Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Franz von Kobell >

Wildanger

Franz von Kobell: Wildanger - Kapitel 6
Quellenangabe
typetractate
authorFranz von Kobell
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart
titleWildanger
created20050711
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

Schweinsjagd.

»Ein stark, freffel, muthig zornig und wütend Thier ist das wilde Schwein, allzeit wild, mag nicht heimisch gemacht werden« heißt es in einem Jagdbuch von 1582 (nach Geßner). Dieser Satz ist zwar nicht buchstäblich zu nehmen, denn es gibt Beispiele auferzogener Schweine, welche ihren Herrn wie ein Hund begleitet haben, im Allgemeinen aber ist das Thier so geartet und gerade deßwegen wurde und wird noch die Schweinsjagd hochgehalten und wie der Hirsch ein edles, so wird das wilde Schwein ein ritterliches Thier genannt »massen es ihm nie an Muth und Herze fehlet.« Laube (Jagdbrevier) macht den Vers dazu:

»Sau ist ein ritterliches Thier,
    An Muth und Kraft des Waldes Zier,
Und an Verwüstung so ungebährlich
    Und jeder Ordnung so gefährlich
Wie die Ritter alle es waren.«

Dieser Ritterlichkeit gedenkt auch der alte Spruch: »Ein Kriegßmann soll drey Eygenschafften an sich haben, den beherzten anfall eines Hetzhunds, die flucht eines Wolffs vnd gegenwehr eines Schweins.« Eine andere Lesart bestimmt dem Wolf den Angriff und nennt für den Rückzug den Fuchs.

Wegen seiner Tapferkeit ist der Keiler auch öfters zum Wappenbild gewählt worden, und wie man den Reiher und den Pfau ehrte, indem man sie bei hohen Gelöbnissen berührte, so geschah es nach scandinavischen Sagen mit dem Keiler. So schwört König Ring den Frithiof zu fangen und berührt dabei einen zubereiteten Keilerkopf.

»Und König Ring erhebt sich in seinem Silberhaar,
Des Thieres Stirn berührend, gelobt er dieses klar &c.«

Das wilde Schwein eignet sich für Parke mehr als irgend ein anderes Wild, da des Waidmanns Lust dabei verhältnißmäßig am wenigsten beeinträchtigt wird.

Das Jagen in Parken, wenn sie nicht sehr groß sind, steht dem ächten Waidmann immer weit zurück gegen das Jagen im Freien, denn schon die Leichtigkeit Beute zu gewinnen oder einen begangenen Fehler ohne besondere Opfer wieder gut zu machen, mindert das Vergnügen, da man das Wild als Preis verlangt für Arbeit, Anstrengung und bewiesene Geschicklichkeit; fällt daher Letzteres mehr und mehr weg, so sinkt auch der Werth des Preises. Ein weiterer Umstand, der die Parkjagd herunterdrückt, ist der, daß des Wildes Natur durch das Parkleben allmählig eine andere wird. Eine gewisse Schwäche und Mangel an Selbstvertrauen, möchte man sagen, gibt sich als Zeichen der Gefangenschaft, der künstlichen Fütterung und anderer Einflüsse kund, so vorzüglich bei dem Rothwild. Die Thiere verkümmern, das wildfrische Leben, welches ihnen im Freien eigen, verliert sich, sie entbehren des Stolzes auf ihre Kraft, sie sind ein schwindendes Geschlecht. Das wilde Schwein aber verhält sich darin ganz anders. Findet es nur genug gute Aesung, so gedeiht es unbekümmert um die Freiheit und wird nicht von nagender Sehnsucht des Ziehens und Wanderns ergriffen, wenn es durch die Parkdillen nach den weithin schimmernden Ebenen schaut und nach den fernen blauen Bergen, oder es ist wenigstens leicht mit einer tüchtigen Portion Eicheln, Kartoffeln oder Kastanien zu trösten. Wegen so völliger Unzugänglichkeit zu irgend einer Art von Sentimentalität, welche die Nerven abspannt oder überspannt, bewahrt denn eine ordentliche Sau auch im Park ihre Wildheit, ihren Muth und ihren Trotz. Wenn ein Keiler merkt, daß es an's Jagen geht, so ist's ihm zwar nicht gleichgiltig, doch hängt sein Thun und Lassen mehr von der momentanen Laune ab als von Reflexionen über kluges Benehmen unter den drohenden Umständen. Liegt er gerade recht bequem in seinem Lager oder Bett, so bleibt er wohl liegen, bis ihn fast der Stock des Treibers trifft oder der aufspürende unausstehliche Kläffer mit scheuem Bisse an den Borsten rupft und rumpelt dann unwirsch schnaubend gegen Treiber und Hund und bricht durch die Linie; ein anderesmal aber, da er gerade nicht faul ist, erhebt er sich schon bei dem leisesten Geräusch, welches eine Jagd andeuten kann (das Gehör ist schärfer als bei irgend einem andern Wild) und schleicht wie ein Fuchs durch's Dickicht, um aus dem Bogen zu kommen. Ein seltsames Treiben aus sumpfigen Gegenden am Rhein erwähnt Keyßler. Man errichtete auf der Seite, wo der Wind herkam, eine Reihe von Stangen und zündete daran Schwefel an. Der Geruch des brennenden Schwefels, der in den Bogen zog, trieb die Sauen heraus und gegen die auf der andern Seite aufgestellten Schützen. Gelingt es nicht und wird er des Flüchtens müde, so überkommt ihn nicht Zittern und Zagen, sondern im Gegentheil Trotz und Wuth und er setzt sich im nächsten Dickicht fest und wetzt wie die Jäger sagen, in seiner Bosheit die Hauer, um Alles was sich naht, auf den Tod zu schlagen und zu zerfleischen.

Man muß nicht glauben, daß einem rauhen und wetterharten Waidmann das Gefühl des Mitleids für Thiere fremd sey, er mag sie nicht ohne Noth leiden sehen und geschieht ihm oft mehr weh dabei als sogenannten zarten Naturen, aber gerade deßhalb ist es eine Lust mit einem schäumenden Keiler anzubinden, der ein wahrer Eisenfresser ist und auf den Ruf Huß Sau! sich selber in den vorgehaltenen Spieß (die Schweinsfeder) oder in den Hirschfänger hineinbohrt, bis er verendend zu Boden stürzt. Von der Bosheit der Sauen wäre mancherlei zu erzählen und sie können sogar fast Raubthiere genannt werden wie die Bären und Wölfe. Rothwild und Damwild, wenn es den Park mit ihnen theilt, ist schlimm genug daran und wittern sie den Schweiß eines angeschossenen Stückes, da sie in der Abenddämmerung aus ihren Dickichten ziehen, so beginnt eine nächtliche Jagd auf das wunde Thier, welche erst mit dem Fangen desselben endet und dann geht es mit Anschneiden drüber her und verzehren sie unter Neid und Streit gegeneinander die besten Braten.

Die Alten haben auch die Wuth gejagter Keiler mit besonders lebhaften Farben gemalt. So heißt es bei Xenophon, daß ihre Hauer wenn sie zornig sind, glühend werden und den Hunden die Spitzen der Haare versengen, wo sie dieselben beim Schlagen streifen. So weit haben es unsere Keiler nicht gebracht, es hat sich aber auch das Schlagen der nicht glühenden Hauer von jeher einen solchen Respekt verschafft, daß man damit schon zufrieden ist und ein Mehreres nicht verlangt.

Sowie den Gemsen die Vorsicht das Revier zu recognosciren, in welches sie flüchten wollen und das daher rührende öftere Stehenbleiben und Herumschauen beim Jagen zum Verderben gereicht, so ist die trotzige Trägheit der Sauen ebenso gefährlich für diese. Man hatte sonst eigene Hunde mittlerer Größe, die sogenannten Saufinder, welche man bei Jagd und Birsche gebrauchte; diese ließ man im Holz vorsuchen und trafen sie auf ein starkes Schwein, so gaben sie vor demselben Laut oder verbellten es, wobei das Schwein meistens Stand hielt und der Jäger zum Schusse sich anschleichen konnte.

Die üblichste Art der Jagd war aber das Hetzen oder die Hatz. Dazu wurde, wenn ein guter Keiler in einem großen Dickicht bestätigt war, der zur Jagd ungünstige Theil des Holzes mit Tüchern oder Tuchlappen verwehrt und wurden Jäger mit leichten Rüden auf Wechsel oder Durchschläge gestellt, andere mit den schweren Hunden standen ebenfalls bereit und nun wurde ein Saufinder in's Dickicht gelassen. Wollte der Keiler nicht vom Fleck, so ließ man ein paar flinke Hunde daran, daß er endlich aus dem Lager fuhr und flüchtig ging. Sowie er die Wechsel der Jäger passirte, hetzten diese die Rüden, welche ihn bald ermüdeten, da er sich dann stellte und mit den Waffen (den Hauzähnen) um sich schlug und seine Ritterlichkeit bewährte. Nun schickte man die großen, öfters mit Panzerjacken beschirmten Hunde zu Hülfe, während die Jäger zu Pferde dem Jagen folgten und nach dem Kampfplatz eilten. Die großen Hunde aber packten endlich den Keiler so fest am Gehör, daß er nicht mehr schlagen konnte und der nächste Jäger oder dem die Ehre zugetheilt war, stieg vom Pferde und gab ihm, wenn er so von den Hunden gedeckt war, mit dem Hirschfänger den Fang unter dem Blatt. Bei späteren Hetzen und bei den z. B. in Preußen noch üblichen, wird von einem Jäger die von den Hunden gedeckte Sau ausgehoben, d. h. an den Sprunggelenken der hinteren Läufe gefaßt und in die Höhe gezogen, daß sie nicht mehr schlagen kann. Dann werden die Hunde abgebrochen und gibt ihr der Jagdherr oder ein anderer Jäger den Fang. Seit 1827 besteht in Berlin eine Aktiengesellschaft (an deren Spitze die königlichen Prinzen) zu solcher Jagd. Es werden verhältnißmäßig wenig Hunde verloren und ist angegeben, daß bei 378 Hatzen nur 31 ums Leben gekommen.

So gar sicher war der Handel gleichwohl nicht, denn öfters riß sich der Keiler von den Hunden los und kam der Jäger hart in's Gedränge. Der Fang oder ein Schuß wurde auch vom Pferde herunter gegeben, welches aber bei manchen als unritterlich galt. Von den Hunden gingen gewöhnlich einige zu Grunde, woher das Sprüchwort: »Wer Schweinsköpfe haben will, muß Hundeköpfe daran wenden.« Ein tüchtiger Hund fing zuweilen ein Schwein ganz allein, indem er sich über dasselbe schwang und es beim Gehör packte, wo er dann nicht mehr geschlagen werden konnte.

Es bedarf nicht vieler Phantasie sich in das Romantische der Lage des Jägers bei solchem Waidwerk zu denken, das Durchbrechen der Wildniß zu Pferde, das Schnauben und Bäumen des edlen Thieres, wenn es dem weitschallenden Getümmel der wüthenden Hunde immer näher kam, der Anblick des würgenden Knäuels durch die grünen Büsche und mitten drin der schäumende Keiler mit seinen blitzenden Hauern links und rechts den Tod sendend und nun vom Pferde mit der blanken Klinge in den Haufen hinein und des Augenblicks zu gewahren, wo der Fang zu geben, Alles das mußte von aufregenden, wilden und ernsten Scenen und Stimmungen begleitet seyn.

Daß man schon zu Kaiser Hadrians Zeiten († ann. 138) zu Rosse Sauen hetzte, geht aus einer Grabschrift hervor, welche der Kaiser einem seiner Pferde Borysthenes setzen ließ. Es heißt,  

Pannonios nec ullus
Apros eum insequentem
Dente aper albicanti
Ausus fuit nocere
Vel extimam saliva
Sparsit ab ore caudam
Ut solet evenire.

daß dem die pannonischen Eber verfolgenden Thiere keiner je zu schaden gewagt mit dem weißlichen Hauer oder seines Rachens Schaum an dessen Schweifspitze geschleudert habe, wie zu geschehen pflege.

Eine Jagd dieser Art, welche Karl der Große bei Aachen gehalten, ist in einem lateinischen Gedicht vom Jahre 799 beschrieben. Das Gedicht wird Theodulf, Bischof von Orleans (früher missus dominicus im Dienste Karls) zugeschrieben; nach Bouquet ist der Verfasser unbekannt. B. Rerum Gallicar. et Francicar. Scriptores T. V. p. 388. Unter dem Gefolge Karls ist seine Tochter Theodrada genannt, auch Rhodhaid (auf einem stolzen Rosse mit einer Hirschdecke) und Hildrud werden erwähnt. Die Hunde ( Molossi) werden gelöst, die Reiter umschwärmen den Bogen bis die Jagd anhebt und das Horn erschallt, wo dann die Hatz fortgeht.

D'rauf entflammte das Horn zum Kampf die mächtigen Hunde,
Wo den verwachsenen Grund durchbricht der fliehende Keiler;
Zeichnend die Richtung des Gangs mit den fallenden Blättern der Bäume
Eilet er schnaubend dahin, im Zorne wetzend die Hauer,
Bis ihm der Athem versagt und nun mit den tödtlichen Waffen
Schlägt er der Hunde Schwarm und wirft sie gewaltig zu Boden.
Sieh' da naht dem Gewühle der Held mit blitzendem Schwerte,
Schneller als Vogelflug durchbohrt es die borstige Decke,
Dringend tief in die Brust und verendend stürzet der Keiler.

Die Jagd wird dann mit Treiben fortgesetzt und Karl erlegt viele Sauen mit dem Wurfspieß ( missile ferrum).

Die Hunde waren beim Verfolgen einer Sau so wüthend, daß sich der Reiter in Acht nehmen mußte, zwischen sie und die Sau zu kommen, denn in solchem Fall haben sie oft das Pferd gepackt, niedergerissen und Pferd wie Reiter fürchterlich zerbissen.

Die großen zum Fangen und Hauptkampf bestimmten Hunde waren gewöhnlich englischer oder irländischer Race, sog. Doggen, die auch Leib- und Kammerhunde hießen, da sie als Lieblinge ihrer Herren in deren Schlafkammer ihre Lagerpolster und Bärendecken hatten. Die Panzer waren von starkem theilweise mit Haaren und Wolle dick gefüttertem und vielfach unternähtem schwarzen Barchent, an der untern Seite aber mit Spangen von Fischbein wohl bewehrt.

Auf alten Schlössern sieht man die fürstlichen Herren oft mit einem solchen Leibhund an der Seite abgebildet. Noch 1812 prangten bei einer königl. Jagd in Württemberg unter den dritthalbhundert Hatzhunden zwanzig solcher Panzerhunde.

Das Kloster Benediktbeuren war im Anfange des vorigen Jahrhunderts um seiner Hunde wegen berühmt. 1717 ersucht ein Graf d'Albert (nachmaliger Prince de Grimberg) den Prälaten um zwei Rüden zur Schweinshatz »so groß als sie immer seyn können,« da das Kloster genugsam mit solchen versehen sey. Er erhielt sie auch. 1737 wünscht der Churfürst Carl Albrecht ein paar gute »Faischhundt« (Schweißhund). Mehrere dergleichen Gesuche finden sich in den Klosterakten.

Im eingestellten Jagen wurden die Sauen auch auf den sog. Lauff gehetzt, d. i. nach dem Abschußplatz und wurden da aus dem Schirm geschossen oder es fingen sie die Herren außerhalb des Schirms mit der Feder oder dem Hirschfänger ab. Diese Saufeder heißt auch Schweinsspieß und 1474 findet sich die Benennung Eberspieß. Seltener wurden die Sauen mit dem Wurfspieß ( Javeline, Javelin oder mit der Lanze vom Pferde aus gefällt; manchmal geschah das Abfangen zu Fuß und zu Pferde wie bei einer Jagd August II. von Sachsen 1737 im Saugarten hinter Neustadt-Dresden, wo 400 Sauen erlegt wurden.

Es war auch Mode unter dem Eisen kleine buntfarbige Fähnlein anzubringen, da dann, wie v. Rohr (Ceremon. Wissensch.) sagt, »curieus und lustig anzusehen, wie dieses Wildpret mit solchen Spiessen, darinnen die Fähngen stecken, ganz rasend fortläufft.«

Daß die Jäger vor Zeiten von härterem Holz waren, als sie heutzutage sind, erweisen mancherlei Beispiele.

So schreibt 1581 ein Graf von Henneberg in seinem 70sten Jahre an den Landgraf Wilhelm von Hessen, daß er vom Roß einem Schwein den Fang auf den Kopf gegeben, wobei der Spiesschaft, den er unterm Arm geführt, entzwei gebrochen »das zeigen E. L. (Euer Liebden) als einem Waidmann wir darum an, daß sie gleichwohl zu vernehmen, daß wir, als ein sechs und zwanzig Jähriger (d. h. gleich einem solchen) dannächst noch etwas mit unseren Fäusten vermögen.« Dr. G. Landau, Beiträge zur Geschichte der Jagd &c.

Bei einer Hatz, zu welcher 1582 der Landgraf Wilhelm von Hessen den Erzbischof von Bremen und den Grafen von Henneberg eingeladen, war der letztere so krank, daß er in den Wagen zur Abfahrt nach dem Jagdplatz getragen werden mußte. Unterwegs wurde ihm schon etwas besser, »zu Spangenberg aber, schreibt der Landgraf, als S. L. an die wilden Sauen kommen, sind sie wieder auf's Pferd gesessen und gar gesund worden.«

Manches Abenteuer des Kaisers Maximilian zeigt die Gefahren, denen sich ein Waidmann damals aussetzte. So heißt es im Theuerdank, »Maximilian kroch in Oesterreich, auß frecher Jugend, einem großen hauenden wilden Schwein, auf allen vieren allein mit einem blossen Degen, durch eine gar dicke Hecken, in einen Busch, darinnen es lag, nach, und erwürgte solches mit seinem Schwert.« Im Brüßler Wald geschah es ihm, daß, als er ein Schwein abzufangen vom Pferde steigen wollte, das Schwein ihn übereilte, »daß er ihm mußte den Fang geben, als er noch den einen Fuß in dem Stegreif, und nicht Zeit hatte, völlig abzusteigen, noch sich recht nach Vortheil zu stellen, das Schwein schlug seinem Pferd einen Schenkel ab.«

Ein anderes Abenteuer erzählt: »Maximilianus rite auff einem braunen Türkischen Pferd in Braband auff ein Schwein-Jagen, solches, wie er Ihme vornahm, nicht zu Fuß, sondern auff dem Pferd zu fahen, als nun die Hund nach dem Schwein außgaben, rennet Er dem Gebell nach, indem nun das Schwein ihn ersehen, verließ es die Hund und setzte Maximiliano hefftig zu, stieß das Pferd mit den Waffen in den Bauch und Maximilianum an einen Fuß, daß Er länger als acht Tag hinket, als das Pferd nun unter Ihme todt dahinfiele, stach Maximilianus das Schwein im fallen, blieb aber darneben ligen, weilen Er deß Fußes halber weder stehen noch gehen kondte, biß man Ihne fand, und auff einem andern Pferd nach Hauß brachte.«

Gelegenheitlich mag hier angeführt werden, daß dieser »letzte Ritter« und Hauptjäger in Bayern das Jagen gelernt hat. 1475 als Erzherzog begab er sich mit seinem zugeordneten Hofstaat von 60 Pferden nach dem Bischofssitz Dillingen und verweilte da ein ganzes Jahr, in welcher Zeit er durch »Dipolten von Stein, zu Raisenburg Rittern« zur Jägerei angewiesen wurde, »welche Fürstl. Ubung Er mit sonderbarem Lust erlernte und mit solcher Emsigkeit, daß Ihme alle Ritte, Steige, Klingen-Forst, Wasser, Wälder, Berg und Thal, in der Markgrafschaft Burgau, auch in der Gegend zwischen dem Lech, Donau, Iler und Altmühle, viel besser als einigem Landmann selbiger Orten bekandt wurden.«

Auf der Schweinsjagd sich als tüchtig zu bewähren, mußte um so mehr Anerkennung finden, als das Abfangen mit dem Eisen einem ritterlichen Jäger besonders zustand und das Handeln aus sicherer Entfernung weniger Geltung hatte. So besingt schon Michel Beheim 1469 den Churfürsten Friedrich I. von der Pfalz (der Siegreiche) in seiner Reimchronik: C. Hoffmann. Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte. B. III.

        »Ey wer hat hie noch anderswo
je kein fursten gesehen (der) so
manch wild, hauwend, grissgramend schwin
felln vnd vahen mit dem schwert sin
als unser Frideriche
dyser furst lobeliche.

Es wird dann des Herkules und des Erymanthischen Ebers erwähnt und heißt weiter:

»Aber unser Furst Friderich,
der durchluchtig, hochgeborn, löblich,
Synen eltern den Herculem
wyt ubertroffen hat in dem
mit sölchez, lobez prise,
als ich uch hye bewyse;

Wann der wilden hauwenden schwin
wol tusend vnd dannocht me sin
vff bergen, im tal vnd gevild
vnd sust an manchen enden wild
alein hat hindergangen
vnd mit dem schwert gefangen.

Diese Abenteuer besprechen auch viele Briefe, die auf uns gekommen sind, denn die Jagd war natürlich oft Gegenstand derselben und die Fürsten und Herrn theilten sich gerne gegenseitig ihre Erlebnisse mit.

So schreibt 1565 der Landgraf von Hessen Landau. Geschichte der Jagd in beiden Hessen. an seinen Sohn Ludwig, da er 46 Sauen und darunter 8 hauende Schweine gefangen: »Und wir sind an eine ziemlich große Sau kommen, die ledig gewesen und hat gestanden an einem stickeln Berg; da viel Sau Geraffteln gewesen, daß wir zu Pferd nicht haben wohl zu ihr kommen können, denn der Schnee hat geglidden, und ist also gewesen, daß er sich gebellet und sind abgesessen und neben Karlowitz, Jost Jäger und Hansen von Rotenburg zu ihr gangen und wie die Sau unser sichtig worden, hat sie unser den nächsten begehrt und ob wir sie wohl getroffen, hat sie uns doch gelaufen, daß wir auf dem Rücken gelegen, desgleichen Karlowitz auch; und haben sie Jost Jäger und Hans von Rotenburg von uns gestochen, hat uns durch ein Stiefel gehauen, aber nicht wund und ist eine sehr lustige Jagd gewesen.«

Der Landgraf Wilhelm IV. von Hessen schildert ebenso in seinen Briefen wie es oft arg bei den Saujagden herging. »Wir wollenn auch E. L. nicht verhaltenn, das wir itzo alhier gar ein schwinden blutigen Kriegk mit den wilden Sauen füehrenn. Dann wir deren vff dreien Jachtenn 413 erlegt, wiewohl sie sich, das wir ihnen nachgeben müßten, redlich gewähret, haben Fürsten vnnd vom Adel, darundter große Rittmeister, die vor Mästricht ihre Pferd vnbeschedigt darvonn pracht, die Pferde auch ezlicher vom Adel, Jeger vnnd Bauren selbst geschlagen, vnd mit Geulen vnd andernn vberhauffenn gelauffen, auch den Bauren so vff Beume entfliehen wollen, nachgesprungen, bei den Füssen erwüscht vnnd widder herab gezogenn, doch seinde vnsere englische Rüdden biß anhero noch Gottlob zimblich ledig außgangenn, was nun weiter darauff ervolgtt, sollen E. L. vonn vnns freundlich verstendigt werdenn, wir haben E. L. offt darbey gewünschett, daß sie den Lusten auch mit hetten mögen ansehen.« Derselbe meldet 1581 in einem Schreiben an den Herzog Adolph von Holstein den Tod seines »frommsten Kammerjungen« Klaus Rantzau, gelegenheitlich einer Schweinsjagd.

»Wiewohl wir nun eine sehr lustige Jagd gehabt, darinnen wir 121 Säue gefangen, und sonst Gottlob! ohne Schaden abgegangen, so ist doch zuletzt der genannte Kammerknabe, welcher ohne unser Vorwissen bei den Vorhetzern gestanden, aus 'm Schirm gelaufen, und seinen Dolch, den er zuvor verloren, suchen wollen.

Indessen kommt ein Schwein vor den Hunden gegangen, da läuft er zu und will es fangen. Wiewohl ihm nun einer seiner Gesellen (ein Treusch von Buttlar) welcher an jenseit des Grabens, zugeschrien, er sollte gemach thun und sich vorsehen, denn es wäre ein Schwein (nämlich ein starker Keiler) so ist er doch fortgetreten, den Spies vorgeworfen, und fängt das Schwein vorn auf den Kopf, da schlägt ihm das Schwein den Spies aus und schlägt den armen Jungen gleich über'm Knie in's Dicke dermassen eine harte Wunde, daß alle Adern durch und durch bis auf's Bein des Schenkels entzwei gewesen, und ob ihm wohl unser Jäger einer zu Hülf kommen wollen, so hat doch solches von wegen eines tiefen Grabens, so zwischen ihnen gewesen, sobald nicht thuen mögen, also daß Rantzau danächst umgefallen und als man ihm nah kömmt etliche Worte zugeredet und ihn zu Gott ermahnt, hat er noch einmal oder etliche geseufzt und ist sobald selig entschlafen.«

Die Sauen jener Zeit waren freilich theilweise Riesen gegen die jetzigen, und besonders in Hessen erreichten sie eine ungewöhnliche Größe und Schwere. Es werden oft hauende Schweine von 4 Centner und darüber angeführt und 4 Fuß hoch und 7½ Fuß lang. Unter den Sauen, welche die Churfürsten Johann Georg I. und Georg II. von Sachsen um 1630 und 1668 erlegten, sind die stärksten Keiler zu 5–6 Centner, ein Gewicht, welches mitunter die Bären nicht erreichten, angegeben, die stärksten Bachen zu 4 Centner und aus dem ehemaligen würtembergischen Schlosse zu Urach fand sich ein hauendes Schwein abgebildet, welches der Herzog Ulrich 1507 gefällt hatte, wo die Unterschrift besagt, daß es bei 7 Fuß 3 Zoll Länge eine Höhe von 5 Fuß 2 Zoll gehabt habe. Man denke sich die Wucht und Gewalt eines solchen Thieres!

Kein Wunder, wenn der Waidmann da guter Dinge war und selbst im Jagdhumpen gern an das ritterliche Wild erinnert wurde, wie einen solchen der Markgraf Friedrich von Baden 1605 in reich vergoldetem Silber fertigen ließ. Er stellt einen Schweinskopf vor und faßt 1¼ Maas. Dieser Humpen wird noch zu Kandern aufbewahrt und derjenige, dem er vorgesetzt wird, muß sich in das Stiftungsbuch einschreiben, welches das »Wilkum-Buch zu Kander« heißt. Der Markgraf selbst schrieb 1605 hinein:

»Als mir das Waidwerk wohl abgangen,
Und ich ein gutes Schwein gefangen
Und auch mit Freuden kam nach Haus
Trank ich den Willkhom erstlich aus.«

Die Schweinsjagd wurde vom 16. bis Ende des 18. Jahrhunderts und noch im Anfang des gegenwärtigen in Deutschland theilweise in einer Ausdehnung getrieben, von der man sich kaum eine Vorstellung machen kann und nur der dreißigjährige Krieg that einigen Abbruch. Vorzüglich reich an Schwarzwild waren die hessischen Waldungen, worüber Landau's Jagdgeschichte sehr schätzbare und ausführliche Details enthält. Die oben genannten Landgrafen erlegten nicht selten in einer Jagdzeit über tausend Sauen. Unter dem Landgrafen Ludwig VIII. wurden die sogen. Sau-Dukaten geschlagen, sie zeigten auf einer Seite ein Schwein, auf der andern den für die Jägerei eben nicht sehr schmeichelhaften, sonst aber eine ziemlich erprobte Wahrheit enthaltenden Vers »durch den Dukaten ward ich verrathen.« Aehnliche Dukaten hatte man für die Hirschjagd. Um interessante Vorfälle auf die Nachwelt zu bringen, waren gewöhnlich Jagdmaler im Gefolge des Landgrafen, darunter der Maler Eger sich in treuen Darstellungen besonders auszeichnete.

Die sächsischen Churfürsten Johann Georg I. und J. Georg II. hatten noch reichere Gehege und es klingt fast fabelhaft, wenn man aus den Verzeichnissen ihrer Jagden ersieht, daß sie mit ihrer Begleitung in einem Zeitraum von 68 Jahren (1611–1680) über 50,000 der schwarzen Borstenträger erlegt und gefangen haben. Mögen auch, wie wahrscheinlich, die Angaben übertrieben sein, so geben sie immerhin Zeugniß außerordentlichen Wildstandes.

In Preußen war um 1728 des Schwarzwilds so viel, daß sich oft keine Käufer dafür fanden. Da wußte man aber in jenen Zeiten Rath; zum Theil mußten die Bediensteten der verschiedenen Collegien, Räthe, Secretäre, Canzellisten &c. die Sauen für ihre Küche annehmen und bezahlen, zum Theil waren es Bürger, Kaufleute &c., denen man sie aufnöthigte, den bedeutenden Rest aber mußten die Juden in Berlin annehmen. Im Falle sich der eine oder andere nicht willig zeigte, lud man ihm die verhaßten Sauen vor der Hausthüre ab und ging dann der Handel schneller, nur um den Gräul eines Schweines nicht vor den Augen zu haben. Viele wußten mit dem erkauften Wilde nichts anzufangen, als es zu verschenken.

In Würtemberg war bis zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts immer ein bedeutender Stand an Schwarzwild. 1761 kostete ein Wildschwein durchschnittlich nur 5 fl.

Zu einer Jagd des Herzogs Karl wurden 1782 außer 6000 Stück Hoch- und Rehwild auch 2600 Sauen eingefangen und bis zum Tode des Königs Friedrich war die Jagd vorzüglich. Als er in den letzten Jahren befahl, daß diejenigen, welche über Wildschaden zu klagen hatten, deshalb einkommen sollten, machte ein Pfarrer die Eingabe:

Euer Königlichen Majestät Allerhöchste Sauen haben meine allerunterthänigsten Kartoffeln gefressen. – So berichtet ein vorzüglicher Waidmann, der verstorbene Herzog Heinrich von Würtemberg im Jahre 1835 und nennt sich damals, charakteristisch für die Wendungen der Zeit, »Jäger ohne Wild und ohne Hoffnung, daß Diana ihm wieder lächelt.« Sie hat ihm aber doch noch einmal gelächelt, wie bei der Hirschjagd erwähnt ist.

In Oesterreich befahl Kaiser Joseph II. schon 1786, daß Schwarzwild nur in Parken gehalten, im Freien aber wie Raubthiere behandelt und zu jeder Jahreszeit von jedermann gefällt und gefangen werden solle.

Aus den ältesten Urkunden ersieht man, daß in Bayern die Hirschjagd bedeutender war, als die Schweinsjagd. So finden sich im Gjaidregister des Herzogs Wilhelm IV. von 1545 in diesem Jahre 515 Sauen verzeichnet, während die Zahl des erlegten Rothwilds 2000 Stück betrug. Die Jagden und Hatzen fanden vorzüglich statt zu Höchenkirchen, Geisenfeld, Köschingerforst, Landshut &c.

Das Jagdbuch des Herzogs Albrecht V. von 1555–1579 gibt 525 Sauen an, welche der Herzog eigenhändig erlegte, die Zahl des erlegten Rothwildes ist dagegen auf 4783 Stück angegeben. Vom Schwein hatten die Jäger 1 fl. 15 kr. Fanggeld, von »Pachen« 45 kr. Es gab damals auch im oberbayrischen Gebirge einiges Schwarzwild in den Klosterjagden von Tegernsee und Benediktbeuern, wo jährlich 5–6 Stück gefangen wurden.

Von 1618 werden Schweinshatzen von Churfürst Maximilian I. angeführt, welche in Mindelheim abgehalten zehn Tage dauerten. Es muß der Wildstand damals ziemlich bedeutend gewesen seyn, weil 1637 auf Antrag des Jägermeisters Grafen Wilhelm von Hohenwaldegg verschiedene Jagdbezirke in Ober- und Niederbayern pachtweise vergeben wurden, um den Unterthanen sowohl wegen des Schwarzwilds als wegen der Wölfe, heißt es, zu helfen und dabei einige Rente zu erzielen. Schrank gibt an, daß unter Churfürst Maximilian I. die Schweinsjagd der Kammer jährlich 200,000 Gulden eingetragen habe.

Zu den Schweinshatzen und Birschen wurden vorbehalten:

Grünwald, Sauerlach, das Ueberreiteramt Däning, Hoffolding, Hechenkirchen, das Ueberreiteramt Pörring, Vorssterried, Wangen, Traubing, Prunnen, Schöngeising, Pfaffenhofen, Ingolstadt sammt der Meringer- und Künsau, Eichelforst, Dirnpuech sammt dem daran stoßenden Gemain, dann Mainburg. Ferner das Isareggeramt und das Wildbahnbereiteramt Landshut, Wartenberg, der Seyboltstorfer-Bogen im Cröningeramt, Ergolsbach, Mattighoven, Maurkirchen, Burghausen und Oetting.

Obwohl der Churfürst ein großer Freund der Jagd war, so wurde doch stets das Eigenthum der Bauern an Feld und Aeckern möglichst geschont und sollte bei großen Jagden, zu welchen fremde Potentaten oder Fürsten eingeladen waren, wegen Reitens oder Fahrens durch fremde Grundstücke zuvor mit den Besitzern unterhandelt werden, und im Fall eine Vereinigung nicht zu Stande käme, gar nicht gejagt werden. Die damals abgehaltenen Hirschfaisten, Hirsch- und Schweinsjagden und Hatzen kosteten im Verhältniß gegen die späteren nicht viel, eine Hauptrechnung von 1599 gibt 3868 fl. für sämmtliche Jagden an, darunter auch die niedern Jagden und die Kosten auf Vorsuchen der Bären in der Grafenau und an der Schöfa bei Murnau. Es wurden zu den Schweinshatzen 3–400 Rüden gehalten, später aber auf 200 reducirt.

Da im Laufe des dreißigjährigen Krieges sich vielerlei Gesindel mit Wilddieberei beschäftigte und im Lande herumtrieb und die Bauern auch Büchsen führten, die sie in Ermanglung einer Gelegenheit zu eigener Vertheidigung zum Wildschießen verwendeten, so ergingen 1648 und 1649 deßhalb mehrere Erlasse, um Ordnung und Jagdschutz aufrecht zu erhalten.

Im Jahre 1630 wohnte der Kaiser Ferdinand II. der Hirschfaist und Schweinshatz um Regensburg bei und den Birschen auf der Perlacherhaide, und ebenso Ferdinand III. 1640 der Schweinshatz um München und Regensburg, wie aus den betreffenden Jagdamtsakten unter dem Jägermeister Grafen von Maxlrain zu entnehmen ist. Wo und so lange der Kaiser jagen wollte, da mußten auch die mit Gnadenjagden begabten auf ihre Rechte verzichten, wie ein Erlaß der Churfürstin Maria Anna von 1653, während der Minderjährigkeit ihres Sohnes Ferdinand Maria, bezüglich der Jagden um Regensburg kundgibt.

Im Jahre 1660 hielt der Churfürst Ferdinand Maria, zu Ehren des Erzbischofs von Salzburg, Sau- und Wildpretjagden in Forstenried, Grünwald, Schleißheim und Gauting, welche Jagden 794 fl. kosteten. 1662 war zur Tauffeier Max Emanuels unter andern eine Schweinshatz zu Schleißheim. Desgleichen wurden 1670 bei Anwesenheit des Churfürsten von Köln Schweinshatzen und Wildpretjagden gehalten in der Gegend von Leonsperg, Hofdorf, Glaimb, Landshut, Isaregg, dann Hofolding, Grünwald und im Thiergarten zu Possenhofen (Kosten 2071 fl.).

Die Minderung des Schwarzwilds um jene Zeit veranlaßte den Churfürst Ferdinand Maria 1670 die Concessionen des Hetzens und Jagens auf dieses Wild einzuziehen, sowie das Blenkeln im kleinen Waidwerk in den Bannforsten denjenigen zu untersagen, welche die sog. Edelmannsfreiheit genossen und gemäß derselben befugt waren, das kleine Waidwerk auf eigenem und fremden Grund auszuüben, so weit sich »das plau am Himmel erstreckhe,« doch wurde später eine beschränkte Erlaubniß wieder gegeben. Der Churfürst erließ auch mehrere Wildschützenmandate und sollten die Hauptwilderer nach München in den Falkenthurm geliefert und da processirt werden.

Der Herzog Maximilian Philipp, Bruder des Churfürsten Ferdinand Maria erhielt nach dessen Tode vom Churfürst Max Emanuel 1680–82 die Erlaubniß in der Herrschaft Mindelheim Sauhatzen zu halten und Max Emanuel selbst war ein Freund dieser Jagd, die er vorzüglich um München und zu Grünwald ansübte. Von 1674–1682 wurden in den Hofzöhrgaden und Hofkuchen 952 Sauen geliefert, von 1683–91 bestand die Lieferung in 926 Stück.

Im Spessart war zu Ende des 17. Jahrhunderts der Erzbischof von Mainz, Anselm Franz, Jagdherr und ging oft lustig da zu mit den Sauen. An einem Schloßthor zu Aschaffenburg ist noch der Kopf eines Keilers angeheftet, welchen bei einer Jagd 1680 der Leibmedicus des Fürsten, P. von Hartenfels mit dem Eisen aus freier Hand abgefangen. Der Keiler war nicht angeschossen, brach den am Kopf steckenden Schaft entzwei und rannte noch eine Weile damit fort. Der Medicus hat das Ereigniß in einem ziemlich langen Gedicht besungen.

Um 1693 muß der Stand des Schwarzwildes im Oberland bedeutend gewesen seyn, man begehrte nämlich die landesherrliche Erlaubniß, auf dasselbe auch zur Sommerszeit Treibjagden anzustellen.

Um 1700 trieben die Studenten von Ingolstadt, auch Officiere und andere Leute ohne Befugniß übermäßiges Jagen. Es ergingen deßhalb mehrere Mandate, welche vom Kaiser Joseph I. 1705 nach eingetretener Landes-Administration nach älteren Vorlagen von 1657, 1663 &c. noch verschärft wurden. Die darin den Wildschützen angedrohten Strafen sind sehr streng, zum Theil aber auf die frühesten Zeiten zurückführbar. Verrufene Wildschützen, welche den Jägern auch auf Leib und Leben gegangen, sollen ohne Weiteres auf offener Straße, wo sie das Wild geschossen, aufgehängt werden, »die aber, heißt es, welche dennen Leuthen auff Leib und Leben mit Ernst trohlich, wenn sie schon nit verrufft gewest, und über ein oder zwei Stuck nit gefället, die sollen ihrer Trohlichkeit halber (da sich dieselbe glaublich und wahrhaftig befindet) mit dem Schwert vom Leben zum Tod hingerichtet werden; drittens, diejenigen Wildbrädschützen betreffend, welche zwar dieser Unthat halber verrufft aber auf Leib und Leben nit betrohlich gewesen, die sollen für das erstemal mit Abhauung der rechten Hand, Diese Strafe kommt schon in den Weisthümern vor (im 14. Jahrhundert), daß der die rechte Hand verliere, der in dem Drei-Eichenwald (bei Frankfurt am Main) jage. Auch kommt daselbst vor, wenn einer wegen Fangens mit Schlingen verklagt sey und sich verantworten wolle, »dem soll man seine rechte Tage setzen, wil er unschuldig werden, so sol man Ihme seine Hand binden zu hauf und sol Ine einen Heynen Knebel zwischen seinen Beinen und Armen durchstoßen und so Ihne werfen in ein Meyesche Boden von treyen Fuder Wassers, fellet er zu Grund, so ist er schuldig, schwebet er empor, so ist er unschuldig, daß sol man dreywerb (dreimal) thun.« das andermal aber gleich wie die Verruffte und Betrohliche mit dem Strang gestrafft und auff offener Straße aufgehenkt werden.« Das Abhauen der rechten Hand ist um diese Zeit wahrscheinlich durch den begangenen Meineid motivirt worden, da die Wildschützen das erstemal »Urpfet« schwören mußten, d. h. den Schwur leisten, eine bestimmte Gegend nicht mehr zu betreten. Wurden sie dann wieder auf dem verbotenen Platz ertappt, so hatten sie den Eid gebrochen und das Abhauen der rechten Hand war die Strafe des Meineids. Es liegt nach unsern jetzigen Begriffen eine Barbarei in diesen Strafen und Niemand wird sie mehr vertheidigen, diejenigen aber, welche so gar geneigt sind, die Parthie der Wildschützen zu ergreifen, wissen nichts von den betreffenden Verhältnissen. Das Leben eines Jägers war zu allen Zeiten der Wildschützen wegen ein Leben von heute auf morgen und die Wilddieberei vertheidigen zu wollen, hieße einen Räuber höher stellen als einen pflichtgetreuen ehrlichen Mann. Wie viele Jäger habe ich gekannt, die im Kampfe oder meuchlings durch Wildschützen gefallen. Da fand man einen Forstwart, Stubenbeck, von der Glashütte bei Kreut und einen Jagdgehülfen, Landthaler, von Berchtesgaden, herrliche Jäger, erschossen im Walde liegend, und zeigte die Untersuchung deutlich, daß sie schlafend angebirscht und der Schuß so nahe gegeben wurde, daß das Feuer die Joppe verbrannt hatte; da ward der Revierjäger Mayer von Gmund und seine zwei Gehülfen, während sie einen gefangenen Wildschützen transportirten, in einem Hohlweg von dessen Kameraden überfallen und nicht auf das Schießen wollten es diese ankommen lassen, sondern wie reißende Luchse stürzten sie von den Gehängen und schlugen mit ihren Bergstöcken die überraschten Jäger zu Boden, deren zwei dabei ihr Ende fanden. Da kannte ich einen 16jährigen Jagdjungen, Aigner, der in solchem Handel umkam. Es war ein blühender Knabe, den ich zuerst in Brannenburg sah, als er eben einen gewaltigen Kranich im Eisen auf dem dortigen Moos gefangen hatte und heimbrachte. Muthige Jugendlust strahlte aus seinen blauen Augen. Kurz darauf traf er mit einem wildernden Bauernknecht zusammen und obwohl dieser zehnmal stärker war zwang er ihn doch durch sein schneidiges Benehmen und Androhen des Erschießens, die Flinte abzulegen und sich als Gefangenen transportiren zu lassen. Mit gespannter Büchse ging Aigner hinter dem Knecht, als nach einer Weile dieser plötzlich sich wendete, die Büchse faßte und mit ihm zu ringen begann. Da zog der flinke Junge seinen Genicker, der Knecht sein Messer, und nun kämpften sie bis beide zum Tod verwundet waren und starben auch beide. – Die Rachelust solcher Bursche, die sich gewöhnlich das Gesicht schwärzen um unkenntlich zu seyn, erreicht mitunter einen Grad wie man es unter Christen nicht für möglich halten sollte. So haben sie einen Jäger von Reichersbayern, Zachäus Wagner, buchstäblich gekreuzigt. Er war an der Benediktenwand auf einen Hirsch birschen gegangen und übernachtete in einem Heustadel. Im tiefsten Schlafe liegend wurde er plötzlich durch das Anschlagen seines Hundes geweckt und gleich darauf sprangen drei Bursche (wahrscheinlich durch den Hund auf seine Gegenwart aufmerksam gemacht) in die Hütte und fielen mit so furchtbaren Schlägen über ihn her, daß er bald die Besinnung verlor. Als er von Schmerzen gepeinigt wieder zu sich kam, welcher Zustand! da war er an die äußere Holzwand der Hütte genagelt, durch jede Hand und durch einen Fuß ein großer hölzernen Nagel geschlagen, und so hing er, mit gebrochenem Blick in die Dämmerung des heraufziehenden Tages hinstarrend, bis ihm wieder die Sinne schwanden. Zum Glück hatte das Winseln und zeitweise Bellen seines Hundes einen Hirtenbuben herbeigelockt, der dann Holzknechte zu Hülfe rief, die den Unglücklichen losmachten und nach Hause trugen. Der Mann wurde wieder hergestellt und lebte zuletzt in Ammerland am Starenberger See, wo er 1847 starb.

Ist es ein Wunder, wenn bei solchen Vorkommnissen auch die Jäger ihre Feinde auf Tod und Leben bekriegen und ihrer Ehre willen sich allen Gefahren dabei aussetzen; und welche Scenen kommen da vor! – Es war eine trübe Nacht, als der Jäger Riesch vom Isarfall beim Heimgehen auf einer verlassenen hochgelegenen Alpe am Dürrenberg zeitweise ein Feuer bemerkte. Er dachte sogleich, daß dort Wildschützen ihr Nachtquartier gewählt und machte sich mit einem Kameraden unverweilt auf den Weg, sie zu fangen. Nach langem Steigen kamen sie bei der Hütte an und beschloßen, sobald die Morgendämmerung es gestatte, mit raschem Anlauf die ihnen als morsch bekannte Thüre einzurennen und die Ueberraschten zu bewältigen. Ohne zu wissen, wie viel deren in der Hütte seyen, führen sie es aus, die Thüre bricht zusammen, die Wilderer, es waren zwei Tyroler, springen auf und wollen ihre Büchsen fassen, da stoßen sie die Jäger mit ihren Stutzenläufen nieder, ein furchtbares Gewirr und Raufen erfolgte, aber die Jäger blieben Herr und die Schützen mußten sich ergeben. – Im Anzingerforst wurden von Zeit zu Zeit Sauen gestohlen. Eines Tages fand ein dortiger Jäger eine geschossene Bache, die in ein Dickicht geschleppt worden war. Auf die Anzeige beim Förster wurde beschlossen, daß zwei Jäger die Nacht über in der Nähe des Dickichts passen sollten, der Förster selbst an einer Stelle, welche die etwa ausreißenden Wilddiebe passiren mußten. Die Jäger paßten beim Mondschein die ganze Nacht, es kam aber kein Wilderer. Nun paßten sie die zweite Nacht, unter einer alten Tanne sitzend und in ihre Mäntel gehüllt, denn es war im Winter. Der Schatten, den die Tanne beim Mondlicht warf, deckte sie vollkommen und sie konnten den Platz wohl überschauen. Gegen Mitternacht überkam sie der Schlaf und sie mochten eine Weile geschlafen haben, als der eine durch ein Geräusch erwachte. Da stehen drei Bursche nicht zehn Schritte von ihm und lauschen mit gespannten Büchsen. Nach einigen Minuten sagt der eine zu den andern, sie sollten nun die Sau aufbrechen, er wolle schon Wache halten. Während er spricht, stößt der Jäger leise seinen Kameraden, der sogleich erwacht, in demselben Augenblick auch die Wilderer sehend. Von diesen ziehen zwei die Sau aus dem Dickicht, der dritte späht, die Büchse bereit haltend, fleißig herum. Nun hatte der Mond seine Stellung so verändert, daß der Schatten der Tanne gerade nur noch reichte, um die Füße der drunter sitzenden Jäger zu decken; zog er sich noch ein wenig zurück, so mußte der Wilderer sie bemerken. Die beiden, welche die Sau aufbrachen, äußerten ihre Freude, daß sie so feist und indem der wachehaltende auch danach sehen wollte, faßten die Jäger rasch ihre Gewehre und kracht ein Schuß und wieder einer, dann ein Stürzen und Rennen, die Jäger nach und wieder ein Schuß am Fluchtweg. Zwei der Wilderer waren verwundet, entkamen aber, der dritte war gefangen. – Bei den früheren Gesetzen gegen die Wilddiebe wurden ihrer Strenge wegen die Untersuchungen meistens in einer Art geführt, daß der Jäger gegen den Wildschützen welchen er einbrachte, oft zu kurz kam und wenn er, seiner Haut sich wehrend, einen erschossen hatte, in weitläufige nicht selten seine Stellung gefährdende Plackereien gerieth. Die Folge davon war, daß manche Wildschützen spurlos verschwanden. Eine wilde Felsenschlucht, ein See oder Sumpf mochte wohl wissen, daß sie ihr Ende gefunden hatten. Die neueren Gesetze sind ungleich zweckmäßiger, gleichwohl sind die Kämpfe noch bestehend und kommen zum Theil in größerem Maßstabe vor als früher, besonders an den Grenzen unserer Alpen, wo der Menschenschlag kräftig, trotzig und rauflustig.

Doch ich kehre von dieser Excursion wieder zum Thema des Artikels zurück.

Von Max Emanuel sind keine besonderen Schweinsjagden aufgezeichnet. 1715 wurde unter ihm der Thiergarten von Forstenried vollendet. Zur Anlage waren 200 gefangene Türken verwendet worden, deren mehrere dabei durchgingen und wieder eingefangen »auf Befragen vermelt haben, daß Sye von dem Teifl also verführt worden.« Es wird damals die Jagd als sehr heruntergekommen bezeichnet, wurden daher die Pflege- und Gnadenjagden eingezogen und die Jagd auf Rothwild 3 Jahre, auf Schwarzwild 2 Jahre eingestellt. Daß Max Emanuel ein fleißiger Jäger gewesen, beweist die Angabe, daß er vom 14. Juni 1715 bis letzten Dezember 1725 an 39,665 Stück verschiedenen Wildes gefangen, gebeizt, forcirt und geschossen habe. Um 1721 betrugen die Kosten des Jagdwesens 78,000 fl., wurden aber in diesem Jahre auf 50,000 fl. beschränkt, doch sollten die Ersparungen die Falknerei und französische Parforcejagd nicht treffen.

Von Carl Albrecht (1742 zum Kaiser gewählt) sind mehrere große Jagden auf Roth- und Schwarzwild verzeichnet. So eine Schweinsjagd von 1727 im Geisenfelder Forst, welche theils in Hatzen theils in Schützenjagen bestand und woran die Churfürstin Maria Amalia, die Herzoge Ferdinand und Theodor und andere Herren Theil nahmen. Die Jagd dauerte vom 11. bis 19. Oktober und wurden im Ganzen 348 Stück erlegt, worunter 52 hauende Schweine. Die stärksten erlegte der Churfürst mit 238–264 Pfund. Die Churfürstin erlegte auch einen Keiler von 264 Pfund.

Im Jahre 1729 wurde wieder im Geisenfelder Forst gejagt vom 12. bis 19. Oktober und war dazu ein Aufgebot von 1270 Mann ergangen, ferner 282 Pferde und 12 Fuhren. Man erlegte 508 Sauen, worunter 105 Hauptschweine, deren die sieben stärksten 247–300 Pfunde wogen. 1731 war eine Strafe von 20 Thalern gesetzt, wer von einem Wildschützen ein Schwein kaufte.

Eine große Jagd wurde im November 1735 von dem Jagdschlosse Wollnzach aus in besagtem Geisenfelder Forst gehalten. In etwa 10 Tagen wurden 1105 Stück Sauen erlegt.

Das oben erwähnte Wildschützenmandat wurde 1735 wieder in Erinnerung gebracht und heißt es in dem groß gedruckten Plakat in Betreff der Vermummungen der Wildschützen »wann der, oder diejenige(en), welche sich einiger Vermummung, als mit Verlarff: oder Färbung der Angesichter, Machung Bärt, oder in andere Wege Verkehr: Verwechs: und Vertauschung ihrer sonsten gewohnlichen Klayder, wasserley frembder, und von Haaren gemachter Kappen oder Paroquen aufsetz: dann Hüet-Veränderungen gebrauchen, auf Anruffen der Jäger sich nit stellen und zu erkennen geben, diese unbedenklich auf selbige losbrennen solten.« Die Jäger sollten nach den Füßen schießen außer bei Widersetzung, wo sie in Nothwehr auf Leib und Leben zu schießen haben.

Wie um jene Zeit manchmal die Hirschjagd zu einem unwaidmännischen Spektakel gemacht wurde, da man die Thiere zwang, bei türkischer Musik über künstliche Barrieren zu setzen und dergl., so mußten auch die ritterlichen Sauen zu solchen sogenannten Ergötzlichkeiten dienen, die einen Waidmann anwidern.

Am 10. November 1736 begaben sich der Churfürst mit der Churfürstin, den Herzoginnen Antonia und Theresia und des Herzogs Ferdinand älteren Prinzen Maximilian nach Stegen an den Ambersee, allwo eine Schweinshatz in den See veranstaltet war. »Es wurde, sagte der Bericht, eine Maschine auf Flössen im Wasser erbaut, gleich einem großen Haus, welches mit grünem Laubwerk auf das prächtigste ausgezieret, aus welchem die durchlauchtigsten Herrschaften mit aller Bequemlichkeit die in das Wasser eingesprengten Schweine zu schiessen und theils anschwimmen zu lassen gnädigst beliebten, also zwar, daß deren bis 111 Stück erlegt wurden, worunter sich oben auf einer Gallerie die Trompeten und Pauken beständig hören lassen und eine Tafel von 30 Personen, darunter auch der in Regensburg residirende holländische Gesandte Herr von Gallines mitzuspeisen und diese Wasserjagd zu sehen die höchste Gnade genossen, zum Fruhstück zugerichtet gestanden.«

Ein Bild aus jener Zeit von dem Maler Bidermann zeigt, daß der Wald, in dem sich die Sauen befanden, mit starken Netzen umstellt war und nur einen Ausgang gegen den See hatte. Der Floß, der das Haus trug, stand innerhalb eines im Wasser angebrachten Einfangs, so daß die eingesprengten Sauen nicht hinausschwimmen konnten, sondern sich zwischen dem Floß und diesen Barrieren bewegen mußten. Die Cavaliere sieht man mit Saufedern und Hirschfängern die sie schwimmend annehmenden Sauen abfangen, einige auch mit Büchsen schießen. Die Jagdkleidung zur Schweinsjagd war damals für gewöhnlich hechtgrau mit Silberschnüren, bei dieser Festjagd sieht man aber die Herren in grünen Röcken mit Gold, kurzen rothen Hosen und weißen über die Kniee gezogenen Strümpfen oder Kamaschen, einige auch mit schweren Reitstiefeln. Besagtes Bild findet sich im Wittelsbacher Museum.

In dergleichen Jagddivertissements, wie man es nannte, war man damals sehr erfinderisch und um 1725 wurde bei einem großen Schweinjagen, welches in der Nähe der churpfälzischen Residenz Mannheim stattfand, das außerordentliche Schauspiel aufgeführt, daß die Schweine unter der Erde hervorkommen mußten und unter dem Schirm herauf in den Abschußplatz. Dieser befand sich auf einem künstlich angelegten Berg mit Gallerien umgeben und hatten die Schweine über 240 Fuß hohe Treppen zu diesen Gallerien hinaufzulaufen.

Daß bei ähnlichen Gelegenheiten auch die Diana mit ihren Nymphen vielfach mitspielen mußte, versteht sich von selbst. Bei der Krönung Ludwigs XV. von Frankreich, erzählt Rohr, wollte sich »Ihro Majestät in dem Walde bei Chantilly mit der Jagd erlustiren, und wie der König daselbst anlangte, traff er die Dianam mit ihren Nymphen, in einer von Laubwerk gemachten Grotte an, die Ihrer Majestät bis an den Eingang der Grotte entgegenkam, und etwas absungen, worinnen sie Ihrer Majestät die Herrschaft über die Wälder abtraten, auch anstatt der Huldigung derselben ihren Bogen und Köcher überreichte, da mittlerweile die um sie befindlichen Nymphen einen Tanz machten, und unter demselben dem König alle zur Jagt gehörigen Stücke überreichten. Das Frauenzimmer war alle in Jagt- Habit und die Herrn von Hof, so in Jagt- Habit von der Jägerey des Hertzogs von Bourbon gekleidet waren, hatten sich um die Dianam gestellt. Deren Gesang wurde durch die in Buschwerk versteckte Vocal- und Instrumental-Music accompagniert.«

Zur Vermählungsfeier des Herzogs Carl zu Würtemberg mit der Marggräfin Sophie zu Brandenburg-Bayreuth 1748 wurde am 8. Oktober zu Leonberg bei Stuttgart ein Prunkjagen gehalten, wozu 700 bis 800 Stück verschiedenen Wildes, Sauen, Hirsche, Rehe &c. zusammengetrieben worden waren. Einer ausführlichen Beschreibung der damaligen Feste ist ein Kupferstich des Augsburger J. Wangner beigegeben, welcher die Jagd darstellt. Land- und Wasserjagd sollte dabei vereinigt werden. Es befand sich daher auf der Hauptseite vor dem fürstlichen Schirm ein großes Bassin, in welches das Wild durch eine Reihe geschmückter Arkaden 14 Fuß hoch heruntergesprengt und schwimmend erlegt wurde, während auf der Rückseite ein Laufplatz zu sehen, ebenfalls von Arkaden umgeben, durch welche das Wild über den unteren mehrere Fuß hoch geschlossenen Theil einspringen mußte und wo die Sauen mit der Feder abgefangen wurden. Um die Herrlichkeit der Scenerie vollständig zu machen, waren an den Arkaden des Bassins links und rechts perspektivisch gemalte Castelle angebracht, jedes 65 Fuß lang und 40 bis 45 Fuß hoch. In der Mitte der Arkaden thronte auf einem Hauptportal die Diana nebst einem Schild mit den fürstlichen Namen und dem großen würtembergischen Jagdorden. Es wurden unter Pauken und Trompeten 400 Stück erlegt und die übrigen freigelassen. In einer Pause während der Jagd wurde eine Collation eingenommen und dann in Ludwigsburg ein großes Banket gehalten, wobei man in Jagdkleidern erschien. Der Luxus und die Anordnung solcher Bankette entsprach dem Jagen und will ich hier nur als ein Beispiel anführen, daß das eben erwähnte unter einem im glänzend beleuchteten Rittersaale des Schlosses zu Ludwigsburg errichteten, 30 Fuß hohen Dianentempel stattfand, dessen Säulen und Schwibbogen mit grünem Bindwerk und Jagdtrophäen geschmückt waren. In Mitte der Tafel sprudelten 4 Fontänen um eine vergoldete Statue der Diana und unter dem Confekt erschien diese Göttin in einem mit 8 Löwen bespannten Triumphwagen. Die grüne Livree der Jäger war prachtvoll mit Silber und seidenen Borten besetzt und beim Einzug in Stuttgart ritt der Oberjägermeister Baron Geyers von Geyersberg in grünsammtner goldgestickter Kleidung der Jägerei voran und ging zu seiner Linken ein Laufer in grüner reich mit Silber verzierten Lauferkleidung. Dreizehn adelige Forstmeister (die Kleidung hellgrün mit Gold) folgten auf Schimmeln, dazu Jagdpagen, Hofjäger und 62 reysige Forstknechte mit Birschbüchsen, welche sämmtlich Rappen ritten.

Die letzte von dergleichen Prunkjagden Eine der letzten großen Saujagden, wo noch Sauen mit Hunden gehetzt und abgefangen wurden, hielt Friedrich August III. von Sachsen im Jahre 1826 zu Hubertsburg. Es wurden 147 Sauen theils geschossen, theils abgefangen. in Deutschland war wohl die, welche der König Friedrich von Würtemberg noch 1812 abgehalten und welche von dem Dichter Matthisson als einem Augenzeugen unter dem Titel »das Dianafest von Bebenhausen« beschrieben wurde. Diese Jagd fand wie üblich statt mit reich gezierten Schaubühnen und Schirmen und unter dem Lärmen von Hörnern und Trompeten, und wie der Aufputz ist theilweise auch die Beschreibung. »Mannigfaltig heißt es, wie auf den Schlachtfeldern der Iliade, die Todesarten der Helden, erblickte man hier die Todesarten der fallenden Thiere. – – Den imposantesten Anblick des Jagdfestes boten unstreitig die enormen Wildmassen dar, welche wie Katarakte, wovon Keuler, Bachen, Hirsche, Rehe und anderes Gethier gleichsam nur die Tropfen (!) bildeten, hernieder an der schroffen Abdachung des Gebirgsrückens ihrem unwiderruflich geworfenen Todeslose zustürzten.« Es wurden in 2 Stunden 823 Stücke erlegt, darunter 139 Sauen.

Von den größeren Jagden des bayerischen Churfürsten Carl Albrecht fand 1739 wieder eine in dem an Sauen reichbevölkerten Geisenfelderforst statt, wobei 236 Sauen, darunter 44 Hauptschweine gehetzt und geschossen wurden, und eine andere im Jahre 1740 am 17. November zu Utting am Ammersee. Zu letzterer waren 44 Zeugwagen nöthig, 7 andere, 1 für die Feldkapelle und 1 für die Kasse, mit 303 Pferden, und noch darüber 9 Fuhren; ferner an Klopfern, nach Utting, mit siebentägiger Verproviantirung 800 Mann (die Hälfte mit Hacken versehen und alle starke Leute). Es wurden 111 Sauen erlegt, worunter aber nur 4 Hauptschweine.

1751 unter Churfürst Maximilian III. wurden bei einer Schweinshatz in Geisenfeld 414 Stück gefangen und erlegt. Auch im Köschinger, Oettinger, Grünwalder und Forstenrieder Forst wurden noch öfters 200 Sauen bei einem Jagen erlegt. Von 1751–55 sind 1213 Sauen ins Wildpretgewölb zu München geliefert worden. Das Pfund Schwarzwildpret kostete damals 10 kr., gegenwärtig kostet es 24 kr. Von 1841–45 sind 532 Sauen geliefert worden, und gegenwärtig ist das Verhältniß ein ähnliches.

Zu Eberfing bei Weilheim hielt der Churfürst einen Park.

Unter Carl Theodor wurden diese Jagden bedeutend reducirt, schon deßwegen, weil mehr Wildschaden geleistet werden sollte als früher.

Vom Jahre 1788 (15. Juli) ist eine Jagd verzeichnet, welche aber bei Neckargemünd im Elsenzbacherthal stattgefunden, eine Prunkjagd auf Roth- und Schwarzwild, die der Churfürst in Begleitung seiner Gemahlin Elisabetha Augusta abhielt und wobei sich diese Dame als besonders flinke Schützin erwies.

Bei den späteren bayerischen Fürsten wurden die Schweinsjagden in eingestellten Jagden mit Schießen abgehalten und kamen keine Hatzen mehr vor. Unter den Jagden, welche König Maximilian I. hielt, wurden die meisten Sauen im Park von Grünwald in den Jahren 1820 und 1822 mit 113 und 155 Stück erlegt. Die Gehege von Anzing wurden in einen Park umgewandelt, ebenso im Spessart. Außerdem befinden sich Sauen im Forstenriederpark.

Unter König Ludwig wurden im Jahre 1828 zu Anzing 92 und 1831 zu Pöring bei 155 Sauen erlegt.

Gegenwärtig werden zu Grünwald, Forstenried und Anzing Im Forstenrieder-Park sind gegen 100 Stück; in Grünwald 140 Stück. in Anzing sind sie auf 300 zu bringen, im Spessart 100 Stück. abwechselnd Schweinsjagden gehalten, gewöhnlich alle 2–3 Jahre auf demselben Platz. Im Durchschnitt sind bisher auf einer solchen Jagd 60–70 Stück erlegt worden, die stärksten Keiler mit 177 Pfund.

Von Privatparken ist vorzüglich der des Fürsten von Thurn und Taxis bei Stauf zu nennen. Er ist besonders schön wegen des Terrains und in neuester Zeit so bedeutend vergrößert worden, daß die Jagd in demselben der freien Jagd gleichkommt. Auch im Fürst Löwenstein'schen Park im Spessart werden Sauen gehegt. Im Eichstädter-Park des Herzogs von Leuchtenberg, der noch vor 10 Jahren reich bevölkert war, sind nach dem Tode dieses liebenswürdigen Fürsten die Sauen bis auf einige abgeschossen worden.

Bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts war das Schwarzwild Schon in den bojarischen Gesetzen des sechsten und siebenten Jahrhunderts kommt das Wort Suarzwild vor, es scheint aber als habe man damals theilweise auch Bären und Büffel darunter verstanden. Sepp, Beiträge zur Geschichte des bayrischen Oberlandes. H. 2 und 3, S. 82. in Bayern ziemlich allgemein verbreitet, gegenwärtig findet sich im Freien nur noch einiges im Spessart in den Revieren Lohrerstraß und Rothenbuch, im sogenannten Orber-Reisig und den umliegenden Waldungen in Unterfranken und als Wechselwild in der Pfalz.

Ein Waidmann kann einen Seufzer kaum unterdrücken, wenn er daran denkt, wie es mit dem Schwarzwild einst gewesen und wie es gegenwärtig damit steht, glücklicherweise aber ist, wie schon oben bemerkt, wenigstens für diejenigen, welche einen Keiler im Park birschen und jagen können, immer noch mehr als eine bloße Erinnerung jener vergangenen Herrlichkeit erhalten und liest man in der Geschichte dieser Jagd die furchtbare Plage und Noth, die der Bauer darüber zu tragen hatte, so wird man gerne genügsam.

Es ist davon gar Vieles geschrieben und geklagt worden und wie brav der brave Landmann oft ist, weiß man auch, aber der Wahrheit gebührt ihr Recht und so mögen zum Schlusse einige alte Verse eines Hans von Spangenberg angeführt werden. Sie fassen das Bezügliche so zusammen, daß man leicht selbst weitere Schlüsse machen kann. Sie lauten:

»Das ist der Will des Herren mein,
Daß ich ihm heg' viel Hirsch und Schwein;
Dem Hirten ich den Hund nicht gan,
Er häng' ihm dann groß' Prügel Den größeren Hunden mußten Prügel angehängt werden, oft bis zwei Ellen lang, um sie am Laufen zu hindern; aus demselben Grunde wurde (in Hessen 1570) befohlen, den kleinen Hunden in der Nähe einer Wildbahn die Sehnen an den Hinterschenkeln entzwei zu schneiden. Eine weimar'sche Verordnung von 1736 bestimmt noch weiter, daß zum Zweck des leichteren Erkennens einem Haushund der Schwanz abgeschnitten werden soll, einem Schäferhund die Ohren und einem Mezgerhund sowohl Schwanz als Ohren. an;
Und für das Wild leid ich kein Zaun;
Zeug mir die Jagdhund schwarz und braun;
Zu fröhnen schickt euch wenn ich jag',
Und schonet nicht den Feyertag;
– Dein' Rüden Die Schäfer und Bauern mußten ihre großen Hunde zu den Saujagden stellen; deren wurden oft gegen 200 gebraucht. schick' mir an die Säu
Eh' daß ich dir den Balg erbläu;
Zahlt was wir bei euch han verzehrt,
Daß euch nicht Böses wird beschert.

 

 << Kapitel 5  Kapitel 7 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.