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Adalbert Stifter: Witiko - Kapitel 39
Quellenangabe
typefiction
booktitleWitiko
authorAdalbert Stifter
year1997
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-12375-3
titleWitiko
pages3
created19990819
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1865
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Zweiter Band

1
Der Schein ging über Feld und Wald.

Als der Herzog Wladislaw auf seinen Zug nach Prag ging, war derselbe in der folgenden Weise eingerichtet. Zuerst waren Reiter, welche den Weg erforschen, berichten, und Hindernisse, wenn es geschehen konnte, zerstreuen sollten. Dann kamen Fußgänger mit jenen Reitern und Wägen, die zu ihnen gehörten. Diese Vorhut führte Diepold der Bruder des Herzogs. Dann kamen die Verwundeten Welislaw, Casta, Hermann von Attes, Beneda, und andere. Sie waren in Tragbahren, deren Bänder über die Buge von je zwei Pferden gingen. Sie wurden von Reitern behütet, die Milota führte. Dann kamen wieder Reiter und Fußgänger. Diese führte Heinrich der zweite Bruder des Herzogs. Nach ihnen waren Wägen, welche Kriegsdinge und Kranke und Verwundete trugen. Die Männer der Wägen befehligte Jurik der Sohn Juriks. Hierauf kamen die entseelten Körper derjenigen, die auf dem Berge Wysoka ihr Leben ausgehaucht hatten, und denen man die Sorge weihen wollte, daß sie nach Prag gebracht würden. Darunter waren die Körper Smils und seiner beiden Söhne, Bens, Dalimils, Pustimirs und anderer hervorragender Männer. Die Ärzte hatten sie in der Nacht, soweit es erreicht werden konnte, mit Spezereien gegen das Verderben eingerieben. Diese Körper waren in Tücher gehüllt, und wurden entweder von Säumern getragen, oder auf Wägen geführt. Das Geleite dieser Mitfolge befehligte Zwest. Nun erschien zum Schlusse die größte Schar der Krieger Wladislaws, Reiter und Fußgänger. An diese Stelle waren die erfahrensten Kriegsherren und jene Abteilungen der Männer gewiesen worden, die den geschlossensten Stand zu halten vermochten, damit sie, wenn die Feinde nacheilen und angreifen sollten, schnell in Schlachtordnung wären, und so lange ausdauern könnten, bis auch die andern in Kampfesbereitschaft wären. Diese Nachhut führte der Herzog Wladislaw selbst. Um ihn waren die vorzüglichsten Männer, die Bischöfe und die Führer. Der alte Bolemil war in seiner Tragbahre mit seinen noch übrigen Reitern da. Der alte Lubomir ritt mit seinen Söhnen, die ihm geblieben waren, neben dem Herzoge. Diwiš und sein Sohn Zdeslaw waren da. Odolen folgte mit seinen Freunden. Preda und Gervasius ritten mit. Die Waldleute hatten den Vorzug erhalten, der Abteilung des Herzogs einverleibt zu werden, und zogen nun in ihr dahin. Unter ihnen war Witiko, Rowno, Diet von Wettern, Osel und die anderen, die von dem Mittage des Landes stammten. Zwei der Männer trugen in Tüchern, die man an zwei Stangen gebunden hatte, den verwundeten Tom Johannes den Fiedler. Sie hatten ihn sorgsam zugedeckt, und hatten ihm einen Pack Frühlingskräuter auf die Wunde gebunden. Zwei andere Männer trugen David den Zimmerer, und wieder zwei Veit Gregor. Christ Severin der Wollenweber und Mathias und Urban, der Neffe des Schmiedes, gingen in dem Zuge, weil sie geringere Wunden hatten. Die Waldleute hielten sich geschlossen, und suchten das Benehmen der andern Krieger nachzuahmen. Am Ende des Zuges waren wieder Reiter, wie sie am Anfange waren. Zu beiden Seiten des Weges waren Reiterfähnlein ausgesendet worden, das Land zu durchsuchen, und zu melden, was sie gesehen hätten.

Die Häuser von Suchdol waren nach und nach rückwärts des Zuges gekommen, die Mauern von Radbar, die zuerst gegen Mitternacht gestanden waren, konnten nun gegen Mittag erblickt werden, und man näherte sich den Wiesen von Wolešec.

Von den streifenden Reitern kamen Abgesendete herzu, die sagten, daß kein Mensch in der Gegend sei, daß sich die Felder in Unordnung befinden, und kein Vieh zu sehen ist, und daß sich keiner der Feinde zeige.

Die Sonne ging nun über die Länder Mähren und Böhmen herauf, und beleuchtete den Zug. Man konnte an dem Rauche, der gegen Morgen war, sehen, daß die Feinde etwa an der Stelle seien, von der aus sie die Schlacht begonnen hatten, ja aus entfernterem Rauche, daß einige vielleicht schon gegen Mähren zurück gehen.

Die Scharen kamen in den Ort Wolešec, und gingen durch ihn, der leer war, hindurch. Als die letzten die Häuser hinter sich hatten, wurden die Zeichen zur ersten Rast gegeben. Die Zeichen wiederholten sich in den Abteilungen, und man richtete sich zur Ruhe. Einige Zelte wurden aufgeschlagen, zumeist aber ließen sich die Männer nur in die Breite auseinander, um sich nieder zu setzen. Die Waldleute kamen an eine Mauer aus losen Steinen, die neben dem Felde lief. Einige setzten sich auf die Steine der Mauer, andere an die Mauer in das kurze Frühlingsgras der Wiese, die neben dem Felde war. Wie ihnen der Herzog Lebensmittel versprochen hatte, ging es jetzt in Erfüllung. Es kamen Träger und Karren zu ihnen, und brachten Säcke mit geräuchertem Schweinefleisch, mit Brot aus Gerste und Roggen, mit Käseziegeln und Klößen. Auch Fässer mit Getränken wurden herbei geführt, von denen die meisten mit klarem Wasser gefüllt waren, das man aus kühlen Quellen geschöpft hatte. Andere enthielten Bier und Met. Die Waldmänner erquickten sich zuerst an den Getränken, am Wasser, am Biere, am Mete. Dann nahmen sie von den Speisevorräten in ihre Säcke, was sie zum Zuge nach Prag als nötig gedachten. Dann aßen sie, tranken wieder, und machten sich zurecht, die kurze Rast zu genießen. Was von den Lebensmitteln übrig geblieben war, wurde wieder fort geschafft. In dieser Zeit kam Jakob, der Knecht aus dem Wangetschlage, mit seinem lahmen braunen Pferde zu den Waldleuten. Man hatte nichts von ihm gewußt, und in dem Kampfe seiner nicht gedacht. Er erzählte, daß er in der Schlacht gewesen sei, und daß sie ihn mit einer Lanze in die Wange gestochen haben. Er habe sich aber sehr gewehrt, und sei jetzt dem Zuge nach geeilt, um ihn einzuholen. Witiko untersuchte seine Wunde, und fand sie geringe. Dann gab er ihm von seinen Vorräten zu essen, und ließ das gehetzte Pferd erquicken.

Als die Ruhezeit aus war, tönten die Hörner zum Aufbruche. Die Eckmänner der Waldleute gaben ihre Zeichen mit Hörnern von Ziegenböcken.

Der Zug richtete sich wieder ein, und ging weiter.

Man rastete noch zwei Male, und am Abende lagerte man sich auf weiten baumlosen Feldern, an denen keine Häuser waren, und die in dieser Kriegszeit keine Saaten trugen. Es wurden Gezelte geschlagen, die Grenzen des Lagers gesteckt, Wachen gestellt, und Kundschafter ausgesendet. Dann zündete man Feuer an, pflegte sich, und bereitete Schlafstellen. Und die Körper der Krieger genossen eine festere Ruhe, als sie in der vorigen Nacht gehabt hatten. Bis zum Morgen war es stille in dem Lager und um das Lager.

Wie an diesem Tage, so war es ähnlich an dem zweiten und an dem dritten und an dem vierten.

Und am fünften Tage kam Wladislaw mit seinen Kriegern vor der Stadt Prag an.

Die Augen aller Krieger sahen auf diese Stadt. Da war der hohe Wald des Berges Petrin, und von diesem Walde gingen die lichten Mauern dahin, die Sobeslaw hatte umbauen und mit Türmen versehen lassen, und hinter den Mauern ragten die Gebäude empor: die Kirche des heiligen Veit, die Kirche der heiligen Jungfrau Maria, die Kirche des heiligen Georg, die Hofburg des Herzoges, der Bischofsturm, die Priesterhäuser, die Häuser der Ämter, und noch viele andere, die sie nicht kannten. Aber zwischen dieser Stadt, die sie aufnehmen sollte, und den Kriegern war der weit gedehnte rechtsufrige Burgflecken Prag. Und vor dem Burgflecken standen unzählige Menschen gedrängt, um den Herzog und sein Heer zu sehen. Einige waren auf Dächer und Bäume geklettert. Vor allen Menschen aber stand die Herzogin. Neben ihr stand der Hofrichter und der Kämmerer und der Maier des Herzogs, welche nicht in den Streit hatten mitziehen dürfen, es standen die Kmeten neben ihr, die der Herzog über seinen rechten und linken Burgflecken gesetzt hatte, und es standen der Unterkämmerer, der Truchseß und der Schenk des Bischofes und der Dechant und der Hüter und Priester neben ihr, es stand Hugo, der Propst vom Wyšehrad mit Priestern neben ihr, und der Kmete vom Wyšehrad, und jeder hervorragende Mann, der zur Hut von Prag hatte zurückbleiben müssen. Die Herzogin und alle, die sie umstanden, begrüßten den Herzog und die Seinigen.

Der Herzog dankte des Grußes, die Herzogin und die um sie bestiegen ihre Pferde, und der Herzog führte von allen begleitet seine Krieger durch die langen Gassen des Burgfleckens und die vielen Menschen in ihnen auf das große Feld, das zwischen dem Burgflecken und dem Wyšehrad war, und als Verkaufsplatz diente.

Dort ließ er sie ein Lager schlagen, und in dem Lager sich niederlassen. Er aber ritt mit der Herzogin und mit den Bischöfen Priestern Lechen Kriegsherren und einem Geleite von Kriegern in die Burg. Diwiš ging in sein eigenes Haus, dort zu übernachten, eben so Bolemil. Lubomir ging in das Haus seines Stammes, so tat auch Ctibor, so Chotimir und Nemoy und Preda und andere. Der Bischof Zdik ging mit seinen Priestern und Leuten in das Haus des Bischofes von Prag, und auch Bozebor ging mit einem Geleite dahin. Witiko wurde in dem Hause der Priester des heiligen Veit aufgenommen. In zwei kleinen Gemächern neben dem Torwege fand er Raum für sich und die Knechte Raimund und Jakob, und für die Pferde erhielt er einen kleinen Stall.

Im Morgengrauen des nächsten Tages machte Wladislaw mehrere Anordnungen. Die erste war, daß die Körper der Toten zu ihrer Bestattung möchten hergerichtet werden; die zweite war, daß man die Einteilung treffe, daß die Krieger von dem Verkaufsfelde in die Stadt hinauf zögen, und ihre Abteilungen die Plätze einnähmen, die für sie bestimmt wären. Hierauf sendete er Kundschafter aus, dann ordnete er Werbungen von Arbeitern an, die Mauern, wo es notwendig wäre, noch mehr zu befestigen, und auszubessern. Dann befahl er Sendungen in das Land, um Krieger zum Zuzug aufzufordern, und Lebensmittel einzubringen, und endlich schickte er seinen Bruder Heinrich in das Land Budissin, um dort Männer zur Beihilfe zu werben.

Da der Abend heran nahte, wurde gemeldet, daß man zur Bestattung der Toten in Bereitschaft sei. Der Herzog begab sich auf das Verkaufsfeld, wo sie aufgestellt waren. Eine große Menschenmenge und die Schar der Priester war um sie. Pustimir in schwarzen Sammet gekleidet lag auf einem mit schwarzem Sammet überzogenen Wagen, um nach Daudleb geführt zu werden. Der demütige Priester von Daudleb kniete an dem Wagen, und betete. Smil und seine zwei Söhne lagen auf drei Wägen von grünem Sammet und Silber in dunkelgrüne Sammetgewänder gekleidet mit Silber verziert, die weißen Federn auf den Hauben, und das helle Schwert an der Seite, um gegen Decin gebracht zu werden. Dalimil in Braun und Gold gekleidet sollte von seiner Sippschaft nach Taus geleitet werden. Swen, ein hochbeherzter Mann, dessen Begräbnisstelle in Mähren lag, sollte, da er mit Spezereien eingesalbt war, in eine Gruft der Marienkirche getragen werden, daß er nach Beendigung des Streites endlich in seine Heimat gebracht werden könnte. Die andern sollten in Prag begraben werden. Der Bischof Otto von Prag, der Bischof Zdik von Olmütz, Peter der Abt von Brewnow, Gezo der Abt von Strahow, die Äbte von Kladrau und Wilimow, der Priester Daniel und viele Priester feierten die heilige Handlung. Der Bischof Otto hielt nach der Segnung eine Predigt, und als sie geendigt war, und als alle auseinander gehen wollten, viele darunter mit Tränen in den Augen, sagte der Herzog: »Die Waffenbrüder der Verstorbenen, dann Männer und Frauen und Jünglinge und Jungfrauen, welche das Land lieben, mögen die, welche für das Land gestorben sind, nicht vergessen.«

»Sie werden nicht vergessen«, riefen sehr viele.

»Nein, wir vergessen sie nicht«, riefen andere.

Mehrere Menschen gingen noch besonders zu der Stätte Bens des Kriegsanführers, um von ihm Abschied zu nehmen, der so bald nach dem Tage auf dem Wyšehrad sein Leben hatte verlieren müssen.

Dann zerstreuten sich alle, und die Toten wurden ihren Bestimmungen entgegen geleitet.

Am Morgen des nächsten Tages begann der Zug der Krieger von dem Verkaufsfelde und derer, die bisher in dem Burgflecken gewesen waren, in die Burg, welche besonders und mit Vorzug die Stadt Prag geheißen wurde. In langer Reihe gingen sie über die hölzerne Brücke, sie gingen zu dem Brückentore der Stadt, und dann in der Stadt empor, an allen den hohen und erhabenen Gebäuden, die da waren, und an dem Herzogstuhle vorüber.

Sie wurden in der Stadt eingeteilt, und jeder Abteilung der Platz zugewiesen, der ihr zur Wirksamkeit dienen sollte.

Witiko erhielt von dem Herzoge den Oberbefehl über die Waldleute, die sich auf dem Wysoka freiwillig unter ihn gestellt hatten.

Da die Krieger in die Stadt gezogen waren, rüsteten sich nun die Bewohner der beiden Burgflecken auf die Dinge, die da kommen sollten. Die fremden Kaufleute in dem Teyn verpackten ihre Waren, und sendeten sie auf dem Wege über Pilsen gegen Taus in die deutschen Länder hinaus, oder sendeten sie sonst irgend wohin, und richteten sich, ihnen zu folgen. Die Juden bargen, was sie Wertvolles hatten, und schickten, was in kleinem Raume großen Wert hatte, in entfernte Gegenden. Manche Menschen verließen die Stadt, und die da blieben, vergruben Habseligkeiten, und behielten so viel, den Feinden, die da kommen würden, Verpflegungen zum Schutze vor Mißhandlung reichen zu können.

Als die Krieger auf der Burg ihre Plätze eingenommen, und sich dort eingerichtet hatten, ordnete Wladislaw eine Versammlung auf dem freien Platze vor dem Herzogstuhle an, zu welcher die Kriegsherren und Unterführer geladen waren, und zu welcher Preda mit den Gefangenen kommen mußte. Als sich alle versammelt hatten, und rings um sie viele andere Krieger und Leute aus dem Volke standen, erschien der Herzog auf seinem Pferde, und neben ihm ritt die Herzogin in einem schönen Gewande. Sie stiegen von den Pferden, und der Herzog begab sich auf eine Erhöhung, die hergerichtet war, und sprach zu der Versammlung: »Waffenbrüder, Freunde, Kriegsherren, Männer des Landes, Krieger und Volk, das gekommen ist! Ich spreche zu euch allen, ich spreche, was ich für unser Land als nötig erachte. Mein Großvater Wratislaw ist ein großer und weiser König gewesen, den Ländern zum Wohle, sein Sohn, der Herzog Wladislaw, mein Vater, war großmütig und gütig, sein anderer Sohn, der letzte Herzog Sobeslaw, lebt in euerm Angedenken, und wird in dem Angedenken derer nach Euch leben. Ich bin auf sie gefolgt. Ich bin nicht wie mein Großvater, mein Vater und mein Oheim. Ich weiß nicht, ob ich ihnen an Gaben gleich oder untergeordnet bin; aber im Guten will ich ihnen gleich sein. Vor diesem ehrwürdigen Stuhle, der schon so viele große und gute Fürsten getragen, und auch manche Verirrungen gesehen hat, kann ich es aussprechen, daß ich die Pflichten treu in mein Herz geschrieben habe, die mir durch diesen Stuhl entstanden sind. In dem Kampfe, der naht, werde ich entweder siegen, und dieses wird nach dem Ratschlusse Gottes dem Lande zum Heile sein, wir werden Gott preisen: oder ich werde unterliegen, und dieses wird nach dem unerforschlichen Ratschlusse Gottes dem Lande zum Heile sein, wir werden auch Gott preisen. Wir kleinen Menschen können das Höchste nicht sehen; aber wir, die wir hier versammelt sind, glauben, daß wir auf dem Rechte stehen, und wir müssen das Recht mit der Herzhaftigkeit und der Einsicht, die wir haben, zu Ende bringen. Ich werde alle Mittel, die zu erringen sind, gebrauchen. Über die Mittel werden wir beraten, wenn wir wissen, was not tut. Jetzt aber sage ich nur, wer im geringsten an der Gerechtigkeit unseres Vorhabens zweifelt, oder wer nicht mit seiner ganzen Seele bei dem Vorhaben ist, der verlasse dasselbe mit getrostem Mute, er mag gehen, wohin er will. Der größte Teil der reichen und vornehmen Herren der Länder ist bei den Feinden, der ehrenreichste kleinste Teil der Priesterschaft und der Lechen ist bei mir, und jener kleinerer Männer, die von mir Schutz erwarten, den ich gewähren will. Selbst von meinen Burgflecken kann gehen, wer es verlangt. So sage ich, wie jener kühne Führer aus der alten heiligen Zeit, der zu mehreren Malen die fortgehen ließ, die dem Kampfe abträglich sein könnten. Beherziget es.«

Wladislaw schwieg. Da trat Otto der Bischof von Prag hervor, und sprach: »Die Lechen und Herren, die um dich versammelt sind, haben gedacht, wie du sprechen willst, erlauchter Herzog, und haben mich zur Antwort erwählt, nicht um meiner Gaben willen, sondern, weil ich die kirchliche Herrschaft in dem Lande führe, und so sage ich: Keiner aus denen, die schon auf dem Wysoka für das Recht gekämpft haben, und keiner aus denen, die zu dem jetzigen Kampfe gekommen sind, zweifelt an dem Rechte, und keiner wird sich dem, was kommt, entziehen. Wer von den untergeordneten Kriegern gehen will, die werden sie verzeichnen, und die mögest du ziehen lassen.«

»Sie werden in dem Amte meiner Kammer das Reisegeld zum Wege in ihre Heimat finden«, sagte der Herzog.

»Heil Wladislaw«, rief eine Stimme.

»Heil dem großmütigen Herzoge«, rief eine andere.

»Heil«, »Segen«, »Glück« und andere Rufe tönten nun vielstimmig durcheinander.

Da es wieder ruhig geworden war, rief Wladislaw: »Ihr, die ihr dort unter der Hut meines alten Zupanes Preda steht, und die der Tag auf dem Berge Wysoka als Gefangene in meine Hände gegeben hat, ihr seid frei. Ich fordere nicht, daß ihr versprechet, in diesem Kriege nicht mehr gegen mich zu kämpfen, wer Ehre hat, wird es nicht tun, der andere wird es nicht lassen, und wenn er in meine Hände fällt, wird er auf einem Baume aufgehängt, wie vor zwei Jahren die Diebe des Landes. Wer geht, erhält morgen das Reisegeld in meiner Kammer, wer aber seine Handlungen gegen mich bereut, und mir dienen will, der melde sich, er wird mit Liebe angenommen werden. Jetzt aber entfernet euch.«

Unter den Gefangenen entstand ein Jubelruf; sie wendeten sich gegen den Herzog; aber auf den Befehl Predas stellten sie sich, und zogen unter Freudenrufen ab.

Unter dem Volke ertönten wie aus allen Kehlen Rufe der Freude und des Vergnügens.

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