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Adalbert Stifter: Witiko - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
booktitleWitiko
authorAdalbert Stifter
year1997
publisherDeutscher Taschenbuch Verlag
addressMünchen
isbn3-423-12375-3
titleWitiko
pages3
created19990819
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1865
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»Die Kleider, wie ihr sie tragt, habe ich auch in andern Ländern gesehen«, sagte Witiko.

»Nicht bloß die Kleider: die Sitten die Bräuche und alles andere geht durch die ganze Welt, und wir leben mit der ganzen Welt, wir können nicht hinter unserem Eichenklotze sitzen bleiben, und uns von ihm beschatten lassen. Ja, da erzählen die Alten, unser Volk sei einmal abgeschieden, es sei für sich allein gewesen, und habe nicht nach auswärts gestrebt, da hat es Gesang und Tanz geliebt, die Gastfreundschaft geehrt, und den Boden betreut. Die Einsicht hat als das Größte gegolten, und der Rechtspruch, den einer geben konnte, war die höchste Zier. Und die oberste Macht unsers Landes ist nicht aus der Kriegsanführung hervorgegangen, sondern aus der Richterübung. Krok erlangte die Macht im Volke, weil sein Verstand den der andern übertraf, und weil er allen raten und helfen konnte. Die Angriffe von außen wurden einfältig abgewehrt. Samo hat in längstvergangenen Zeiten die Heere des Frankenkönigs Dagobert in der dreitägigen Schlacht bei Togastburg vernichtet, das Heer Ludwigs des Deutschen, welcher Böhmen bezwingen wollte, ist in einer unerhörten Niederlage geschlagen worden. Und man kennt nicht den Ort der Schlacht und nicht den Namen des Mannes, der unser Volk geführt hat. Da, sagen sie, seien gute Zeiten gewesen; aber wer weiß, wie damals alles geschehen ist. Alte Menschen loben das Vergangene und frühere Zeiten. Die Jahre, die näher an uns liegen, sind auch hier zu Lande wild genug gewesen. Und warum hat der Mann seines Namens nicht besser gewahrt, und warum soll ich nicht einen bösen Nachbar, der quält und droht, in seinem Lande suchen und niederwerfen dürfen, warum nicht den Namen der Meinigen in die Herzen der fremden Völker tragen, daß er geehrter und gefürchteter ist?«

»Wir werden den Namen unseres Volkes ruhmreich in die fernsten Länder tragen«, sagte Witiko.

»Nun, bei allen Heerscharen des Herrn, wenn du das Banner dahin trägst, dann reiten wir alle, die hier sind, mit dir«, rief der Scharlachreiter.

»Ich werde nicht das Banner tragen«, sagte Witiko, »aber ein ruhmreicher Herzog von Böhmen wird es tragen lassen.«

»Vielleicht dein Sobeslaw?« sagte der Scharlachreiter.

»Vielleicht Sobeslaw, vielleicht der, der nach ihm kommt«, entgegnete Witiko.

»Warum hat er dann den König Lothar, als er ihn bei Chlumec geschlagen und eingeschlossen hatte, entkommen lassen, und sich begnügt, Herzog von Böhmen zu sein?« sprach der Scharlachreiter.

»Das wird er wissen«, entgegnete Witiko, »und er wird wissen, warum er zu den Deutschen steht, das hindert nicht, daß er unser Volk einmal ruhmvoll nach außen führt.«

»Also reitest du nicht aus dem Lande der Königin von Saba oder aus Ophir daher, sondern gehörst zu unserm Volke, wie du sprichst«, sagte der Scharlachreiter.

»Du siehst, daß ich nach Mitternacht reite, also komme ich vom Mittage her«, entgegnete Witiko.

»Wir reiten ja alle mit dir nach Mitternacht, also kommen wir vom Mittage her«, erwiderte der Scharlachreiter.

»So ist es auch«, sagte Witiko, »und es ist nur, wer weiter her kömmt.«

»So pilgerst du vielleicht von dem Walde heraus, in welchem Tannen und Moosbeeren wachsen«, sagte der Scharlachreiter.

»Tannen und Moosbeeren und anderes«, sagte Witiko, »und wo manche Stelle zu einer edlen Waldburg für einen genügsamen Mann ist.«

»Dort begnügen sie sich mit Fröschen«, sagte der Scharlachreiter.

»Sie begnügen sich mit Fröschen«, antwortete Witiko, »und das ist ein Vorzug.«

Der Scharlachreiter wendete sich bei diesen Worten halb auf seinem Pferde um, und rief auf seine Begleiter zurück: »Wie wäre es, Freunde, wenn wir einmal in den Mittagwald unseres Landes jagen gingen, aus dem die schöne Moldau kömmt, der Ledermann hier meint, es wäre nicht so schlecht dort.«

»Wenn die Wölfe und Bären und Hirsche im Winter dort nicht erfrieren, so müssen ihrer genug sein«, rief der schöne Jüngling, welchen der Scharlachreiter den Sohn des Nacerat geheißen hatte.

»Und wir dringen mit der Lanze in der Hand und mit festen Stiefeln an den Füßen durch Gestein und Moor und Wurzelgeflecht«, rief der, welchen der Scharlachreiter Welislaw genannt hatte.

»Wer weiß, ob dort schon einmal eine Jagd, wie sie die Vorschrift fordert, abgehalten worden ist«, rief Odolen an der Seite Witikos, »und wenn wir die ersten sind, die eine Kunstjagd dort einführen, so haben wir Ruhm, und mehr Ruhm, je mehr wir überwinden müssen. Der Sieg gilt erst recht, wenn man Berge umwirft, um zu dem Feinde zu gelangen.«

»Du tränkest einen Fluß aus, um zu ihm zu kommen«, sagte der Scharlachreiter.

»Das wäre viel zu langsam«, rief Odolen entgegen, »ich werfe mich mit unsern Leuten hinein, und schwimme hinüber.«

»Wir gehen hin«, rief der, welcher von dem Scharlachreiter Ben geheißen worden war, »weil wir noch nicht dort gewesen sind.«

»Und Wurzeln, Kräuter werden wir wohl finden, daß wir eine Würze haben, wenn wir uns einen Dachs zum Essen braten müssen«, rief der, welcher Casta genannt worden ist.

»Und die Bärenfelle bringen wir den Frauen und Jungfrauen zu weicher Hülle«, rief einer der Söhne Smils.

»Ja, deiner Mutter zum Füßewärmen«, sagte Welislaw.

»Wir gehen einmal hin«, rief der Scharlachreiter, den Tag können wir noch verabreden, wer weiß, was wir da finden und erfahren, und der alte Cosmas lebt ja auch nicht mehr, unsere Sitten lateinisch zu tadeln, da er die der alten Zeiten preist.«

»Wir gehen hin«, rief eine Stimme.

»Wir gehen dahin«, rief eine andere.

»Ja, ja«, rief wieder eine.

»Und unsere Sitten sind wahre reine weiße Lämmlein gegen die Wölfe, die gewesen sind«, sagte der Scharlachreiter, indem er sich auf seinem Pferde wieder nach vorwärts wendete, »wenn Cosmas nicht schon achtzig Jahre alt gewesen wäre, als er auf dem vielen Pergamente die Taten unseres Volkes aufgeschrieben hatte, so hätte er gesehen, was die Alten an sich gehabt haben: sie sind arg gewesen, und wir sind die Guten. Hast du von den zwei großen Geschlechtern unsers Landes gehört, du lederner Reiter, die so groß gewesen sind, daß keines größer war, und kaum ein größeres kommen wird?«

»Ich habe von manchem Geschlechte dieses Landes gehört«, antwortete Witiko, »ich weiß nicht, welches du meinst.«

»So horche«, sagte der Scharlachreiter, »es war ein Mann im Lande, der auf der Burg Libic hauste, und Söhne und Töchter hatte, und Länder besaß, die quer durch das Herzogtum gingen. Er hieß Slawnik. Vor ihm waren schon viele Slawnik. Als seit dem Heile der Welt noch nicht das tausendste Jahr angebrochen war, wurde ein Sohn von ihm, der Woytech hieß, Bischof von Prag. Er war in der Reihe der Bischöfe der zweite, und nannte sich Adalbert. Cosmas lobt ihn, und hat von ihm auf das Pergament geschrieben, daß er reich an Geburt war, schön an Gestalt, leutselig an Benehmen, geistlich im Wandel, und daß er von allen geliebt wurde. Und da lebte auch vor alten Zeiten ein Mann namens Wrš, von dem die Wrše stammten. Da geschah es einmal, daß das Weib eines Wršen im Ehebruche gefunden wurde. Es war eine Sitte, daß das Weib, das sich dessen schuldig gemacht, von der Hand des Gatten sterben sollte. Sie floh aber zu Adalbert, und gelobte Buße, und daß sie Buße tun könnte, sandte sie Adalbert zu den Frauen des heiligen Georg. Die Wrše rannten zu Adalbert, und suchten das Weib. Da sie es nicht fanden, schmähten sie Adalbert als Verbrecher und Beschützer des Ehebruches. Er aber sagte: ›Nicht den Ehebruch schütze ich, sondern einen schrecklichen Brauch hindere ich, der gegen das Christentum ist, das nicht den Tod des Sünders will, sondern, daß er sich bessere‹, da sprang das Haupt der Wrše zu Adalbert, und rief: ›Dich will ich nicht töten, daß du nicht ein Märtyrer wirst, aber deinen Brüdern und deinem Hause will ich es gedenken bis in das letzte Glied.‹ Dann liefen sie fort, und als man ihnen den Aufenthalt der Schuldigen verraten hatte, drängten sie das Kloster, bis ihnen die Frau herausgegeben wurde. Und als ihr Ehegatte sich entsetzte, sie zu töten, ließen ihr die Wrše durch einen gemeinen Diener den Kopf abschlagen. Adalbert zürnte, weinte, verfluchte die Wrše, verließ sogleich Prag, und eilte nach Rom. Die Wrše begannen die Fehde gegen die Brüder Adalberts, deren noch fünf im Lande waren, das ungeteilte Erbe Slawniks besaßen, und in der Burg Libic hausten. Der Kampf dauerte lange, er ruhte, er fing wieder an, ruhte wieder, und begann wieder, und da die Slawnike alles bis auf Libic verloren hatten, wurde auch Libic belagert. Anastasius der Abt von Brewnow, der ein Freund des Geschlechtes der Slawnike war, befand sich in der Burg, und riet, als die tapfere Gegenwehr vergeblich war, sie sollen sich in die Kirche flüchten. Alle Nachkommen Slawniks gingen in die Kirche und zu dem Altare, und da die Wrše in die Burg kamen, und die Flüchtigen aus der Kirche durch Versprechungen gelockt hatten, ermordeten sie alle ohne Unterschied, Männer, Weiber, Kinder und Jungfrauen. Was sie von Dienern und Mannen der Ermordeten in der Burg fanden, führten sie in die Leibeigenschaft ab. Der Abt Anastasius floh nach Ungarn, und ist nie wieder zurückgekehrt. Die Wrše nahmen die Güter der Slawnike, und das Haupt derselben wohnte nun öfter in Libic. Drei der Slawnike waren dem Untergange ihres Geschlechtes entronnen: Adalbert, welcher in Rom war, Radim, sein jüngster Bruder, welcher ihn begleitet hatte, und Sobebor, der älteste, welcher, da einmal die Fehde ruhte, in einem böhmischen Heere mit dem Kaiser Otto gegen die mitternächtlichen Slawen gezogen war, den polnischen König Boleslaw kennen gelernt, in Polen geblieben war, und dort Besitz und Ansehen erworben hatte. Aber das Geschlecht erhob sich nie wieder, und blieb erloschen.«

»Und warum haben denn die Herzoge solches nicht gewehrt?« fragte Witiko.

»Ja, da war ein Prinz«, antwortete der Scharlachreiter, »der Boleslaw Rothaar hieß, und der mit seinem ganzen Anhange die Wrše begünstigte, und sogar mit ihnen gegen die Slawnike kämpfte. Und als er den Herzogstuhl bestiegen hatte, gab er einem Wršen seine Tochter zum Weibe, und die Wrše waren die Nächsten an ihm. Aber Boleslaw verlor alle Nebenländer des Reiches, und war wütig gegen Hohe und Niedere. Da brach die Empörung aus, und die Wrše waren die ersten gegen ihn. Er mußte entfliehen. Dann kam er wieder zur Macht, und lud in der Fastnacht, in der alle sich erlustigten, die vornehmsten Männer des Landes und auch Wrše zu sich, und da er sie durch Freundlichkeit getäuscht hatte, überfiel er sie mit seinen Häschern, stieß seinem Schwiegersohne zuerst selber den Dolch in den Leib, und tötete alle, die er fürchtete. Er wurde aber noch in dem nämlichen Monate von dem polnischen Herzoge Boleslaw geblendet, und starb nach Jahren unbeklagt in einer entfernten polnischen Burg. Als der Herzog Wratislaw als König in diesem Lande herrschte, etwa siebenzig Jahre später, waren die Wrše wieder in Ansehen: Buc, Cac, Dobromil, Tista und andere. Da jedoch der Herzog Wratislaw gestorben war, und sein Sohn Bretislaw auf dem Herzogstuhle saß, wurden die zwei mächtigsten Wrše aus dem Lande verbannt: Mutina, der bisher der Freund des Herzogs und Zupan von Leitmeritz gewesen war, und Bozey, das Haupt der Wrše, Herr auf Libic und Zupan von Saaz. Der Herzog hatte nämlich erfahren, daß sie bei der Belagerung der polnischen Veste Brdo im Einverständnisse mit dem Feinde gewesen waren. Als vier Jahre seit dieser Verbannung verflossen waren, da man das Jahr 1100 schrieb, und der Herzog Bretislaw in der Abenddämmerung des heiligen Thomastages von der Jagd in den Wäldern von Bürglitz gegen seinen Hof Zbecna zurückkehrte, und man ihm in dem Dunkel der Wälder mit Fackeln entgegen ging, sprang ein Mann namens Lorek aus dem Dickichte hervor, und stieß ihm mit Gewalt einen Jagdspieß in den Leib. Der Leche Cosmas hat aufgeschrieben: ›Wie ein Stern vom Himmel fiel der hohe Fürst in dem Walde zu Boden.‹ Seine Mannen kamen zu spät, und hoben den Sterbenden empor. Man rannte dahin, den Mörder zu suchen, und fand ihn mit seinem Pferde in einen Graben gestürzt von dem eignen Schwerte durchbohrt. Ob mit Absicht, weil er der Verfolgung nicht entrinnen konnte, oder aus Unglück, konnte man nicht mehr erkennen. Es war der Glaube verbreitet, daß der Mörder von den verbannten Wršen Bozey und Mutina angestiftet gewesen sei. Und als nach Bretislaw sein Bruder Boriwoy den Fürstenstuhl inne hatte, wurden die Wrše zurückgerufen, und sie dienten treu. Da aber der Vetter Boriwoys, Swatopluk von Olmütz, nach dem Herzogstuhle strebte, da er einen falschen Boten an Boriwoy abgeschickt hatte, der ihm seine Feinde nennen mußte, und ihm die Wrše nannte, und da Boriwoy mißtrauisch wurde, und den Wršen Bozey zweimal zu fangen strebte, fielen die Wrše von ihm ab, gingen zu Swatopluk, halfen ihm siegen, und den Fürstenstuhl besteigen. Boriwoy mußte nach Polen fliehen. Ein Jahr darauf ging Swatopluk mit einem Heere zu seinem Gevatter Heinrich dem Fünften dem Könige von Deutschland gegen Koloman den König von Ungarn. Er ließ als Schutz des böhmischen Landes den Herren Wacek und den Wršen Mutina mit Heeresmacht zurück. Vor Preßburg kamen Swatopluk und Heinrich zusammen. Swatopluk hatte alles niedergeworfen und zerstört, was ihn an der Annäherung an Preßburg hindern konnte, und er strebte nun mit Heinrich die Stadt und die Veste zu gewinnen. Da kam ein Bote, welcher meldete, daß der polnische König Boleslaw, der ein Freund der Ungarn war, mit Boriwoy in Böhmen eingefallen sei, daß er Wacek und Mutina besiegt habe, und die Zupen verwüste, und ein geheimer Bote von Wacek kam, der sagte, daß Mutina mit dem Feinde verstanden sei, daß er sich Boriwoy günstig erweise, daß er nur zum Scheine gekämpft habe, und daß er heimlich zu seinem Vetter Nemoy gegangen sei, der ein Anhänger Boriwoys ist. Swatopluk mußte von Preßburg zurück, und der König Heinrich mußte auch fort. Swatopluk ging mit den Seinigen gegen Böhmen, und der polnische König ging nach Polen zurück. Wacek und Mutina kamen dem Herzoge entgegen. Er empfing sie freundlich, und war freundlich gegen die Wrše, welche mit ihm in Ungarn gewesen waren. Er zog gegen die Burg Mutinas, die Wratislaw hieß. Er übernachtete in der Burg. Als der Tag angebrochen war, versammelte er alle Männer, die bei ihm waren, in dem großen Saale der Burg, Herren Ritter und andere. Es war Mutina zugegen mit seinen zwei jungen Söhnen, es waren die Wrše Domaslaw und Unislaw da. Der Herzog trat schnell in den Saal, sprang auf die Ofenbank, und rief von dort herab, was die Wrše von jeher an Tücke Verrat und Bösem gestiftet haben, und schrie gegen die Männer: ›So gebe ich sie der Vernichtung preis, und wer sie vertilgt, der nehme ihr Hab und Gut, was er zu erraffen und zu ergreifen vermag. Die im Saale seien die ersten.‹ Darauf sprang er von der Bank, und verließ das Gemach. Mutina saß auf seinem Stuhle, und redete nicht. Sogleich erhielt er zwei Hiebe, und regte sich nicht. Auf den dritten wollte er empor, und da fiel sein Haupt von dem Rumpfe. Unislaw und Domaslaw wurden erschlagen. Die Knaben Mutinas wurden fort geführt. Ein Freund der Wrše, Neuša, sprang aus dem Fenster in den Wald, sein helles Gewand verriet ihn, er ward ergriffen, und geblendet. Die Männer Krasa und Wakula sprangen auf ihre Pferde, und jagten gegen die Burg Libic, auf der Bozey saß. Er ließ sie als Reiter aus dem ungarischen Kriege zu sich, da er mit seinem Weibe und seinem jungen Sohne Borita beim Mittagsmahle saß. Krasa rannte herbei, und lästerte, und als es ihm Borita verwies, tötete er ihn, und stieß das blutige Schwert dem Vater in das Herz. Die Wrše der Burg wurden ermordet, die Toten der Kleider beraubt, und verscharrt, und alles geplündert. Und es begann nun ein Krieg der Wrše, die noch lebten, gegen ihre Angreifer, und der Krieg wurde immer größer, da ihnen ihre Anhänger halfen, und ihre Feinde sich mehrten. Aber sie unterlagen, und kamen um. Die einen führte man auf die Märkte der Städte, und richtete sie dort hin, die andern tötete man auf dem Berge Petrin, oder brachte sie auf den Gassen oder in den Häusern um. Der alte Leche Cosmas hat aufgeschrieben, daß die Söhne Mutinas gute Knaben waren, und so schön, als wären sie auf Elfenbein gemalt worden; aber sie wurden umgebracht. Die Leute schlugen ein Kreuz, und entflohen. Alle Wrše waren ausgerottet bis auf einen, der entflohen war, Johann, der Sohn Tistas. Von der Burg Mutinas ging Swatopluk wieder gegen Koloman, der ihm gefolgt war, und da er heftig in einem Walde ritt, stieß er sich einen Ast in das Auge, daß es ausgestochen war. Man trug ihn nach Prag, daß er dort geheilt werde. Koloman ging nach Ungarn zurück. Da Swatopluk genesen war, ritt er im Winter mit seinen Scharen drei Täge und drei Nächte, bis er vor Neitra kam, in das er einreiten wollte; aber die Wächter hatten ihn gesehen, und verschlossen die Tore. So verwüstete er alles ringsum, und zog nach Mähren zurück. Als der Sommer gekommen war, wollte er Rache an den Polen nehmen, und lag mit dem Könige Heinrich gegen sie im Felde. Aber der Streit dehnte sich bis zu dem Herbste ohne Gewinn, und man mußte auf den Rückzug denken. Am einundzwanzigsten Tage des Herbstmonates, als Swatopluk den ganzen Tag bei dem Könige gewesen war, um den Rückzug zu beraten, und als er in der Abenddämmerung gegen seine Gezelte zurück ritt, kam aus dem Walde ein fremder Ritter zu seinem Gefolge, man sagte damals, daß es der Wrše Johann, der Sohn Tistas, gewesen sei, und warf seinen Speer mit Gewalt zwischen die Schultern des Herzogs, daß er tot von dem Rosse fiel. Der Mörder entfloh durch die Schnelligkeit seines Pferdes. Im nächsten Jahre nach dieser Tat wurde Johann, der Sohn Tistas, als er im Aufruhr gegen den Herzog Wladislaw ergriffen worden war, von Wacek geblendet. Drei Jahre darauf wurde Wacek auf Geheiß des jetzigen Herzogs Sobeslaw, der damals noch ein junger Prinz war, auf dem Felde vor dem Wyšehrad erschlagen, weil dem Prinzen seine Freunde berichtet hatten, daß ihn Wacek bei seinem Bruder, dem Herzoge Wladislaw, angeklagt habe, und ihn auf den Wyšehrad zur Gefangennehmung und Blendung locken wolle.«

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