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Charles Paul de Kock: Zizine - Kapitel 7
Quellenangabe
typefiction
authorPaul de Kock
titleZizine
publisherRieger'sche Verlagsbuchhandlung. A. Benedikt.)
printrunDritte Auflage
year1860
translatorHeinrich Elsner
correctorfranka.antenne@gmx.de
senderwww.gaga.net
created20090630
projectid904da7b7
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Siebentes Kapitel

Julius und Agathe

Den folgenden Tag, um zehn Uhr Morgens, als Herr Guerreville, noch im Schlafrocke, sich an sein Fenster gesetzt hatte, um mit Behaglichkeit die frische Luft eines Frühlingsmorgens einzuathmen, meldete ihm Georg, daß ihn ein junger Mann zu sprechen wünsche.

»Laß ihn eintreten,« sagte Herr Guerreville, indem er das Fenster verließ, und seine Augen hefteten sich mit einer gewissen Unruhe auf die Thüre seines Schlafzimmers.

Es war ein großer, hagerer, schlanker, junger Mann, in dessen Haltung noch ganz das zwanglose Benehmen eines Schülers lag, obgleich er hie und da ganz gerade und unbeweglich dastand, um sich die nachdenkende Miene eines Mannes zu geben. Seine Züge waren regelmäßig und in vollkommener Uebereinstimmung unter sich; eine gerade Nase, ein mittlerer Mund, große, blaue Augen, von schön gezeichneten, kastanienbraunen Brauen beschattet, eine große, sehr hohe Stirne, auf welche tiefblonde, gelockte Haare nachlässig herabfielen, bildeten ein zugleich interessantes und liebliches Ganze; zu dem etwas melancholischen Charakter dieser Gesichtszüge kam noch eine angeborene Blässe; wenn er aber lebhaft wurde, wenn seine schönen, blauen Augen von dem ganzen Feuer einer achtzehnjährigen Einbildungskraft erglühten und ein rosafarbner Teint seine Wangen färbte, so hätten selbst Solche, welche blonde und blasse Männer nicht lieben, zugestehen müssen, daß er ein hübscher Junge sei.

Der junge Mann näherte sich mit einer gewissen Schüchternheit; er hielt ein künstlich zusammengelegtes, mit einer Schnur umwundenes Päckchen in der Hand und grüßte Herrn Guerreville ehrfurchtsvoll, indem er sagte: »Mein Herr, ich bringe Ihnen die Handschuhe, die Sie sich gestern ausgesucht haben ... bei meiner Mutter ... Madame Gallet ... Sie hat mir zugleich gesagt, ich solle Sie fragen, ob Sie sonst nichts bedürfen ... und mich beauftragt, Ihnen ihre Grüße zu überbringen.«

Herr Guerreville war sogleich von der Aehnlichkeit dieses jungen Mannes mit seiner Mutter betroffen und, ganz damit beschäftigt, dieses Gesicht, das tausend Erinnerungen in ihm erweckte, zu betrachten, antwortete er nicht sogleich auf Julius Frage; der Sohn der Verkäuferin schlug die Augen nieder und fühlte sich ganz außer Fassung und verwirrt durch die Blicke dieses Herrn, der ihn so aufmerksam betrachtete, ohne ihm zu antworten.

Herr Guerreville faßte sich jedoch bald wieder, und da er die Verlegenheit des jungen Mannes bemerkte, sagte er mit wohlwollendem Tone: »Entschuldigen Sie, mein Herr, wenn ich Ihnen nicht alsbald geantwortet habe ... ich bin ein wenig zerstreut ... und dann ... war ich überrascht von Ihrer Aehnlichkeit mit Ihrer Frau Mutter.«

»In der That, mein Herr, Jedermann findet, daß wir uns sehr gleichen.«

»Aber wollen Sie nicht einen Stuhl nehmen? es würde mir viel Vergnügen machen, mich einen Augenblick mit Ihnen zu unterhalten.«

Julius verbeugte sich und nahm Platz, Herr Guerreville setzte sich ebenfalls, indem er fortfuhr: »Ich bin für Sie kein gewöhnlicher Kunde ... und Ihre Frau Mutter wird Ihnen, wie ich hoffe, auch schon gesagt haben, daß ich ein früherer Bekannter ... ein alter Freund ihrer Familie bin?«

»Ja, mein Herr, meine Mutter hat mir das gesagt; mehr als einmal hat sie mit mir von Ihnen als einem Manne gesprochen, der ihr stets lebhafte Theilnahme bewiesen habe, und für den sie eben so große Freundschaft als Dankbarkeit hege; sie betrübte sich sogar wenn sie dachte, ich würde niemals so glücklich sein, Sie kennen zu lernen, weil Sie nicht mehr in Paris wohnten ... aber gestern, als ich zurückkehrte, war meine Mutter sehr vergnügt ... und sagte mir: »›;Ich habe Dir eine angenehme Neuigkeit mitzutheilen: Herr Guerreville ist in Paris, und will gestatten, daß Du ihn besuchest. Trachte Dich so zu benehmen, daß er auch etwas von der Freundschaft auf Dich übertrage, die er ehemals für meine Familie hatte; höre mit Ehrerbietung auf seine Rathschläge, benütze die Lehren, die er wohlmeinend Deiner Jugend ertheilen wird. Kurz, erweise ihm die vollkommenste Ergebenheit, das wird die beste Art sein, mich von Deiner Liebe zu überzeugen!‹« Dies mein Herr, hat mir meine Mutter gesagt, und es wird mir Vergnügen machen, ihr meinen Gehorsam zu beweisen.«

Diese Worte wurden mit einem so freimüthigen Tone gesprochen, daß man sie nicht mit den conventionellen Artigkeiten, die man gewöhnlich in der Gesellschaft austauscht, verwechseln konnte. Herr Guerreville reichte dem jungen Manne die Hand, indem er sagte: »Ich danke Ihnen, Herr Julius, für Ihre freundschaftlichen Gesinnungen gegen mich, übrigens kann die Freundschaft eines Mannes von meinem Alter keine große Anziehungskraft für Sie haben ... wenn solche Verbindungen Reiz haben sollen, muß Gleichheit der Jugend, wie des Geschmacks und Humors vorhanden sein; wenn ich Ihnen demungeachtet in irgend einer Weise nützlich sein kann, wenn Sie glauben, daß Ihnen meine Rathschläge einigen Nutzen gewähren können, so werden Sie mich immer bereit finden, Ihnen gefällig zu sein.«

Der junge Mann verbeugte sich, indem er die ihm dargebotene Hand drückte; Herr Guerreville fuhr fort: »Sie sind der einzige Sohn ... Ihre Mutter liebt Sie sehr, wie ich glaube ;...«

»O ja, mein Herr ... sie ist sehr gut für mich ... vielleicht zu gut.«

»Man ist nie zu gut gegen Jemand, der uns liebt; und Ihr Vater?«

»Mein Vater ... ist ein wenig strenger ... indeß ist er nicht bösartig, gewiß nicht! ... aber er liebt nur den Handel ... er wünscht, daß ich mich demselben ganz widme, und ;...«

»Dazu haben Sie keine Neigung?«

»Nein, mein Herr, ich gestehe es, daß ich gar keine Lust zu diesem Stande habe.«

»Welchen Stand wollen Sie denn ergreifen?«

»Mein Gott, lieber Herr, ich weiß es selbst nicht recht ... das heißt, ich weiß es wohl ... aber ich wage es nicht zu sagen; denn ich fürchte, es möchte meiner Mutter Kummer machen ... und doch scheint mir, daß bei Allem, was sich auf die Kunst bezieht, sehr viel Ruhm, sehr viel Erfolg zu hoffen ist.«

»In jedem Stande kann man auf Ruhm hoffen, wenn man sich hervorthut ... Oder glauben Sie, Herr Julius, daß es für den industriellen Mann keinen Ruhm gebe, wenn er als gewöhnlicher, unbedeutender Commis, ja sogar als Hausirer oder noch weniger angefangen, und es durch Thätigkeit, Talente, Unternehmungsgeist dahin gebracht hat, sich selbst an die Spitze eines großen Handlungshauses zu stellen, dessen Unterschrift so viel Geltung hat als eine Banknote, der zahlreiche Gehülfen unter seinen Befehlen hat und sich überall geehrt und geachtet sieht? O! einem Solchen gereicht es sehr zum Ruhme, ganz unten angefangen zu haben und so hoch gestiegen zu sein, und es wäre sehr ungeschickt von ihm, es verbergen oder wünschen zu wollen, man möchte es vergessen; denn es ist durchaus kein Verdienst, reich oder mächtig auf die Welt zu kommen, aber es bleibt stets eines, sich selbst einen Namen und eine achtbare Stellung in der Gesellschaft zu verschaffen.«

»Mein Herr, ich bin weit entfernt, den Handel zu verachten ... ganz im Gegentheil, meine Eltern treiben ihn mit Ehren ... und wenn es sein muß ... Aber, mein Herr, wenn man keinen Geschmack an einer Sache hat, so versieht man sie schlecht.«

»Das ist sehr wahr ... Jedoch der Künste gibt es viele; Sie haben ohne Zweifel schon Ihre Wahl getroffen?«

»Mein Herr ... ich gestehe es, aber ich fürchte, mich zu ;...«

»Nun, Herr Julius, sprechen Sie mit Vertrauen zu mir ... ich bin nicht so streng, als ich Ihnen vielleicht erscheine; ich werde mich erinnern, daß ich auch jung war ... und daß ich damals auch großer Nachsicht bedurfte ... Sie sind achtzehn Jahre alt! das ist das Alter, wo die Täuschungen anfangen, wo Herz und Geist sich nur entzücken lassen wollen; ich will Ihnen nicht sagen, daß Alles nur Lüge sei ... O nein, man muß die Jugend nicht entzaubern; die Zeit übernimmt dieses Geschäft früh genug. Ueberdies liegt Offenheit in den Freuden dieses Alters; es liegt Liebe in diesen Leidenschaften, welche in einem jugendlichen Herzen unaufhörlich sich entzünden und erneuern; aber es ist in einem achtzehnjährigen Kopfe auch mehr Thorheit als Vernunft, und deßhalb sind ihm die Rathschläge der Erfahrung sehr oft nöthig.«

»Ach! mein Herr, Sie sprechen mit so viel Güte zu mir ... ich fühle mehr Zutrauen zu Ihnen, als zu meinem Vater. Ich will Ihnen meine geheimsten Gedanken mittheilen ... Mein Herr, ich fühle mich für das Theater berufen ... vom Theater träume ich, an das Theater denke ich ohne Unterlaß ... Schauspieler sein ... ein großes Talent besitzen ... einen vollen Saal sich applaudiren hören, ein ganzes Publikum bald zum Lachen, bald zum Weinen bringen, seine Aufmerksamkeit fesseln, Aller Blicke auf sich gerichtet sehen, das beifällige Murmeln vernehmen, das einem gut gesprochenen Worte, einer tief empfundenen Rede folgt ... Ach! mein Herr, das ist Glück, Ruhm, Vergnügen ... und das erneuert sich jeden Abend! ... Ah! das ist die Laufbahn, die ich betreten möchte! ;...«

»Sie möchten also zum Theater gehen?«

»Ja, mein Herr ... das ist es, was ich meinem Vater nicht zu sagen wage ... denn das würde ihn sehr böse machen ... Er zankt mich schon, wenn er weiß, daß ich im Theater war; er sagt, daß ich dort all mein Geld verschwende ... Ich habe nur das, was mir meine Mutter heimlich gibt, und ich glaube es wohl zum Besuch des Theaters verwenden zu dürfen ... weil das das einzige Vergnügen ist, das ich mir erlaube.«

»Und kennt Ihre Mutter Ihren Hang für das Theater ... grollt sie Ihnen auch darüber?«

»Ein wenig, aber so sanft, so sanft ... O! wenn sie nur allein zu sprechen hätte, dann könnte ich sicher thun, was mir nur gefällt!«

»Herr Julius, es ist kein Unglück, Schauspieler zu sein, wenn man wirklich Talent hat ... wenn man aber keines hat, so ist es der allertraurigste Stand! ;...«

»O! ich werde Talent bekommen, mein Herr, dessen bin ich gewiß ... O! wenn Sie wüßten, wie es mich begeistert, wenn ich Samson oder Bouffé spielen sehe! ... wie ich ihnen zuhöre, wie ich fürchte, einen einzigen ihrer Gedanken zu verlieren ... welche Talente! ... welche Schauspieler! ... Ah! mein Herr, haben Sie, wenn Sie diese Beiden spielen sahen, nie Lust bekommen, aufs Theater zu gehen?«

Herr Guerreville konnte sich eines Lächelns nicht erwehren und erwiderte: »Nein, wahrhaftig! ... das hätte mich im Gegentheil davon abbringen können, denn ich würde gedacht haben, wie schwer muß es sein, es bis zu diesem Grade der Kunst zu bringen.«

»Warum das? ... haben sie es doch auch dahin gebracht! ... Dann haben wir noch viele andere Künstler von großem Talent ... und, abgesehen davon, liebe ich alle Schauspieler! ... Wenn ich einem unterwegs begegne, so möchte ich ihm an den Hals springen, ihn umarmen ... ihm die Hand drücken ... mit ihm Arm in Arm spazieren gehen ;...«

»Alles das beurkundet wohl Ihre Liebe für das Theater; aber darin sehe ich noch keinen Beweis, daß Sie Talent zum Schauspieler haben ... man bewundert oft etwas, was man selbst nicht machen kann.«

»Ach! mein Herr ... wenn ich wagen dürfte, Ihnen noch etwas zu gestehen ;...«

»Wagen Sie es immerhin, Herr Julius, Ihre Mutter hat Ihnen gesagt, daß Sie mich wie einen alten Freund betrachten können, und ich wiederhole Ihnen, daß Sie Ihr Vertrauen nicht schlecht angebracht haben sollen.«

»Davon bin ich vollkommen überzeugt, mein Herr ... Aber was ich Ihnen sagen will ... davon darf mein Vater ... und selbst meine Mutter keine Kunde bekommen ;...«

»Ich werde es ihnen nicht sagen, da Sie Verschwiegenheit von mir verlangen.«

»Gut! mein Herr, so erfahren Sie denn, daß ich im Geheimen Deklamationsstunden nehme.«

»Sie nehmen Unterricht! ... das ist was Anderes ... Sind Sie im Konservatorium?«

»O! nein, leider bin ich nicht so glücklich ... aber ich gehe zu einem Professor.«

»Dieser Professor ist ohne Zweifel einer unserer guten Schauspieler, oder ein alter Künstler von Ruf? ;...«

»Mein Herr, es ist in der That ein alter Schauspieler, der einst viel Talent gehabt hat ... wie er sagt.«

»Wo spielte er?«

»Nun, er behauptet überall gespielt zu haben ... Uebrigens, würden mir meine Mittel nicht erlauben, einen sehr kostspieligen Lehrer zu halten ... Ich wage nicht, meine Mutter oft um Geld anzusprechen, weil ich weiß, welche Auftritte sie deßhalb mit meinem Vater hat; aber mein Professor ist nicht theuer, er gibt Lectionen zu zwanzig Sous für die Marke ... und wenn man zehn Marken vorausbezahlt, so bekommt man noch fünf Stunden gratis ;...«

»Dabei ruinirt man sich allerdings nicht.«

»Manchmal hat er auch sehr viele Zöglinge! ... Er sagte mir, daß er schon große Künstler gebildet habe.«

»Wie heißen sie?«

»Ah! sie sind alle in der Provinz; aber ich versichere Sie, daß er sehr gut unterrichtet ... und er schwört mir, daß ich die schönsten Anlagen habe.«

»Für welches Fach?«

»Für jugendliche Liebhaber.«

»Herr Julius, ein Lehrer, der fünfzehn Stunden um zehn Franken gibt, wird diese Sprache gegen alle seine Schüler führen ... denn es ist anzunehmen, daß es ihm sehr darum zu thun sein muß Geld zu verdienen. Indeß will ich Sie nicht entmuthigen ... aber ich gestehe, es schmerzt mich, daß Sie sich auf eine so dornigte Laufbahn geworfen haben ... und ich darf Ihnen nicht verbergen, daß es auch Ihre Mutter sehr betrübt.«

»Wie! mein Herr, hat sie denn meine Neigung errathen?«

»Erräth eine Mutter nicht immer die Geheimnisse ihres Sohnes! Ja, auch die Ihrige hat Ihre Begeisterung für die dramatische Kunst wahrgenommen ... Sie befürchtet, Sie möchten den Gedanken haben, Schauspieler zu werden ... und es scheint mir, ihre Furcht sei sehr gegründet. Sie hat mir den großen Kummer nicht verhehlt, den ihr das machen würde. Bedenken Sie, Herr Julius, bevor Sie sich von einer Neigung hinreißen lassen, die gewiß nicht unüberwindlich ist ... Ueberlegen Sie, ob alle die Erfolge, alle die Vergnügungen, die Sie auf dem Theater zu finden hoffen, den Kummer überwiegen können, den Sie Ihrer Mutter verursachen würden ;...«

Julius schlug die Augen nieder, er war bewegt und schwieg einige Zeit; endlich murmelte er zwischen den Zähnen: »Mein Gott! mein Herr ... Sie wissen wohl, daß alle Eltern so sind ... zuerst zanken sie ... wenn man aber sein Glück macht, sind sie froh, daß man seiner Neigung gefolgt ist und nicht auf sie gehört hat! ... Wenn ich ein großer Künstler werde ... so meine ich, daß das wohl einen Parfümeur aufwiegt ... Wollten Sie wohl, mein Herr, mich bei meinem Professor spielen sehen ... wir spielen Scenen ... bisweilen ganze Akte, wenn wir in hinreichender Zahl beisammen sind ... dann könnten Sie urtheilen, ob ich Talent habe.«

Herr Guerreville wollte eben antworten, als Georg die Thüre des Zimmers halb öffnete und nur den Vorderkopf mit den Worten hineinsteckte: »Mein Herr, es ist eine junge Dame mit ihrer Kammerfrau da, welche sagt, Sie seien ihr Pathe, und fragen läßt, ob sie die Ehre haben könne, Ihnen aufzuwarten.«

Eine leichte Röthe flog über das Gesicht von Herrn Guerreville, doch antwortete er rasch: »Gut! ich will diese junge Dame empfangen ... laß dieselbe in den Salon eintreten und bitte sie einen Augenblick zu warten.«

Georg zog sich zurück und Julius erhob sich mit den Worten: »Sie bekommen Besuch, mein Herr, ich verlasse Sie, und bitte um Entschuldigung, Sie so lange belästigt zu haben ... ich wollte Ihnen nur noch die Adresse meines Professors der Deklamation geben ... ich muß sie bei mir haben ... es ist übrigens Herr Krächzer, in der kleinen Heulerstraße ... Ah! hier ist seine Adresse ... Der Unterricht findet, den Sonntag ausgenommen, täglich von zwölf bis vier Uhr Nachmittags, oder Abends von sieben bis zehn Uhr Statt. Ich gehe hin, wenn ich irgend einen Ausgang zu machen habe und mir eine halbe Stunde abmüßigen kann, aber Dienstags und Donnerstags, fehle ich im Laufe des Tags fast nie ... Sie werden doch kommen, um mich spielen zu sehen, nicht wahr, mein Herr? ich wäre sehr erfreut. Ihr Urtheil zu hören ;...«

»Ja, ich werde kommen, ich verspreche es Ihnen ... aber warten Sie ... warten Sie doch, Herr Julius ;...«

Und während er dies sagte, drehte er sich um und ging im Zimmer auf und ab, als wenn ihm etwas auf dem Herzen läge und er nicht wüßte, wie er sich dabei benehmen sollte; endlich näherte er sich seinem Sekretär, nahm eine Rolle mit fünfzig Napoleons heraus und schrieb auf ein Papier: Für Julius, damit seine Vergnügungen keinen Zank zwischen seinen Eltern verursachen.

Herr Guerreville wickelte diesen Zettel um die Rolle herum, hüllte Alles zusammen in ein anderes Papier, und zu Julius zurückkehrend, legte er ihm die Rolle in die Hand, indem er sagte: »Herr Julius, haben Sie die Güte, dieses Ihrer Frau Mutter von mir zu überbringen ... es ist eine alte Schuld, die ich hiemit berichtige, für verschiedene Anschaffungen, die sie vor langer Zeit für mich gemacht hat.«

Julius schien erstaunt, als er die Summe, welche in seine Hand geglitten war, wog, und stotterte: »Wie, mein Herr! ... Aber meine Mutter hat mir nicht gesagt, daß ;...«

»Sie hatte nicht nöthig, es Ihnen zu sagen ... es ist eine alte Rechnung, sie hatte es vielleicht vergessen ... Aber verzeihen Sie, mein Herr ... man erwartet mich; ich werde das Vergnügen haben, Sie wiederzusehen.«

Julius hielt es nicht für schicklich, noch weitere Anfragen zu stellen; er steckte die Rolle in seine Tasche, grüßte Herrn Guerreville ehrerbietig und entfernte sich, nachdem er ihn vorher um die Erlaubniß gebeten hatte, wiederkommen zu dürfen, um ihm seine Achtung zu bezeigen.

Der junge Mann ging fort, die Blicke von Herrn Guerreville folgten ihm; er blieb einige Augenblicke in seine Gedanken versunken; endlich rief er Georg und sagte zu ihm: »Laß das Fräulein, welches in dem Salon ist, hereintreten.«

Der Exsoldat machte eine halbe Wendung, entfernte sich und kam bald mit einem jungen Mädchen zurück, welche ins Zimmer schlüpfte, Knixe machte und schon an der Thürschwelle ausrief: »Guten Tag, lieber Pathe! – Wie befinden Sie sich, lieber Pathe? ... Ich bin erfreut, Sie zu sehen ... Wollen Sie mir erlauben, Sie zu küssen, lieber Pathe? ;...«

Herr Guerreville blieb unbeweglich stehen und starrte die Person an, welcher es so sehr darum zu thun schien, ihn zu küssen; es war ein junges Mädchen von ungefähr siebzehn Jahren, sehr rund, sehr fett, sehr frisch und sehr rothbackig; eine ziemlich reizende Brünette, obwohl ihre großen braunen Augen mehr Frohsinn als Schelmerei ausdrückten, und ihr Gesicht eben so sehr aus Gewohnheit als aus Neigung zu lachen schien; aber ihr Mund war klein und mit hübschen Zähnen garnirt, ihr Näschen wohlgebildet, hübsche Grübchen bildeten sich jeden Augenblick in ihren vollen Wangen, ihre Gestalt endlich war sehr schön, und ihr Busentuch verrieth schon sehr deutlich entwickelte Reize. Das war Fräulein Agathe, welche nicht die geringste Aehnlichkeit mit ihrem Pathen hatte, aber nichtsdestoweniger ein hübsches Mädchen war, von offenbar handfester Gesundheit.

Die frostige und beinahe strenge Miene, womit Herr Guerreville das Mädchen aufnahm, verblüffte diese ein wenig; sie faßte sich jedoch wieder und begann ihre Knixe und ihr Trippeln von Neuem, indem sie die gleichen Redensarten wiederholte.

»Guten Tag, lieber Pathe, ich wünsche Ihnen von Herzen einen schönen guten Morgen, lieber Pathe! ... Wie befinden Sie sich? ... Ich komme, Sie achtungsvollst zu begrüßen und Sie zu küssen, wenn Sie es mir erlauben wollen.«

Herr Guerreville neigte sich zu Agathen, küßte sie auf die Stirne, obgleich das Mädchen ihm ihre Wangen hinhielt und führte sie zu einem Lehnstuhl, indem er zu ihr sagte: »Setzen Sie sich, mein liebes Kind.«

»Mit Vergnügen, lieber Pathe,« sagte Fräulein Agathe, indem sie sich in den Lehnstuhl niederließ.

Herr Guerreville setzte sich zu dem jungen Mädchen, betrachtete sie fortwährend, aber ohne im mindesten bewegt zu scheinen, und sprach: »Sie sind die Tochter von Madame Grillon?«

»Ja, lieber Pathe ... ich bin ihre einzige Tochter ... Agathe, Ihre Pathe.«

»Und Ihre Frau Mutter hat Ihnen die Erlaubniß gegeben, mich zu besuchen?«

»O, gewiß, lieber Pathe, sie hat es mir sogar befohlen ... Ohne das wäre ich gewiß nicht auf den Gedanken gekommen, zu Ihnen zu gehen ... denn ich dachte gar nicht an Sie, lieber Pathe; als aber Mama gestern nach Hause kam, schrie sie schon unten an der Treppe: Agathe! Agathe! Dein Pathe ist in Paris! ich bin ihm begegnet ... Du mußt morgen früh zu ihm gehen, um ihm Deine Aufwartung zu machen und ihn zu küssen. Und Mama war so glücklich ... so vergnügt, daß sie gar nicht bemerkte, daß sie auf den Rock Papas trat, welchen er über einen Stuhl gelegt hatte, um sich einen Knopf annähen zu lassen; und als Papa zu ihr sagte: Nimm Dich doch in Acht, meine Liebe, Du wirfst meinen Rock auf die Erde und trittst darauf, antwortete ihm Mama: O, das ist mir ganz gleich ... ich bin Herrn Eduard Guerreville begegnet, dem Pathen meiner Tochter; er wohnt in Paris und wird uns besuchen ... ich könnte heute auf allen Deinen Hosen herumtreten, ohne deßhalb weniger vergnügt zu sein.«

»Das ist sehr liebenswürdig von Seiten Ihrer Frau Mutter!«

»O! lieber Pathe! darum lieben wir Sie Alle im Hause recht sehr! ... und deßhalb bin ich auch sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft zu machen; denn Mama sprach oft mit mir von Ihnen und sagte mir: Es ist recht Schade, meine arme Agathe, daß Dein Pathe nicht in Paris ist, denn eine Pathe ist wie ein zweiter Vater ... man wünscht ihm zum Geburtsfeste, zum neuen Jahre Glück ... er würde Dir auch ein Neujahrsgeschenk machen: der Deinige war sehr liebenswürdig, sehr großmüthig ... Kurz, lieber Pathe, ich bedauerte es recht sehr, Sie nicht zu kennen ... denn ich war, glaube ich, fünf Jahre alt, als ich Sie zum letzten Male sah ... und konnte mich Ihrer gar nicht mehr erinnern; ich glaubte, mein Pathe sei ein dicker Mann mit einem großen Bauch und starken Waden ... ich weiß gar nicht, woher ich dieses Bild entnommen habe! ... Gerade so bildete ich mir, als ich noch in der Pension war, ein, das Theater sei ein Laden, in welchem man aller Art Dinge verkaufe. Ah! wenn man klein ist, ist man doch recht dumm! ... aber jetzt bin ich nicht mehr so: ich weiß Alles und Mama sagt, ich könne sprechen, wie Eine von vierzig Jahren.«

Fräulein Agathe schien noch immer geneigt fortzusprechen, aber Herr Guerreville, der auf sie hörte, wie wenn er an etwas ganz Anderes dächte, als man an ihn hinsprach, unterbrach die junge Schöne mit den Worten: »Ihre Eltern haben ohne Zweifel für Ihre Erziehung gesorgt?«

»O ja, lieber Pathe! gewiß, ich wurde sehr gut erzogen; aber aus der ersten Pension, in die man mich gebracht hatte, wurde ich wieder genommen, weil ich jeden Tag Bohnen zu essen bekam. Ich beklagte mich deßhalb bei Mama, welche der Unterlehrerin sagte, daß die Bohnen mir übel bekämen. Diese sagte es der Direktorin, welche ihr erwiderte, um meinetwillen würde man die Hausordnung nicht abändern; Mama fand das sehr unhöflich und ich wurde anderswohin gegeben, wo ich viel besser daran war: man hatte in der Woche Linsen und Kartoffeln mit Rindfleisch; ich liebe gerade die Kartoffeln nicht sehr, aber die Linsen sind meine Leibspeise, besonders mit Oel. Aber wenn Sie wüßten, lieber Pathe, wie wenig Oel man in den Pensionen an den Salat thut ... ich glaube fast, man thut gar keines daran ... und das ist sehr schlimm für den Magen ... Ich hatte eine Freundin, welche ;...«

»Ist es schon lange, daß man Sie aus der Pension genommen hat?«

»Es sind jetzt achtzehn Monate, lieber Pathe. Mama und Papa fanden, daß ich genug wüßte, und nichts mehr zu lernen nöthig hätte.«

»Was wissen Sie denn?«

»O, lieber Pathe! ich kann ein wenig singen, ich spiele ein wenig Clavier, ich zeichne ein wenig ;...«

»Es scheint mir, Sie wissen von Allem ein wenig.«

»Ja, lieber Pathe ... und dann tanze ich sehr gut ... O, ich liebe den Tanz sehr! Mama liebt den Tanz ebenfalls; wenn wir auf dem Balle einander gegenüber tanzen, sagt sie, halte man uns für zwei Schwestern.«

»Und Ihr Herr Vater?«

»O, mein Vater tanzt nie oder höchst selten, wenn gerade der vierte Mann fehlt ... aber Papa bringt die Touren immer in Unordnung; ich habe ihm noch nicht einmal die Pastourelle beibringen können! Ah! ... apropos, lieber Pathe, ich hätte bald vergessen, Ihnen zu sagen, daß Mama mir aufgetragen hat, Sie zu bitten, uns morgen die Ehre zu erweisen, bei uns zu Mittag zu speisen; man setzt sich Punkt fünf Uhr zu Tische.«

»Ich danke Ihnen, mein liebes Kind; aber sagen Sie Ihrer Frau Mutter, daß ich sehr bedaure, ihre Einladung nicht annehmen zu können.«

»Ah! warum denn, lieber Pathe? Wir rechneten so bestimmt auf das Vergnügen, Sie bei uns zu sehen! ... Mama wollte noch Madame Devaux und ihre Töchter einladen ... das sind Leute von sehr gutem Ton, die Soiréen geben ... und dann Herrn Adalgis, einen sehr liebenswürdigen jungen Mann, der immer weiße oder strohgelbe parfümirte Handschuhe trägt. Das sieht hübsch aus, ein junger Mann, der helle Handschuhe trägt ... das gibt ihm ein sehr feines Ansehen ... und dann spielt dieser Herr auch das Klapphorn, das heißt er lernt es; aber er will es nicht eher spielen, bis er es recht weit darin gebracht hat, und mich alsdann zum Piano begleiten ... Indessen singt er ausgezeichnet Romanzen; das letzte Mal hat er uns »die gute Hoffnung« von Friedrich Bérat vorgesungen ... Mein Gott, wie schön das ist! ... Lieber Pathe, kennen Sie »die gute Hoffnung« von Bérat?«

»Meine liebe Pathe, ich bin sehr betrübt, All' das nicht anhören zu können, aber ich wiederhole Ihnen, ich kann morgen von der Einladung Ihrer Eltern keinen Gebrauch machen.«

»Ah! das ist sehr Schade, lieber Pathe; Papa freute sich auch so sehr darauf, Sie bei Tische zu haben, weil Mama ihm gesagt hatte, sie würde eine Compote von Kastanien machen lassen.«

»Ich werde Sie besuchen, Agathe, und auch Madame Grillon meine Aufwartung machen.«

»Wann das, lieber Pathe?«

»Sobald es mir möglich sein wird ... Wollen Sie mir indeß erlauben, meine liebe Pathe, Ihnen ein kleines Geschenk zu machen?«

Herr Guerreville hatte sich erhoben und war an seinen Sekretär gegangen. Er fühlte, daß es bei Agathen keines Vorwandes bedürfe, um ihr ein Geschenk anzubieten, überdies gab ihm der Titel Pathe das Recht dazu.

Agathe hatte sich ebenfalls erhoben und machte eine zierliche Verbeugung, indem sie sagte:

»Lieber Pathe, Sie sind sehr gütig; ich werde gewiß Alles annehmen, was Sie mir gerne anbieten.«

Herr Guerreville hatte aus einer Schublade seines Sekretärs eine hübsche Kaschemirbörse genommen, die mit Gold gestickt war und mit kostbaren Steinen besetzte Schiebringe hatte; er legte in jede Seite derselben fünfzehn Napoleons und überreichte sie Agathen mit den Worten: »Nehmen Sie, meine liebe Freundin, behalten Sie diese Börse als ein kleines Andenken von mir; mit ihrem Inhalte werden Sie einige Ihrer Lieblingsneigungen befriedigen können. Es wäre vielleicht passender gewesen, wenn ich Ihnen alle die Kleinigkeiten, die einem jungen Mädchen Freude machen, selbst gekauft hätte ... Aber Sie werden mich entschuldigen, da ich mich wenig darauf verstehe und Ihr Geschmack Sie besser leiten wird, als der meine.«

Agathe nahm die Börse, indem sie vor Freude erröthete; dann machte sie zwei oder drei kleine Sprünge im Zimmer und rief: »Ach! wie gut Sie sind, lieber Pathe! Ah, die schöne Börse! ... und alle diese Goldstücke! ... O, welche hübsche Sachen werde ich dafür bekommen! ... Mein Vater gibt mir alle Sonntage nur ein Zehnsousstück für meine kleinen Vergnügungen, damit kann ich nicht viel anfangen. Ah! ich will mir eine Scharpe kaufen, wie ich neulich eine an Cölestinen gesehen habe ... eine blaßblaue Scharpe mit weißen Fransen, das ist allerliebst ... Lieber Pathe, wollen Sie mir erlauben, Sie zu küssen? Ah! wie vergnügt ich bin! ... Mama hatte sehr Recht, mir zu sagen: Du wirst sehen, wie hübsch es ist, seinen Pathen kennen zu lernen, besonders wenn er reich ist!«

Und Agathe reichte Herrn Guerreville nochmals ihre schönen, frischen und kirschrothen Wangen dar; dieser aber berührte sie kaum mit den Lippen und führte sie dann sachte an die Thüre, indem er sagte: »Es thut mir leid, meine liebe Pathe, Sie nicht länger hier behalten zu können ... aber Geschäfte nöthigen mich ;...«

»O, lieber Pathe, das genügt ... Sie brauchen sich bei mir nicht im geringsten zu geniren ... denn ich mache durchaus keine Umstände ... besonders bei Personen, die mir gefallen, und Sie, mein lieber Pathe, gefallen mir gar sehr.«

Inzwischen hatte Herr Guerreville Agathen bis ins Vorzimmer zurückgeführt, wo ein großes Frauenzimmer mit einer weißen Schürze und einer bäurischen Haube Georg gegenübersaß, der sie sehr häufig ansah, aber kein Wort mit ihr sprach.

Agathe lief auf ihre Bonne zu und rief: »Jeannette! Das ist mein Pathe ... Mein Pathe, das ist Jeannette, unsere Bonne ... Sie geht immer mit mir aus, weil meine Eltern nie erlauben, daß ich allein ausgehe; und doch weiß ich meinen Weg ganz gut und würde mich nicht verirren ... Glücklicher Weise lachen wir Beide, Jeannette und ich, wenn wir mit einander ausgehen ... Sie ist ebenso heiter wie ich ... wir machen uns über die Vorübergehenden lustig ... O! das ist sehr amüsant ... Es gehen so lächerliche Leute vorüber, die so drollig aussehen ... Doch Adieu, lieber Pathe! ... Ich werde Mama sagen, daß Sie uns bald besuchen werden, aber es wird ihr sehr leid thun, daß Sie morgen nicht zu Tische kommen können ... und dem Vater auch ... er wird um seine Kastaniencompote seufzen! ... nicht wahr, Jeannette? ... Jeannette, grüße meine Pathen ... Auf Wiedersehen, lieber Pathe ... besuchen Sie uns bald ... Wollen Sie mir erlauben, Sie zu küssen?«

Fräulein Agathe reichte abermals ihre Wangen hin; aber Herr Guerreville drückte einen sehr kalten Kuß auf ihre Stirne und geleitete sie dann hinaus, indem er selbst die Thüre seiner Hausflur öffnete. Endlich entschloß sich das junge Mädchen zu zu gehen, aber nicht eher, als bis sie sich zuvor noch mehr als zwanzigmal umgedreht hatte, um zu wiederholen: »Auf Wiedersehen, lieber Pathe! besuchen Sie uns bald ... vergessen Sie es nicht! ;...«

Als sich Guerreville in seinem Zimmer allein befand, warf er sich in einen Lehnstuhl, indem er ausrief: »Das waren nun diese zwei Kinder! ... Das ist sonderbar! ... Ich hatte geglaubt, ihr Anblick würde mich bewegen, rühren ... Aber nein, ich habe in der Tiefe meines Herzens nichts empfunden, keine geheime Stimme hat sich in meiner Seele erhoben, um mir zuzuflüstern: Du bist ihnen auch deine Liebe schuldig! Ich glaube, daß mir ihre Zärtlichkeit eher lästig als angenehm wäre. O! das ist schlimm, sehr schlimm! Doch woher kommt das? Weil ich in ihrer Nähe meine Tochter, meine Pauline nicht vergessen kann! ... O! meine Tochter ... Dir bin ich Vater ... Dich betete ich an ... Dir gehört noch immer meine ganze Zärtlichkeit ... und fern von Dir kann ich keinen Augenblick glücklich sein ... Aber noch keine Nachricht! ... unmöglich zu erfahren, was aus ihr geworden ist! ... Mein Gott! sollte ich sie denn auf immer verloren haben! ... Hat sie mich ganz vergessen! ... verlassen ... O! nein, man vergißt seinen Vater nicht ganz, wenn man weiß, wie theuer man ihm war, wenn man weiß, daß er täglich seine Tochter beweint ... wenn man nicht zweifeln kann, daß seine Zärtlichkeit stets stärker als sein Zorn sein, daß er alle Fehltritte verzeihen wird, um nur sein Kind noch einmal umarmen zu können ... und doch verschwinden die Jahre, und nichts! nichts ... kein Brief, keine Nachricht! ;...

Herr Guerreville ließ das Haupt auf die Brust sinken und schien vernichtet von seinem Schmerz.

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