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Adalbert Stifter: Witiko - Kapitel 67
Quellenangabe
typefiction
booktitleWitiko
authorAdalbert Stifter
year1997
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-12375-3
titleWitiko
pages3
created19990819
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1865
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»Wenn der Hof des alten Regimar fröhlich gewesen ist«, sagte der Ritter, »wenn der Hof Regimberts noch fröhlicher ist, so ist der Hof zu Wien nur wonniglich. Der Hof der Markgrafen von Österreich ist der Erste in der Christenheit, zu dem die Jugend wandert. Die alten lobebaren Recken sind da, die sich im Ernste und im Schimpfe umtun, und Ruhm gewinnen, und es sind die jungen zierlichen Degen da, die alle kommen. Heute sind manche versammelt. Der hinter dem Markgrafen reitet, und den braunen Mantel trägt, ist der von Chunring. Er ist in dem Geleite gewesen, das der Schwester des Markgrafen, Gertrud, mitgegeben worden ist, da sie die Brautfahrt nach Böhmen gemacht hat. Sein Gemüt ist tapfer; er achtet aber des Klanges nicht. Der in dem dunkeln Gewande ist der Kapellan Rudpert. Der in dem schwarzen Gewande reitet, und die weiße Feder hat, ist Rudeger, welcher bei dem Markgrafen fünf Männer gilt. Er ist ein Degen der Ehren, stark und viel kunstreich, und hat die schönste Hausfrau in den Landen. Neben ihm reitet Tibert, der Kämmerer, in dem grünen Kleide, ein guter Mann und vieledler Degen. Dann kömmt Chunrad von Aspan, der auch im Brautgeleite gewesen ist, und an seiner rechten Seite reitet Gotescalc, der Abt von Heiligenkreuz. Dann kommen Bruno von Pusinberg, Albero von Chunring, ein starker Degen, Heinrich von Mistelbach, Hartung von Ruhenegk, Udalrich von Marbach und Heinrich von Gundramsdorf. Siehst du dann den Mann, der ein gelbes Gewand hat und ein grünes Wams und eine rote Feder?«

»Ich sehe ihn«, sagte Witiko.

»Der ist Thiemo von der Aue«, sagte der Reiter von dem Kürenberge, »er hat Kleider wie ein Zeisig und Füße wie Krebsscheren. Seine roten Schuhschnäbel werden immer länger, daß er sie an den Gürtel wird binden können, und seine Ärmel werden weiter, daß sie auf die Schuhschnäbel reichen mögen. Er trägt die Farbe des Fräuleins Kunigunde von Hartheim, das er in Regensburg gesehen hat, als er mit dem vorvorigen Markgrafen dort gewesen ist, und das er heiraten gewollt hat. Neben ihm reitet ein junger Mann im blauen Kleide auf einem weißen Pferde.«

»Ich sehe ihn«, sagte Witiko.

»Der ist der junge Heinrich von Oftering«, sprach der Ritter, »wir tragen immer gleiche Kleider. Und auf der andern Seite reitet einer mit einem grünen Mantel.«

»Ich kann ihn sehen«, sagte Witiko.

»Der ist der junge Ruhenegk aus der Waldschlucht«, entgegnete der Ritter. »Oftering und Ruhenegk zwingen den alten Knaben immer, daß er Reimzeilen sagt, die so ungefüg sind wie die Wollkittel der böhmischen Männer Boriwoys, die er in Regensburg gesehen hat. Er hält die Reime aber immer für höfisch. Sie lassen ihn nicht zu dir zurück, wie er sonst täte, weil er alle Fremden beschützt. Du solltest schöne Kleider anziehen, so lange du bei uns bist, Witiko.«

»Ich habe das Leder in Freud und Leid getragen, und werde es fortan tragen«, erwiderte Witiko.

»Du bist noch so töricht wie du in Passau gewesen bist«, sagte der Ritter vom Kürenberge; »aber ich will dir weiter von unserem Hofe erzählen. Da ist das Werfen der Speere, das Schießen der Pfeile und das Brechen der Lanzen, wenn man in vollen Platten in den Bügeln steht, und gegen einander reitet, daß die Splitter fliegen, und der Palast und der Saal ertost, und wenn man dann doch mauerrecht in dem Sattel sitzt, daß die Frauen und Jungfrauen auf dem Söller jubeln, und mit dem Scheine ihrer Augen herab sehen.«

»Ich würde es vorziehen«, antwortete Witiko, »durch das, was ich vollbringe, nicht den Schein der Augen einer Jungfrau zu gewinnen, sondern ihr Herz zu treffen, daß es nichts anderes kennt als die Liebe zu mir, und daß ich ihr die größte Lust auf der Erde bin, wenn ich es nämlich vermag.«

»So triff das Herz, du waghalsiger Mann«, sagte der Ritter vom Kürenberge, »hier und allerwärts sind die schönsten Jungfrauen. Oder hast du es schon getroffen?«

»Ich habe noch nichts Großes zu vollbringen vermocht«, sagte Witiko.

»Und wer dann im Stechen die Ehren gewann«, sprach der Ritter vom Kürenberge, »der erhält im Angesichte aller den Preis, und sein Name wird genannt in den Ländern und Burgen. Und wie die liebe Sonne auf das Land Österreich scheint, so ist ein Klingen und Singen in dem Lande, und wird viel geehrt, und es wird noch immer höher und höher gehen. Wer da Geltung hat in Sang und Klang, der geht nach Österreich, und der Preis, den er gewinnt, ist dem der Waffen gleich. Die von Babenberg sollten Kaiser sein. Da würde das Hoflager bald in Würzburg, bald in Nürnberg, bald in Speyer, bald in Frankfurt, bald in Regensburg schimmern, und es würde das schimmerndste auf der Erde sein. Die neuen Herzoge in Schwaben, die sich erst ihre Burg auf dem hohen Staufen erbaut haben, und schon die Königskrone tragen, mögen herrlich sein, wie der starke Büren gewesen ist, und wie der junge Friedrich werden wird, dem der goldene Bart wächst, der Neffe der verwitweten Markgräfin Agnes: aber Österreich ist alt und aller Ehren und aller Freuden voll. Seine Männer ziehen in den Krieg in Schmuck und Zier, und reiten klar und sonder Umschweif in den Feind, daß er weicht, und die Rückkehr scheut, und sie ziehen auf die Jagd, und wieder an den Hof zu Sitten und Spielen.«

»In unseren Landen ist auch ein altes Volk, das seine Sitten und seine Tapferkeit wahrt«, sagte Witiko.

»Ja, ja«, entgegnete der Ritter vom Kürenberg. »Sage, Witiko, tragt ihr auch schon die glänzenden Harnische?«

»Einige tragen sie«, antwortete Witiko, »andere haben die biegsamen Waffenhemden, und viele haben Leder. Das Leder schützt besser, und ist leichter. Und der Schild ist das Schwert, welches ein Rad vor dem Leibe macht, und dem Zudringen der Waffen wehrt.«

»Das wäre ein Zeug gegen die Ungarn«, sagte der Ritter. »Diese kämpfen nicht nach der Sitte. Und wenn wir noch so zierlich gegen sie reiten, so achten sie die Zier für nichts, sie fliehen, und fliehen um unseren Waffenbann herum, und senden Pfeile herzu, daß mancher Mann und manches Pferd verwundet oder getötet wird, indes wir sie nicht erreichen, und in unsern Helmfässern hungern können. Du würdest an sie kommen, wenn du ein Pferd dazu hast, würdest sie treffen, und ihre Pfriemen würden an deinem Elen oder Schelch, oder was es für ein Getier ist, hängen bleiben.«

»Sie blieben hängen«, sagte Witiko.

»Und wenn ihr nicht in dem Kriegsgewande geht«, sprach der Ritter, »so habt ihr weite Kittel, daß es eine Schande ist, und bindet sie mit einem Riemen oder Stricke zusammen, und die Männerzier, die Locken, schneidet ihr zu einem Strohdächlein herab, und auf der Haube habt ihr die gerade Feder wie einen Pfahl.«

»Die gerade Feder ist der Trotz«, sagte Witiko, »und wenn ich meine Haube abtäte, so würdest du meine Locken sehen.«

»Trägst du die Locken nach deutscher Art?« fragte der Ritter.

»Wie sie die jungen Männer in Böhmen und Mähren tragen, habe ich sie nicht«, antwortete Witiko, »weil ich aus andern Ländern kam; aber unsere Ritter nähern sich schon eurer Kleidersitte; obgleich ich sagen muß, daß, wenn der alte Bolemil oder Lubomir in das dunkle fließende Gewand gekleidet sind, und die reichen Gürtel tragen, es erhabener aussieht, als eure schimmernden Fähnlein. In dem Mittage des Landes haben sie enge Gewänder aus grober Wolle. Ich trage sie auch, wenn ich dort bin.«

»Die werden wohl in diesen Gewändern nicht turnieren«, sagte der Ritter vom Kürenberge.

»Diese turnieren gar nicht«, entgegnete Witiko, »wo sie mit ihren Keulen oder Hämmern oder Eisenstangen hinschlagen, gilt es gleich auf das Leben.«

»Ich bin von den Bäumen, die in unserem Lande mit der unendlichen Obstblüte und der unendlichen Obstfrucht stehen, nicht zu euern Buchen und Tannen hinein gekommen«, sagte der Ritter, »und habe keinen Bären gesehen, der seinem Feinde die Haut abziehen, oder ihn erdrücken will.«

»Wir werden in dem nächsten Kriege sehen, was der Bär vermag«, sagte Witiko, »wenn dann auch kein zierlicher Sänger von ihm singt.«

»So muß ein unzierlicher singen, wenn sie unzierlich kämpfen«, sprach der Ritter.

»Er singe, wie sie kämpfen«, sagte Witiko.

»Lasse uns vorwärts zu Heinrich von Oftering reiten«, sagte der Ritter vom Kürenberge, »er wird sich freuen, daß du da bist. Heinrich und ich werden einmal einen Sang anheben von dem hörnernen Sifrid und von den Burgonden und von Island und von dem Könige Etzel und von Dietrich von Bern. Es möge nur nicht so werden, wie mit der schönen Frau in Passau, von der ich als Büblein die Farbe trug, und die ich nicht mochte han, was mir an meinem Herzen viel dicke weh getan.«

»So hast du das Lied von Passau nicht vergessen?« fragte Witiko.

»Ich habe es von Passau nach Wien getragen«, antwortete der Ritter; »aber ich achte jetzt mehr auf das Lied als auf die Frau. Witiko, reite recht oft zu mir in die Stadt Wien hinab, ich werde dir zeigen, was man tut und baut und singt, und werde dich zu Männern und Leuten führen.«

»Ich werde kommen«, sagte Witiko.

»Nun aber trachten wir zu dem hochgemuten Degen Heinrich von Oftering«, sprach der Ritter.

»So tun wir es«, sagte Witiko.

»Mit Vergunst, ihr Herren«, sprach der Ritter vom Kürenberge zu den Männern, die um Witiko waren, »gebt euerm Gaste Urlaub, wir reiten zu Heinrich von Oftering, der ihm ein Freund ist.«

»Reitet zu ihm, und gehabt euch in der Frist wohl«, sagte Poto von Potenbrun.

»Gehabt euch wohl«, sagte Witiko.

Und sie setzten ihre Pferde in schnellere Bewegung, und waren bald bei Heinrich von Oftering. Witiko grüßte ihn, er grüßte Witiko, und Witiko ritt nun auf seinem grauen Pferde zwischen den zwei Männern mit den blauen Gewändern und den weißen Pferden, und sie begannen zu sprechen.

Der Zug des Markgrafen ging nach mehrerer Zeit auf einem Wege in dem Walde nach abwärts. Er kam in ein enges Tal, in welchem ein Bach floß. Die Männer und Frauen ritten an dem Bache dahin. Dann kamen sie in ein weiteres Tal, ritten in demselben fort, bis die Bäume des Waldes zu Ende waren, und das Münster der neuen Burg vor ihnen stand. Sie ritten in das Münster, in dem Vorhofe stiegen sie von den Pferden, die Pferde wurden den Knechten zur Wahrung übergeben, Hartmann, der Abt, kam herzu, begrüßte die Mutter des Markgrafen, den Markgrafen und seine Gemahlin, und geleitete sie in die Kirche. Die Ritter, die Frauen und Jungfrauen folgten. Der Markgraf und die Markgräfinnen wurden zu einem geschmückten Platze geführt, die andern nahmen ihre Plätze ein, das Volk sammelte sich in dem hinteren Teile der Kirche, und es wurde ein feierlicher Gottesdienst gehalten. Nach dem Gottesdienste gingen die Gäste in den großen Saal, es wurde Wein und es wurden Speisen gereicht, und verschiedene Gespräche wurden geführt. Dann bestiegen die, welche von dem Kahlenberge gekommen waren, ihre Pferde, und ritten wieder auf den Berg zurück.

Dort wurden die Pferde in die Ställe gebracht, und die Reiter und Reiterinnen gingen in die Gemächer der Burg.

Am Mittage wurde in dem Saale ein Mahl abgehalten.

Nach dem Mahle waren Gespräche, und es war Lustwandeln in dem Walde.

Gegen den Abend ritten die, welche aus der Stadt gekommen waren, wieder in die Stadt zurück, und Männer der Burg, unter denen auch Witiko war, geleiteten sie über die Höhe des Waldes hinab.

Dann ritten sie wieder in die Burg zurück.

In den Tagen, die nun kamen, schloß Witiko Genossenschaft mit den Männern der Burg, und lernte die Frauen und Jungfrauen kennen, und diente ihnen nach der Sitte, wie er hier sah.

Eines Tages ritt er mit Raimund in die Stadt Wien hinunter. Er ging zu dem Fiedler vom Kürenberge und mit ihm dann zu Heinrich von Oftering. Sie grüßten ihn, und wandelten dann mit ihm in der Stadt herum. Sie zeigten ihm den Bau des Markgrafen, an dem geschaffen wurde. Sie zeigten ihm die Kirchen, und dann Häuser, die schon von alten Zeiten her da standen, und solche, welche neu emporgerichtet wurden. In den Gassen und auf den größeren Plätzen sah Witiko Männer und Frauen, Herren und Knechte, Ritter und Reisige, Feiernde und Arbeitende, Jünglinge und Kinder teils herumstehen, teils wandeln, teils reiten, teils sogar fahren. Er sah Werkstätten der Waffen, der Stoffe, der Gewänder, und Stätten, wo Gold und Silber verwendet wurde, und kostbare Edelsteine in Fassung kamen. Er betrachtete die Hütten, in denen Dinge zum Verkaufe lagen, und betrachtete freie Gassenschenken, wo die Leute Wein, Bier, Met und Zugehöriges genossen, und ein Harfner zu Zeiten Weisen ertönen ließ. An einem Hause sang ein Mann Lieder von einem Gerüste herunter, und viele hörten ihm zu, und an einer andern Stelle tanzten auf Brettern zu der Fiedel bunte Männer und Frauen. Die wandernden Krämer schrien ihre Waren aus, die sie trugen. Auch manchen fremden Mann und manche fremde Frau sah Witiko in der Tracht des Landes Ungarn oder der Länder Böhmen und Mähren oder des weiteren deutschen Reiches. An dem Saume der Stadt waren Gärten mit grünen Bäumen, mit Blumen, Gemüsen und Früchten, und mit Wegen zum Wandeln. Die jungen Ritter führten Witiko an diesem Tage auch zu Chunrad von Asparn, zu Werinhard von Brun, zu Udalrich von Marbach, zu Wolftrigil von Stein und zu Thiemo von der Aue. Dann aß und trank Witiko mit mehreren Rittern, und kehrte am Abende wieder auf den Kahlenberg zurück.

Und so kam er nun öfter in die Stadt, und trachtete, sie immer mehr zu ergründen. Er ging auch zu älteren Herren und Rittern, und hielt mit den jüngeren Genossenschaft. Er lernte auch Frauen und Jungfrauen kennen, und wurde in manche Wohnungen geladen. Zu Zeiten ritten einige seiner neuen Freunde auf den Kahlenberg, und pflegten mit ihm ihrer Übungen.

Einmal wurde ein Fest des Hofes angesagt, und Witiko dazu entboten. Man errichtete auf einem Anger außerhalb der Stadt vor den Häusern der Wollzeile viele Schranken. An den Schranken wurde ein Gerüste mit Sitzen und Söllern gezimmert, und noch andere Gerüste wurden herum errichtet. Über die Gerüste wurden kostbare Tücher gebreitet, und über die Söller seidene Dächer gespannt. An dem Tage des Festes saßen der Markgraf und die Markgräfin auf dem höchsten Söller unter dem seidenen Dache, und auf den andern Söllern und Sitzen saßen die Herren und Frauen des Hofes und die hohen Männer und Frauen des Landes, und Ritter und Ritterfrauen und Jungfrauen. Außerhalb der Schranken war viel Volk. Auf einem sehr schön gezierten Gerüste erhoben Ritter in prächtigen Gewändern ihre Stimme zum Gesange, und übten die Fiedel. Der Ritter vom Kürenberge und Heinrich von Oftering waren unter den Männern. Hierauf wurden die Preise in Gold und in Seide und in Kleinodien ausgeteilt. Dann ritten die Männer zum Turniere. Witiko ritt auf seinem grauen Pferde und einem schönen Sattel, dessen Schemel Goldränder hatten, in die Schranken. Er trug einen Ringpanzer, einen Helm mit goldenen Zierden und an dem Arme einen weißen Schild, darauf eine Waldrose war, die fünf Blätter und die dunkelrote Farbe hatte. Er erstritt sich den Preis einer Binde aus Goldstoff mit edlen Steinen. Die Markgräfin reichte ihm die Binde. Der Ritter vom Kürenberge, Heinrich von Oftering, Wolftrigil von Stein, Udalrich von Marbach, Werinhard von Brun, Chunrad von Asparn und Erchambert von Mosebach erhielten Preise. Thiemo von der Aue ritt auf einem weißen Pferde in die Schranken. Er hatte eine weiße und eine grüne und eine rote Feder auf dem Helme. Sein Harnisch glänzte silbern, die Beinschienen waren blau und der Schild gelb. Über den Harnisch trug er eine veilchenblaue Schärpe, welches die Farbe des Fräuleins von Hartheim war. Er legte drei Ritter in den Sand, erhielt einen kostbaren Preis, und ritt zu den jungen Männern zurück, bei denen er seinen Stand hatte. Das Volk erhob großen Jubel über die Spiele, Zinken und Pfeifen ertönten zu Zeiten, und helle Rufe stiegen empor, da der Markgraf, die Markgräfin und die Herren und Ritter und die Frauen und Jungfrauen in die Stadt zurückkehrten.

Als dreiunddreißig Tage vergangen waren, als Witiko und seine Mutter über alles geredet hatten, was sie im Sinne und Gedanken trugen, und als sie sich geeint hatten, was in ihrem Eigentume noch geschehen solle, rüstete sich Witiko zur Fortreise. Er ging zur Markgräfin Agnes, den Abschiedsdank zu sagen. Sie sprach zu ihm: »Witiko, ziehe mit Gottes Gnade, und bleibe gut. Denke an uns, und denke auch an meinen Vater, und bete einmal für ihn. Er ist schön an Gestalt gewesen, sein Geist hat viele Gaben gehabt, von seinen Lippen sind demütige Worte gegangen, und er hat so Herbes erdulden müssen.«

»Ich werde an Euch und an Euern Vater und an alle hier gedenken, und mein Gebet für sie zu Gott richten«, antwortete Witiko.

Sie gab ihm ein leuchtendes Gewand und eine schöne Helmzier zum Geschenke.

Dann verabschiedete er sich von seiner Mutter. Sie gab ihm ein Sammetbeutelchen mit so viel Gold, als sie vermochte. Er nahm es im Danke an.

Dann verabschiedete er sich von den Herren und Frauen der Burg.

Dann sagte er Lutgart, dem Mädchen seiner Mutter, einen Scheidegruß.

Dann ordnete er seine Habe, übergab sie Säumern, und ritt mit Raimund in die Stadt Wien.

Dort verabschiedete er sich von allen seinen neuen Genossen, und noch besonders von dem Ritter vom Kürenberge, von Heinrich von Oftering und von Werinhard von Brun.

Dann ritt er mit Raimund aus der Stadt Wien über die lange Donaubrücke hinaus, und schlug den Weg nach dem oberen Plane ein.

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