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William Lovell

Ludwig Tieck: William Lovell - Kapitel 36
Quellenangabe
typefiction
booktitleFrühe Erzählungen und Romane
authorLudwig Tieck
year1978
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05211-5
titleWilliam Lovell
pages235-697
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1795
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4
William Lovell an Eduard Burton

Rom.

Ja wohl verfliegt alles und geht hinweg, und ich bin der betrübte Zuschauer des Possenspiels. Mein Vater ist also tot, und Amalie verheiratet? – O möge es beiden gut gehen, das ist alles, was ich zu dieser Nachricht sagen kann. – Was ist es denn nun mehr? Ist es nicht so, und muß es nicht so sein? – Der Toren, die sich die Haare ausraufen, wenn ein Vorfall eintrifft, der notwendig ist, und der in der Natur der Dinge gegründet liegt! Tod könnte nicht ohne Leben und Leben nicht ohne Tod sein. – Mag es dahingehn, was mir einst so wert und teuer war, denn was können wir in dieser Welt unsern Besitz nennen?

O ihr Menschen mit euren gepriesenen Grundsätzen! den Pfeilern, an denen ihr euch lehnt, und die sogenannten schwächeren Menschen um euch her verachtet! – Was ist denn diese eure gepriesene Vernunft? Diese Seelenstärke, mit der ihr euch brüstet? Alles ist nur Feigheit, weil ihr euch selbst und euren Gefühlen nicht vertraut; oder vielmehr ihr habt kein Gefühl, aller menschliche Instinkt ist in euch untergegangen, und ihr behelft euch nun mit elenden Formeln, die ihr mühsam erfunden habt, um eure Blöße zu decken!

Welcher Mensch ist denn der edlere – derjenige, der stets nach dem Gefühle handelt, das ihn gerade in diesem Momente beseelt und ergreift, das ihn wie ein Gott im Busen vorwärts treibt, und er nun geht, ohne mit feiger Ängstlichkeit hinter sich zu blicken? Oder der, der nur als ein Sklave nach einem Gesetze sucht, nach dem er handeln müsse, weil es ihm lästig fällt, frei zu sein, und er also auch die Freiheit nicht verdient? Der Mensch ist nur denn geadelt, wenn er aus stillen unbewußten Gefühlen auf die Art gut ist, wie das Tier durch Instinkt, Nahrung und Gesundheit erwirbt, wie die Pflanze von innen herauswächst, ohne ihren Willen. –

Die Grundsätze werden von den Menschen nur erfunden, um in einer trägen Bequemlichkeit ihr Leben so vor sich hin zu treiben, und in jedem Moment das Ganze übersehn zu können. Sie haben es in irgendeinem Augenblicke ihres Daseins recht lebendig gefühlt, daß kein Gedanke und keine Vorstellung fest und unerschütterlich in uns stehen, daß eine strömende Empfindung, die oft plötzlich hereinbricht, das niederreißt und hinwegführt, was oft seit Jahren mühsam aufgebaut wurde; darum haben sie etwas ersinnen wollen, was die Gefühle wie mit eisernen Klammern aneinanderhält, sie haben die meisten Saiten der Laute zerrissen, um alle Töne im Gedächtnisse zu behalten, und sich durch keinen Klang überraschen und verwirren zu lassen. – Aber wohl dem Menschen, der diese dürre Bahn verläßt, auf der er sich erniedrigt fühlen muß, der sich vor keinem Gefühl und Gedanken in sich selber entsetzt, der alle Segel seines Geistes anspannt, und alle Flaggen im Winde fliegen läßt, ihm allein ist es vergönnt, sich selber und seine geheimen Wunder in der Brust kennenzulernen; er findet tausend Widersprüche in sich selber, alle Töne schlagen in ihm an, und er bildet aus allen eine reiche Harmonie, die freilich dem gröberen Ohre unverständlich ist; er sammlet alle die Tausend der seltsamen Erfahrungen, um sich endlich über sein eigenes Wesen zu beruhigen.

Ich habe mit Andacht die Blätter von der Hand meines Vaters gelesen; seine Stimme tönt wie die Stimme eines unsichtbaren Geistes jenseit eines breiten Stromes zu mir herüber; er sagt in seiner Verklärung mit andern Worten eben das, was ich soeben behauptet habe. –

Ihr Edlen und Vollendeten! die ihr aus dem verklärten Himmel mit Hohn auf die Welt hinunterseht, und doch so sehr den gefallenen Engeln ähnlich seid! – Warum hast Du mir keine Silbe von dem verlornen Prozesse meines Vaters geschrieben? – Er ist verloren, und mein Vater und Amalie sind mir auch verloren! – Du konntest es aber nicht unterlassen, mir die Krankheit Deines Vaters zu melden, weil Dir die Hoffnung Deiner baldigen unumschränkten Freiheit zu sehr im Sinne lag; eine heimliche Freude führte bei dieser Stelle Deine Feder, das wirst Du mir nie ableugnen können, wenn Du aufrichtig bist. Um Dich aber vor Dir selbst zu rechtfertigen, gebieten Dir Deine Grundsätze die Wartung des Kranken, die Liebe eines Sohnes für ihn – o  mehr kannst Du ja gar nicht tun, Du beweinst dann noch seinen Tod – und welch ein vortrefflicher Mensch bist Du! – O hinweg mit diesen Grundsätzen, mit allem ähnlich klingenden Galimathias! – Larven, die den Eigennutz verbergen sollen, die der Dünkel erfunden hat, um sich zu verschönern. O glaube mir, man kennt die Menschen, wenn man sich selbst kennt. – Und ich kann Dir auch diesen Eigennutz, diese heimliche Freude nicht verübeln, nur bin ich verdrüßlich, daß Du alles so absichtlich zu verstecken suchst, und mit glänzendem Firnis anzustreichen. Du ziehst Dich von mir zurück, seit unsre Meinungen sich getrennt haben, und Deine Freundschaft für mich entstand vielleicht bloß, weil ich Deine Eitelkeit nährte.

Ach, wenn ich den trüben Strom meiner Erfahrungen hinuntergehe, und daran denke, aus wie seltsamen Vorfällen sich so oft mein Leben zusammenfügte! Wie gedemütigt stehe ich dann an denselben Plätzen, an denen ich mich ehemals so groß und edel fühlte, bloß weil ich mir selber meine innern Empfindungen abstritt. – Eitelkeit, sagt ich, verband uns vielleicht, und ich möchte jetzt hinzusetzen, daß ich nicht mehr daran zweifle.

Erinnerst Du Dich noch des Tages, an welchem zuerst aus einer Bekanntschaft unsre sogenannte Freundschaft entstand? – Wir waren auf einem Spaziergange, es war ein schöner Tag, und wir bestiegen den Berg, auf welchem schauerlich und wild die Ruinen eines alten Schlosses liegen. – Du klettertest mir mit jugendlichem Mute voran, um mich in der Kühnheit zu übertreffen, und mein Wetteifer vermehrte sich mit Deiner Geschicklichkeit. Wir standen oben, und sahen mit Entzücken in die romantische Gegend hinab; ich hatte Dich bewundert, aber Dir war es noch nicht genug, Du stelltest Dich jetzt auf den äußersten Punkt eines hervorragenden, zerbröckelten Gesteins, so daß mir hinter Dir schwindelte. Ich sah Dich frei in der Luft schweben, und eine unbegreifliche Lust ergriff mich, Dich von der Spitze des Felsen in die Tiefe hinunterzustoßen; je mehr ich mich dieser Begierde erwehren wollte, desto heftiger ward sie in mir; endlich um mich selbst zu überwältigen, riß ich Dich mit gewaltigen Armen zurück, und schloß Dich an meine Brust, und weinte laut; Du weintest mit mir, denn Du glaubtest, meine Tränen wären nur Zeugen meiner Liebe, meiner Besorglichkeit für Dich; – und so band Dich ein bloßer, schrecklicher Irrtum an mich. Hätte ich Dir mein Gefühl gestanden; so hättest Du mich mit Abscheu zurückgestoßen, und einen verworfenen Menschen genannt: Du wärest von dem Augenblicke an mein Feind geworden. – Aber jetzt gesteh ich Dir dies Gefühl, weil Du doch immer so strenge Wahrheit verlangst. Wie sich dieser ganze Brief in dem verkleinernden Glase Deiner Seele abspiegeln wird, kann ich nicht berechnen. – Wer sich selbst etwas näher kennt, wird die Menschen für Ungeheuer halten. –

 

5
Mortimer an Eduard Burton

Roger Place in Hampshire.

Ich vereinige meine mit Amaliens Bitten, um Sie zu bewegen, uns mit Ihrer Schwester hier auf einige Tage zu besuchen. Ich finde mich hier außerordentlich glücklich und froh. – Ach, lieber Freund, folgen Sie meinem Beispiele, verlieben Sie sich, und heiraten Sie dann, dies ist die schönste Epoche, das fühl ich jetzt innig, die der Mensch erleben kann. Mag man doch vom Genusse der Philosophie und von den wunderbaren Empfindungen, die uns das Studium der schönen Wissenschaften gewähren soll, sprechen, was man will, es gibt immer Augenblicke im Leben, in denen der Mensch die Leere fühlt, die ihn dabei umgibt, wie wenig alle seine Beschäftigungen mit ihm selbst zusammenhängen. Aber wenn zwei Seelen miteinander verbunden sind, und der eine den andern mit jedem Tage mehr versteht, und sich ihr Band immer fester schlingt, wenn man selbst neue Schwachheiten entdeckt, und dabei doch sieht, wie innig diese mit den Vortrefflichkeiten zusammenhängen – o so fühlt man sich fest an diese Erde gekettet, auf der man vorher nur Gast und Fremdling war. Der Baum, der schon verdorren will, und den der Gärtner nun plötzlich in andere fruchtbare Erde setzt, so daß sich seine Wurzeln mit neuer Kraft ausstrecken und durch den Boden schlagen, diesem Baume muß ohngefähr so zumute sein, wie mir jetzt gegen ehedem in meinem freien Stande war, als ich mich noch für nichts, als für mich selbst interessierte.

Lächeln Sie immerhin über mich, was tut es mir? Nennen Sie mich einen Schwärmer, und ich will Ihnen danken. Zeigen Sie mir den Menschen, der im Grunde nicht schwärmt, wenn er sich froh und glücklich fühlt.

Ich weiß es selbst recht gut, daß, sowenig ich auch eigentlicher enthusiastischer Verliebter bin, ich doch selbst nach einigen Monaten noch etwas kälter sprechen werde, als jetzt; aber wahrlich bloß darum, weil ich mich dann an mein Glück schon etwas gewöhnt habe, nicht, weil ich es weniger innig fühlen werde. – Ach, wir wollen lieber die ganze Untersuchung fahrenlassen, sosehr der Mensch auch dahin neigt, alle seine Empfindungen zu zergliedern, ob sie es gleich nicht vertragen wollen.

Daß die meisten Leute in einem bejammernswürdigen Irrtume ihre Sinnlichkeit für rohe Liebe und für das Ebenbild der Gottheit halten, ist gewiß, und hat mir selbst ehedem zu manchen witzigen Einfällen Gelegenheit gegeben: aber die Zeit ist jetzt vorüber, wo mir der höhere Mensch nicht denkbar war, der beide Empfindungen in eine verbindet, und eben dadurch beide veredelt. Wenn der Mensch sich in keiner Stunde durch diese Verbindung gestört fühlt, dann glaub ich hat er seine schönste Vollendung als Mann erhalten, er ist über niedriger Wollust und über schaler, fein ausgesponnener und langweiliger Zärtlichkeit gleich weit erhaben.

Mein Landsitz begrüßte uns mit einem der schönsten Tage, als wir hieherzogen, und das Wetter ist sich seitdem fast gleichgeblieben. Ich lerne mich jetzt in die Reize des Landlebens und einer schönen Einförmigkeit ein, die in der Ferne oft so langweilig aussieht, aber nur deswegen, weil sie nicht wie eine Weihnachtspyramide mit Freuden ausgeputzt ist, die ins Auge fallen; aber der stille, leise Genuß, der unser Herz ausfüllt, ohne daß es selbst der Gegenstand unserer Liebe weiß, dies ist eigentlich die reinste Freude dieser Erde, durch keine Worte und durch kein Klapperwerk entweiht. Kandaules fühlte sich gewiß nicht glücklich, als er durchaus einen Zeugen seines Glückes haben wollte: in den meisten Fällen ist eine solche stürmende Prunkglückseligkeit nur Eitelkeit; wir sind nur glücklich, damit uns andere beneiden sollen. – Hinweg damit, und hinweg mit aller Deklamation darüber! –

Kommen Sie und sehn Sie mich selbst und mein kleines Paradies um mich her; Neid, mehr zu besitzen, Widerstreben gegen eine Eingeschränktheit, die uns doch so wohltätig und nötig ist, diese Laster sind es, die jeden Menschen aus seinem Paradiese vertreiben, das er sonst ungestört genießen könnte: ach, und wer einmal über die glückliche Grenze gekommen ist, dem stellt sich auch ein Engel mit einem feurigen Schwerte entgegen, daß er nicht zurückkann. Unsere vorige Seligkeit sieht dann in der Ferne so dürftig aus, wie mit entblätterten Bäumen und verdorrten Gebüschen. – Leben Sie wohl, Sie sehn schon, daß ich zum Poeten geworden bin.

 

6
Amalie Wilmont an Emilie Burton

Roger Place.

Teure Freundin, ich bin hier außerordentlich froh und gesund; ich wünsche, daß Sie uns hier besuchten, und mit uns die frische Luft und angenehme Gegend genössen. Kommen Sie, sobald Sie können. – Ich bin in große Versuchung gekommen, Ihnen meinen hiesigen Aufenthalt zu beschreiben, weil ich gern schwatze, wenn ich mich so recht glücklich fühle. –

Vor unserm Hause ist eine große Allee von schönen Bäumen, die weit hinunter gehn, bis sie sich in ein angenehmes Wäldchen verlieren; unter den Bäumen trinken wir des Morgens Tee, und gehn dann spazieren. Auf der andern Seite des Hauses hat man eine schöne weite Aussicht über Wiesen und Ebenen, die alle so frisch, wie hingegossen daliegen: ich kenne schon alle Dörfer in der Nähe, und so weit mein Auge sieht, bin ich wie zu Hause. Bei unsrer Wohnung ist zugleich ein sehr schöner Garten mit Teichen und niedlichen Brücken, alles so hübsch hell und natürlich, nicht mit Felsen vollgepackt, oder voll ängstlicher dunkler Alleen bergauf und -ab, die einen nur ermüden und ängstigen, und aus denen man sich oft gar nicht wieder herausfinden kann; nein, dieser Garten sieht recht aus wie das Leben eines glücklichen Menschen; dunkle Alleen mit hohen Bäumen, die sich oben wie das Dach einer Kirche wölben, die wie seine ernsten schönen Tage dastehn, in denen er sich und die Zukunft jenseits des Grabes denkt; Blumenstücke, in denen sich die Winde jagen, und blaue und rote Schmetterlinge mit ihren breiten Flügeln sich herumtreiben, das Bild seiner launigen Stunden, in denen ohne Zusammenhang eine frohe Empfindung die andre drängt; kleine Gebüsche, die zerstreut wie die heitern Tage umher stehen, wo man sich schon im voraus auf einen andern freut, der so nahe ist, daß man ihn und viele andre bequem mit den Augen abreichen kann.

Und dann die Menschen hier! – Ich gehe sonntags mit großer Andacht in die Kirche, was ich in der dumpfen Stadt niemals konnte. Dort war mir, als wenn ich von einem Gefängnisse in das andre wanderte. Aber hier ist alles, selbst die Art, wie man zu Gott betet und ihm dankt, weit natürlicher; man kann sich hier die alten Erzählungen von der großen Frömmigkeit, von der hohen Liebe der Menschen zu Gott und untereinander recht lebhaft denken. – O liebe Freundin! ich fühle, daß ich hier nach und nach weit besser werde, als ich sonst war, ich lerne die Menschen mehr kennen, und liebe sie mehr. In den ersten Tagen war mir alles hier freilich so einsam, von Eltern und vom Bruder entfernt, alles kam mir, wie eine Wildnis vor. – Mortimer, der viel gereist ist, und sich nicht mehr erinnern kann, wie lieb man das Haus hat, wo man geboren ist, lächelte über mich, und dies trübselige Gefühl verlor sich auch sehr bald.

Was mich am meisten froh macht, ist, daß ich nun doch oft Gelegenheit habe, manchen Armen zu trösten, und auf Tage glücklich zu machen. – Ach, wie viel hab ich oft in London gelitten, wenn ich aus dem Fenster, aus dem warmen Zimmer das Elend der Menschen sah, und gern helfen wollte und nicht konnte. Ich verschenkte oft alles, was ich hatte, und schämte mich innerlich, wenn ich berechnete, wie viel mir mein unnützer Putz, Tapeten, Spitzen und dergleichen Kindereien kosteten, die ich noch alle hätte entbehren können. Ich weinte oft, wenn ich nichts mehr wegzugeben hatte, und gelobte kindisch, wie viel ich einst tun wollte, wenn ich einmal durch einen Zufall reicher würde. – Jetzt sind mir die Gemälde des Jammers aus den Augen gerückt, und ich bilde mir ein, daß plötzlich alle getröstet sind, und im Überflusse leben, weil ich sie nicht mehr vor mir sehe. Hier hab ich freiere Hand, weil ich mehr dazu anwenden darf, und weniger Gegenstände meines Mitleids finde. Es ist das schönste Gefühl, einen Armen wieder auf einen Tag beruhigt zu haben, der wie eine lange Wüste vor ihm lag, durch die er noch wandern mußte. Die Männer sind doch seltsame Wesen! Mein Mortimer gehört nicht zu den härtesten, und doch scheint er in manchen Stunden für dergleichen ganz gefühllos. Ich hatte neulich einen ordentlichen Streit mit ihm. Schon seit einigen Wochen trieb sich hier eine arme Französin herum, sie schien aus einem guten bürgerlichen Hause, und erzählte viel von ihren Eltern, die ihr früh in der Jugend gestorben waren, und von mancherlei Unglücksfällen, die sie seitdem erduldet hatte. Ich will gerne glauben, daß manches davon erdichtet war; aber verdient ein Unglücklicher darum weniger unser Mitleid, weil er es nicht jedem Fremden vertrauen will, durch welche Schwächen er so unglücklich ward? Ich dachte mich in die Lage der Frau hinein, und wollte sie in meine Dienste nehmen, aber Mortimer setzte sich dagegen, und zwar aus keinem bessern Grunde, als weil sie ausgezeichnet häßlich und dabei einäugig sei, er sagte, daß er einem solchen Wesen nie trauen könne. – Bedenken Sie, liebe Emilie, bloß weil sie häßlich war! – Aber ich gab mich nicht eher zufrieden, bis mein kleiner Eigensinn die Oberhand behalten hatte; und so ist jetzt die Düpüis, oder Charlotte, wie wir sie auch nennen, Aufwärterin in meinem Hause. – Wollten wir alle Physiognomien, die uns nicht anziehen, als fremde, widerwärtige Wesen betrachten, wie oft würden wir ungerecht sein! – Aber ich muß aufhören zu schwatzen; leben Sie wohl, teure Freundin. –

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