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Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten

: Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten - Kapitel 16
Quellenangabe
typefiction
authorverschiedene
titleWürttembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten
publisherHolland & Josenhans
addressStuttgart
year
firstpub
seriesWürttembergische Volksbücher
printrun12.-14. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100621
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III.

Das Geisterschloß im Strombergwald.

Albrecht von Herrenzimmern besuchte einst seinen Jugendfreund Herzog Friedrich III von Schwaben, den nachmaligen Hohenstaufenkaiser Rotbart (Barbarossa), und dieser veranstaltete einen Ausritt ins Zabergäu zum Ritter Erkinger von Magenheim. Der lud seine Gäste zu einer Jagd in den Stromberg ein.

Schon seit längerer Zeit zeigte sich dort ein stattlicher Hirsch, der aber nie erreicht werden konnte; Albrecht aber brannte vor Verlangen, ihn zu erlegen. Auch heute war er zu sehen, und der Graf bekam ihn wiederholt in schußgerechte Nähe, doch im entscheidenden Augenblick war das Tier jedesmal plötzlich verschwunden, um sofort unfern der Stelle wieder aufzutauchen.

So war Albrecht bald von seinen Jagdgenossen getrennt und gründlich verirrt; aber mitten in der Wildnis stand plötzlich ein riesengroßer, landfremder Mann vor ihm, der ihn freundlich einlud, ihm zu folgen: er habe nichts zu fürchten und werde wunderbare Dinge sehen, nur solle er über alles ein tiefes Schweigen beobachten.

Nach kurzer Wanderung durch liebliches Gefilde kamen sie an ein Waldschloß, wo unser Jägersmann von stummen Dienern mit höflichen Gebärden bewillkommt und in den Rittersaal geführt wurde. Hier saß eine vornehme Gesellschaft am leckeren Mahl; die Herren erhoben sich und begrüßten den Eintretenden mit ehrerbietigen Mienen, um sich dann wieder zu setzen. Nachdem jener alles gesehen hatte, ward er von seinem Begleiter hinausgeführt und auf den Platz zurückgebracht, wo sie sich zuerst erblickt hatten.

Nun erfuhr er aus dessen Munde, das Haupt jener Tafelrunde sei sein Oheim Friedrich von Zimmern, ein glaubenseifriger Mann, der viel gegen die Türken im heiligen Land gekämpft, wozu er die nötigen Gelder in harter Weise von seinen Untertanen herausgepreßt habe; hiefür leide er jetzt noch unaussprechliche Pein mit seinen damaligen Genossen. »Wandle du selbst aber auf umso besseren Wegen und suche wieder gut zu machen, was er in seiner Jugend gefrevelt hat.«

Der Geist verschwand, und als der junge Graf von Zimmern sich nochmals umwandte, ging das Schloß in Flammen auf; er glaubte im brennenden Pech- und Schwefeldunst ersticken zu müssen und gräßliches Wehgeheul erklang in seinen Ohren. Wie durch ein Wunder fand er rasch den Weg wieder zu seinen Jagdgefährten, die ihn kaum mehr erkannten, so alt sah er jetzt aus. Er bat den Burgherrn von Magenheim, er möchte ihm den Baugrund zu einem Kloster abtreten. So entstand auf dem Platz, wo das Abenteuer sich ereignet hatte, das Kloster Mariental zu Frauenzimmern im Zabergäu.

A. H.

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