Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Adalbert Stifter: Witiko - Kapitel 99
Quellenangabe
typefiction
booktitleWitiko
authorAdalbert Stifter
year1997
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-12375-3
titleWitiko
pages3
created19990819
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1865
Schließen

Navigation:

Als die Zeit heran nahete, in der sie Prag verlassen wollten, ging Witiko noch einmal zu dem Herzoge.

Der Herzog sprach zu ihm: »Gehabe dich wohl, Witiko. Der hocherhabene Kardinal Guido hat sehr vieles gewirkt. Es ist nun in den kirchlichen Dingen eine Ordnung und Festigkeit, in die Männer der Kirche kömmt eine Anständigkeit und eine Sitte, und die Frömmigkeit und Reinigkeit wird folgen. Der Bund ist also größer geworden, wie du einmal gesagt hast. Aber er muß erst reifen. Was auch geschieht, wenn der Kardinal die Länder verlassen hat, so müssen wir alle durch Umsicht trachten, daß der Bund gedeihe. Und du, Witiko, wirst gewiß nicht der letzte sein. Achte der Zeichen. Und wenn der Bund endlich gefestigt ist, dann kann erst das Größere kommen.«

»Ich werde zu tun streben, was recht und nach deinem Sinne ist«, sagte Witiko.

»Ich weiß es«, antwortete der Herzog, »und ziehe mit Glück in die Burg deines Waldes.«

Witiko verabschiedete sich, und am anderen Tage ging sein Zug von Prag weg dem Mittage des Landes zu.

Fünf Tage nach ihm kam auch Benno in das Witikohaus zurück.

Witiko versammelte nun einmal in seinem Hause alle die Gäste, welche bei dem ersten Erdausheben zum Baue der Burg gewesen waren, wie bereits Lubomir gesagt hatte. Die Gäste betrachteten nun das Haus, da es fertig war, sehr genau, und wurden in alle Räume geführt. Und wie damals ein Mahl unter dem freien Himmel gewesen ist, so war jetzt eines in dem großen Saale, und es war so geordnet, wie Wentila es sonst bei ihrem Gatten in Pric geordnet hatte, und wie Bertha es in den Burgen des Stammes Jugelbach geordnet gesehen hatte.

Dann zog Witiko mit Bertha an verschiedene Stellen des Waldes. Sie gingen nach Friedberg, in den Wangetschlag, zu den Häusern der unteren Moldau, in den oberen Plan, in die Glöckelberge und in die reiche Au. Überall wurde Bertha mit Feierlichkeiten empfangen, die Menschen riefen ihr Glück zu, und priesen ihre Schönheit. In der reichen Au sprach der alte Florian zu ihr: »Da ich Witiko vor langer Zeit als Wegkundiger durch den Wald hinein geführt hatte, und da wir auf der Stelle des heiligen Apostels Thomas gestanden waren, hatte Witiko gesagt: Hier sollte eine Königsburg stehen, und ich hatte geantwortet: Da könnte ein hoher Herr hausen. Und nun steht seine Burg auf der Stelle. Wer hätte das gedacht, und wer hätte gedacht, daß er die hochedle Bertha aus dem Hause, das in dem Walde steht, wo Mathias und Margaretha gewesen sind, als seine Ehegemahlin in seine Burg führen würde. Viel Glück, viel Segen in alle Zeit fort und fort.«

»Ich danke dir, Florian«, sagte Bertha. »Komme zu uns in die Burg, und sieh, ob dort eigentlich eine Königsburg stehen sollte. Und wenn auch Margaretha und Mathias nicht mehr in dem Walde an der Mihel sind, so werden wir doch öfter in dem Waldhause meines Vaters sein, und es wird mich freuen, wenn ich dich wieder in jenem Walde sehe, wie ich dich früher gesehen habe.«

»Weil ihr so gute Worte redet, hohe Frau«, entgegnete Florian, »so werde ich wohl in Eure Burg kommen. Ich bin ja sehr oft auf dem Platze des heiligen Thomas gestanden, und wenn auch Margaretha und Mathias nicht mehr in dem Walde an der Mihel sind, so haben sie es jetzt viel besser, und ich gelange doch noch hie und da in den Sesselwald hinauf, und da werde ich auch zu Eurem hohen Vater und zu Eurer hohen Mutter und zu Euch und zu Witiko gehen, wenn er dort ist.«

»Das wird sehr gut sein«, sagte Bertha.

Witiko und Bertha besuchten auch Herren und Frauen, die im Walde oder in der Nähe des Waldes wohnten, und die Herren und Frauen besuchten sie wieder in dem Witikohause. Der alte Lubomir war mit seiner Gattin Boleslawa und mit einem kleinen Gefolge drei Tage in der Burg, und Witiko suchte ihm die Aufnahme, die er in dem Zupenhofe in Daudleb gefunden hatte, zu vergelten. Und die Männer sprachen viel von den Dingen des Landes und der Zupanei, und die Frauen erzählten, wie es in ihrem Hause sei, und redeten von den Angelegenheiten der neuen Burg.

Da dieses geschehen war, wendete sich Witiko wieder den Dingen zu, die er in seinem Gebiete für notwendig hielt.

Ehe der Herbst in das Land rückte, war in Rowna die Vermählung Welislaws mit Dimut. Viele Herren und Lechen und Freunde Welislaws und ihre Frauen und Töchter und Söhne waren in den Wald gekommen, und Herren im Walde und an dem Walde und Freunde und Nachbarn Rownos waren mit ihren Angehörigen gekommen, und Witiko und Bertha und Wentila und Hiltrut und Benno und ein Gefolge waren nach Rowno gezogen. Welislaw war bei der Vermählung in einem hellblauen Sammetgewande mit Gold und edlen Steinen, Dimut hatte ein weißes Sammetgewand mit Gold und edlen Steinen, und einen weißen Schleier. Rowno und seine Gattin und seine Sippen waren in dem höchsten Prunke des Waldes, und die Gäste trugen ein Gepränge, wie es in dem Landstriche eines jeden Sitte war. Daniel, der Propst von Prag, vollzog mit Beihilfe zweier Erzpriester von Prag, dann dem Pfarrer von Friedberg, von Horec, vom Kirchenschlage, von Plan und Bennos in der kleinen Kirche des Rownaturmes die heilige Verbindung. Und wie es nach dem Einzuge Witikos und Berthas in dem Thomaswalde gewesen war, so war es nun in dem Rownawalde. Geschmückte Gezelte waren überall und Hütten und Umzäunungen und Gerüste, und die Gäste und das Volk erlustigten sich. Die Feste dauerten sechs Tage. Am siebenten Tage verabschiedeten sich die Gäste, und bald darauf rüstete Welislaw seinen Zug nach Prag. Manche Herren und Frauen aus der Mitternacht des Landes schlossen sich dem Zuge an. Rowno geleitete ihn mit seinen Sippen bis Prag.

Dann kam der Herbst in die großen Wälder an der jungen Moldau, und dann kam der Winter.

Als die Tage des heiligen Christfestes und des neuen Jahres gefeiert worden waren, gelangten Nachrichten in den Wald, daß in Mähren schlechte Taten geschehen seien, und daß sich die Fürsten gegen den Herzog erhoben haben.

Witiko rüstete sich, und zog schnell mit einem Geleite nach Prag.

Vor dem Abschiede sagte Benno zu Witiko: »Der hocherhabene Kardinal Guido hat einmal zu mir gesagt: Die Wälder wachsen langsam aber sicher, wenn sie Sonne und Feuchtigkeit haben; noch langsamer aber beugt sich der Sinn eines ganzen Volkes, er beuget sich dennoch auch sicher, wenn der rechte Sonnenschein über ihm ist. Der hohe Kardinal ist mild und stark, und wäre wohl ein Sonnenschein, wie er gesagt hat.«

Witiko traf manche, die nach Prag zogen, und hörte viel über geschehene Dinge reden.

In Prag meldete er sich sogleich bei dem Herzoge. Es waren viele Männer gekommen, und auf einen Tag war eine Versammlung in den Saal der Hofburg berufen.

Die Männer der Kirche und des Landes versammelten sich an dem Tage in dem Saale. Der Herzog Wladislaw kam mit seinem Bruder Heinrich herein.

Als sich alle geordnet hatten, stand der Herzog von seinem Sitze auf, und sprach: »Liebe getreue Herren der Kirche und des Landes, und ihr, Söhne Premysls, die ihr zugegen seid. Habet Dank, daß ihr in dem harten Winter zu mir gekommen seid, und höret aufmerksam an, was euch berichtet werden wird. Otto, Herzog von Olmütz, Zweig des Stammes Premysl, wenn es dir genehm ist, so rede.«

Otto, der Herzog von Olmütz, stand auf, und sprach: »Erlauchter Herzog, es ist meine Pflicht, daß ich rede, und ich rede, wie ich es gesehen und erfahren habe. Von dem Heiligen Vater kam ein Sendschreiben an den hochehrwürdigen Bischof Zdik, daß er zu ihm ziehen möge. Zdik bereitete sich sogleich, und rüstete sein Geleite. Ich rüstete zwanzig Männer, um den hochehrwürdigen Bischof zu begleiten, soweit es nötig wäre. An einem der Tage abends langten wir in dem Hofe zu Moren an, um dort Nachtruhe zu halten. Da wir bei dem Mahle waren, kam einer der Männer, welche wir herum streifen ließen, und sagte, es ziehe eine Schar Reisige heran. Es kam ein zweiter Mann alsogleich, und sagte, es ziehen auf mehreren Wegen Reisige herzu. Zdik und ich ließen unsere Männer in Bereitschaft treten, und Nikolaus, der Besitzer des Hofes, sammelte die Seinigen. Wir riefen, die draußen waren, herein, und die Türen und Tore wurden noch mehr verrammelt. Ich stieg unter das Dach empor, um durch Lücken herum zu schauen. Der ganze Hof war von bewaffneten Männern umringt, und sie machten Anstalt, ihn zu erstürmen. Der Hofwart rief durch ein Fenster, was die Leute begehren, sie sollten reden. Sie redeten aber nicht, und es wurde eine Lanze gegen den Hofwart geschleudert. Darauf rief ich: Wenn ihr Räuber seid, so wird euch unser Eisen treffen, seid ihr Männer der Ehre, so sagt, was ihr da beginnet. Sie antworteten nicht, und schlossen ihren Kreis näher. Ihre Zahl war mehr als das Zehnfache der unsern. Ich sagte: Wenn sie die Türen erbrechen, so unterliegen wir; wenn wir aber unsere Macht plötzlich gegen eine Stelle ihres Kreises richten, so können wir den Kreis durchbrechen, und uns in der Nacht in dem Lande zerstreuen. So wurde es beschlossen. Wir entfernten leise die Bollwerke des großen Tores, öffneten es, und gingen schnell an die nächste Stelle des Kreises. Der Kampf zeigte, daß geübte Krieger vor uns waren. Wir konnten im ersten Angriffe nicht durchdringen. Von weiteren Stellen kam unsern Feinden Hilfe zu. Ich erkannte die Zeichen der Herzoge Konrad und Wratislaw, und hörte die Stimme Wratislaws, der befahl. Da richtete ich schnell den Angriff auf die andere Seite, als von der Wratislaw kam, wir durchbrachen den Kreis, ich wendete mich mit den Meinigen, die Verfolger abzuhalten, und rief Zdik zu, er möge sich entfernen. Er tat es, und als ich ihn nicht mehr sah, und als die ganze Menge von Wratislaws Männern gegen uns kam, löseten wir uns auf, und suchten uns in der Tiefe des Schnees zu zerstreuen. Ich wußte einen schmalen getretenen Pfad. Auf dem Pfade ging ich schnell dahin, und die Feinde, die mir in dem unwegsamen Schnee folgten, blieben zurück. Ich ging so mit zwei Männern eine Stunde fort. Dann wendeten wir uns seitwärts zu abgelegenen Hütten, die ich kannte. In den Hütten übernachteten wir. Gegen den Morgen sahen wir ein Feuer gegen Moren hin. Da es Tag geworden war, schickte ich Boten aus den Bewohnern der Hütten auf Kundschaft. Sie kamen zurück, und sagten, der Morenhof sei ganz abgebrannt, und von den Männern, die ihn überfallen hatten, sei keiner mehr in der ganzen Gegend. Es kamen auch einige von meinen Leuten, welche gedacht hatten, daß ich auf dem schmalen Pfade werde fortgegangen sein. Wir näherten uns nun wieder dem Hofe. Da sahen wir einen Mann, welcher im unwegsamen Schnee ging. Er trug einen Sack auf der Schulter. Da wir ihm näher kamen, suchte er sich von uns zu entfernen. Ich gab meinen Leuten den Befehl, ihn zu fangen. Vier Männer liefen ihm in dem Schnee nach, sie erreichten ihn, und brachten ihn gebunden zu mir. Ich ließ den Sack öffnen. In demselben waren silberne Geschirre, Gewänder und Stoffe. Ich sagte zu dem Manne, ich werde ihn mit seinem Stricke auf einen Baum hängen lassen, wenn er uns nicht berichte, wie die Sache mit dem Hofe zu Moren sei, oder wenn er uns belüge. Sage er die Wahrheit, so werde ich ihm das Leben schenken. Der Mann sagte, er sei Dobrohost, und sei bei den Leuten des Herzoges Konrad gewesen. Da sie aber über die Beute stritten, und da er fürchtete, daß sie ihm die silbernen Geschirre nehmen, so sei er vor dem Anbruche des Tages heimlich fortgegangen, und habe das Land Österreich gewinnen wollen. Als ich ihn fragte, ob Krieger in dem Hofe seien, antwortete er, daß alle abgezogen sind, weil sie den Bischof und den Herzog Otto nicht gefunden haben. Wir nahmen den Mann in den Hof mit. An dem Hofe war alles, was brennen konnte, verbrannt. Was fortgebracht werden konnte, war fortgebracht. Wir fanden unsere Pferde und unsere Habschaften nicht mehr. Von den Bewohnern waren nur zwei Knechte da. Der Mann mußte erzählen, was er gesehen habe. Er sagte, daß die Scharen den Hof umringt haben, und daß ein kurzer Kampf gewesen ist. Dann ist der Hof mit Fackeln umstellt worden. Dann sind sie in den Hof gegangen, und haben den Bischof Zdik gesucht. Sie haben ihn mit Lichtern und Fackeln in allen Gemächern und Kellern, Ställen und Winkeln die ganze Nacht gesucht. Und da sie ihn nicht gefunden hatten, und da sie durch Martern von seinen Leuten nicht erfahren konnten, wo er sei, zündeten sie den Hof an. Und dann sind alle mit Beute fortgegangen. Als ich ihn fragte, wer den Überfall gemacht habe, nannte er die Männer: Slawibor, Kuno, Rodmil, Bogdan, Domaslaw, Hinek, Frowin, Jurata, und den alten Mikul. Ich sagte: Du hast die Führer nicht genannt. Da nannte er Konrad, den Herzog von Znaim, Wratislaw, den Herzog von Brünn, und er nannte den Bruder des hocherlauchten Herzoges Wladislaw, der jetzt in Jamnic hauset, Diepold.«

»Diepold«, riefen mehrere Stimmen.

»Diepold ist dabei gewesen«, sagte der Herzog.

In den Augen des Herzoges waren Tränen, da er diese Worte sprach.

Otto redete wieder weiter: »Ich fragte den Mann, welches Vorhaben die Herren mit dem hohen Bischofe gehabt haben. Er sagte, daß er es nicht wisse. Da wir noch redeten, kamen Leute des Bischofes. Sie sagten, daß sie geschlagen, gekneipt, bei den Haaren gerissen und angespien worden sind. Von ihrem Herrn wußten sie nichts. Sie forschten nach ihm. Ich sendete Männer in der Gegend herum, sie brachten keine Nachricht von ihm zurück. Da ging ich zu der Stelle, wo ich den hochehrwürdigen Bischof fortgehen geheißen hatte. Wir fanden die Spur eines einzelnen Mannes, und gingen ihr nach. Wir kamen nach einer Zeit in ein Gebüsch. Dort verwirrte sich die Spur. Wir sahen Tritte von einer andern Seite gegen das Gebüsch hin, sahen im Gebüsche viele Tritte, und dann von ihm weg Tritte von zweien oder mehreren Männern. Wir gingen den Tritten nach. Sie führten endlich auf einen Pfad, und waren nicht mehr zu erkennen. Wir suchten nun Häuser auf, um Nahrung zu erhalten. Ich forschte dann täglich nach dem hochehrwürdigen Bischofe. Am fünften Tage erhielt ich die Nachricht, ein hoher Herr sei krank in Leitomyšl. Der Herr habe aber die Kleider eines Bauers gehabt. Ich ritt nach Leitomyšl. Es war der hochehrwürdige Bischof Zdik, der dort krank war. Er konnte damals noch erzählen, und sagte, daß er sich in einem Gebüsche versteckt habe, daß er große Kälte gelitten habe, daß ein Bauer in das Gebüsch gekommen sei, daß ihm der Bauer einen Teil seines Gewandes gegeben, und daß er ihn dann auf abseitigen Pfaden nach Leitomyšl geführt habe. Dort sei er krank geworden, und könne nicht weiter reisen. Er ist aber noch schwerer krank geworden, und hat sein Bewußtsein verloren. Ich sendete Botschaft an den hohen Herzog Wladislaw. Der hohe Herzog schickte zwei Ärzte nach Leitomyšl, daß sie den Kranken nach Prag brächten. Er konnte aber nicht fortgebracht werden, und die Ärzte blieben bei ihm. Ich ritt nach Prag, um dem erlauchten Herzoge die genaue Nachricht über das, was sich ereignet hatte, zu bringen. Der hochehrwürdige Bischof ist noch in Leitomyšl in schwerer Krankheit befangen. So habe ich die Dinge gesehen und gehört, und so habe ich sie geredet.«

Er setzte sich nach diesen Worten wieder nieder.

Da sprach der Herzog: »Es sind noch die Männer Hugo, Hroznata, Kuneš, Sulislaw und Wot bei dem Überfalle gewesen. Von dem hochehrwürdigen Bischofe wissen wir noch nicht, ob er in dieser Krankheit am Leben bleiben werde oder nicht. Wir haben über alles Kundschaft holen lassen, und es ist so, wie der Herzog Otto gesagt hat. Nun sprich noch, was ist mit dem Manne geschehen, den du gefangen hast?«

»Ich habe ihn frei gelassen, weil er die Wahrheit gesagt hat«, antwortete Otto. »Die Gefäße waren aus der Habschaft des hochehrwürdigen Bischofes, und sind jetzt bei ihm in Leitomyšl.«

Als er diese Worte geredet hatte, rief Odolen mit lauter Stimme: »Und wenn es zehentausendmal unziemlich ist, daß ich jetzt rede, der ich zu den jüngeren und Geringeren gehöre, so muß ich reden, weil ich nicht anders kann, so wahr mir Gott in meinem letzten Hauche gnädig sein wolle. Sitzen wir ungesäumt auf die Pferde, so viel wir nur Männer aufbringen können, reiten wir nach Znaim, und hängen wir den eidbrüchigen, ehrvergessenen, gewissenabtrünnigen Konrad auf die Zinnen seines Schlosses, und reiten wir dann nach Brünn, und hängen Wratislaw, der alles ist, was Konrad ist, auf den höchsten Turm der Stadt, und die Helfer lasse erschlagen, und in eine Grube werfen. Die Räuber und Diebe, die Menschen überfallen, und Kasten erbrechen, sind ehrlicher, als diese.«

»Und Diepold?« fragte der Herzog.

»Der tapfere, gute Diepold ist gar nicht dabei gewesen«, rief Odolen.

»Er ist dabei gewesen«, sagte Wladislaw, »er hat es gestanden.«

»Dann haben sie ihm Zauberei gegeben, daß er aberwitzig geworden ist«, rief Odolen.

»Gegen diese Menschen muß das Äußerste unternommen werden«, rief Welislaw.

»Der Himmel wird eine Strafe auf sie senden, die wir gar nicht ahnen können«, sagte Otto, der Bischof von Prag.

»Ich habe an Diepold Botschaft geschickt, daß er komme«, sprach der Herzog, »er ist aber nicht gekommen. Dann habe ich Konrad und Wratislaw aufgefordert, sich zu verantworten, und sie haben es nicht getan.«

»Mit welchem Rechte kann nun noch einer dieser Gebieter den Dieb, den Räuber, den Mörder strafen?« sagte Gezo, der Abt von Strahow.

»Das schreit bis zu dem Himmel«, sprach Peter, der Abt von Brewnow.

»Sie werden es Kriegführung gegen den Bischof nennen«, sprach Daniel, der Propst von Prag.

»Das Maß mußte voll werden, wie es allemal voll geworden ist«, sagte der alte Bolemil.

»Ich meine, es werden sich alle Umstände ergründen lassen, und dann muß ein Gericht gehalten werden«, sagte Lubomir.

»Es wird der hocherlauchte Herzog das Gericht halten«, sprach Witiko, »und der Heilige Vater wird auf die Handlung der Herzoge antworten; Konrad und Wratislaw haben das heilige Gelöbnis der Buße und Genugtuung, das den Bann von ihnen nahm, gebrochen.«

 << Kapitel 98  Kapitel 100 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.