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Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten

: Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten - Kapitel 46
Quellenangabe
typefiction
authorverschiedene
titleWürttembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten
publisherHolland & Josenhans
addressStuttgart
year
firstpub
seriesWürttembergische Volksbücher
printrun12.-14. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100621
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IX.

Wie die sieben Schwaben ein Siegesmahl halten und sich auf den Heimweg begeben.

Als sie sich wieder aus dem Walde herausgemacht hatten, tat auf einmal der Blitzschwab die Frage: »Wem gehört nun das Bärenfell?« – »Ich denke,« sagte der Seehas, »'s ist ausgemacht: dem Tapfersten, und der war ich, denn ich war der Anführer beim Strauße.« »Und ich hab' kommandiert,« schrie der Allgäuer, »und will sehen, wer mir das Fell streitig macht.« Dabei stülpte er die Hemdärmel auf. Da sprang der Blitzschwab auf einen Baumstrunk und hielt folgende Rede an die streitenden Parteien: »Liebe Freunde und Kameraden! Es war unser löbliches Vornehmen, dem Untier, so seither in diesem Walde gehaust, den Garaus zu machen. Und wenn wir es erlegt hätten, so hätten wir, wie ausgemacht, das Fell als ewiges Siegeszeichen auf unsern Spieß gesteckt und selbigen auf dem Marktplatz in Überlingen aufgerichtet vor allem Volk. Nun haben wir das Untier aber in den See gejagt und können somit sein Fell nicht abziehen. Wie wär's nun, wenn wir statt dessen die Bärenhaut aufpflanzten als ein Denkmal unseres Sieges gegen Bären, Wölfe, Drachen und viele andere Ungetüme? Wie stünden wir dann da als Retter des Vaterlandes!« Diese Rede machte Eindruck, und am Ende stimmte ihr gar der Allgäuer zu. Und nun zogen die sieben Schwaben gen Überlingen und pflanzten den Spieß neben der Kirche auf. Da kam alles Volk zuhauf. Und der Magistrat veranstaltete ein Festessen, wobei es Seewein von allen drei Sorten gab: vom Sauerampfer und vom Rachenputzer und vom Dreimännerwein. Und sie waren so selig und vergnügt, wie es nur Schwaben sein können. Über Nacht aber hatte der Seewein dem Knöpflesschwaben ein Loch durch den Magen gefressen, dieweil er vergessen hatte, sich um Mitternacht auf die andere Seite zu legen. Da schütteten sie ihm einen Schoppen Meersburger ein, der zog das Loch wieder zusammen. Und dann zogen alle ihrer Heimat zu, nachdem sie sich als Brüder verabschiedet hatten. Der Allgäuer hat darauf einen Viehhandel angefangen und den Nestelschwaben als Treiber angenommen. Der Gelbfüßler hat im Ries eine Gänsezucht eingerichtet und ist reich dabei geworden; der Knöpflesschwab und der Blitzschwab zogen auf die Ulmer Alb, wo's die größten Knödel gibt und blitzsaubere Mädchen: der Seehas fing eine Fischhandlung an und log, daß die Fische schwitzten, aber niemand nahm's ihm übel, weil er ein gar heiterer, lebenslustiger Kamerad war. Der Spiegelschwab aber ging über den Bodensee, dieweil er nicht heimkehren wollte seines bösen Weibes wegen, um deretwillen er sich einst aus dem Heimatlande geflüchtet und den andern angeschlossen hatte. Auf seinen Wanderungen erlebte er noch manches Abenteuer, worüber an einer andern Stelle dieser Volksbücher (s. Band IV) berichtet werden soll.

(Nach Dr. Th. Griesinger u. a. von C. Schnerring)

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