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Friedrich Wilhelm Mader: Wunderwelten - Kapitel 35
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Wilhelm Mader
titleWunderwelten
publisherWilhelm Heyne Verlag
year1987
isbn3-453-31374-7
firstpub1911
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160122
projectid4fe9a05f
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32. Der Riesenkraken

Johns Wißbegier wurde aber diesmal nicht so pünktlich befriedigt, wie er es von seines Herrn Zuverlässigkeit hätte erwarten dürfen.

Das war aber nur einem außerordentlichen Umstand, einem unvorhergesehenen Ereignis zuzuschreiben, das für die Sannah und ihre Insassen leicht hätte verhängnisvoll werden können.

Gegen Ende der Mahlzeit nämlich ließ sich plötzlich ein heftiges Geprassel vernehmen, unterbrochen von donnernden Schlägen, die das Weltschiff in seinen Grundfesten erschütterten. Es war offenbar ein Hagel von Meteoriten, der auf die Sannah niederging.

Glücklicherweise waren die ersten Steine, die auf die Umhüllung sausten, klein, und der Lord konnte durch einen Druck auf den entsprechenden elektrischen Knopf die metallenen Schutzplatten oder Augendeckel über sämtlichen Fensterlinsen schließen, so daß eine Zertrümmerung oder Beschädigung derselben verhütet wurde.

Bald aber prallten so ansehnliche Brocken auf die Oberfläche des Fahrzeugs auf, daß man das Schlimmste befürchten mußte und selbst Münchhausen seine gastronomische Tätigkeit unterbrach.

Als das Gepolter und Gedonner aufhörte, machte der Lord mit John, Heinz und dem Professor einen Rundgang durch die Sannah, um genau zu untersuchen, ob die Decke nirgends beschädigt und durchschlagen worden sei. Zu seiner großen Beruhigung und Befriedigung fand er, daß die treffliche Metallhülle dem wuchtigen Hagel durchweg standgehalten hatte und keinerlei Verletzung erkennen ließ. Außen hatte sie ja gewiß Beulen, Schrammen und Schrunden davongetragen, danach konnte man zur Zeit nicht sehen, denn dort draußen gähnte der leere Raum. Die Hauptsache aber blieb, daß der Mantel nirgends durchlöchert war und so die kostbare Luft nicht entweichen konnte.

Als die Männer von ihrem Rundgang zurückkehrten, hatte Münchhausen auch seine Mahlzeit beendet, die er nach Überwindung des ersten Schreckens fortgesetzt hatte.

»Ihre Ruhe ist beneidenswert«, sagte Schultze kopfschüttelnd: »Während wir, von der Sorge um unser Leben getrieben, nachsehen, ob die Sannah kein verhängnisvolles Loch davongetragen habe, lassen Sie sich's ruhig schmecken, als sei nichts geschehen und nichts zu befürchten.«

»Sie halten das ja wohl für sträflichen Leichtsinn und tadelnswerte Gefräßigkeit«, erwiderte der Kapitän: »In Wahrheit jedoch ist es vernünftige Philosophie und Überlegung. Denn, sagen Sie selber: wenn Sie zu viert ausziehen, nach einem etwaigen Schaden zu sehen, wozu soll ich als fünftes Rad am Wagen mittrotteln? Und schließlich, entweder die Sannah hat eine gefährliche Verletzung davongetragen oder nicht. Ist sie unbeschädigt, so wäre die Unterbrechung meiner Mahlzeit zum mindesten überflüssig gewesen, wäre jedoch ein gefährliches Leck vorgefunden worden, so hätte ihr auch da rein gar nichts helfen können; im Gegenteil, mit leerem Magen steht man einer Gefahr viel hilfloser und schwächlicher gegenüber als mit dem Gefühl der Sättigung, das einen zu ruhigerer Überlegung befähigt.«

»Na! Allenfalls hätten Sie mit wohlgefülltem Wanst unter Umständen auch ein großes Loch mit Ihrer werten Persönlichkeit verstopfen können, bis wir es kalfatert hätten, um den Luftaustritt zu verhindern«, höhnte Schultze.

»Spotten Sie nicht«, mahnte der Kapitän würdig, »zu solcher Aufopferung wäre ich stets bereit gewesen und auf ähnliche Art habe ich sogar schon einmal ein großes Schiff vor dem sichern Untergang gerettet.«

»Oho! Erzählen Sie!« rief Flitmore, sich in einen Sessel werfend.

»Gerne!« erklärte Münchhausen bereitwillig. »Es ist gar nicht so lange her: meine zunehmende Leibesfülle erschwerte mir bereits meinen Dienst als Schiffskapitän, als mein stattliches Schiff eines Tages auf ein unterseeisches Riff aufstieß, das auf keiner Seekarte verzeichnet war. Wir bekamen ein Leck von solcher Größe, daß trotz allen Pumpens der untere Schiffsraum sich fabelhaft rasch mit Wasser anfüllte. Unser Untergang schien unvermeidlich, denn eine Küste, wo wir hätten landen können, war nicht in Sicht. Die Felsspitze, die uns so verhängnisvoll geworden war, mußte einer einsamen unterseeischen Insel angehören.

Ich begab mich mit dem Schiffszimmermann und zwei Matrosen hinunter, um zu sehen, ob dem Leck denn gar nicht beizukommen sei; doch es befand sich schon völlig unter Wasser. Auf einem schmalen Balken turnte ich über dem gurgelnden Naß gegen die Schiffswand, als ich plötzlich ein schlangenähnliches Wesen da unten herumplätschern zu sehen vermeinte. Bald tauchten drei, vier solcher Schlangen von etwa sechs Meter Länge auf. Kein Zweifel! Ein Riesenkraken, auch Polyp oder Tintenfisch genannt, streckte seine schrecklichen Fangarme durch das Leck ins Schiffsinnere; sein Leib, so weich und elastisch er war, konnte wegen seiner kolossalen Dicke nicht eindringen.

Plötzlich schnellte so ein Riesenarm auf mich zu, und wie ich erschreckt ausweichen will, verliere ich das Gleichgewicht und stürze ins Wasser.

Sofort umklammert mich das Seeungeheuer mit seinen sämtlichen Fangarmen und sucht mich zu sich hinauszuziehen. Glücklicherweise war nun wiederum ich zu dick. Mein Bauch wurde gegen das Loch gepreßt, das er völlig verstopfte, während ich den Kopf noch über Wasser halten konnte.

Meine Begleiter sprangen alsbald ins Wasser mir zu Hilfe: sie wollten mit ihren Messern die Fangarme des Polypen durchschneiden und mich so aus der erstickenden Umarmung befreien. Ich aber hatte sofort erkannt, daß uns hier der einzige Weg zur Rettung des Schiffes gewiesen war, und ich bedachte mich keinen Augenblick, mein Leben zu opfern, wenn es sein sollte, um Fahrzeug und Mannschaft zu retten.

Ich rief daher den Matrosen zu, sie sollten ihre Messer in Ruhe lassen, dagegen starke Taue an die einzelnen Glieder des Kraken binden. Sie wußten nicht recht, was das sollte, doch, gewohnt, mir blindlings zu folgen, führten sie die schwierige und nicht ungefährliche Arbeit aus.

›Nun ziehet die Leinen straff an‹, rief ich, als die Sache soweit war, ›und knüpft sie an einem Längsbalken fest, daß die Fangarme gestreckt werden!‹ Mit Hilfe einiger weiterer herbeigeeilter Mannschaften wurde dies ausgeführt und der Tintenfisch mußte mich aus der Umklammerung frei geben, als seine Glieder mit aller Gewalt angezogen und gestrafft wurden.

Halbtot fischte man mich aus dem Wasser und ich verlor das Bewußtsein, während man mich an Deck trug, wozu nicht weniger als sechs Mann erforderlich waren.

Der Polyp aber saß fest und sein weicher, kolossaler Leib war durch die strammgezogenen Seile derart in das Leck gezwängt, daß es völlig verstopft wurde und kein Tropfen Wasser mehr eindringen konnte.

Bis ich aus meiner Ohnmacht erwachte, war das Wasser schon soweit ausgepumpt, daß der Zimmermann an die beschädigte Stelle gelangen und sie kalfatern konnte, wobei gemäß dem Fortschreiten der Arbeit dem Kraken die Arme einzeln abgetrennt wurden, bis er mit Verlust seiner Glieder das Weite suchen konnte und die letzte Lücke hinter ihm vernagelt wurde. Nun war das Schiff gerettet, und meiner Leibesfülle war dies in letzter Linie zu danken; denn wäre ich so schlank gewesen, wie Sie, meine Herren, so hätte mich das widrige Scheusal mit Leichtigkeit durch das Loch hinausgezogen, ich wäre eines elenden Todes gestorben und mein Schiff mitsamt der Mannschaft wäre rettungslos zugrunde gegangen.«

»Ein Hoch auf Ihren segensreichen Körperumfang!« rief Schultze, sein Glas füllend und erhebend.

»Und auf Ihre edle Opferfreudigkeit«, fügte Flitmore hinzu, ebenfalls mit dem schmunzelnden Kapitän anstoßend und in die allgemeine Heiterkeit einstimmend.

»Das war sozusagen ein großartig zu nennendes Abenteuer«, meinte John, »aber wenn ich mir nun erlauben darf, Mylord, Sie daran zu erinnern, so haben Sie mir versprochen, zu erklären, wie man wissen kann, daß außer den leuchtenden Sonnensternen auch noch dunkle Sterne vorhanden sein dürften, trotzdem man sie nicht sehen kann.«

Flitmore gab bereitwilligst Auskunft, indem er begann: »Zunächst kann man es vermuten, denn die Fixsterne sind doch lauter leuchtende, glühende Sonnen, meist viel größer als unsre irdische Sonne. Wenn nun um diese mehrere dunkle Planeten kreisen, warum nicht auch um die Millionen andrer Sonnen im Weltraum?

Sodann unterscheidet man drei Klassen von Fixsternen je nach ihrer Lichtstärke. Die erste Klasse umfaßt die weißleuchtenden Sterne, die sich noch in höchster Glut befinden, also wohl die jüngsten sind. Zu diesen gehören Regulus im Löwen, Sirius im großen Hund, Wega in der Leier. Auch die blauen Sterne gehören hierher.

Die zweite Klasse umfaßt die gelben Sterne, ähnlich unsrer Sonne, die schon von niedererer Temperatur und Helligkeit sind. In die dritte Klasse rechnet man die rotglühenden Sterne und die orangeroten.

Zwischen diesen Klassen und in denselben gibt es aber alle möglichen Zwischenstufen und Übergänge, und manche Astronomen unterscheiden noch eine vierte Klasse der blutroten Sterne von geringer Helligkeit und eine fünfte, die nur einige wenige Sterne umfaßt, die das Spektrum des Wasserstoffs geben.

Die erste Klasse umfaßt die meisten Fixsterne, die zweite etwa die Hälfte der ersten, die dritte ungefähr den achten Teil. Daraus schließt man, daß ein Stern doppelt so lang im ersten als im zweiten Zustand bleibt und in diesem viermal so lang als im dritten. Diese Ansicht übersieht jedoch völlig, daß uns die hellsten Sterne aus einer Entfernung sichtbar sein können, aus der das Licht weniger heller Weltsonnen gar nicht mehr bis zu uns dringt, daß wir also auch so rechnen können: aus der entferntesten Region des sichtbaren Weltalls leuchten uns nur die Sterne erster Klasse, die andern sehen wir nicht; aus der mittleren Region werden uns auch die Sterne zweiter Klasse noch sichtbar und nur aus der uns nächsten Region auch noch schwächer leuchtende. Natürlich kommt dabei auch noch die Größe der Sterne in Betracht, da wir einen Stern zweiter Klasse vielleicht noch aus einer Entfernung erkennen können, aus der uns ein millionenmal kleinerer Stern erster Klasse nicht mehr zu Gesichte kommt.

Das kommt daher, daß das Licht im Raum nicht ungeschwächt vordringt, sondern mit der Entfernung zunehmend an Glanz einbüßt: der im Raum enthaltene Stoff schluckt etwas von dem ihn durcheilenden Lichte an; das nennt man Absorption. Und gerade diese Lichtabsorption, für die man verschiedene Beweise hat, gibt uns die Gewißheit, daß der Raum nicht leer ist, sondern von einem Stoff erfüllt, der Licht aufzusaugen vermag.

Es ist nun klar, daß auf eine bestimmte Entfernung hin das Licht eines Sternes schließlich völlig aufgesogen sein muß, und so nimmt man an, daß Sterne, die über 16 000 Lichtjahre von uns entfernt sind, überhaupt kein Licht mehr so weit zu bringen vermögen und uns daher ewig unsichtbar bleiben.

Was also über diese Lichtgrenze unsrer Welt hinausgeht, bleibt uns unbekannt; kein Fernrohr, und wäre es millionenmal stärker als wir sie bauen, vermöchte den Schleier zu lüften, keine photographische Platte wäre dazu imstande, und wenn sie millionenmal empfindlicher wäre als die Platten, die uns jetzt schon Sterne nachweisen, die man mit dem besten Teleskop nicht zu finden vermag.

Nun aber zurück zu den dunkeln Welten: sehen wir, daß die Fixsterne sich in den verschiedensten Stufen der Glut befinden, manche schon im Erlöschen begriffen, was liegt näher, als daß auch Millionen schon längst erloschener Weltkörper im Räume sich bewegen, die uns das schwache Licht, das sie von ihren Sonnen empfangen, nicht zu Gesicht bringen können? Dazu kommt noch unser Glaube an des Schöpfers Weisheit und Güte: sollte er Millionen Sonnen erschaffen haben ohne einen Zweck? Oder sollten sie nicht vielmehr dienen, Welten zu erleuchten und zu erwärmen, die von den Wundern Gottes überfließen, und wo lebendige Wesen sich ihres Daseins freuen?

Einige Astronomen nehmen an, daß das Weltall Tausende von Millionen Sonnen und Hunderttausende von Millionen dunkler Welten besitze und zwar solche von ungeheurer Größe. Sie glauben auch nicht, daß der Raum von drei- bis viereinhalb Lichtjahren, der unser Sonnensystem von der Fixsternwelt trennt, eine weltenleere Einöde sein könne, sondern daß einige Millionen dunkler Körper sich darin finden könnten, so große sogar, daß unser Sonnensystem sich um sie drehe. Denn nichts beweist uns, daß sich leuchtende und nichtleuchtende Weltkörper nicht auch um ein erloschenes dunkles Gestirn drehen können, sofern es groß genug ist.

Dies alles sind ja zunächst nur Vermutungen, wenn auch solche, die die größte Wahrscheinlichkeit für sich haben. Aber wir haben auch Beweise für das Vorhandensein solcher dunkler Weltkörper.

Wenn ein dunkler Trabant zwischen uns und seiner Sonne vorübergeht, so werden wir ja für gewöhnlich davon nichts merken können, weil bei der ungeheuren Entfernung die Verfinsterung allzu gering ist, sobald er wesentlich kleiner ist als seine Sonne, was wir ja gewiß als das Gewöhnliche annehmen müssen. Dennoch gibt es Fixsterne, die uns erkennen lassen, daß ein dunkler Trabant sie umkreist; das sind die sogenannten veränderlichen Sterne, aber das soll dir der Professor erklären, ich habe es nicht so im Kopf.«

»Gerne!« erklärte Schultze bereitwillig. »Veränderliche Sterne heißt man diejenigen, deren Helligkeit zu Zeiten abnimmt, um dann aber wieder zuzunehmen. Man unterscheidet da den Miratypus, den Lyratypus und den Algoltypus.«

»Oh, wie fein das klingt!« unterbrach John: »Miratyphus, Liratyphus und Alkoholtyphus.«

Das herzliche Gelächter, das seine Repetition der melodischen Namen erweckte, nahm er gewohntermaßen nicht übel.

Der Professor aber machte weiter: »Der Stern Mira, das heißt ›Der Wunderbare‹ im Walfisch strahlt gelegentlich als Stern erster oder zweiter Größe, aber nur wenige Wochen lang. 70 Tage später ist er schon so lichtschwach, daß er nur noch im Fernrohr sichtbar ist, noch weiter an Glanz abnehmend. Späterhin nimmt sein Licht wieder zu und zwar viel rascher, als es zuvor abgenommen. Nachdem er dem bloßen Auge wieder sichtbar geworden, erreicht er in 40 Tagen seinen höchsten Glanz. Diese Perioden dauern durchschnittlich 333 Tage von einem Höhepunkt zum andern, sind aber nicht ganz regelmäßig, auch der Glanz des Sterns erreicht nicht immer die gleiche Höhe.

Man nimmt daher an, Mira sei eine erlöschende Sonne, die sich wie unsre Sonne periodisch mit vielen Flecken überzieht, nur noch mit viel mehr. Wenn unsre Sonne einmal so weit kommt, muß alles Leben auf Erden zu Grunde gehen. Auch die Spektralanalyse beweist die Ähnlichkeit dieses Wundersterns mit der Sonne.

Heute kennt man Hunderte von veränderlichen Sternen vom Miratypus, die meist in Perioden von 300 bis 400 Tagen ihr Licht wechseln. Manche aber sind völlig unregelmäßig, bleiben jahrelang unveränderlich oder leuchten binnen weniger Stunden mit großer Schnelligkeit hell auf. Das scheint auf gewaltige Umwälzungen hinzuweisen, die sich dort abspielen.

Der Stern Beta in der Leier zeigt den sogenannten Lyratypus; der Lichtwechsel geht ziemlich pünktlich vor sich, seine Stärke aber nimmt nicht gleichmäßig zu, sondern geht zwischenhinein wieder herunter. Man nimmt an, daß wir es hier mit halberstarrten Sonnen zu tun haben, die uns abwechselnd ihre erkalteten und ihre unregelmäßig verteilten glutflüssigen Oberflächenteile zuwenden.

Zwischen diesen beiden Typen gibt es noch allerlei merkwürdige Abweichungen, wie zum Beispiel der besonders wundersame Stern S im Schwan, der 2 Monate lang unverändert bleibt, dann rasch um das 12 bis 14fache an Glanz zunimmt, einmal 5, das andremal 10 Tage lang so hell bleibt, um darauf nach einer Woche wieder so schwach zu leuchten wie zuvor. Aber das geschieht nicht regelmäßig, sondern öfters zeigt er wieder andre Perioden.

Ein andrer Stern wechselt in der fabelhaft kurzen Periode von 4 Stunden und 13 Sekunden, was darauf hindeutet, daß er sich in dieser Zeit um seine Achse dreht oder von einem andern Stern mit solch ungeheurer Geschwindigkeit umkreist wird.

Dies führt uns zur dritten Klasse der veränderlichen Sterne, derer vom Algoltypus. Diese zeigen ein rein weißes Licht, können also keine erlöschenden Sonnen sein, auch sind ihre Perioden von genauester Pünktlichkeit.

Algol im Perseus bleibt 2½ Tage unverändert als Stern zweiter Größe gleich dem Polarstern; dann nimmt seine Leuchtkraft erst langsam, dann immer schneller ab; nach 4½ Stunden ist er nur noch ein Sternchen dritter bis vierter Größe, nimmt aber sofort wieder zu und ist nach weiteren 4½ Stunden so hell wie zuvor.

Hiefür gibt es nur eine Erklärung: Algol wird uns verfinstert durch einen dunklen Weltkörper, der ihn in 2 Tagen, 20 Stunden, 48 Minuten und 55 Sekunden umläuft, denn so viel beträgt die Periode.

Dieser dunkle Begleiter muß seiner Sonne sehr nahe sein und beinahe so groß wie sie, sonst könnte er uns, wie schon gesagt, seine Sonne auf solch ungeheure Entfernung hin nicht verfinstern; natürlich muß auch seine Bahn unsere Gesichtslinie kreuzen, daher ist es erklärlich, daß man nur etwa 20 veränderliche Sterne vom Algoltypus kennt. Bei allen sind die Perioden sehr kurz, zwischen 20 Stunden und 9½ Tagen.

Störungen weisen darauf hin, daß Algol mehr als einen Trabanten hat, und wir dürfen hier ganze Sonnensysteme vermuten, aber auch dort, wo kein dunkler Begleiter sich uns durch seine Größe und geringe Entfernung von seiner Fixsternsonne verrät.

Schließlich verrät uns auch das Spektroskop dunkle Trabanten der Fixsterne dadurch, daß die Linien ihres Spektrums genau innerhalb der Lichtwechselperiode sich verschieben.«

»Aus alledem«, sagte Flitmore, »siehst du, daß dunkle und wohl auch bewohnbare Weltkörper zur Genüge vorhanden sein müssen. Gott gebe nur, daß wir zu rechter Zeit einen solchen auffinden und glücklich dort zu landen vermögen.«

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