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Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten

: Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten - Kapitel 23
Quellenangabe
typefiction
authorverschiedene
titleWürttembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten
publisherHolland & Josenhans
addressStuttgart
year
firstpub
seriesWürttembergische Volksbücher
printrun12.-14. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100621
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Graf Hubert von Calw.

Vor vielen hundert Jahren war zu Calw ein Graf, der besaß großen Reichtum und lebte immer herrlich und in Freuden, bis er eines Tages zu seiner Gemahlin sagte: »Soll ich nicht ganz und gar verloren gehen, so muß ich auch lernen wie es tut, wenn einer arm ist.« Deshalb legte er ein schlechtes Kleid an, nahm Abschied von seiner Gemahlin und wandte sich gegen die Schweiz. Hier wurde er in dem Dorfe Weißlingen Kuhhirt und hütete die ihm anvertraute Herde mit allem Fleiß auf einem Berge, und obwohl das Vieh gedieh und fett ward, wurde er doch von den Bauern nach einigen Jahren seiner Dienste entlassen, weil es sie verdroß, daß er beständig auf dem nämlichen Berge werdete, hierauf ging er zurück nach Calw.

Aus seinem Schlosse schallte ihm Festmusik und Fröhlichkeit entgegen: denn die Besitzerin des Schlosses hatte sich heute neu vermählt. Er trat in die Hallen seines Schlosses und überschaute an einem Pfosten der Türe lehnend die Herrlichkeit und seine Gemahlin im hochzeitlichen Schmucke neben ihrem Bräutigam. Dann erbat er sich von der Braut ein Almosen und erhielt nach der Sitte der Zeit, welche arme Pilger ehrte, von den Speisen des Hochzeitsmahles aus der eigenen Hand seiner Gemahlin. Aber er wollte nicht essen, wenn ihm nicht seine Bitte um einen Trunk Weins aus dem Becher der Edelfrau gewährt würde. Als er den Becher empfangen und ausgetrunken, ließ er heimlich einen goldenen Fingerreif, seinen Trauring, darein fallen, und ging, noch ehe der Diener den Pokal seiner Herrin zurückgebracht hatte, still von bannen und begab sich wieder nach Weißlingen. Hier vertrauten ihm die Bauern ihr Vieh aufs neue an, weil sein Nachfolger dies Amt indessen sehr schlecht versehen hatte, und behielten ihn als Hirten, solange er lebte.

Als der Graf aber sein Ende herannahen fühlte, eröffnete er den Leuten, wer er sei, und verlangte, sie sollten ihn nach seinem Tode von Ochsen hinausführen lassen, und wo diese stillstehen würden, begraben, auch daselbst eine Kirche bauen. – So geschah es hernach denn auch, und die Kirche über dem Grabe wurde nach seinem Namen Obert oder Hupert, die »Sankt Hupertskirche« genannt. Dahin wurden später Wallfahrten angestellt und zu seinem Gedächtnis Messen gehalten, und ein jeder Bürger von Calw, der dort vorbeigeht, darf an die Türe anklopfen oder um etwas bitten.

Nach Meier und Zimmermann.

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