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Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling: Worte Schellings - Kapitel 4
Quellenangabe
typeaphorism
authorFriedrich Wilhelm von Schelling
titleWorte Schellings
publisherJ. C. C. Bruns
editorB. Ihringer
yearo.J.
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160522
projectid5a8f1bcb
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Worte Schellings

I. Die Zeit der Naturphilosophie

Epikurisches Glaubensbekenntnis Heinz Widerporstens

Kann es fürwahr nicht länger ertragen,
Muß wieder einmal um mich schlagen,
Wieder mich rühren mit allen Sinnen,
So mir dachten zu zerrinnen
Von den hohen überirdischen Lehren,
Dazu sie mich wollten mit Gewalt bekehren,
Wieder werden wie unsereiner,
Der hat Mark, Blut, Fleisch und Gebeiner.
Weiß nicht, wie sie's können treiben,
Von Religion reden und schreiben;
Mag über solchem Zeug nicht brüten,
Will denn unter sie hineinwüten,
Und mir nicht von den hohen Geistern
Lassen Verstand und Sinn verkleistern,
Sondern behaupte zu dieser Frist,
Daß nur das wirklich und wahrhaft ist,
Was man kann mit den Händen betasten,
Was zu begreifen nicht not tut fasten,
Noch sonst andere Kasteiung,
Oder gewaltsame Leibesbefreiung.
Zwar als sie sprachen davon so trutzig,
Wurd' ich eine Weile stutzig,
Las, als ob ich was verstehen könnt',
Darum so Reden als Fragment. –
Wollt' mich wirklich drein ergeben,
Lassen von gottlos Werk und Leben;
Hoffte dem Bösen gar zum Spotte,
Selber zu machen mich zum Gotte.
Und war schon über Kopf und Hals
Vertieft im Anschaun des Weltenalls,
Als mich tät der Witz gemahnen,
Daß ich wär' auf der falschen Bahnen,
Sollte kehren ins alte Gleis
Und mir nichts machen lassen weis.
Welches zu tun ich war nicht faul;
War doch nicht gleich wieder der alte Saul,
Mußte, um zu vertreiben die Grillen,
Davon mir tät der Kopf noch trillen,
Den Leib auf alle Weis' beraten,
Mir holen lassen so Wein als Braten.
Solches tät mir trefflich frommen,
War ganz auf meine Natur gekommen,
Konnt' wieder mit Frauen mich ergehen,
Aus beiden Augen helle sehen.
Darob ich mich, gar sehr ergötzt,
Alsbald zum Schreiben niedersetzt. –
Drum hab' ich aller Religion entsagt,
Keine mir jetzt mehr behagt,
Geh' weder zur Kirche noch Predigt,
Bin alles Glaubens rein erledigt,
Außer an die, die mich regiert,
Mich zu Sinn und Dichtung führt,
Das Herz mir täglich rührt
Mit ew'ger Handlung,
Beständ'ger Verwandlung,
Ohne Ruh' noch Säumnis,
Ein offen Geheimnis,
Ein unsterblich Gedicht,
Das zu allen Sinnen spricht,
So daß ich kann nichts mehr glauben noch denken,
Was sie mir nicht in die Brust tut senken,
Noch als gewiß und recht bewahren,
Was sie mir tut nicht offenbaren.
In deren tiefgegrabenen Zügen
Muß, was wahr ist, verborgen liegen;
Das Falsche nimmer in sie mag kommen,
Noch ist es auch von ihr genommen;
Durch Form und Bild sie zu uns spricht,
Und verhehlet selbst das Innere nicht,
Daß wir aus den bleibenden Chiffern
Mögen auch das Geheime entziffern,
Und wiederum nichts mögen begreifen,
Was sie uns nicht gibt mit Händen zu greifen.
Drum ist eine Religion die rechte,
Müßt' sie im Stein und Moosgeflechte,
In Blumen, Metallen und allen Dingen
So zu Luft und Licht sich dringen,
In allen Höhen und Tiefen
Sich offenbaren in Hieroglyphen. –

Wüßt' auch nicht, wie mir vor der Welt sollt' grausen,
Da ich sie kenne von innen und außen.
Ist gar ein träg' und zahmes Tier,
Das weder dräuet dir noch mir,
Muß sich unter Gesetze schmiegen,
Ruhig zu meinen Füßen liegen.
Steckt zwar ein Riesengeist darinnen,
Ist aber versteinert mit seinen Sinnen,
Kann nicht aus dem engen Panzer heraus,
Noch sprengen das eisern' Kerkerhaus,
Obgleich er oft die Flügel regt,
Sich gewaltig dehnt und bewegt,
In toten und lebend'gen Dingen
Tut nach Bewußtsein mächtig ringen;
Daher der Dinge Qualität,
Weil er drinn' quellen und treiben tät,
Die Kraft, wodurch Metalle sprossen,
Bäume im Frühling aufgeschossen,
Sucht wohl an allen Ecken und Enden
Sich ans Licht herauszuwenden,
Läßt sich die Mühe nicht verdrießen,
Tut jetzt in die Höhe schießen,
Seine Glieder und Organ' verlängern,
Jetzt wieder verkürzen und verengern,
Und sucht durch Drehen und durch Winden
Die rechte Form und Gestalt zu finden.
Und kämpfend so mit Füß' und Händ'
Gegen widrig' Element,
Lernt er im Kleinen Raum gewinnen,
Darinn' er zuerst kommt zum Besinnen;
In einen Zwergen eingeschlossen
Von schöner Gestalt und geraden Sprossen,
Heißt in der Sprache Menschenkind,
Der Riesengeist sich selber find't.
Vom eisernen Schlaf, vom langen Traum
Erwacht, sich selber erkennet kaum,
Über sich selbst gar sehr verwundert ist,
Mit großen Augen sich sieht und mißt;
Möcht' alsbald wieder mit allen Sinnen
In die große Natur zerrinnen,
Ist aber einmal losgerissen,
Kann nicht wieder zurückfließen,
Und steht zeitlebens eng und klein
In der eignen großen Welt allein.
Fürchtet wohl in bangen Träumen,
Der Riese könnt' sich ermannen und bäumen
Und wie der alte Gott Satorn
Seine Kinder verschlingen im Zorn.
Denkt nicht, daß er es selber ist,
Seiner Abkunft ganz vergißt,
Tut sich mit Gespenstern plagen,
Könnt' also zu sich selber sagen:
Ich bin der Gott, der sie im Busen hegt,
Der Geist, der sich in allem bewegt.
Vom ersten Ringen dunkler Kräfte
Bis zum Erguß der Lebenssäfte,
Wo Kraft in Kraft und Stoff in Stoff verquillt,
Die erste Blüt' die erste Knospe schwillt,
Zum ersten Strahl von neugebor'nem Licht,
Das durch die Nacht wie zweite Schöpfung bricht,
Und aus den tausend Augen der Welt
Den Himmel so Tag wie Nacht erhellt.
Hinauf zu des Gedankens Jugendkraft,
Wodurch Natur verjüngt sich wieder schafft,
Ist eine Kraft, ein Pulsschlag nur, ein Leben,
Ein Wechselspiel von Hemmen und von Streben.

Was Philosophie überhaupt sei, läßt sich nicht so unmittelbar beantworten. Wäre es so leicht, über einen bestimmten Begriff von Philosophie übereinzukommen, so brauchte man nur diesen Begriff zu analysieren, um sich sogleich im Besitz einer allgemein gültigen Philosophie zu sehen. Die Sache ist diese. Philosophie ist nicht etwas, was unserem Geiste ohne sein Zutun, ursprünglich und von Natur beiwohnt. Sie ist durchaus ein Werk der Freiheit. Sie ist jedem nur das, wozu er sie selbst gemacht hat; und darum ist auch die Idee von Philosophie nur das Resultat der Philosophie selbst, welche als eine unendliche Wissenschaft zugleich die Wissenschaft von sich selbst ist.

 

Wer in Erforschung der Natur und im bloßen Genuß ihres Reichtums begriffen ist, der fragt nicht, ob eine Natur und eine Erfahrung möglich sei. Genug, sie ist für ihn da; er hat sie durch die Tat selbst wirklich gemacht, und die Frage, was möglich ist, macht nur der, der die Wirklichkeit nicht in seiner Hand zu halten glaubt. Ganze Zeitalter sind über Erforschung der Natur verflossen, und noch ist man ihrer nicht müde. Einzelne haben in dieser Beschäftigung ihr Leben hingebracht und nicht aufgehört, auch die verschleierte Göttin anzubeten. Große Geister haben, unbekümmert um die Prinzipien ihrer Erfindungen, in ihrer eigenen Welt gelebt, und was ist der ganze Ruhm des scharfsinnigsten Zweiflers gegen das Leben eines Mannes, der eine Welt in seinem Kopfe und die ganze Natur in seiner Einbildungskraft trug?

 

Wer für sich selbst nichts ist, als das, was Dinge und Umstände aus ihm gemacht haben; wer ohne Gewalt über seine eigenen Vorstellungen vom Strom der Ursachen und Wirkungen ergriffen mit fortgerissen wird, wie will der wissen, woher er kommt, wohin er geht und wie er das geworden ist, was er ist? Weiß es denn die Woge, die im Strome daher treibt? Er hat nicht einmal das Recht, zu sagen, er sei ein Resultat der Zusammenwirkung äußerer Dinge; denn um dies sagen zu können, muß er voraussetzen, daß er sich selbst kenne, daß er also auch etwas für sich selbst sei. Dies ist er aber nicht. Er ist nur für andere vernünftige Wesen – nicht für sich selbst da, ist ein bloßes Objekt in der Welt, und es ist nützlich für ihn und die Wissenschaft, daß er nie von etwas anderem höre, noch etwas anderes sich einbilde.

Fassen wir die Natur in ein Ganzes zusammen, so stehen einander gegenüber Mechanismus, d. h. eine abwärts laufende Reihe von Ursachen und Wirkungen, und Zweckmäßigkeit, d. h. Unabhängigkeit vom Mechanismus, Gleichzeitigkeit von Ursachen und Wirkungen. Indem wir auch diese beiden Extreme noch vereinigen, entsteht in uns die Idee von einer Zweckmäßigkeit des Ganzen, die Natur wird eine Kreislinie, die in sich selbst zurückläuft, ein in sich selbst beschlossenes System ist. Die Reihe von Ursachen und Wirkungen hört völlig auf und es entsteht eine wechselseitige Verknüpfung von Mittel und Zweck; das Einzelne konnte weder ohne das Ganze, noch das Ganze ohne das Einzelne wirklich werden.

 

Was ist denn nun jenes geheime Band, das unsern Geist mit der Natur verknüpft, oder jenes verborgene Organ, durch welches die Natur zu unserm Geiste, oder unser Geist zur Natur spricht? Wir schenken euch zum voraus alle eure Erklärungen, wie eine solche zweckmäßige Natur außer uns wirklich geworden. Denn diese Zweckmäßigkeit daraus erklären, daß ein göttlicher Verstand ihr Urheber sei, heißt nicht philosophieren, sondern fromme Betrachtungen anstellen. Ihr habt uns damit so gut wie nichts erklärt; denn wir verlangen zu wissen, nicht wie eine solche Natur außer uns entstanden, sondern wie auch nur die Idee einer solchen Natur in uns gekommen sei; nicht etwa nur, wie wir sie willkürlich erzeugt haben, sondern wie und warum sie ursprünglich und notwendig allem, was unser Geschlecht über Natur von jeher gedacht hat, zugrunde liegt. Denn die Existenz einer solchen Natur außer mir erklärt noch lange nicht die Existenz einer solchen Natur in mir: denn wenn ihr annehmt, daß zwischen beiden eine vorherbestimmte Harmonie stattfinde, so ist ja ebendas der Gegenstand unserer Frage. Oder wenn ihr behauptet, daß wir eine solche Idee auf die Natur nur übertragen, so ist nie eine Ahndung von dem, was uns Natur ist und sein soll, in eure Seele gekommen. Denn wir wollen nicht, daß die Natur mit den Gesetzen unsers Geistes zufällig (etwa durch Vermittelung eines Dritten) zusammentreffe, sondern daß sie selbst notwendig und ursprünglich die Gesetze unsers Geistes nicht nur ausdrücke, sondern selbst realisiere, und daß sie nur insofern Natur sei und Natur heiße, als sie dies tut.

Die Natur soll der sichtbare Geist, der Geist die unsichtbare Natur sein.

 

Der erste Schritt zur Philosophie und die Bedingung, ohne welche man auch nicht einmal in sie hineinkommen kann, ist die Einsicht: daß das absolut Ideale auch das absolut Reale sei, und daß außer jenem überhaupt nur sinnliche und bedingte, aber keine absolute und unbedingte Realität sei.

 

In der ewigen Natur wird das Absolute für sich selbst in seiner Absolutheit (welche lautere Identität) ein Besonderes, ein Sein, aber auch hierin ist es absolut Ideales, absoluter Erkenntnisakt; in der erscheinenden Natur wird nur die besondere Form als besondere erkannt, das Absolute verhüllt sich hier in ein andres, als es selbst in seiner Absolutheit ist, in ein Endliches, ein Sein, welches sein Symbol ist und als solches, wie alles Symbol, ein von dem was es bedeutet unabhängiges Leben annimmt. In der ideellen Welt legt es die Hülle gleichsam ab, es erscheint auch als das, was es ist, als Ideales, als Erkenntnisakt, aber so, daß es dagegen die andere Seite zurückläßt und nur die eine, die der Wiederauflösung der Endlichkeit in die Unendlichkeit, des Besondern in das Wesen, erhält.

 

... Daß wir im Tierreich, diesem Produkt blinder Naturkräfte, Handlungen, die mit Bewußtsein geschehenen an Regelmäßigkeit gleichkommen, oder selbst äußere, in ihrer Art vollendete Kunstwerke entstehen sehen – dies alles wird daraus erklärt, daß es eine bewußtlose, aber der bewußten ursprünglich verwandte Produktivität ist, deren bloßen Reflex wir in der Natur sehen, und die auf dem Standpunkt der natürlichen Ansicht als ein und derselbe blinde Trieb erscheinen muß, der von der Kristallisation an bis herauf zum Gipfel organischer Bildung (wo er auf der einen Seite durch den Kunsttrieb wieder zur bloßen Kristallisation zurückkehrt) nur auf verschiedenen Stufen wirksam ist.

Nach dieser Ansicht, da die Natur nur der sichtbare Organismus unseres Verstandes ist, kann die Natur nichts anderes als das Regel- und Zweckmäßige produzieren. Aber kann die Natur nichts als das Regelmäßige produzieren und produziert sie es mit Notwendigkeit, so folgt, daß sich auch in der als selbständig und real gedachten Natur und dem Verhältnis ihrer Kräfte wiederum der Ursprung solcher regel- und zweckmäßigen Produkte als notwendig muß nachweisen lassen, daß also das Ideelle auch wiederum aus dem Reellen entspringen und aus ihm erklärt werden muß.

 

Die Naturphilosophie als das Entgegengesetzte der Transzendentalphilosophie ist von der letzteren hauptsächlich dadurch geschieden, daß sie die Natur (nicht zwar insofern sie Produkt, aber insofern sie produktiv zugleich und Produkt ist) als das Selbständige setzt, daher sie am kürzesten als der Spinozismus der Physik bezeichnet werden kann.

 

Wir wissen nur das Selbsthervorgebrachte, das Wissen im strengsten Sinne des Wortes ist also ein reines Wissen a priori. Die Konstruktion vermittelst des Experiments ist noch immer kein absolutes Selbsthervorbringen der Erscheinungen. Es ist nicht davon die Rede, daß vieles in der Naturwissenschaft komparativ a priori gewußt werden kann, wie z. B. in der Theorie der elektrischen, magnetischen oder auch der Lichterscheinungen ein so einfaches, in jeder Erscheinung wiederkehrendes Gesetz ist, daß der Erfolg jedes Versuchs vorhergesagt werden kann; hier folgt mein Wissen unmittelbar aus dem bekannten Gesetz, ohne Vermittelung besonderer Erfahrung. Aber woher kommt mir denn das Gesetz selbst? Es ist davon die Rede, daß alle Erscheinungen in einem absoluten und notwendigen Gesetze zusammenhängen, aus welchem sie alle abgeleitet werden können, kurz, daß man in der Naturwissenschaft alles, was man weiß, absolut a priori wisse. Daß nun das Experiment niemals auf ein solches Wissen führe, ist daraus einleuchtend, daß es nie über die Naturkräfte, deren es sich selbst als Mittel bedient, hinauskommen kann.

 

Der Satz: die Naturwissenschaft müsse alle ihre Sätze a priori ableiten können, ist zum Teil so verstanden worden: die Naturwissenschaft müsse der Erfahrung ganz und gar entbehren und ohne alle Vermittelung der Erfahrung ihre Sätze aus sich selbst herausspinnen können, welcher Satz so ungereimt ist, daß selbst Einwürfe dagegen Mitleid verdienen. Wir wissen nicht nur dies oder jenes, sondern wir wissen ursprünglich überhaupt nichts, als durch Erfahrung und mittelst der Erfahrung, und insofern besteht unser ganzes Wissen aus Erfahrungssätzen. Zu Sätzen a priori werden diese Sätze nur dadurch, daß man sich ihrer als notwendiger bewußt wird, und so kann jeder Satz, sein Inhalt sei übrigens welcher er wolle, zu jener Dignität erhoben werden, da der Unterschied zwischen Sätzen a priori und a posteriori nicht etwa, wie mancher sich eingebildet haben mag, ein ursprünglich an den Sätzen selbst haftender Unterschied, sondern ein Unterschied ist, der bloß in Absicht auf unser Wissen und die Art unseres Wissens von diesen Sätzen gemacht wird, so daß jeder Satz, der für mich bloß historisch ist, ein Erfahrungssatz, derselbe aber, sobald ich unmittelbar oder mittelbar die Einsicht in seine innere Notwendigkeit erlange, ein Satz a priori wird. Nun muß es aber überhaupt möglich sein, jedes ursprüngliche Naturphänomen als ein schlechthin notwendiges zu erkennen; denn wenn in der Natur überhaupt kein Zufall, so kann auch kein ursprüngliches Phänomen der Natur zufällig sein, vielmehr schon darum, weil die Natur ein System ist, muß es für alles, was in ihr geschieht oder zu stande kommt, einen notwendigen Zusammenhang in irgendeinem die ganze Natur zusammenhaltenden Prinzip geben. – Die Einsicht in diese innere Notwendigkeit aller Naturerscheinungen wird freilich noch vollkommener, sobald man bedenkt, daß es kein wahres System gibt, das nicht zugleich ein organisches Ganzes wäre. Denn wenn in jedem organischen Ganzen sich alles wechselseitig trägt und unterstützt, so mußte diese Organisation als Ganzes ihren Teilen präexistieren, nicht das Ganze konnte aus den Teilen, sondern die Teile mußten aus dem Ganzen entspringen. Nicht also wir kennen die Natur, sondern die Natur ist a priori, d. h. alles Einzelne in ihr ist zum voraus bestimmt durch das Ganze oder durch die Idee einer Natur überhaupt. Aber ist die Natur a priori, so muß es auch möglich sein, sie als etwas, das a priori ist, zu erkennen, und dies eigentlich ist der Sinn unserer Behauptung.

 

Was reine Empirie ist, ist nicht Wissenschaft, und umgekehrt, was Wissenschaft ist, ist nicht Empirie. Dieses soll nicht etwa zur Herabsetzung der Empirie, sondern dazu gesagt sein, um sie in ihrem wahren und eigentümlichen Lichte darzustellen. Reine Empirie, ihr Objekt sei welches es wolle, ist Geschichte (das absolut Entgegengesetzte der Theorie), und umgekehrt, nur Geschichte ist Empirie. Daß nur jene warmen Lobpreiser der Empirie, die sie auf Kosten der Wissenschaft erheben, dem Begriff der Empirie treu, uns nicht ihre eigenen Urteile und das in die Natur Hineingeschlossene, den Objekten Aufgedrungene für Empirie verkaufen wollten; denn so viele auch davon reden zu können glauben, so gehört doch wohl etwas mehr dazu, als viele sich einbilden, das Geschehene aus der Natur rein herauszusehen, und treu so, wie es gesehen worden, wiederzugeben.

 

Der Gegensatz zwischen Empirie und Wissenschaft beruht eben darauf, daß jene ihr Objekt im Sein als etwas fertiges und zu stande gebrachtes, die Wissenschaft dagegen das Objekt im Werden und als ein erst zu stande zu bringendes betrachtet. Da die Wissenschaft von nichts ausgehen kann, was Produkt, d. h. Ding, ist, so muß sie von dem Unbedingten ausgehen; die erste Untersuchung der spekulativen Physik ist die über das Unbedingte der Naturwissenschaft.

 

Da alles, von dem man sagen kann, daß es ist, bedingter Natur ist, so kann nur das Sein selbst das Unbedingte sein. Aber da das einzelne Sein als ein bedingtes sich nur als bestimmte Einschränkung der produktiven Tätigkeit (des einzigen und letzten Substrats aller Realität) denken läßt, so ist das Sein selbst dieselbe produktive Tätigkeit in ihrer Uneingeschränktheit gedacht. Für die Naturwissenschaft ist also die Natur ursprünglich nur Produktivität, und von dieser als ihrem Prinzip muß die Wissenschaft ausgehen.

 

Insofern wir das Ganze der Objekte nicht bloß als Produkt, sondern notwendig zugleich als produktiv setzen, erhebt es sich für uns zur Natur, und diese Identität des Produkts und der Produktivität, und nichts anderes, ist selbst im gemeinen Sprachgebrauch durch den Begriff der Natur bezeichnet.

 

Nur von der Natur als Objekt kann man sagen, daß sie ist, nicht von der Natur als Subjekt, denn diese ist das Sein oder die Produktivität selbst.

Jede unendliche Reihe ist nichts als Darstellung einer intellektuellen oder ideellen Unendlichkeit. Die ursprünglich unendliche Reihe (das Ideal aller unendlichen Reihen) ist die, worin unsere intellektuelle Unendlichkeit sich evolviert, die Zeit. Die Tätigkeit, welche diese Reihe unterhält, ist dieselbe, welche unser Bewußtsein unterhält; das Bewußtsein aber ist stetig. Die Zeit also, als Evolution jener Tätigkeit, kann nicht durch Zusammensetzung erzeugt werden. Da nun alle anderen unendlichen Reihen nur Nachahmungen der ursprünglich-unendlichen Reihe, der Zeit sind, so kann keine andere unendliche Reihe anders als stetig sein. Das Hemmende in der ursprünglichen Evolution (ohne welches diese mit unendlicher Geschwindigkeit geschehen müßte) ist nichts anderes als die ursprüngliche Reflexion; die Notwendigkeit der Reflexion auf unser Handeln in jedem Moment (die beständige Duplizität in der Identität) ist der geheime Kunstgriff, wodurch unser Dasein Dauer erhält.

Die Natur muß ursprünglich sich selbst Objekt werden, diese Verwandlung des reinen Subjekts in ein Selbstobjekt ist ohne ursprüngliche Entzweiung in der Natur selbst undenkbar.

 

Ist die Natur ursprünglich Duplizität, so müssen schon in der ursprünglichen Produktivität der Natur entgegengesetzte Tendenzen liegen. (Der positiven Tendenz muß eine andre, die gleichsam antiproduktiv, die Produktion hemmend ist, entgegengesetzt werden; nicht als die verneinende, sondern als die negative, die reell entgegengesetzte der ersten.) Nur dann ist in der Natur, des Begrenztseins unerachtet, keine Passivität, wenn auch das Begrenzende wieder positiv und ihre ursprüngliche Duplizität ein Widerstreit reell entgegengesetzter Tendenzen ist.

Damit es zum Produkt komme, müssen diese entgegengesetzten Tendenzen zusammentreffen. Aber da sie als gleich gesetzt werden (denn es ist kein Grund sie als ungleich zu setzen), so werden sie, wo sie zusammentreffen, sich wechselseitig aneinander vernichten, das Produkt ist also = 0, und es kommt abermals nicht zum Produkt.

Dieser unvermeidliche, obgleich bisher eben nicht sehr bemerkte Widerspruch (nämlich, daß das Produkt nur durch die Konkurrenz entgegengesetzter Tendenzen entstehen kann, diese entgegengesetzten Tendenzen aber sich wechselseitig vernichten) ist nur auf folgende Art auflösbar:

Es ist schlechterdings kein Bestehen eines Produkts denkbar, ohne ein beständiges Reproduziertwerden. Das Produkt muß gedacht werden als in jedem Moment vernichtet und in jedem Moment neu reproduziert. Wir sehen nicht eigentlich das Bestehen des Produkts, sondern nur das beständige Reproduziertwerden.

 

Die Naturphilosophie hat nicht das Produktive der Natur zu erklären, denn wenn sie dieses nicht ursprünglich in die Natur setzt, so wird sie es nie in die Natur bringen. Zu erklären hat sie das Permanente. Aber daß etwas in der Natur permanent werde, ist selbst nur aus jenem Ankämpfen der Natur gegen alle Permanenz erklärbar. Die Produkte würden als bloße Punkte erscheinen, wenn die Natur nicht durch ihr Andringen selbst ihnen Umfang und Tiefe gäbe, und die Produkte selbst würden nur einen Moment dauern, wenn die Natur nicht in jedem Moment gegen sie andränge.

Jenes Scheinprodukt, das in jedem Moment reproduziert wird, kann nicht ein wirklich unendliches Produkt sein, denn sonst würde die Produktivität sich in ihm wirklich erschöpfen; gleichwohl kann es auch kein endliches Produkt sein, denn es ist die Kraft der ganzen Natur, die sich darein ergießt. Es müßte also endlich und unendlich zugleich sein, es müßte nur scheinbar endlich, aber in unendlicher Entwicklung sein.

Jenes Produkt ist ein endliches, aber da die unendliche Produktivität der Natur in ihm sich konzentriert, muß es den Trieb zur unendlichen Entwicklung haben. – Und so gelangten wir allmählich und durch alle bisherigen Zwischenglieder zur Konstruktion jenes unendlichen Werdens, der empirischen Darstellung einer ideellen Unendlichkeit.

 

Es ist nur ein ursprünglicher Hemmungspunkt der Produktivität, aber es können unzählige Hemmungspunkte der Evolution gedacht werden. Jeder solcher Punkt ist uns durch ein Produkt bezeichnet, aber in jedem Punkt der Evolution ist die Natur noch unendlich, also ist die Natur in jedem Produkt noch unendlich und in jedem liegt der Keim eines Universums. – Ein Reisender nach Italien macht die Bemerkung, daß an dem großen Obelisk zu Rom die ganze Weltgeschichte sich demonstrieren läßt; – so an jedem Naturprodukt. Jeder Mineralkörper ist ein Fragment der Geschichtsbücher der Erde. Aber was ist die Erde? – Ihre Geschichte ist verflochten in die Geschichte der ganzen Natur, und so geht vom Fossil durch die ganze anorganische und organische Natur herauf bis zur Geschichte des Universums – Eine Kette.

 

So viel ist klar, daß, wenn man ein absolutes Zertrennen der Natur in ihre Faktoren annimmt, das Letzte, was übrig bleibt, etwas sein muß, was allem Zertrennen absolut widersteht, d. h. das Einfache. Aber das Einfache läßt sich nur dynamisch denken, und als solches ist es gar nicht im Raume (es bezeichnet nur das jenseits aller Raumerfüllung Gedachte), es ist also auch keine Anschauung davon möglich als durch sein Produkt. Es ist für dasselbe auch kein Maß gegeben als sein Produkt. Denn rein gedacht ist es der bloße Ansatz zum Produkt (wie der Punkt nur Ansatz zur Linie ist), mit einem Wort reine Entelechie. Aber was nicht an sich selbst, sondern nur in seinem Produkte erkannt wird, wird schlechthin empirisch erkannt. Muß also jede ursprüngliche Qualität als Qualität (nicht etwa als Substrat, dem die Qualität bloß inhäriert) gedacht werden als reine Intensität, reine Aktion, so sind Qualitäten überhaupt nur das absolut Empirische unserer Naturkenntnis, wovon keine Konstruktion möglich ist, und in Ansehung welcher der Naturphilosophie nichts übrig bleibt, als der Beweis, daß sie die absolute Grenze ihrer Konstruktion sind.

 

Die Qualität ist eine höhere Potenz der Materie, zu der sie sich selbst wechselseitig erhebt.

 

Die Qualität, absolut gedacht, ist inkonstruktibel, weil Qualität überhaupt nichts Absolutes ist, und es überhaupt keine andere Qualität gibt, als die, welche Körper wechselseitig in bezug aufeinander zeigen, und alle Qualität etwas ist, vermöge dessen der Körper gleichsam über sich selbst gehoben wird.

 

Die absolute Synthesis ist ebensogut bloß ideell als die absolute Analysis. Das Reelle findet sich erst in der Natur als Produkt, aber die Natur, weder als absolute Involution, noch als absolute Evolution gedacht, ist das Produkt; das Produkt ist das zwischen beiden Extremen Begriffene.

 

In der reinen Produktivität der Natur ist schlechthin nichts Unterscheidbares jenseits der Entzweiung; nur die in sich selbst entzweite Produktivität gibt das Produkt.

 

Was überall und in allem ist, ist eben deswegen nirgends. – Fixiert wird die Produktivität nur durch die Begrenzung.

 

Die Bedingung aller Gestaltung ist Dualität. (Dies ist der tiefere Sinn in Kants Konstruktion der Materie aus entgegengesetzten Kräften.)

Das abgeleitete Produkt ist eine nach außen gehende Tätigkeit – diese läßt sich als solche nicht unterscheiden ohne eine von außen nach innen gehende (auf sich selbst gerichtete) Tätigkeit in demselben Produkt, und diese Tätigkeit läßt sich wiederum nicht denken, wenn sie nicht von außen zurückgedrängt (reflektiert) wird.

In den entgegengesetzten Richtungen, die durch diese Entgegensetzungen entstehen, liegt das Prinzip für die Konstruktion aller Lebenserscheinungen, – jene entgegengesetzten Richtungen aufgehoben, bleibt das Leben entweder als absolute Tätigkeit oder als absolute Rezeptivität zurück, da es ursprünglich nur als die vollkommenste Wechselbestimmung der Rezeptivität möglich ist.

 

Ein produktives Produkt kann als solches nur unter dem Einfluß äußerer Kräfte bestehen, weil nur dadurch die Produktivität unterbrochen, im Produkt zu erlöschen verhindert wird. – Für diese äußeren Kräfte muß es nun wieder eine eigentümliche Sphäre geben; jene Kräfte müssen in einer Welt liegen, die nicht produktiv ist. Aber diese Welt muß eben deswegen eine in jeder Rücksicht fixierte und unveränderlich bestimmte Welt sein. Die Aufgabe, wie es in der Natur zum Produkt komme, ist also durch alles Bisherige nur einseitig aufgelöst. »Das Produkt wird gehemmt durch Entzweiung der Produktivität auf jeder einzelnen Entwicklungsstufe.« Aber dies gilt nur für das produktive Produkt, aber hier ist die Rede von einem nichtproduktiven Produkt. – Der Widerspruch, dem wir hier begegnen, ist nur dadurch aufzulösen, daß ein allgemeiner Ausdruck für die Konstruktion eines Produkts überhaupt (abgesehen davon, ob es produktiv ist, oder aufgehört hat, es zu sein) gefunden wird.

Die allgemeinste Aufgabe der spekulativen Physik läßt sich jetzt so ausdrücken: die Konstruktion organischer und anorganischer Produkte auf einen gemeinschaftlichen Ausdruck zu bringen.

 

Die eigentliche Naturgeschichte, die nicht die Produkte, sondern die Natur selbst zum Objekt hat, verfolgt die Eine der Freiheit sich gleichsam wehrende Produktivität durch alle Wendungen und Krümmungen hindurch bis zu dem Punkt, wo sie im Produkt zu ersterben endlich gezwungen ist.

 

Keine Identität der Natur ist absolut, sondern alle nur Indifferenz. – Die Natur ist eine Tätigkeit, die beständig nach Identität strebt, also eine Tätigkeit, die, um als solche fortzudauern, den Gegensatz beständig voraussetzt.

 

Der absolute Indifferenzpunkt existiert nirgends, sondern ist auf mehrere einzelne gleichsam verteilt. – Das Universum, das sich vom Zentrum gegen die Peripherie bildet, sucht den Punkt, wo auch die äußersten Gegensätze der Natur sich aufheben; die Unmöglichkeit dieses Aufhebens sichert die Unendlichkeit des Universums.

Da also die Bedingung alles Produkts Differenz ist, so muß diese als Quelle aller Existenz wiederentstehen, aber auch als wieder aufgehoben gedacht werden. Durch dieses beständige Wiederentstehen und Wiederaufleben geschieht die Schöpfung in jedem Moment aufs neue.

 

Der dynamische Prozeß ist nichts anderes als die zweite Konstruktion der Materie, und so viele Stufen des dynamischen Prozesses es gibt, so viele Stufen in der ursprünglichen Konstruktion der Materie.

 

Magnetismus, Elektrizität und chemischer Prozeß sind die Kategorien der ursprünglichen Konstruktion der Natur (der Materie) – diese entzieht sich uns und liegt jenseits der Anschauung, jene sind das davon Zurückbleibende, Feststehende, Fixierte – die allgemeinen Schemate der Konstruktion der Materie.

 

Aus welchen Widersprüchen das Leben hervorgehe, und daß es überhaupt nur ein gesteigerter Zustand gemeiner Naturkräfte sei, zeigt nichts mehr, als der Widerspruch der Natur in dem, was sie durch die Geschlechter zu erreichen versucht, ohne es erreichen zu können. – Die Natur haßt das Geschlecht, und wo es entsteht, entsteht es wider ihren Willen. Die Trennung der Geschlechter ist ein unvermeidliches Schicksal, dem sie, nachdem sie einmal organisch ist, sich fügen muß, und das sie nie verwinden kann. – Durch jenen Haß gegen die Trennung selbst sieht sie sich in den Widerspruch verwickelt, daß sie, was ihr zuwider ist, aufs sorgfältigste ausbilden und auf den Gipfel der Existenz führen muß, als ob es ihr darum zu tun wäre, da sie doch immer nur nach der Rückkehr in die Identität der Gattung verlangt, welche aber an die (nie aufzuhebende) Duplizität der Geschlechter als an eine unvermeidliche Bedingung gefesselt ist. – Daß sie das Individuum nur gezwungen und der Gattung wegen ausbildet, erhellt daraus, daß ihr, wo sie in einer Gattung das Individuum länger erhalten zu wollen scheint (obgleich dies nie der Fall ist), dagegen die Gattung unsicherer wird, indem sie die Geschlechter weiter auseinander halten und gleichsam voreinander flüchten muß. In dieser Region der Natur ist der Verfall des Individuums minder sichtbar schnell, als da, wo die Geschlechter sich näher sind, wie in der schnell hinwelkenden Blume, wo sie bei ihrem Entstehen schon in den Einen Kelch wie in das Brautbett gefaßt sind, wo aber eben deswegen auch die Gattung gesicherter ist.

Die Natur ist das trägste Tier und verwünscht die Trennung, weil diese allein ihr den Zwang der Tätigkeit auferlegt; sie ist nur tätig, um jenes Zwanges los zu werden. – Die Entgegengesetzten müssen ewig sich fliehen, um sich ewig zu suchen, und sich ewig suchen, um sich nie zu finden; nur in diesem Widerspruch liegt der Grund aller Tätigkeit der Natur.

 

Die Philosophie hat höhere Forderungen zu erfüllen und die Menschheit, die lange genug, es sei im Glauben oder im Unglauben, unwürdig und unbefriedigt gelebt hat, endlich ins Schauen einzuführen. Der Charakter der ganzen modernen Zeit ist idealistisch, der herrschende Geist das Zurückgehen nach innen. Die ideelle Welt drängt sich mächtig ans Licht, aber noch wird sie dadurch zurückgehalten, daß die Natur als Mysterium zurückgetreten ist. Die Geheimnisse selbst, welche in jener liegen, können nicht wahrhaft objektiv werden, als in dem ausgesprochenen Mysterium der Natur. Die noch unbekannten Gottheiten, welche die ideelle Welt bereitet, können nicht als solche hervortreten, ehe sie von der Natur Besitz ergreifen können. Nachdem alle endlichen Formen zerschlagen sind, und in der weiten Welt nichts mehr ist, was die Menschen als gemeinschaftliche Anschauung vereinigte, kann es nur die Anschauung der absoluten Identität in der vollkommensten objektiven Totalität sein, die sie aufs neue und in der letzten Ausbildung zur Religion auf ewig vereinigt.

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