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Friedrich Wilhelm Mader: Wunderwelten - Kapitel 29
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Wilhelm Mader
titleWunderwelten
publisherWilhelm Heyne Verlag
year1987
isbn3-453-31374-7
firstpub1911
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160122
projectid4fe9a05f
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26. Ein Kampf um die Sannah

Der Genuß der aromatischen Beeren, die übrigens mit den leuchtenden Früchten der Tipekitanga nicht wetteifern konnten, wurde durch die zahlreichen widerlichen und recht gefährlichen Geschöpfe beeinträchtigt, die den sonderbaren Wald bevölkerten.

Aber noch etwas andres zwang unsre Freunde zu schleunigster Umkehr.

Das war ein wütender Orkan, der sich ganz unvermittelt erhob und unter dessen Gewalt sich die Krautbäume und Stauden bis zum Boden neigten und so das Weiterkommen beinahe unmöglich machten, ja die Wandrer in Gefahr brachten, niedergeschmettert und erdrückt zu werden.

Das Getier flüchtete sich zum Teil in Erdlöcher, die zahlreich vorhanden waren und der Tätigkeit der Rieseninsekten selber zuzuschreiben sein mochten, zum Teil rettete es sich auf die Wipfel, in denen es sich festkrallte, während der Sturm über sie wegsauste, daß alles wogte, wie ein Meer.

Der Rückzug war schwierig und nicht ungefährlich, und obgleich man gar nicht weit in den Wald eingedrungen war, dauerte es doch lange, bis man ihm wieder entrann; denn mit größter Vorsicht und unter vielen Umwegen mußte denjenigen Pflanzen ausgewichen werden, die sich so rief neigten, daß sie buchstäblich den Boden peitschten.

So furchtbar der Sturm wütete, so knickten doch nur ganz wenige Stengel ein, so elastisch paßte sich diese zyklopische Pflanzenwelt den Verhältnissen an.

Endlich war der Saum des Graswäldchens erreicht, und aufatmend traten unsere Freunde auf die kleine Lichtung hinaus, auf welcher die Sannah vor ihren Blicken emporragte.

Sie gedachten, sofort im Innern des Fahrzeugs Schutz vor dem Orkane zu suchen, der jetzt einen feinen, alle Kleider durchdringenden Sprühregen niederwehte. Dieser Sprühregen, so fein verteilt er war, erfüllte doch die Luft mit einem undurchdringlichen Nebel, so daß es noch vor Sonnenuntergang ziemlich düster wurde und man den Eingang ins Nordpolzimmer zu halber Höhe der Sannah, also 22½ Meter hoch, nicht mehr erblicken konnte.

Der Schimpanse Bobs, als der gelenkigste und zugleich naseweiseste und rücksichtsloseste der ganzen Gesellschaft, turnte als erster an der Strickleiter empor und war schon im Nebel verschwunden, ehe die andern noch zur Stelle waren.

Bald vernahm man aus den verschleierten Höhen ein wütendes Gekreisch.

»Hollah! Dort oben scheint nicht alles in Ordnung zu sein«, rief Flitmore: »Es war auch ein unverantwortlicher Leichtsinn von mir, unsre Sannah ohne männlichen Schutz in der Einsamkeit eines fremden Planeten zurückzulassen.«

Gleich darauf kollerte ein großer, doch offenbar nicht besonders schwerer Körper an der Strickleiter herab.

»Aha! Da hat sich scheint's ein solch scheußlicher Saturnkäfer dort oben unnütz gemacht«, sagte der Kapitän: »Nun, Bobs hat ihm das Unverschämte seines Verhaltens gründlich klar gemacht und ihm den Kopf abgerissen, daß er nur noch lose mit dem widerlichen Leibe zusammenhängt.«

»Nennen Sie diese Geschöpfe nicht scheußlich und widerlich«, schalt der Professor: »Sie sind hochinteressant!« und er betrachtete liebevoll mit wissenschaftlichen Augen den Mistkäfer, der zu seinen Füßen lag, denn einem solchen war das Tier von der Größe eines Kalbes am ehesten vergleichbar.

Das Gekreisch des Affen hörte inzwischen nicht auf und bald sah man Bobs mit kläglicher Miene und blutenden Armen in eiliger Flucht sich an der Strickleiter herabschwingen.

»Oho! Da haben Sie's, Professor!« rief Münchhausen. »Von Ihren hochinteressanten Tieren haben sich scheint's noch mehrere in der Sannah eingenistet! Ich schlage vor, daß Sie sich sofort hinaufbegeben, da Sie den Geschöpfen so zärtliche Gefühle entgegenbringen. Da können Sie Studien machen, ganz ungestört; denn wir werden Ihnen erst folgen, wenn Sie damit zu Ende sind und die Einbrecher als unschädliche Präparate Ihrer Käfersammlung einverleibt haben.«

Schultze machte ein langes Gesicht. Ne! Da traute er sich nicht hinauf, obgleich er nichts sehen konnte als Nebel, da er emporschaute. Aber wenn Bobs sich in die Flucht schlagen ließ, dann war die Sache nicht geheuer.

»Richten wir die Zelte wieder auf, der Sturm läßt nach!« sagte Flitmore trocken. Der Orkan hatte sämtliche Zelte umgerissen.

»Das heißt, wir sollen die Sannah zunächst ihrem Schicksal überlassen?« fragte Heinz.

»Es hat keinen Zweck, sich in diesem Nebel bei sinkender Nacht in eine unbekannte Gefahr einzulassen und den Kampf mit wütenden Ungeheuern aufzunehmen«, erwiderte der Lord achselzuckend.

»Aber gegen diesen Sprühregen schützen keine Zeltwände noch Decken«, gab der Kapitän zu bedenken: »Wir sind schon bis auf die Haut durchnäßt und Lady Flitmore könnte sich bei dieser Gelegenheit eine gefährliche Bronchitis zuziehen.«

»Wissen Sie denn überhaupt, ob es auf dem Saturn Krankheitsbazillen, speziell Schnupfenbazillen gibt?« warf Schultze ein.

»Pah! Erkälten kann man sich überall«, behauptete Münchhausen, »und davor schützt einen ein trockenes Lager, nicht aber eine gelehrte Bazillentheorie. Ich meinesteils, als alter Seebär, kann Nässe und kalte Luft vertragen. Mir ist es nur um Sie und namentlich die zarte Lady.«

»Zarte Lady!« lachte Mietje: »Haben Sie mich in Afrika als Wachspuppe kennengelernt, daß Sie meinen mich in Watte wickeln zu müssen?«

»Das nicht, aber damals waren Sie ein Burenmädchen, jetzt sind Sie eine englische Schloßherrin.«

»Doch nicht verweichlichter als damals: mein Burenblut konnte England mir nicht rauben.«

»Dieses Zeugnis kann ich meiner Gattin ausstellen«, bestätigte Flitmore: »Sorgen Sie sich nicht um sie.«

»Allein«, beharrte Münchhausen, dem auch das nasse Lager trotz seiner Seebärennatur, mit der er sich brüstete, höchst unsympathisch erschien: »Allein, da der Professor doch einmal die Bazillenfrage aufwarf, wer kann wissen, ob der Saturn nicht viel gefährlichere Bazillen beherbergt als die Erde? Vielleicht auch ganz riesige!«

»Beruhigen Sie sich«, sagte Heinz plötzlich, »ich werde das Abenteuer wagen und hoffe das Ungeziefer dort oben auszurotten.«

»Seien Sie nicht tollkühn, junger Mann«, warnte der Lord: »Es hat keinen Zweck. Warten wir bis morgen, bis wir die Sachlage übersehen können; auch ist zu erwarten, daß die Käfer dann freiwillig den Rückzug antreten, schon um nach Nahrung zu suchen; denn im Nordpolzimmer finden sie nichts, und die Zwischentüren zu öffnen wird ihnen doch nicht gelingen.«

»Ja, lassen Sie's bleiben, junger Freund«, mahnte nun auch Schultze: »Bobs wäre nicht geflohen, wenn die Übermacht nicht zu groß wäre.«

»Ich habe meinen Plan, bei dem ich nichts riskiere«, entgegnete Heinz. »Tollkühnheit ist mir fremd; sehe ich, daß Gefahr für mich besteht, so kehre ich um.«

»Na, na!« drohte Münchhausen: »In Australien haben Sie mehr als einmal gezeigt, daß Sie keine Todesgefahr scheuen: ich traue Ihrer Vorsicht nicht so ganz.«

»Lassen Sie mich nur machen«, rief Heinz von der Strickleiter herab, an der er bereits gewandt wie eine Katze emporklomm, um weitere Erörterungen abzuschneiden.

Ihm folgte der Schimpanse Dick, der eine besondere Freundschaft mit dem jungen Mann geschlossen hatte, welcher sich stets gerne und fürsorglich mit dem Affen abgab.

Aber auch John kletterte empor, indem er Heinz nachrief: »Ich gestatte mir mit meiner Wenigkeit auch unbedingt Ihre Nachfolge anzutreten, indem daß wir zu dritt berechnungsweise mehr auszurichten imstande sein dürften, als wenn Sie mit Dick allein eine Schlacht inokulieren wollten.« Das sollte nämlich »inaugurieren« heißen, was John als einen vornehmeren Ausdruck für das schlichte deutsche Wort »beginnen« erkannt hatte.

Heinz erreichte die schwarz gähnende Öffnung des Nordpolzimmers. Es war völlig Nacht geworden und man konnte nichts im Innern des Raumes erkennen, wohl aber hörte man ein Durcheinanderkrabbeln, Knarren und Zirpen, das bekundete, daß da drinnen eine ganze Anzahl ungebetener Gäste sich eingenistet hatte und es nicht geraten gewesen wäre, sich in Nacht und Finsternis in ihre Nähe zu wagen.

Dies hatte er auch vorerst nicht im Sinn; vielmehr ergriff er nun eine der Rampen, die das Weltschiff gleich Meridianen in seinem ganzen Umfang umgaben und sich in seinen Scheitelpunkten kreuzten.

Das Emporsteigen an der Rampe auf der glatten, gewölbten Oberfläche der Kugel war für einen Menschen nicht ungefährlich; allein die Dunkelheit, die jedes Gefühl des Schwindels ausschloß, begünstigte das Wagnis und Heinz war ein gewandter Turner. Auch John Rieger fand keine unüberwindliche Schwierigkeit in der Kletterei, Dick, der Affe, vollends nicht: dem war es ein Spaß.

So langten denn alle drei wohlbehalten oben an, wo sie in einer Höhe von 45 Metern über dem Saturnboden auf dem höchsten Punkte der Sannah standen, also über deren Zenitzimmer.

Tastend fand Heinz den elektrischen Drücker zu seinen Füßen, der die Öffnung der Luke von außen ermöglichte und nun stiegen sie auf der hier mündenden Leitertreppe in den dunklen Raum hinab, die Luke hinter sich wieder schließend.

Zunächst drehte Heinz das elektrische Licht auf und sagte zu John: »Vor allem nehmen wir jeder einen der Gummistühle mit, das sollen treffliche Schutzschilde gegen die Zangen und Kiefer der Unholde sein.«

»Aber dann dürfte mit Verlaub das Schießen darunter notleidend werden«, gab der Diener zu bedenken. »Insofern zum wenigsten ich meinesteils das Schießen mit einem einzigen gebrauchsfähigen Arm fertigzubringen der unumgänglichen Fähigkeit entbehre.«

»Wir schießen auch nur im äußersten Notfall, Freund. Es ist so eine Sache, mit einem weittragenden Gewehr in einem geschlossenen Raum zu schießen; wenn auch die Kugeln angesichts der dicken Kautschukpolster an den Wänden nicht zurückprallen dürften, so könnten wir doch Beschädigungen und Verwüstungen anrichten, die wir besser vermeiden.«

»Aber da wären doch sozusagen Revolver im Waffenschrank, der sich dahier befindet.«

»Ausgezeichnet! Mit denen können wir das Schießen eher wagen. Stecken wir uns jeder solch ein Ding in den Gürtel; aber zuvor laden! Und jetzt, unsre Hauptwaffe muß ein Hirschfänger sein; den nehmen wir in die rechte Hand.«

»Ich würde mit Ihrer gütigsten Gestattung, sofern Sie nichts Wesentliches dagegen einzuwenden haben sollten, das Dolchmesser lieber auch in den Gürtel zu stecken vorziehen und diese Tomashacke, das indianische Beil, zur Hand nehmen, da allerlei praktische Waffengerätschaften aus aller Herren Ländern in diesem Kasten sich in Vereinigung befinden, indem daß ich mit dem Beilhieb besser umzugehen vermag als mit dem Dolchstoß.«

»Wie du willst, John, und den Revolver gebrauchen wir nur im Notfall; mit dem wirst du wohl einhändig schießen können?«

»Dieses zu bejahen werde ich mir wohl schmeicheln dürfen, indem daß ich andernfalls mich als einen ganz besonderen Tollpatsch ausweisen würde.«

»Also! Jetzt in den Gang nach dem Nordpolzimmer! Ich gehe voran, Dick folgt mir und du schließt die Türe, nachdem du das Licht ausgedreht hast; inzwischen erleuchte ich den Korridor. Wenn wir in das Nordpolzimmer kommen, mache ich zuerst Licht dort: das wird die Biester zunächst so blenden und verblüffen, daß sie uns nicht gleich angreifen werden.«

Ehe Heinz die Türe öffnete, die vom Gang in das Nordpolzimmer führte, löschte er das elektrische Licht im ersteren, so daß alles dunkel war, als er den Raum betrat. Dies tat er vorsichtig, sich hinter dem Gummisessel deckend und daran hatte er gut getan; denn hart an der Türe stand ein Tier, das er erst fortdrängen mußte. Hiezu galt es alle Kraft einzusetzen, denn der Sechsfüßler sperrte sich gewaltig.

Jetzt drehte der junge Held das elektrische Licht auf und zwar alle Lampen rasch nacheinander, so daß blendende Helligkeit den Raum überflutete.

Rasch übersah er die Sachlage. Ein Dutzend Panzerkäfer von der Größe halbwüchsiger Kälber hatte sich in der Stube eingenistet; außer ihnen befanden sich aber auch vier mächtige Asseln im Zimmer, die Heinz wegen ihrer Gelenkigkeit und Behendigkeit mehr Sorge machten als die Käfer mit ihren Zangen und Kiefern.

Dick gab das Zeichen zum Angriff: beherzt sprang er hervor und setzte sich auf den Rücken einer Assel, die sich unter seinen würgenden Griffen und reißenden Nägeln und beißenden Zähnen krümmte und wand, ohne ihm jedoch beikommen zu können: der Schimpanse machte ihr rasch den Garaus.

Die Käfer standen, wie Heinz richtig vermutet hatte, zunächst geblendet und regten sich nicht. Wie abwehrend stemmten sie die Vorderbeine und sperrten die Kiefer auf.

»Jetzt drauf!« kommandierte der junge Mann und stürzte auf den nächsten Feind los, ihm den Hirschfänger zwischen die Halsplatten stoßend.

John schwang indessen sein Tomahawk oder seine Tomashacke, wie er sich ausdrückte; er hatte den Schild, der ihn behinderte, weggeworfen und spaltete zunächst einer Assel den weichen Kopf, während Dick, der den Kampf mit den Asseln einem Angriff auf die panzergeschützten Käfer vorzuziehen schien, soeben die dritte zu zerfetzen begann.

Es schien eine völlig gefahrlose Schlacht zu geben, denn schon waren acht der Ungeheuer kampfunfähig gemacht und ein neuntes war zur Luke hinaus entwichen, ohne daß die Helden mehr als ein paar Quetschungen davongetragen hatten. Außerdem lagen drei Asseln tot und die vierte war nicht mehr zu sehen.

»Nur noch drei Feinde!« jubelte Heinz: »Der Sieg ist unser!«

Allein er frohlockte zu früh, gerade diese letzten Gegner sollten noch schwere Arbeit machen; ihre Augen hatten sich an das Licht gewöhnt und sie waren auf der Hut.

Mit dem einen befand sich Dick in verzweifeltem Kampf. Der Kerl war auf den Rücken gefallen, aber mit den kräftigen Zangen seiner sechs zappelnden Beine hielt er den Affen fest, kneipte und zwickte den laut kreischenden Vierhänder und schnappte mit den Kiefern nach ihm. Vergeblich suchte der Schimpanse, loszukommen; hätte er sich befreien können, er hätte nur noch an den Rückzug gedacht, wie zuvor Bobs. Er biß wütend um sich und zerbrach mit den Vorderhänden dem Scheusal zwei Beine, aber von hinten wurde er im Schraubstock festgehalten.

Der zweite Käfer war zum Angriff auf Heinz übergegangen. Dieser hatte sich in seiner Siegesgewißheit dessen nicht versehen und alle Vorsicht außer acht gelassen; er hatte bisher so leichtes Spiel gehabt.

Unglücklicherweise umfaßten die Kiefer des Angreifers gerade seinen Hals: sie waren wohl nicht imstande, ihn zu durchbeißen, wohl aber, ihn derart zusammenzupressen, daß der Ärmste erwürgt würde. »John, John, zu Hilfe!« konnte er nur noch mit erstickter Stimme stöhnen, dann entfiel ihm der Hirschfänger, mit dem er seinem Gegner einen schwachen Stich versetzt hatte.

Aber John war außerstande, Hilfe zu bringen: auch er befand sich in einer ekligen, wenn auch zunächst nicht lebensgefährlichen Klemme. Am rechten Arm gepackt konnte er sein mörderisches Beil nicht mehr gebrauchen und tastete mit der Linken krampfhaft nach dem Revolver in seinem Gürtel.

In diesem Augenblick höchster Not erschien Flitmore in der Luke, gefolgt von Schultze. Die Sorge um Heinz und John hatte ihnen keine Ruhe gelassen. Im Emporklettern wäre es übrigens dem Lord beinahe schlimm ergangen, denn er stieß mit dem flüchtenden Käferriesen zusammen, der ihn fast zu Fall brachte; doch gelang es ihm, das Tier hinunterzustürzen.

Ein Blick zeigte ihm nun, daß die Hauptarbeit getan war, daß aber auch Heinz in dringendster Lebensgefahr schwebte. Er eilte, den Mörder zu köpfen und dann die Zangen des abgetrennten Kopfes gewaltsam von seines jungen Freundes Hals zu lösen. Nun stellte er Wiederbelebungsversuche an dem Ohnmächtigen an.

Indessen war es John gelungen, durch einige Revolverschüsse auch seinem Feinde das Lebenslicht auszublasen und dann mit Mühe seinen Arm aus der Klemme zu befreien.

Der Professor war inzwischen dem Affen zu Hilfe gekommen, der schleunigst den unheimlichen Ort verließ, obgleich die Gefahr nun vorüber war.

Und doch! Sie war es noch nicht ganz: auf einmal erscholl ein Schrei des Entsetzens aus Schultzes Munde.

Die vierte der Asseln, die verschwunden schien, war nur an der Wand hinaufgekrochen und stürzte plötzlich von der Decke herab auf den Professor; nicht aus böswilliger Absicht – sie hatte einfach den Halt verloren.

Aber was tat dies zur Sache? Der unglückselige Gelehrte fühlte sich von einem dicken, ringelnden Leib umwunden, von zahllosen, kribbelnden Füßen umfaßt und wähnte sein letztes Stündlein gekommen.

Nun aber kamen John und Flitmore gleichzeitig herbei und machten das letzte der Scheusale bald unschädlich, dessen zerstückelter Leib sich, mit den enggereihten Beinen zappelnd, am Boden krümmte.

Heinz war wieder zur Besinnung gekommen und griff sich an den Hals; er hatte das Gefühl, als presse eine furchtbare Zange ihn immer noch zusammen. Da war aber nichts mehr vorhanden, nur die Nachwehen des Drucks hatten ihm dies vorgetäuscht. Bald atmete er auch wieder leichter und konnte sich allmählich erheben.

Da trat Mietje mit gezücktem Dolch durch die Außentüre ein: sie fand zum Glück keine Arbeit mehr für ihre Waffe. Hinter ihr tauchte Münchhausen pustend und schweißtriefend auf, so hastig war er emporgeklettert, um den Freunden auch seinerseits Beistand zu leisten.

»Nanu, da komme ich ja wohl zu spät«, keuchte er: »Schade, schade, daß sich niemand in Lebensgefahr befindet, es wäre mir ein Vergnügen und eine Ehre gewesen, ihn zu retten.«

»Sie haben jetzt das Recht zu scherzen«, sagte der Lord, »aber unserm heldenmütigen Freund, Heinz Friedung, ging es diesmal buchstäblich an den Kragen und um ein Haar, so wäre es um ihn geschehen gewesen.«

»Wahrhaftig! Sie sind ja ganz blau im Gesicht«, wandte sich der Kapitän mit lebhafter Teilnahme an den Geretteten, »und Ihr Hals zeigt Strangulationsspuren. Wir müssen Ihnen schleunigst einen Grog brauen!«

Die Tierleichen wurden jetzt hinausgeworfen und möglichst alle die widerlichen Spuren des Kampfes entfernt; dann holte John die Zelte herein und auch die Affen trauten sich wieder in die Sannah und halfen beim Transport.

Die Kämpfer aber wuschen sich und zogen sich um, worauf im Zenitzimmer, fern vom Schlachtfeld, das Nachtmahl eingenommen wurde.

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