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Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten

: Württembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorverschiedene
titleWürttembergische Volksbücher - Sagen und Geschichten
publisherHolland & Josenhans
addressStuttgart
year
firstpub
seriesWürttembergische Volksbücher
printrun12.-14. Tausend
editorWürtt. Evangel. Lehrer-Unterstützungs-Verein
correctorhille@abc.de
senderwww.gaga.net
created20100621
projectided0e14cc
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Die feindlichen Brüder auf der Burg Lichtenberg im Bottwartal.

Auf dem Lichtenberg, gegenüber dem Wunnenstein, saßen einst zwei Brüder als gleichberechtigte Erben ihres Vaters; sie kamen jedoch nicht gut miteinander aus, da sie durch eine arglistige Nonne des Stiftes Oberstenfeld gegeneinander verhetzt worden waren. Vom häuslichen Streit kam es bald zum offenen Kampfe. Am Sauserhof sollte die Entscheidung fallen. Vor Beginn des Gefechts ließ der eine Bruder dem andern sagen, er lasse ihn verhungern, wenn er ihn in seine Gewalt bekomme. Dieser erwiderte, er wolle dagegen ihn verschmachten lassen.

Der letztere siegte, nahm seinen Bruder gefangen und warf ihn ins Burgverließ. Der Gefangene bekam nur trockenes Brot und keinerlei Getränke; doch stillte er seinen Durst dadurch, daß er sein Brot in die Mauerfugen steckte, wo es die Feuchtigkeit des Erdreichs ansaugte. Er hoffte auf diese Weise sich am Leben zu erhalten, bis der Bruder seinen harten Sinn geändert hätte.

Derselbe konnte nicht begreifen, warum es bei seinem gefangenen Bruder so lange daure und schickte den Burgpfaffen ins Verließ, welcher dem Gefangenen in der scheinheiligen Maske des gottgesandten Trösters das Geheimnis seiner Erhaltung entlockte und es dann dem Burgherrn mitteilte. Sogleich ließ dieser die Turmwände mit Brettern verschalen. Nach wenig Tagen trat der schreckliche Verschmachtungstod bei dem Gefangenen ein. Aber beim Anblick des Gemordeten empfand der Bruder heftige Gewissensbisse. Er ließ den herzlosen Priester kommen, stürzte ihn von der Zinne des Turmes in den Burggraben hinunter und gab dann sich auch selbst den gleichen Tod. Mit zerschmettertem Leib lag er drunten und bereute noch sterbend aufs bitterste, daß er sich an seinem eigenen Bruder so schwer versündigt hatte.

(Meier, nach dem Volksmund berichtigt. A. H.)

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