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Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten

: Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten - Kapitel 20
Quellenangabe
typefiction
authorverschiedene
titleWürttembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten
publisherHolland & Josenhans
addressStuttgart
year
firstpub
seriesWürttembergische Volksbücher
printrun12.-14. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100621
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Die Teufelsmühle bei Loffenau.

Etwa zwei Stunden südlich von Loffenau, dem mildest gelegenen Orte des württembergischen Schwarzwaldes, liegt die »Teufelsmühle«, eine 908 Meter hohe Berghöhe, auf der große Massen mächtiger Sandsteinfelsen wie von gewaltigen Riesenhänden aufgetürmt oder wirr durcheinandergeworfen liegen. Am Abhang des Berges befinden sich die »Teufelskammern«, sieben große natürliche Höhlungen. Von der Höhe der Teufelsmühle bietet sich eine köstliche Aussicht auf das zu Füßen gelegene Murgtal mit Gernsbach und Eberstein, und weiterhin schweift das Auge über die Badener Berge bis hinüber zu den Höhenzügen um Straßburg. Über die Teufelsmühle nun berichtet die Sage folgendes:

Vor vielen vielen Jahren kam der Teufel bei den heißen Quellen von Baden aus der Hölle heraufgestiegen, ging stracks Laufs das Lichtental hinauf und hinüber zum Eberstein. Hier stellte er sich auf einen ins Murgtal hinausragenden hohen Felsen, der seither die Teufelskanzel heißt, und fing nun an, durch gewaltige Predigten für sein Reich zu werben. Der Zulauf aus der ganzen Gegend war ungeheuer; denn der Teufel verstand in gar prächtigen Farben seines Reiches Herrlichkeit zu malen, und der Böse freute sich schon des gewonnenen Spieles. Allein nun sandte Gott einen seiner beredtesten Engel vom Himmel herab. Der stellte sich auf einen der Teufelskanzel gegenüberliegenden Felsen und begann nun mit lauter Stimme und zu Herzen gehenden Worten die Leute über die Lügenreden des Höllenfürsten aufzuklären. Darob geriet aber der Satan in eine unbändige Wut, sprang auf einen hohen Berggipfel bei Loffenau, baute sich über Nacht eine Mühle und sieben gewaltige Kammern und fing nun an die Felsen mit Donnergepolter zu zermahlen, mit seinen Hufen zu zerstampfen oder gar mit den Zähnen zu zermalmen. Andere riß er mit schauerlichem Gebrüll aus der Erde und schleuderte sie rings umher und über Berg und Tal. Das gab einen solch höllischen Spektakel, daß der Engel auf seiner Kanzel das eigene Wort nicht mehr verstand und die Zuhörer in wilder Angst davonrannten. Nun wurde aber dem lieben Gott die Geschichte doch zu bunt. Er erschien selbst auf der Herrenwies, einem der höchsten Berge bei Baden-Baden, ergriff den Satan mit allmächtiger Faust und schleuderte ihn mit solcher Kraft gegen seine Mühle, daß diese in Trümmer fiel und die ganze Gestalt des Teufels samt Pferdehuf und Schweif im harten Felsgestein sich abdrückte, wo sie heute noch zu sehen ist. Nun gab der Teufel Ruhe und verstummte, und nur noch zu Zeiten starker Unwetter glaubt man ihn in den Felskammern noch rumoren zu hören.

(Nach Griesinger.)

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