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Adalbert Stifter: Witiko - Kapitel 58
Quellenangabe
typefiction
booktitleWitiko
authorAdalbert Stifter
year1997
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-12375-3
titleWitiko
pages3
created19990819
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1865
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Hierauf rasselten hinter dem Tore Eisenstangen, der andere Flügel, in welchem sich kein Türlein befand, wurde geöffnet, und ein sehr großer junger Mann stand an dem Flügel. Er hatte wie der Torwart ein veilchenfarbenes Mäntelchen, aber auf seinem Haupte war eine Eisenhaube, um seine Brust ein Harnisch, und an seinen Beinen Schienen.

Witiko und seine Begleiter ritten an dem Manne vorüber in einen großen Hof. Dort hielten sie an, und stiegen von den Pferden. Der Torwart und der junge Mann gingen ihnen nach.

»Hans«, sagte der Torwart, »rufe die Stallbuben, und gehe zu Rudolph, dem Steiner.«

Der junge Mann rief gegen die Vertiefung des Hofes, und ging dann in das Gebäude.

Es kamen drei Stallbuben, und wollten die Pferde hinwegführen.

»Wartet noch«, sagte Witiko.

Die Stallbuben und alle andern blieben bei den Pferden stehen.

Hans kam wieder aus dem Gebäude, und ein ritterlich gekleideter junger Mann ging neben ihm.

Da sie herzu gekommen waren, sagte der Torwart: »Dieser ist der Schüler Witiko, und sie haben für den hochehrwürdigsten Bischof Nachrichten. Ich empfehle Witiko.«

»Sei mir gegrüßt, du treues Blut«, sagte der ritterlich gekleidete Mann.

»Sei gegrüßt, Rudolph«, sagte Witiko, »wir sollten zu dem hochehrwürdigen Bischofe.«

»Wir sind nicht mehr in der Schule des Bischofes, Witiko«, antwortete Rudolph, »aber einer sollte den andern so lieben wie damals, und ich liebe dich, Witiko. Gehe nur mit deinen Knappen über die Treppe zu der Rathalle, und von ihr in den roten Saal, und dort harre. Morgen werden wir mit einem Feste den Gruß erst recht begehen, weil du wieder da bist.«

»Das werden wir tun«, sagte Witiko.

Nachdem dieses gesprochen war, ging Rudolph wieder durch eine Tür in das Gebäude zurück.

Witiko sagte zu den Stallbuben: »Jetzt zeigt uns den Weg zur Unterbringung der Pferde.«

Die Buben zeigten den Weg, und halfen die Pferde in den Stall führen.

Als die ersten Notwendigkeiten geschehen waren, sagte Witiko zu seinen Begleitern, sie mögen ihm folgen.

Er ging mit ihnen wieder in den Hof hinaus. Dort stand noch der Torwart und Hans.

»Ich danke dir, Odilo«, sagte Witiko, »was nun ferner sein muß, weiß ich schon.«

»Ich habe eingerichtet, daß alles für dich gut wird«, sagte der Torwart.

»Das ist gut«, antwortete Witiko.

Nach diesen Worten ging der Torwart in ein Gemach, das neben dem Torbogen war. Hans schloß den Flügel des Tores, und stieg über eine Treppe neben dem Tore in ein Gemach empor.

Witiko aber führte seine Begleiter durch die Tür, durch welche Rudolph in das Gebäude gegangen war, in eine große Halle. Von der Halle führte Witiko seine Begleiter über eine breite Stiege in einen Gang empor. In dem Gange wandelten sie eine Strecke weiter. Dann öffnete Witiko eine hohe Tür, und sie kamen durch dieselbe in ein Gemach, in welchem viele Stühle und Tische waren. Von dem Gemache gingen sie in einen großen Saal. Der Saal war mit rotem Marmor gepflastert. An seinen Wänden waren Bänke von gelben Pölstern. Sonst enthielt er nichts. Er hatte drei Türen. Durch eine war Witiko gekommen, die andere war geschlossen, und durch die dritte, welche offen war, sahen sie in eine große Stube mit vier Fenstern, deren Wände mit roter abgeblaßter Seide beschlagen waren, und die viele Bänke und Gesiedel von gleicher Seide enthielt. Die Fenster des Saales und der Stube sahen auf die Berge, die an dem jenseitigen Ufer des Flusses Inn standen.

In dem Saale wartete Witiko.

Nach einer Weile kam aus der Seidenstube ein Mann heraus, der eine hohe Gestalt, braune Haare, einen braunen Bart und ein längliches Angesicht hatte. Er war in ein weites veilchenblaues Gewand gekleidet, und trug über demselben eine goldene Kette und ein goldenes Kreuz. Hinter ihm gingen zwei Männer in priesterlichen Kleidern. Der Mann sah Witiko und seine Begleiter an. Dann gab er den zwei Männern, die hinter ihm waren, ein Zeichen zur Entfernung. Die zwei Männer öffneten die geschlossene Tür, und gingen durch dieselbe in ein weiteres Gemach.

Da dieses geschehen war, trat der Mann in dem braunen Gewande, der mit Witiko gekommen war, gegen den mit der goldenen Kette vor, und stand ein Weilchen vor ihm.

Dann nahm er die Haube von seinem Haupte, und sprach mit laut tönender Stimme: »Hochehrwürdiger Bischof von Passau, hochedler Graf von Peilstein und Hagenau, ehrwürdiger geweihter Priester Regimbert! ich komme zu dir in dem Gewande Jakobs, da er in der Wüste auf der Flucht war.«

»Hochehrwürdiger Bischof und teurer Bruder Zdik«, antwortete der Bischof von Passau, »und wenn du in dem Gewande des Lazarus kämest, so wärest du der Herr dieses Hauses. Sei gegrüßt.«

Er legte die Hände auf die Schultern des Mannes in dem braunen Gewande, und küßte ihn auf die Stirne. Der Mann in dem braunen Gewande legte dann auch die Hände auf die Schultern des Bischofes, und küßte ihn auch auf die Stirne.

Dann sagte er: »Ich will nicht der Herr des Hauses sein, sondern ich bitte nur, daß ich den Panzer und das Schwert, welche ich durch Tage und Nächte unter diesem Kleide trage, ablegen darf, daß ich in einfältigen Kleidern gehe, daß dein Dach über meinem Haupte sei, daß ich die geringe Speise genieße, die mein Körper bedarf, und daß ich in deiner Kirche zu Gott bete.«

»Lebe, wie du es wünschest, und wie ich dich ehre«, sagte der Bischof von Passau. »Und du, Witiko, hast dich der Mühe unterzogen, den hochehrwürdigen Bischof zu mir zu geleiten. Sei gegrüßt.«

Witiko antwortete: »Der hochehrwürdige Bischof und Abt Silvester hat zu mir gesagt, ich solle in Demut vor Gott dem Herrn handeln, und ich hätte jeden Verfolgten des Weges geführt, und hätte ihn geschützt, um wieviel mehr den hohen Bischof Zdik, den ich verehre. Ich bin nebst meinem Knechte, der da steht, mit ihm geritten.«

»So gehe mit mir in meine Stube, hochehrwürdiger Bruder Zdik, und du auch, Witiko, bis eure Wohnung bereitet ist«, sagte der Bischof von Passau.

Witiko sprach zu Raimund: »Du hast gesehen, was geschehen ist, gehe nun zu unsern Tieren, sie zu pflegen, und sei dessen gewärtig, was ich dich weiter heißen werde.«

Raimund ging durch die Tür hinaus.

Der Bischof von Passau berührte den Ärmel an dem braunen Gewande Zdiks, und führte ihn an diesem Ärmel in die Stube von Seide. Witiko folgte. In der Stube führte der Bischof seinen Gast zu einem rotseidenen Stuhle, über dem ein Seidendach war, und nötigte ihn, dort nieder zu sitzen. Witiko wies er ein anderes seidenes Gesiedel an. Witiko setzte sich auch. Der Bischof aber ging zu einer silbernen Glocke, die an einem silbernen Wandarme befestiget war, und tat mit einem silbernen Hammer einen Schlag auf die Glocke. Da dieses Zeichen erscholl, öffnete sich eine Tür, und ein Kämmerling, der ein Gewand von veilchenblauer und gelber Farbe hatte, trat herein.

»Rufe mir den Vater Konstantin«, sagte der Bischof.

Der Kämmerling ging wieder durch die Tür hinaus. Der Bischof setzte sich auf einen Stuhl neben Zdik. Nach einer Weile kam ein Priester in die Stube, welcher ein schwarzes Gewand an hatte, und eine silberne Kette auf der Brust trug.

Zu diesem Priester sagte der Bischof von Passau: »Ehrwürdiger Bruder Konstantin, und Meister im Hochstifte, der hochehrwürdige Oberpriester des Landes Mähren wird dieses Haus als Gast ehren, ich bitte dich, lasse ordnen, was zu dieser Absicht notwendig ist.«

»Ich werde meines Amtes walten«, sagte der Priester.

Er verneigte sich vor den zwei Bischöfen, und ging wieder durch die Tür hinaus.

»Und nun sei noch einmal in meinem Hause willkommen, Bruder Zdik«, sagte der Bischof von Passau.

»Ich habe es gewußt, daß du dem flüchtigen Haupte ein Kissen geben wirst«, antwortete Zdik, der Bischof von Olmütz.

»Was ihr dem geringsten eurer Brüder getan habt, das habt ihr mir getan«, sagte der Bischof Regimbert.

»So ist es«, entgegnete Zdik.

»Und weil die Geringen dem Heilande gleich sind, so müssen wir sie ehren, und müssen sie ehren, wenn sie Gott heimgesucht hat. In deinem Sprengel sind die Sachen hoch gediehen, Zdik«, sagte Regimbert.

»Ich habe meine Hand erhoben, und den Bann über das Land Mähren ausgesprochen, und irre nun flüchtig auf der Erde, und muß die Menschen eines guten Herzens bitten, daß sie mich geleiten und schützen«, antwortete Zdik.

»Und so segnet dich der Herr, begnadeter Bruder Zdik«, sagte der Bischof Regimbert.

»Ich kann einen Segen nicht erkennen, weil ich eines Segens nicht wert bin«, erwiderte Zdik.

»Du bist des Segens wert«, sprach Regimbert, weil du dem frommen Bischofe Adalbert nachstrebest, Zdik, der einmal aus einem hohen Geschlechte den Hirtenstab über eure Länder ergriffen hat. Dann aber hat dir der allmächtige Gott die Huld gewährt, daß du schon zwei Male in Jerusalem gewesen bist, und an dem Grabe seines Sohnes gebetet hast. Und dann hat er das Zeichen des Unglückes auf dein Haupt gesetzt, daß er dich erhöhen wolle. Siehe, wie Hiob mehr bekam, als er je hatte, wie Jakobs Trauer um Joseph in Jakobs Freude über Joseph verwandelt wurde, wie David aus den Höhlen der Erde in die Gemächer des Königshauses ging, wie der Tempel nach der Gefangenschaft herrlicher wurde als vorher, wie die Schmach des Todes Petrus' Rom zum Haupte der Christenheit erhob, wie die Verbannung und der Tod Gregors die Kirche mächtiger machte, als die Siege Heinrichs die Welt machen konnten: so verkläret der Herr das Haus des Glaubens durch Kümmernis, und die Säulen, die dieses Haus tragen, werden glänzender sein, als sie vordem gewesen sind.«

»Mir geziemt es nicht, so zu sprechen«, sagte Zdik. »Ich bin ein Sünder, und habe Strafe verdient, und was gekommen ist, das ist die Strafe. Höre mich an, ehrwürdiger Bruder Regimbert. Seit langen Zeiten ist wegen der Sünden vieler die Hand des Herrn schwer auf unsern Ländern gelegen, und sie ist wegen der Sünden der einzelnen auch auf die einzelnen gekommen. Da unsere Völker noch Heiden waren, hat ihnen Gott, soweit er Heiden, die nicht an ihn glauben, beglücken kann, zuweilen Männer gesandt, die ihnen in ihrer Finsternis beistanden. So war Zaboy, so war Lumir, so war Samo, so war Krok, so war die Frau Libuša, und so war Premysl, der Ackerer und der Gatte Libušas. Von ihm ist ein Geschlecht gekommen, aus dem die Häupter des Landes wurden, die Wladyken, wie wir das Haupt eines Hauses den Wladyk nennen. Es sind Nezamysl, Mnata, Woyen, Unislaw, Kresomysl, Neklan und Hostiwit gekommen. Sie sind lauter Heiden gewesen, da bei euch schon lange das Christentum entstanden war. Dann ist Boriwoy gewesen, der ein Christ geworden ist, und dann sind sie lauter Christen gewesen. Sie haben sich Herzoge genannt, und sind geworden, wie bei euch Pipin von Heristal und Karl Martell und die andern, die sich zu Herrschern gemacht haben. Die Nachkommen Premysls sind immer zahlreicher geworden. Sie betrachteten das Land als ihr Eigentum, teilten es, haderten darum, und führten Kriege, in welchen ihre Anhänger das Blut verloren. Da machten sie ein Gesetz, es sind jetzt neunzig oder hundert Jahre, daß in jeder Zeit der Älteste des Stammes der Herzog sein solle, daß die andern zu ihrem Nutzen Gebietsteile in Mähren bekommen, und daß sie dem Herzoge gehorchen müssen. Aber bald wurde das Gesetz nicht mehr befolgt; denn wer die Macht hatte, suchte die Nachfolge dem zu gewinnen, den er liebte, oder den er sonst wollte. Da entstanden Kämpfe von entsetzlicher Art, und es kam noch größeres Unheil in die Länder, als früher gewesen war. Den Beginn machte Swatopluk, der ein wilder Mann gewesen ist, und er dauerte siebenunddreißig Jahre, bis auf unsere Tage, und wir wissen noch das Ende nicht. Swatopluk ist ermordet worden, weil er gemordet hat, und sein Nachfolger, Wladislaw, der Vater des jetzigen Herzoges, ein gerechter und guter Mann, mußte sich den Fürstenstuhl gegen seinen Bruder Boriwoy erkämpfen, und Sobeslaw, der dann folgte, mußte mit dem deutschen Könige Lothar wegen des schwarzen Otto von Olmütz, der das Herzogtum anstrebte, Krieg führen. Als der starke und rechtgesinnte Sobeslaw herrschte, und als das Volk die Süßigkeit der Ordnung kennen lernte, wollten viele Männer der Länder, deren ich auch einer war, die Vorsorge treffen, daß bei seinem Ende nicht wieder das Unglück herein komme. Sobeslaw hatte einen Sohn, namens Wladislaw, den er sehr liebte. Wir, die Männer und ich, sagten, er solle ihn von Konrad, dem Könige der Deutschen aus dem Geschlechte der Hohenstaufen, mit den Ländern Böhmen und Mähren belehnen lassen, und Konrad belehnte den Knaben Wladislaw auf dem Tage in Bamberg, da derselbe achtzehn Jahre alt war. Und in einem Monate darnach schwuren auf unserem Tage in Sadska so die hohen wie die niederen Herren der Länder dem jungen Wladislaw. Als ein halbes Jahr vergangen war, erkrankte der Herzog Sobeslaw, und die Ärzte sagten, er werde sterben. Da riefen die Männer: Jetzt haben wir einen Knabenherzog, den sein Vater nicht mehr zu einem rechten Herzoge hat erziehen können, ein jeder wird ihn anfallen, und sie sagten: Nun müssen wir selber einen Herzog wählen. Der erwählte Bischof Silvester, der die weißen Haare des Alters auf dem Haupte hat, sagte aber: Tut das Gute, und bleibt bei eurem Schwure, alles andere wird kommen. Allein wir vermeinten klüger zu sein, und versammelten uns auf dem Wyšehrad zur Wahl. Da war Wladislaw, der Sohn des guten vorigen Herzoges Wladislaw, von dem einige Macht und Ansehen, andere eine gute Regierung erhofften, und wir wählten ihn zum Herzoge. Im Frühlinge dieses Jahres aber wählten viele wieder einen andern Herzog, Konrad von Znaim, und zogen in Waffen gegen Böhmen. Auf dem Berge Wysoka ist eine Schlacht gewesen, und viele hundert Menschen, ja tausend, sind erschlagen worden. Und dann waren Kämpfe und die Belagerung von Prag. Die Saaten sind zerstört, die Häuser öde, weil die Menschen fliehen, die heiligen Bauwerke und kostbare Handschriften und Kirchenschätze sind verbrannt worden, und in die Geschlechter ist die Wildheit gekommen. Der Herzog Wladislaw ist zu dem deutschen Könige Konrad um Hilfe gegangen, und als die Hilfsheere heran zogen, haben sich die Feinde zerstreut. In Mähren sind die Fürsten gegen mich aufgestanden, sie haben die Kirchengüter genommen, und Zuchtlosigkeit gestiftet. Ich sprach die Worte des Bannes. Und als der Bann in dem Lande war, als das heilige Opfer bei verschlossenen Kirchentüren gehalten wurde, als man die Toten nicht kirchlich beerdigen konnte, als die Gnadenspendungen nur den Sterbenden gereicht wurden, und als sich alle nach einem Zeichen auf die Erde werfen mußten, um Gott zu bitten, daß er das Unglück wende: da drangen sie gegen mich, sie suchten mich an dem Halse zu drosseln, daß ich das Übel wegnehme, und da ich darauf meine Männer zur Hilfe aufbot, boten sie noch mehr auf, und ich floh aus dem Lande durch ödes Gefild nach Böhmen, und ich wurde dann flüchtig in fremde Länder, wo die Zahl ihrer Anhänger nicht ist. Das ist Strafe, hochehrwürdiger Bischof, und Silvester hat gesagt, daß sie kommen wird.«

»Und wenn es Strafe ist, hochehrwürdiger Bruder«, antwortete der Bischof von Passau, »so bist du durch Gott beglückt, daß du hienieden noch büßen kannst, wenn du gefehlt hast. Die er züchtiget, die liebt er, und wenn deine Gedanken, die Gutes wollten, nicht zum Guten taugten, so wird er dich zu dem Guten führen. Ich würde mich an deiner Stelle preisen, und ich bete, daß ich meine Sünden auf dieser Welt abbüßen könne. Wie oft habe ich gebetet, daß ich auf jener Stätte Buße zu tun vermochte, auf welcher mein Erlöser gelitten hat.«

»Gott wird dir diese Gnade gewähren«, sagte der Bischof Zdik.

»Wenn die Spanne meines Lebens nicht schon zu kurz ist, so werde ich die Pilgerschaft in die heiligen Länder beginnen«, antwortete der Bischof von Passau; »dir aber, Zdik, wird er den Kranz reichen, der nach der Strafe bestimmt ist, die Wilden werden Lämmer werden, und dein Volk wird zurückkehren, und vor den Altären auf die Knie fallen.'

»Ich erwarte, was in der Hand des Herrn ist«, sagte Zdik.

»Er hat deinen Gegner gerührt, daß er dich beschützt hat«, sagte der Bischof Regimbert, »ist nicht dieser Jüngling auf dem Wyšehrad dir entgegen gestanden?«

»Ich bin bei der Wahl nicht ein Gegner des hochehrwürdigen Bischofes Zdik gewesen«, sagte Witiko, ich bin ein Diener des Herzoges Sobeslaw gewesen, und habe der Wahl nur zugeschaut. Aber wenn ich auch ein Gegner des hochehrwürdigen Bischofes gewesen wäre, so hätte ich ihn doch geleitet und beschützt, wenn ich es gekonnt hätte. In meiner Sache hat mich der hochehrwürdige Bischof damals sehr unterstützt. Jedoch beschützen habe ich ihn jetzt nicht können, weil auf den Wegen, die wir geritten sind, nirgends eine Gefahr gewesen ist.«

»Ihr habt mich doch beschützt, Witiko«, sagte Zdik, »denn wer solche Wege wählt, daß es wie ein Tuch vor den Augen meiner Feinde ist, und wer solche Nachtlager findet, auf denen ich ruhig sein kann, der ist mein Beschützer wie der, der gerade die Waffe des Feindes zurück schlägt.«

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