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Friedrich Wilhelm Mader: Wunderwelten - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Wilhelm Mader
titleWunderwelten
publisherWilhelm Heyne Verlag
year1987
isbn3-453-31374-7
firstpub1911
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160122
projectid4fe9a05f
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3. Eine wunderbare Entdeckung

Nach diesen Erklärungen lud Flitmore seine Gäste ein, die Innenräume zu besichtigen, was diese unter seiner Führung mit regstem Interesse taten.

Sie fanden alles mit größter Zweckmäßigkeit und Behaglichkeit eingerichtet, was ihnen zunächst auffiel, war, daß sämtliche Einrichtungsgegenstände, also Tische, Stühle, Bettstellen usw. aus Kautschuk hergestellt waren, wie auch Wände, Decken und Fußböden sich mit dicken Gummiplatten ausgelegt erwiesen; was aber aus Holz und Metall bestand: Hobelbank, Amboß, Herd usw. war am Fußboden festgeschraubt.

»Diese Vorsicht glaubte ich nicht außer acht lassen zu dürfen«, erklärte der Lord, »da wir nicht wissen können, welchen Erschütterungen unsre Sannah ausgesetzt sein kann, wenn sie etwa mit einem Meteoriten zusammenstoßen sollte oder etwas unsanft auf irgendeinem Weltkörper zum Landen käme.«

Die Besichtigung nahm mehrere Stunden in Anspruch. Als nun alles eingehend betrachtet und bewundert worden war, nahm Heinz Friedung das Wort:

»Verzeihen Sie, Lord Flitmore«, sagte er: »Sie sehen uns alle überzeugt, daß kein Fahrzeug umsichtiger und zweckmäßiger für eine kosmische Reise ausgerüstet sein könnte, als Ihre herrliche Sannah; aber welche Wunderkraft soll sie in den Weltraum schleudern? Das ist das Rätsel, das ich vergeblich zu lösen versuche. Dürfen wir etwas davon erfahren oder ist es ein Geheimnis?«

»Sie haben recht«, erwiderte Flitmore: »Ich bin Ihnen eine Erklärung schuldig. Es handelt sich hier um eine Entdeckung, die ich zufällig machte, und die mir erst den Gedanken und die Möglichkeit eines solchen Unternehmens gab.

Sie kennen die Schwerkraft und ihre Gesetze und wissen auch, daß die Wissenschaft keine Ahnung davon hat, was diese Schwerkraft ihrem Wesen nach eigentlich ist. Die Anziehungskraft der Weltkörper ist ja wohl eine Erklärung für die Schwerkraft, aber wir wissen eben geradesowenig, was die Anziehungskraft ist und worauf sie beruht. Würde sie auf der Umdrehung oder Rotation beruhen, so müßten wir zum Beispiel gegen die Erdachse angezogen werden, während tatsächlich die Anziehung gegen den Mittelpunkt der Erde sich richtet: es ist eine Zentripetalkraft. Möglicherweise hängt diese Kraft mit dem Magnetismus zusammen und dieser wieder mit der Elektrizität.

Nun wissen Sie, daß es eine positive und eine negative Elektrizität gibt: was die eine anzieht, stößt die andere ab; so gibt es einen positiven und einen negativen Magnetpol, einen Nord- und einen Südpol, und der Zentripetalkraft entspricht eine Zentrifugalkraft. Mit andern Worten, außer der Anziehung gibt es auch eine Abstoßung, und letztere Kraft nenne ich ›Fliehkraft‹.

Es ist klar, daß, wenn unsre Erde neben ihrer Anziehungskraft auch eine abstoßende Kraft besitzt, erstere bei weitem überwiegen muß in bezug auf ihre Wirkung auf alle irdischen Körper; denn sämtliche Körper, auf welche die Abstoßungskraft überwiegend wirken würde, müßten sofort von der Erde abgestoßen werden, wären also nicht mehr da. Aus diesem einfachen Grunde bleibt uns diese zweite Kraft verborgen.

Nun habe ich aber durch zufällige Kombinationen eine Elektrizität oder einen magnetischen Strom entdeckt, der diese Fliehkraft darstellt.

Wird der Strom geschlossen, so werden die von ihm durchströmten Körper von der Erde abgestoßen und das mit um so größerer Kraft, je stärker der Strom ist. Bei unterbrochenem Strom tritt die Anziehungskraft der Erde wieder in ihre Rechte.

Meine ›Fliehkraft‹ ist sozusagen die umgekehrte Schwerkraft, ein Magnetismus, der vom Erdmagnetismus abgestoßen wird, und der seinerseits auf diesen abstoßend wirkt.

Das ist das ganze Geheimnis. Alle Versuche, die ich anstellte, hatten den gleichen Erfolg; jeder Körper, den ich mit Fliehkraft lud, und wenn er sonst noch so schwer war, erhob sich in die Luft mit wachsender Geschwindigkeit und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Sie begreifen, daß mir diese Entdeckung den Gedanken nahelegen mußte, ein Fahrzeug herzustellen, das mittels der Fliehkraft sich dem Bereich der Anziehungskraft unsres Erdballs entziehen könnte.«

Mit großer Verwunderung lauschten unsre Freunde diesen überraschenden Ausführungen und Schultze meinte kopfschüttelnd: »Na, wir werden ja sehen!«

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