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Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten

: Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten - Kapitel 40
Quellenangabe
typefiction
authorverschiedene
titleWürttembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten
publisherHolland & Josenhans
addressStuttgart
year
firstpub
seriesWürttembergische Volksbücher
printrun12.-14. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100621
projectided0e14cc
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III.

Vom Knöpflesschwaben und was sich weiterhin zugetragen.

Das Ries ist eine gute Gegend und die Leute dort sind wohlauf, was davon herkommen soll, daß dort zu Lande des Tages fünfmal gegessen wird, und zwar fünfmal Suppe und fünfmal Knöpfle mit Speck dazu. Daher die Leute dortselbst mit gutem Recht Suppen- oder Knöpflesschwaben genannt werden. Auch sagt man von ihnen, daß sie zwei Mägen, aber kein Herz hätten. Bei einem von diesen kehrten der Seehas, der Nestelschwab und der Gelbfüßler ein und ließen sich's wohl sein und nachdem sie auf Unrechts Kosten acht Tage sich gütlich getan, rückte der Seehas mit seinem Anliegen heraus. Er erzählte von dem fürchterlichen Untier am Bodensee und wie er jetzt da sei, mutige Leute zu werben. Denn mutig müßten sie sein, hab doch das Tier feurige Augen im Kopf, die so groß seien wie ein Salzbüchsle und Ohren so breit und lang wie ein Nudelbrett und ein Maul, daß es fast zwei Rieser Knöpfle auf einmal fassen könne. »Hott oder wist?« fragte der Nestelschwab. »Hott«, rief der Seehas, und nun schwur der andre auf Ehr und Seligkeit, daß alles das eine gewisse Wahrheit sei. Der Knöpflesschwab aber war schier so helle wie ein Sachs und wollte den beiden nicht glauben. »Geht, Kerle,« sagte er, »ihr lügt wohl, daß man's greifen kann; aber da müßt ihr euch einen Langhoseten heraus suchen, verstandewu ( vous)?!« Nun aber warf sich der Seehas in Positur, und so ernst wie ein Kapuzinerpater verschwor er sich: »Das Ungeheuer wächst und wird immer größer, je länger man es anstehen läßt, und wenn man gar noch länger wartet, so wird es am Ende so groß wie ein Pudelhund oder ein Kalb oder noch größer, und ich bitt' Dich daher um aller lieben Landsmannschaft willen, zieh mit und hilf mir weitere tüchtige Gesellen werben.« Da ließ sich der Knöpflesschwab erbitten. Und weil er sich besser darauf verstand, Knöpfle zu kochen als zu fechten, so packte er Häfen und Pfannen auf und zog mit den andern. Sie wendeten sich dem Donautale zu, denn dort wohnte in Ulm und um Ulm rum bei Wiblingen oder Langenau der » Blitz- schwab«. Und wie's nur gehen kann, – der Schwab findet überall sein Glück, und unsre drei wandernden Helden treffen gleich beim ersten Einkehren im schönen Ulm den Blitzschwaben im Roten Ochsen an. Bei einer Maß vom besten Stoff tranken sie mit ihm in der Bauernstube Bruderschaft, und nun ging dem Seehas erst recht der Mund auf.

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