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Adalbert Stifter: Witiko - Kapitel 91
Quellenangabe
typefiction
booktitleWitiko
authorAdalbert Stifter
year1997
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-12375-3
titleWitiko
pages3
created19990819
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1865
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Darauf sprach Guido, der Kardinal: »Und nun höret mich weiter, Sprossen des Geschlechtes Premysl. Ich rede jetzt als Christ, ich rede als Priester, ich rede als Abgesandter des Stuhles der Menschheit, und ich rede mit der Zunge der Barmherzigkeit des Heiligen Vaters. Und was ich sage, gilt, welchem Lande ich immer angehöre, und welchem Lande ihr angehöret. Wenn ihr durch Reue, Buße und Genugtuung euch mit der Kirche und dem Bischofe von Mähren ausgesöhnt habt, so ist eure Sünde noch nicht getilgt. Ihr habt auch gegen euren rechtmäßigen Herrn, den Herzog von Böhmen und Mähren, gefehlt, da ihr mit den Waffen gegen ihn gestanden seid, da ihr das Blut der Seinen vergossen habt, und da ihr ihn gezwungen habt, das Blut der Eurigen zu vergießen. Ihr habt eine schwere Sünde gegen den heiligen Glauben begangen, der sagt, daß ihr der Obrigkeit gehorchen sollet, und der sagt, daß ihr nicht töten sollet. Ihr habet die Sünde der hoffärtigen Engel begangen, ihr habet die Sünde Kains begangen. Und wie heilig und wie groß der Glaube ist, gegen den ihr gesündiget habt, soll ich euch das sagen? Haben es nicht die weisesten Männer aller Länder, haben es nicht die Männer, die wie eine Sonne unter den Völkern leuchteten, haben es nicht die Männer, welche von der ganzen Menschheit verehrt wurden, gezeigt? Haben sie nicht mit ihrem Leben nach dem Glauben gerungen, durch den der Mensch zu Gott gelangt, und ohne den er nichts ist? Ich rede nicht von den Apostelmännern Cyrillus und Methodius und ihren unsäglichen und unablässigen Bemühungen, mit denen sie bestrebt waren, dem Lande Mähren den Glauben zu geben, ich rede nicht von den tausend Martyrern, die in allen Teilen der Welt zu allen Zeiten für den Glauben gestorben sind, ich rede von den Heiligen des Landes Böhmen und von Männern des Landes Böhmen. Der heilige Wenzel, Herzog von Böhmen, baute die Kirche des heiligen Veit, und legte in sie einen Arm des heiligen Veit nieder, er gründete andere Kirchen, er tat demütig Dienste bei den gottesdienstlichen Handlungen, er betete in härenem Gewande, er fastete, und gab Almosen, und starb den Tod des Martyrers für den Glauben. Der heilige Adalbert ging in geringen Gewändern, und aß und trank nur zur Notdurft, und verwendete seinen Reichtum für den Glauben, er lebte nach den Vorschriften des Glaubens, und gab den Armen einen Teil seiner Einkünfte. An jedem Feiertage gab er den Bettlern große Almosen, an jedem Tage hatte er zwölf Arme bei sich, denen er in Erinnerung an die zwölf Apostel Speise und Trank reichte. Er ging in Mühsal in fremde Länder, den Glauben zu predigen, und litt dort den Tod für den Glauben. Und wie hoch haben die Menschen den heiligen Adalbert geehrt. Da der Fürst Bretislaw vor mehr als hundert Jahren von dem Kriege gegen Polen mit seinem Heere zurückkehrte, und die Nachricht sich erhob, daß er den Leichnam des heiligen Adalbert aus der Stadt Gnesen, dem Sitze der polnischen Fürsten, bringe, zog die ganze Priesterschaft von Prag und alles Volk dem Heere entgegen, daß das breite Feld am Bache Rokytnice die Menge der Menschen nicht faßte. Dann trugen der Herzog Bretislaw und der Bischof von Prag auf ihren Schultern den Schrein, in welchem der Leichnam des heiligen Adalbert war. Nach ihnen kamen die Äbte, und trugen die irdischen Überreste der fünf heiligen Einsiedler, die zur Zeit des polnischen Boleslaw den Martyrertod erlitten hatten. Dann trugen Erzpriester der Kirche von Prag den Leichnam Radims, des Bruders des heiligen Adalbert, welcher der erste Erzbischof von Gnesen gewesen war. Dann kamen die Kleinode, die zu Adalberts Grab gehört hatten, das hinter dem Altare der Kirche zu Gnesen gewesen war. Zwölf Priester trugen das goldene Kreuz, das der polnische Boleslaw hatte machen lassen, dreimal so schwer als er selber. Dann wurden drei goldene Tafeln getragen, die den Altar in Gnesen umgeben hatten, davon die größte dreihundert Pfund wog, und mit edlen Steinen besetzt war. Dann kam das Heer, und es kamen alle Menschen. Zuletzt gingen hundert Wägen, welche die Beute führten, und es gingen die Gefangenen. Sie gingen zuletzt, weil sie nicht zu der Verherrlichung Adalberts gehörten. Prag hat nie einen solchen Tag gesehen. Ich spreche weiter von andern Männern. Der Bischof Izzo besuchte eifrig die Gefangenen und Kranken, und speisete täglich vierzig Arme, denen er den Tisch segnete, und denen er die Speisen und Getränke austeilte. Der Herzog Spitihnew wohnte in der Fastenzeit in dem Priesterhause zu Prag, in ein Priestergewand gekleidet. Er schwieg von der ersten Abendstunde bis zu der ersten Morgenstunde, er brachte den Vormittag in geistlichen Dingen, beim Gottesdienste, in Almosengeben, in Wachen und Beten zu, und erst nach dem Mittagmahle übte er die weltlichen Geschäfte. Der Bischof Jaromir ging in der Fastenzeit in jeder Nacht in grobe Leinwand gekleidet in die Kirche, und betete dort auf dem Pflaster. Und in jeder Nacht teilte er vor den Psalmen und nach den Psalmen, und nach der Frühmesse, die noch in der Nacht war, vierzig Laibe Brot und vierzig Heringe aus, und bei der Morgendämmerung wusch er zwölf Pilgern die Füße, und gab jedem einen Denar, und am Mittage aß er mit vierzig Armen. Und zu jeder andern Zeit des ganzen Jahres wurden täglich vierzig Arme in dem bischöflichen Hause gespeiset, und zweimal im Jahre gekleidet. Der Herzog Sobeslaw und seine Gattin Adelheid stifteten und hielten noch bei der Zeit ihres Lebens ihr Totenjahresgedächtnis. Es wurde eine Woche von Allerheiligen an mit Gottesdienst, Beten, Fasten, Almosen von dem Herzoge und der Herzogin und den Priestern und Nonnen Prags gefeiert, und am letzten Tage hielt der Herzog mit den Priestern ein festliches Mahl in dem Priesterhause des Wyšehrad. Soll ich euch noch sagen, was die erlauchten Herzoge von Böhmen und Mähren für den Glauben und die Kirche gestiftet und getan haben? Ihr wisset dieses alles ohnehin. So hoch haben solche Männer den Glauben geachtet. Du, Wratislaw, wirst in dieser Welt nicht zu Grunde gehen, und wirst nicht in die Erde versinken, wenn du für die Sünde gegen den Herzog nicht Buße tust; aber du wirst in jener Welt ewig verdammt sein. Und wie die Freude kein Auge gesehen, und kein Ohr gehöret, und wie sie in keines Menschen Herz gekommen ist, die Gott denen bereitet hat, die ihn lieben: so hat die Strafe kein Auge gesehen, kein Ohr gehöret, und sie ist in keines Menschen Herz gekommen, welche die trifft, die seine Gebote verachten. Und von allem Fehler muß man sich reinigen, zur Zerknirschung, zur Reue, zur Buße, zur Genugtuung muß man kommen, wenn man zu dem Vater in dem Himmel eingehen will. Der Heiland hat gesagt: Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig. Der Heiland hat gesagt: Wer in das Himmelreich eingehen will, nehme sein Kreuz auf sich, und folge mir nach. Der Heiland hat gesagt: Wenn ihr nicht unschuldig werdet wie diese Kleinen, werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Nicht nur um Verzeihung mußt du wegen der Sünde gegen den Herzog bitten, Wratislaw, du mußt Reue fühlen, du mußt Buße üben, du mußt Genugtuung leisten, und mußt alles das Gott opfern in der Liebe zu Gott. So habe ich zu dir gesprochen, so habe ich zu denen gesprochen, die gegen den Herzog gesündiget haben. Bedenket es, und denkt an den Glauben.«

Nach diesen Worten schwiegen alle in der Versammlung, und es schwiegen die Abkömmlinge Premysls, an welche die Worte gerichtet gewesen waren.

Nach einer Zeit sprach der Herzog: »Hocherhabener Kardinal, Ihr habt geredet in den Sachen des heilgen Glaubens, und für den heiligen Glauben. Wir haben gehöret. Und wie wir Euch danken für alles, was Ihr schon in unseren Ländern geredet und getan habt, und wie wir auch danken werden für das, was Ihr noch reden und tun werdet: so danken wir Euch für diese Worte.«

Otto, der Bischof von Prag, stand auf, und sprach: »Wir danken demütig und ehrerbietig dem hocherhabenen Kardinale, dem Abgesandten des Heiligen Vaters.«

Und alle Männer in der Versammlung erhoben sich, und sagten: »Wir danken demütig und ehrerbietig dem hocherhabenen Kardinale, dem Abgesandten des Heiligen Vaters.«

Der Herzog sprach hierauf: »Und nun rede ich zu euch, ihr hohen Herren der Kirche, Priester der Kirche, Sprossen Premysls, hohe und niedere Herren der Länder Böhmen und Mähren. Weil wir zu Ende geführt haben, weshalb wir in diesem Saale versammelt waren, so danke ich euch, und verabschiede euch. Und wenn kleinere Rattage sind, so werden wir in dieser Zahl, und noch um Tausende vermehrt zusammen kommen, wenn die Kirche des heiligen Veit eingeweiht wird, die hergestellt ist, und in der der Gottesdienst beginnt. Und so gehabt euch wohl.«

Die Versammelten blieben noch sitzen.

Dann stand Guido, der Kardinal, auf, und sagte zu dem Herzoge Wladislaw: »Sei gesegnet, Sohn der Kirche.«

Wladislaw stand auf, und entblößte sein Haupt.

Dann sprach Guido, der Kardinal, zu den Versammelten: »Seid gesegnet, Söhne unseres Glaubens.«

Die Versammelten standen alle auf, und entblößten ihre Häupter.

Dann sagten der Herzog und der Kardinal einander die Abschiedsgrüße, und jeder von ihnen ging mit seinem Gefolge bei einer andern Tür hinaus.

Die Männer, welche versammelt gewesen waren, zerstreuten sich jetzt auch von ihren Sitzen, und verließen den Saal.

Die mährischen Fürsten gingen auch bei einer Tür hinaus.

Von dem Tage an waren nun viele Versammlungen der hohen Herren der Kirche, zu denen auch Räte und Hofherren des Herzoges und Lechen und Herren des Landes geladen wurden. Es war an dem, daß kein Priester fortan mehr in der Ehe leben sollte, und der eine Gattin hatte, sollte sich von ihr trennen, oder seine Würde verlassen. Dann sollten die beiden Bischoftümer Böhmen und Mähren in einzelne ständige Pfarreien eingeteilt werden, und jeder Priester sollte die Weihe nur für eine voraus besagte Pfarre erhalten. Die heidnischen heiligen Haine und Bäume, Feste auf den Gräbern, Wahrsagerei und Zauberei sollten aufhören, und es sollten die christlichen Sonntäge und Feiertäge und Festtäge gehalten werden. Guido beriet mit den Kirchenherren die Mittel dazu. Es kamen nun aus vielen Gegenden Pfarrer und Priester, und selbst solche, die nur unvollkommene Weihen erhalten hatten, und der Kardinal Guido sprach mit einem jeden von ihnen. Er ließ auch manche berufen.

Zu dem Rate über das mittägliche Waldland wurde auch Witiko, und es wurden die anderen Herren und Männer des Waldes geladen. Als Witiko gefragt wurde, wie es in dem Walde sei, sprach er: »Hocherhabner Herr Kardinal, erlauchter Herzog, hohe Herren der Kirche, und Herren des Landes. Was ich sage, habe ich selber erfahren, und es hat mir ein frommer Priester, Benno von Pric, der mein gütiger Lehrer und Erzieher war, davon erzählt. In dem Walde an der jungen Moldau ist das Christentum viel früher gewesen als in den andern Teilen des Landes. Gotterfüllte Einsiedler haben hin und hin in dem Walde gelebt, und haben die Andacht des Glaubens geübt. Ihr Glöcklein und die Sage von ihnen rief Menschen herbei, und diese beteten mit, und wurden in dem Glauben belehrt, und breiteten ihn aus. Und aus mancher Siedelei ist eine Kirche geworden. Bei jeder Kirche und bei jedem Kirchlein, wenn es auch nur von Holz ist, besteht ein ständiger Pfarrer. Und da die ersten Priester die Siedler gewesen sind, so hat nach ihrem Brauche keiner, der auf sie gefolgt ist, ein Weib genommen. In der sehr alten Zeit aber, da noch das Heidentum in all den Ländern um uns gewaltet hat, da ist der Wald an der jungen Moldau so groß und so unwirtlich gewesen, daß keine Menschen in ihm gewohnt haben. Es sind also dort wenige Heiden gewesen, und wenige Gewohnheiten aus dem Heidentume übrig geblieben. Die Pfarrer streben, sie auszurotten, da sie dieselben verbieten, und mit kirchlichen Strafen belegen, und da sie die Kinder belehren, daß mit den alten Leuten die Gewohnheiten aussterben. Und wir alle sollten, wie wir es verstehen, mit den Pfarrern dazu wirken. Und die Herren im Walde tun es auch, und ich werde es tun. Die Kirchen sind noch sehr weit von einander entfernt; es werden aber neue, wo Menschen an einer Stelle sich mehren, und ich werde im Walde bei meinem Hause eine Kirche errichten, sobald ich es tun kann.«

Was Witiko gesagt hatte, sagten auch Rowno und Diet und Hermann und die andern. Und der Zupan Lubomir sprach auch so, der einen Teil des Waldes beherrschte.

Und nach den Sachen des Glaubens sollten auch noch Dinge über die Besitztümer der Kirche oder Streitigkeiten darüber geschlichtet werden, insonderheit der alte Streit zwischen den Bischöfen von Prag und Olmütz über Podiwin.

Guido hatte manche Zusammenkünfte mit den mährischen Fürsten.

Öfter war auch Rat bei dem Herzoge.

Als vierzehn Tage seit der großen Versammlung vergangen waren, geschah die Einweihung der Kirche des heiligen Veit.

Der Herzog Wladislaw kam an dem Festtage mit dem Gefolge aller seiner Hofherren und der Lechen und Führer und Herren der Länder Böhmen und Mähren vor die Kirche. Die Herzogin kam mit ihren Frauen. Guido kam mit seinem Geleite. Es kamen Otto, der Bischof von Prag, Zdik, der Bischof von Olmütz, und Daniel, der Propst, und die Erzpriester und Priester von Prag und die Äbte der Klöster, und die Nonnen, und die Pröpste und Priester und Pfarrer aus vielen Teilen der Länder, und selbst aus der Fremde. Es kam ein Teil der Krieger Wladislaws, und es kam unzähliges Volk. Mehr als tausend Scharen von Menschen sind von allen Seiten der Länder Böhmen und Mähren zu dem Feste der heiligen Kirche Böhmens gekommen. Die Herbergen hatten sie nicht gefaßt, und sie lagerten unter dem freien Himmel.

Auf einem Platze abseits der Kirche, der mit unbehauenen Schranken umgeben war, knieeten mit entblößtem Haupte, mit bloßen Armen, mit nackten Füßen und in Gewänder von grober Leinwand gekleidet, Konrad, Wratislaw, Otto, Leopold, Spitihnew und Wladislaw, die Sprossen aus dem Stamme Premysls.

Die Weihe der äußeren Teile der Kirche wurde begonnen.

Alle, die vor ihr waren, knieeten in Andacht auf die Erde nieder. Es kniete der Herzog mit den Seinigen, die Herzogin mit den Frauen, alle Priester, die nicht bei der heiligen Handlung mitwirkten, und alle anderen. Es war der ganze Berg mit knienden Menschen voll.

Unter den Frauen der Herzogin knieete Dimut, und betete. Sie war in ein schwarzes Gewand gekleidet, und ihre Augen waren gegen die Erde gewendet.

Da die Heiligung vor der Kirche vollendet war, wurden ihre Tore geöffnet, und die Priester und der Herzog und die Herzogin und die Hofherren und die Herren der Länder und Krieger und Volk gingen in dieselbe.

Die mährischen Fürsten blieben auf ihrem Platze knien, da sie nicht in die Kirche gehen durften, weil sie in dem Banne waren.

In der Kirche wurde die Weihe ihrer inneren Teile begonnen, und dann war ein feierlicher Gottesdienst. Nie waren so viele und so hohe Kirchenherren bei einem Feste zugegen. Die Kirche war mit Menschen erfüllt. Und die Menschen vor der Kirche knieeten dicht an einander, und weit über den Berg hinab knieten sie, und manche warfen sich auf die Erde, und beteten und weinten.

Als die Feier in der Kirche vollendet war, ging der Zug des Herzogs, der Herzogin, des Hofes, der kirchlichen Herren und der Herren der Länder wieder aus der Kirche.

Da der Zug an den mährischen Fürsten vorüber ging, lagen diese mit ihren Angesichtern auf der Erde. Manche Menschen, die vorüber gingen, weinten.

Die Herzogin Gertrud sagte zu ihren Frauen: »Das sind Sprossen des ersten Geschlechtes des Landes.«

Dimut antwortete darauf: »Gott ist allmächtig und herrlich. Er hat mir die Worte eingegeben, die ich im Kampfe gesagt habe: Unsere Heiligtümer sind nicht verloren, wir werden sie wieder aufbauen, und sie werden schöner sein als früher, und hilfreich und gnadenreich. Und die an ihnen gefrevelt haben, werden mit zerrauften Haaren und mit entblößtem Armen auf der Erde liegen, und den Himmel um Barmherzigkeit anflehen. Und so ist es in Erfüllung gegangen.«

Der Herzog, die Männer der Kirche und des Landes, die Krieger und andere gingen an den Fürsten vorüber.

Dann verfloß eine Stunde.

Nach derselben saß der Herzog Wladislaw in dem Schmucke des herzoglichen Gewandes mit Kleinodien und Gold und Edelsteinen geziert auf dem Herzogstuhle vor der Hofburg. Der Kardinal Guido saß auf einem Throne, der für ihn errichtet worden war. Die Bischöfe, Äbte, Erzpriester, Pröpste und Priester und die Hofherren und die Lechen der Länder und die Führer des Heeres und Wladyken und Herren der Zupen standen um den Herzogstuhl und um den Thron, und hinter ihnen rings um sie war Volk, daß ein Mensch an den andern festgedrückt war. Die Herzogin saß in ihrem Schmucke mit ihren Frauen auf dem Söller, und auf anderen Söllern waren andere hohe Frauen mit ihren Gefolgen.

Es wurde nun mit Mühe in der Menge der Menschen eine Gasse gemacht, und durch diese Gasse gingen die mährischen Fürsten vor den Herzogstuhl. An den Seiten jedes Fürsten gingen zwei Männer, und hielten zwei Schwerter über dem bloßen Haupte des Fürsten gekreuzt.

Als die Fürsten auf den freien Raum vor dem Herzogstuhle gekommen waren, knieten sie in den Sand nieder, und hoben die Hände der nackten Arme aus der groben Leinwand empor. Die gekreuzten Schwerter wurden über ihren Häuptern gehalten.

Die Menschen waren alle still.

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