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Worin besteht mein Glaube?

Lew Tolstoi: Worin besteht mein Glaube? - Kapitel 10
Quellenangabe
authorLeo Tolstoi
titleWorin besteht mein Glaube?
publisherVerlag von Duncker & Humblot
year1885
translatorSophie Behr
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20170422
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VIII.

[Widerlegung der Behauptung, dass der Einzelne nicht inmitten einer egoistischen Welt Christi Gebote erfüllen könne.
Falsche Werthschätzung des persönlichen Lebens.
Wahres Leben ist das ewige Vernunftleben.
Christus verwirft die persönliche Auferstehung.]

 

Wollen wir jedoch annehmen, dass die Lehre Christi der Welt Glückseligkeit giebt; wollen wir annehmen, dass sie vernünftig ist und dass der Mensch, auf Grundlage der Vernunft, nicht das Recht hat sich von ihr loszusagen – was aber soll ein einzelner inmitten einer Welt von Menschen, die Christi Gesetz nicht erfüllen? Wenn die Gesammtheit der Menschen sich plötzlich entschliessen würde Christi Lehre zu befolgen, dann würde die Erfüllung derselben möglich sein. Ein einzelner Mensch aber kann nicht der ganzen Welt entgegenhandeln. Wenn ich allein inmitten einer Welt von Menschen, die Christi Lehre nicht erfüllen, – heisst es gewöhnlich – diese Lehre befolgen werde, fortgeben werde was ich besitze, widerstandslos den Backen hinhalten, mich sogar vom Eide und vom Kriegsdienste lossagen werde, so wird man mir das letzte nehmen, und wenn ich nicht Hungers sterben werde, wird man mich zu Tode prügeln, und wenn man mich nicht zu Tode prügeln wird, so wird man mich in einen Kerker sperren oder mich erschiessen, und ich werde umsonst das ganze Glück meines Lebens und mein Leben selbst verwirkt haben.

Diese Erwiderung gründet sich auf dasselbe Missverständniss, wie die Behauptung der Unausführbarkeit der Lehre Christi.

So sprechen gewöhnlich alle und so dachte auch ich, bevor ich mich von der kirchlichen Lehre völlig befreit hatte und solange ich daher die Lehre Christi über das Leben in ihrer ganzen Bedeutung nicht begriff.

Christus bietet seine Lehre über das Leben als Errettung aus jenem verderblichen Leben, das die Menschen führen, wenn sie seine Lehre nicht befolgen; und plötzlich sage ich, dass ich ja froh wäre seiner Lehre zu folgen, dass es mir aber leid thut mein Leben zu Grunde zu richten. Christus lehrt die Errettung vom verderblichen Leben, ich aber bedaure dieses verderbliche Leben. Also halte ich dieses mein Leben durchaus für kein verderbliches, sondern für etwas Wahres, mir Angehöriges und Gutes. In diesem Glauben als ob mein irdisches, persönliches Leben etwas Wahres, mir Angehöriges sei, liegt eben das Missverständniss, das mich am Begreifen der Lehre Christi verhindert. Christus kennt diese Verirrung der Menschen, die sie veranlasst dieses ihr persönliches Leben für etwas Wahres und ihnen Angehöriges zu halten, und zeigt ihnen durch eine ganze Reihe von Predigten und Gleichnissen, dass sie gar keine Rechte an das Leben, ja kein Leben haben, solange sie nicht das wahre Leben erlangen, indem sie sich lossagen von dem Trugbild des Lebens, von dem, was sie ihr Leben nennen.

Um Christi Lehre über die Errettung des Lebens zu begreifen, muss man vor allen Dingen verstehen, was alle Propheten, was Salomon, Buddha und alle Weisen der Welt über das persönliche Leben des Menschen gesagt haben. Man kann – nach einem Ausspruche Pascals – sich des Nachdenkens darüber enthalten, man kann einen Schirm vor sich hertragen, der unsren Blicken jenen Abgrund des Todes entzieht, dem wir alle zueilen; es genügt aber darüber nachzudenken, was das einzelne, persönliche Leben des Menschen ist, um sich davon zu überzeugen, dass dieses ganze Leben, wenn es ein blos persönliches ist, für jeden einzelnen Menschen nicht nur gar keinen Sinn hat, sondern eine böse Verspottung des Herzens, der Vernunft und alles dessen ist, was Gutes im Menschen ist. Und deshalb muss man, um Christi Lehre zu verstehen, zu allererst sich besinnen, es muss sich in uns jenes μετανοεῖν vollziehen, dasselbe, wovon in der Verkündigung seiner Lehre Christi Vorgänger, Johannes, zu eben solchen verirrten Menschen spricht. Er sagt: »Vor allem besinnet euch, sonst werdet ihr alle umkommen.« Er sagt: »Das Beil liegt schon bei dem Baume um ihn umzuhauen. Tod und Verderben sind da, neben jedem. Vergesst das nicht und besinnet euch.« Und Christus sagt dasselbe, als er seine Predigt beginnt

»Besinnet euch, sonst werdet ihr alle umkommen.« Es ist Christus von dem Untergange der von Pilatus getödteten Galiläer erzählt worden (Luk. 13, 1 ff.) und er sagt: »Meinet ihr, dass diese Galiläer vor allen Galiläern Sünder gewesen sind, dieweil sie das erlitten haben (2)? Ich sage nein; sondern so ihr euch nicht bessert, besinnt (μετανοεῖν heisst sich besinnen, aber nicht bessern), werdet ihr alle auch also umkommen (3). Oder meinet ihr, dass die achtzehn, auf welche der Thurm in Siloah fiel und erschlug sie, seien schuldig gewesen vor allen Menschen, die zu Jerusalem wohnen (4)? Ich sage nein; sondern so ihr euch nicht besinnet, werdet ihr alle auch also umkommen (5).«

Wenn Christus zu unserer Zeit, in Russland gelebt hätte, würde er gesagt haben: Glaubet ihr denn, dass die im Zirkus von Berditschew Verbrannten oder die auf dem Erdaufwurfe bei Kukujewo Verschütteten schuldiger gewesen sind, denn andere? Alle werdet ihr ebenso umkommen, wenn ihr euch nicht besinnet, wenn ihr in eurem Leben nicht das findet, was nicht zu Grunde geht. Der Tod der vom Thurme Erdrückten, der im Zirkus Verbrannten entsetzt euch alle; euer Tod aber, ebenso furchtbar und unvermeidlich, steht gleichfalls vor euch. Und vergebens bemühet ihr euch ihn zu vergessen. Wenn er unerwartet kommt, wird er noch furchtbarer sein.

Er sagt Lukas 12, 54-57: »Wenn ihr eine Wolke sehet aufgehen vom Abend, so sprecht ihr bald: es kommt ein Regen; und es geschieht also. Und wenn ihr sehet den Südwind wehen, so sprecht ihr: es wird heiss werden; und es geschieht also. Ihr Heuchler, die Gestalt der Erde und des Himmels könnt ihr prüfen; wie prüfet ihr aber diese Zeit nicht? Warum richtet ihr aber nicht an euch selber, was recht ist?«

Ihr erkennet, nach gewissen Anzeichen, das Wetter voraus: wie sehet ihr denn nicht, was mit euch geschehen muss? Entfliehe der Gefahr, behüte dein Leben so viel du willst, und dennoch: wenn nicht Pilatus dich tödtet, so wird ein Thurm dich erdrücken, und wenn weder Pilatus noch ein Thurm dich tödtet, so wirst du im Bette unter noch entsetzlicheren Qualen sterben.

Macht eine einfache Berechnung, wie weltliche Leute sie machen, wenn sie etwas unternehmen: einen Thurm bauen, oder in den Krieg ziehen oder eine Fabrik errichten. Sie unternehmen und sorgen um etwas, was einen vernünftigen Zweck haben soll.

Lukas 14, 28-31: »Wer ist aber unter euch, der einen Thurm bauen will, und sitzt nicht zuvor, und überschlägt die Kosten, ob er es habe hinauszuführen? Auf dass nicht, wo er den Grund gelegt hat, und kann es nicht hinausführen, alle die es sehen, anfangen seiner zu spotten und sagen: dieser Mensch hob an zu bauen, und kann es nicht hinausführen. Oder, welcher König will sich begeben in einen Streit wider einen anderen König, und sitzt nicht zuvor, und rathschlagt, ob er könne mit zehntausend begegnen dem, der über ihn kommt mit zwanzigtausend?«

Ist es denn nicht sinnlos sich um etwas zu mühen, was, trotz alles Fleisses, nie vollendet werden kann? Immer wird der Tod früher eintreten, als der Thurm deines weltlichen Glückes vollendet sein wird. Und wenn du im voraus weisst, dass, soviel du auch mit dem Tode ringen magst, nicht du ihn, sondern er dich besiegen wird: ist es da nicht besser gar nicht gegen ihn zu kämpfen und nicht die Seele hineinzulegen in das, was sicher untergeht, sondern eine Arbeit zu suchen, die nicht mit dem unvermeidlichen Tode zusammenbricht?

Lukas 12, 22-27: »Er sprach zu seinen Jüngern: darum sage ich euch, sorget nicht für euer Leben, was ihr essen sollt; auch nicht für euren Leib, was ihr anthun sollt (22). Das Leben ist mehr, denn die Speise; und der Leib mehr, denn die Kleidung (23). Nehmet wahr der Raben: sie säen nicht, sie ernten auch nicht, sie haben auch keinen Keller noch Scheune; und Gott nähret sie doch. Wie viel aber seid ihr besser, denn die Vögel (24)? Welcher ist unter euch, ob er schon darum sorget, der da könnte eine Elle lang seiner Grösse Diese Worte sind falsch übersetzt: das Wort ἡλικία heisst Lebensalter, Lebenszeit und deshalb bedeutet der ganze Ausdruck: »ihr könnt eurem Leben keine Spanne Zeit, d.i. keine Stunde, keinen Tag zulegen.« zusetzen (25)? So ihr denn das Geringste nicht vermöget, warum sorget ihr für das andere (26)? Nehmet wahr der Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, so spinnen sie nicht. Ich sage euch aber, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht ist bekleidet gewesen, als der eine (27).«

Wie viel ihr auch sorgen möget um Leib und Nahrung, so kann doch niemand seinem Leben auch nur eine Stunde zusetzen. Ist es also nicht sinnlos um etwas zu sorgen, was ihr nicht erreichen könnt?

Ihr wisst sehr gut, dass euer Leben mit dem Tode enden wird, und ihr sorget darum euer Leben durch Reichthum zu sichern. Das Leben kann nicht durch Reichthum gesichert werden. Begreifet, dass dies eine lächerliche Täuschung ist, durch die ihr euch selbst betrügt.

Es kann die Bedeutung des Lebens – sagt Christus – nicht in dem liegen, was wir ausser uns besitzen und erwerben; seine Bedeutung muss in etwas anderem liegen.

Er sagt Luk. 12, 16-21: des Menschen Leben, bei all' seinem Ueberfluss, hängt nicht von seinem Besitzthum ab. »Es war ein reicher Mensch, dess Feld hatte wohl getragen (16). Und er gedachte bei sich selbst, und sprach: was soll ich thun? ich habe nicht, da ich meine Früchte hinsammle (17). Und sprach: das will ich thun; ich will meine Scheunen abbrechen, und grössere bauen, und will darin sammeln alles, was mir gewachsen ist, und meine Güter (18). Und will sagen zu meiner Seele: liebe Seele, du hast einen grossen Vorrath auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink, und habe guten Muth (19). Aber Gott sprach zu ihm: du Narr, diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern, und wess wird es sein, das du bereitet hast (20)? Also gehet es, wer sich Schätze sammlet, und ist nicht reich in Gott (21).«

Der Tod steht immer, zu jeder Zeit, über euch. Und deshalb heisst es Luk. 12, 35-40: »Lasset eure Lenden umgürtet sein, und eure Lichter brennen (35), Und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wann er kommt und anklopft, sie ihm bald aufthun (36). Und so er kommt in der andern Wache, und in der dritten Wache, und wird es also finden, selig sind diese Knechte (38). Das sollt ihr aber wissen, wenn ein Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb käme; so wachte er, und liesse nicht in sein Haus brechen (39). Darum seid ihr auch bereit; denn des Menschen Sohn wird kommen zu der Stunde, da ihr es nicht meinet (40).«

Das Gleichniss von den Jungfrauen, die den Bräutigam erwarten, vom Ende der Welt und vom jüngsten Gericht, alle diese Stellen haben, nach den Meinungen aller Erläuterer, ausser der Bedeutung des Unterganges der Welt noch den Sinn, dass dem Menschen immer, zu jeder Stunde, der Tod bevorsteht.

Der Tod, der Tod, der Tod harret euer jeden Augenblick. Euer Leben wird vollbracht im Angesichte des Todes. Wenn ihr persönlich für eure Zukunft arbeitet, so wisst ihr selbst, dass euch in der Zukunft eines erwartet – der Tod; und dieser Tod zerstört alles, um was ihr euch bemüht. Also kann das Leben um seiner selbst willen keine Bedeutung haben. Wenn es ein vernünftiges Leben giebt, so muss es irgend ein anderes sein, d. h. ein solches dessen Ziel nicht in der Zukunft, sondern auf sich selbst beruht. Um vernünftig zu leben, muss man so leben, dass der Tod das Leben nicht zerstören kann.

Lukas 10, 41 f.: »Martha, Martha, du hast viele Sorge und Mühe; eines aber ist noth.«

Alle jene unzähligen Geschäfte, die wir für uns selbst verrichten, brauchen wir in der Zukunft nicht; alles das ist eine Täuschung, mit der wir uns selbst betrügen. »Eines aber ist noth.«

Von seiner Geburt an ist die Lage des Menschen derartig, dass ein unvermeidlicher Untergang seiner harrt, d. h. ein sinnloses Leben und ein sinnloser Tod, wenn er nicht dieses gewisse Eine das noth ist, findet. Dieses Eine aber, was das wahre Leben giebt, ist eben das, was Christus den Menschen verkündet. Er denkt es nicht aus, er verspricht nicht es kraft seiner göttlichen Macht zu geben; er zeigt blos den Menschen, dass mit diesem persönlichen Leben, welches eine unzweifelhafte Täuschung ist, zugleich das bestehen muss, was Wahrheit und keine Täuschung ist.

Durch das Gleichniss von dem Weinberge (Matth. 21, 33-42) erklärt Christus die Quelle der Verirrung des Menschen, die ihnen die Wahrheit verbirgt und sie das eingebildete, also ihr persönliches Leben, für das wahre Leben halten lässt.

Menschen, die in des Herrn bebautem Garten lebten, haben sich eingebildet Besitzer dieses Gartens zu sein. Und aus dieser falschen Vorstellung entspringt eine Reihe sinnloser und grausamer Handlungen dieser Leute, welche damit enden, dass sie vertrieben und aus dem Leben ausgeschlossen werden. – Ebenso haben auch wir uns eingebildet, dass das Leben jedes einzelnen von uns unser persönliches Eigenthum ist, dass wir ein Recht darauf haben und damit schalten dürfen wie wir wollen, ohne irgend welche Verpflichtungen gegen wen es auch sei zu haben. Und für uns, die wir uns solches eingebildet haben, ist eine ebensolche Reihe sinnloser und grausamer Handlungen und Trübsale unvermeidlich; ebenso unvermeidlich ist das Ausgeschlossenwerden aus dem Leben. Und wie die Weinbauer meinen, je schlimmer sie seien, um so besser sichern sie sich, und die Gesandten und des Hausherrn Sohn tödten, – so scheint es auch uns, dass, je schlimmer wir sind, um so besser wir uns sichern.

Wie bei den Weinbauern das unvermeidliche Ende eintritt, dass der Hausherr sie aus dem Garten vertreibt, weil sie keinem die Früchte daraus geben, so endet es auch mit den Menschen, die sich eingebildet haben, dass das persönliche Leben das wahre Leben ist. Der Tod vertreibt sie aus dem Leben und ersetzt sie durch neue Menschen, aber nicht zur Strafe, sondern nur deshalb, weil sie das Leben nicht begriffen haben. Gleichwie die Bewohner des Gartens entweder vergessen hatten oder nicht wissen wollten, dass ihnen der Garten übergeben war, umgraben, umzäunt, mit einem ausgegrabenen Brunnen, dass also jemand für sie gearbeitet hatte und deshalb auch von ihnen Arbeit erwartete, – so haben auch die Menschen, die ein persönliches Leben leben, vergessen, oder wollen alte das vergessen, was vor ihrer Geburt für sie gethan worden ist, was während ihres Lebens gethan wird und was folglich auch von ihnen erwartet wird. Sie wollen vergessen, dass alle Güter der Welt, die sie gemessen, gegeben sind und gegeben werden und deshalb weitergegeben oder abgegeben werden müssen.

Diese Veränderung der Ansicht über das Leben, diese μετάνοια ist der Eckstein der Lehre Christi, wie er es auch am Schlusse des Gleichnisses ausgesprochen hat. Christus lehrt: gleich den Weinbauern, die, in einem Garten lebend, der nicht von ihnen bearbeitet war, begreifen und fühlen mussten, dass sie in unbezahlbarer Schuld vor dem Hausherrn standen, müssen auch die Menschen begreifen und fühlen, dass, von dem Tage ihrer Geburt bis zu ihrem Tode, sie stets in unbezahlbarer Schuld vor jemand stehen: vor denen, die vor ihnen gelebt, vor den Mitlebenden und vor den Kommenden; vor dem, was der Anfang von allem war, ist und sein wird. Sie müssen verstehen, dass sie mit jeder Stunde ihres Lebens, während welcher sie das Leben annehmen, diese Verpflichtung, die sie mit dem Leben und dessen Uranfang verbindet, befestigen und dass deshalb der diese Verpflichtung verleugnende und für sich lebende Mensch, indem er sein persönliches Leben zu bewahren sucht, dieses sein Leben eben zu Grunde richtet.

Gerade das hat Christus vielemal wiederholt.

Das wahre Leben ist nur dasjenige, welches das vergangene Leben fortsetzt und zum Heile des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens beiträgt.

Um Mitgenosse eines solchen Lebens zu sein, muss der Mensch sich von seinem Willen lossagen um den Willen des Vaters zu erfüllen, der das Leben des Menschen Sohne gegeben hat (Joh. 5 u. 8). Der Knecht, der seinen eigenen und nicht seines Herrn Willen thut, bleibet nicht ewiglich im Hause des Herrn; nur der Sohn, der des Vaters Willen erfüllt, bleibet ewiglich darin (8, 35). In diesen Worten spricht Christus denselben Gedanken, nur in anderer Wendung aus.

Der Wille aber des Vaters des Lebens ist das Leben, nicht des einzelnen Menschen, sondern des alleinigen Menschen-Sohnes, der in den Menschen lebt; und deshalb bewahrt der Mensch das Leben nur dann, wenn er auf sein Leben wie auf ein Pfand sieht, auf eine Gabe, die ihm vom Vater verliehen ist, um dem Leben aller zu dienen, – wenn er nicht für sich, sondern für des Menschen Sohn lebt.

Matth. 25, 14-46. Ein Herr gab jedem seiner Knechte einen Theil seiner Güter, sagte ihnen nichts und liess sie allein. Ein Theil der Knechte, ob sie auch keinen Befehl vom Herrn darüber empfangen, wie sie das ihnen anvertraute Gut des Herrn verwenden sollten, begriffen, dass dieses Gut nicht ihnen, sondern dem Herrn gehörte und wachsen musste, und arbeiteten für den Herrn. Und die Knechte, die für den Herrn gearbeitet hatten, wurden Theilnehmer an dem Leben des Herrn; die aber nicht gearbeitet hatten, verloren auch das, was ihnen gegeben worden war.

Das Leben des Menschen-Sohnes ist allen Menschen verliehen und es ist ihnen nicht gesagt, wozu es ihnen gegeben ward. Die einen begreifen, dass das Leben nicht ihr Eigenthum ist, sondern ihnen nur verliehen ist wie eine Gabe und dem Leben des Menschen-Sohnes dienen soll, und sie leben danach. Andere, unter dem Vorwande das Ziel des Lebens nicht zu verstehen, dienen nicht dem Leben. Und die Menschen, die dem Leben dienen, vereinigen sich mit dem Ursprung des Lebens; die Menschen aber, die nicht dem Leben dienen, gehen dessen verlustig. Und also spricht Christus vom 31. bis zum 46. Vers darüber, worin das Dienen des Menschen-Sohnes und worin der Lohn dieses Dienstes besteht. Des Menschen Sohn wird, nach Christi Ausspruch, wie ein König sagen: kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich dafür, dass ihr mich gespeiset, getränkt, bekleidet, beherberget und getröstet habt, denn ich bin immer ein und derselbe in euch und in dem Geringsten derer, die ihr getröstet und denen ihr Gutes gethan habt. Dar habet nicht euer Leben gelebt, sondern das Leben des Menschen-Sohnes, und deshalb sollt ihr das ewige Leben haben.

Nur dieses ewige Leben ist es, das Christus in allen Evangelien lehrt. Und wie sonderbar es auch sein mag von Christus, der der kirchlichen Lehre nach persönlich auferstanden und allen die Auferstehung versprochen hat, es zu sagen: nie hat Christus auch nur mit einem Worte die persönliche Auferstehung und die Unsterblichkeit der Persönlichkeit jenseits des Grabes bestätigt, sondern er hat auch jener Wiederherstellung der Todten im Reiche des Messias, wie es die Pharisäer verkündigten, eine Bedeutung beigelegt, welche die Vorstellung der persönlichen Auferstehung ausschliesst.

Die Sadduzäer bestritten die Wiederherstellung der Todten. Die Pharisäer erkannten sie an, ebenso wie jetzt die rechtgläubigen Hebräer sie anerkennen. Die Wiederherstellung der Todten (nicht »Auferstehung«, wie das Wort fälschlicherweise übersetzt wird) wird sich nach dem Glauben der Hebräer beim Heranrücken des Zeitalters des Messias und der Herstellung des Reiches Gottes auf Erden vollziehen. Christus verneint diesen Glauben an eine durch Zeit und Raum bestimmte fleischliche Wiederherstellung der Todten, wo er ihm entgegentritt, und stellt an seiner statt seine Lehre über die Wiederherstellung des ewigen Lebens in Gott auf. Als die Sadduzäer, die da an die Wiederherstellung der Todten nicht glaubten, Christus in der Meinung, dass er die Ansichten der Pharisäer theile, fragen: »wessen wird das Weib der sieben Brüder sein?« – da verwirft Christus ganz klar und bestimmt die Lehre der einen wie der andern.

Er sagt (Matth. 22, 29-32; Mark. 12, 24-27; Luk. 20, 34-38): »Ihr irret und wisset die Schrift nicht, noch die Kraft Gottes.« Und die Vorstellung der Pharisäer verwerfend, sagt er: Die Wiederherstellung der Todten ist keine fleischliche noch persönliche. Die, so die Wiederherstellung erlangen, werden Söhne Gottes werden und leben wie die Engel (die Kraft Gottes) im Himmel (d. i. mit Gott); und persönliche Fragen, wie: wess ist das Weib? wird es für sie nicht geben können, da sie, ihrer Vereinigung mit Gott, aufhören werden Persönlichkeiten zu sein. Was aber die Frage anbelangt, ob es eine Wiederherstellung der Todten giebt, sagt er, indem er den Sadduzäern antwortet, die nur an das irdische Leben glaubten und ausser dem fleischlichen, irdischen Leben kein anderes anerkannten, – habt ihr denn nicht gelesen, was euch von Gott gesagt worden ist? Es steht in der Schrift: »Und Gott sprach zu Moses: ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs.« Wenn Gott zu Moses gesagt hat: ich bin der Gott Jakobs, so ist Jakob für Gott nicht gestorben, denn Gott ist nur der Gott der Lebendigen und nicht der Todten. Für Gott sind alle lebendig. Und deshalb, wenn es einen lebendigen Gott giebt, so ist auch der Mensch lebendig, der in Gemeinschaft mit dem ewig lebendigen Gott getreten ist.

Zu den Pharisäern sagt Christus, dass die Wiederherstellung des Lebens keine fleischliche und persönliche sein kann. Zu den Sadduzäern sagt er, dass es ausser dem persönlichen und zeitlichen Leben noch ein Leben in der Gemeinschaft mit Gott giebt.

Während Christus die persönliche, fleischliche Auferstehung ableugnet, erkennt er eine Wiederherstellung des Lebens darin an, dass der Mensch sein Leben in Gott überträgt. Christus lehrt die Erlösung vom persönlichen Leben und legt diese Erlösung in die Erhöhung des Menschen-Sohnes und in das Leben in Gott. Indem er diese seine Lehre mit der Lehre der Hebräer über das Erscheinen des Messias verbindet, spricht er zu den Hebräern über die Wiederherstellung des Menschen-Sohnes von den Todten, nicht in dem Sinne einer fleischlichen und persönlichen Wiederherstellung, sondern des Erwachens des Lebens in Gott. Von einer fleischlichen, persönlichen Auferstehung spricht er dagegen niemals. Der beste Beweis dafür, dass Christus nie die Auferstehung der Menschen gepredigt hat, sind jene zwei einzigen Stellen, die von den Theologen als Bestätigung seiner Lehre der Auferstehung angeführt werden. Diese zwei Stellen sind Matth. 25, 31 ff. u. 46 und Joh. 5, 28 u. 29. An der ersten ist die Rede von dem Erscheinen, d. h. der Wiederherstellung, der Erhöhung des Menschen-Sohnes (wovon auch Matth. 10, 23 gesprochen wird), und darauf werden die Grösse und die Macht des Menschen-Sohnes mit denen eines Königs verglichen. An der zweiten Stelle wird von der Wiederherstellung des wahren Lebens hier auf Erden gesprochen, wie es auch im vorhergehenden 24. Verse erwähnt ist.

Es genügt sich in den Sinn der Lehre Christi von dem ewigen Leben in Gott hineinzudenken; es genügt schon sich die Lehre der hebräischen Propheten zu vergegenwärtigen, um zu begreifen, dass wenn Christus die Lehre von der Auferstehung der Todten hätte predigen wollen, die damals eben erst in den Talmud aufgenommen zu werden begann und ein Gegenstand des Streites war, er klar und bestimmt diese Lehre ausgedrückt hätte; er aber hat, im Gegentheil, nicht nur. dies nicht gethan, sondern er hat diese Lehre sogar verworfen, und in allen Evangelien findet man keine einzige Stelle, die sie bestätigen würde, da die zwei oben angeführten etwas ganz anderes besagen.

Ueber seine persönliche Auferstehung aber, wie sonderbar es auch allen erscheinen mag, die das Evangelium nicht selbst studirt haben, spricht Christus nie und nirgends. Wenn, wie die Theologen es lehren, die Grundlage der Lehre Christi darin besteht, dass Christus auferstanden ist, so müsste man annehmen, dass das Geringste, was man verlangen könnte, das wäre, dass Christus, wissend, dass er auferstehen würde und dass darin das Hauptdogma des Glaubens an ihn bestehen würde, dies wenigstens ein einziges Mal klar und bestimmt ausgesprochen hätte. Er aber hat nicht allein das nicht klar und bestimmt ausgesprochen, sondern nicht ein Mal, nicht ein einziges Mal, nach allen unsren kanonischen Evangelien, auch nur angedeutet. Christi Lehre besteht darin, des Menschen Sohn, d. h. das Wesen des Lebens der Menschen zu erhöhen, sich zum Sohne Gottes zu bekennen. In sich selbst personifizirt Christus den Menschen, der sich zur Sohnschaft Gottes bekennt Er fragt die Jünger (Matth. 16, 13–20): »Wer sagen die Leute, dass des Menschen Sohn sei?« Die Jünger antworten, dass etliche ihn für den wunderbar auferstandenen Johannes oder für einen Propheten halten andere meinen er sei Elias, der vom Himmel gekommen sei. Und er fragt: »Und wer sagt denn ihr, dass ich sei?« Und da antwortet Petrus, der Christus ebenso begreift wie er selbst: »Du bist Messias, des lebendigen Gottes Sohn.« Und Christus sagt: »Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern unser Vater im Himmel« – d. h. du hast es nicht deshalb begriffen, weil du menschlichen Erklärungen geglaubt, sondern weil du, indem du dich zum Sohne Gottes bekanntest, mich verstanden hast. Und nachdem er Petrus erklärt hat, dass auf dieser Sohnschaft Gottes der wahre Glaube beruht, sagt Christus den andern Jüngern (20), dass sie niemand im voraus mittheilen sollen, dass er »Jesus der Messias wäre«. Und danach sagt er, dass trotzdem dass man ihn quälen und tödten wird, des Menschen Sohn, der sich zum Sohne Gottes bekennt, dennoch wiederhergestellt werden und über alles den Sieg davontragen wird. Und diese Worte werden als Weissagung seiner Auferstehung ausgelegt: Joh. 2, 19-22. Matth. 12, 40. Luk. 11, 30. Matth. 16, 4. Matth. 16, 21. Mark. 8, 31. Luk. 9, 22. Matth. 17, 23. Mark. 9, 31. Matth. 20, 19. Mark. 10, 34. Luk. 18, 33. Matth. 26, 32. Mark. 14, 28. – Dies sind alle die 14 Stellen, die derart, aufgefasst werden, dass Christus seine Auferstehung verkündigt. An drei dieser Stellen wird von Jonas »in des Wallfisches Bauche« gesprochen und an einer über das Aufrichten des Tempels. An den übrigen zehn Stellen aber wird darüber gesprochen, dass des Menschen Sohn nicht untergehen könne; doch nirgends wird auch nur mit einem Worte die »Auferstehung Jesu Christi« erwähnt. An allen diesen Stellen steht im Original sogar nirgends das Wort »Auferstehung«. – Gebt einem Menschen, der keine theologischen Erklärungen kennt, aber Griechisch versteht, diese Stellen zum Uebersetzen und nie wird jemand sie so übersetzen wie sie übersetzt sind. Im Original stehen an diesen Stellen zwei verschiedene Zeitwörter: das eine ist ἀνίστημι, das andere έγείρω). Das eine dieser Worte bedeutet »wieder herstellen«, das andere »erwecken« und im Medium »aufwachen«, »aufstehen«. Aber weder das eine noch das andere kann je in irgend einem Falle »auferstehen« bedeuten. Um sich vollkommen davon zu überzeugen, dass diese griechischen Wörter und das ihnen entsprechende hebräische heqim nicht auferstehen bedeuten können, braucht man nur jene Stellen des Evangeliums gegen einander zu halten, wo jene Wörter gebraucht werden; und sie sind oft und vielmal angewendet und nicht ein einziges Mal durch das Wort auferstehen übersetzt. Das Wort auferstehen, ressusciter, existirt weder in der griechischen noch in der hebräischen Sprache, da es keinen dem entsprechenden Begriff gab. Um in der griechischen oder in der hebräischen Sprache den Begriff des Auferstehens auszudrücken, bedarf es einer Umschreibung; man muss sagen: »stand auf« oder »erwachte von den Todten«. So heisst es im Evangelium Matth. (14, 2), dass Herodes (Antipas) glaubte, Johannes der Täufer sei »auferstanden«; und dort ist gesagt: »von den Todten erwacht«. So heisst es auch bei Lukas (16, 31) im Gleichniss von Lazarus, dass wenn auch jemand auferstünde, so würde man selbst dem Auferstandenen nicht glauben; es ist gesagt: »auferstünde von den Todten«. Da aber, wo zu den Worten »aufstehen« oder »erwachen« nicht die Worte »von den Todten« hinzugefügt sind, bedeuten die Worte »aufstehen« und »erwachen« nie »auferstehen« und können es nie bedeuten. Christus aber, wenn er von sich selbst spricht, an all' den Stellen, die als Beweise seiner Weissagungen über die Auferstehung angeführt werden, gebraucht nie, nicht ein einziges Mal die Worte »von den Todten«.

Unser Begriff von der Auferstehung ist dem Begriffe der Hebräer vom Leben so fremd, dass man sich nicht einmal vorstellen kann, wie Christus zu den Hebräern von der Auferstehung und einem ewigen, persönlichen, jedem Menschen eigenen Leben sprechen konnte. Den Begriff eines zukünftigen persönlichen Lebens haben wir weder aus der Lehre der Hebräer, noch aus der Lehre Christi geschöpft; er ist sozusagen ganz aus dritter Hand in die Kirchenlehre eingedrungen. Wie sonderbar es scheinen mag, man kann nicht umhin zu sagen, dass der Glaube an ein zukünftiges persönliches Leben eine sehr niedrige und grobe Vorstellung ist, die sich auf eine Verwechslung des Schlafes mit dem Tode gründet und allen wilden Völkern eigen ist; die hebräische Lehre aber, von der christlichen gar nicht zu sprechen, stand unermesslich hoch über einer derartigen Vorstellung. Wir sind jedoch so überzeugt, dass dieser Aberglaube etwas sehr Erhabenes ist, dass wir mit dem grössten Ernste den Vorzug unserer Lehre vor den andern geradezu dadurch erweisen, dass wir an diesem Aberglauben festhalten, während andere Religionen, wie die der Chinesen und Inder, nicht an ihm haften. Der Vorzug unsrer Lehre wird nicht nur von den Theologen so erwiesen, sondern auch von freidenkenden gelehrten Religions-Historikern, wie Theile, Max Müller u. a. Indem sie die Religionen klassifiziren, geben sie zu, dass diejenigen unter ihnen, die diesen Aberglauben theilen, höher stehen als die, welche ihn nicht theilen. Der freidenkende Schopenhauer nennt die hebräische Religion geradezu die »niederträchtigste« aller Religionen, weil sie »keine Idee« von der Unsterblichkeit der Seele hat. In der That existirte in der hebräischen Religion weder ein derartiger Begriff, noch ein derartiges Wort. Das ewige Leben heisst auf hebräisch Chajoh leolam. Olam bedeutet das Unendliche, Unerschütterliche, bedeutet auch das Weltall, den Kosmos. Das Leben überhaupt, umsomehr das ewige Leben ist, nach der Lehre der Hebräer die Eigenschaft des einen Gottes; Gott ist der Gott des Lebens, der lebendige Gott. Der Mensch ist, nach den Begriffen der Hebräer, immer sterblich, Gott allein lebt in Ewigkeit. In den fünf Büchern Mosis kommt der Ausdruck »ewig leben« zweimal vor. Das eine Mal, im 5. Buche Kap. 32 Vers 39 und 40, spricht Gott: »Sehet ihr nun, dass ich es allein bin und ist kein Gott neben mir? Ich kann tödten und lebendig machen, ich kann schlagen und kann heilen und ist niemand der aus meiner Hand errette. Denn ich will meine Hand in den Himmel heben und will sagen: ich lebe ewiglich.« Das zweite Mal in der Genesis (3, 22) spricht Gott: »Siehe, Adam ist geworden als unser einer und weiss was gut und böse ist. Nun aber, dass er nicht ausstrecke seine Hand und breche auch von dem Baume des Lebens und esse, und lebe ewiglich.« Diese zwei einzigen Fälle der Anwendung des Ausdrucks »ewiglich leben« in den 5 Büchern Mosis und in dem ganzen Alten Testament (mit Ausnahme eines Kapitels des apokryphen Daniel) definiren klar die Begriffe der Hebräer über das Leben überhaupt und über das ewige Leben. Das Leben an sich ist, nach den Begriffen der Hebräer, ewig und ewig ist es nur in Gott; der Mensch aber ist immer sterblich; dies ist sein unabänderliches Geschick.

Nirgends ist im Alten Testamente das gesagt, was uns in der heil. Geschichte gelehrt wird: dass Gott dem Menschen eine unsterbliche Seele »eingeblasen« hat oder dass der erste Mensch vor dem Sündenfall unsterblich gewesen ist. Nach der ersten Sage der Genesis Kap. 1, 26 ff. schuf Gott den Menschen ebenso wie die Thiere, ein männliches und ein weibliches Geschlecht, und befahl ihnen ebenso sich fortzupflanzen und sich zu vermehren. Gleichwie von den Thieren nicht gesagt wird, dass sie unsterblich geschaffen seien, so auch nicht vom Menschen. Im dritten Kap. wird davon gesprochen, wie der Mensch das Gute und Böse erkannte. Ueber das Leben ist geradezu gesagt, dass Gott den Menschen aus dem Paradiese vertrieben und ihm den Weg zu dem Baume des Lebens verlegt hat. Der Mensch hat also nicht vom Baume des Lebens genossen, er hat also das ewige Leben nicht erhalten und ist sterblich geblieben.

Nach der Lehre der Hebräer ist der Mensch genau so wie er ist, d. i. sterblich. Das Leben in ihm ist nur das Leben, welches sich von Geschlecht zu Geschlecht im Volke fortpflanzt. Nur das Volk hat, nach der Lehre der Hebräer, die Möglichkeit eines ewigen Lebens. Wenn Gott sagt: ihr werdet leben und werdet nicht sterben, so sagt er das dem Volke. Das von Gott dem Menschen eingeblasene Leben ist ein sterbliches für jeden einzelnen Menschen; dieses Leben aber pflanzt sich von Geschlecht zu Geschlecht fort, wenn die Menschen das Bündniss mit Gott einhalten, d. i. die Bedingungen, die Gott ihnen darum auferlegt hat.

Nachdem Moses alle Gesetze dargelegt und gesagt hat, dass diese Gesetze nicht im Himmel, sondern in den Herzen der Menschen sind, sagt er 5. B. 30, 15 f.: »Siehe, ich habe dir heute vorgelegt das Leben und das Gute, den Tod und das Böse; der ich dir heute gebiete, dass du Gott liebest und wandelst in seinen Wegen und seine Gebote haltest und leben mögest.« Und im 19. V.: »Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen. Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, dass du das Leben erwählest und du und dein Same leben mögest; dass ihr euren Gott liebet und seiner Stimme gehorchet und ihm anhanget: denn das ist dein Leben und seine Fortdauer

Der Hauptunterschied zwischen unserem Begriffe von dem menschlichen Leben und dem Begriffe der Hebräer besteht darin, dass nach unseren Begriffen unser sterbliches, von Geschlecht zu Geschlecht übergehendes Leben nicht das wahre Leben, sondern ein gesunkenes, aus irgend einem Grunde zeitlich verderbtes Leben ist; nach den Begriffen der Hebräer jedoch ist dieses Leben gerade das wahre, ist das höchste, dem Menschen unter der Bedingung der Erfüllung des Willens Gottes verliehene Gut. Von unserem Gesichtspunkte aus ist der Uebergang dieses gesunkenen Lebens von Geschlecht zu Geschlecht eine Fortpflanzung des Fluches. Vom Gesichtspunkte der Hebräer aus dagegen ist es das höchste Gut, das der Mensch erringen kann, und zwar nur durch die Erfüllung des Willens Gottes.

Auf diesen hebräischen Begriff des Lebens gründet nun Christus seine Lehre über das wahre oder ewige Leben, das er dem persönlichen und sterblichen Leben entgegenstellt. »Suchet in der Schrift, sagt Christus zu den Hebräern (Joh. 5, 39), denn ihr meinet, ihr habt das ewige Leben darinnen.« Ein Jüngling fragt Christus (Matth. 19, 16), wie er in das ewige Leben eingehen könne? Christus beantwortet die Frage nach dem ewigen Leben und sagt: »Willst du zum Leben (er sagt nicht »ewigen Leben«, sondern einfach »Leben«) eingehen, so halte die Gebote.« Also spricht er auch zu dem Schriftgelehrten: »Thue das, so wirst du leben« (Luk. 10, 28), und sagt einfach »leben«, ohne das Wort »ewig« hinzuzusetzen. Christus stellt in beiden Fällen fest, was unter dem Ausdruck »das ewige Leben« zu verstehen ist; wenn er ihn anwendet, so sagt er den Hebräern dasselbe, was vielmal in ihrem Gesetze gesagt ist, nämlich: die Erfüllung des Willens Gottes ist das ewige Leben.

Im Gegensatze zum zeitlichen, persönlichen Leben lehrt Christus jenes ewige Leben, welches, nach dem 5. Buch Mose Gott Israel verheissen hat, nur mit dem Unterschiede, dass nach den Begriffen der Hebräer das ewige Leben nur im auserwählten Volke der Israeliten fortdauerte und zur Erlangung dieses Lebens das Innehalten der ausschliesslich den Israeliten vorgeschriebenen Gesetze erforderlich war, nach der Lehre Christi aber das ewige Leben in des Menschen Sohne fortbesteht und zu dessen Aufrechterhaltung das Befolgen der Gesetze Christi, die den Willen Gottes der ganzen Menschheit verkünden, nothwendig ist.

Christus stellt dem persönlichen Leben nicht das Leben im Jenseits entgegen, sondern das allgemeine, mit dem gegenwärtigen, vergangenen und zukünftigen Leben der ganzen Menschheit verbundene Leben – das Leben des Menschen-Sohnes.

Die Errettung des persönlichen Lebens vom Tode war nach der Lehre der Hebräer die Erfüllung des, im mosaischen Gesetze, in seinen Geboten verkündeten Willens Gottes. Unter dieser Bedingung allein blieb das Leben bestehen und ging von Geschlecht zu Geschlecht in dem von Gott auserwählten Volke über. Die Errettung des persönlichen Lebens vom Tode ist laut Christi Lehre dieselbe Erfüllung des in seinen Geboten verkündeten Willen Gottes. Unter dieser Bedingung allein geht laut Christi Lehre das persönliche Leben nicht zu Grunde, sondern bleibt ewig und unvergänglich in des Menschen Sohne bestehen. Der Unterschied liegt blos darin, dass der Dienst Gottes bei Moses der Dienst Gottes eines einzigen Volkes war; der Dienst des Vaters Christi aber der Dienst Gottes aller Menschen ist. Das Fortbestehen des Lebens in den Geschlechtern eines Volkes war zweifelhaft, weil das Volk selbst verschwinden konnte und weil dieses Fortbestehen von der fleischlichen Fortpflanzung abhing. Das Fortbestehen des Lebens nach Christi Lehre ist unzweifelhaft, weil das Leben nach seiner Lehre in des Menschen Sohn übertragen wird, der nach dem Willen des Vaters lebt.

Angenommen jedoch, die Worte Christi über das jüngste Gericht, über das Ende der Welt und andere Worte im Evangelium Johannis haben die Bedeutung des Versprechens eines zukünftigen Lebens für die dahingeschiedenen menschlichen Seelen, dennoch bleibt es unzweifelhaft, dass seine Lehre über das Licht der Welt, über das Reich Gottes jene, für seine Zuhörer wie auch für uns jetzt fassbare Bedeutung hat, dass das wahre Leben allein das Leben des Menschen-Sohnes nach dem Willen des Vaters ist Dies ist um so eher zuzugeben, als die Lehre über das wahre Leben nach dem Willen des Gottes des Lebens den Begriff der Unsterblichkeit und des Lebens im Jenseits in sich schliesst.

Vielleicht wäre es gerechter anzunehmen, dass den Menschen nach diesem, in der Erfüllung des Willens Gottes durchlebten Erdendasein dennoch ein ewiges, persönliches Leben im Paradiese mit allen möglichen Freuden erwartet; es mag gerechter sein. Das Denken aber, dass es so ist, und das Sichbemühen zu glauben, dass wir für unsere guten Werke durch eine ewige Seligkeit belohnt und für die schlechten durch ewige Qualen bestraft werden, – ein derartiges Denken trägt nicht zum Verständniss der Lehre Christi bei; derart denken heisst im Gegentheil die Lehre Christi ihrer Hauptstütze berauben.

Die ganze Lehre Christi besteht darin, dass seine Schüler, nachdem sie das Trügerische des persönlichen Lebens erkannt haben, sich von demselben lossagen und es in das Leben der ganzen Menschheit übertragen. Die Lehre aber von der Unsterblichkeit der persönlichen Seele, weit entfernt dies Sichlossagen von dem persönlichen Leben zu befördern, befestigt vielmehr dieses Persönliche für alle Zeiten.

Nach den Begriffen der Hebräer, Chinesen, Inder und aller Menschen der Welt, die da nicht an das Dogma des Sündenfalls und der Erlösung des Menschen glauben, ist das Leben genau so wie es ist. Der Mensch lebt, verbindet sich, zeugt Kinder, erzieht sie, wird alt und stirbt. Seine Kinder wachsen heran und setzen sein Leben fort, welches ohne Unterbrechung von Generation zu Generation fortgeführt wird wie alles in der Welt Bestehende: Steine, Erde, Metalle, Pflanzen, Thiere, Gestirne und alles was in der Welt ist. Leben ist Leben und man muss es ausnutzen so gut man vermag. Für sich allein leben ist unvernünftig. Und deshalb, seit es Menschen giebt, suchen sie den Zweck ihres Lebens ausser sich selbst: sie leben für ihre Kinder, für die Familie, für das Volk, für die Menschheit, – für alles, was nicht mit dem persönlichen Leben stirbt.

Nach der Lehre unserer Kirche hingegen wird das menschliche Leben, das höchste uns bekannte Gut, nur als ein geringer Theil jenes Lebens angesehen, welches uns für eine Zeitlang vorenthalten ist. Unser Leben ist, nach diesen Begriffen, nicht ein solches wie Gott es uns geben wollte und hätte geben müssen, sondern unser Leben ist ein verdorbenes, schlechtes, gesunkenes Leben, eine »Probe« des Lebens, eine Verspottung des wahren Lebens, von dem wir uns aus irgend einem Grunde einbilden, dass Gott es uns hätte geben müssen. Die Hauptaufgabe des Lebens besteht dieser Auffassung nach nicht darin, dass wir das uns verliehene irdische Leben so verleben wie der Geber des Lebens es will; auch nicht darin, dass wir es in den Geschlechtern der Menschen verewigen, wie die Hebräer es lehren, oder dass wir es mit dem Willen Gottes verschmelzen, wie Christus lehrt; nein, sie besteht vielmehr darin, dass wir uns überzeugen, dass erst nach diesem Leben das wahre Leben beginnen wird.

Christus spricht nicht über dieses vermeintliche Leben, das Gott uns hätte geben müssen, aus irgend welchem Grunde aber den Menschen nicht gegeben hat. Die Theorie von Adams Sündenfall, von dem ewigen Leben im Paradiese und der unsterblichen Seele, die Gott dem Adam eingeblasen, war Christus unbekannt; er erwähnt ihrer nicht und setzt sie mit keinem einzigen Worte voraus.

Christus spricht vom Leben wie es ist und immer sein wird. Wir aber sprechen von jenem Leben, das wir uns eingebildet haben und das nie gewesen ist. Wie können wir also Christi Lehre begreifen?

Christus konnte sich unmöglich bei seinen Schülern einen so sonderbaren Begriff vorstellen. Er setzt voraus, dass alle Menschen die Unvermeidlichkeit des Unterganges des persönlichen Lebens begreifen, und eröffnet ein Leben, das nicht untergeht. Er giebt das Heil denen, die im Argen sind; denen aber, die sich davon überzeugt haben, dass sie viel mehr besitzen als Christus ihnen giebt, kann seine Lehre nichts geben. Wenn ich einen Menschen ermahne, dass er arbeite, und ihm versichere, dass er dafür Kleidung und Nahrung erhalten wird, aber der Mann ist überzeugt, dass er ohnedies ein Millionär ist, so ist es offenbar, dass er meine Ermahnungen nicht annehmen wird. Dasselbe ist mit der Lehre Christi der Fall. Warum soll ich noch um Verdienst arbeiten, wenn ich auch ohnedies reich sein kann? Warum soll ich mich bemühen dieses Leben nach Gottes Willen zu leben, wenn ich auch ohnehin sicher bin ewig persönlich zu leben?

Man lehrt uns, dass Christus die Menschen dadurch erlöst hat, dass er, die 2. Person der Dreieinigkeit, also Gott, zum Menschen geworden ist, dass er die Sünde Adams und aller Menschen auf sich genommen, die Sünden der Menschen vor der 1. Person der Dreieinigkeit abgebüsst und zu unserer Erlösung die Kirche und die Sakramente gegründet hat. Indem wir daran glauben, werden wir erlöst und erhalten das ewige Leben im Jenseits. Es lässt sich aber nicht ableugnen, dass Christus die Menschen auch dadurch erlöst hat und erlöst, dass er, sie auf ihren unvermeidlichen Untergang hinweisend, mit seinen Worten: ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben – uns den richtigen Weg des Lebens gewiesen hat, an Stelle jenes falschen Weges des persönlichen Lebens, den wir früher gegangen.

Wenn sich auch Menschen finden können, die an einem Leben im Jenseits und an der auf der Busse gegründeten Erlösung zweifeln, so kann doch kein Zweifel mehr bestehen an der Erlösung der Menschen im allgemeinen und jedes einzelnen im besonderen durch die Hindeutung auf den unvermeidlichen Untergang des persönlichen Lebens und die Weisung des rechten Weges der Erlösung in der Verschmelzung des eigenen Willens mit dem Willen des Vaters.

Möge jeder vernünftige Mensch sich fragen, was sein Leben und Tod ist, und möge er diesem Leben und Tode irgend einen andern Sinn beilegen als den, den Christus gelehrt hat!

Jede Vorstellung eines persönlichen Lebens, welches sich nicht auf Selbstverleugnung zu Gunsten andrer, zum Dienste der Menschheit, des Menschen-Sohnes, gründet, ist ein Trugbild, das bei der ersten Berührung mit der Vernunft verfliegt. Daran kann ich nicht mehr zweifeln, dass mein persönliches Leben untergeht, das Leben der ganzen Welt dagegen nach Gottes Willen fortbesteht und dass nur meine innigste Vereinigung mit ihm mir die Möglichkeit der Erlösung giebt. »Dies ist aber so wenig im Vergleich mit jenem erhabenen religiösen Glauben an ein zukünftiges Leben!« Wenig zwar, – doch sicher.

Ich habe mich im Schneegestöber mit andern verirrt. Einer versichert mir, es scheint ihm, dass er hie und da Lichtscheine, hie und da Bäume erblicke; es scheint aber nur so, ihm sowohl wie mir, weil wir es so wünschen; wir sind schon auf diese Lichtscheine losgegangen und es erwies sich, dass keine da waren. Ein anderer aber ging seines Weges durch den Schnee, ging eine Zeit lang, kam auf den Weg heraus und ruft uns nun zu: gehet nirgends hin; der Lichtschein ist in euren Augen, ihr werdet euch überall verirren und werdet umkommen; hier aber ist ein fester Weg und ich stehe auf ihm und er wird uns herausführen! – Das ist sehr wenig. Als wir den Flämmchen trauten, die in unsren blöden Augen flimmerten, da war schon gleich das Dorf vor uns und die warme Stube und Schlaf und Erholung – hier aber war nur ein fester Weg. Wenn wir jedoch dem ersten Führer folgen, werden wir sicher erfrieren, folgen wir dagegen dem zweiten, kommen wir sicher heraus.

Was also soll ein Mensch thun, der allein Christi Lehre begriffen und allein an sie geglaubt hat, inmitten derer, die sie nicht begriffen haben und sie nicht erfüllen?

Was soll ich thun? Soll ich leben wie alle, oder soll ich nach Christi Lehre leben? Ich habe die Lehre Christi in seinen Geboten verstanden und sehe, dass das Befolgen derselben mir und allen Menschen der Welt Glückseligkeit giebt. Ich habe begriffen, dass die Erfüllung dieser Gebote der Wille des Uranfangs ist, von dem auch mein Leben ausgegangen ist.

Ich habe ausserdem begriffen, dass ich, was ich auch thun mag, unvermeidlich an einem sinnlosen Leben und Tod mit allem, was mich umgiebt, zu Grunde gehen muss, wenn ich nicht diesen Willen des Vaters erfülle, und dass darin allein die einzige Möglichkeit der Erlösung liegt.

Indem ich so thue wie alle, handle ich sicher dem Heile aller Menschen entgegen, thue sicher das Gegentheil von dem Willen des Vaters des Lebens und bringe mich um die einzige Möglichkeit meine verzweifelte Lage zu bessern. Wenn ich aber thue was Christus mich zu thun lehrt, setze ich das fort, was gute Menschen vor mir gethan; ich trage zu dem Heile aller jetzt lebenden Menschen bei und derer, die nach mir leben werden; ich thue das, was der von mir verlangt, der mich geschaffen hat, und was allein mich erlösen kann.

Es brennt im Zirkus; alle drücken und pressen einander und drängen sich an die Thür, die sich nach innen öffnet. Es erscheint der Erlöser und sagt: Tretet zurück von der Thüre, kehret um: je mehr ihr dränget, um so weniger Hoffnung habt ihr auf Rettung. Kehret um und ihr werdet einen Ausgang finden und euch retten. – Ob viele, ob ich allein das gehört und daran geglaubt habe, ist einerlei; nachdem ich es aber vernommen und daran geglaubt habe, was kann ich andres thun als umkehren und alle aufrufen der Stimme des Erlösers zu folgen? Man wird mich vielleicht erdrücken, zerquetschen, tödten. Dennoch besteht meine Erlösung blos darin, dass ich dort hingehe, wo sich der einzige Ausgang befindet, und ich kann nicht umhin dorthin zu gehen. Der Erlöser muss in Wirklichkeit Erlöser sein, d. h. er muss retten. Und die Erlösung Christi ist die wahre Erlösung: er ist erschienen, er hat gesprochen – und die Menschheit ward gerettet.

Der Zirkus brennt seit einer Stunde und man muss eilen und die Menschen können möglicherweise nicht die Zeit haben sich zu retten. Die Welt brennt aber bereits seit länger als 1800 Jahren, brennt seit der Zeit, als Christus sprach: ich habe das Feuer auf die Erde gebracht und schmachte, dass es zur Flamme werde – und wird brennen so lange, bis die Menschen sich gerettet haben werden. Sind nicht darum die Menschen da, brennt es nicht darum, damit den Menschen das Heil der Erlösung zu theil wird?

Und nachdem ich das begriffen hatte, begriff und glaubte ich, dass Jesus nicht nur der Messias, Christus, sondern dass er in Wahrheit auch der Erlöser der Welt ist.

Ich weiss, dass es keinen andern Ausgang giebt weder für mich, noch für alle anderen, die mit mir zusammen sich quälen in diesem Leben. Ich weiss, dass es für alle und für mich mit ihnen zusammen keine andre Rettung giebt, als die Erfüllung jener Gebote Christi, die das höchste meinen Begriffen erreichbare Heil der ganzen Menschheit verleihen.

Ob ich mehr Verdruss haben, ob ich früher sterben werde, wenn ich Christi Lehre befolge, das schreckt mich nicht. Das kann nur für denjenigen schrecklich sein, der nicht sieht wie sinnlos und verderblich sein persönliches, einzelnes Leben ist, und der sich einbildet, dass er »nicht sterben« wird. Ich aber weiss, dass mein Leben um eines persönlichen, einzelnen Glückes willen die grösste Thorheit ist, und dass ich nach diesem zwecklosen Leben ganz gewiss nur einen zwecklosen Tod haben werde. Und deshalb habe ich nichts zu fürchten. Ich werde ebenso sterben wie alle, ebenso wie diejenigen, die Christi Lehre nicht erfüllen; aber mein Leben und mein Tod werden einen Sinn haben, für mich sowohl wie für alle. Mein Leben und mein Tod werden zur Errettung und zum Leben anderer beitragen – das eben ist das, was Christus lehrt.

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