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Gutenberg > Martin Opitz >

Zlatna

Martin Opitz: Zlatna - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitleGedichte
authorMartin Opitz
year1970
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-000361-X
titleZlatna
pages75-85
created19981216
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1623
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                    Man höret offtermals von güldnen Bergen sagen:
Hier sind sie / wo sie sind. Hier pflegt gar sehr zu tragen
Deß Erdreichs milde Schoß die wunderbare Frucht /
Die so mit grosser Kunst vnnd Arbeit wirdt gesucht.
Es dünckt mich es sey selbst in ewren Dienst verpflichtet
Die gütige Natur / die euch die Gäng' außrichtet /
Vnd gleichsam mit der Hand auff jhre Schätze zeigt:
Die schöne Sonne selbst ist hefftig euch geneigt /
Will jhre gantze Krafft an Zlatna kundbar machen /
Wirckt fleissig gutes Gold: Es scheint für euch zu wachen
Der flüchtige Mercur / so auch diß Orth sehr liebt /
Vnd ohne masse fast sein lebendt Silber gibt.
Der Mond vnd der Saturn sind auch euch zu gefallen
Vnd stellen sich wol ein mit edelen Metallen /
Darüber sie durch den gesetzet worden sindt /
Ohn den man nichts / auch da wo alles voll ist / findt /
Der Bawherr dieser Welt hat in den tieffen Gründen
Das alles eingelegt / auff daß wir möchten finden
Was diesem Leben nutzt. Wann offt ein Kraut nichts thut
In Vbung der Artzney da ist Metall doch gut.
Im fall kein Bergwerck ist / so müssen sämptlich darben
Die Giesser jhres Zins / die Mahler jhrer Farben /
Kein Mäwrer wirdt mehr seyn / kein Schmied / kein Schlosser nicht /
Kein Kauffman der vns läßt was für den Leib gebricht.
Vnd was noch weiter ist. Der Mißbrauch ist zu schelten.
Ein Bergmann aber kan so wenig sein entgelten /
Als wenig Vrsach ist der seiner Reben pflegt /
Daß mancher Mensch sich bloß auff wildes Sauffen legt.
Die schöne Nahrung hier hat wol dem Ackerleben /
Das sonsten selig heißt / mit nichten nachzugeben.
Wie der die Feldter bawt / doch niemand vnrecht thut;
So hawt jhr auch Metall / vnd bringet Gelt vnnd Gut
Tieff auß der Erden her die keiner sonst bewohnet:
Ein jeder bleibt von euch mit Hinderlist verschonet /
Vnd schlimmen Schinderey; wie der zu vben pflegt /
Der Ehre / Seel' vnd Wahr auff eine Schale legt.
Ob euch der Orth nun wol / Herr Lisabon / zu geben
Pflegt alles was man will / so ist doch ewer Leben
Darinnen jhr jetzt seyd / vnd künfftig bleiben solt /
Geliebt es Gott vnd euch / noch güldener als Golt.
Wann gleich die ewrigen jhr Vatterland verlassen /
Durch Zwang der Tyranney / wie Alba alle Gassen
Mit Blute vollgefüllt / vnd Antorff ewre Statt /
Die sonst so volckreich war / gantz außgeleeret hat;
Ob gleich jhr nicht bey jhr / vnd ihren hohen Spitzen /
Noch an der tieffen Scheld' im Schatten möget sitzen /
Vnd sehn den Schiffen zu: Ob gleich das edle Land
Das euch vor zugehört / nun ist in frembder Hand:
So hat der Bluthund doch euch diß nicht nehmen können
Was mehr ist als das Gut: den Muth / die freyen Sinnen /
Vnd Liebe zu der Kunst / die euch noch angeerbt
Von ewrem Vatter her / vnd nicht stirbt wann jhr sterbt.
Wer weiß so wol als jhr die Heimlichkeit der Erden /
Vnd alle Tugenden die hier gefunden werden?
Deß Ertzes Vnderschied an Farben vnd Gestalt /
Die doch so mancherley / erkennet jhr alsbald;
Die künstliche Natur hat selber euch erzeuget /
Hat selber euch ernehrt / an jhrer Brust gesäuget /
Vnd bald von Wiegen an gelehrt die Wissenschafft
Durch die jhr nun erforscht der tieffen Gründe Krafft /
Vnd zieht die Seel' herauß. In ewren ersten Jahren /
Wie Plato auch befahl / habt jhr alsbald erfahren
Den Griff der Rechenkunst / die gantz euch ist bekandt.
Doch schickt sich sonderlich in ewre werthe Handt
Der nötige Compaß / der Tieffe / Breyte / Länge
Deß Schachts gewiß erforscht / vnd euch das Maß der Gänge
Vnd Stollen sagen kan. Der gleiche Meßstab auch /
Vnd was darzu gehört / ist stets euch im Gebrauch;
Jhr wißt sehr wol dardurch ein artlichs Hauß zu gründen /
Der Felder / Wasser / Stätt vnd Länder Ziel zufinden /
Gleich wie Euclides that. Auch ist bey euch in Gunst
Die Schwester der Natur die schöne Mahlerkunst:
Vrtheilet recht vnd wol was gute Meister heissen /
Vnd was gesudelt sey; köndt selber artlich reissen /
Vnd seyt hier nicht ein Gast. Was sag' ich nun von der /
Durch welcher Lieblichkeit der Vnmuth vnd Beschwer
Deß Hertzens weichen muß / die aller Menschen Sinnen /
Im fall sie Menschen sind / kan wie sie will gewinnen /
Der edlen Musica / in welcher jhr so weit /
Vnd doch nur wie im Spiel' vnd Schertzen kommen seydt
Daß euch Terpsichore / die Mutter der Sirenen /
Sehr lieb zu haben scheint vor andern jhren Söhnen /
Vnd daß euch Phebus selbst wann jhr die Sayten rührt /
Vnd spielt ein artlichs Lied / die schnellen Finger führt?
Diß alles vnd noch mehr erhebt euch von dem Volcke
Das an der Erden hangt / vnd mit der dicken Wolcke
Der schnöden Eytelkeit liegt vnbekandt verdeckt.
Ein Geist der Tugend liebt / der voller Flamme steckt
Vnd heimlicher Begier / der kan nit müssig gehen;
Er muß sich lassen sehn / muß nach dem Himmel stehen
Von dem er kommen ist / muß suchen seine Lust
In allem was der Schar deß Pöbels vnbewußt.
O wol euch dann hierumb! Doch soll ich anders sagen
Was mein Bedüncken ist / noch eines mußt jhr wagen /
Wolt jhr daß ewer Glück auch gantz vollkommen sey /
Vnd gleicher massen jhr: Ein Weib das legt euch bey.
Die Wahl ist hier wol schwer; Dann hat sie ein Vermögen /
Im Fall man jhr was sagt / so setzt sie sich entgegen.
Ist sie geschickt vnd from; so hat sie sonst nicht viel.
Ist sie am Adel gut; so thut sie was sie will.
Ist Leibes Schönheit da; so hat man zu verwachen.
Sieht sie dann heßlich auß: so kan sie leichte machen
Daß mancher borgen geht. Hat sie der Nahrung acht /
So darff kein Freund zu dir / sie kieffet Tag vnd Nacht.
Behält man sie daheim / so wird sie sich beklagen.
Geht sie spatziren auß / sie wird herumb getragen.
Hatt sie das Gelt bey sich / weh deinem Beutel dann.
Giebst du nur was du wilt: so nimbt sie wo sie kan.
Vnd was ich noch viel mehr dergleichen wolt' erzehlen.
Doch bleibt das Sprichwort war: Nach Wehlen komme Quelen.
Habt jhr nur Sinn darzu; Gott selbst wird euch allein
Erwündschten Beystand thun / vnd ewer Freymann seyn.
Wer jmmer einsam lebt kan nicht wie recht geniessen
Der Blüte seiner Zeit / wird offte fortgerissen
Von jrrdischer Begier / die leichtlich wie ein Pferdt
Das Zaum vnd Zeug zerreißt vns gantz zu Boden kehrt /
Vnd dämpffet den Verstandt / der sonst die schwachen Sinnen /
Als Meister vber sie soll an sich halten können /
Vnd jhrer mächtig seyn. Drumb setzt noch diß herzu /
So habt jhr schon erlangt deß Lebens wahre Ruh /
Die für das Höchste Gut von den gelehrten Alten /
Vnd diß fast billich auch / wird in der Welt gehalten.
Dann kan was bessers seyn / als weit von aller Lust
Die vnser Fleisch gebiert / im gantz seyn wol bewußt /
Vnd den Verwirrungen deß Hertzens nicht verhengen /
Der Liebe sonderlich die hart' vns anzustrengen
Mit ihrer Stärcke pflegt / vnd läßt vns keinen Rast /
Im Fall sie schon ein mal vns an ihr Joch gefaßt?
O wol demselben wol / der so kan einsam leben /
Vnd seine gantze Zeit den Feldern hat gegeben /
Liebt nicht der Stätte Lust vnd ihren falschen Schein /
Da offt zwar pflegt mehr Geld / doch auch mehr Schuld zuseyn!
Er darff sein Hütlein nicht stets in der Hand behalten
Wann er nach Hofe kömpt / vnd für der Thür erkalten /
Eh' als er Audientz (Verhör ist viel zu schlecht)
Zu wegen bringen kan / vnd vngerechtes Recht.
Da pralet einer her mit grossen weiten Schritten /
Der / wann ein guter Mann jhn hat vmb was zubitten /
Der besser ist als er / vnd vielmehr weiß vnd kan /
So siehet er jhn kaum halb vber Achsel an /
Vnd fertigt jn kahl ab. Bald trifft sich eine Stunde /
Wann niemand drauff gedenckt / so geht er selbst zu Grunde /
Vnd seine Pracht mit jhm; es pflegt nur so zu gehn /
Man muß hier / wie es kömpt / bald liegen vnd bald stehn.
Noch blehen sie sich auff vnd dörffen sich erheben /
Als jeder / gebe Gott / mußt' ihrer Gnade leben /
Verbringen mit Pancket vnd Spielen jhre Zeit /
Vnd mangelt jnen nichts als bloß die Frömigkeit.
Das weiß ein Feldmann nicht / vnd was die Stätte haben /
Da der ein Weib jm freyt / ein andrer läßts begraben;
Der läufft / der weint / der lacht / die meisten suchen Geldt /
Vnd wann es funden ist / so muß es in die Welt.
Da sieht man eine Fraw / die jhren Mann zu schonen /
Der ohne diß schwach ist / den Knechten pflegt zu lohnen /
Vnd gibt vmbsonst hinweg das was jhr dennoch bleibt /
Vnd was man weiter noch in solchen Oertern treibt /
Da List / da Hurerey / da schweren / schelten / fluchen
Gemeine Sachen sind / da nichts ist als besuchen /
Als tieffe Reverentz die nicht von Hertzen kömpt;
Da einer dem sein Gut / vnd der dem andern nimbt.
Das weiß ein Feldtmann nicht. Die grausame Trompette
Noch auch der Trummel Schall jagt jhn nicht auß dem Bette /
Wie er noch halb voll Schlaff muß auff die Wälle gehn
Auß seines Weibes Schoß / vnd in der Rüstung stehn.
Er schwebt nicht auff der See / da Himmel / Wind vnd Wellen
Ein armes schwaches Schiff fast stürtzen zu der Höllen /
Vnd stossen an den Grund. Er ehrt den Herren nicht
Der offtmals wenig hält / vnd dennoch viel verspricht.
Sein thun ist schlecht vnnd recht: man sieht jhn niemand neiden /
Noch an deß Nechsten Noth die falschen Augen weyden;
Nicht wündschen was jhm fehlt ist seine gantze Lust /
Lebt ausser Furcht vnd Trost / vnd ist jhm wol bewußt.
Er liebt das grüne Feld für allen andern Sachen /
Kan in der freyen Lufft sich etwas grösser machen /
Vnd faßt jhm frischen Muth. Da gehen seine Küh
Mit Lämmern vntermengt ins Graß biß an die Knie.
Der schwartze Schäffer steht bey einer hohen Linden
Gelehnet auff den Stab / vnd schneidet in die Rinden
Der Liebsten Namen ein / bald schwingt er in die Höh
Ein trewes Hirtenlied von seiner Galathee.
Nicht allzuweit darvon da sieht er seine Stutten
Vor Geilheit lustig seyn / vnd nagen an den Rutten.
Dann geht er ferrner auch zu seinen Bienen hin
Schawt wie zwey grimme Heer offt an einander ziehn /
Vnd vmb deß Nachbars Klee sich bey den Stöcken zancken /
Die voller Honig sind: Führt nachmals seine Rancken
Vnd junge Reben auff. Indessen kömpt sein Weib /
Die nicht nach Bisem reucht / vnd ihren schnöden Leib /
Wie falscher Wahr geschieht / vollauff an allen Enden
Hat prächtig außgebutzt; sie trägt in ihren Händen /
Die grob durch Arbeit sind / von grünem Majoran
Vnd Rosen einen Krantz / vnd krönet ihren Mann.
Bald setzt sie sich mit jhm bey einem Walde nieder /
An dem ein schönes Quell mit Rauschen hin vnnd wieder
Fleußt heller noch als Glaß. Der leichten Vögel Schar
Springt auff den Aesten vmb / der grüne Specht / der Star
So offte reden lernt. Die Nachtigall vor allen
Singt dem der sie ernehrt / vnd jhnen zugefallen:
Die Lerche schreyt auch: Dir / Dir lieber Gott allein
Singt alle Welt / Dir / Dir / Dir will ich danckbar seyn.
Indessen schleicht der Schlaff / der Mittler aller Sachen /
Durch jhre Glieder ein / vnd wann sie dann erwachen /
Daß nun die Sonne fast zu Golde gehen soll /
So führet sie jhn heim / vnd setzt den Tisch bald voll
Mit Speisen die sein Hoff vnd Landgut selber träget;
Ein Eyer oder drey die jetzt erst seyn geleget /
Die Henne selbst darzu / ein frisches Haselhun /
Nach dem die Bürger sonst die Finger lecken thun:
Ein Lamb das heute noch lieff neben seiner Mutter /
Den feißten Rom der Milch / vnd Quittengelbe Butter /
Vnd Käse neben bey wie Holland selbst kaum hat;
Auch Obst das sonsten ist so thewer in der Statt.
Diß hat er vnd noch mehr; ißt was er kan verdäwen /
Legt fein jhm selber vor / darff sich mit nichten schewen
Ob gleich er auff den Tisch die Ellebogen stützt /
Vnd nit mit steiffer Brust wie eine Jungfraw sitzt.
Dann fasset er den Krug mit allen beyden Händen /
Trinckt seinen Fernewein biß daß er auß den Lenden
Drauff Athem holen muß: Ist gäntzlich vnbedacht
Daß nicht ein guter Freund jhm etwas beygebracht:
Der reissende Mercur / vnd das so jungen Pferdten
An jhren Stirnen hängt wann sie gebohren werden /
Das bleiche Wolffeskraut / vnd was vor Gifft das Landt
Bey vnserm Pontus trägt ist Dörffern vnbekandt.
Dann macht der Wirth sich erst auß Müdigkeit zu Bette;
Sie spinnt mit dem Gesind' indessen in die Wette /
Vnd netzt die Finger wol / biß sie auch allgemach
Das Haupt legt auff die Brust vnd folgt dem Manne nach;
Den sie / wie sehr er schnarcht / auß hertzlichem Verlangen
Der keuschen Wollust küßt auff seine braune Wangen /
Vnd was zufolgen pflegt. Ist schon jhr Lager nicht
Verhangen mit Damast / vnd ob das Stroh gleich sticht
Durch jhren Vnterpfül / so ist er dannoch reine /
Darff keines Artztes Tranck vom Holtze das ich meyne /
Vnd manchem rahten muß: Da ist kein Zanck noch Neyd /
Kein Argwohn / kein Betrug / vnd kein verdeckter Eyd.
So ruhen sie mit Lust / biß daß es jetzt will tagen /
Vnd auff den Hügeln sich der Morgenröthe Wagen
Von ferren sehen läßt / dann dehnen sie sich auß
Vnd sind zugleiche beyd' auff einen Sprung herauß.
O solte doch auch ich nach solcher weiten Reyse /
Vnd so viel Vngemach bey euch sein gleicher weise /
Jhr Thäler / jhr Gebierg' / jhr Brunnen vnnd du Strand
Deß Bobers / da man mich zum ersten auff der Hand
Herumb getragen hat / wo die begraben lieget
So mich zur Welt gebracht / vnd wo ich erstlich krieget
Diß schlechte was ich weiß! Ich halte nichts auff Geldt
Auff Ehre die vergeht / vnd Gauckeley der Welt.
Mein Wundsch ist einig der / mit Ruh da wohnen können
Wo meine Freunde sind / die gleichsam alle Sinnen
Durch starcke Zauberey mir haben eingethan /
So daß ich jhrer nicht vergessen will noch kan.
Hier wolt' ich was mir noch ist vbrig von dem Leben /
Wie wenig es auch ist / mir vnd den meinen geben;
Ein Feldt / ein kleines Feld selbst bawen mit der Hand /
Dem Volcke zwar nicht viel / doch selber mir bekandt.
Ich würde zuvorauß die lange Zeit vertreiben /
Wie auch bißher geschehn / mit lesen vnd selbst schreiben:
Verachten sicherlich das was das blawe Feldt
Deß Meeres weit vnd breit in seinen Armen hält /
Weil alles eytel ist / die Kräfften außgenommen
Die von den Sinnen nur vnd vom Gemüte kommen
Das aller Eytelkeit / die der gemeine Mann
Für grosse Sachen hält / getrost entsagen kan.
Ich lernte täglich was auß meinem Leben nehmen
So nicht darein gehört / vnd die Begierden zähmen /
Vnd fragte nichts darnach ob einer der sein Landt
Auß Ehrgeitz vbergiebt den Feinden in die Hand /
Vnd mit dem Eyde spielt / mit sechsen prächtig führe /
Vnd / wann er lüge schon / bey seinem Adel schwüre.
Kein Herr der solte mich sehn bey dem Wagen gehn /
Vnd mit der Hofepursch vor seiner Tafel stehn.
Dem allen ab zuseyn / wolt' ich mich gantz verhüllen
Mit tausend Bücher Schar / vnd meinen Hunger stillen
An dem was von Athen bißher noch vbrig bleibt.
Das was Aristons Sohn / ein Gott der Weisen schreibt /
Was Stagirites sagt / Pythagoras verschweiget /
Homerus vnser Printz gleich mit den Fingern zeiget /
Vnd was der treffliche Plutarchus hat gewust /
Ja mehr / gantz Griechenland das were meine Lust.
Dann wolt' ich auch zu Rom / der Königin der Erden /
Was mein Latein belangt / mit Ehren Bürger werden.
Trotz einem der hierumb mich führte für den Raht /
Als wer' ich wie gebührt / kein Glied nicht von der Statt.
Der grosse Cicero / Sallustius ingleichen /
Vnd Maro würden mir die Hande selber reichen;
Auch Flaccus der so wol in seine Leyer singt /
Daß der Thebaner Schwan kaum also schön erklingt.
Der reiche Seneca an Witz vnd an Vermögen /
Der schlaue Tacitus / vnd was noch ist zugegen
Mußt allzeit vmb mich seyn. Rom solte zwar vergehn /
Doch sieht man sie noch jetzt in vnsern Hertzen stehn.
Wir lassen nichts hindan: Die Vrsach aller Dinge /
Worauß / von wem / vnd wie ein jeglichs Thun entspringe /
Warumb die Erde steht / der Himmel wird gewandt /
Die Wolcke Fewer gibt / ist sämptlich vns bekandt.
Mehr was das oben sey auß welchem wir genommen /
Vnd widerumb darein nach diesem Leben kommen:
Ja Gott den niemand kennt / vnd kein gemeiner Sinn
Kan fassen / der kömpt selbst in vns / vnd wir in jhn.
Wir sehen wie der Leib deß Menschen muß verterben /
Der Leib das minste Theil; die Seele kan nicht sterben:
Wir sehn wie wann diß wird / ein anders nicht besteht /
Vnd wann noch eines kömpt / auch nachmals diß vergeht.
Die also auff den Lauff der Welt recht Achtung geben /
Erlernen der Natur hierauß gemesse leben /
Sie bawen auff den Schein deß schnöden Wesens nicht /
Das beydes nur die Zeit gebiehret vnd zerbricht.
Sie werden durch den Wahn / der wie ein Blinder irret /
Im Fall er die Vernunfft will meistern / nit verwirret;
Sie wissen allen Fall deß Lebens zu bestehn /
Vnd können vnverzagt dem Todt entgegen gehn.
Das wolt' ich gleichfalls thun / vnnd meines Geistes Kräfften
Versuchen allezeit mit müssigen Geschäfften;
Ich liesse nicht vorbey so viel man Künste weiß /
Vnd was man hält vor schwer / erstieg' ich durch den Fleiß.
Der Länder Vntergang / der alten Völcker Sitten /
Jhr Essen / jhre Tracht / wie seltzam sie gestritten /
Wo diß vnd das geschehn / ja aller Zeiten Standt
Von anbegin der Welt macht' ich mir gantz bekandt.
So würd' ich meine Verß wol auch nicht lassen liegen;
Gar bald mit Mantua biß an die Wolcken fliegen;
Bald mit dem Pindarus: Nasonis Elegie
Doch zuvorauß genandt / als meine Poësie /
Vnd vnser Teutsches auch / darinnen ich vorweilen
Von Venus / jhrem Sohn' vnd seinen süssen Pfeilen
Nicht sonder Fortgang schrieb; jetzt aber nun mein Sinn
Vmb etwas reiffer ist / auch höher kommen bin.
O liebes Vatterland / wann werd' ich in dir leben?
Wann wirst du meine Freund' vnd mich mir wider geben?
Ich schwinge mich schon fort; gehab' anjetzt dich wol /
Du altes Dacia / ich will wohin ich soll.
Vnd jhr / Herr Lisabon / bleibt der jhr seydt gewesen /
Mein werther lieber Freund: das was hier wird gelesen /
Wie schlecht es jmmer ist / soll künfftig doch allein
Bezeugen meine Trew / wann nichts von vns wird seyn.
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