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Zoltán Karpáthi, der Sohn des Nabob

Maurus Jókai: Zoltán Karpáthi, der Sohn des Nabob - Kapitel 22
Quellenangabe
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typefiction
authorMaurus Jókai
titleZoltán Karpáthi, der Sohn des Nabob
publisherVerlag von Philipp Reclam jun
firstpub
translatorEduard Glatz
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20121211
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Vierter Teil.

1.

Frauenschutz.

Wer die Kämpfe der letzt abgelaufenen Dezennien nicht mit erlebt, wer nicht selbst die allgemeine Erregtheit, die Leidenschaften geteilt, unter deren Herrschaft die damalige Zeit stand, der wird sich auch keinen rechten Begriff machen können von der Erbitterung, welche sich der Brust eines durchgefallenen Parteihauptes bemächtigte.

Von meinen schönen Leserinnen waren die meisten wohl noch im Pensionat, oder ließen sich noch von der Amme Märchen erzählen, als jenes nationale Fluidum, von dem nur wir Alten noch eine Erinnerung bewahrt haben, das ganze Land galvanisierte. Ich muß hier eine Definition geben von dem, was ich unter Alt verstehe: Wer die Vierziger Jahre dieses Säkulums als Mann durchlebt, ist seinem Alter nach ein Fünfziger; mir wenigstens scheint es, als ob nicht nur das Säkulum, sondern ich selber auch im vierundfünfzigsten Jahre stünde.

Wie jung waren wir dazumal noch! ...

Das Palais des Rates Köcserepy ist ein Trauerhaus. Jedermann meidet es; seine besten Freunde finden es nicht zeitgemäß, ihren Fuß hineinzusetzen. Vordem erhielt er täglich zwei bis drei Briefe aus allen Teilen des Landes, von hochangesehenen Männern, die ihn zu den Stützen ihrer Partei zählten. Glänzende Aussichten waren ihm gemacht worden, deren Erfüllung von dem glücklichen Erfolge abhing. Und das alles hat jetzt ein Ende; niemand denkt mehr an ihn, er ist vergessen, man spricht nicht von ihm, man sucht ihn nicht auf, ladet ihn nicht ein, kommt ohne ihn zusammen. Seine der Konferenz eingeschickten Memoranden kommen ohne Indorsat zurück ... Man giebt ihm keine Antwort darauf ... Doch ja, einige Lettern waren doch mit Rötel darauf geschrieben:

S.    C.
_____________________
a. r. t.

Es waren dies vielleicht nur die Registraturlettern, er aber liest aus derselben heraus: » Scart

Scart! Welcher Hohn! welche Zurücksetzung. In den Scart zurückgelegt, wie ein ausgeschossener Eichel-Siebener!

Er wagt sich nicht aus seinem Dorfe hervor, aus Furcht, man werde ihn überall mit Spott empfangen; er schreibt keine Briefe, denn er besorgt, man könnte sie unerbrochen retournieren; er kann seine Familie nirgends hinführen, denn man wird für ihn nicht zu Hause sein; er kann im öffentlichen Leben, im Amt keine Zerstreuung suchen, denn man wird seinen Händen nichts anvertrauen.

Welch traurige Figur: ein ehrgeiziges Parteihaupt, welches schuld daran ist, daß seine Partei durchfällt!

Irgendwo in einem entlegenen Komitate lebten noch Anverwandte Köcserepys, arme, gemeine Leute; als bekannt geworden, wie schmählich er durchgefallen, änderten sie ihren Zunamen in Vályogosy »Von Kothziegel«, während Köcserepy »von Steinziegel« bedeutet.. Selbst die verleugnen ihn.

Und wenn er nur daheim, im häuslichen Kreise, Aufheiterung fände. Wort aber fühlt er erst recht seine Verlassenheit. Alles um ihn ist so traurig. Niemand ist da, mit dem sich ein lustiges Wort sprechen ließe. Eine düstere, ernste Frau schreitet durch die prachtvollen Gemächer von einem Ende zum andern und wieder zurück. – Sie ist nicht mehr krank, aber es ist noch schlimmer mit ihr, als wäre sie krank. Den ganzen Tag hört man sie kein Wort sprechen, sie geht nur mit gesenktem Blicke auf und ab, wie einer, der bis zum Wahnsinnigwerden eine fixe Idee beständig verfolgt, und nur dann und wann seufzt sie schwer auf – unbekümmert, ob jemand da ist oder nicht, der sie hört: »welcher Schimpf! welche Schande!«

Täglich langen aus der Hauptstadt die Journale an, nach denen sie hastig greift; es ist darin ausführlich, umständlich, mit Ausschmückungen und Übertreibungen die Niederlage ihres Gemahls beschrieben. In dem einen Bericht hüllt man die Schadenfreude in den Ton mitleidigen Bedauerns; in einem andern macht man sich lustig über ihn, und gleich darauf folgt die Schilderung der Triumphe, welche Zoltán in den eröffneten Landtagssitzungen feiert. Welches Lob man ihm spendet, wie man ihm huldigt! Und sie – sie sitzen daheim in Karpáthfalva ...

Welcher Schimpf! welche Schande! Der Rat überrascht oft seine Gemahlin beim Lesen der Zeitungen und reißt sie ihr dann wütend aus der Hand, ballt sie zusammen, schleudert sie in den Kamin, verbietet, daß man sie ins Haus bringe. Was nützt es ihm, daß er sie zerreißt? sie werden in tausend und abertausend Exemplaren im ganzen Lande gelesen. Selbst die Dienerschaft erzählt sich daraus. Sein Name ist sprichwörtlich geworden. Auf den andern aber werden Volkslieder gedichtet und selbst die Schnittermädchen singen auf dem Feld:

Rosenknospe, Lorbeerzweig,
Windet zum Strauß sich die ungarische Maid u. s. w. Der Anfang eines zu jener Zeit viel gesungenen Landtagsliedes.

Wenn er in solchen Momenten mit einem Messer ihm hätte an den Leib können! ...

– Sei nicht traurig, gräme dich nicht, sagte er einmal, als er zu seiner Frau ins Zimmer trat, auch für ihn kommt der rächende Tag.

Wilma saß dort am Fenster; sie wußte wohl, daß Zoltán gemeint war.

Vor seiner Frau spricht er ohne Rückhalt; auch vor seiner Tochter hatte er keinen Grund, seine Zunge zu beherrschen. Warum auch? Ist doch von ihrem gemeinschaftlichen Feind die Rede.

Warum hätte er ein Geheimnis daraus machen sollen, daß er sich freut, grimmig freut: denn jener unreife Knabe, der es gewagt, ihn aufs Haupt zu schlagen, wird dafür büßen, schrecklich büßen.

Hier mußte er doch seine Stimme etwas dämpfen. Das Folgende sprach er nur flüsternd.

– In Preßburg ist jetzt ein berüchtigter Duellant, ein gewaltiger Haudegen, derselbe Dabroni, mit dem Tarnaváry den Austritt gehabt. Dieser Dabroni ist unser Freund; ich habe eben jetzt einen Brief von ihm erhalten; auch er ist durch die Gegenpartei beschimpft, wie wir; auch er ist voll Erbitterung und Wut. In Preßburg kommt er täglich mit dem jungen Herrn zusammen, hat Gelegenheit, ein Gespräch mit ihm anzuknüpfen, mit ihm anzubinden. »Hat der junge Herr irgend einen empfindlichen Fleck, bei dessen Berührung er sich selbst vergißt und zu einem Ausbruch von Leidenschaft sich hinreißen läßt?« So frägt Dabroni. – O, ob er einen hat, und das einen sehr empfindlichen! Wir werden ihn damit bekannt machen. Der unverschämte Junge! Er wird es büßen, blutig büßen! Kränke dich nicht. Niemand soll sich rühmen dürfen, einen Köcserepy ungestraft gedemütigt zu haben.

Und dann flüsterten sie weiter schreckliche, haarsträubende Dinge, die ein guter Mensch nur zu denken Scheu trägt. Es kümmert sie nicht, daß jemand zuhört; was ihnen ein Dorn im Fleische, muß ja auch ihrem leiblichen Sprößling ein Dorn im Herzen sein.

Seht, wie blaß das Mädchen ist. Der Vater steht auf, geht zu ihr hin, und fährt streichelnd mit der Hand über das schöne schwarze Haar: wie du blaß bist, mein holdes schönes Kind!

Ja, sie ist das einzige Wesen, das er wahrhaft, uneigennützig liebt.

Das Mädchen kann nichts dafür, daß es so blaß ist. Hat es sich doch alle Gewalt angethan, um nicht zu zittern, um nicht in Schluchzen auszubrechen bei dem Gespräch über Zoltán, als ob das scharfe Schwert, von dem die Rede war, ihr in die Brust gestoßen würde.

– Geh' ins Freie, sagen Vater und Mutter, reite ein wenig aus; die frische Luft wird dir gut thun.

Das Mädchen thut, wie ihm geheißen; es läßt sich sein Reitpferd satteln, zieht sein Reitkleid an. Wie schön, wie stattlich sie darin aussieht. Beide sehen ihr noch von dem Fenster nach.

Empfinden sie doch nur in diesem einen Punkte wahr. Ihr einziges, wahres Gefühl ist dasjenige, das auch das Raubtier ebensowenig zu verleugnen vermag, wie der Herr Rat, der auch noch andere Dinge zu thun hat.

Die stolze Amazone läßt sich nur von einem Groom begleiten, einem zwerghaften Knirps; die Leute im Dorfe bleiben überall stehen, um sie zu grüßen: »Schade, daß sie nicht die Tochter eines Anderen ist.«

So wie die letzten Häuser erreicht waren, hieb Wilma mit der Reitgerte auf das Pferd, und der feurige Renner jagte im Galopp die Chaussee hinab.

Wie schnell sie reitet; der Schleier und das lange Reitkleid flattern im Winde, der trotzdem ihre Wangen nicht zu röten imstande ist.

Der begleitende Reitknecht kann ihr kaum nachkommen; sie ermüdet gar nicht. Sie haben Karpáthfalva schon weit hinter sich gelassen, kaum daß die Türme noch zu sehen, und das Fräulein blickt nicht einmal zurück. Jetzt haben sie die Gemarkung überschritten, es beginnt schon der ausgedehnte Wald, der Karpáthfalva von Szentirma trennt. Es ist ein alter Eichenwald mit riesigen Stämmen, im Winter hausen auch Wölfe darin; die Gutsbesitzer der Umgegend pflegen dort große Treibjagden zu halten.

Hier hält das Fräulein, schwingt sich aus dem Sattel und führt dem herbeigeeilten Reitknechte das Pferd am Zügel zu.

– Führe die Pferde hier auf und ab und warte auf mich, bis ich zurückkomme. – Ich gehe in den Wald Veilchen pflücken.

Veilchen pflücken! Die Zeit der Veilchen ist längst vorüber; nur Disteln und Dornen giebt es noch dort; – denkt bei sich der kleine Groom und blickt ängstlich seiner Herrin nach, die im Walddickicht verschwindet.

Ein Fußpfad läuft durch den Wald; Wilma dachte, der werde wohl zum benachbarten Dorf führen und so wie die Bäume sich den Blicken des Reitknechts entziehen, schlägt sie eilig den Pfad ein.

Das lange Reitkleid, dessen Schleppe sie in der Hand halten muß, hindert sie am schnellen Weiterkommen; sie ist auch vom Ritt noch ganz erhitzt. Auch sonst ist sie so schwach, so kraftlos. Aber die innere Aufregung leiht ihren schwachen Nerven Kraft. Sie muß ihn retten! Sie hat keinen anderen Gedanken, sie darf nicht müde werden, nicht ohnmächtig hinsinken, sie darf keine Furcht empfinden vor der herannahenden Nacht, vor dem Dunkel des Waldes, vor unbekannten Tieren; jede andere Furcht muß schwinden vor der einen: man will ihn töten!

O es ist gewiß um ihn geschehen, wenn sie ihn mit jenen schrecklichen Menschen zusammenbringen. Zoltán ist so stolz, so aufbrausend; ein Wort reicht hin, damit er einem sichern Tod sich entgegenstelle und jenem Menschen ist's nur ein Spiel, den von aller Welt geliebten Jüngling zu töten. Er wird ihn umbringen ohne Barmherzigkeit.

O, wie mußte sie eilen. Der Weg ist so lang, vielleicht hat sie sich auch verirrt, doch nein, Glockengeläute dringt zu ihren Ohren, sie atmet leichter auf, es ist das Vespergeläute. Nur ein wenig hat sie noch zu eilen, nur so lange mögen ihre Kräfte noch aushalten, die Bäume werden schon schütterer, durch die Waldlichten erblickt man Häuser, zwischen dem Gebüsch zeigt sich Szentirma.

Dort hinein wagt sie sich schon nicht mehr. Ein kleines Bauernmädchen treibt vom Felde die Gänse heim, das ruft sie zu sich.

Das Kind gehorcht und kommt auf die schöne Dame zu.

– Kennst du die Komtesse? frägt Wilma in sanftem Ton.

– Fräulein Kathinka? Wie sollt ich sie nicht kennen? Wer kennt sie nicht?

– Möchtest du ihr einen Brief von mir bringen?

– So viele Sie wollen.

Wilma setzte sich plötzlich auf den Boden, riß ein Blatt aus ihrer Brieftasche heraus und schrieb, sich eines abgehauenen Baumstrunkes als Tisch bedienend, mit Bleistift folgende Zeilen auf das Blatt: »Gegen Zoltán wird ein furchtbares Komplott geschmiedet, man will ihm ans Leben. Ein berühmter Fechter, Namens Dabroni, wird gegen ihn aufgehetzt; wenn es gelingt, sie in einen Streit zu verwickeln, bringt er Zoltán um. Eilt, ihn zu retten. Gebt ihm zu wissen, er möge diesen Menschen meiden, wo er ihn nur sieht. Bringt ihn weg von dort, werft euch zwischen ihn und die mörderischen Waffen, verhindert auf jede mögliche Weise ein Zusammentreffen; laßt nichts unversucht zu seiner Rettung!«

Wilma faltete mit zitternden Händen den Brief zusammen.

– Trage dies sogleich dem Fräulein Kathinka, wenn sie nicht zu Hause, gieb es der Gräfin, wenn beide fort sind, sage, daß man es ihnen nachschicke, denn der Brief ist dringend, sehr dringend.

Das kleine Mädchen betrachtete teilnahmsvoll die erschöpften Züge der jungen Dame.

– Fräulein sind so müde, kommen Sie in unser Haus, es ist nicht weit von hier, ruhen Sie sich aus.

– Ich danke, ich muß zurückeilen.

Es fiel ihr ein, daß sie doch das kleine Mädchen für seine Mühe belohnen sollte, und, erst jetzt bemerkte sie, daß sie ihre Geldbörse vergessen hatte. Sie nahm schnell die Brosche mit Smaragden, welche sie an der Brust stecken hatte, herab und reichte sie dem Kinde.

– Nimm das als Botenlohn und eile. Zu mir komme nicht zurück, denn ich werde schon nicht mehr hier sein.

Die kleine Bauerndirne blickte verwundert auf das Geschenk, nicht wissend, was sie damit anfangen solle, und da sie das unbekannte Fräulein wieder in den Wald zurückkehren sah, schlug auch sie wieder den Weg ins Dorf ein, ohne das, was sie gesehen und gehört, sich erklären zu können. Sie lief eilends ins Kastell und suchte das Fräulein im Schloßgarten auf.

Jenes schöne, rosenwangige Fräulein, das immer so lachte, es mochte wollen oder nicht.

Und wie verwundert war sie dann, als sie sah, daß beim Lesen des Briefes das Gesicht des schönen rosenwangigen Fräuleins mit einemmale ebenso blaß wurde, wie das jener anderen.

– Teure Mutter! schrie Kathinka, sich umwendend zu der Gräfin, die ihr nachgegangen kam, und während sie ihr den Brief hinreichen wollte, war sie schon zu Boden gestürzt, zwischen die dornigen Sträucher auf den feuchten Kies, leblos, unbeweglich.

Das Bauernmädchen lief davon, als hätte es einen großen Schaden angerichtet, selbst die Smaragdbrosche hatte es von sich geworfen, und als es ins Haus der Mutter stürzte, konnte niemand von dem Kind herausbringen, wovor es so sehr erschrocken sei.

Eine Stunde darauf sprengten zum Schloßhof vier feurige Pferde mit einer gedeckten Kutsche heraus, deren erleuchtete Lampen auf eine späte Nachtreise hindeuteten.

Im Walde war es schon ganz dunkel geworden, als Wilma den Rückweg antrat.

Nachdem sie ihren Zweck erreicht, ihren Hilfsschrei losgelassen hatte, fing die Kraft, die sie bisher aufrecht erhalten, völlig zu schwinden an. Die Furcht der Einsamkeit beklemmte ihre Brust, lähmte ihre Nerven; sie fühlte, so ganz allein in der Wildnis, ihre Verlassenheit, ihre Hilflosigkeit, an die sie früher gar nicht gedacht. Auch des Weges war sie nicht mehr sicher, es kam ihr vor, als wäre sie nicht denselben Pfad gekommen. Nach keiner Seite hin eine freie Aussicht, überall nur der einförmige, endlose Wald. Sie wollte rufen, aber Furcht erstickte ihre Stimme; ihr ganzer Körper wankte; die Kleider hingen schwer von ihr herab, es zog sie etwas zu Boden hernieder; auch die großen bemoosten Baumstöcke schienen sie bittend einzuladen, ihren schwanken Blumenleib auf sie herabsinken und die heiße schwindelnde Stirne auf ihnen ausruhen zu lassen. Als ob auch die Bäume ihr zuflüsterten, sie möchte nicht weiter gehen ...

Der auf der Landstraße zurückgelassene Reitknecht wartet ungeduldig auf die Rückkunft des Fräuleins; die Dämmerung steigt schon hernieder und sie kommt noch immer nicht. Er fing an, nach ihr zu rufen. Keine Stimme antwortete, als das Echo. Es ist schon Nacht, und das Fräulein kommt noch immer nicht zum Vorschein.

In Karpáthfalva herrscht große Bestürzung im Kastell. Wohin ist die einzige Tochter geraten? Es ist bereits Nacht. Schnell alle Diener zu Pferde! Fackeln angezündet! Sucht sie auf Weg und Steg, sucht sie überall!

Der gnädige Herr selbst, ganz verzweifelt, reitet mit einer Fackel in der Richtung, die man sie hatte nehmen gesehen.

An der Straße dort finden sie den Reitknecht mit den beiden Rossen.

– Wo ist meine Tochter? fragt mit bebender Lippe der Rat.

– Sie ist schon lange in den Wald gegangen, Blumen zu pflücken, und nicht mehr zurückgekehrt.

– Sucht, sucht sie! schreit der angsterfüllte Vater, und ohne daran zu denken, daß es fremder Grund, den er von seinen Leute durchsuchen läßt, sprengt er die Kreuz und Quer durch den Wald, den Namen seines Kindes rufend.

Es ist schon spät nach Mitternacht, als ein Diener das Fräulein findet. Dort liegt sie an der Wurzel eines Baumes, das Haupt auf grünem Mose ruhend – stumm – unbeweglich – totenbleich.

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