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Friedrich Wilhelm Mader: Wunderwelten - Kapitel 22
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Wilhelm Mader
titleWunderwelten
publisherWilhelm Heyne Verlag
year1987
isbn3-453-31374-7
firstpub1911
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160122
projectid4fe9a05f
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19. Der Komet

Noch einige Stunden ergingen sich unsre Freunde im Tageslicht auf der paradiesischen Tipekitanga. Sie kosteten nun auch die leuchtenden Früchte, nachdem das Beispiel der Affen, die ganze Massen davon mit Gier vertilgten, sie versichert hatte, daß keine Gefahr dabei sei.

Diese Früchte erwiesen sich nicht bloß als erfrischend und saftig, von köstlichem und sehr verschiedenem Wohlgeschmack, sondern es schien eine eigentümliche, stärkende und belebende Kraft von ihnen auszugehen: nach ihrem Genuß fühlte man sich in äußerst gehobener Stimmung, eine nie gekannte Lebensfreudigkeit beseeligte die Gemüter und neue Kräfte schienen die Adern zu schwellen.

Selbst Münchhausen rühmte: »Ich fühle mich so frisch und leicht, als sei meine ganze Körperlast geschwunden und ich könnte mich als ätherisches Wesen in die Lüfte erheben.«

Alle mußten lachen, wenn sie die Masse des Kapitäns betrachteten und dabei hörten, daß er sich mit einem ätherischen Wesen verglich.

»Na, einen Luftballon könnten Sie ja immerhin vorstellen«, meinte Schultze: »Tun Sie Ihren Gefühlen keinen Zwang an und schweben Sie immer mal empor, wir alle freuen uns auf den köstlichen Anblick.«

Mit dem Schweben des Dicken hatte es aber noch gute Wege. Von den herrlichen Früchten wurden reiche Vorräte in die Sannah geschafft, obgleich man nicht wissen konnte, wie lange sie sich halten würden.

Inzwischen waren die kurzen Tagesstunden verflogen und die Wiesen und Fluren leuchteten wieder in ihrem vollen Zauber.

Am Himmel aber stieg ein strahlender Komet auf, den zuvor niemand beobachtet hatte.

»Er weist uns den Weg zur Weiterfahrt!« sagte Flitmore.

Alle begaben sich wieder in das Weltschiff, der Strom wurde eingeschaltet und der bunte Glanz unter ihnen floß zusammen in einem milden Schimmer. Allmählich wurde die Tipekitanga wieder der still leuchtende Stern, wie sie ihn zuerst erblickt hatten und flog auf ihrer Bahn vor aller Augen davon in die dämmernden Fernen.

Um so prächtiger strahlte der neue Komet, dem sich jetzt die allgemeine Aufmerksamkeit ungeteilt zuwendete.

John Rieger, der gebildete Schwabensohn, wandte sich wieder einmal an den Professor in seinem unstillbaren Durst nach Aufklärung. Bei ihm hieß es auch: »Zwar weiß ich viel, doch möcht' ich alles wissen.« Und so begann er denn in seiner gewählten Sprechweise:

»Hochwertester Herr Professor, falls es Ihnen nicht zu geringwertig erscheinen dürfte, möchte ich Sie mit Vergnügen ersuchen, ob Sie nicht geneigt sein wollten, mir einen wissenschaftlichen Vortrag zu halten, wie Sie es so vorzüglich verstehen, über einige Punkte der asternomischen Wissenschaft, in denen ich mich noch sozusagen in verhältnismäßiger Unwissenheit befinde.«

»Wenn ich dir dienen kann, teuerster Sohn, so bin ich stets bereit«, erwiderte Schultze: »Laß hören, was für einen Gegenstand du erläutert haben möchtest.«

»Nichts andres, als eben die Kometen, was nämlich eigentlich solch ein Haarstern von Natur ist und wo er her kommen tut und warum er überhaupt einen Schwanz hat?«

»Ja, lieber Freund, das sind zum Teil verfängliche Fragen: so ganz Gewisses weiß man ja darüber überhaupt nicht und die Gelehrten sind noch lange nicht einig; doch will ich dir gerne kund tun, wie es mit all dem nach dem heutigen Stande der Wissenschaft steht.

Wo die Kometen herkommen, ist verhältnismäßig am einfachsten zu beantworten: einige gehören unserem Sonnensystem an und kehren regelmäßig wieder, das sind etwa 6000 Stück, von denen allerdings die wenigsten mit bloßem Auge sichtbar sind. Sie haben eine elliptische Bahn; aber während die Ellipse, welche die Planeten um die Sonne beschreiben, beinahe ein Kreis ist, gleicht die Bahn der Kometen einer Parabel: sie verläuft fast geradlinig bis an ihr Ende, das heißt bis zur Stelle, wo der Komet sich wendet, um wieder an seinen Ausgangspunkt zurückzukehren. Die Umlaufzeit dieser Kometen ist zum Teil sehr kurz, sie können alle drei bis sechs Jahre wiederkehren; sie kann aber auch sehr lang sein wie beim donatischen Komet, wo sie 1900 oder beim großen Komet von 1881, wo sie gar 3000 Jahre beträgt.

Die Kometen mit kurzer Umlaufzeit sind meist nur mit dem Fernrohr zu sehen, was daher kommen mag, daß sie durch ihre häufige Annäherung an die Sonne immer mehr aufgelöst und somit immer lichtschwächer werden.

Nun gibt es aber auch Kometen, die aus unermeßlichen oder gar unendlichen Fernen kommen, gleichsam Boten aus der Fixsternwelt; das sind diejenigen, deren Bahn eine Parabel oder einen Hyperbelast beschreibt und sich daher ins Unendliche erstreckt. Die Parabelbahnkometen kehren in die Gegend zurück, aus der sie gekommen sind, die Hyperbelbahnkometen in andre Himmelsgegenden. Bei der Annäherung an die Sonne krümmen sie ihre Bahn sehr stark infolge der Sonnenanziehung, wenden sich um die Sonne herum und entschwinden dann wieder auf Nimmerwiedersehen aus unserm Sonnensystem.

Doch eben die Anziehungskraft der Sonne oder auch eines Planeten, namentlich des gewaltigen Jupiter, kann einen derart störenden Einfluß auf die Bahn solcher Kometen ausüben, daß sie aus einer parabolischen oder hyperbolischen zu einer elliptischen wird. Dann hat unser Sonnensystem den Weltenbummler sozusagen eingefangen und er muß nun immer wiederkehren in regelmäßiger Umlaufzeit.

Aber auch umgekehrt kann die elliptische Bahn eines Kometen in eine parabolische und hyperbolische verwandelt werden und dann ist er für uns verloren. So ist zum Beispiel der Lexellsche Komet, der 1770 von Messier entdeckt wurde, in eine schlimme Balgerei mit dem Jupiter geraten, dem er allzunahe kam. Lexell berechnete seine Umlaufzeit zu 5½ Jahren; auch stellte es sich heraus, daß dieser Komet erst 1667 durch eben den Jupiter für unser Sonnensystem eingefangen worden war.

Im Jahre 1779 näherte sich der Frechling wiederum dem Jupiter und entblödete sich nicht, sogar zwischen dessen Monden hindurchzugehen. Der mit Recht entrüstete Planet warf den Eindringling zum zweitenmal aus seiner Bahn, so daß er nun eine Umlaufzeit von 27 Jahren hatte.

Im Frühjahr 1886 machte der Lexellkomet einen neuen Annäherungsversuch und hielt sich volle acht Monate in der Nähe des großen Planeten auf. Hiedurch wurde seine Bahn wiederum verändert und er erhielt eine Umlaufzeit von sieben Jahren. So wurde er 1889 wieder sichtbar: aber es läßt sich vorausberechnen, daß der unverschämte Geselle den Jupiter nicht in Ruhe läßt, bis diesem die Geduld reißt und er ihn endgültig aus unserm Sonnensystem hinausschmeißt wegen wiederholten Hausfriedensbruches.

Über die Bahnen der Kometen ist noch zu sagen, daß sie nicht wie die der Planeten nur mäßig gegen die Erdbahn geneigt sind, sondern die verschiedensten Neigungswinkel aufweisen. Bei einem Neigungswinkel von 0 bis 90 Grad zur Erdbahn ist der Komet rechtläufig, das heißt er bewegt sich in gleicher Richtung wie die Erde um die Sonne. Beträgt aber die Neigung 90 bis 180 Grad, so bewegt er sich in entgegengesetzter Richtung zur Erde und wird ›rückläufig‹ genannt.«

»Ja, aber wie ist es mit den Schweifverhältnissen?« fragte der wißbegierige John weiter.

»Ja so! Von Hause aus haben die Kometen keinen Schweif und sind sehr lichtschwach, obgleich sie zweifellos eigenes Licht ausstrahlen. Erst wenn sie sich unsrer Sonne nähern, leuchten sie immer heller auf und senden eine oder mehrere, oft pendelartig schwingende Ausstrahlungen der Sonne zu, die sich unter starker Verbreiterung zurückbiegen und den Kometenkern mit einer strahligen Nebelmasse umhüllen, die man ›Koma‹ nennt.

Die umgebogenen Ausstrahlungen setzen sich fort in dem der Sonne stets abgewendeten Schweif, der allein dem bloßen Auge sichtbar ist und oft eine Länge von vielen Millionen Kilometern erreicht. Bei der Sonnennähe oder kurz darauf erreicht er seine größte Länge und Helligkeit. Je mehr sich der Komet von der Sonne entfernt, desto schwächer und kürzer wird sein Schweif, bis er samt Koma und Ausstrahlungen verschwindet und nur noch eine matte, runde Nebelmasse, ein leichtes Wölkchen übrig bleibt, wie vor der Annäherung an die Sonne.

Kometen, die der Sonne nicht nahe kommen, bilden nur eine runde oder auch unförmliche Nebelmasse, matt und verwaschen, ohne Schweifbildung.

Bis jetzt ist noch kein Komet beobachtet worden, dessen Perihel oder Sonnennähepunkt weiter als die Jupiterbahn von der Erde entfernt wäre; das beweist nicht, daß es nicht auch solche gibt, sondern nur, daß sie uns nicht sichtbar werden wegen allzu geringer Leuchtkraft.

Manche Kometen entwickeln mehrere mehr oder wenig gekrümmte Schweife. So breitete der Komet von 1744 sechs fächerförmige Schweife aus; er war so hell, daß man ihn mit bloßem Auge zur Mittagszeit in der Nähe der Sonne sehen konnte.«

John war noch nicht befriedigt und fragte weiter: »Wieso aber eigentlich, falls doch die Kometen von Natur aus schweiflos sind, wächst ihnen ein solcher, wenn sie zur Sonne gelangen?«

»Das macht die anziehende Kraft der Sonne, mein Bester. Allerdings begreift man noch nicht zur Genüge, warum die Ausstrahlungen, die anfangs der Sonne zustreben, zurückgebogen werden und so den der Sonne abgewendeten Schweif bilden, dessen Krümmung abhängt von dem Verhältnis der abstoßenden Kraft zur Bahngeschwindigkeit des Kometen. Vielfach wird angenommen, das Sonnenlicht übe diese abstoßende Wirkung aus, andre denken an elektrische Erscheinungen. Es können da viele Kräfte wirksam sein, die wir noch nicht kennen. Wenn sich zum Beispiel der Schweif in mehrere auseinandergehende Büschel spaltet, scheinen schwächere, seitlich wirkende Kräfte wirksam zu sein. Man beobachtet zuweilen auch im Schweif eine wolkenähnliche Verdichtung, die selber wie ein kleiner Komet aussieht, der ebenfalls eine Mähne besitzt. Auch plötzliche Lichtausbrüche kommen vor, seltener eine plötzliche Lichtabnahme.«

»Meine Fliehkraft erklärt alles«, warf der Lord ein. »Die vom Kometen ausgestoßenen Stoffe sind mit Zentrifugalkraft geladen und werden daher von der Sonne abgestoßen.«

»Mag sein!« sagte Schultze achselzuckend und fuhr dann fort: »Was nun den Stoff betrifft, aus dem die Kometen bestehen, so scheint er von äußerst geringer Dichte zu sein; wenigstens der Schweif muß eine äußerst dünn verteilte Staub- oder Dampfwolke sein, denn die Sterne schimmern unverdunkelt und ohne Lichtbrechung hindurch.

Die Spektralanalyse wies Natrium- und Eisenlinien nach, namentlich auch Kohlenwasserstoff und Kohlenoxyd; es ist also immerhin möglich, daß so ein Kometenschweif Petroleum enthält und andere Stoffe, auch giftige Gase, die gefährlich werden könnten, wenn sie in die Erdatmosphäre eindrängen. Andrerseits scheint ihre geringe Dichtigkeit jede Gefahr wieder auszuschließen. Jedenfalls hat die Erde im Jahre 1861 den Schweif des Halley-Kometen durchkreuzt ohne Schaden zu nehmen, ja ohne daß es nur irgendwer merkte; erst nachträglich wurde die Tatsache bekannt. In früheren Zeiten freilich glaubte man, die Kometen gingen von irdischen Dünsten aus und brächten Pest und Seuchen; auch als Kriegsruten, die großes Blutvergießen und andere schwere Katastrophen anzeigen sollten, wurden sie angesehen.«

»Ganz ausgeschlossen ist es trotzdem nicht«, meinte der Lord, »daß unter ungünstigen Verhältnissen die Luft der Erde durch Kometengase vergiftet werden könnte, so daß alles Leben in einem Augenblicke zu Grunde ginge. Was uns vor diesem Schicksal bewahrt, ist meiner Ansicht eben der Umstand, daß die Fliehkraft die Erde veranlaßt, diese Stoffe von sich abzustoßen. Sternschnuppenregen und Meteorenfälle aber belehren uns, daß diese abstoßende Kraft auch überwunden werden kann, und dies hängt wahrscheinlich mit der Geschwindigkeit des Zusammentreffens ab. Begegnet zum Beispiel die Erde dem Schweife eines sich mit außerordentlicher Geschwindigkeit bewegenden rückläufigen Kometen, so erfolgt der Zusammenstoß mit großer Plötzlichkeit, da beide einander entgegensausen und sich so die Geschwindigkeit der Erde zu der des Kometen addiert. In diesem Fall dürfte der abstoßenden Kraft die Zeit fehlen, in Wirksamkeit zu treten.«

»Wie ist es aber«, fragte nun Mietje, »wenn ein Weltkörper, sagen wir die Erde, mit dem Kern oder Kopf des Kometen zusammenstößt?«

»Das ist eine Frage für sich«, erwiderte der Professor. »Im allgemeinen ist ja die Sache für den Kometen selber am gefährlichsten. Wir sehen ja, wie die Annäherung an die Sonne einen Teil seines Kerns in flüchtige Bestandteile auflöst, die beispielsweise beim Kometen von 1843 einen Schweif von 320 Millionen Kilometern bildete. Ziehen nun die Kometen den Schweif auch wieder ein, so erleiden sie doch enorme Verluste an Materie und werden so immer geringer an Masse, bis sie sich schließlich ganz auflösen.

Bekanntlich kam der Bielasche Komet 1845/1846 dem Jupiter so nahe, daß man einen Zusammenstoß erwartete; doch erlitt der große Planet keinen sichtlichen Schaden, während der Komet in zwei Teile gespalten wurde, die späterhin ganz verschwanden oder vielmehr einen Meteorenschwarm bildeten, durch den die Erde des öfteren dahinging, bis auch er schließlich ausblieb.

Der Septemberkomet von 1882, dessen Vorübergang vor der Sonne Finlay und Elkin am Kap der Guten Hoffnung am lichten Tage beobachten konnten, ging durch die Glutatmosphäre der Sonne. Wie erstaunt war man in Amerika, hernach zu entdecken, daß er nicht weniger als sieben Junge gekriegt hatte, die ihm folgten, wie die Küchlein der Gluckhenne.

Andrerseits kann aber nicht geleugnet werden, daß der Zusammenstoß mit dem Kern eines Kometen auch ernste Gefahren in sich bergen kann. Manche Kometen bewegen sich mit solch ungeheurer Geschwindigkeit, daß ein Anprall ihrer festen Masse, wenn sie von irgendwie bedeutender Ausdehnung ist, den getroffenen Planeten in Glut versetzen müßte. Der Komet von 1843 vollzog seine Wendung um die Sonne mit solch fabelhafter Schnelligkeit, daß er binnen weniger Stunden von der einen Seite nach der andern gelangte. Dagegen ist die Geschwindigkeit unsrer Erde mit 30 Kilometern in der Sekunde ein Schneckentempo. Welche Geschwindigkeit erst die Bestandteile seines 320 Millionen Kilometer langen Schweifes an dessen Ende hiebei entwickeln mußten, übersteigt unsre Fassungskraft.«

»Ich meine aber«, wandte Heinz ein, »man hält neuerdings auch den Kern der Kometen für eine nebelartige, gasförmige Masse ohne Festigkeit.«

»Das ist angesichts der Tatsachen eine ganz unhaltbare Ansicht«, widersprach Schultze: »Denken Sie doch, daß die Meteore, die auf die Erde fallen, zum Teil Eisenblöcke von ungeheurem Gewichte sind. Und diese Brocken scheinen nicht einmal dem Kern, sondern dem Schweif der Kometen zu entstammen, in dem man oft stark verdichtete Lichtknoten beobachtet.

Allerdings glaubt man, daß die Erde 1872 und 1885 mit den beiden Köpfen des Biela-Kometen zusammenstieß, da der Schweif eine ganz andre Bewegungsrichtung hatte als die damals niedergehenden Sternschnuppen oder Meteorenschwärme. Sollte das richtig sein, so ist immerhin zu berücksichtigen, daß es sich hier um einen durch Jupiter zertrümmerten und in Auflösung begriffenen Kometen handelte.

Daß es aber überhaupt einem Kometen möglich ist, so nahe am Jupiter vorbeizukommen oder gar durch die glühende Korona der Sonne zu sausen, wie es auch vorkommt, ohne völlig in Dunst aufgelöst zu werden, beweist, daß er äußerst widerstandsfähige feste Bestandteile besitzen muß.«

»Hiefür kann ich auch einen Beweis beibringen«, bestätigte Flitmore. »Ich besuchte vor Jahren die sogenannte Teufelsschlucht in Arizona. Das ist ein ovaler Kraterring, der sich 40 bis 50 Meter über die umgebende Hochfläche erhebt; sein Durchmesser beträgt 1300 Meter von Ost nach West, 1200 von Süd nach Nord. Der innere Schlund fällt 200 Meter tief schroff ab, der Kessel ist also um 150 Meter tiefer als die Ebene rings umher; früher muß er noch viel tiefer gewesen sein, aber Schutt und Geröll ist jahrhundertelang hinabgerollt, denn das Gefüge des Gesteins ist stark aufgelockert.

Nun haben Bohrungen ergeben, daß unter den Schuttmassen das Gestein völlig zersprengt und in zelligen Bimsstein verwandelt ist. Der zerpulverte Sandstein ist mit feinverteiltem Nickeleisen vermengt und in einer Tiefe von 250 Metern unter der jetzigen Talsohle stieß man auf feste Eisenmassen, die sich als Meteoreisen herausstellten.

Rings um den Krater findet man ganze Massen von Meteoreisensteinen, deren Gewicht von einem Gramm bis zu 460 Kilogramm schwankt und die außer dem vorwiegenden Nickeleisen Verbindungen von Phosphor, Schwefel, Kohlenstoff, auch Diamanten enthalten.

Man ist nun in wissenschaftlichen Kreisen zu der Überzeugung gelangt, daß hier ein fester Brocken eines Kometen vor Zeiten auf die Erde niederstürzte und zwar von West-Nord-West in einem Winkel von 70 Grad. Der Block hatte wahrscheinlich 150 Meter Durchmesser. Er schlug ein 350 Meter tiefes Loch in die Erde, wobei die entwickelte Hitze von etwa 2000 Grad Celsius den Sandstein in Bimsstein umschmolz. Die emporspritzenden Gesteinstrümmer bildeten den Kraterwall um den Kessel.«

»Da haben wir's!« sagte Schultze: »Ebensogut können Felsblöcke von mehreren Kilometern Durchmesser in solch einem Kometenkopf enthalten sein oder noch größere Massen. Der Zusammenprall würde unter Umständen nicht bloß alles Leben auf dem getroffenen Teil der Erde vernichten, sondern die Umdrehung unsres Planeten könnte eine Änderung erleiden, wodurch die Länge von Tag und Nacht eine völlig andre werden müßte; zudem könnte die Erdachse sich derart verschieben, daß die Meere sich gegen den neuen Äquator stürzen und das Festland verschlingen würden.«

»Hoffen wir, daß dies Theorien bleiben«, ließ sich nun Münchhausen vernehmen. »Jedenfalls aber wollen wir uns in acht nehmen, daß nicht etwa unsre teure Sannah mit dem Kometen dort drüben in nähere Berührung kommt.«

»Davor schützt uns die Fliehkraft«, versicherte Flitmore. Er ahnte nicht von ferne, daß gerade das Gegenteil der Fall sein sollte.

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