volksfestes. Große Menschenmengen wogten in den engen Straßen auf und ab. Die Kaufläden und arabischen Kaffeehäuser waren geöffnet und beleuchtet, Lichter und Kandelaber herausgestellt und an den Häusern angebracht, bunte Teppiche über die Gassen gespannt; an farbigen Schnüren hingen mitten über der Straße brennende Glasluster, und alle Häuser, je nach dem Reichtum ihrer Besitzer, waren mehr oder weniger glänzend ausgeschmückt. Alles strahlte in Lichtern, Farben und dem unglaublichsten bunten Firlefanz. Muslimen jeden Standes und Gewerbes stießen und drängten sich umher; Landvolk in blauen Hemden, schreiende Wasserträger, jammernde Krüppel und Bettler, Beduinen in weißen Burnusen, dicke Kaufleute, vornehme Herren in weiten bunten Gewändern, den grünen Turban als Zeichen der Abstammung vom Propheten am Kopf, Soldaten und Verkäufer verschiedener Art, das alles zog im wilden Durcheinander gegen die Moschee, die mit weit geöffnetem Tor im hellen Glanz aller Lichter strahlte. Von dort aus wälzte sich die Menschenmenge gegen die oberen Teile der Straße, wo Schlangenbändiger, Gaukler, Seiltänzer, Tänzerinnen und Künstler dieser Kategorie auf offener Straße einen orientalischen Wurstelprater improvisiert hatten. Da wir auf Anraten Brugsch-Paschas, der uns auf dieser nächtlichen Exkursion begleitete, nicht in europäischer Touristenkleidung in die um jene Stunde von religiösen Fanatikern dicht gefüllte Moschee gehen sollten, drängten wir uns bis zu den Schaubuden und Gauklern, um da ein echtes, unverfälschtes Volksleben beobachten zu können. Die Straße steigt sanft an und so genossen wir von der Höhe einen Überblick auf das bunte Durcheinander, die grellen Farben und Lichter. Das Ganze schien fast zu toll für den mohammedanischen Orient und erinnerte mich lebhaft an ein Wiener Ballett, in welchem ein chinesisches Volksfest dargestellt wird.

Das Fest El-Hosseîn

Nach einiger Zeit kehrten wir in die europäischen Stadtteile zurück, wo auch noch reges Leben in den Kaffeehäusern und Schanklokalen herrschte. Wie überall im Süden wird die Nacht zum Tag verwandelt und allenthalben sah man arme und reiche Levantiner in europäischer Tracht, aber den Fez am Kopf, an den Billarden, Spieltischen und bei den Musiken. Gar bald traten wir den Heimweg an. Am nächsten Morgen statteten wir dem Vizekönig einen Besuch ab, um ihm für seine große Gastfreundschaft, die wir auch während der Nilreise genossen hatten, zu danken. Es war diesmal keine offizielle Visite und so fuhren wir in aller Stille durch die in den Morgenstunden noch ruhigen Gassen nach dem Palais. Eine Viertelstunde brachten wir beim Khedive zu, den üblichen Höflichkeits-Kaffee trinkend und vorzügliche Zigaretten rauchend. Mit vielem Interesse erkundigte er sich nach all unseren Erlebnissen auf der schönen Nilfahrt. Vom Palais kehrten wir am nächsten Wege nach Kasr-en-Nusha zurück, um bequeme Jagdkleider anzulegen. Nach kurzem Aufenthalt unternahm die ganze Reisegesellschaft einen Ausflug nach den außer der Stadt liegenden vizeköniglichen Lustschlössern Gezîreh und Gizeh.

Die Gärten mit all den Teichen, Wasserkünsten, Fontänen, Kiosken, der üppigen Vegetation, wie sie nur dieses Klima hervorzaubern kann, dem reichen Blumenflor, dem fast betäubenden Duft, den versteckten Laubengängen und schattigen Wegen sind in ihrer Art einzig schön. Nur der raffinierte Geschmack und die üppigen Bedürfnisse des durch die Hitze an ein untätiges Leben gewöhnten reichen Orientalen konnten dergleichen Dinge ersinnen. Dieselbe farbenreiche Phantasie und der zum Lebenszweck erhobene Genuß, den man in den sinnesdurchglühten Märchen des Morgenlandes findet, tritt uns da in Wirklichkeit entgegen. Die großen herrlichen Gärten entzücken den nordischen Wanderer. Leider besteht die unter dem früheren Vizekönig so berühmte Menagerie nicht mehr und wir fanden nur die leeren Käfige. Was die Schlösser selbst betrifft, so konnten sie uns nicht im gleichen Maße gefallen.

Es sind dies riesig große, ziemlich stillos ausgeführte europäische Bauten, an denen nur einige kleine arabische Verzierungen an den Orient mahnen. Im Innern erscheinen die großen Stiegen, Säle und vor allem die unzähligen Zimmer abendländisch, aber geschmacklos farbig und dabei doch kahl eingerichtet. Hie und da erinnern nur einige Divans mit schönen Stoffen, kühle Marmorplatten, kleine Fensternischen, Bassins mit Springbrunnen und herrliche Bäder an das Morgenland. Die vielen Paläste in und um Kairo sind fast alle unbewohnt, bloß einige alte Prinzessinnen führen darin ihr trauriges Dasein zu Ende und so würde die volle Erhaltung Unsummen verschlingen, daher überließ man sie dem allmählichen Verfall, was bei der schnellen, schleuderischen Art, in der sie gebaut wurden, ziemlich rasch vonstatten gehen dürfte.

Gärten und Schlösser durchstöberten wir bis in die letzten Winkel und fuhren dann von da nach den Pyramiden von Gizeh. Die Hitze war drückend und ein recht heftiger Wind trug viel Wüstensand in Augen und Nase, auch erfreute uns der Moment, als der endlose Weg auf dem Damm zurückgelegt war und wir den Fuß der Riesenbauten erreicht hatten. Dieser zweite Besuch galt einer Schakaljagd und der Besteigung der großen Cheops-Pyramide. Einige Araber begannen gleich die ehrwürdigen Denkmäler zu durchstöbern; nur zwei Schakale wurden angetroffen; den einen erlegte der Großherzog, den andern schoß ich in zu weiter Ferne an und mühsam schleppte sich das kranke Tier in die Wüste hinaus. Die dritte kleine Pyramide war ganz leer und so konnten wir schon nach kurzer Jagd den Aufstieg des künstlichen Hochgebirges beginnen. In zwanzig Minuten legten meine Gefährten den etwas mühsamen, aber vollkommen ungefährlichen Weg zurück. Ich wollte die Araber, welche die Touristen von allen Seiten umringend von Stufe zu Stufe schlendern, in lebhafte Bewegung versetzen und sprang in neun Minuten von Stein zu Stein bis zur Spitze empor. Von der ziemlich schmalen Plattform genießt man eine herrliche Aussicht nach dem grünen Niltal, den sich ausbreitenden Kultur-Landschaften Unterägyptens, den beiderseitigen rötlich gelben Wüstengebieten und der herrlichen Stadt Kairo mit ihrem Häusermeer und den hochragenden Minaretts.

Die Sonne neigte sich eben zum Untergang. Im orangegelben Dunstkreis der heißen Luft, dem aufwirbelnden Wüstensand, erschien die Scheibe wie eine glühende Kugel, langsam in der libyschen Wüste verschwindend; dunkle Schattierungen lagen auf den östlichen Gebirgen, und die alte Zitadelle sowie die Felswände des Mokkatam erglänzten im rötlichen Schimmer, ähnlich unserem Alpenglühen.

Einige als Schnelläufer besonders geübte Pyramidenführer liefen für ein gutes Bachschîsch in der Zeit von acht Minuten von der Spitze der Cheops-Pyramide herab und auf die des Chefrên hinauf, deren höchste Teile durch die stufenlose Kruste sehr gefährlich zu ersteigen sind. Nach diesem interessanten Schauspiel kletterten auch wir von unserem hohen Standpunkt herunter. Während des Weges erzählte mein junger Führer mit schönem, echt arabischen Gesichtsausdruck auf gebrochen Französisch, daß er kein Ägypter, kein erbärmlicher Fellache sei, sondern die Ehre habe, aus Algier einem edlen Stamme zu entsprossen und als vielerfahrener Mann sowohl Tunis als auch Marokko kenne, wo die wahren Araber leben und nicht eine so elende Mischrasse wie im Niltale. Der brave Mann schien gegen seine jetzigen Landsleute sehr gereizt zu sein und gab, als er bemerkte, daß mich diese Gespräche unterhielten, seinen Gefühlen vollen Ausdruck. Neben dem Fuß der Pyramiden mußten wir noch eine Fantasia einiger Beduinen ansehen. Im vollen Lauf ritten sie aneinander vorbei, ihre Gewehre abfeuernd. Weder die Leute, noch ihre Pferde, Gewänder und Waffen waren schön und echt; wohin die große Herde der Touristen, Baedecker lesend, sich hinwälzt, findet man Schwindel und Industrie mit so genannten urwüchsigen Bildern. Die Pyramiden sind ebenso ein Touristenstall wie der Rigi und die gezahlten Beduinen mit ihren läppischen Künsten gehören in dieselbe Kategorie wie die in der Schweiz allenthalben postierten hölzernen Gemsen.

Der Abend begann und rasch mußten wir denselben Weg, den wir gekommen waren, und durch die um diese Stunde belebte Straßen der Stadt nach Hause eilen. Kaum war das Diner beendet, fuhren wir gleich auf den Bahnhof, um unsere Menzaléh-Expedition anzutreten. Am Bahnhof in Kairo hatten sich einige Herren zum Abschied versammelt, unter ihnen auch unser Freund Brugsch-Pascha. Baron Saurma war ebenfalls schon anwesend und bereit, uns nach dem Menzaléh-See zu folgen. Nach wenigen Minuten sagte uns der treue Begleiter auf allen Eisenbahnfahrten, Herr Zimmermann, daß es Zeit zur Abreise sei. Eine Stunde hindurch wurde im Waggon eifrig gesprochen, dann legte sich aber einer nach dem andern zur Ruhe. Man war so freundlich, unseren Wagen in Damiette, das wir noch während der Nacht erreicht hatten, im Bahnhofe stehen zu lassen, damit unser Schlaf nicht gestört werde.

So geschah es auch und als wir am 17. März vor Sonnenaufgang aufstanden, befanden wir uns allein auf einem Nebengeleise. Nachdem sich die ganze Reisegesellschaft versammelt hatte, eilten wir nach dem Ufer des Kanales, wo unsere Leute mit dem Transporte der Sachen vollauf zu tun hatten. In einer kleinen Dampfmouche wurden wir an das andere Ufer befördert.

Die Stadt gefiel mir sehr gut; echt altarabisch, doch jene Teile, die knapp am Gestade liegen, wo die vielen kleinen Segelbarken mit den lustigen Masten und Wimpeln auf- und niederfahren, erinnern sogar an eine holländische oder belgische Hafenstadt. Man möchte meinen, Damiette sei ein in das Arabische übersetztes Antwerpen. Zu Fuß gingen wir vom Ufer bis zum Hause unseres Konsular-Agenten, eines außerordentlich freundlichen, alten, mageren und urkomischen Mannes. Die inneren Teile der Stadt sind hübsch, echt orientalisch; die Gassen womöglich noch enger und schmutziger und durch mehr hölzernes Winkelwerk geziert als in manch anderem arabischen Orte. Wo kein Wasser neben den Häusern fließt, verschwindet wieder dieser altholländische Typus. Doch unleugbar hat Damiette einen nordischeren Charakter, falls man sich in Afrika dieses Wortes bedienen darf, als wie die arabischen Viertel von Kairo oder gar die Städte Oberägyptens. Man erkennt wohl, daß es hier manchmal recht kühl werden kann und das Meer sich in Niederschlägen fühlbar macht; alle Häuser sind solider gebaut, mehr zugedeckt und mit einem Wort auch zum längeren Aufenthalt in denselben eingerichtet. Bei unserem biederen Vertreter war alles auf den Glanz bestellt; europäische Zimmer mit einigen türkischen Teppichen, arabischen Dienern und dem das ganze Haus durchdringenden Geruch des Morgenlandes, dem schauerlichen Rosenöl. In allem und jedem konnte der Besitzer als echter Levantiner erkannt werden.

Nach einem kurzen Frühstück, während dessen man unsere unbedeutende Bagage auf Tragtiere verlud, setzten wir uns abermals in Bewegung. Einige Esel wurden bestiegen, zwei der Herren fuhren in einer altmodischen Kutsche, dem Stolz der Stadt, und wenige Minuten später war die kleine Karawane unter dem vorschriftsmäßigen Geschrei der Eseltreiber in Bewegung. Einige Gassen wurden passiert, dann erreichte man auf einem guten Weg, zwischen hübschen Gärten neben einigen Landhäusern und kleinen Palmenwäldern, längs eines Kanals das Ufer des Sees. Am sandigen Strande stehen drei kleine, erbärmliche Fischerhütten. Hinter uns noch hochragende Palmen, dichte Hecken, blühende Vegetation, vorne der weite, endlose graubraune See mit seinen flachen, dünenartigen, teils versumpften Gestaden, ein Bild trauriger Monotonie, einschläfernder Langeweile.

Am Menzaléh-See glaubte ich mich wahrlich nicht im farbenprächtigen Ägypten; dazu hatten wir eben auch ungünstiges Wetter, das nasse Meerklima machte sich fühlbar, ein unangenehm kühler Wind spielte mit grauen Regenwolken und der ganze Himmel war in ein düsteres Gewand gehüllt. Hier selbst kam es uns schon nordisch vor und mit Wehmut gedachten wir der unvergesslichen Sonne von Assuan. Dieser nichts weniger als schöne See könnte ebenso gut einer Ebene des nördlichen Europas angehören, fad und langweilig wäre er wenigstens genug, um diesen Posten würdig zu vertreten.

Vor den Fischerhütten lag eine Flotille von kleinen Segel-Dahabîyén. Ich glaube, die Riff-Piraten des grauen Altertums bedienten sich keiner schlechteren Fahrzeuge; unsere istrianischen Trabakeln sind wahre Fregatten im Vergleich damit. Wir mußten uns einige dieser Schiffe wählen. Im größten etablierten sich der Großherzog, Baron Saurma, der Burgpfarrer und ich, in den anderen je zwei Herren; ferner folgte noch eines als Küchenschiff, auf dem die Lebensmittel und der Koch untergebracht wurden. Es genügt, wenn man die Einrichtung eines dieser Fahrzeuge schildert; schlecht waren sie alle. Vorne befindet sich eine Plattform um den Mast herum, auf derselben standen einige Rohrstühle und ein kleiner Tisch; da brachte man den Tag zu; auch mußten hier die zwei Jäger und die Schiffsmannschaft schlafen.

Der Boden war deckelartig aufzuheben; darunter öffnete sich ein schmales Behältnis als Magazin für die Bagage; in der Mitte des Schiffes stand eine kleine Hütte mit Glasfenstern, über zwei Stufen gelangte man hinab in dieselbe. Der innere Raum war in zwei Teile eingeteilt; im ersten befanden sich zwei schmale Betten, sonst nichts, denn für mehr wäre auch kein Platz gewesen; im anderen war ein Verschlag, in den durch eine kleine Tür kunstvoll hinaufgeklettert werden mußte, so nieder, daß man darinnen nur liegen konnte, auch fand sich da eben nur der knappste Platz für zwei Matratzen; da sollten zwei kleinere Herren und selbst diese mit leicht gekrümmten Füßen nebeneinander schlafen.

Auf dem flachen Dache dieser Hütte übernachteten ebenfalls einige der Matrosen, rückwärts hing das Steuer.

Die Mannschaft waren durchwegs Fischer des Sees in faltigen, farbigen Kostümen, Turbane am Kopf; nicht eben allzu sauber, nach alten Fischen riechend. Sie hatten keiner den arabischen Typus, sondern fahlbraune Farbe, breite Gesichter mit stumpfen Nasen, muskulös, aber nicht so mager und sehnig wie die meisten Araber gebaut. Auf den ersten Blick konnte man sie als fremden Stamm erkennen; und in der Tat sollen längs des Menzaléh-Sees rein erhaltene Reste der altägyptischen Hyksos, jener Kuschitenstämme leben, die zu den Zeiten der XIV. Dynastie deren Macht niederwarfen. Mit diesen wissenschaftlich interessanten, aber zum persönlichen Verkehr nicht sehr angenehmen Leuten mußten wir auf der engen Barke im intimsten Zusammenleben hausen. Knapp vor unserer Abfahrt brachte man noch einen geblendeten Pelikan als Lockvogel, der aber dermaßen mit dem Schnabel um sich hieb und so schmutzig war, daß wir ihn nach wenigen Minuten wieder an das Land zurückschickten. An jede Segelbarke wurde noch ein kleines Boot gehängt und dann begann die Reise. Mit den Segeln manövrierten die braven Leute recht geschickt und, von starkem Westwind getrieben, glitt die kleine Flotte rasch über den Wasserspiegel.

Der große Menzaléh-See ist unstreitig einer der größten Brackwasser-Seen der Erde, eine kolossale Lagune, die nur durch ein schmales Band von Dünen vom Meer getrennt wird. Seine westlichen und südlichen Grenzen sind gebildet durch weite versumpfte Strecken, nach Osten findet er sein Ende am Schutzdamm des Suez-Kanals.

Von Damiette wegfahrend sieht man im Norden eine gelbe Dünenlinie, im Süden in weiter Ferne den grünen Streif des festen Landes, gegen Osten hingegen ist die Entfernung viel zu bedeutend, da verschwimmt Luft und Wasser wie am Meer. Anfänglich bemerkten wir nur wenig Inseln und diese in weiter Ferne. Der fünfundvierzig Quadratmeilen große See reicht an keiner Stelle einem Manne über die Hüften; der Grund ist fester Lehm. Bei den Stürmen, die recht arg und bewegt werden können, ist das Ertrinken ausgeschlossen, denn man kann überall stehen und gehen und nimmt im schlechtesten Falle ein ausgiebiges Wellenbad.

In den Wintermonaten soll diese Lagune von Zugvögeln aller Art, hauptsächlich Enten und Gänsen, förmlich bedeckt sein. In der zweiten Hälfte März konnte man nur noch auf die einheimischen Wasservögel und einige später reisende nordische Gattungen rechnen; auch die im Winter hier in großer Zahl hausenden See- und Kaiseradler fehlten ganz und nur einige Schelladler trieben sich bei den Inseln herum.

Wir beschlossen, uns anfänglich auf verschiedenen Linien, doch stets innerhalb des Gesichtskreises zu verteilen und erst mittags zum Gabelfrühstück auf ein gegebenes Zeichen wieder zu vereinigen. Gar bald bemerkten wir einige schwimmende Pelikane; ein Versuch, dieselben im kleinen Boote anzufahren, mißlang wie gewöhnlich und wir setzten darauf in der Dahabiyé unseren Weg fort.

Nach kurzer Fahrt begann das Gebiet der Inseln; die inneren Teile des Sees sind ganz angefüllt mit größeren und kleineren, vollkommen flachen Eilanden; die meisten umgibt noch ein Kranz von Sandbänken; auf Letzteren sieht man Scharen von Pelikanen in unglaublicher Zahl; große, rötlich weiße Flecke, viel ausgedehnter als die Inseln, in der Sonne herrlich schimmernd, auf Meilen hin sichtbar als lebende Eilande; in dieser Form erscheinen die großen Vogelschwärme Afrikas. Langsam und behutsam fuhren wir an eine solche vieltausendköpfige Gesellschaft heran; mit dem Fernglas wurde untersucht; nichts als Pelikane, kein einziger Flamingo und eben diese hofften wir zu erjagen.

Als wir in einer Entfernung von wenigstens fünfhundert Schritten angekommen waren, begannen die Tiere unruhig zu werden, sie streckten die langen Hälse aus und bewegten die Schwingen. Auf ein gegebenes Kommando sprachen vier Büchsen den erstaunten Vögeln einen Morgengruß. Große Unruhe, lebhafte Flügelschläge, allgemeines Aufflattern war die Antwort; die weiße Insel verwandelte sich in eine riesig große Wolke, die ihren regelrechten kompakten Schatten auf den Wasserspiegel warf. Nun begann ein lebhaftes Einzelfeuer, doch merkwürdigerweise erfolglos. Die Distanz ist bei ähnlichen Unterhaltungen immer eine enorm große und die Vogelmasse, die ganz geschlossen aussieht, bietet dennoch so viel Zwischenräume und Lücken, in die sich eine Kugel leicht verirren kann. Bloß ein einziger Pelikan, von der ersten Salve getroffen, schwamm tot am Wasserspiegel; einer unserer Schiffsleute watete hinüber, um ihn zu holen.

Je weiter wir innerhalb der Inseln vordrangen, desto belebter gestaltete sich das Wild; Möven und Seeschwalben umgaukelten den Wasserspiegel.

Blassenten in Unmassen, einige Löffelenten, Taucher und kleinere Enten, die man in weiter Ferne nicht unterscheiden konnte, schwammen herum, auf den Inseln standen Edel-, Silber- und Fischreiher, und Züge von kleineren Strandvögeln verschiedener Art umschwärmten die Sandbänke. Keine Insel bot noch genug Anziehendes, um an derselben halten zu lassen. Erst gegen Mittag, nachdem die Flotte sich vereinigt und alle Herren auf unserer Dahabîyé das während der Fahrt am Küchenschiff zubereitete Frühstück verzehrt hatten, erschien eine größere Insel, geschmückt durch einen weißen Turm, vor unseren Blicken.

Es ist dies ein altes Schêch-Grab eines am Menzaléh-See berühmten Heiligen; neben dem halb verfallenen Gebäude mit runder Kuppel und schlankem, leuchtturmartigen Minarett steht eine kleine, elende Fischerhütte; ein schmaler Kanal trennt diese Insel von einem anderen Eilande.

Hier beschlossen wir zu halten, um zu Fuß zu jagen. Die Reiher verschiedener Gattung verschwanden augenblicklich beim ersten Versuch des Anschleichens; hingegen fanden wir an den Ufern viel kleines Strandgeflügel: Avocett-Schnäbler, jene merkwürdigen, schwarz-weiß gefärbten Vögel mit langen Stelzenbeinen und aufwärts gekrümmtem Schnabel, ferner Kampfschnepfen und noch vier oder fünf verschiedene Gattungen aus der Gruppe der Strandläufer. Wir verteilten uns, in verschiedener Richtung streifend; die Schüsse krachten bald recht lustig und nach weniger als einer halben Stunde war das kleine Eiland abgejagt. Die Inseln selbst sind eigentümlich gebildet und verdienen einige Worte der Beschreibung. Fast alle sehr schmal, aber lang, bedeckt mit Muscheln, man könnte sagen aus Conchilien gebildet; dichte dunkelgrüne Tamarisken-Gebüsche überwuchern die ganze Oberfläche; die Ufer sind flach und sandig, an manchen Stellen auch lehmig; überall liegen Federn in Hülle und Fülle, große Pelikan- und rosenrote Flamingo-Daunen neben jenen der verschiedensten Wasservögel. Einzelne Inseln, besonders solche, die große Sandbänke kennzeichnen, erscheinen vollkommen übertüncht durch dicke Schichten von Guano, und im Lehm sieht man die abgedrückten Fährten von allerlei Sumpf- und Wasservögeln; an einer Stelle fand ich auch die Spuren eines Ichneumons.

Nach kurzer, aber ziemlich ergiebiger Jagd setzten wir unsere Fahrt stets in östlicher Richtung fort. Wir mußten noch an diesem Tage in das Gebiet der Flamingos gelangen und in der Tat sahen wir gar bald zwischen den Inseln eine lange, rosenrote Bank jener eigentümlichen Tiere; es war dies ein herrlicher Anblick. Eine schmale Landzunge mußte übersetzt werden; wir ließen die Dahabîyén halten, forderten die anderen Herren auf, sich jetzt, da der Nachmittag schon vorgerückt war, auf den Inseln zu verteilen, und bestimmten diesen Punkt als den Platz für das Nachtquartier.

Unser kleines Boot wurde über die Insel gezogen, um vom entgegengesetzten Ufer die Vogelschar anzufahren. Als wir beiläufig auf vierhundert Schritte herangekommen waren, zeigte sich Unruhe und Bewegung unter den früher regungslos dastehenden Flamingos. Auf das hin wurde die erste Salve abgegeben; gleich darauf erhob sich die wundervolle, rosenrote Wolke und zog in weite Ferne ab.

Ein Exemplar war zurückgeblieben und hielt sich mühsam, halb stehend, halb schwimmend am Wasserspiegel; mit dem Fernrohr entdeckten wir, daß der Vogel angeschossen sei und ließen uns vergnügt dahin rudern; als das Boot heranrückte, begann der kranke Flamingo mit den Schwingen zu schlagen und blätterte niedrig über den Wasserspiegel fort, hinter den Inseln unseren Blicken verschwindend.

Sehr enttäuscht setzten wir unsere Fahrt bis zu einer langen Insel mit großer, weißer Sandbank fort; einiges kleinere Wild wurde inzwischen erlegt. Unsere Absicht war nun, günstige Plätze für den Abend-Anstand zu suchen, denn die Wasservögel begannen schon allmählich zu ziehen.

Leider war diese recht günstig aussehende Insel schon besetzt; ein alter, ganz zerlumpter Vogelfänger saß in einer kleinen, aus Zweigen erbauten Hütte, neben ihm kauerte sein Kind, ein von Fliegen, Mücken und allerhand Ungeziefer ganz bedeckter Range; mit Stricken hatte er die Verbindung zu den großen, dicht am Ufer stehenden Fallnetzen. Als Lockvögel waren ein armer, blinder, recht melancholisch aussehender Pelikan und zehn oder zwölf ebenfalls geblendete Kormorane an Pfählen angebunden.

Es schien in der Tat ein günstiger Platz zu sein, denn der Boden war dermaßen mit faulenden Fischen, Guano und Federn bedeckt, daß eine europäische Nase daselbst längere Zeit nicht ausgehalten hätte. Der arme Vogelsteller schien durch unseren Besuch keineswegs erfreut zu sein und brummte einige mürrische Worte in den struppigen Bart.

Wir störten ihn auch nicht lange und fuhren rasch nach einer gegenüberliegenden lang gestreckten schmalen Insel.

Dort angelangt verteilten wir uns an verschiedene Punkte; die dichten Gesträuche bildeten herrliche Verstecke und bald herrschte volle Ruhe auf dem Eilande. Der Zug der Vögel begann. Kormorane, Löffelenten, einige Reiher, mehrere Rohrweihen, kleineres Strandgeflügel verschiedener Art kamen vorbei, doch meist in zu weiter Entfernung. Einige Stücke fielen, doch eben allzu günstig gestaltete sich die Jagd nicht.

Auch Flamingos, sowohl einzeln als auch in Trupps bis zu zehn Exemplaren, strichen außer Schußweite hin und her, große Schwärme wurden erst nach Sonnenuntergang beobachtet. Der fliegende Flamingo sieht höchst lächerlich aus; der lange Hals und die Ständer, ganz waagerecht gehalten, erscheinen wie ein langer Stab, an dem zwei Flügel hängen.

Der Sturm nahm des Abends zu und die Wogen schlugen recht fest an die Ufer der Insel; das Gewölk zerriß sich etwas und wir genossen den Anblick eines hübschen Sonnenunterganges. Der westliche Himmel färbte sich purpurrot, seine Farbe auf dem See widerspiegelnd und die Sonnenscheibe verschwand langsam hinter den zitternden Wellen. Als es vollkommen dunkelte, traten wir den Heimweg an; anfänglich mußten wir lange auf der weitgestreckten Insel in den dichten, nur kniehohen Gebüschen marschieren, bis wir an der Westspitze unser Boot fanden.

Nach kurzer Fahrt erreichten wir das schmale Eiland, an dem unsere Dahabîyén dichtgedrängt am Ufer fest vertäut lagen. Alle Herren waren schon anwesend, jeder hatte etwas, niemand viel Wild mitgebracht, keiner einen Flamingo, trotzdem mehrere Schüsse auf riesige Distanzen diesen ganz unglaublich scheuen Tieren nachgefeuert wurden.

Der Abend war recht kühl und in Mäntel gehüllt mußten wir auf unserer Dahabîyé das Diner verzehren.

Einige Windlichter erleuchteten das eigentümliche Bild; die kleine Flotille an der schmalen Insel in dunkler Nacht, weit von jeder menschlichen Ansiedlung am öden See, rief einen merkwürdigen Eindruck hervor; die volle Ruhe wurde nur durch das monotone Geplätscher der Wellen und die leiseren Stimmen der Araber unterbrochen. Bald erloschen alle Gespräche und arabisches und europäisches Schnarchen, harmonisch gemengt, bildeten die einzigen Laute. Ich werde diese Nacht in der engen Hütte niemals vergessen; wir waren in eine vollkommene Menagerie von Ungeziefer gefallen und riesig große Flöhe nagten an unseren armen Leibern.

Am 18. verließen wir noch bei vollkommener Dunkelheit unsere Dahabîyén; es wurde beschlossen, sich abermals auf den Inseln zu verteilen, um den Morgenzug zu erwarten. Ich ließ mich auf ein schmales Eiland rudern, schlich daselbst im ersten Morgengrauen einen kleinen Trupp Flamingos an, fehlte einen Kugelschuß auf riesige Distanz und versteckte mich hierauf in den dichten Gestrüppen. Allerlei Wild kam gezogen, ich erbeutete mehrere Stücke, darunter auch einen Seidenreiher. Flamingoschwärme, förmliche Wolken von tausenden dieser rosenroten Gesellen bildend, strichen in den verschiedensten Richtungen auf und nieder, doch alle außer Schußweite.

Als die Zeit zu Ende war, versammelten wir uns wieder auf den Segelbarken. Es war ein höchst unangenehmer Tag. Der Himmel dicht mit Wolken bedeckt, ein kühler Sturm pfiff über den Wasserspiegel und Strichregen durchnäßten uns von Zeit zu Zeit. Mit halbem Wind glitten wir gegen die südlichen Teile des Sees, erspähten auch riesige Trupps Pelikane und Flamingos, auf den Sandbänken stehend; im Boote fuhren wir eine Gesellschaft an, kamen bei dieser Gelegenheit an einer von Möven und Löffelenten vollkommen bedeckten Insel vorbei. Eine Salve auf die Flamingos blieb ohne Erfolg, kolossale Wolken von Vögeln erhoben sich, um in weiter Ferne alle vereinigt wieder einzufallen.

An einer kleinen Insel hielten wir an, um ein Gabelfrühstück am Ufer einzunehmen. Da der Sturm noch im Wachsen war, wurde Rat gehalten.

Unser erster Plan war, nach Damiette zurückzukehren, doch die Araber erklärten, bei dem herrschenden Gegenwind müßten sie uns rudern und ziehen, was eine sehr lange und mühsame Prozedur wäre. Auch hatten wir schon die Mitte des Sees erreicht.

Bei der momentanen südlichen Lage konnte man in weiter Ferne ein Minarett und mehrere Palmen der kleinen Stadt El-Menzaléh mit freiem Auge ausnehmen. Die Schiffsleute rieten uns, das alte Programm aufzugeben und nach Port-Saîd zu fahren; dies war zwar eine bedeutende Änderung des Reiseplanes, doch erschien es als das einzig Vernünftige, insbesondere da der erste Steuermann versprach, bei dem herrschenden günstigen Westwind mit vollen Segeln noch am selben Tag abends Port-Saîd zu erreichen.

Gesagt, getan; wir steigen in unsere Fahrzeuge und pfeilschnell gleiten die leichten Dahabîyén zwischen all den Inseln hindurch unaufhaltsam fort. Die östlichen Teile des Sees sind reicher an Wasserwild als die westlichen. Unmassen von Blassenten, auch viele echte Enten und Scharen von Möven werden beobachtet, desgleichen Reiher und Kormorane.

Ein Trupp Pelikane wird erfolgreich beschossen; ein rosenrotes Pracht-Exemplar wandert auf das Verdeck unserer Dahabîyé. In den Nachmittagsstunden erscheint der blendend weiße Leuchtturm von Port-Saîd am Horizont. Einige Scharen Flamingos sehen wir in weiter Ferne stehen und andere langsam dahinziehen. Der Himmel klärt sich, wir genießen erwärmende Sonnenstrahlen und abermals einen schönen, effektvollen Sonnenuntergang. Unsere Schiffsleute arbeiten sehr geschickt mit den Segeln; es sind brave, ungemein fleißige Gesellen, die wir in den zwei Tagen lieb gewannen. Bei Beginn der Dämmerung unterscheidet man schon einzelne Häuser der Stadt und den Damm des Suez-Kanals. Mit voller Dunkelheit ist das Ziel erreicht; einige hundert Gänge trennen uns noch vom Ufer, doch das Wasser ist zu seicht; wir und die ganze Bagage werden allmählich von unseren braven Arabern an den Kanaldamm hinübergetragen. Wir hatten die leichteste Dahabîyé mit einem Brief vorausgeschickt, daher warteten auch schon ein kleiner Dampfer im Kanal und am Ufer unser Konsul sowie der Hafenkapitän, ein geborner Dalmatiner.

Zum ersten Mal sahen wir den Suez-Kanal und drüben Asien; der erste Blick auf diesen Weltteil war eben nicht sehr schön. Asien erschien in Form eines Dammes.

Der Dampfer brachte uns rasch in die Stadt, an einen Landungsplatz unweit des Hotels. Nichts als Europäer auf der Gasse; und alles was wir sahen, hätte ebenso gut in einer englischen Hafenstadt vor sich gehen können. Der Gasthof, ein großes, vollkommen modernes Hotel, recht gut eingerichtet, erinnerte mich lebhaft an die Schweiz. Nicht der kleinste Gegenstand mahnte an den Orient. An diesem Abend waren wir, eine englische Familie ausgenommen, die einzigen Gäste; bald nach unserer Ankunft wurde ein recht gutes Souper serviert und um 10 Uhr lag schon alles tief in den Betten.

Den nächsten Morgen verließen wir das Hotel und begaben uns auf einen Suez-Kanal-Dampfer. Der Kommandant, ein alter, brummiger Mann, sowie auch die ganze Mannschaft waren Franzosen. Überhaupt ist der Suez-Kanal und alles was dazugehört, ein Stück Frankreich. Anfänglich genießt man über die Dämme hinweg in westlicher Richtung die Aussicht auf den afrikanischen Menzaléh-See, in östlicher nach der asiatischen Ebene von Pelusium. Der Gedanke, zwischen zwei Weltteilen spazieren zu fahren, ist anregend, doch endlich gewöhnt man sich auch an imposante Ideen und leidet trotzdem an der höchst langweiligen Wirklichkeit. Riesige Pelikan- und Flamingo-Herden, tausende und abertausende dieser Vögel standen auf den versumpften Teilen des südlichen Menzaléh-Sees. Eine Salve, die wir ihnen hinübersandten, hatte nur den einen Erfolg, daß lebende Wolken aufflogen, wie man sich dieselben nicht größer vorstellen kann.

Nachdem der See zur Rechten sein Ende gefunden hat, gestaltet sich die Gegend in der Tat vollkommen trostlos; die hohen Dämme verwehren den Überblick und nichts als gut gebaute Erdaufwürfe rechts und links sind kein erfreuliches Bild. Als einzige Zerstreuung bot sich uns ein Renkontre mit einem großen englischen Indienfahrer, der ungeschickterweise im Kanäle schief aufgefahren war und nun den Weg versperrte.

Unser Kapitän meinte, wir könnten passieren, und fuhr mutig darauf los. Ein mächtiger Ruck, einige kleine Havarien an den Bordwänden und wir saßen auch in den englischen Nachbar verwickelt. Eine halbe Stunde wurde gearbeitet; der grobe englische Kapitän kehrte uns während der Zeit den Rücken und tat, als ob ihn das Ganze nichts anginge. Endlich begann eine kleine Bewegung, ein Ächzen und Stöhnen der aneinander gepreßten Schiffe, abermals ein starker Ruck und wir waren frei; durch den Stoß hatten wir auch den Engländer flottgemacht und so gingen die beiden Schiffe jedes in seiner Richtung auseinander.

Später genossen wir von Zeit zu Zeit von der Kommando-Brücke aus einen Blick über den Damm hinweg nach der arabischen Küste. Der Charakter derselben ist ein grundverschiedener von dem der libyschen. Alles ist lichter, fast weiß, Stein sowohl als Sand; auch flacher, höchstens in Form sanfter Hügel gewellt; die vielen runden, kleinen, dunkelgrünen Gesträuche erhöhen noch den eigentümlichen Typus.

Nach mehrstündiger Fahrt gelangten wir in den Salzsee von Ismâîilia, sahen die gleichnamige, ganz europäische Stadt, die den See umgebenden weißlich gelben Wüsten mit größtenteils flachen Ufern; im Süden in weiter Ferne das schön geformte Ataka-Gebirge.

Die Gegend ist unstreitig ernst und monoton, aber das dunkelblaue Salzwasser des Sees bildet einen merkwürdigen Kontrast zu den hellen Wüstengestaden, und so gestaltet sich das Ganze zu einem sehr eigentümlichen Farbeneffekt. Wir fuhren zum Landungsplatz von Ismâîilia, wo uns einige Beamte der Suez-Kanal-Kompanie auf das Zuvorkommendste empfingen und zu den bereitgehaltenen Wagen geleiteten. In der kurzen Fahrt bis zum Bahnhof hatten wir Gelegenheit, den Reichtum, Fleiß und Geschmack der Franzosen zu bewundern. In der Wüste gelang es ihnen, einen echten kleinen Seebadeort mit reinen, weißen Häusern, geziert durch grüne Jalousien, gute Wege, schattige Alleen und legte Gartenanlagen hervorzuzaubern. Auf der Station stand unser Zug schon bereit und gar bald setzte er sich in Bewegung.

Anfänglich kamen wir an kleinen Sümpfen, dann durch die Wüste, welche hier noch den vollen Charakter der arabischen trägt, und später an einem unbedeutenden See mit wenig Rohr und einigen erbärmlichen Hütten vorbei. Wo die an die Bahn herantretenden Wüstenhügel niedrig genug waren, um einen Fernblick zu gestatten, erschienen weit in südlicher Richtung das hohe Ataka, später das Ammûne-Gebirge. Es sind dies dieselben Bergketten, deren westlicher Ausläufer das wohlbekannte Gebel-Mokattam ist.

Nach einiger Zeit trat die Wüste immer mehr zurück, um endlich ganz unseren Blicken zu entschwinden; abermals gelangten wir in das üppige Kulturland Unterägyptens und fuhren an der Stadt Zagâzîk und vielen kleineren Orten vorbei. Gar bald erschien die herrliche Kalifenstadt, vergoldet von den Strahlen der untergehenden Sonne. Vom Bahnhofe aus fuhren wir den nahen Weg nach Kasr-en-Nusha, wo wir den Abend voller Ruhe widmeten.

Am 20. wurde beschlossen, um 9 Uhr früh abermals eine Jagdexpedition nach Heliopolis zu unternehmen. Das Wetter war wundervoll und die Luft rein und warm; nach langer Fahrt auf demselben schlechten Weg, den wir schon vor einem Monat zurückgelegt hatten, langten wir beim Marienbaum an. In den umliegenden kleinen Gärten und dichten Kaktushecken wurden die Dachshunde gelöst, um nach Schakalen oder Ichneumonen zu suchen; gar bald erkannten wir die Zwecklosigkeit unseres Vorhabens, denn die Wachtelzeit hatte schon begonnen und in allen Richtungen fielen Schüsse. Orientalische Sonntagsjäger, Levantiner aller Art, mit nicht sehr jägermäßigem Aussehen, durchstöberten Büsche und Felder und es schien ratsam, dieses Terrain zu verlassen.

Neben dem Marienbaum befindet sich eine kleine, zwischen Gärten und Schatten spendenden Bäumen errichtete Restauration, ein Vergnügungsort der Kairenser. Daselbst frühstückten wir und setzten hierauf zwischen Feldern und Gartenmauern den Weg zur Straußenzucht fort. Das am Rande der Wüste liegende Etablissement gehört einer Gesellschaft und scheint recht gute Geschäfte zu machen, wenigstens ist alles mit dem größten Komfort hergerichtet. Der Direktor, ein deutscher Schweizer, zeigte uns die Ställe, die freien sandigen Plätze, die inneren Räumlichkeiten, die künstlichen Brutmaschinen und alle seine Strauße, alte und junge stattliche Tiere von zwei Gattungen im vollen Schmuck ihrer schönen Federn.

Nachdem wir alles besehen hatten, wurde die Weiterfahrt am nächsten Wege nach Heliopolis direkt zum wohlbekannten Orangengarten angetreten. Wir fanden einige Wolfsfährten, doch die Tiere waren an diesem Tage nicht zu Hause und so durchstöberten wir vergeblich alle Büsche und Anlagen des schönen Orangenhaines.

Während der Rückfahrt ließen wir anhalten und unternahmen ebenfalls erfolglose Versuche in mehreren Gärten und einem Zuckerrohrfeld. Diana war uns an diesem Tage nicht gewogen und ohne Beute wanderten wir nach Kairo zurück. Zu Hause angelangt, erquickte ich mich an einem außerordentlich wohltätigen, echten türkischen Bad, »Hammâm« genannt.

Man muß im Orient selbst, durch orientalische Badediener, eine eigene Kaste Menschen, bedient, in einem jener herrlich eingerichteten Bäder, wie man sie am schönsten in den Schlössern der reichen Orientalen findet, diesen unbeschreiblichen Genuß in allen seinen über eine Stunde währenden Phasen und Manipulationen durchgemacht haben, um es zu verstehen, wie der Morgenländer mit so großer Leidenschaft an seinem Bade und allem, was daran sich reiht, hängt, dafür keine Kosten scheuend. Die Abendstunden nach dem Speisen brachten wir wieder zu Hause zu und gingen bald alle zur Ruhe.

Am 21. März fuhren wir des Morgens durch die alten Stadtteile hinauf, nach der berühmten Zitadelle. Mehrere Tore an der steilen Berglehne mußten passiert werden, überall standen Wachen, die uns mit den Klängen des hübschen ägyptischen Generalmarsches empfingen.

Die Zitadelle El-Kâla ist ein großer, gegen die Stadtseite zu durch natürliche Felsenmauern stark befestigter Häuserkomplex; fast ausschließlich moderne Gebäude sind nach der Pulverexplosion des Jahres 1823 auf derselben Stelle errichtet worden, wo die alte, aus altägyptischen Trümmern erbaute Festung Saladins vom Jahre 1166 stand. Nachdem man durch das erste, Bâb-el-Gedît benannte Tor und den Vorhof zur zweiten, Bâb-el-Wustâni-Pforte gelangt ist, eröffnet sich der Einblick auf den zweiten Hauptplatz, der umgeben ist von Regierungs- und Militärgebäuden und dem kleinen vizeköniglichen Palais.

Im Zentrum der Zitadelle erhebt sich als das wichtigste und für den Wanderer interessanteste Objekt die große Alabaster-Moschee Gâma Mohamed-Ali, die von dem berühmten Gründer der jetzt herrschenden Dynastie, dem heldenmütigen Mohamed-Ali, auf der Stelle eines alten zerstörten Palastes erbaut wurde. Weithin sichtbar, als ein Wahrzeichen Kairos, ragen die hohen, schlanken Minaretts empor. Nachdem die bereitstehenden Pantoffel angelegt worden waren, betraten wir das Innere des kolossalen Gebäudes. Die Größe des viereckigen Raumes, die hohe Haupt- und die verschiedenen Nebenkuppeln sowie die im gelben Alabaster von Benî-Suêf überdeckten Wände imponieren auf den ersten Blick; bei näherer Betrachtung erkennt man aber, um wie viel die architektonischen Details jenen der alten Moscheen nachstehen; auch die Brunnen sind plump und unschön. Einige hübsche Teppiche für die knienden Gläubigen sowie die reich verzierte Gebetstelle in der Richtung Mekkas lenkten unsere Aufmerksamkeit nach der Südostseite des Gebäudes, wo nahe dieser heiligsten Stätte der Muslimen, von einem Gitter umgeben, der mit reich in Gold gestickten Teppichen überhangene Sarkophag des alten Mohamed-Ali steht; zu Häupten ist den Vorschriften der Religion zufolge ein steinerner Turban angebracht. Man erlaubte uns, durch eine Tür das Gitter zu passieren, um von nahe den Sarg zu betrachten, der die Überreste eines großen Mannes in sich schließt.

Der Sohn des Straßenräumers von Kavala, Soldat und Orientale durch und durch, wild und ungebildet, von eiserner Energie und Grausamkeit, aber zugleich mit großen Geistesgaben ausgerüstet, war berufen, ein Reich, ein Chalifat nach altem Muster zu gründen. An der Spitze seines trefflichen Heeres durchzog er Palästina, seinem Vorbild: Alexander dem Mazedonier, nachstrebend. Hätten die abendländischen Mächte nicht rettend eingegriffen, wäre er meuterische Pascha gewiß bis nach Stambul marschiert, um sich das Chalifat zu erringen. So mußte er sich mit Ägypten begnügen und wendete seine ganze Sorgfalt und Energie diesem Lande zu.

Die Zitadelle, die er baute, ward zum dauernden Monument seiner diabolischen Grausamkeit. Die dem Türkentum treuen, in Ägypten als fremde Söldnerscharen dienenden Mameluken schienen dem alten Mohamed-Ali nicht ganz geheuer, und so ließ er eines schönen Tages die auf den Hof der Zitadelle neben der Moschee zusammengedrängten Leute alle, außer einen, massakrieren.

Dieser eine, ein kühner Osmane, sprang im vollen Waffenschmuck auf seinem mutigen Roß über die Umfassungsmauer der Plattform, sauste längs der hohen Felswand hinab und kam auf weiche Schutthaufen zu fallen; allsogleich erhoben sich der wie durch ein Wunder gerettete Krieger und sein treues Pferd; sie entkamen auch glücklich den Nachstellungen des ergrimmten Paschas. Wir sahen diesen blutgetränkten Platz und genossen von der Plattform aus eine herrliche Fernsicht über die alte Kalifenstadt mit ihren grauen Häusern, hochragenden Minaretts, und weit hinüber nach dem Fruchtlande, durch das sich der Nil wie ein Silberband schlängelt; über den grünen Flächen drüben erheben sich die Pyramiden und dahinter glänzt der gelbe Sand der unendlichen Wüste. Hinter und dicht unter uns gewähren die düsteren Wände des Mokkatam-Gebirges, das wilde Durcheinander der Kalifen- und Mameluken-Gräber und die Ruinen der ganz alten, verfallenen Stadtteile ein interessantes Bild.

Das kleine vizekönigliche Schloß, das an diesen Platz anstößt, ist einfach eingerichtet und bietet nur ein Interesse als Wohnhaus Mohamed-Alis.

Seine Zimmer, das Bad sogar, alles wird im selben Zustande erhalten wie zu jener Zeit, als er noch in diesen Räumen weilte. Man tut wohl daran, die Erinnerung an jenen großen Mann mit Verehrung zu pflegen; denn viel leistete er in der Tat, und hätten seine Erben seine Werke, seinen Geist und seine Energie im vollen Maße übernommen, wäre Ägypten heutzutage zu einer anderen und größeren Rolle berufen, als es die jetzige ist.

In einem recht versteckten Winkel der Zitadelle zeigte man uns den so genannten Josephs-Brunnen, von Salâ-heddin-Jûsuf angelegt, der fälschlich immer mit dem ägyptischen Joseph in Verbindung gebracht wird. Dieser alten, ganz einfachen Zisterne entlockt eine von Büffeln gezogene Schöpfmaschine das Wasser.

Nun hatten wir die Besichtigung der Zitadelle beendet, verabschiedeten uns von den Zivil- und Militärhonoratioren und den Derwischen der Moschee und fuhren den Berg hinab nach der Stadt.

In einer der alten Gassen befindet sich in einem recht großen und gut eingerichteten Gebäude die an Bänden sehr reiche und berühmte Khedivial-Bibliothek.

Ein Deutscher ist Direktor dieses Institutes und brachte mit Fleiß und wissenschaftlichem Ernst System und Ordnung in das frühere Chaos des reichen Materiales. Der orientalische Teil fesselt selbstverständlich am meisten das Interesse des Fremden. Wir fanden Korane in allen asiatisch-mohammedanischen Sprachen, einige aus den ältesten Tagen des Islams, in auffallend schöner Weise ausgestattet. Der Khedive und seine Vorgänger ließen in den Moscheen nachforschen und die wertvollen alten Kirchenbücher in diese Bibliothek bringen, um sie vor dem Untergange zu bewahren.

Einige außerordentlich schön geschriebene und bemalte persische Bücher wurden uns gezeigt. Sowohl die äußere Form und Ausstattung, als auch insbesondere die Kostüme, Harnische, Waffen der persischen Ritter und die Art, in welcher dieselben dargestellt sind, erinnerten mich lebhaft an manche Werke des abendländischen Mittelalters. Außer vielen Koranen sahen wir auch Bände, welche in Bild und Wort Kriegszüge, Kämpfe, Jagden und selbst Landschaften darstellten; mehrere dieser persischen Blätter waren nicht nur von historischem, sondern auch von künstlerischem Werte.

Nachdem die Bibliothek, insoweit es die beschränkte Zeit erlaubte, durchgesehen war, setzten wir unsere Fahrt fort und passierten das Gewühl und bunte Leben der arabischen Stadtteile; einige europäische Straßen rasch durcheilend, gelangten wir bald auf den großen Platz des vizeköniglichen Schlosses. Gegenüber dem Palais und den Kasernen steht eine neu errichtete Erziehungsanstalt. Der jetzige Khedive schenkt diesem von ihm gegründeten Institute seine volle Sorgfalt und forderte uns auf, dasselbe zu besuchen. Wir besichtigten die Lehrsäle, in denen die Schüler, meist Söhne reicher Kairenser Muslims, darunter die zwei Knaben des Vizekönigs, schöne, frisch und gesund aussehende Kinder, unter der Leitung europäischer Lehrer studierten. Man zeigte uns auch die Wohnräume, Speise- und Spielzimmer. Die Anstalt ist im Ganzen nach europäischem Muster eingerichtet, nur wurde ein über die Zwecke eines Erziehungshauses hinausreichender Luxus an Seidenstoffen und Möbeln entwickelt.

Von da aus statteten wir den Generalkonsuln, den Baronen Schäffer und Saurma, in ihren reizenden Häusern Besuche ab, und fuhren nun zurück in das arabische Viertel. Vor einer ganz engen, für Wagen nicht praktikablen Gasse wurde gehalten und zu Fuß zum Tore des Hotels du Nil gegangen. Die Lage dieses vorzüglichen Gasthofes inmitten der alten arabischen Stadt ist schön und der große Hof, als Garten hergerichtet mit herrlichen Pflanzen und Schatten spendenden Bäumen, verleiht dem Bilde noch erhöhten Reiz. Der Besitzer ist Österreicher und so versammelten sich in einem hübschen Kiosk außer unserer Reisegesellschaft noch einige andere anwesende Landsleute, ferner Abd-el-Kader und Brugsch-Pascha und Baron Saurma zu einem gemeinsamen sehr guten Frühstück.

Einige angenehme Stunden wurden da zugebracht, die ein arabischer Taschenspieler mit in der Tat hübschen Kunststücken erheiterte. Sein Gehilfe, ein kleiner Knabe, rief immer vor dem Beginn einer neuen Piece aufgebrochen Deutsch: »Kommen Sie her, Teufel!« Dieser Produktion folgten ein Schlangenbändiger mit sehr großen Brillenschlangen, verschiedenen Eidechsen, darunter den grauen Geckos, und unheimlichen Skorpionen, die er alle aus seinem weiten Gewände hervorholte, und ein Mann mit gut dressierten, dicken Pavianen, einer Ziege und mehreren Hunden. Im Ganzen sind es dieselben abgedroschenen Vorstellungen, die jeder europäische Jahrmarkt bietet, doch verleihen die braunen Gestalten der Künstler, in faltenreiche Gewänder gehüllt, das würdevolle Auftreten des Orientalen und der Gesamteindruck der bunten Szenerie den an und für sich langweiligen Kindereien einen eigentümlichen Reiz.

Nachdem wir nach Hause zurückgekehrt waren und Jagdkleider angelegt hatten, fuhren der Großherzog und ich mit Baron Saurma durch die Stadt über die große Nilbrücke hinaus, nach der nächsten Umgebung der vizeköniglichen Lustschlösser. Dort stand noch ein Zuckerrohrfeld und wir postierten uns mit meckernden Zicklein wohlgedeckt im hohen Rohre. Leider kam kein Wolf oder andersartiges Raubtier. Saurma hatte eben an derselben Stelle auf dieselbe Weise schon häufig glückliche Jagden gemacht, doch uns schien Diana heute nicht gewogen und so verließen wir mit Eintritt der vollen Dunkelheit den Platz, um nach Hause zu fahren. Es war ein herrlicher Abend; nach wundervollem Sonnenuntergang folgte die Pracht einer afrikanischen Frühlingsnacht. Insekten zirpten und schwirrten, Fledermäuse umflogen die Bäume, deren Kronen leise rauschten; ein Meer von Sternen war über das Firmament ausgegossen und nur unaufhörliches Hundegebell und der Schrei der zum Nil ziehenden Wasservögel unterbrachen die großartige Ruhe. In der Stadt ging es lebhafter zu und durch das Gewühl des südlichen Nachtlebens drängten wir uns bis Kasr-en-Nusha durch.

Am folgenden Morgen fuhren wir in früher Stunde nach der großen Kaserne Kasr-el-Nil und bestiegen den unter derselben liegenden Nildampfer »Ferus«, unser gutes altes Schiff, an das sich so herrliche Erinnerungen aus den gesegneten Gefilden Oberägyptens knüpften. Der braune Admiral kommandierte abermals sein treues Fahrzeug und nach wenigen Minuten setzten wir uns stromabwärts in Bewegung.

Man lernt erst die Farbenpracht, die imposanten, ich möchte sagen innerafrikanischen Natureffekte Oberägyptens kennen, wenn von dort zurückgekehrt Kairo und Unterägypten, die bei der ersten Ankunft so sehr entzückten, als farb- und stimmungsarm vor den an noch größere Reize gewöhnten Augen verblassen.

Unser Ausflug galt an diesem Tage der berühmten Barrage du Nil. Anfänglich kamen wir an alten, bis an den Wasserspiegel reichenden Häusern vorbei, später folgte der Platz, wo nebeneinander mehrere vizekönigliche Yachten, die Postdampfer und eine wahre Flotte von Dahabîyén liegen. Am linken Ufer sah man die Schlösser und üppigen Gärten, am rechten die Stadt, dann die Schubra-Allee, das gleichnamige Schloß, mit den hochragenden Bäumen des großen Parks. Bald verschwanden diese interessanten Bilder und die monotone, kultivierte Landschaft Unterägyptens wurde über den niedrigen, brüchigen Ufern des Stromes bemerkbar. Wir beobachteten einige vereinzelte Nilgänse und sehr viele Enten, sonst war wenig anderes Wassergeflügel vertreten. An mehreren langen sandigen Inseln dampften wir vorbei und bald wurde der eigentümliche, brückenartige Bau der eigentlichen Barrage sichtbar. Hier trennen sich die Nilarme, jener von Damiette und jener von Rosette; es ist die südlichste Spitze des Deltas. Die beide Wasserarme trennende Landzunge ist mit dem übrigen festen Lande durch die eisernen Brücken und das von Mohamed-Ali erbaute riesige Stauwerk verbunden, welches den Zweck haben sollte, in der Periode des niederen Wasserstandes den Nil zu stauen, damit dann alle die unzähligen Kanäle des Deltas ebenso wie zur Zeit der Überschwemmung mit Wasser gespeist würden.

Der Erfolg des Unternehmens, welches zugleich auch auf die Nilschiffahrt von lähmendem Einfluss war, soll in keinem Verhältnis zu den großen Kosten stehen, die es erforderte. Zwischen den Stauwerken auf der Landzunge wurde um teueres Geld ein Fort errichtet. Diese allein stehende niedrig liegende Befestigung sinkt zur vollkommenen Spielerei herab; auch wahren nur einige altartige Geschütze und eine Kaserne mit schwacher Besatzung im Innern derselben den kriegerischen Anstrich; das Bemerkenswerteste am Ganzen sind die auffallend schönen und hohen Baumreihen, welche diese sonst öde Stelle schmücken.

Wir mußten alles betrachten und wurden sowohl in der Befestigung, als auch auf den Stauwerken herumgeführt. Nach der Besichtigung traten wir mit dem Dampfer die Heimfahrt an. Bei einer langen und schmalen, mit Sand und einzelnen dichten Gebüsch-Parzellen bedeckten Insel hielten wir an und durchstöberten jagend dieses Eiland. Außer einigen kleinen Wasservögeln erlegte ich noch ein Exemplar der schönen Steppenweihen. Ein seichter, lehmiger Arm trennt die Insel vom Festlande, was das Herübertreiben großer Schaf- und Ziegenherden erleichtert, die sich an den Gebüschen sättigen. An den Nilufern fanden wir auch mehrere sehr ärmliche Fischerhütten. Gar bald verließ die Jagdgesellschaft dieses Revier und kehrte an Bord des Dampfers zurück, wo während der Heimreise gefrühstückt wurde. Der schwarze Kaffee war noch kaum geleert und die Zigarette ausgeraucht, als wir auch schon bei Kasr-el-Nil eintrafen und nun von der teueren »Ferus« endgültigen und letzten Abschied nehmend ans Land gingen.

Der an liebenswürdigen Aufmerksamkeiten unerschöpfliche Abd-el-Kader-Pascha wußte, wie sehr es mich freuen würde, die drehenden und die heulenden Derwische zu sehen, und da kein Freitag mehr, an welchem Tage sie ihre eigentümlichen Andachten in den großen Moscheen verrichten, für Kairo zu unserer Verfügung stand, erwirkte er beim Khedive einen Befehl, welcher uns Einlaß in die Klöster dieser Fanatiker verschaffte.

Durch die ganze Stadt fuhren wir bis in die entlegensten Teile der arabischen Viertel. Vor einer engen Gasse hielt der Wagen und wir mußten steil bergauf bis zu einer Mauer gehen. In das Tor eintretend, hatten wir den Anblick eines echten kleinen Klosters mit Garten vor uns. Über eine elende Holzstiege und eine Galerie gelangten wir in die Empfangszimmer, einfache, kahle Wände; drei orientalische Divans und einige Teppiche waren der einzige Schmuck der ärmlichen Räume; zwei junge Leute, die wir für Diener hielten, hatten uns da hinaufgeleitet. Nach wenigen Minuten erschien der Vorstand des Klosters, ein alter, von fanatischer Askese und Abtötung gebrochener Greis. Sein Äußeres war unstreitig unheimlich; mager, blaß, wachsfarben, wie eine Leiche; die scharfen Züge, die bleichen Lippen, die entnervten Augen und skelettartigen Hände, die gebeugte Haltung sowie eine hohl klingende Stimme hatten etwas Geisterhaftes an sich. Seine Kleidung bestand in langen, farbigen, pelzverbrämten Gewändern, bunter Leibbinde und einem am Boden nachschleppenden Mantel, den er mit zitternden Händen trotz der fürchterlichen Hitze krampfhaft zusammenhielt. Am Kopfe trug er eine hohe, graue Filzmütze, umwickelt mit einem grünen Band, der Farbe des Propheten. Diese unglaubliche Kopfbedeckung ist sehr ähnlich jener der Perser. Mit zeremoniöser Höflichkeit wies er uns einen Sitz an und ließ sich steif wie eine Wachspuppe auf einem Divan nieder. Diener brachten Kaffee in schmutzigen Schalen und Zigaretten.

Nach kurzer Staatsvisite forderte er uns auf, in den heiligen Raum, in die Moschee seiner Untergebenen zu gehen. Über die längs des Hauses laufende Galerie gelangten wir in ein sehr merkwürdiges Gebäude. Es war dies ein hoher, ganz kreisrunder Kuppelbau mit alten orientalischen Verzierungen. Um die Wände lief eine schmale, von Holzsäulen getragene Galerie; dies ist der Platz für die gläubigen Zuseher und für die Musik; unter uns bemerkten wir eine echte Zirkus-Manege, mit Umzäunung von höchstens drei Schuh hohen, oben gepolsterten Brettern; der Boden in diesem eigentümlichen Kreise war mit feinem Reitschulsand bedeckt; an der einen Seite lag ein alter, türkischer Teppich. Wir saßen noch kaum eine Minute auf der Galerie, der kommenden Ereignisse mit Spannung harrend, als der alte Oberpriester mühsam in die Arena schlich und auf dem Teppich mit gekreuzten Füßen Platz nahm; ihm folgten beiläufig zwanzig Männer, alle mit der hohen Mütze geschmückt, aber in eng anliegenden, blendend weißen, vorn offenen Janken von echt türkischem Schnitt, darunter eine Leibbinde, und in weiten, gestärkten weißen Röcken, ähnlich altmodischen Damen-Krinolinen. Feierlich mit gekreuzten Armen wandelten sie einzeln herein, sich vor dem hockenden Greis tief verneigend, dann stellten sie sich alle im Kreise längs der Wände der Manege auf.

Nun sprach der alte Oberpriester mit heiserer Stimme ein Gebet, während welchem er sich zu wiederholten Malen nach verschiedenen Richtungen hin tief verneigte; seine Schüler folgten jedes Mal seinem Beispiele.

Als diese Szene zu Ende war, fiel plötzlich die Musik mit wildem Lärm ein. Die Instrumente waren dieselben, wie wir sie bei den Bienentänzen Oberägyptens gesehen hatten, nur spielte das kupferne Tam-Tam und die unserer dalmatinischen Gusla nicht unähnliche Geige eine größere Rolle; die Melodie hatte einen wilden, kriegerischen Typus. Kaum waren die ersten Töne erschallt, als alle die Männer in den Kreis traten, sich nochmals vor dem Greis verneigten und nun zu drehen begannen. Keiner berührte den anderen, jeder blieb auf seinem Platze; zuerst langsam, dann immer schneller kamen sie in Bewegung, die langen Röcke standen fast waagerecht in die Höhe, die Musik wurde rauschender und wilder, die Gesichter fanatischer; wie die Kreisel sausten sie auf Ort und Stelle herum, beide Hände weggespreizt, die eine mit dem Rücken nach aufwärts geballt, die andere offen, die innere Fläche zeigend. Das bedeutet: die Rechte führt das Schwert für den Glauben, die Linke fleht Gott um seine Gaben an.

Bloßes Zusehen kann einen Schwindelanfall hervorrufen, dabei läuft es dem Europäer schaurig kalt über den Rücken; dieser Grad des Fanatismus ist in der Tat unheimlich. Ohne im Mindesten zu zucken, immer in derselben Haltung, drehen sich diese Leute mit unglaublicher Schnelligkeit. Die Gesichtszüge sind krampfhaft verzerrt, die Augen nach aufwärts verdreht, die mageren Hände und bleichen Wangen, umrahmt von kurzen, nach türkischer Art geschnittenen Bärten, tragen die ekelhaften Spuren der durch diese Entartung des religiösen Sinnes hervorgerufenen Nervenzerrüttung. Ein alter Mann, in seiner Tracht ähnlich dem noch immer regungslos hockenden Oberpriester, schlich zwischen den drehenden Derwischen herum, ihre Bewegungen kontrollierend. Sehr lange währte diese erste Andacht, dann verstummte die Musik; bleich und unter krampfhaften Zuckungen trachteten alle so rasch als möglich die Wand als Stütze zu erreichen, und begleitet von tiefen Verbeugungen wurde abermals ein Gebet gesprochen; hierauf fiel die Musik ein und das Drehen begann von neuem.

Wie lange alltäglich dieses Vergnügen währt, weiß ich nicht, denn nach einer halben Stunde verließen wir das Kloster. Ich kann es nicht leugnen, daß ich froh war, die Sonne und den lachenden Himmel, das lustige Getriebe auf den Straßen wiederzusehen und dem kellerartig kühlen, dumpfen Raum der Moschee und den krankhaften Entartungen der Phantasie ihrer Bewohner entflohen zu sein.

Diese Derwische sind Mönche, sie leben gemeinschaftlich, unverheiratet in einem Hause; mehrere dieser schrecklichen Sekten entstanden in den späteren Tagen des Islams und nicht dort, wo seine Wiege stand, unter den geistig hochstehenden Arabern, sondern im Norden bei den erst zu dieser Religion bekehrten kleinasiatischen und mongolischen Völkern; die Osmanen in Asien und Europa bildeten den geeigneten Boden für dergleichen Entartungen und die Softas spielten bei ihnen zu Zeiten aller Kriege und religiösen Bewegungen eine große Rolle.

In Kairo besteht nun seit langem eine Filiale der Dreh- und der Heulderwische; doch besonders Erstere werden von den Arabern, die das mit Recht für einen von den weisen Satzungen des großen Propheten abweichenden krankhaften Auswuchs halten, gemieden. Alle, die wir da sahen, waren echte europäische und kleinasiatische Osmanen, die auch den vollen türkischen Typus an sich trugen.

Durch die arabischen Viertel fuhren wir nun den langen Weg hinaus in die europäische Stadt an dem vizeköniglichen, von des Khediven Gattin bewohnten Palais Kasr-el-Ayn vorbei und hinüber zu den ältesten Stadtteilen, wo eigentlich mehr Schutthaufen, Gräber, Ruinen alter Moscheen und Schmutz aller Art, als wie bewohnbare Häuser sich erheben. Am Ende einer engen, von Trümmern eingeschlossenen Gasse hielten wir an und gingen durch ein Tor in einen durch einige Pflanzen und Schatten spendende Säulen-Galerien gezierten Hof.

Eine ebenfalls kreisrunde uralte Moschee fiel uns durch ihr ruinenhaftes Aussehen auf. Ein alter Mann, wohlbeleibt, freundlich lächelnd, mit rundem Turban am Kopf und in bunte, echt türkische Gewänder gehüllt, empfing uns da. Wir mußten ihm durch eine enge Pforte in das Innere der Moschee folgen.

Die Steinplatten waren mit Schafpelzen bedeckt; an den Wänden hingen sehr alte, verrostete Waffen, Lanzen, Dolche, Säbel, zackige Schwerter und in deren Mitte eine schon arg zerfetzte grüne Fahne. Diese geweihten Waffen müssen das Blut der Ungläubigen getrunken haben, um an jene heilige Stelle gehängt werden zu dürfen.

Wenn ein Krieg für den Glauben beginnt, nehmen die Derwische dieser Sekte, welche noch in höherem Maße ein kriegerischer Orden sind als die Drehenden, die Waffen herab, entrollen die grüne Fahne des Propheten und laufen heulend durch die Gassen, Krieg und Tod den Ungläubigen schwörend, die Muslims zum heiligen Kampf auffordernd. In den alten Türkenkriegen spielten diese Leute eine große Rolle, doch bietet ihnen der Islam die Garantie, stets ein Feld für ihre Tätigkeit zu finden.

Kaum waren wir in der Moschee, als auch schon die frommen Männer hereingezogen kamen. Der Alte, der uns empfangen hatte, stellte sich in die Mitte auf einen Schafpelz, seine Untergebenen bildeten einen Kreis um ihn; er betete vor, immer dasselbe; alle wiederholten es, eine ähnliche Musik wie jene der Drehderwische stimmte wilde Weisen an und unter unaufhörlichen Bewegungen, bei welchen der Oberkörper nach vor- und rückwärts geschleudert wurde, riefen sie anfänglich, heulten dann, stöhnten, ächzten und stießen in unartikulierten Lauten stets dieselben Worte aus. Das ganze Bild wirkt unheimlich. Die Leute hatten lange, bunte, schlafrockartige Gewänder an, mit einfachen Schnüren um die Hüften. Im Gegensatze zu allen anderen Muslims keine Kopfbedeckung und lange, zottige Haare und Bärte; beim Zurückschleudern des Oberkörpers hingen die Haare bis auf den Boden, beim Vorneigen stürzten sie im wilden Durcheinander über das Gesicht. Krampfhaft zuckt der Körper, die Augen werden verdreht, Geifer und Schaum bedeckt die Lippen. Der eine besonders, ein großer Mann mit schwarzem Bart, bot das Bild der höchsten fanatischen Ekstase.

Wir blieben nicht lange in diesem unheimlichen Raum; der alte Oberpriester und alle seine Untergebenen folgten uns nach; im Freien angelangt, setzten sie ihre Kopfbedeckungen, die meisten braune Kappen, auf und kredenzten in der primitiven Gartenlaube einen wenig erfreulichen Kaffee.

Ich frug sie um ihre Abstammung; sie sprachen, sowie auch die Drehderwische, nur Türkisch, waren alle keine Araber; der alte Oberpriester stammte aus Griechenland, ein echter Osmane, die anderen waren Türken, aus Stambul, Rumelien und den übrigen Balkanländern; auch Muslims aus der Krim, aus Kleinasien und ein Kurde von Bagdad mit kolossalem grünen Turban waren anwesend.

Nach kurzem Aufenthalt empfahlen wir uns und fuhren den langen Weg bis Kasr-en-Nusha zurück; die Zeit drängte, denn wir sollten an diesem Tage noch zu einem kleinen, nicht offiziellen Diner in Zivilkleidung beim Khedive erscheinen. Bald nach dem Speisen kehrten wir nach Hause, da der Vizekönig noch des Abends einem religiösen Feste zu Ehren in die Hussein-Moschee gehen mußte. Wir waren froh, nach einem interessanten, aber bewegten Tage der wohlverdienten Ruhe zu pflegen.

Am 23. fuhr ich des Morgens durch die Stadt und die arabischen Viertel nach den Kalifen-Gräbern. Wo bei den letzten Häusern der Fahrweg endet, wurden Esel bestiegen und zwischen der Gräberstadt hindurchschreitend, erreichten wir bald den Fuß der hohen Felswände des Mokkatam-Gebirges. Derselbe Pfad wie vor einigen Wochen mußte eingeschlagen werden. Die Felswand wurde durchklettert und kurze Zeit darauf saßen wir im engen, höchst unbequemen Versteck.

Nach dem Verlaufe von drei langen, vollkommen ruhigen Stunden erschienen einige Milane und Aasgeier. Diese Tiere waren eben erst beim besten Fraße, als ich den schweren Flügelschlag eines großen Vogels vernahm; gleich darauf stoben die kleineren Gäste erschreckt auseinander und ein starker weißköpfiger Geier stand mit halbgeöffneten Schwingen am Rücken des Esels, allsogleich sein Frühstück beginnend. Keinen Augenblick zögernd, streckte ich ihn mit einem Schuß zu Boden, kroch aus der Höhle heraus und die schwere Beute am Rücken kletterte ich durch all die Wände, Felsen und Geröllhalden nach dem Platze zurück, wo die Diener und Reitesel warteten. Von da wurde der Heimweg angetreten und in den Mittagsstunden war Kasr-en-Nusha wieder erreicht.

Nach einem Frühstück und kurzer Ruhepause beschlossen der Großherzog und ich einen Besuch dem Schubra-Garten abzustatten. Die Gewehre mitnehmend, bestiegen wir eine landesübliche Droschke und fuhren durch die herrliche Schubra-Allee zwischen all den Gärten und üppigen Feldern nach der hohen Gartenmauer. Ein weiter Raum ist eingefriedet; zwischen hochragenden Bäumen, fast undurchdringlichen Büschen von nahezu tropischer Vegetation steht das große Schloß, umgeben von Teichen, Kiosken und blühenden Ziergärten; ein bedeutender Teil des Komplexes ist mit Küchengärten, Orangenwäldern und selbst grünenden Saatfeldern bedeckt. Die bewässerten Stellen waren reich bevölkert von dichten Scharen zierlicher Kuhreiher, während auf den hohen Pinien, die nahe dem Schlosse einen künstlichen Hügel zierten, die plumpen Nachtreiher in unglaublicher Menge horsteten.

Diesen verschiedenen Reihern bescherten wir eine böse Stunde, mußten dann aber leider den prächtigen, zaubervoll schönen Garten, dessen rauschende Wipfel im goldigen Schimmer der untergehenden Sonne schwammen, rasch verlassen, um zur rechten Zeit zum Speisen einzutreffen.

Den dichten Büschen und wogenden Saatfeldern warfen wir gierige Blicke zu, denn ich ahnte wohl, wie günstig diese Stelle, von Mauern eingeschlossen und totenstill, für große Raubtiere sein müsse. Wenige Tage darauf jagte Saurma, meinem Rate folgend, im Schubra-Garten und erlegte noch einen Luchs und einen Ichneumon. In Kasr-en-Nusha angelangt, speisten wir mit den beiden Brüdern Saurma; der jüngere Baron und Prinz Taxis waren tags vorher erst von einer langen und sehr beschwerlichen Expedition aus den Randgebirgen des Roten Meeres zurückgekehrt, wo sie vergebens den arabischen Steinbock zu erbeuten suchten. Bald nach dem Speisen zogen wir uns alle zur Ruhe zurück.

Am 24. März fuhr die ganze Reisegesellschaft um 9 Uhr früh auf. Auf einem mit Fahnen reich geschmückten Platz stand ein großes Zelt. Viele Menschen hatten sich daselbst versammelt; die österreichisch-ungarische Kolonie war vollzählig erschienen, denn wir feierten in festlicher Weise die Grundsteinlegung eines österreichischen Hospitals. Der unter unserem Schutze stehende reiche Geschäftsmann Catouli-Bey, ein Israelite im althebräischen Kostüm, hatte in hochherziger Weise die ganzen Geldmittel zu diesem schönen Werk gespendet.

Unter freudigen Rufen und den Klängen der Volkshymne wurde die Zeremonie auf das Schönste begangen; es war ein echt patriotisches Fest, fern von der teuren Heimat auf einem anderen Weltteil. Nach Schluß der Feier fuhren wir direkt zum Khedive, um ihm unseren Abschieds- und Dankbesuch abzustatten, den er bald darauf in Kasr-en-Nusha erwiderte, uns von da zur Bahn begleitend. Mit wehmütigen Gefühlen verließen wir das schöne Schloß in der Schubra-Allee und fuhren traurigen Mutes durch die Straßen der Stadt. Am freien Platz vor dem Bahnhofgebäude stand ein Bataillon Infanterie, unter den Klängen unserer Volkshymne die Ehrenbezeugungen leistend. Am Perron hatten sich sehr viele Landsleute, dann ägyptische Würdenträger, Brugsch-Pascha, die Brüder Saurma und Prinz Taxis eingefunden. Vom Vizekönig, dem wir so viel Dank schuldeten, und all den Bekannten wurde Abschied genommen; langsam rollte der Zug aus der Bahnhofshalle, schmerzlich bewegt warfen wir die letzten Blicke der herrlichen Kalifenstadt, den ernsten Wänden des Mokkatam, der hochragenden Zitadelle und den zauberumflossenen Pyramiden zu. Neuen Gegenden und Ländern pilgerten wir nun entgegen!

Derselbe Weg wie vor wenigen Tagen mußte eingeschlagen werden. Zuerst kam das Kulturland mit seinen Städten; mehrere derselben erhalten einen gewissen Reiz durch die historischen Erinnerungen, die sich daran knüpfen, wie zum Beispiel Schibûn-el-Kanatir, ein moderner arabischer Ort, in dessen Nähe, am so genannten Tell-el-Yehûdiye oder Judenhügel, im 14. und 13. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung eine wohlbefestigte Stadt gelegen war, in welcher sich später unter der Regierung Ptolemäos mit dem Beinamen Philometor ein jüdischer Tempel erhob, welchen der Hohepriester Onia für seine aus Palästina verjagten jüdischen Landsleute aufführen ließ. Ferner Belbês (altägyptisch Pilabes), eine besonders im Mittelalter hochberühmte Stadt, welche die Residenz des arabischen Gouverneurs der so genannten Ostzone des Deltas bildete. Hierauf Zakazik, ein größerer, durch seinen lebhaften Handelsverkehr bekannter Ort, an welchem sich viele Europäer und Levantiner angesiedelt haben. In der Nähe desselben erhebt sich ein mächtiger Ruinenhügel mit Namen Tell-Basta, unter welchem die letzten Trümmer der Tempel und Häuser der im Altertum hochgefeierten Stadt Bubastus (im altägyptischen Pi-bast, d.h. »Haus« oder »Wohnstätte« der Göttin Bast, hebräisch »Phi-beseth« geheißen) seit vielen Jahrhunderten ruhen. Hier ward eine Göttin, deren Name soeben erwähnt ist, in einem herrlichen und großartig angelegten Tempel verehrt. Massenhaft werden noch heute ihre Bilder in Stein und Bronze aus dem Schutte hervorgezogen.

Sie erscheint darin als eine schlanke, jüngere Frau, welche in der einen Hand ein Sistrum, in der anderen ein Körbchen trägt und statt des Frauenhauptes mit dem Kopfe einer Katze versehen ist. In der Tat waren ihr die Katzen geheiligt. In den Inschriften erscheint sie vielfach beschrieben als die Lokalform der Frieden und Segen bringenden Göttin Isis.

Östlich von der erwähnten Stadt Bubastus, welche die Metropolis des nach ihr benannten Kreises Bubastites bildete, dehnte sich in alten Zeiten die südliche Hälfte des angrenzenden Kreises Arabia aus, von dem wir bei den klassischen Schriftstellern des Altertums nur wenige Nachrichten besitzen. Es ist derselbe, welchen die heilige Schrift mit dem Namen Goschen (Gosen) belegt hat.

Die Eisenbahn durchzieht sein Gebiet, indem sie die gerade Richtung nach Osten verfolgt und den Süßwasser-Kanal im Wadi-Tûmilât begleitet. Gleich am Eingang in das Letztere befinden sich am Tell-Âbu-Solimân die Ruinen der Stadt Pithom oder Patumos, an welcher die Juden vor ihrem Auszuge aus Ägypten zu bauen gezwungen wurden. In dem östlichen Teile des Wadi und dem Krokodil-See hin zeigt sich in der Nähe von Mas-Chûta ein Denkmal Ramses II., ferner Sphinxe, beschriebene Steine und Reste alter Ziegelbauten. Lesseps hat mit der Mehrzahl von Gelehrten dort die Lage der in der heiligen Schrift genannten Stadt Ramses wiedererkennen wollen und der modernen Eisenbahnstation aus diesem Grunde den alten Namen Ramses beigelegt.

Aus dem Wadi heraustretend, geht die Eisenbahn bis zur Hauptstation Ismâîilia. Die weitere Fahrt auf dem Boden der Wüste längs des Westufers der Bitterseen (des nördlichen und des südlichen Bassins derselben) bietet einige Unterhaltung durch die Aussicht nach den blau schimmernden Gewässern und nach Westen hin durch den Blick auf den malerisch geformten Berg Genesse, dessen Steinbrüche, besonders marmorähnliche Steinlagen, noch gegenwärtig vielfach ausgebeutet werden.

Endlich zeigen die imposanten dunklen Gebirgsmassen des hohen Gebel-Ataka, bald auch der azurblaue Spiegel des Meeres die Nähe der Hafenstadt Suez an.

Bei der Einfahrt in den Bahnhof überrascht der Anblick des durch die Schiffe aller Nationen belebten Hafens, unter denen die Indienfahrer durch Größe und Ausrüstung die erste Stelle einnehmen. In später Nachmittagsstunde hatten wir die geschmacklose, unansehnliche Stadt erreicht, der die recht schlechten Hotels und stillosen Wohnhäuser der Konsuln einen echt abendländischen Charakter aufprägen. Viele Werften und Hafenbauten tragen eben auch nicht zur Verschönerung bei. Wirklich interessant ist nur die hohe geschichtliche Bedeutung, die dem wundervollen Spiegel des Roten Meeres und den umliegenden pittoresken, traurig düsteren Gestaden einen eigentümlichen Reiz verleiht. Müde von der heißen Eisenbahnfahrt zogen wir uns gleich nach der Ankunft in das Hotel zurück, um ein Diner einzunehmen. Im verwahrlosten englischen Gasthofe waren wenige Fremde, nur einige Engländer, echte Geschäftsleute, auf der großen Heerstraße zwischen Europa und Indien kurze Rast haltend, und ein armer, ungemein komischer Missionar, ein Sachse, Reservelieutenant und Prediger, alles zugleich. In Innerafrika wollte er bekehren, kannte auch theoretisch die volle Wichtigkeit seiner Mission und das Land, dem er zueilen wollte; in der Praxis aber schien er ohne Geschicklichkeit, Erfahrung und besonders arm an Geld, im Hotel von Suez den Eintritt eines glücklichen Zufalles abwarten zu wollen.

Nach dem Speisen gingen wir noch eine Zeit auf dem flachen Dache des Gasthofes herum, die herrliche Luft einer südländischen Nacht genießend.

Am Morgen des 25. März standen wir in früher Stunde auf und verließen nach kurzem Frühstück das Hotel, um durch die Stadt zum Landungsplatze der Dampfschiffe zu gehen. Einem langen Briefe meines Freundes Brugsch-Pascha verdanke ich eine treffliche Schilderung jener Gegenden und so kann nichts besseres geschehen, als die an wissenschaftlichen Bemerkungen reichen Zeilen des berühmten Forschers dem Leser im Wortlaute wiederzugeben:

»An dem Nordrande der Stadt erhebt sich ein kleiner Ruinenhügel, dessen arabische Bezeichnung Tell-Kolzum, ›Hügel von Kolzum‹, sofort an die antike Benennung Clysma, Cleisma eines älteres, daselbst gelegenen wohlbefestigten Hafenortes gemahnt. Mit dem Verfall des alten Kanales verschwand auch die Bedeutung der älteren Stadt, doch bleibt der Name im Angedenken durch die bei arabischen Schriftstellern nicht seltene Bezeichnung Bahr-Kolzum für den heutigen Golf von Suez. So belehrend der Besuch und die Besichtigung der modernen Hafenanlagen, Dämme und der Mündungsstellen und Schleusenwerke des maritimen und Süßwasser-Kanales sein mag, so gewähren sie eben nur die Kenntnis hervorragender Leistungen unserer Gegenwart auf dem Gebiete der Wasserbauten und der Mechanik.

Wie das Unbekannte mehr zu reizen pflegt als das Bekannte, wie die Vergangenheit mehr zur Neugierde anstachelt als die Gegenwart, wie die Tradition dem Denken mehr Stoff und Genuß gewährt als die ein für alle Mal festgestellte geschichtliche Tatsache, so weilt der Pilger an diesen Gestaden des Roten Meeres am liebsten in Gedanken und in Erinnerungen an Zeiten vertieft, für welche die Geschichte das Gedächtnis verloren zu haben scheint.

Wo war die Stelle des Meeres, an welcher Pharao mit seinem Heere von den Wasserfluten überdeckt wurde? Wo die Straße, auf welcher Moses sein Volk durch die Wüste nach dem Berge Sinai führte? Das sind die Fragen, welche sich dem christlichen Besucher dieser Stätten zunächst und mit aller Kraft aufdrängen. Nur mit größerer und geringerer Wahrscheinlichkeit haben die Forscher der vergangenen Zeiten und der Gegenwart sie zu lösen versucht.

Als einziger sicherer Punkt diente ihnen bei den Untersuchungen die Lage der Moses-Quellen, welche sich auf der asiatischen Seite des Busens von Suez nicht weit entfernt vom Ufer befinden. Die Moses-Quellen liegen in einer vegetationsreichen Oase, aus welcher warmes, salziges und bitteres Wasser aus trichterförmigen, von den Schalen der Cypris aufgebauten Öffnungen emporsprudelt.

Die größte der Quellen ist zisternartig ummauert worden und wird für die eigentliche Moses-Quelle gehalten, welche der jüdische Gesetzgeber aus dem Felsen hervortreten ließ und deren bitteres Wasser er durch hineingeworfene Zweige süß machte.

Wenn die Sonne am Abend niedersinkt und die gewaltigen Massen des Ataka-Gebirges mit Purpurschimmer übergießt, wenn das Meer zwischen den Küsten Asiens und Afrikas seine durchsichtigen, smaragdfarbigen Wellen mit leisem Schlage in schaukelnde Bewegung setzt, wenn allmählich der Farbenglanz erlischt und sich in violette, dann bläuliche und zuletzt graue Nebelbänder auflöst, da erst erscheint das einfache und doch so großartige Naturgemälde in seiner vollen Wirkung. Unbeschreibliche Ruhe erfüllt die Seele und erweckt selbst nach der Rückkehr in die nordische Heimat mit ihren wechselvollen Bildern und landschaftlichen Schönheiten jene tiefe Sehnsucht nach dem Orient, die wie ein stilles Heimweh unser Herz durchzittert.

Hier an der Stätte der Moses-Quellen Asien, drüben am entgegengesetzten Ufer des schmalen Golfes Afrika! Welch eine Flut historischer Erinnerungen bis in die Zeiten grauesten Altertums hinauf erweckt nicht der Anblick der begrenzten Küstenränder beider Kontinente! Wir sehen in den Urzeiten aller menschlichen Geschichte von Wanderlust erfüllte Völkerstämme hamitischen Ursprunges aus Asien, der Wiege des Menschengeschlechtes, westwärts über die Völkerbrücke der Landenge von Suez in den dunklen Weltteil einziehen, um sich niederzulassen und der schwarzen Erde Ägyptens und stromaufwärts wandernd, Städte und Ansiedelungen zu gründen und gewaltige Denkmäler ihres Daseins zu hinterlassen.

Die Moses-Quellen

Memphis erscheint als die älteste Station der asiatischen Einwanderer. Die Pyramiden müssen mit vollstem Rechte als die Marksteine der Weltgeschichte gelten.

Erst in zweiter Reihe, je nach den Etappen der südwärts vordringenden Urväter des ägyptischen Stammes, treten die Denkmäler Mittel- und Oberägyptens als beredte Zeugen der ältesten, nilaufwärts steigenden Kultur ein. Ein anderer Stamm, gleichfalls hamitischen Ursprunges, wohlerfahren in der Schifffahrt, wählte den Seeweg, um von Osten her längs der Küste des persischen Landes und Arabiens bis nach Afrika vorzudringen. Es sind dies die rotbraunen Kuschiten, die Äthiopen der klassischen Überlieferung, die Seefahrer der ältesten Welt. An den Küsten des glücklichen Arabiens, in Afrika, im Lande der heutigen Somali, in Abessinien und in den fruchtbaren Niederungen der nubischen Landschaft gründen sie sich eine neue Heimat, im steten Kampfe mit den Stämmen der Negerrasse, welche bis nach Assuan hin das obere Niltal und die daran stoßenden Gebiete besetzt hielten.

Von den Küsten des südlichen Arabiens aus zieht ein kuschitischer Schwarm nach Norden und siedelt sich auf kanaanitischer Erde an den Osträndern des Mittelmeerbeckens an. Sidon, Tyrus, Byblos gehören zu den ältesten Plätzen, an welchen die kuschitischen Einwanderer – die Vorfahren der Phönizier – ihre Seestationen gründeten. Ein anderer Schwarm gleicher Abstammung zog zur See den persischen Golf hinauf, landete an den Ufern des Euphrats und wurde bald das herrschende Volk in der großen Ebene, welche sich zwischen den Ufern des Euphrats und des Tigris ausbreitet. Die älteste Erinnerung dieser Wanderung haftet an dem Namen des großen Jägers Nimrod, eines Sohnes von Kusch, der den biblischen Nachrichten zufolge auf dem bezeichneten Gebiete ein mächtiges Reich stiftete. Wiederum sind es kuschititsche Stämme, welche vor dem Jahre 2000 vor unserer Zeitrechnung von Arabien her plötzlich in die Ostgegend des Delta-Landes einbrechen und hier das so genannte Hyksos-Reich gründen. Während einer Dauer von fünfhundert Jahren behaupten sie sich unter eigenen Stammkönigen im Delta-Lande, dringen südwärts dem Laufe des Nils folgend bis Theben vor und unterliegen erst nach harten Kämpfen mit den Kleinkönigen ägyptischer Herkunft. Das Museum von Bulak besitzt einen wahren Schatz von Statuen, welche die Anwesenheit der kuschitischen Herrscher in Ägypten auf das Schlagendste beweisen und der Wissenschaft gestatten, an den erhaltenen Porträts die Rasseneigentümlichkeiten jener kuschitischen Eroberer zu studieren. Nach ihrer Betreibung sah die Landenge von Suez die ägyptischen Heere nach Osten ziehen, um vielhundertjähriges Zwingjoch zu rächen.

Bis nach Babylon und Ninive drangen die siegreichen Pharaonen vor, unterwarfen zahlreiche Länder- und Völkerstämme auf ihrem Zuge und herrschten über vierhundert Jahre lang über die größten und mächtigsten Reiche Vorderasiens.

Um die Einfälle von Osten her abzuwehren, wurde der Isthmus von Suez mit Wällen und Befestigungen versehen, welche in der Nähe von Pelusium (ostwärts vom heutigen Port-Saîd) begannen und sich bis nach Heliopolis hinzogen. Nur mit pharaonischer Erlaubnis ward es Einwanderern semitischer Rasse gestattet, besonders in den Zeiten der Hungersnot, die Befestigungen zu überschreiten und in der Nähe der weidereichen Fluren des Menzaléh-Sees Nahrung für sich und ihre Viehherden zu suchen. Jacobs Einwanderung in Ägypten gibt ein anschauliches Bild für die notwendigen offiziellen Vorbereitungen zu einer Ansiedelung in diesen Teilen des Delta-Landes! Mit dem Verfall der pharaonischen Herrlichkeit bietet die Landenge von Suez das Bild eines vielbewegten Völkerlebens an seinen nördlichen Teilen dar. Einfälle, Angriffe, Schlachten auf Schlachten finden an der äußeren Befestigungslinie in der Nähe von Pelusium statt und fremde Heeresscharen ziehen den pelusischen Nilarm aufwärts bis nach Heliopolis und der alten, wohlbefestigten Residenzstadt Memphis.

Mit der Versandung der pelusischen Nilmündung durch den tausendjährigen Anprall der Mittelmeerströmung von der syrischen Küste her, mit der Vernachlässigung der Kanäle und Wasserbauten auf der Ostseite des Delta-Gebietes unter den trübsten Zeiten der ägyptischen Geschichte, zog sich die Kultur aus diesem ehemaligen Garten Gottes zurück und die vegetationsreichsten Ebenen und Gefilde wurden in sandige Einöden und unfruchtbare Wüsteneien verwandelt. Die Wassermassen der Nilflut, welche meist den pelusischen Nilarm gefüllt hatten, warfen sich auf die westliche Seite des Deltas und der so genannte kanopische Nilarm wuchs zu einem mächtigen Strome an. Die in der Nähe seiner Mündungsstelle gegründete Stadt Alexandria riß unter den Ptolemäern und Römern den Weltverkehr an sich und erhob sich selbst zum Mittelpunkte aller geistigen Bewegungen auf religiösem, philosophischem und wissenschaftlichem Gebiete. Ihre alte Bedeutung hat sich in unseren Zeiten wenigstens für den Handelsverkehr wieder gehoben. Wenn auch der Durchstich des Isthmus von Suez ihre Lebensader stark unterbunden hat, so ist dennoch die oftmals ausgesprochene Befürchtung unbegründet, daß dereinst Port-Saîd die Rolle von Alexandrien übernehmen werde.

Die günstige Lage der letzteren Stadt nach Westen zu, welche eine kürzere Verbindung mit den europäischen Hafenstädten gestattet als Port-Saîd, in unmittelbarster Nähe des gegenwärtigen Kulturgebietes Unterägyptens, ihre Wasserstraßen und Eisenbahnlinien, ihre mit bedeutenden Kosten gegründeten Comptoirs und Handlungshäuser und ganz allgemein ihr Lebenskomfort lassen trotz aller Schwierigkeiten der Einfahrt in den Hafen Alexandrien als die einzige und bedeutendste Handelsstadt Ägyptens für alle Zukunft erscheinen.

Port-Saîd würde nur dann eine ähnliche Bedeutung gewinnen, wenn der nahe liegende vorderasiatische Kontinent mit Europa in eine Handelskonkurrenz einträte, eine Aussicht, die indes in sehr weiter Ferne liegt.

Die Landenge von Suez hat historisch ausgelebt. Ihre geschichtliche Bedeutung liegt in der Vergangenheit, deren letzte Spuren der Sand der Wüste wie mit einem Grabhügel bedeckt hat. Eine Fahrt durch den maritimen Kanal bietet kein besonderes Interesse dar. Die markierten Kilometer-Nummern auf seiner ganzen Strecke von Port-Saîd bis nach Suez hin passen vollständig zu dem Charakter der Wüste, welche die blaue Wasserlinie durchschneidet. Die einzige mit dem älteren Namen Kantara-el-chazne, d.h. ›die Schatzbrücke‹ belegte Stelle im Norden des Dattel-Sees verdient eine besondere Erwähnung. Sie bezeichnet die Übergangsstelle der Karawanen von Ägypten auf asiatisches Gebiet.

In den ältesten Zeiten der ägyptischen Geschichte stand an derselben Stätte ein stark befestigter Platz, welcher zu beiden Seiten des Kanals lag, der den Dattel-See mit dem Menzaléh-See in Verbindung setzte. Eine Brücke führte von der einen Seite nach der anderen hinüber, wie eine Abbildung aus den Zeiten des Königs Seti I. (Vaters Ramses II. Sesostris) an der nördlichen Außenmauer des großen Amon-Tempels von Karnak es deutlich erkennen läßt. Von diesem Punkte aus begann die ostwärts davon gelegene Region, welche die alten Ägypter mit dem Namen Hazian oder Hazion belegten. Die Griechen bildeten denselben Namen zu Casion, die Römer zu Casium um, womit sie zunächst den in der Nähe des alten (jetzt versumpften) Sirbonis-Sees gelegenen gebirgigen Teil der Wüste bezeichneten, der sich in einer Art von Vorsprung in das Mittelmeer hineinzieht. Hier stand ein besonderes Heiligtum, welches der Schutzgottheit der Gegend, dem Zeus Casius, geweiht war. Die Araber ihrerseits geben der alten Benennung ›Hasion‹ eine sinnreiche Umwandlung zu ›Chazne‹, d.i. ›Schatz‹, die sich in der oben erwähnten Ortsbezeichnung ›Kantara-el-chazne‹ oder ›Schatzbrücke‹ erhalten hat.

Zum Schlüsse noch die Bemerkung, daß die alte ›Straße der Philister‹, wie sie in der heiligen Schrift heißt, auf welcher die Heere der Pharaonen (und der fremden Eroberer) nach Palästina von Kantara aus zogen, zwischen dem Mittelmeer und dem Sirbonis-See gelegen war, während in den späteren und neueren Zeiten dem Wüsten- oder Karawanen-Wege im Süden des erwähnten Sees der Vorzug gegeben wird.«

Von den geistreichen Bemerkungen des besten Kenners der alten ägyptischen Geschichte müssen wir nun zur Schilderung der Reise zurückkehren. Ein französischer Kanal-Dampfer brachte uns über den Spiegel des herrlich blaugrünen Roten Meeres nach dem arabischen Ufer. An der den Moses-Quellen nächstliegenden Stelle des Gestades wurde angehalten und gar bald trabte die ganze Reisegesellschaft vergnügt auf kleinen Eselein durch die Wüste.

Zum ersten Male hatten wir asiatischen Boden betreten und in feierlicher Stimmung begrüßten wir den herrlichsten aller Weltteile.

Die arabische Wüste ist in ihrem Charakter von der afrikanischen ganz verschieden; an die Stelle der rötlich gelben Farben tritt ein blendend Weiß, nur hie und da unterbrochen von kleinen Gesträuchen.

Die Moses-Quellen, welche wir nach halbstündigem Ritt erreicht hatten, sind eine echte, aber ungemein kleine Oase; um die aus trichterförmigen Löchern hervorsprudelnden Quellen blüht ein üppiger Garten; Palmen und Gesträuche, hohes Gras und breitblättrige Pflanzen erfreuen das Auge. Einige Hütten dienen als Wohnung armen Beduinen.

Außer einigen Schwalben bemerkte ich von der Tierwelt nur Eidechsen und die blattdünnen, farbenwechselnden Chamäleons in unglaublicher Menge. Fährten von Hyänen, Wölfen und Schakalen bewiesen, daß des Nachts die Raubtiere daselbst zur Tränke kommen.

Die Beduinen, die wir da fanden, waren in elende Lumpen gehüllt; ihre primitiven Feuersteingewehre hatten lange Stricke umwickelt, die angezündet wurden und nun so lange brannten, bis sie mit der Pulverpfanne in Berührung kamen; durch mehrere Minuten mußten daher die armen Schützen in Erwartung des erfreulichen Ereignisses bleiben. Wir ließen sie vor uns mit diesen aller Beschreibung spottenden Instrumenten schießen. In ihrem Äußeren waren jene Leute vom echten Beduinen-Typus sehr verschieden; sie erschienen mir wie dunkle Juden; Gestalt, Gesichtsausdruck und Benehmen waren ganz und gar israelitisch und unwillkürlich gedachte man der nach den Wüsten Arabiens verstoßenen Nachkommen der Hagar, der zu räuberischen Jägern gewordenen Ismaeliten. In den in sagenhafte Form gehüllten Überlieferungen der urältesten morgenländischen Geschichte liegt ein wahrer Kern und eine hohe Bedeutung.

Von einem Wüstenhügel nahe den Quellen genossen wir eine herrliche Fernsicht über die blendend weiße arabische Wüste, mit ihren steinigen Rücken und Tälern, in südlicher Richtung nach den sich hoch auftürmenden Vorbergen der Sinaî-Gruppe und im Westen auf das Rote Meer und die afrikanischen Ataka-Gebirge.

Schwere Wolken hingen am Himmel und verliehen dem ohnedies so düsteren Bilde einen noch ernsteren Anstrich. Nach kurzem Aufenthalt zur Küste zurückgekehrt, suchten wir durch einige Zeit Muscheln an den sandigen Gestaden. Das Rote Meer ist wegen seines Reichtums an Conchilien berühmt und so fanden wir auch im Verlauf weniger Minuten eine unglaubliche Menge schöner Exemplare.

Da die Zeit drängte, mußten wir bald auf den Dampfer zurück und fuhren an Suez vorbei in den Kanal hinein. Hier, wie überall rechts und links die trostlosen Kanal-Dämme, und nur hie und da ein Blick nach der traurigen Wüste.

Die Bitterseen waren bald erreicht; sie allein bieten gewisse unleugbare landschaftliche Reize; der Kontrast der dunkelblauen Fluten zu den blendend weißen Wüstengebieten fesselt die Aufmerksamkeit des Wanderers.

In der schmalen Kanalstrecke zwischen den Bitter- und Timsâh-Seen bemerkten wir einen knapp am Ufer nach Muscheln suchenden Schakal, dem einige, leider erfolglose Schüsse nachgesendet wurden. Am tiefblauen Timsâh-See genossen wir den herrlichen Anblick eines effektvollen, echt afrikanischen Sonnenunterganges.

Die Häuser von Ismâîilia tauchten in nördlicher Richtung an den sandigen Gestaden auf und nach kurzer Fahrt legte der Dampfer an der Landungsbrücke der großen französischen Suez-Kanal-Station an. Herr von Lesseps, der berühmte Schöpfer und Gründer dieses zwei Meere verbindenden Riesenwerkes, sein Sohn und mehrere Beamte der französischen Gesellschaft erwarteten uns da. Ich war froh, die Bekanntschaft des noch rüstigen, in steter Arbeit unbeugsamen Greises machen zu können.

Zu Wagen gelangten wir in sein reizend inmitten eines kleinen Gartens liegendes Landhaus. Dort empfing uns seine wunderschöne Schwiegertochter, eine geborene Kairenser Griechin aus der reichen Familie Sinadino; ihr Bruder, ein angenehmer junger Mann und eine englische Dame waren ebenfalls anwesend. Bald nach unserer Ankunft wurde gespeist und hierauf der Abend in gesellig heiterem Verkehr zugebracht.

Des anderen Morgens in sehr früher Stunde brachen wir alle, den alten Lesseps an der Spitze, vom Landhause auf, gingen zur Bahn und fuhren eine kurze Strecke in der Richtung gegen Kairo bis zur Station Maksama. Daselbst wurde gehalten und mit vieler Mühe barkierte man die vielen Reitpferde aus dem nämlichen Zuge aus. Die übermütigen Hengste wieherten und sprangen wild umher und viel Zeit ging mit den Vorbereitungen zur Jagd verloren. In der Nähe der Station hatte ein Stamm Jagdbeduinen sein Zeltlager aufgeschlagen und bei unserer Ankunft verließen die herrlichen Gestalten ihren Ruheplatz. Sie erschienen auf Hengsten und Kamelen, der Schêch voraus, eine wunderschöne Fuchsstute reitend.

Herr von Lesseps war so freundlich gewesen, diesen bekannten, jagdkundigen Stamm in die Umgebung Ismâîilias zu laden, damit uns der herrliche Anblick einer Beduinenjagd auf Gazellen geboten werde. Der Ritt durch die Wüste gestaltete sich in der Tat sehr malerisch.

Voran war der Schêch in blendend weißem Burnus, schönem Sattelzug, einen krummen Säbel um die Hüften geschnallt; auf seiner Hand stand am dicken Lederhandschuh ein edler Jagdfalke, die bunte Kappe am Kopf.

Zu Fuß, zu Pferd und zu Kamel folgte der Troß der übrigen Beduinen, mit langen Gewehren, Säbeln und Dolchen bewaffnet; alle in weiße, fliegende Gewänder gehüllt; braune, martialische Gestalten mit ausdrucksvollen Gesichtszügen; einige asiatische, auffallend große, langhaarige Windhunde begleiteten ihre Herren, desgleichen wurden mehrere junge, noch nicht der Hand des Schêchs würdige Falken nachgetragen.

Der Stamm, mit dem wir nun durch die Wüste in der Nähe der Eisenbahn streiften, treibt sich seit einiger Zeit in Afrika herum; seine eigentliche Heimat ist aber Arabien, was man auch deutlich an dem edlen Schlag der Pferde und der reicheren Bewaffnung und Kleidung der Leute erkennen konnte. In eine lange Linie aufgelöst, ritten wir über den sandigen Boden durch die Hügel und Täler der Wüste; Gazellen hätten aufgejagt werden sollen und selbst mit einem Wüstenhasen wäre man zufrieden gewesen.

Durch mehr als zwei Stunden blieb jeder Versuch erfolglos. Die Beduinen begannen ungeduldig vorzusprengen, um einen weiteren Raum zu durchsuchen; einer derselben jagte plötzlich aus einem dichten Gesträuch eine Gazelle auf; in wilder Unordnung eilte alles nach, die Hunde wurden gelöst und da die verteilten Reiter von allen Seiten kamen, einige dem flüchtigen Tier sogar entgegensprengten, wußte dasselbe nicht mehr, wohin es fliehen solle, und lief zwischen den vielen Pferden erschreckt umher.

Ausritt zur Falkenjagd

Ein Beduine machte der Jagd ein rasches Ende; im gestreckten Galopp sandte er der in unregelmäßigen Sprüngen dahineilenden Gazelle eine Kugel nach, die das Tier im Feuer zu Boden streckte. Nun sollte noch ein Versuch auf Wüstenhasen unternommen werden, doch da die Hitze groß und die Aussichten gering waren, trat man den Rückweg gegen die Eisenbahnstation an. Um auch die Kunst der Falken zu zeigen, ließ der Schêch seinen edlen Jagdgenossen nach einer Taube los, die wenige Sekunden darauf, vom tödlichen Krallenhieb getroffen, zur Erde sank.

Die Stationsgebäude waren halb erreicht, wo im Waggon ein frugales Frühstück eingenommen wurde, nach demselben fuhr ein Teil der Gesellschaft nach Ismâîilia zurück, während ich und einige der Herren auf einer Dampf-Mouche eine kurze Fahrt am Süßwasser-Kanal unternahmen. Bei einem alten, halb verfallenen Hause wurde gehalten und über Sanddünen nach einem schmalen Sumpfe gegangen, der sich, von der Wüste eng begrenzt, parallel vom Kanal bis zum Krokodil-See, unweit Ismâîilia, dahinzieht.

Einer der französischen Herren, ein angenehmer, sehr passionierter Jäger, führte uns in dieses Jagdrevier, in dem er sehr häufig dem edlen Waidwerk obliegt. Im ersten Moorgrund fanden wir gleich eine Menge der schönen, echt afrikanischen, für uns noch neuen Gold-Rallen und erlegten im Zeitraum weniger Minuten eine bedeutende Zahl derselben.

In den wasserreicheren Stellen gab es viele Bekassinen, mehrere Gattungen Sumpf- und Wasserläufer sowie auch Enten und Spornkiebitze; im hohen Gras wurden Wachteln aufgejagt. Interessant waren große Heuschrecken, das größte, was ich noch je in dieser Art gesehen habe; diese Tiere flogen mit lautem Gesumme schon weit vor dem Menschen auf und um eine derselben in der Nähe betrachten zu können, mußte ich das scheue Insekt wie eine Wachtel herunterschießen; fürwahr ein eigentümliches Wild.

In das von heißem Wüstensand eingeschlossene Tal brannte die Sonne glühend herab, im sumpfigen Boden mephitische Atmosphären erzeugend. Nach mehrstündiger anstrengender Jagd kehrten wir mit Beute reich beladen zum Süßwasser-Kanal zurück, wo abermals die Dampf-Mouche bestiegen wurde, welche uns rasch nach Ismâîilia brachte. Bald nach unserer Rückkehr wurde auf Wunsch Herrn von Lesseps statt im Hause an Bord eines französischen Dampfers ein Diner eingenommen und darauf ziemlich früh zur Ruhe gegangen.

Am folgenden Morgen besuchten wir alle die kleine, aber recht hübsche Kirche, wo ein Franziskaner für die ganze französische Kolonie eine Messe las. Hierauf führte uns Lesseps durch die Gassen und Gärten der echt französischen Stadt. Mit Wohlgefallen zeigte der alte Herr sein Werk, das er einst aus der anscheinend unfruchtbaren Wüste hervorgezaubert hatte.

Die Zeit der Abreise war gekommen; am Landungsplatze nahmen wir Abschied von Herrn von Lesseps und Herrn Zimmermann, dem wir auf allen unseren Eisenbahnfahrten in Ägypten viel zu verdanken hatten, und setzten uns, vom jungen Lesseps, seiner Gemahlin und einigen anderen französischen Herren begleitet, in Bewegung. Die Reise verlief ziemlich rasch und die trostlosen Gegenden wurden durch eifriges Gespräch unschädlich gemacht. Einige Möven und einen Aasgeier erlegte ich vom Verdeck des Schiffes aus. An den seichten Stellen des Menzaléh-Sees standen tausende von Pelikanen und Flamingos, im Glanze der Sonne rötlich schimmernd.

In Port-Saîd veranstaltete die österreichisch-ungarische Kolonie einen glänzenden Empfang. Von reich geschmückten Dampfern und Booten umgeben fuhren wir zur Stelle, wo unsere »Miramar« lag; nach wenigen Minuten waren wir wieder auf Bord unseres guten Schiffes; von den Klängen der Volkshymne begrüßt, standen wir abermals auf einem Stück vaterländischen Bodens. Port-Saîd ist eine vollkommen europäische Stadt; die großartigen Hafen- und Kanalbauten, die Schiffswerften, Bauplätze, Werkstätten und vor allem die Fahrzeuge, besonders die Indienfahrer, verleihen dem ganzen Bilde den unverfälscht abendländischen Typus. In den späteren Nachmittagsstunden gaben wir auf der »Miramar« ein Diner, zu dem Abd-el-Kader-Pascha und die französischen Herren geladen wurden; als es zu dunkeln begann, inszenierten die hier weilenden Landsleute eine reizende Hafenbeleuchtung und Fresko-Fahrt. Viele hell erleuchtete Boote mit Musikbanden umgaukelten unser Schiff und ein hübsches Feuerwerk wurde am Lande abgebrannt. Bald kam die Stunde des Abschiedes. Unsere Gäste verließen die »Miramar«, auch Abd-el-Kader-Pascha; wir alle hatten ihn schätzen und achten gelernt, er war uns ein treuer Reisebegleiter und wahrer Freund!

Langsam setzte sich die »Miramar« in Bewegung.

Herrliche, unvergeßliche Tage hatten wir in Afrika durchlebt, großartige Eindrücke nahmen wir mit vom schwarzen Erdteil, vom farbenprächtigen Ägypten, vom vieltausendjährigen Friedhof einer uralten untergegangenen Kultur.

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