Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Ludwig Tieck >

William Lovell

Ludwig Tieck: William Lovell - Kapitel 6
Quellenangabe
typefiction
booktitleFrühe Erzählungen und Romane
authorLudwig Tieck
year1978
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05211-5
titleWilliam Lovell
pages235-697
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1795
Schließen

Navigation:

Zweites Buch

1793

1
Mortimer an Karl Wilmont

Paris.

Ich bin nun wieder in der Stadt, die die Franzosen die Hauptstadt von Europa nennen, wo man in einer beständigen Verwirrung von Besuchen und Vergnügungen lebt, wo man sehr lange leben kann, ohne zu sich selbst zu kommen, und wo man sich, wie William Lovell täglich behauptet, zu Tode langeweilt und ärgert, wenn die gesunde Vernunft nur auf einen einzigen Tag aus ihrer Betäubung erwacht. Sonst sind wir alle wohl und gesund, und die Reise hieher war recht angenehm; auch William gewöhnt sich an meine Gesellschaft; wir kommen uns näher, so wie ich es vorhergesehn habe, ich muß mich nur hüten, daß ich nicht auf einen gewissen Eigensinn gerate, ihm zuviel zu widersprechen, so paradox er auch manchmal aus seinen dunkeln Gefühlen philosophieren will, dies würde uns von neuem entfernen und bei ihm die Sucht veranlassen, mir in keiner meiner Behauptungen recht zu geben: so würden alle unsre Gespräche Gezänke werden, und dies führt zu einer Bitterkeit, die am Ende in eine völlige Unverträglichkeit ausartet. –

Könnt ich ihn doch fast beneiden – ja, lächle nur über den Menschen und seine Schwäche! – ich fühle in manchen Stunden eine Art von unbegreiflicher Eifersucht. Er ist trunken im Glücke der ersten Liebe, dies Gefühl hat ihm Paradiese aufgeschlossen, und wahrlich, erst jetzt, beim Anblick so mannigfaltiger Schönheiten, weiß ich, wie schön Deine Schwester ist, von ihrem Geist, von ihrer Liebenswürdigkeit will ich nicht einmal sprechen, die ich hier nur zu sehr vermisse in dieser Überfülle von Witz und glänzend kalter Koketterie. – Dann tut es mir aber wieder weh, ihn oft so tief in Träumen verloren zu sehn – mir dünkt dann wieder, er segelt über einen Strom, der ihm eine göttliche Aussicht bietet, er fühlt sich selig, indem er sein Auge an der Schönheit der Landschaft weidet; aber das Fährgeld hinüber ist zu teuer, und er wird es gewiß selbst bemerken, wenn die Fahrt geendigt ist und er den Fuß ans Ufer setzt. –

Der alte Willy ist gegen ihn der seltsamste Kontrast, er ist mehr unser Freund, als Diener, und William hat ihn nur aus Vorliebe mitgenommen. Ein Wesen, so natürlich und ungekünstelt, als wenn es die mütterliche Natur nur so eben hätte in die Welt hineinlaufen lassen. Er gafft und staunt alles an, und teilt mir dann oft in langen Gesprächen seine Bemerkungen mit.

William will sich mit dem Eigensinne seiner Empfindung durchaus nicht in den schnell wandelbaren Charakter des Volks finden, auf den Gassen ist er betäubt, in Gesellschaft wird er zu Tode geschwatzt, im Trauerspiel ärgert er sich, im Lustspiel gähnt er, in der Oper hat er einigemal sogar geschlafen. Er ist unvorsichtig genug, seine Bemerkungen Franzosen mitzuteilen, und diese finden dann, daß er den Sonderling spielt, daß sein Geschmack noch nicht gebildet ist – mit einem Worte: daß er kein Franzose ist. Diese Disputen sind mir immer sehr langweilig, ein jeder hält die Gründe des andern für trivial und keiner versteht den andern ganz, und beide haben recht und beide unrecht. –

Unter der Menge von Bekanntschaften haben wir einige sehr interessante gemacht, einige habe ich von meiner vorigen Reise aufgefrischt. Es ist oft unendlich leichter, in einer ganz fremden Familie zu einer Art von Vertraulichkeit zu kommen, als in einem Zirkel, in welchem man ehemals sehr bekannt war, wenn die Zeit die Erinnerung daran und ihre Farben ausgebleicht hat. Alles ist verwittert, die neu aufgetragenen Farben wollen nicht stehn, nichts ist in einem gewissen notwendigen Gleichmaß: man fürchtet in jedem Augenblicke zu sehr den Vertrauten, oder den kalt gewordenen Fremden zu spielen, man hat die Fugen der Seele indes vergessen und greift auf dem Instrumente unaufhörlich falsch. Den alten Grafen Melun hab ich wieder aufgesucht, seine Nichte, die damals ein hübsches Kind war, ist ein sehr schönes Weib geworden, ihr Verstand hat sich nicht weniger ausgebildet. Sie hat im vorigen Jahre einen gewissen Grafen Blainville geheiratet, der seit einigen Monaten gestorben ist; sie hat als Witwe das Ansehn des liebenswürdigsten Mädchens, und sie würde noch gefährlicher sein, wenn sich die Kokette in ihr nicht bald verriete. Der alte Graf ist noch ganz der Mann, der er ehedem war, er gehört zu denen Leuten, die, wenn sie sich ändern sollen, notwendig verlieren müssen, das heißt: sie sind auf einen gewissen Punkt der Ausbildung gekommen, über den sie ihre ganze Lebenszeit hindurch nicht wegschreiten, sie sind mit ihrem Verstande und allen ihren Begriffen glücklich in den Hafen eingelaufen und wagen nun um alles keine zweite Fahrt. Sein Haus ist noch immer so angenehm, wie vormals, er versammelt gern witzige Köpfe, schöne Geister, Gelehrte und Politiker um sich her: aus mehreren Strahlen wird doch endlich ein Schein, und dadurch würde ihn mancher von unsern Doktoren auf ein ganzes Vierteljahr für einen sehr gescheiten Mann halten. Dort hab ich auch einen Italiener, Rosa, kennen lernen, dessen genauere Bekanntschaft ich suchen werde. Ich habe noch wenige so feine Gesichter gesehn, in welchem mir vorzüglich die sprechenden Lippen auffallen, die sich ebenso willig in das freundlichste Lächeln, wie in die Falten des bittersten Spotts legen – ich habe nur noch wenig mit ihm gesprochen, aber alles, was er sagte, hat mich zu ihm gezogen; ohne es zu wollen, hat er meine Aufmerksamkeit ganz auf sich geheftet. Er ist kein Enthusiast, aber auch kein kalter, verschlossener Mensch, er ist sehr empfindlich für das Schöne, ohne zum Deklamator zu werden. Es freut mich, daß er sich an William schließt, von solchen Menschen kann dieser viel lernen, wenn er erst den geheimen Haß abgelegt hat, den er gegen Wesen fühlt, die ihm überlegen sind.

Wir sind mit einem jungen, aufbrausenden, sonderbaren Deutschen bekannt geworden, dem sich William ganz und gar hingibt; er heißt Balder und ist auch nur seit kurzem in Paris. Zwei harmonierendere Töne können nicht so leicht ineinanderschmelzen, als diese beiden Seelen: beide sind Enthusiasten, beide poetisch gestimmt, beide begegnen sich mit gleicher Liebe. – Ich mag noch itzt nichts davon merken lassen, daß eine solche Freundschaft, von zweien so ganz gleichgestimmten Wesen geschlossen, sich selbst bald aufzehren muß: es ist ein schnelles aufloderndes Feuer, das aber keine Hitze hat und ohne Dauer ist, denn wo man nicht fremde Fehler und fremde Vorzüge entdeckt, kann man nicht verehren und nicht lieben. – Aber William würde mir doch davon nichts glauben und darum schweig ich lieber, und wenn er selbst mit der Zeit diese Erfahrung macht, so bietet er gewiß seinem eigenen Gefühle Trotz, um sich diese unvermutete Erscheinung abzuleugnen.

Lebe wohl und antworte mir bald.

 

2
William Lovell an Eduard Burton

Paris.

Paris, liebster Freund, mißfällt mir höchlich; ich denke oft an Dich und an das einsame Bondly zurück, wenn ich mich hier in den glänzenden Zirkeln herumtreibe; dort war meine Seele in einer steten lieblichen Schwingung, hier bin ich verlassen in Felsenmauern eingekerkert, ein wüster Müßiggang ist mein Geschäft, vom Geschwätze betäubt, von keiner Seele verstanden. Doch nein, ich will mich nicht an dem Schicksal versündigen, ich habe hier einen Menschen gefunden, wie ihn mein Herz bedarf, ich habe auch hier einen Freund, der mich für so viele verlorne Stunden entschädigt. Ich habe die Bekanntschaft eines jungen Deutschen gemacht, er heißt Balder, ein Jüngling, dessen Seele fast allen Forderungen entspricht, die meine übertreibende Empfindung an einen Freund macht; er ist sanft und gefühlvoll, sein Herz wird leicht von der Schönheit und Erhabenheit erwärmt, fast allenthalben treffen sich unsre verwandten Geister in einem Mittelpunkte, ohne daß doch unsrer Natur jene Nuancen mangeln, die, wie man behauptet, in der Freundschaft und Liebe unentbehrlich sind, um beide dauerhaft zu machen. Ich habe nicht, wie er, diesen tiefen Hang zur düstern Schwärmerei, diese Kindlichkeit, mit der er sich an jeden Charakter schmiegt, den er liebt; ich bin kälter und zurückgezogener, meine Phantasie ist mehr in süßen, lieblichen Träumen zu Hause, er ist mit der Unterwelt und ihren Schrecknissen vertrauter. Alles macht auf ihn einen tiefen bleibenden Eindruck, sobald er nur eine schwermütige Seite auffinden kann, die Freude kann ihn nur aus der Ferne beleuchten, wie ein sanfter untergehender Abendschimmer. Sein Äußeres hat daher beim ersten Anblicke etwas Zurückscheuchendes, aber kaum kam ich ihm einen Schritt entgegen, als er sogleich die ganze zwischenstehende Wand niederwarf, die so oft auch die innigsten Freunde noch in manchen Stunden trennt. – Mortimer ist mir um so fremder, er kann kein empfindendes Herz haben, er lacht beständig, oder lächelt in seiner Kälte über meinen Enthusiasmus, auch Balder scheint ihm nicht zu gefallen. Ich zweifle nicht an seinem Edelmute, er spricht, so scheint es mir, oft mit vielem Verstande, er ist älter als ich und kennt die Welt mehr – aber ich zweifle, daß er den holden Einklang jener zarten Gefühle versteht, die sich nur den feinern Seelen offenbaren. – Zuweilen quält er mich wirklich, wenn ich eben unter goldenen Träumen der Zukunft und Vergangenheit wandle, von Deinem Bilde, und der holdseligen Gestalt Amaliens angelächelt; mit ihm zugleich ein andres feindseliges Wesen, das sich zu mir hinandrängt: ein Italiener, ein sogenannter feiner und ausgebildeter Mann – mein Herz kann ihm nicht vertraulich entgegenschlagen, mir ist in seiner Gegenwart ängstlich und beklemmt; ich mag lieber viele Stunden mit dem alten ehrlichen Willy zubringen, sein gutmütiges Geschwätz kömmt aus seinem Herzen, ich weiß, daß er nicht über mich spottet, daß er mich nicht studiert, um seine Menschenkenntnis zu vermehren. –

Du wirst mir vielleicht wieder Bitterkeit und Übertreibung vorwerfen – mag's! aber ich wünsche nichts so sehnlich, als den Tag, an welchem ich Paris verlasse. Ich finde hier nichts von allem, was mich interessiert. – Die Stadt ist ein wüster, unregelmäßiger Steinhaufen, in ganz Paris hat man das Gefühl eines Gefängnisses, die Pracht des Hofes und der Vornehmen kontrastiert auf eine widrige Art mit der Armseligkeit der gemeineren Klassen; alles erinnert an Sklaverei und Unterdrückung. Die Gebäude sind mit kleinlichen Zieraten überladen, man stößt auf kein Kunstwerk, in welchem sich ein erhabener Geist abspiegelte, die Göttin der Laune und des lachenden Witzes hat alles Große zum Reizenden herabgewürdigt, und so sind aus den männlichen, kraftvollen Urbildern Roms und Griechenlands gezierte und unnatürliche Hermaphroditen geworden. Von dem großen Zwecke, von der erhabenen Bestimmung der Künste, von jenem Gefühle, aus welchem die Griechen ihren Homer und Phidias an die Halbgötter richten – davon ist auch hier die letzte Ahndung verlorengegangen; man lacht, man tanzt – und hat gelebt. – Ach, die goldenen Zeiten der Musen sind überhaupt auf ewig verschwunden! Als sich noch die Götter voll Milde auf die Erde herabließen, als die Schönheit und Furchtbarkeit noch in gleichgefälligen Gewändern auf den bunten Wiesen verschlungen tanzten, als die Horen noch mit goldenem Schlüssel Auroren ihre Bahn aufschlossen und segnende Gottheiten mit dem wohltätigen Füllhorne durch ihre lachende Schöpfung wandelten – ach damals war das Große und Schöne noch nicht zum Reizenden herabgewürdiget. Versinnlicht stand die erhabene Weisheit unter den fühlenden Menschenkindern, an mitfühlende Götterherzen gelangte das Gebet des Flehenden, Götter hielten Wacht an dem Lager des schlafenden Elenden, keine Wüste war unbewohnt, seine Götter landeten mit dem Verirrten an fremde Gestade, Sturmwinde und Quellen sprachen in verständlichen Tönen, in der schönen Natur stand der Mensch unbefangen da, wie ein geliebtes Kind im Kreise seiner zärtlichen Familie – aber itzt, o Eduard, schon oft hab ich es gewünscht und ich sag es Dir ungescheut – ich bedaure es, daß man den entzückten Menschen so nahe an das schöne Gemälde geführt hat, daß die täuschenden Perspektiven verfliegen: wir lachen itzt über die, die sich einst von diesen grobaufgetragenen Farben, von diesen verwirrten Strichen und Schatten hintergehn ließen und Leben auf der toten Leinwand fanden – wir haben den Betrug mit einem dreisten Schritte enträtselt – aber was haben wir damit gewonnen? Die Gestalten sind verschwunden, aber unser Blick dringt doch nicht durch den Vorhang – und wenn er es könnte, würden wir mit diesen körperlichen Augen etwas wahrnehmen? Ist der Mensch nicht zur Täuschung mit seinen Sinnen geschaffen – wie ist es möglich, daß sie jemals aufhöre? – Ich liebe den Regenbogen, wenn man mir gleich beweist, daß er nur in meinem Auge existiere – ist mein Auge nicht ein wirkliches Wesen und darum für mich auch die Erscheinung wirklich? – Ich hasse die Menschen, die mit ihrer nachgemachten kleinen Sonne in jede trauliche Dämmerung hineinleuchten und die lieblichen Schattenphantome verjagen, die so sicher unter der gewölbten Laube wohnten. In unserm Zeitalter ist eine Art von Tag geworden, aber die romantische Nacht- und Morgenbeleuchtung war schöner, als dieses graue Licht des wolkigen Himmels; den Durchbruch der Sonne und das reine Ätherblau müssen wir erst von der Zukunft erwarten. –

Wie mich alles hier anekelt! – Man spricht und schwatzt ganze Tage, ohne auch nur ein einzigmal zu sagen, was man denkt; man geht ins Konzert, ohne die Absicht zu haben, Musik zu hören; man umarmt und küßt sich, und wünscht diese Küsse vergiftet. Es ist eine Welt voller Schauspieler und wo man überdies noch die meisten Rollen armselig darstellen sieht, wo man die fremdartigen Maschinerien der Eitelkeit, Nachahmungssucht oder des Neides so deutlich durchblicken läßt, daß bei manchen keine Täuschung möglich ist. –

Ich bin aus Langeweile einige Male ins Theater gegangen. Tragödien voller Epigrammen, ohne Handlung und Empfindung, Tiraden, die mir gerade so vorkommen, wie auf alten Gemälden Worte den Personen aus dem Munde gehn, um sich deutlich zu machen – diese hertragiert, auf eine Art, daß man oft in Versuchung kömmt, zu lachen; je mehr sich der Schauspieler von der Natur entfernt, je mehr wird er für einen großen Künstler gehalten, Könige und Königinnen, Helden und Liebhaber sind mir noch nie in einem so armseligen Lichte erschienen, als auf der Pariser Bühne – kein Herz wird gerührt, keine Empfindung angeschlagen, genug, man hört Reime klingeln, und der Vorhang sagt einem am Ende doch, daß nun das Stück geschlossen sei, und so hat man, ohne zu wissen wie, ein chef d'oeuvre des größten tragischen Genies gesehn. – Oh, Sophokles! und göttlicher Shakespeare! – Wenn man den Busen mit euren Empfindungen gefüllt, von eurem Geiste angeweht diese Marionettenschauspiele betrachtet!

Und dann die frostigen, langweiligen Lustspiele! wo ein sogenannter witziger Einfall das ganze Parterre wie mit einem elektrischen Schlage trifft, wo nicht Menschen, sondern ausgehöhlte Bilder auftreten, in welche sich der Dichter mit seinem Witze verkriecht! – Ein schales, leeres Wortgeschwätz, alles ein Wesen, alles eine wiederkehrende, alltägliche Idee; doch ist für diese Possen das Schellengeklingel ihrer Reime etwas angemessener. –

In der großen, weltberühmten Pariser Oper bin ich eingeschlafen. – Arme und Füße eines Giganten an den Körper eines Zwerges gesetzt, machen doch wirklich ein vortreffliches Ganzes aus! Musiker, Maler, Tänzer, Dichter arbeiten sich außer Atem, um ein armseliges Ungeheuer zustande zu bringen, das nicht einmal das Verdienst der Unterhaltung hat.

Doch hinweg von diesen Kleinigkeiten! Seit ich Frankreich kennenlerne, fang ich an, mein Vaterland um so höher zu achten – dort wohnen Freundschaft und Liebe, dort schämen sich die Menschen nicht, ein Herz zu haben und ihre Gefühle zu bekennen – oh, Amalie! unaufhörlich denk ich an dich! – An diesen Namen knüpfen sich tausend süße und bittre, schwermütige und frohe Empfindungen: diese Hoffnung ist eine Sonne, die meine neblichten Tage vergoldet, in Amaliens Busen liegt der Schatz, der mich einst glücklich machen muß. –

Ich habe indes schon manche schönere Gestalt gesehn, als Amalie ist, aber ich habe immer selbst in meinem Herzen darüber triumphiert, wie sie in meiner Phantasie über alle übrigen hinwegragt. Sie gehört nicht zu jenen Schönheiten, die das Auge augenblicklich fesseln und die Seele kalt und erstorben lassen. So ist die Nichte eines Grafen Melun hier, vielleicht das reizendste weibliche Geschöpf, das ich je gesehen habe, aber das Imponierende ihrer feurigen Lebhaftigkeit ist sehr von jener holdseligen Herrschaft verschieden, die aus Amaliens Augen über die Seele gebietet. – Alle Vergleichungen, die meine Gedanken vornehmen, dienen nur, sie mit neuen unwiderstehlichern Reizen als Siegerin in meine Arme zu führen. –

Dein ewiger Freund.

 << Kapitel 5  Kapitel 7 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.