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William Lovell

Ludwig Tieck: William Lovell - Kapitel 58
Quellenangabe
typefiction
booktitleFrühe Erzählungen und Romane
authorLudwig Tieck
year1978
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05211-5
titleWilliam Lovell
pages235-697
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1795
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5
William Lovell an Rosa

Paris.

Ich bin auf der Rückreise nach Italien, ich schreibe Ihnen diesen Brief aus Paris. – Hier befinde ich mich besser, als auf der Reise hieher; wenn man die Menschen in einem dicht gedrängten Gewühle sieht, so sind sie weit erträglicher. Man sieht sie dann so einzeln und abgerissen, und jede Armseligkeit an ihnen erscheint dann vergrößert. Wie sie alles nur auf sich, einzig auf sich beziehn! Wie der armseligste Bauer meint, daß man ihm sein Haus und seinen wüsten Garten beneide – wie jeder von der Narrheit und von den Schwächen des andern spricht, ihn mustert und sich so unendlich über ihn erhaben fühlt! – Wie keiner daran denkt, daß er einst mit den Würmern und den wilden Blumen des Kirchhofs verwandt werden wird – ach! wie sie den ekelhaften Körper, jeglicher auf seine eigene Art, ausputzen und verherrlichen! –

Hier in den betäubenden Zirkeln, in denen sich alle Maschinen auf die lebendigste Weise bewegen, und jeder den andern durch witzige Einfälle, oder durch Reichtum, oder Glück, oder Schönheit verdrängt, hier in diesen bunten abwechselnden Szenen ist mir um vieles besser. Man rührt sich mit unter den beweglichen Puppen, man lacht, trinkt und spielt, und vergißt dabei, daß man ein Mensch ist; eben je mehr man unter ihnen ist, je mehr vergißt man, daß man zu ihnen gehört.

Ich spiele viel und ich habe bei weitem nicht so viel Glück, als in England. – Tadeln Sie mich nicht, denn ist nicht alles, was wir Genuß der Seele nennen, etwas, das darauf hinausläuft? Ob ich mit Worten oder Karten, Definitionen, Würfeln oder Versen spiele, gilt das nicht alles gleich? – An die Karten und ihre wunderbaren, unerwarteten Abwechselungen kann man alle Empfindungen knüpfen; das Glück steigt und fällt, wie Ebbe und Flut, mit jedem Spiele beginnt ein neues Schicksal und unser Innres bewegt sich harmonisch mit den Abwechselungen der bunten Bilder. Die Seele interessiert sich für diese gefärbten Zeichen und wird vertraut mit ihnen, und das Leben bleibt in einem unaufhörlichen muntern Schwunge, die Leidenschaften sinken nie unter, Freude und Schreck wechseln und jagen immer schneller und schneller das Blut durch die Adern – was kömmt gegen diese Empfindungen das unbeholfene Geld in Rechnung? Jeder Mensch braucht eine Erschütterung; der eine sucht sie im Theater, der andere in irgendeinem Steckenpferde, dem er sich mit der innigsten Liebe hingibt; ein andrer macht Plane, ein vierter ist verliebt – das Spiel ersetzt mir alles, es entfernt mich vom Bewußtsein meiner selbst und taucht mich in dunkle Gefühle und wunderbare Träumereien unter. Es ist oft, als käme man dem eigensinnigen Gange des Zufalls auf die Spur, als ahndete man die Regel, nach der sich die durcheinandergezogenen Kreise bewegen.

Auf der Fahrt von Southampton nach Guernsey hatten wir einen heftigen Sturm. Der Blitz zersplitterte den einen Mast und die Wogen donnerten und brausten fürchterlich. Wir alle kämpften mit der Furcht des Todes und dicke Nacht lag um uns her. Die Winde strichen pfeifend über das empörte einsame Meer hin, und beim Leuchten des Blitzes sahn wir den Aufruhr der Flut; das Geschrei der Matrosen dazwischen, das Wehklagen der Geängstigten – es waren fürchterliche Stunden! Nie hab ich mich so verlassen gefühlt und dem blinden Ohngefähr so gänzlich preisgegeben. Mit der Kälte der Verzweiflung erwartete ich riesengroße Wogen, die das Schiff verschlängen, krachende Blitze, die es zerschmetterten, den Orkan, der es auf eine Klippe schleuderte. Eine fremde, bis dahin unbekannte Gewalt, die Liebe zum Leben, der Instinkt alles Lebendigen stand in meiner Brust auf und beherrschte mich und mein Bewußtsein. Ich lernte zum ersten Male die Furcht, die Angst vor dem Tode kennen; ich klammerte mich an den Mast so fest, als wenn ich das Schiff durch meine eigne Kraft über den Fluten emporhalten wollte. Ich wünschte nur zu leben, und vergaß jedes andere Glück und Elend der Erde; der Tod war mir jetzt ein gräßliches, riesenmäßiges Ungeheuer, das seine Hand kalt und unerbittlich nach mir ausstreckte; von allen Seiten hatten mich seine Wächter eingesperrt und das Entrinnen war unmöglich! Wie lieb gewann ich in diesen Augenblicken den Arm, der mich an den gefühllosen Mast kettete, wie sehr liebt ich mich selbst! –

Das Wetter ward endlich ruhiger und alle erwachten wie aus einem schweren Traume; das Land, das wir erreichten, kam uns so neu und doch wie ein alter Freund vor. –

Ich mag nicht noch eine solche Stunde erleben, und wie leicht ist es möglich, daß sie mich plötzlich überrascht. – Ach, noch weit entsetzlicher ist das einsame Krankenbette, in das der Tod nach und nach mit hineinkriecht, sich mit uns unter einer Decke verbirgt und so vertraulich tut. – Ich entsetze mich in manchen Stunden davor, daß ich irgendeinmal sterben muß; man denkt daran nur so selten ernsthaft, und doch ist es wahr. Wie zittert der Sünder vor dem Tage seiner Hinrichtung – und kann einer von uns diesem Schicksale entgehn? – Ach, das Leben ist verächtlich und fürchterlich, aber der Tod ist entsetzlich und abscheulich; der arme, geängstigte Mensch steht in der Mitte und weiß nicht, wonach er greifen soll. – Wie kaltblütig uns die Dichter immer Sterbliche! anreden, und wie wenig wir selbst meistenteils dabei empfinden!

 

6
Eduard Burton an Mortimer

Bondly.

Wie geht es Ihnen, lieber Mortimer? Ich habe lange keine Nachrichten von Ihnen bekommen. – Der alte Sir Ralph mit seiner Tochter, von denen Sie mir neulich schrieben, in der Sie Emilien zu finden hofften, wohnt jetzt in meiner Gegend, und er scheint sich in seinem einsamen Hause recht wohlzubefinden. Es ist eine Erquickung meines Herzens, es ist eine Schuld, die ich abbezahle, wenn ich diesen Leuten wohltue. Ich besuche sie oft, und ich muß Ihnen gestehn, daß ihr Umgang mich fast am meisten getröstet hat.

Der alte Mann, der gut erzogen war, und nun am Rande des Grabes in die schrecklichste Armut versinkt, halb blind, mit allen Bequemlichkeiten des Lebens vertraut, und nun plötzlich von allem entblößt, der gern ein Stoiker sein möchte, wenn er nur könnte, der sein Elend so innig fühlt und sich doch, sosehr er Hülfe wünscht, davon zu sprechen schämt: er ist mir nach und nach so interessant geworden, daß es mir vorkömmt, als fehle mir irgend etwas, wenn ich ihn an einem Tage nicht gesehn habe.

Seine Tochter ist ein reizendes Bild der Unschuld, ohne alle Prätension. Sie wundert sich über Glück und Unglück gleich wenig in der Welt, und nicht aus Standhaftigkeit, sondern weil sie so unbefangen ist, daß sie glaubt, es muß so sein. Sie ist ein erwachsenes Kind, das mit allen Gegenständen spielt, die es erreichen kann. O wohl dir, glückliches Wesen! Wie bunt und lustig sieht dir selbst in deinem Elende die Welt aus, du gehst mit neugierigem Auge hindurch, und betrachtest eifrig jede Nichtswürdigkeit als etwas sehr Merkwürdiges. – Sie genießt das Leben, wie man sonst nur ein Kunstwerk genießt, es ist ihr ein großer Jahrmarkt, mit nett ausgeputzten Seltenheiten. –

Ach ich denke an Emilien zurück. Alle meine Sorgen, alle schlaflosen Nächte fallen mir ein, wenn ich ein liebenswürdiges Gesicht sehe. Wo ich mich freuen will, tritt mir eine schwarze Erinnerung entgegen, und wenn ich mich zuweilen vergesse, so mache ich mir nachher über meinen Leichtsinn nur desto schmerzhaftere Vorwürfe. – Als nun ihr Rausch nach und nach entfloh, was muß sie gelitten haben! als sie sich die Entdeckungen in dem Innern ihrer Seele gestand und alles wie nichtiges schales Spielzeug dalag, das sie in der Entfernung mit so vieler Ehrerbietung betrachtet hatte. Ihre hohe Empfindung hatte sie für etwas Einziges gehalten, sie hatte unvollendete schöne Eigenschaften darin geahndet, und sich selbst als ein Wesen betrachtet, das mit seinen großen und mannigfaltigen Fähigkeiten unbekannt sei. Dies ist der gefährlichste Stolz im Menschen, er macht ihn frech und zuversichtlich auf Gaben, die er nicht besitzt, und unglücklich, wenn die Seele endlich selbst jene eingebildeten Schwingen versuchen will. – Wenn das Sterben ein Erwachen vom Leben ist, so war sie schon vor dem Tode auf eine ähnliche Art erwacht, das beweiset ihr letzter Brief. Sie muß es innig gefühlt haben, daß sie nur geträumt und nicht gelebt habe; wie muß sie erschrocken gewesen sein, als sie sich beim Erwachen an einem so fernen und fremden Orte wiederfand?

Ach Emilie! Dein Name tönt in meinen Ohren so süß, meine ganze Kindheit liegt in dem Laute. – Ich schwärme oft und bilde mir ein, daß sie mich hört, daß sie es sieht, wenn ich ihre Papiere küsse und mit meinen Tränen benetze. – Ich habe aus dem Gedächtnis ihr Bildnis gezeichnet, und es ist, nach meiner Meinung, sehr ähnlich; bei jedem Zuge, der mir gelang, entstürzten Tränenströme meinen Augen, es war als wenn sie selbst plötzlich wieder aus dem Papiere hervorbrechen würde, und mir sagen, alles, alles sei nur eine unnütze Angst gewesen, daß sie mir dann, wie in der Kindheit, den Kopf herumdrehen würde, und ich über den grausamen Schelmstreich lachen müßte.

Was mich in meinen Schmerzen am meisten niederschlug, war, daß die Natur und alle Gegenstände umher so kalt und empfindungslos schienen. In mir selbst war der Mittelpunkt aller Empfindungen, und je mehr ich aus mir hinausging, je weiter lagen die Empfindungen auseinander, die in meinem Herzen dicht nebeneinander wohnten. – Aus dieser Ursache fühlt sich der Unglückliche in der Welt unter allen Geschöpfen so fremd, denn man nimmt auf seinen Schmerz nie Rücksicht genug, man achtet ihn nie so, wie er es wünscht. – Die Menschen, die mich umgaben, trockneten bald ihre Augen, andre hatten nie geweint, noch entferntere Emilien nie gekannt. – Ich schalt auf alle und war ungerecht. Dieses mannigfaltige und widersprechende Interesse der großen Menschheit sollte uns im Gegenteile im Unglücke trösten.

 

7
Mortimer an Eduard Burton

Roger Place.

Es ist im Leben nicht anders, es wechselt alles wie Sonne und Mond, wie Licht und Finsternis. Hoffnung und Furcht ist die Lebenskraft, die unser Herz in Bewegung erhält und in jedem Moment der Leidenschaft sollten wir schon auf diese Abwechslung rechnen. Das Leben ist nichts weiter, als ein ewiges Lavieren zwischen Klippen und Sandbänken, die Freude verdirbt unser Herz ebensosehr als die Qual, und eine feste Ruhe und gleichförmige Heiterkeit ist unmöglich. Unglück macht menschenfeindlich, mißtrauisch, verschlossen, der Mensch wird dadurch ein finstrer Egoist, und indem er auf alles resigniert, hat er den Stolz sich selbst zu genügen. Das Glück ist die Mutter der Eitelkeit, selbst der Vernünftigste wird sich im stillen für wichtiger halten, als er ist; Eitelkeit und Selbstsucht lassen den Menschen vielleicht nie ganz los, im ewigen Kampfe mit ihnen besteht am Ende sein Verdienst.

Ich spreche aus dem Herzen, lieber Burton. Ich bin noch einer von den kältern Menschen, und doch bin ich immer mit Wogen gestiegen und gesunken. – Wenn ich einmal melancholisch würde, so könnte ich mit Hamlet sagen:

»Ich bin noch keiner der Schlimmsten, und doch könnt ich mich solcher Verbrechen anklagen, daß es besser wäre, man hätte mich nicht geboren.« –

Im Glücke war ich stolz und eigensinnig, beim kleinsten Unglücke glaubt ich, daß dergleichen mir nur allein begegne, jedermann hatt ich dann im Verdachte, daß er mich verfolge und hasse, ich hielt die Menschen sogleich für viel besser und schlechter, als ich war; ich übertrieb alles auf eine kindische Art, um mir nur recht unglücklich, zuweilen, um mir selbst nur recht schlecht vorzukommen. Ich unterschied mich von andern nur dadurch, daß ich weniger sprach und mich mehr verstellte, daß ich einige Philosopheme hersagte, die mir immer zu Gebote standen und die die Augen der Menschen verblendeten. – Wahrlich, wir sind am Ende alle Brüder einer Mutter.

Trauen Sie es mir wohl zu, daß ich lange für mich glaubte, Lovell habe mein Haus angezündet, weil er mir meinen Frieden beneide? Ich hatte eben keine Gründe zu diesem Argwohne, als mein mißtrauisches Herz. – Aber ich habe es ihm auch mit diesem Herzen wieder abgebeten.

Ach, ich muß die Feder niederlegen, denn ist nicht auch das, daß ich so über mich spreche, vielleicht wieder Eitelkeit? – Es gibt gewisse Gedanken, die man zu den Kuriositäten der Seele rechnen sollte.

Ich bete alle Nächte für Amaliens Niederkunft – und ist es nicht wieder die Hoffnung, die mir diese Laune gibt, die vielleicht unbarmherzig genug gegen Ihre Melancholie anrennt? – Aber verzeihen Sie mir und dem Menschen, und leben Sie wohl.

 

8
Eduard Burton an Mortimer

Bondly.

Ihr Brief hat mich nicht beleidigt, sondern getröstet. Warum verstand ich jenen, der mich zuerst gegen Lovell aufbrachte, nicht ebenso gut? Bin ich denn nicht aller derselben Schwächen schuldig, ach! und noch vieler andern. – Eben unser Herz, das uns von innen veredelt und bessert, indem Empfindungen auf- und niedersteigen, um es zu erwärmen und zu reinigen, eben dies bewegt uns am Ende wieder, diese Empfindungen für ganz etwas Einziges zu halten, sie viel zu hoch uns selber anzurechnen, und dadurch eine Scheidemauer zwischen uns und den übrigen Menschen zu ziehn. In Lovells Bekenntnissen finde ich jetzt mich selbst wieder, nur daß er übertreibt, wie denn alles übertrieben ist, was man absondert, um es einzeln hinzustellen, damit es andre fassen und begreifen. Unser Sprechen besteht darin, daß wir ganze Massen von Gedanken und Bildern als einen Begriff hinstellen, wir nehmen die Phantasie zu Hülfe, um der fremden Seele zu erläutern, was uns selbst nur halb deutlich ist; und auf diese Art entstehn Gemälde, die dem kälteren Geiste, der nicht gespannt ist, Mißgeburten scheinen. Es ist ein Fluch, der auf der Sprache des Menschen liegt, daß keiner den andern verstehn kann, und dies ist die Quelle alles Haders und aller Verfolgung: die Sprache ist ein tödliches Werkzeug, das uns wie unvorsichtigen Kindern gegeben ist, um einer den andern zu verletzen. – Ach, habe ich nicht dadurch Lovell und Emilien verloren?

Ich sehe Ralph und seine Tochter täglich. Sie ist in ihrer Unschuld verehrungswürdig, und diese Menschen söhnen mich nach und nach mit der Welt und ihren Bewohnern wieder aus. – Ich wünsche Sie bald als einen glücklichen Vater begrüßen zu können. Es ist doch recht erfreulich, wenn jeder die kleine Stelle, auf der er steht, für die vornehmste auf der Erde hält.

 

9
Mortimer an Eduard Burton

Roger Place.

Es ist endlich entschieden, lieber Freund, Amalie ist außer Gefahr, und ich bin der Vater eines jungen hoffnungsvollen Sohnes. Man kann nicht in die Zukunft sehn, sonst würde ich mich vielleicht noch mehr freuen, als es geschieht; Amalie ist sehr glücklich.

Ob denn auch bei mir jene Eitelkeit eintreten wird, die mir an andern Vätern oft so sehr mißfallen hat? Man kann freilich für nichts stehn, am wenigsten für irgendeine menschliche Schwäche, allein ich glaube es doch nicht. Ich habe schon sehr genau auf mich achtgegeben, aber ich muß Ihnen gestehn, daß mir das Schreien meines Kindes ebenso unharmonisch vorkömmt, als das aller übrigen; daß ich es nicht schön finde, so wie es bis jetzt ist, daß ich auch noch keinen Funken von Verstand oder Genie an ihm entdeckt habe; ich habe Väter gekannt, die darin unendlich scharfsichtiger waren, die es übelnahmen, wenn sich jemand beim Gekreisch ihres Sohnes die Ohren zuhielt, oder meinte, daß er die Fragen, die man an ihn tat, wohl noch nicht verstehn möchte.

Ich bin nicht so lustig, als es neue Väter gewöhnlich zu sein pflegen; der Anblick des Kindes macht mich sehr ernsthaft. Kann ich wissen, von welchen Zufälligkeiten, die schon jetzt eintreten und die ich nicht einmal bemerke, sein künftiges Schicksal abhängt? Die ganze unendliche Schar der Gefühle und Erfahrungen wartet auf ihn, um ihn nach und nach in Empfang zu nehmen. Glück und Unglück wechselt, er wird in alle Torheiten eingeweiht und glaubt sich in jeder verständig. So treibt er den Strom des Lebens hinunter, um endlich wieder, wie wir alle, unterzugehn.

Nein, das Leben kann nicht das Letzte und Höchste sein, da wir so oft das Leere und Unzusammenhängende darin empfinden. Jedesmal, wenn wir ernsthaft werden, ohne zu wissen warum, erinnern wir uns vielleicht dunkel eines besseren ehemaligen Zustandes. Dem Schwärmer ist es vielleicht gegönnt, diese flüchtigen Erinnerungen festzuhalten, und er entfernt sich daher mit jedem Tage mehr vom gewöhnlichen Leben.

Auf diesem Wege könnte man aber auf eine recht vernünftige Art verrückt werden, und dieser Zustand mag nun in sich selbst so vortrefflich sein, als er will, so sieht er doch in der Entfernung zu abschreckend aus, als daß ich ihm sollte näherkommen wollen.

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