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Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten

: Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten - Kapitel 34
Quellenangabe
typefiction
authorverschiedene
titleWürttembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten
publisherHolland & Josenhans
addressStuttgart
year
firstpub
seriesWürttembergische Volksbücher
printrun12.-14. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100621
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II.

In die Sage vom Schlotki und seinen Räubern ist ohne Zweifel eine geschichtliche Begebenheit aus dem Jahr 1678 verwoben, die wir im folgenden erzählen möchten.

Das 17. Jahrhundert war für unser gesamtes deutsches Vaterland eine Zeit unsäglichen Jammers.

Von 1618 - 1648 verwüstete die Furie des 30jährigen Kriegs alle Wohnsitze menschlichen Lebens, die sie mit ihrer Fackel erreichen konnte. Und kaum begannen die schweren Wunden zu heilen, die eine aus fast allen Nationen Europas zusammengesetzte Soldateska geschlagen, da rüstete sich französische Eroberungslust, sie wieder aufzureißen. Die zuchtlosen Horden des Königs Ludwig XIV erfüllten mit Raub, Mord und Brand unser schönes Schwabenland. Der Kaiser brauchte seine Truppen zum Kampf gegen die Türken, und als er endlich die langersehnte Hilfe schickte, da konnten die geplagten Einwohner mit vollem Recht sagen: Gott behüte mich vor meinen Freunden, vor meinen Feinden will ich mich schon selbst schützen. Ob Franzosen, ob Kaiserliche im Städtchen sich aufhielten: der Bürger mußte jedesmal die Zeche bezahlen. So standen denn auch im Jahre 1678 kaiserliche Truppen auf dem Schwarzwald, um die Pässe gegen die eindringenden Franzosen zu bewachen. Den Unterhalt für das Heer mußten zum größten Teile die umliegenden Ortschaften liefern. Nun hätten zwar die Österreicher als gute Freunde den Bauern Vieh, Futter, Stroh, Mehl oder was sie sonst noch brauchten, bezahlen sollen, aber die Herren hatten meistens den Beutel zu Hause gelassen, wenn's ans Zahlen ging, und wenn die Bewohner sich weigerten, ihre sauer erworbene Habe unentgeltlich abzugeben, so handelten die Soldaten nach dem Wort: Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt. Und die armen Bauern mußten sich's versehen, mit der blanken Waffe Bekanntschaft zu machen oder den roten Hahn aufs Dach gesetzt zu bekommen.

Kam nun da eines schönen Tages im August der Rittmeister Slotzky vom Hallweilischen Regiment mit 200 Reitern ins Murgtal bei Baiersbronn herangerückt, um zu »furagieren«, d. h. nach Nahrung für Roß und Mann auszuschauen. Der Schultheiß von Baiersbronn, ein entschlossener, mutiger Mann, der wußte gar wohl, was es mit dem Furagieren für eine Bewandtnis haben werde. Er ließ daher sofort die Sturmglocken läuten und bewaffnete seine wehrhaften Bürger in aller Eile mit Flinten, Picken, Sensen, Äxten, Mistgabeln, Dreschflegeln, wie's eben gerade bei der Hand war, uud stellte nun sein »Heer« kriegsbereit in Reih und Glied vor dem Rathaus auf. Dem Slotzky aber läßt er sagen, daß gegen gute Bezahlung Furage genug vorhanden sei, gegen Gewalttätigkeiten aber werden er und seine Leute sich zu wehren wissen.Der Rittmeister aber lacht unmäßig über das Bauernheer und seinen frechen Anführer, und zur Antwort läßt er einige Scheuern anzünden, in die Wohnhäuser einbrechen, rauben, plündern, brennen. Entsetzen packt Weiber, Kinder und Greise. Aber der Schultheiß fährt wie ein Donnerwetter unter die Soldaten, und er und seine erzürnten Bauern schlagen, stechen, dreschen so wild drauf los, daß nach einer Stunde kein Reiter mehr am Leben ist, zwei oder drei ausgenommen, die in wilder Flucht davonreitend dem Obersten des Regiments die Kunde von der blutigen Selbsthilfe der Bauern überbringen. Der Oberst hätte nun gar zu gern an den Bauern Rache genommen; aber die Franzosen saßen ihm im Nacken und er mußte sich zurückziehen. Aber wenn er auch nach Baiersbronn gekommen wäre, wer weiß, ob ihm der Schultheiß nicht denselben Tanz aufgespielt hätte wie dem Rittmeister Slotzky.

(Nach Griesinger.)

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