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Friedrich Wilhelm Mader: Wunderwelten - Kapitel 47
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Wilhelm Mader
titleWunderwelten
publisherWilhelm Heyne Verlag
year1987
isbn3-453-31374-7
firstpub1911
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160122
projectid4fe9a05f
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44. Neue Erkenntnisse

Heinz erlernte fabelhaft schnell die Sprache der Edeniten. Er konnte sich jetzt schon ganz fließend unterhalten. Schwierigkeiten machten nur die Begriffe, die entweder der irdischen oder der Welt Edens fremd waren. Aber durch Umschreibungen und Erläuterungen gelang es, auch solche mit der Zeit begreiflich zu machen.

Gabokol und die Seinen zeigten dabei einen hervorragenden Scharfsinn und nahmen bald mit vollstem Verständnis eine ganze Reihe von »Fremdwörtern« auf, mit denen Heinz ihre Sprache bereicherte, weil es dieser an den entsprechenden Ausdrücken fehlte. Dabei handelte es sich lediglich um Dinge, die den Erdenmenschen geläufig, den Edeniten aber völlig unbekannt waren, nicht zum Schaden der letzteren.

So fiel es zu Anfang schwer, den Gastfreunden verständlich zu machen, was unter Gift, Vergiftung, Verwundung, Krankheit, Schmerzen, Haß, Bosheit und anderen Leiden und Lastern zu verstehen sei.

Und doch war es notwendig, solche Dinge zu berühren, wollte man sich über die Verhältnisse Edens belehren oder über diejenigen der Erde Auskunft geben. Es waren daher größtenteils Fremdwörter von recht übler Bedeutung, die von den Edeniten gelernt und schmerzlich staunend begriffen werden mußten, wenn sie sich mit der fremden Welt, aus der ihre Gäste kamen, vertraut machen wollten und ihnen andererseits klar machten, inwiefern sich Eden von jener unterschied.

Auch die andern machten rasche Fortschritte in der Sprache Edens, und Flitmore sprach den Wunsch aus, einen Besuch in der Stadt so lange hinauszuschieben, bis sie so weit wären, das Notwendigste zu verstehen und sich selber verständlich zu machen.

Es wurden daher in den nächsten Tagen nur Ausflüge auf die nahe Hochebene unternommen und auch einige Aussichtspunkte besucht, von denen aus man weit ins Land schauen konnte.

Eine der ersten Fragen, die Schultze an Gabokol richtete, war die, wie es komme, daß das Wasser hier zum Teil bergauf, zum Teil aber bergab fließe.

»Bei uns steigt immer das Leichtere nach oben«, erwiderte der Mann verwundert, »und das Schwere strebt hinab; ist das nicht so auf der Erde?«

»Im allgemeinen wohl«, erwiderte der Professor. »So wird zum Beispiel Öl, auf den Grund eines Baches gebracht, an die Oberfläche des Wassers steigen; dann aber fließt es nicht den Bach hinauf, sondern hinab, ebenso fließt sowohl Öl als Wasser auf festem Grund, falls dieser geneigt ist, bergab.«

»Auch wenn es leichter ist als der feste Grund?« fragte Fliorot erstaunt.

»Ja! Es befindet sich eben dann in einem andern Mittel, in der Luft, und weil es schwerer ist als diese, drängt es zur Tiefe.«

Gabokol schüttelte den Kopf. »Das ist merkwürdig und widerspricht den Naturgesetzen, wie wir sie kennen. Wir haben dichtes Wasser, das schwerer ist als Erd- und Felsboden: das sinkt hinab. Wird es aber durch Wärme und Verlust aufgelöster fester Bestandteile leichter als der feste Untergrund, so strebt es so hoch als nur möglich empor und fließt auch selbstverständlich bergauf. Die Meere haben schweres Salzwasser: die bleiben immer in der Tiefe.

Unser Planet hat auch eine sehr schwere Luft und geringe magnetische Kraft; auf unsern Monden ist das ganz anders, da fühlt man sich schwer an den Boden gefesselt; möglich, daß dort auch das Wasser niemals bergauf fließen könnte, wenn es dort überhaupt Wasser gäbe.«

»Könnt ihr bis zu euren Monden fliegen?« erkundigte sich Mietje.

»Wir können es wohl, tun es aber nicht ohne Not; denn zu einem Aufenthalt für Lebende sind sie nicht geeignet. Es fehlt ihnen an Pflanzen und an Wasser, sie gleichen leuchtenden Edelsteinen, sind aber tot und nur ein Platz für die Toten. Auch macht ihre starke Anziehungskraft das Wandern und Fliegen dort sehr beschwerlich.«

»Wie macht ihr es überhaupt, daß ihr fliegen könnt?« wandte sich Münchhausen an Fliorot.

»Wir atmen die Luft in unsere Fluglunge ein«, erwiderte dieser. »Probiere es doch einmal: sobald sie mit Luft gefüllt ist, schwebt man von selber empor und sinkt erst wieder, wenn man die Klappe öffnet. Wir können das schon als kleine Kinder, warum macht ihr's nicht ebenso?«

»Aus dem einfachen Grunde, weil wir eine so praktische zweite Lunge nicht besitzen«, entgegnete der Kapitän.

»Das dachte ich mir«, fiel nun Bleodila, die Hausfrau, ein. »Bei uns ist diese innere Einrichtung ein Vorzug, den wir vor den Tieren haben, die nur springen können oder Flügel besitzen müssen um zu fliegen.«

»Und durch die Anfüllung euerer Ballonlunge werdet ihr so leicht, daß ihr bis zu den Monden fliegen könnet?« fragte Mietje weiter.

»Nein, das nicht!« antwortete ihr der Hausvater anstelle seiner Gattin: »Weiter oben wird die Luft so dünn und leicht, daß sie uns nicht mehr trägt; wollen wir höher gelangen, so müssen wir Fahrzeuge benutzen, die durch die abstoßende Kraft emporgetrieben werden, bis wir die Kraft abstellen und, von dem Monde angezogen, auf seine Oberfläche gelangen.«

»Aha! Meine Fliehkraft!« rief Flitmore. »Und weiter als bis zu euren Monden reist ihr mit derselben nicht?«

»Das können wir nicht: Die Zwischenluft bis zum grünen Mond, der uns der nächste ist, genügt kaum mehr zum Atmen; den blauen haben nur wenige kühne und ausdauernde Fahrer erreicht; den rosa Mond aber, der doppelt so weit entfernt ist, konnte noch keiner erreichen: Die Luft wird zuvor so dünn, daß man umkehren muß, sonst müßte man sterben.«

»Wenn ihr aber in einem verschlossenen Behälter voller Luft aufsteigen würdet?« meinte der Lord.

Gabokol sann nach: »Das wäre ein Gedanke! Das hat noch niemand versucht«, sagte er: »Seid ihr so bis zu uns gekommen?«

»Ja!« bestätigte Flitmore kurz.

»Ein weiter Weg!« meinte Fliorot und sah zum Himmel empor.

»Unsere Erde kannst du nicht sehen!« lachte Schultze, der der Richtung seiner Blicke folgte und nicht umhin konnte, sich höchlichst zu verwundern, daß der Knabe wenigstens genau zu wissen schien, wo er die Erde am Firmament zu suchen hätte, falls sie sichtbar gewesen wäre. Aber freilich, mit dem stärksten Teleskop hätte man diesen kleinen dunklen Planeten von hier aus niemals entdecken können.

Fliorot aber erwiderte: »O doch, ich sehe sie ganz genau. Ich kenne die Lage eueres Sonnensystems gut. Ihr habt nur eine Sonne. Zuerst kommen zwei kleine Planeten …«

»Merkur und Venus«, sagte Heinz.

»Dann kommt euere Erde, wie ihr sie nennt«, fuhr Fliorot fort, »ich sehe sogar ihren Mond.«

»Ja, Fliorot hat scharfe Augen«, bestätigte Gabokol: »Ich selber kann bei Tageslicht den Mond eurer Erde nicht erkennen, nur bei Nacht.«

»Da hört sich aber doch alle Wissenschaft auf!« rief Schultze, der staunend beobachtete, wie die Augen des Knaben ein wenig vorgetreten waren und sich in weite Ferne richteten. »Das ist ja eine Sehkraft, die unsere stärksten Fernrohre weit in den Schatten stellt und gegen die auch diejenige des letzten Marsbewohners nichts besagen will! Ist dieser Jüngling imstande, Erde und Mond als zwei getrennte Körper zu unterscheiden, so ist das eine Augenparallaxe, die über das Märchenhafte hinausgeht. Seine Augen müssen es vermögen, die Neigung zweier Linien zu einander zu unterscheiden, die auf einen Kilometer nur 9 Millimeter beträgt!«

Gabokol führte nun unsere Freunde zu seiner Schmiede und erklärte ihnen, wie die Flamme aus der Vereinigung zweier Gase entstand, die er durch Mischung von Metallen und Säuren im Erdboden erzeugte.

Er hatte ein Luftschiff in Arbeit, das aus äußerst leichten Metallen gebaut wurde und das allgemeine Verkehrsmittel auf dem Planeten bildete, wie er erklärte, wenn es sich darum handelte, rascher vorwärts zu kommen, als durch persönlichen Flug, oder auch Lasten zu befördern.

Als Triebkraft diente ein Magnetismus, den er Parallelkraft nannte, weil er die damit geladenen Fahrzeuge in waagrechter Richtung über der Oberfläche des Planeten hintrieb.

Fliorot interessierte sich sehr für Heinz' Revolver. Als der Freund ihn ernstlich mahnte, vorsichtig mit der gefährlichen Schußwaffe umzugehen, lachte er; und ehe es jemand hindern konnte, schoß er sich eine Kugel mitten durch den Arm.

Den Schreckensruf unserer Freunde begriffen die Edeniten nicht. Der Arm war allerdings durchbohrt, auch der Knochen durchschlagen. Doch schloß sich die Wunde so augenblicklich ohne irgendwelche Blutung, daß keine Spur mehr zu sehen war. Auch die Knochen waren offenbar so elastisch, daß sie ohne Schaden durchbohrt werden konnten. Ein Schmerzgefühl war den Edeniten unbekannt, und selbst völlig abgetrennte Glieder wuchsen, wie Bleodila versicherte, augenblicklich wieder fest, wenn man die Schnittflächen aneinander legte.

Doch kamen solche Verwundungen bei den elastischen Gliedmaßen und der äußerst widerstandsfähigen, wenn auch noch so zart aussehenden Haut äußerst selten vor.

»Krankheiten kennt ihr auch nicht?« wandte sich Mietje an Glessiblora: »Gifte gibt es hier keine, wie ihr sagt, und das stärkste Feuer vermag eure Haut nicht anzugreifen, gibt es denn da bei euch überhaupt einen Tod?«

»Ja«, erwiderte das Mädchen, »sterben müssen wir alle. Ein Jahr dauert bei uns etwa zehn eurer Erdenjahre und 300 bis 500 unserer Jahre ist die gewöhnliche Lebensgrenze.«

»Also 3000 bis 5000 Jahre!« rief Münchhausen.

»Selten stirbt jemand in zarterem Alter«, bestätigte Heliastra. »Man ist dann alt und müde und sehnt sich nach dem höheren, vollkommeneren Leben, das Gott uns nach dem Tode verheißen hat.«

»Fühlen wir unser Ende herannahen«, fügte Bleodila hinzu, »so treten wir gewöhnlich alsbald die Reise nach dem grünen Mond an, dem Reich der Toten. Dort schläft man nach wenigen Tagen ein, ohne wieder aufzuwachen. Entschlummert aber einer schon hier, ehe er an die letzte Reise dachte, was sehr selten vorkommt, so bringen wir seinen Leib hinauf, wo er dann bald austrocknet und zu Staub zerfällt.«

»Ihr glaubt also, wie wir, an ein ewiges Leben?« fragte Flitmore.

Gabokol sah ihn verwundert an: »Natürlich!« sagte er: »Was hätte es für einen Sinn, wenn das Leben mit dem Tode aus wäre?«

»Nun, ihr habt doch sicher auch in diesem Leben eine Aufgabe zu erfüllen«, meinte Schultze.

»Gewiß! Sehr viele! Arbeit gibt es genug an uns und andern, für uns und für andere; denn wir müssen doch immer besser werden und unsern Planeten immer besser machen. Wollten wir zum Beispiel an der Verbesserung unserer Weltkugel nicht ernstlich und fleißig arbeiten, so müßten unsere Nachkommen bald zum Teil verhungern: bis jetzt ist nämlich nur ein Streifen rings um den Planeten fruchtbar und bewohnt; alles andere ist Wüste, es fehlt an Pflanzen und Erde.

Unsere Hauptarbeit besteht nun darin, das nackte Gestein zu zermahlen, es mit pflanzlichen Stoffen und chemischen Bestandteilen zu mengen und so eine gute Erde herzustellen, mit der wir kahle Flächen bedecken, die dann eingesät werden und Urwälder und Prärien bilden, welche zunächst von der Tierwelt in Beschlag genommen werden können, bis sich später die Bevölkerung ausdehnt.

Nächst unseren häuslichen Arbeiten, der Herstellung von Verkehrsmitteln und dem Landbau, beteiligt sich jedermann auch an dieser Riesenarbeit, künftigen Geschlechtern ihre Wohnsitze zu schaffen.«

»Nun also«, sagte der Professor: »So könntet ihr ja sagen, das ist der Zweck unseres Lebens, unsern Nachkommen den Boden zu bereiten, und in ihnen leben wir fort. Ähnlich sprechen so manche auf Erden, die an kein Fortleben nach dem Tode glauben wollen.«

»Und diese Nachkommen?« fragte Bleodila: »Sie würden auch einige hundert Jahre sich des Errungenen erfreuen und ihrerseits für die Kommenden vorarbeiten, um dann ins ewige Nichts zu versinken, und so ginge es fort, bis der Planet tot wäre mit allen, die je auf ihm gestrebt und gewirkt? Und dann? Dann wäre es völlig einerlei, ob je hier vernünftige Wesen gelebt und gearbeitet haben oder nicht!«

»Ja«, stimmte die kleine Heliastra der Mutter bei. »Wenn mit dem Tode alles aus wäre, so wäre zuletzt unser ganzes Leben zwecklos und sinnlos, wir wären das Puppenspiel eines unverständigen Schöpfers; aber gottlob, die Macht, die uns erschaffen hat und erhält, ist Weisheit und Liebe; darum allein können wir uns des Lebens freuen und auch dem Ende getrost und fröhlich entgegensehen.«

»Und was erhofft ihr vom Ende?« fragte Heinz.

Heliastras Augen leuchteten: »Das Leben ist schön bei uns, wunderschön! Aber welche Schranken sind uns überall gesteckt, wie viel möchten wir wohl ausführen und können es nicht! Wer treu gewesen ist im Wirken seines endlichen Lebens, dem werden höhere Aufgaben und Kräfte anvertraut, wie wir glauben: ja, ein neueres, höheres und schöneres Leben wird diesem mangelhaften Leben folgen, das glauben und hoffen wir!«

»Unser Glaube ist der«, fügte Gabokol hinzu: »Wer sich bewährt hat, dem wird Gott eine seiner unzähligen Welten überweisen und ihm sagen: nun magst du nach eigenen Gedanken und nach eigener Lust schaffen. Ich gebe dir ein Maß von Schöpferkraft, wie es deinen Bedürfnissen entspricht; ich ordne dir andere Geister bei, denen noch keine so hohe Macht anvertraut werden kann, die dir aber treu und willig zu Diensten sein werden. Nun schaffe dir eine Welt nach deinen Gedanken, Pflanzen, Tiere, vernünftige Wesen, wie deine Phantasie solche erfindet, stelle Naturgesetze auf, wie du sie für zweckmäßig hältst und wenn du des Rats bedarfst, so darfst du ihn jederzeit bei mir holen. Ja, wir glauben, daß die Natur und Lebewelt auf unserem Planeten und wir selbst auf diese Weise geschaffen worden sind von einem großen, seligen Geist, dem Gott hier sein Schöpfungsgebiet angewiesen hat; denn vollkommene Geschöpfe, wie Gott selber sie erschaffen hätte, sind wir noch nicht. Aber im neuen Leben wird er selbst uns zur Vollkommenheit vollenden, wie der Meister des Schülers Arbeit verbessert und zur Vollendung bringt.«

»Ihr glaubt also alle an einen Gott, von dem in letzter Linie die ganze sichtbare Schöpfung ausgeht?« fragte Mietje.

Bleodila sah sie verständnislos an: »Ja, was sollten wir denn sonst glauben?« fragte sie. »Etwa, diese ganze Welt mit ihren wunderbaren Geschöpfen und uns selbst, sei von selber entstanden?« und sie brach in ein herzliches Gelächter aus, in das ihre beiden Töchter einstimmten, so daß es wie der Klang eines Glockenspiels durch die zitternden Lüfte schallte.

»Ihr habt recht, daß ihr lacht«, sagte Mietje; »niemand macht sich so lächerlich, wie der Zweifler am Dasein Gottes.«

»Nichts ist wahrer als dies«, stimmte der Lord bei: »Die Gottesleugnung wird stets der sicherste Beweis geringer Verstandesgaben sein und der Unfähigkeit, vernünftig zu denken. Allerdings entstammt der plumpe Aberglaube an die ewige, allmächtige Natur und ihren aus dem Nichts gezauberten Gesetzen dem unlautern Willen und nie der wissenschaftlichen Überlegung. Aber diese Leute, die das Opfer ihres Verstandes bringen, weil sie nicht glauben wollen, die Geist und Sinne absichtlich verschließen, um der allein vernünftigen Erkenntnis den Eingang zu verwehren, sind um so bejammernswertere Toren und tun sehr Unrecht daran, den Vogel Strauß zu belächeln, der den Kopf in den Sand steckt, meinend, nun sei auch das nicht da, was er nicht mehr sieht, nicht sehen will.«

»Unsere Philosophen«, sagte Gabokol, »haben auch schon über das Welträtsel nachgedacht. So beschränkt war freilich keiner, am Dasein eines Schöpfers zu zweifeln. Aber die Frage nach der Ewigkeit des Sichtbaren warfen sie auf. Da kamen sie denn zu folgenden Erkenntnissen: entweder das Sichtbare war immer da, das heißt von jeher vom ewigen Schöpfer hervorgebracht; dann wird es auch immer sein, und die Vergänglichkeit ist nur etwas Scheinbares, als ein Übergang in andere, zweifellos höhere Daseinsformen; das wäre eine beständige Entwicklung, ein ewiger Fortschritt.«

»Wenn aber das Sichtbare einen zeitlichen Anfang hätte?« warf Schultze ein.

»Dann könnte es ja wohl auch ein Ende haben«, erwiderte der Edenite; »allein es ist klar, daß wenn einmal ein Anfang war, auch späterhin immer wieder ein neuer Anfang möglich ist; ja es wäre unsinnig zu glauben, daß es in der Ewigkeit der Zeiten nur einmal zu einem einzigen Anfang gekommen wäre und dann für alle Zeiten Ende und Tod. Wir schließen daraus, daß auch das Einzelne nie ein endgültiges Ende nehmen kann, sondern daß ihm ein neuer Anfang sicher ist. Der Anfang des Sichtbaren setzt also nicht sein Ende voraus, sondern vielmehr seine ewige Erneuerung.«

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