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Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten

: Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten - Kapitel 22
Quellenangabe
typefiction
authorverschiedene
titleWürttembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten
publisherHolland & Josenhans
addressStuttgart
year
firstpub
seriesWürttembergische Volksbücher
printrun12.-14. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100621
projectided0e14cc
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Der Riese Erkinger von Liebenzell.

Vor vielen, vielen Jahren lebte im Nagoldtale ein gewaltiger Riese namens Erkinger. Der war ein böser Räuber und Menschenfresser. In Liebenzell ließ er sich einen starken Turm bauen und dabei mußten die Maurer den Speis mit Wein anmachen, damit die gewaltigen Quadersteine umso fester aneinander gekittet würden, hier in seiner Burg hauste nun Erkinger mit zwei Gesellen und brachte Furcht und Schrecken über die ganze Umgegend; denn mit besonderer Vorliebe raubte er den jungen Bauern, wenn sie gerade Hochzeit hielten, ihre Bräute weg, schleppte dieselben mit sich fort in seinen Turm und fraß sie auf. Die Gebeine der Menschen, die er verzehrt, warf er immer zum obersten Fenster hinaus. Sie fielen eine gute Viertelstunde von der Burg entfernt immer auf derselben Stelle nieder, und mit der Zeit wurde daraus ein ganzer Berg, den man heute noch den Beinberg nennt. Ebenso heißt auch ein kleines Dorf, das auf dieser Höhe liegt.

Wegen der Greuel, die Erkinger weit und breit verübte, versuchten manche ihn zu töten. Aber kein Mensch konnte dem Gewaltigen widerstehen: denn er war über vier Meter groß, so daß jeder andre gegen ihn ein Zwerg war. Als Waffe trug er eine gewaltige Stange, mit der er jeden niederschmetterte, der ihm zu nahe trat, und in seiner wilden Kraft konnte er sogar Bäume mitsamt der Wurzel ausreißen und damit auf die Leute losschlagen. Gegen Verwundung durch Geschosse schützte ihn ein ledernes Kleid, das statt der Knöpfe eiserne Ringe hatte. Von seiner Burg herab warf er nach seinen Feinden mit dicken Steinkugeln, deren man heutzutage noch manche bei Liebenzell finden kann.

In ihrer großen Not wandten sich endlich die Bewohner des Nagoldtales an ihren Landesherrn, den Markgrafen von Baden, und flehten um Hilfe. Der verbündete sich mit dem Pfalzgrafen Ruprecht, zog mit einem großen Heer vor die Burg des Riesen und belagerte sie. Den Eingang zum Turm, in den sich der Riese zurückgezogen hatte, ließ der Markgraf über Nacht zumauern. Weil nun Erkinger weder sich ergeben noch verhungern wollte, so machte er seinem Leben selbst ein Ende, indem er sich von dem hohen Turm herabstürzte. Noch lange Zeit bewahrte man das Kleid, einen Hosenträger und einen Schuh des Riesen in einer Kapelle auf, die die Riesenkapelle hieß und in Hirsau stand.

Nach Meier.

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