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Zacharias Topelius

Selma Lagerlöf: Zacharias Topelius - Kapitel 8
Quellenangabe
typebiography
authorSelma Lagerlöf
titleZacharias Topelius
publisherAlbert Langen, München
printrun1. bis 5. Auflage
year1921
translatorPauline Klaiber-Gottschau
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.7et
created20140730
projectid6d579361
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Der Tod des Vaters

In den Jahren, die Zacharias in Uleåborg zubrachte, hatte sich bei den Verwandten in Nykarleby sehr vieles verändert. Die alte Großmutter Turdin war gestorben, Stadtrat Lithén, der seit dem Jahre 1826 Witwer war, hatte sich 1829 mit Charlotte Toppelius aus Uleåborg, einer entfernten Verwandten von Zacharias, wieder verheiratet. Und im Herbst des Jahres 1831 war Zacharias' bester Freund, Alexander Lithén, an Lungenschwindsucht gestorben.

Aber die schwerwiegendste Veränderung hatte doch auf Kuddnäs stattgefunden.

Als Zacharias 1830 zum Weihnachtsfest heimkam, durfte er nicht wie gewöhnlich zu seinem Vater hineinstürmen, um ihn zu begrüßen. Denn Doktor Topelius hatte eine Lungenentzündung, und er glaubte selbst, er werde sich nicht mehr länger mit dem Tode abkämpfen können, der ihm seit zehn Jahren beständig auflauerte.

Er hatte schon den ganzen Herbst gekränkelt; ehe ihn indes die Krankheit völlig übermannte, hatte er sein Haus bestellt und bestimmt, daß Sohn und Tochter den vierten Teil des Vermögens, seine Frau aber die Hälfte erben solle. Daß der Sohn, wie es das Gesetz verlangte, doppelt so viel wie die Schwester bekäme, hielt Doktor Topelius für eine große Ungerechtigkeit.

Außerdem hatte er dem Sohne noch einen Brief hinterlassen, in dem er, ohne von sich selbst zu reden, eine ganze Anzahl von Ratschlägen und Lebensregeln niedergeschrieben, die Zacharias dazu verhelfen sollten, weise und friedlich durch dieses Leben zu wandern. Und wie wenn er gefürchtet hätte, er habe noch nicht genug getan, hatte er auch an seinen Bruder geschrieben und ihn gebeten, sich seines Sohnes mit Rat und Tat anzunehmen.

Ergeben und geduldig, wie er gelebt hatte, ging er dem Tode entgegen. Er starb am 23. Januar 1831 und wurde unter allgemeiner Trauer und großer Teilnahme begraben. Jetzt zeigte es sich, was für einen tiefen Eindruck sein schweres Schicksal auf viele Menschen gemacht hatte. An seinem Sarge wurde so bitterlich geweint, wie wenn er all das Gute, das er seinen Mitmenschen hatte erweisen wollen und ihnen von Herzen gewünscht hatte, tatsächlich bewiesen hätte.

Unter Tränen lasen alle die Inschrift, die auf dem Sargdeckel angebracht war:

»Obwohl unter eigenen Schmerzen fast erliegend, warst du doch immer, bis zu deiner letzten Stunde

der Armen treuester Beschützer.
Heil dir!
Friede deiner Asche!«

Als der Leichenzug durch die Kirche zog, geschah etwas, das für ein Wahrzeichen gehalten wurde. Einer der silbernen Sterne, die über das Sargtuch gestreut waren, fiel zu Boden und wurde von dem Sohne aufgehoben. Alle Anwesenden sahen dies als eine Verheißung an, daß der Sohn seinem Vater einst an Kenntnissen und Arbeitslust nachschlagen und ebenso beliebt und geachtet sterben werde, wie er.

Das aber hätte man nicht glauben wollen, daß der Genius der Zukunft, von den Tränen und dem Kummer der Menschen gerührt, den Leidtragenden etwas von dem habe offenbaren wollen, was die kommenden Jahre bringen würden, indem er ihnen zeigte, daß dieses zerstörte Leben eine große Aufgabe erfüllt hatte. Hätte das in der Macht dieses Genius gestanden, dann hätte auf der silbernen Platte des Sarges sicher noch eine Inschrift eingeritzt sein müssen:

»Heil dir!
Während du scheinbar machtlos in deinem
Krankenzimmer saßest, wurde von dir die Entdeckung
der berühmten Gedichte aus der älteren Zeit
des finnischen Volkes vorbereitet.
Und der Knabe, der zu deinen Füßen aufwuchs und
von dir zum Kampfe mit dem Leben gestählt und ausgerüstet
wurde, er ist zu einem neuen, großen
Dichter ausersehen, zu dem frohen Sänger
der neuen Zeit.«

Aber der Genius der Zukunft hatte keinen Griffel, mit dem er hätte schreiben können. Er hinterließ nur ein schwaches, undeutliches Zeichen, das die Menschen verstehen oder auch mißverstehen mochten, wie sie es ihrem Vermögen nach eben konnten.

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