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Adalbert Stifter: Witiko - Kapitel 42
Quellenangabe
typefiction
booktitleWitiko
authorAdalbert Stifter
year1997
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-12375-3
titleWitiko
pages3
created19990819
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1865
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Der alte Wšebor mit den weißen Haaren hob beide Arme empor, zum Zeichen, daß er reden wolle. Der Herzog wies mit der Hand gegen ihn hin, die Männer sahen auf ihn, man half ihm, sich empor zu richten, und da er stand, sprach er: »Ich tue Einrede. Das Ansinnen ist ein Fehler, das Vorhaben ist nicht gut. Da wir vor zwei Jahren in dem Saale der Burg Wyšehrad saßen, und ich noch nicht so alt war wie jetzt, und da wir dich, erlauchter Herr, auf den Fürstenstuhl der Länder Böhmen und Mähren wählten, da sprach ein Mann, der älter war als ich, und dem die Gnade des Himmels erlaubt hat, noch heute unter uns zu sein, ein Mann, der viele Dinge gesehen und erlebt hat, ein Mann, dem weise Gesinnungen in dem Haupte sind, und der das Land und die Leute liebt, dieser Mann sprach, daß wir stets in der Gewohnheit haben, in unsern Streitigkeiten die Fremden zu rufen, daß der Fremde kommt, daß er immer mehr Macht bei uns gewinnt, und daß er eines Tages unsern Fürstenstuhl nehmen wird. Ich habe schon viele Fremde hier gesehen, und habe gesehen, wie sie gewaltet haben. Unser verstorbener ruhmreicher Herzog Sobeslaw hat selbst seinen Knaben Wladislaw von dem deutschen Könige Konrad in Bamberg mit der Fahne von Böhmen und Mähren belehnen lassen, von einem Fremden; denn Konrad war noch nicht der Kaiser und noch nicht der Schirmvogt der Christenheit. Wir verlieren die Gewalt über uns, und werden bald nichts mehr haben, worüber wir streiten könnten. Deine Weisheit, Herr, und die Weisheit der Räte, die um dich sitzen, wird ein anderes Mittel ersinnen, das uns hilft, und das uns nicht unser eigenes Eigen raubt.«

Nach diesen Worten faßte er mit beiden Händen den Rand des Tisches, und ließ sich wieder auf seinen Sitz nieder.

Nach ihm erhob sich Bozebor, und sagte: »Ich rede mit Wšebor. Hoher Herr! ich bin noch dabei gewesen, als vor sechzehn Jahren Veit, der Hofkaplan des Herzogs Sobeslaw, mit Panzer und Helm bei Chlumec die Fahne des heiligen Adalbert auf dem Speere des heiligen Wenzel in die Schlacht trug, und wir haben den ruhmreichsten Sieg gegen Lothar erfochten. Tu desgleichen. Ziehe mit der Fahne von Berg zu Berg, von Tal zu Tal, und sammle die Deinigen. Es ist besser, wenn wir unser eigenes Blut hingeben, wenn wir unsere Habe aufopfern, wenn wir bis zu dem Rande des Unterganges kämpfen, ja wenn wir sogar unsere Rechte lassen müssen, als wenn von außen ein Herr kömmt, der das Land und die Sitten nicht kennt, der schaltet, wie er will, und wie es uns schmerzt, und der vielleicht statt des vielen alles nimmt.«

Wecel sprang schnell auf, und rief: »Ich spreche mit Bozebor.«

»Ich auch«, rief eine Stimme.

»Ich auch«, eine andere, und eine dritte.

Und es entstand nun ein Rufen der Männer durcheinander und eine Unruhe.

Da streckte Bolemil die Hand über den Tisch, und gab ein Zeichen.

Als sich nach und nach die Ruhe herstellte, und er sich erheben wollte, sagte der Herzog: »Bolemil, rede auf deinem Stuhle sitzend.«

Bolemil aber antwortete: »Ich bin noch nicht so hinfällig, hoher Herr, daß ich die Gebühr vergesse.«

Darauf erhob er sich langsam, und da er mit den weißen Haaren und dem langen weißen Barte vor dem Tische stand, sprach er: »Wenn Wšebor von einem Manne geredet hat, der älter ist als er, und der sich in diesem Saale befindet, so bin ich es; denn sonst ist niemand hier älter als er. Wenn er aber von weisen Gaben gesagt hat, die in dem Haupte dieses Mannes sind, so bin ich es nicht; denn in meinem Haupte sind viele Torheiten gewesen, und ich bin nur bestrebt, sie abzulegen. Aber das ist wahr, was er gesagt hat, daß ich viele Dinge erlebt habe. Ich habe viele Dinge erlebt, und habe mir manches gemerkt. Ich habe es erfahren: wenn üble Körner in die Erde gelegt worden sind, so ist eine üble Saat aufgegangen, sie ist uns in unsere Häuser hinein gewachsen, sie ist uns in unsere Kirchen hinein gewachsen, sie ist uns in unsere Kammer und in unsere Schlafstätte hinein gewachsen, und wir haben die bittere Frucht davon weg zehren müssen. Ich habe auch erkennen gelernt, wann es eine böse Saat war, die gelegt worden ist. Und auf dem Herzogschlosse des Wyšehrad ist eine solche Saat gesäet worden. Ich habe damals unsern Herzog Wladislaw nicht wählen geholfen, weil es gegen das Recht war, und weil jedes Wählen der Herzoge übel ist; aber da er dann der Herzog war, und da Wladislaw, der Sohn Sobeslaws, sein Recht weg gegeben hat, so bin ich ihm nach meiner Pflicht gefolgt. Ich habe in der Versammlung gesagt, daß aus dem Wählen die Kämpfe folgen werden, wie sie in den früheren Jahren gefolgt sind. Die Kämpfe sind da, und ich bin wieder in ihnen, wie ich früher in ihnen gewesen bin. Ich habe auch gesagt, daß in Nachfolgekämpfen der Fremde gerufen wird, es ist so gewesen, und muß so sein, entweder ruft ihn der eine Teil oder es ruft ihn der andere, oder er kömmt, wenn die Teile sich bis zum Niedersinken zerfleischt haben, selber. Die Fahne des heiligen Wenzel hilft euch in solchen Streiten nichts, weil er der Heilige beider Teile ist, und jeder auf ihn hofft, und ihn ruft. Aber er hört ihn nicht, und Gott und alle Heiligen wenden sich von solchen Streiten mit Verdammnis ab, weil sie Bruderstreite sind, und wenn Gott in solchen Streiten dem Rechte hilft, so geschieht es durch Bitterkeit und Not, daß wir das Recht in Zukunft vor Leichtfertigkeit sichern. Weil es nun nicht zu vermeiden ist, daß der Fremde komme, so komme er zu uns, nicht zu den Feinden; damit aber unser Übel kurz daure, komme er bald, und damit er sich nicht an das Land gewöhne, ende er schnell. Dann, hoher Herzog, sage ich in meinem Alter, herrsche fort, und herrsche, wie du begonnen hast. Aber versammle deine Räte, und errichtet mit Langsamkeit und Weisheit ein Gesetz der Fürstenfolge, das mit großer Macht wirkt, die keiner anzutasten wagt, und das die Leiden endet, die ich sonst für alle Zeiten sehe, und denen ich nicht mit diesen weißen Haaren, und nicht mit diesen Worten meines Mundes wehren kann.«

Als er dieses geredet hatte, ließ er sich wieder so langsam, wie er aufgestanden war, auf seinen Sitz nieder.

Nach ihm meldete sich niemand sogleich, zu sprechen, sondern die Männer redeten wieder mit einander.

Da gab Diwiš das Zeichen, daß er sprechen wolle, und da es stille geworden war, sprach er: »Ich habe in der Versammlung auf dem Wyšehrad für Wladislaw, den Sohn Sobeslaws, gesprochen. Aber Wladislaw hat sein Recht aufgegeben, und Konrad hat gar kein Recht. Wladislaw, der Sohn unsers vorletzten milden Herzoges, ist jetzt der Fürst und im Rechte, und wir kämpfen für das Recht. Und wenn wir auch unser und unserer Angehörigen Blut, und unsere Habe, wie Bozebor gesagt hat, dafür hingeben, so dürfen wir doch nicht das Blut von tausend andern hingeben, die nicht wissen, weshalb gekämpft wird, und es fließet dieses Blut der tausend andern wie von Unschuldigen, ihre Habe wird vertilgt, wie die von Verfolgten, daß sie dem Jammer verfallen, davon sie zeitlebens nicht genesen. Damit das Übel nicht größer werde, und länger daure, gehe der erhabene Herzog zu Konrad, und dieser helfe. Dann aber sage ich wie Bolemil, es werde Vorsicht getroffen, daß die Streite der Söhne Premysls nicht mehr entstehen.«

Als er gesprochen hatte, setzte er sich wieder nieder.

Nach ihm redete Lubomir, und sprach: »Weil der hohe Herzog durch zwei Meinungen gewählt worden ist, durch die eine Meinung, die das Wohl des Landes zum Ziele hatte, und durch die andere Meinung, deren Ziel war, statt des jungen Herzoges, den sie fröhlich und eitel meinten, schalten und herrschen zu können, so war es unvermeidlich, daß komme, was gekommen ist. Die zwei Meinungen mußten zerfallen. Wir sind bei der besseren Meinung des Wohles des Landes und bei dem Rechte des Herzogs. Wenn die andere Meinung siegte, hätten wir gar keinen Herzog, sondern nur die Macht vieler einzelner, und der Streit wäre unauslöschlich. Darum muß der jetzige ausgestritten werden. Solche Streite kommen wie Gewitter, die Wehe und Unheil bringen, das getragen werden muß. Väter verlieren ihre Söhne, die Kinder verlieren ihren Vater, ein edles Weib wird eine Witwe, eine alte Mutter überlebt den jungen Sohn, und das Geschenk Gottes, die Liebe in den Banden des Blutes wird zerrissen. Ich rede nicht von dem Verluste der Habe; denn Habe kann wieder zu dem Menschen kommen; aber das Blut, das verloren ist, bleibt verloren. Damit das Unglück nicht noch unglücklicher werde, und durch den Sieg der Feinde erst recht unglücklich, ergreift zum schnellen Ende jedes christliche Mittel, das geboten wird, dann, sage ich auch, macht ein Nachfolgegesetz. Zu seiner Hilfe aber streuet den heiligen Glauben aus, daß sich die Menschen zähmen, und nicht nach Unrecht trachten. So rede ich wie viele, die gewußt haben, was kommen wird, und sich ihm, da es gekommen ist, gestellt haben.«

Er nahm nach diesen Worten seinen Platz wieder ein.

Ctibor stand auf, und sprach: »Und wenn sie sollten doch herein kommen, die sich jetzt den Mauern nähern, so werden sie uns erst recht alles nehmen, Weib und Kind und Hab und Gut, und wir sind verloren. Das bedenkt.«

Nach ihm erhob sich der Kmete des rechten Burgfleckens, und sagte: »Hoher Herr, ich bin noch dabei gewesen, als der Herzog Boriwoy Prag gegen deinen guten Vater überfiel, da sind viele Menschen desselben Blutes gegen einander gestanden, Dinge unerhörter Art geschehen, so entsetzlich, daß sich die Greise die Haare ausrauften, und die Frauen ihren Leib verfluchten, daß er geboren hat. Gehe zu dem erlauchten Könige Konrad, hoher Herr, wir werden in der Zeit die Stadt mit unserm Leben verteidigen, daß kein Stein in die Hände der Feinde geraten soll. Dann aber erscheine, und rette alles, daß nicht das größte Unglück geschieht.«

»Ja, es ist wahr, die großen Unheile dürfen nicht kommen«, »sie dürfen nicht kommen«, riefen mehrere Stimmen.

Der Kmete setzte sich wieder auf seinen Platz.

Nun erhob sich noch einmal mühsam von seinem Stuhle der alte Wšebor, und sprach: »Ich bin ein alter Mann, und kann nicht mehr viel vollbringen, ich kann auch nicht ansagen, welche Mittel außer den Fremden helfen würden, und weil sie unvermeidlich sind, wie Bolemil gesagt hat, so füge ich mich; aber ich beklage es.«

Er suchte wieder seinen Platz einzunehmen.

Da stand auch Bozebor noch einmal auf, und sprach: »Ich beklage es auch; aber ich füge mich nicht. Wenn das, wovon ihr redet, unvermeidlich ist, so ist es doch schlimm, und ich will nicht helfen, daß das Schlimme geschehe.«

»Rufe nicht den Zwiespalt hervor«, schrie Zwest.

»Du stiftest Hader«, rief Odolen.

»Keine Uneinigkeit«, »nicht Uneinigkeit«, riefen mehrere Stimmen, und ein Teil der Männer sprang von den Sitzen empor.

Der Herzog winkte mit seiner Hand. Und als sich die Ruhe wieder nach und nach eingefunden hatte, fragte er, wer weiter sprechen wolle.

Es sprach niemand.

Nach einer Weile stand er auf, und sagte: »Es hat hier ein jeder die Freiheit, zu reden, wie sein Herz denkt. Es soll nicht gesagt werden, ich höre meine Räte nicht; aber es soll gesagt werden, daß ich nicht in der Gewalt meiner Räte bin. Wer in unserem jetzigen Streite gerufen wird, ist nicht ein Fremder. Es ist der Bruder, welcher zu der geliebten Schwester, es ist der Schwager und Freund, welcher zu dem Schwager und Freunde kömmt. Es ist bei der Menschheit so, daß der Mensch dem Menschen, der Nachbar dem Nachbar, der Freund dem Freunde hilft. Wessen Haus brennt, dem stehen die bei, die um ihn sind. Und es werden die Zeiten kommen, daß die Völker nicht mehr allein sind, daß sie sind, wie Mensch und Mensch, wie Nachbar und Nachbar, wie Freund und Freund. Und dessen Hilfe ich heute brauche, der braucht die meinige morgen. Es wäre uns besser, wenn wir unser brennendes Haus selber löschen könnten, aber ehe wir mit dem Löschen fertig sind, verbrennt es. Es ist mir in das Herz gegangen, als Bolemil gesagt hatte, daß er in den früheren Kämpfen gewesen ist, und daß er in dem jetzigen wieder ist, als Lubomir gesagt hatte, was getragen werden muß, und als mein Kmete gesagt hatte, was geschehen ist, da mein Vater um den Fürstenstuhl ringen mußte. Ich rufe: es sei Gott vor, daß sich solche Dinge bei mir erneuern. Konrad wird in das Land kommen. Ich werde meine Männer mit den seinigen vereinen, und ich, der Herzog, werde es sein, der die Schlacht schlägt. Er wird sich wieder entfernen, und wir werden daran gehen, eine Schranke zu gewinnen, daß solche Zwiste nicht mehr möglich sind. Du aber, Bozebor, handle nach deinem Sinne, und so jeder, der da will. Bleibe in deinem Hofe, oder wo du willst, bis diese Sache aus ist, und dann komme zu mir, so es dir gefällt, und ich werde dir die Hand reichen. Die unseres Sinnes sind, lade ich für die dritte Stunde des Nachmittages wieder in diesen Saal, daß wir das weitere in das Werk setzen. Jetzt aber rede noch jeder, der zu reden gesonnen ist.«

Der Herzog schwieg.

Es redete niemand mehr.

Dann sagte er: »So bringe ich euch meinen Dank dar, daß ihr euch hier eingefunden habt, und wir zerstreuen uns.«

Die Versammlung ging auseinander. Dann verließ er seinen Sitz, sprach noch mit mehreren, und ging dann aus dem Saale. Die Krieger seines Hofes folgten ihm.

Als die dritte Stunde des Nachmittages gekommen war, versammelten sich die Männer wieder in dem Saale des Herzoghofes. Es waren alle gekommen, die am Morgen in dem Saale gewesen waren, nur Bozebor nicht.

Der Herzog ging zu seinem Stuhle, und setzte sich auf denselben.

Als eine aufmerksame Stille eingetreten war, erhob er sich, und sprach: »Liebe und Getreue! ich danke euch, daß ihr, wie ich sehe, alle bis auf einen gekommen seid. Ich habe euch heute gesagt, daß die Feinde in einigen Tagen vor diesem Berge sein werden, und daß unsere Handlungen nicht zögern dürfen. Lasset uns dieselben in Schnelligkeit vollführen. Ehe das Licht des morgigen Tages scheint, verlasse ich die Stadt. Für die Zeit, in der ich fort sein werde, ordne ich an, wie folgt: Dir, Otto, Bischof von Prag, vertraue ich die Stadt zu dem überirdischen Schutze. Bitte Gott, daß er dem Rechte hilft, wenn es auch durch Bitterkeit und Not geschieht, wie Bolemil sagt. Dir, Bruder Diepold, vertraue ich die Stadt zum irdischen Schutze. Du wirst eher das Leben lassen, als deine Ehre und deinen Ruhm auf dieser Erde und deine Seligkeit im Himmel verlieren. Dir, Zdik, Bischof von Olmütz, vertraue ich unsern Zug zum überirdischen Schutze, begleite uns, und bitte um sein Gedeihen. Für den irdischen Schutz unseres Zuges werde ich selber sorgen, so gut ich kann. Ich nehme einen kleinen Teil des blauen Fähnleins mit. Du, Welislaw, gehst mit mir nach Deutschland, und dann in die Schlacht; du, Odolen, desgleichen. Witiko, du gehst mit mir, sei in der neuen Schlacht umsichtig, wie in der letzten. Und daß es uns nicht an Schreibern fehlt, gehen aus meinen Hofkaplänen Wiliko und Berthold mit. Versammelt euch, ehe morgen die Frühdämmerung kömmt, vor dem Herzogstuhle der Stadt. Ihr andern aber, höret mich: Otto, du Mann der Kirche, Bolemil, du Schwerbetroffener, Lubomir, dessen Schmerz ich gedenken werde, Diwiš, du treuer Zupan, Chotimir, Preda, Wšebor, ihr Äbte, Daniel, Gervasius, Nemoy, und du, Ctibor, Bartholomäus, Predbor, und du, Casta, der du kaum von deiner Wunde genesen bist, und du, Wecel, der du, wenn gleich ein Widersacher meines Vorhabens, doch hieher gekommen bist, und Diet, und Osel, und Rowno, und die Kmeten meiner Burgflecken, und alle! Mein Befehl an euch hört in diesem Augenblicke auf, und es beginnt der meines Bruders. Wenn ich auf den Zinnen der Stadt das große rosenfarbene Banner wieder berühre, ist der Befehl wieder bei mir. Verteidiget die Stadt, und wenn ihr mich kommen seht, so zieht das rosenfarbene Banner höher hinauf, und wenn die Schlacht vor der Stadt ist, so kommt hinaus, wenn die Zeit es gebietet.«

Da er diese Worte redete, kam die Herzogin mit ihren Frauen in den Saal. Sie ging an das obere Ende des Tisches, und stellte sich neben den Herzog an die Stelle, von der Diepold zurückgetreten war. Ihre Frauen standen hinter ihr.

Der Herzog sagte: »Ich vertraue euch Gertrud, die Herzogin der Länder Böhmen und Mähren, die Tochter des frommen Markgrafen Leopold von Österreich, meine erlauchte und vielgeliebte Gemahlin. Ihr seht, wie gewiß ich es weiß, daß die Stadt in eurer Gewalt bleiben wird.«

Otto, der Bischof von Prag, antwortete hierauf: »Erlauchter Herzog, wir werden deine Anordnungen befolgen. Gott geleite dich, und kehre siegreich, wie Josua in das Gelobte Land, und die Herzogin werden wir hüten, wie seine Krieger den Bundesschrein gehütet haben.«

Lubomir sagte: »Gehe mit Gott, hoher Herr, lasse uns bald dein Banner vor diesen Zinnen sehen, daß unsere Augen und die Augen der Herzogin dieses Zeichen schauen können.«

Bolemil sprach: »Auf diesem Berge, wie in einem Herzen des Landes steht der Fürstenstuhl. Auf diesem Berge steht die Kirche des heiligen Veit, die Herrscherin der Kirchen des Landes, auf diesem Berge und in dieser Kirche sind unsere Heiligtümer, die Leiber unserer Heiligen, Wenzel und Adalbert, auf diesem Berge ruhen manche hohe Fürsten, auf diesem Berge steht der Herzogshof und der erste Zupenhof, auf diesem Berge, in der Kirche des heiligen Veit, sind Schriften und Zeichen aufbewahrt, die die Handfesten und Geschicke des Landes enthalten, und auf diesem Berge ist jetzt das lebende Kleinod, die Herzogin, weil sie die Herzogin ist. Wir werden die Heiligtümer und das Kleinod bewahren. Du, Herr, siege, wie du gesagt hast, in deinem Namen, und ende bald.«

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