Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Franz von Kobell >

Wildanger

Franz von Kobell: Wildanger - Kapitel 4
Quellenangabe
typetractate
authorFranz von Kobell
firstpub1859
year1859
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
addressStuttgart
titleWildanger
created20050711
sendergerd.bouillon
Schließen

Navigation:

I. Haarwild.

Hirschjagd.

                        Auf den Hirsch! auf den Hirsch! es taget schon,
    Frisch zu ihr Waidgesellen,
Er trägt mit Trotz die vierte Kron,
    Jagt die Rivalen all davon,
Den laßt uns fangen und fällen!

Auf den Hirsch! auf den Hirsch! wohl in der Nacht
    Da ließ er sich vernehmen,
Da ist die Kampflust ihm erwacht
    Und wollt' mit seiner Stimme Macht
Den Andern 's Wort vergrämen.

Auf den Hirsch! auf den Hirsch! er spürt sich gut,
    Vier Finger breit die Schalen;
An hohen Aesten wohlgemuth
    Das grüne Laub er wenden thut,
Sollt heut den Stolz bezahlen.

O Büchse, liebe Büchse mein,
    Da geht's um Ruhm und Ehren,
Und wär' ich reich an Silber fein,
    Eine Silberkugel müßt' es sein
Dich würdig zu bewehren.

O liebstes Rohr, verlaß mich nicht,
    Nur sicher heut' und schnelle,
Wenn durch den wilden Wald er bricht
    Und in's Geweih die Ranken flicht,
O hilf daß ich ihn fälle!

                Ich weiß mir ain hüpschen grünen Wald,
Drinn lauffen drey Hirßlen wolgestalt,
Drinn lauffen drey Hirßlen hüpsch und fein,
Die fröen dem jager das junge hertze sein.                
Aus einem Liede von 1540.
        Wolauff wolauff in Gottes namen
Wöllen wirs heut anfahen,
Rugel dich, rugel dich, rugel dich,
Der liechte Tag scheint vber dich,
Wolauff wolauff, die heut mit uns ans jaidt wöllen,
Heut nam ich mein Hund ans sail,
glück und hail.
Von 1569.

So lange das Waidwerk besteht, war der Hirsch ( cerphus elaphus) seine vorzüglichste Zierde, und wird sie bleiben.

Kein edleres Wild magst du schauen, ob er vertraut am Waldhang hinzieht, oder in der Flucht durch's krachende Dickicht bricht, ob er auf blumiger Wiese sich friedlich äs't oder mit hochgetragenem Kronengeweih den Kampf anhebt gegen unliebe Rivalen, daß es weithin hallt vom Schlag der gewaltigen Stangen.

Der Hirsch stirbt nicht, sagen figürlich die alten Waidmänner, er tritt die Eichel in den Grund und sieht den Baum daraus aufwachsen, der ihm dann reichliche Mastung liefert und er sieht diesen Baum vergehen, daß er sein Geweih in den Stamm stoßen und das modernde Holz mit den Läufen zerstäuben kann.

Er liebt Gesang und Musik und heißt nicht umsonst der edle Hirsch, denn, sagt Döbel, es ist eines wohlgeübten Waidmanns vornehmstes Prädikat, ein hirschgerechter Jäger genannt zu werden.

Vom langen Leben des Hirsches berichten schon die Alten und Pausanias erzählt, daß man in Arkadien einen geheiligten Hirsch gekannt habe, der ein Halsband mit der Inschrift trug:

»Wurde, ein Kalb noch, gejagt, als gen Ilion zog Agapenor.«

Pausanias schließt daraus, daß ein Hirsch weit länger lebe als ein Elephant, dessen höchstes Alter man gegen 200 Jahre annahm.

Alexander der Große ließ manchmal ein gefangenes Wildkalb mit angelegtem Halsband wieder frei und war auf diesem die Jahrzahl &c. eingegraben. Es findet sich die Angabe, daß einmal ein Hirsch mit solchem Halsband gefangen worden sey, dessen Alter sich aus der Inschrift zu 85 Jahren ergeben habe.

Es war daher sprichwörtlich bei den Alten »cervinos annos vivere.«

So viel ist gewiß, daß der Hirsch über 70 Jahre alt werden kann, denn man kannte einen solchen in dem Park des Grafen Hardegg zu Schmida bei Wien, von welchem die Abwürfe des Geweihs gesammelt wurden. Es war ein Hirsch, der gewöhnlich 20–24 Enden aufsetzte und im 72. Jahre, wo er noch ganz frisch sich zeigte, von einem Wildschützen erschossen wurde.

Daß der Hirsch die Musik liebe, führt schon Aristoteles an. Er sagt, man locke ihn durch ein gewisses Pfeifen und andere Töne und bezaubere ihn durch Gesang. »Wenn daher zwei Jäger zusammen sind, so singt oder bläst der eine, der andere aber verwundet ihn von hinten, wenn der erste das Zeichen gibt.«

Bekanntlich geht ein guter Hirsch in der Brunftzeit auf den Ruf oder das Schreien eines geringeren Hirsches und unsere oberbayerischen Jäger bedienen sich um diesen nachzuahmen eines großen Muschelhorns (Tritonshorn, Kinkhorn) und es heißt dann: »der Hirsch is a'm Schneckn' ganga.« Auch eine getrocknete Hirschgurgel wird als Ruf gebraucht.

Was aber das Bezaubern durch Gesang betrifft, so klingt das zwar sehr poetisch und ist gewiß, daß besonders beim Birschfahren ein Hirsch besser aushält, wenn man singt; auf den Gesang selbst oder die Art des Singens kommt es aber nicht an und die gewöhnlichen Schnaderhüpfeln, wie sie die Holzbauern singen, reichen für die Bezauberung vollkommen aus.

Von anderen Eigenthümlichkeiten des Hirsches wird erwähnt, daß er duftende Blumen liebe, besonders den wilden Jasmin und die Reseda.

Der Hirsch ist als Wild von jeher und überall ausgezeichnet worden.

Bei den Achäern fuhr die Priesterin der Diana auf einem mit Hirschen bespannten Wagen Die hessischen Landgrafen, als Priester der Diana wohl bekannt, fuhren auch zuweilen mit vorgespannten Hirschen, ebenso die Churfürsten von Sachsen. Um 1730 wurden auf dem Vorwerk Neustadt-Ostra 14 zahme Hirsche zum Fahren gehalten und einer zum Reiten. Sie liefen anfangs gut, wurden aber bald träge. zur Feier des Opferfestes, Laphria genannt, und man gelobte der Göttin Hirschgeweihe ( votivi cornua cervi), die in ihrem Tempel aufgehängt wurden. Die alten Deutschen liebten zur Bekleidung die Hirschdecken, die sie mit den Geweihen trugen, ganz besonders, und die alten Könige von Frankreich ließen sich in solchen begraben.

Die Hirschjagd hatte auch schon frühzeitig einen überall verehrten Schutzpatron an dem heiligen Hubertus, einem Sohn des Herzogs Bertrand von Aquitanien, der früher ein gewaltiger Jäger im Ardennenwald zuletzt als Bischof von Lüttich 727 starb und dessen Geschichte mit der Kreuzerscheinung genugsam bekannt ist. Einen Vorgänger mit ähnlichem Erlebniß hatte er an dem heiligen Eustachius, einem Feldhauptmann unter Kaiser Trajan (98–117), der in einem glühend gemachten ehernen Stier endete, da er vom Christenthume nicht abfallen wollte und weiter nennt die Jagdgeschichte noch im vierten Jahrhundert den heiligen Martinus Karl der Große führte bei seinen Jagden im Nürnberger Reichsforst immer die Chorkappe des St. Martinus und ein Heiligthum von St. Dionysius mit sich. Churfürst Karl Albrecht führte bei größeren Jagden eine Feldkapelle mit, auf deren Altar die Bilder von St. Hubertus und Eustachius.. Als der erste dieser Patrone gilt aber St. Hubertus und der Hubertustag (3. November) wurde und wird zum Theil noch gegenwärtig regelmäßig von der Jägerei mit einer Jagd und Lustbarkeit gefeiert.

Dieses Fest wurde schon von Ludwig dem Heiligen († 1270) gestiftet und auf den Tag eingesetzt, da der Leichnam des Bischofs Hubertus unter großer Feierlichkeit nach seinem Kloster im Ardennerwald gebracht und bestattet worden. An diesem Tage soll, sagt Flemming, jeder rechtschaffene Jäger auf die Jagd gehen und »keinen um sich leiden, welcher wider die Jagd-Reguln, das Wild muthwilligerweise verderbt. Wenn bei diesem Festin eine Frauensperson erscheint und solcher Jagdfreude mit theilhafftig werden will, so soll sie gestifelt und gespornt seyn, auch wie eine Mannsperson reiten.«

So geschah es z. B. bei den Hubertusfesten, welche der Churfürst Friedrich August zu Sachsen auf der Hubertsburg und Herzog Eberhard Ludwig von Würtemberg zu Ludwigsburg hielt, der auch 1702 einen Hubertusorden stiftete. Der bayerische Hubertusorden ist kein Jagdorden, obwohl er von den Herrschaften bei den königlichen Jagden getragen wird. Er wurde gestiftet von Herzog Gerhard von Jülich und Berg wegen eines Sieges, welchen er 1444 am St. Hubertustag über Arnold von Egmont erfocht. Um 1780 unter Herzog Karl zog am Hubertustag der würtembergische Hof mit den Jägern in Jagduniform aus und wurden nur Schimmel geritten. Die Festlichkeit dauerte manchmal acht Tage. Auch in Preußen wurde der Tag von mehreren Fürsten mit Glanz gefeiert, so vorzüglich von dem König Friedrich Wilhelm I. († 1740), Friedrich Wilhelm II. († 1797) und von dem jetzigen König. Bei einem solchen Fest, welches Friedrich Wilhelm II. 1787 gab, erschien die Prinzessin Friederike und ihre Begleiterinnen in einem olivenfarbenen Amazonenhabit mit goldenen Epaulets und nahm selbst Theil an der Jagd. Es war dabei mitunter Sitte, daß zur Tafel die Jägerei bediente und aufwartete; die Jagdpagen trugen die »Willkomm« und überreichten sie dem Oberjägermeister zum Credenzen. Brachte die hohe Herrschaft eine Gesundheit aus, so blies die Jägerei mit Flügel und Hiffthörnern und wurde auch wohl ein Waldgeschrei Es war das Geschrei, mit dem die Jäger bei beginnendem (eingestellten) Jagen zu Holz zogen. Bei der Hirschjagd: Ja, ha ha, ja ha! bei der Schweinshatz: Ho, Rido, ho ha ho! angestimmt.

In den bayerischen Jagdrechnungen findet sich oft einer großen und kleinen Hubertijagd erwähnt und wurde das Hubertusfest mit Beiwohnung des ganzen Hofes und der churfürstlichen Jägerei bis 1777 gewöhnlich zu Fürstenried gefeiert. Unter Churfürst Maximilian III. wurde 1760 die große Hubertijagd am 7. November und die kleine am 13. gehalten. Zu letzterer waren 28 Damen geladen. König Maximilian II. begeht den Hubertustag ebenfalls jährlich mit einer Gemsjagd und wird dann bei der Tafel des hohen Jagdpatrons in einem fröhlichen Trinkspruch mit gebührenden Ehren erwähnt. Das Gemsgejaid hat der Herr, da er noch auf Erden wandelte, wohl nicht gekannt, es gefällt ihm aber vielleicht um so besser, als es dem Himmel näher ist, denn irgend ein anderes.

Einen Hubertusjägerorden in Böhmen stiftete der Reichsgraf Franz Anton von Spork und bei Gelegenheit einer Jagd 1723 geruhte Kaiser Karl VI. diesen Orden anzunehmen. Einen »Orden des güldenen Hirsches« stiftete 1672 der letzte polnische Piast Herzog Georg Wilhelm zu Brieg (im Breslau'schen); der Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt ließ um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Hirschdukaten schlagen mit dem Spruche »durch den Dukaten ward ich verrathen« und mit dem Bild eines Hirsches, und so geschah mancherlei zu dessen Ehren, wie auch die Wehrhaftmachung mit dem Hirschfänger feierlich stattfand und dabei der Spruch gebraucht wurde:

    Jo! hoch o ho!
Hier hast du nun deine Wehr;
    Die brauch zu Gottes Ehr
Zu Lieb und Nutz des Nächsten dein,
    Halt' dich ehrlich treu und fein,
Wehr' dich damit deiner Feinde;
    Doch unnütze Händel meide.
Gürt' deine Lenden wie ein Mann,
    Der sein Horn recht blasen kann.
Nunmehr hast du deine Freiheit;
    Es gehe dir wohl allezeit!« –

Kein Wunder, daß der Hirsch auch ein Gegenstand der Poesie wurde. Seltsam klingt ein arabisches Gedicht, welches von ihm sagt:

Im Tumult ist er ein Orkan
Und fliegt wie ein Vogel himmelan,
Hinauf, schnell wie das Gebet einer unterdrückten Welt,
Hinab, jäh, wie das Loos vom Himmel fällt.
Doch ist er auch störriger Natur
Und durchstreift wie Feuer die Flur,
Sein Ansehn ist das eines Thoren,
Immer in Gedanken verloren,
Ist beschaulichen Männern drum wohl bekannt
Und wird der Gaul der Einsiedler genannt.

Anderer Art sind die einfachen deutschen Waidsprüche, welche bis ins dreizehnte Jahrhundert zu verfolgen, auch schon zur Zeit von Friedrich Barbarossa angeführt werden und erst zu Anfang des vorigen Jahrhunderts allmählig abgekommen sind. Da erscholl der Weckruf durch den grauenden Morgen:

Wohl auf Ihr Fürsten und Herrn, Ritter und Knecht
Und alle schöne Jungfrauen,
Laßt uns heut' den edlen Hirsch anschauen;
Wohl auf all meine gute Gesellen
Die heut mit auf die Jagd wellen
Die schicken sich bald
Daß der liebe Gott walt!
Wohl auf heint wohl jägerlich, habt Fleis
Ihr Waidleut, bis daß der Hirsch auf der Seiten leit
Ritterlich,
Der liechte Tag scheint über dich!

Wohlauf, wohlauf Roß und Trat (alles tretende Vieh)
Daß uns heut der berat,
Der uns all erschaffen hat!

Wohlauf, wohlauf in des Namen,
Der beschuf die Wilden und Zahmen!

Dann spricht der Jäger seinen Leithund an:

Gesell, Gesell, wohl hin mit Lust und Freuden,
Herrn und Frauen zu lieb, auch uns beiden!

Hin hin frisch ritterlich
Der helle Tag scheint über dich!
Ho ho, ho ho, trauter Gesell, hin, hin!

Führt dann der Jäger den Herrn auf die Fährte, die er verbrochen (mit einem Eich- oder Tannenreis bezeichnet, wobei der Ast mit dem abgebrochenen Theil nach der Richtung gelegt wird wo die Fährte hingeht), so spricht er wieder mit dem Hunde:

Wohlan, wohlan, hin zu jener Buchen,
Wollen wir den edlen Hirsch heut thun suchen.

Wohlan, wohlan, hin zu jener Linden,
Da wollen wir den edlen Hirsch heut finden.

Wohlan, wohlan, hin zu jener Eichen,
Wart, wo findest du heut des edlen Hirsches Zeichen!

Wenn die Jäger von der Vorsuch zusammenkommen, ist die Ansprache:

Mein lieber Waidmann sag mir an,
Was hast du mit deinem Hund wechselnd vernommen,
Wo die Hirsch von meinem Zug sind hinkommen?

Antwort:

Jo ho, mein lieber Waidmann,
Es gingen meinem Hund zehn Hirsche wechselnd an,
Drei sind heraus und sieben drüben,
Diese sind in unserm Jagen blieben.

Beim Zeugstellen:

Auf auf mit Waidmanns Heil
Jagdzeugmeister und Zeugknecht,
Richtet das Zeug hinter mir her auf meinem Zuge recht,
Unsern Fürsten zur hohen Freude
Und dem edlen Hirschen zu Leide.

Beim Anjagen und wenn der Hund scharf anzieht und der Jäger merkt, daß sie dem Hirsch nahe kommen:

Es wird schier Zeit, hin hin,
Gesell es wird schier Zeit.

Da kommt der edel Hirsch einher.

Nun geht es nach mit den Hunden, die Hörner erschallen und so oft der Hirsch gesehen wird wieder die Waidrufe:

Da fleucht der edel Hirsch über den Weg,
Daß Gott meines schönen Buhlen heut pfleg'!

Da lauft der edel Hirsch Wasser und Grund,
Mich freut meines Buhlen rother Mund!

Da fleucht der edel Hirsch durch den Thau,
Wie gern ich meinen Buhlen anschau!

Da lauft der edel Hirsch über die Heid,
Gott grüß mein schön Buhlen in ihrem weißen Kleid.

Da lauft der edel Hirsch und macht ein Gewend,
Ich wollt, ich hätt' meinen schönen Buhlen bei der Händ!

Da lauft der edel Hirsch über diese Heide
Den Hunden zu lieb, ihm selbst zu Leide.

Nun kommen Fragen und Rufe, wohin die Hunde gejagt:

Ho ho, mein lieber Waidmann, hast du nicht vernommen,
Wo meine hochlautende Jagdhunde sind hinkommen?
»Ho ho ho, mein lieber Waidmann,
Ich höre jetzt zu dieser Stund
Weder Jäger noch hochlautenden Jagdhund.«

Ho ho, mein lieber Waidmann, kannst du mir nicht sagen:
Ob du meine hochlautende Jagdhund hast sehen oder hören jagen?
»Jo ho ho, mein lieber Waidmann,
Woit gut in jenem Thal,
Sie haben den rechten Anfall
Das sag ich dir frei,
Es waren der Hunde drei,
Der eine der war weiß, weiß, weiß,
Der jagte den edeln Hirsch mit allem Fleiß,
Der andere der war fahl, fahl, fahl,
Der jagte den edlen Hirsch über Berg und Thal,
Der dritte der war roth, roth, roth,
Der jagte den edlen Hirsch bis auf den Tod.

Wenn der Hirsch gefangen und den Leithunden, ehe man ihnen zu genießen gibt, das ausgeschlagene Geweih vorgehalten wird:

Söllmann, Söllmann, mein lieber Söllmann,
Dieß ist der edle Hirsch, so dir heut gangen an,
Da er zog her mit seiner prächtigen Kron und gespaltenen Schal,
Dem hast du mein Gesellmann recht gethan,
Habe Dank überall, habe Dank, mein Söllmann, du hast Recht.

Und nun ging es an's Essen und Trinken auf grünem Rasen unter schattigen Bäumen mit mancherlei Kurzweil und Freudenspiel und war dabei herkömmlich und besonders empfohlen, von den schönen Frauen und Jungfrauen in der Gegend zu sprechen und ihre Schönheit und Holdseligkeit »stuckweis« zu beschreiben und zu zergliedern. Daneben fanden mancherlei Reimfragen und Antworten statt, welche die Waidmannswissenschaft betrafen oder Witz und Scharfsinn darthun sollten. Dergleichen waren:

Jo ho ho, mein lieber Waidmann, frisch und fein,
Wenn mag der edle Hirsch am niedrigsten und am höchsten seyn?
»Jo ho ho, mein lieber Waidmann,
Das sag' ich dir an:
Am niedrigsten ist er im März,
So er abgeworfen und kein Gehörne trägt,
Am höchsten im Juni, so er aufgesetzt, völlig vereckt
Und eh er schlägt, so dünket mich eben,
Daß das Gehörn seine Höh' und Niedrigkeit thut geben.«

Lieber Waidmann, sag' mir hübsch und fein:
Was bringt den edeln Hirsch von Feld gen Holz hinein?
»Der helle lichte Tag und der helle Morgenschein
Bringt den edlen Hirsch vom Feld gen Holz hinein.«

Lieber Jäger jung, thu mir kund,
Was macht den edeln Hirsch wund
Und den Jäger gesund?
»Der Jäger und sein Leithund
Machen den edeln Hirsch wund
Und eine schöne Jungfrau macht den Jäger gesund.«

Sag mir an mein lieber Waidmann:
Was macht den Wald weiß,
Was macht den Wolf greis,
Was macht den See breit,
Woher kommt alle Klugheit?
»Das will ich dir wohl sagen schon:
Das Alter macht den Wolf greis,
Der Schnee macht den Wald weiß,
Und das Wasser den See breit,
Von schönen Jungfräulein kommt alle Klugheit.«

Waidmann, lieber Waidmann, sag mir an:
Was ist weißer dann der Schnee,
Was ist grüner dann der Klee,
Schwärzer dann der Rab
Und klüger dann der Jägerknab?
»Das kann ich dir wohl sagen:
Der Tag ist weißer als der Schnee,
Die Saat grüner als der Klee,
Die Nacht schwärzer als der Rab,
Schöne Mägdlein klüger als der Jägerknab.«

Waidmann, lieber Waidmann hübsch und fein,
Sage mir. wann mag der Hirsch am besten gesund seyn?
»Das kann ich dir wohl sagen für:
Wenn die Jäger sitzen und trinken Bier und Wein,
Pflegt der Hirsch am allergesündsten zu seyn.«

So wurde es überall in den alten Zeiten gehalten und mag wohl ein lustiges Leben gewesen seyn für einen jungen Jäger, Hirsche zu jagen wie man sie von gleicher Stärke an Leib und Geweihen nicht leicht mehr sieht und dabei ein schmuckes Sprüchlein in den Wald zu rufen, welches der Liebsten gedenkt mitten im Getümmel des wilden Treibens. Das Jagdleben bewegte sich damals ungleich poetischer als in unserer Zeit, wenn diese auch an wohlpolirter Poesie auf dem Papier überaus reich ist.

So war es auch bei uns in Bayern, wie die vorkommenden Worte »heunt« für heute und »woit« für »woitern, woltern,« in der Bedeutung »genugsam« darthun.

Bei den alten Jagden wurden, außer Birsch Man schreibt auch pirschen und pürschen, im Mittelalter birsen ( birsare) und bersen; letzteres soll aus dem isländischen von bersar stammen, welches verfolgen und Fällen wilder Thiere mit dem Jagdspieß bedeutet. Im vorigen Jahrhundert kommt auch oft vor, daß man das Fällen des Wildes durch einen Schuß selbst im eingestellten Jagen »bürschen« nannte. und Anstand, das Wild in Netze gejagt, die von ihren Tragstangen niederfielen, und ihm, wenn es darin verwickelt war, der Fang gegeben, oder es wurde angeschossenes Wild zu Roß mit Hunden gehetzt, und wenn es diese gestellt hatten, abgefangen, auch während des Hetzens geschossen, wie es im Theuerdank heißt, daß dem Kaiser Maximilian beim Reiten im Jagen einigemale die Armbrust losgegangen, daß er sich fast erschossen hätte; oder es wurde ein eingestelltes Jagen angerichtet.

In den ältesten Zeiten wurden in Deutschland auch zahme Hirsche, sowohl zur Hirsch- als zur Schweinsjagd gebraucht. Die Salischen, Ripuarischen, Alemannischen und Longobardischen Gesetze bestimmen für das Stehlen oder Tödten eines solchen Hirsches mancherlei Strafen und mußte oft neunfacher Ersatz geleistet werden, auch gezähmte Thiere (Hirschkühe) wurden ähnlich gebraucht. Sie waren durch bestimmte Zeichen kenntlich gemacht ( si quis cervum domesticum signum habentem etc.). Nach der gewöhnlichen Ansicht wären solche zahme Hirsche gleich dem Schießpferde beim Anbirschen gebraucht worden oder hätten in der Brunftzeit gedient durch Schreien andere Hirsche herbeizulocken; nach einer freundlichen Mittheilung des Herrn Oberforstraths Pfeil war es aber so, daß dergleichen Wild in Einfriedungen (Hagen) großgezogen und gefüttert wurde, und von da durch angebrachte Ausgänge wie das Wild eines Parks in den freien Wald gelangen konnte. Von da kehrte es dann zur Futterzeit regelmäßig an den gewohnten Platz zurück und gesellten sich, besonders in der Brunstzeit, fremde Hirsche dazu (auch Sauen folgten) und der passende Jäger erlegte dann die Gäste. Diese Ansicht hat alle Wahrscheinlichkeit für sich, denn in großen Parken, wo mehrere Futterplätze, kommt Aehnliches vor, daß nämlich das gewöhnlich sich einfindende Wild von Zeit zu Zeit fremde Gäste mitbringt.

Die Hetzjagd auf den Hirsch ist vorzüglich in Frankreich ausgebildet worden und daraus die bekannte Parforcejagd entstanden. Gewöhnlich wurde das Wort »hetzen« nicht für diese Jagd gebraucht, sondern das Wort »forciren.«

Der Vorgang bei der Parforcejagd war kurz folgender:

Nachdem der Hirsch durch den Leithund bestätigt war, wurden theils berittene Jäger, theils solche zu Fuß mit Hunden auf die sogenannten Fürlagen, Relais, vertheilt, d. h. an Orte, welche der Hirsch passiren mußte. Auf einer solchen Fürlage waren 20 bis 30 Hunde. Der Jagdherr und sein Gefolge begaben sich alsdann zu Roß an den Standort des Hirsches und vertheilten sich so, daß der ausgesprengte Hirsch von dem einen oder andern gesehen werden mußte. Darauf wurde der Hirsch von der Jägerei mit den Leithunden aufgesucht und angejagt. Sowie dieses geschehen war, ging die eigentliche Jagd mit der Meute, die manchmal bis 100 und mehr Hunde zählte, an, dann wenn der Hirsch auf die Fürlagen kam, mit den dort aufgestellten Hunden weiter und mit Reiten und Laufen, mit Waidgeschrei und Hornruf, durch Wald und Feld gings dahin oft bis in die Nacht hinein. Die Piqueurs leiteten die Jagd, die Hunde wurden öfters zum Halten gebracht, theils um andere nachkommen zu lassen oder wenn sie die Fährte verloren hatten. Man nannte das stopfen (das engl. stop). So oft der Hirsch erblickt wurde, erschallte der Ruf »Tajo«.

Zur Jagd wurden gewöhnlich ebene Holzgrunde gewählt und Durchschläge zum Reiten und Beobachten des Hirsches angebracht.

Es versteht sich, daß man des Wechselns wegen vieler Pferde bedurfte und bei größeren Jagden stieg ihre Zahl mit den für die Damen und Küchenwagen &c. auf 150 bis 200.

Den meisten Jägern galt dieses Waidwerk mehr als die concurrirende Baize, wovon unter anderen ein Gedicht von Gasse de la Bigne von 1359 Zeugniß giebt, denn, heißt es, wer einmal das Geläute der Hunde gehört hat, wird sich wohl schwerlich ein anderes Paradies wünschen, und der Ton eines Hifthorns übertrifft auch gewiß die Musik der Engel.

Der Hirsch machte häufig Wiedergänge, schwamm lange Strecken in einem Fluß hinab, gesellte sich zu andern Hirschen und war oft schwer, ihn auszumachen, aber endlich mußte er doch der Meute erliegen. Viele Hirsche wurden, besonders bei den spätern Parforcejagden, geradezu todt gejagt und waren die Hunde abgerichtet, den Hirsch nicht anzufallen, sondern nur zu treiben, damit die Jagd länger dauere. Geschah es aber, wie das oft der Fall war, daß sich der Hirsch vor den Hunden stellte, so birschte sich ein Jäger an und gab ihm den Fang mit dem Hirschfänger, oder er erhielt einen Schuß auf den Kopf. Es geschah dieses meistens in Gegenwart der ganzen Jägerei und wurde das Halali ( ha la lit) dabei geblasen:

        »Nun waren auch die Jäger kommen,
Umringten ihn mit Lärm und Schall
Zum Absang blasend mit lautem Hall.«
( Tristan und Isolde. Um 1220.)

Um dem Jagdherrn die Ehre des Abfangens oder Fällens zu lassen, wurden die Hunde oft zurückgehalten, wenn der Hirsch nicht mehr weiter konnte, und der Fürstenruf geblasen.

Das Abfangen mit dem Hirschfänger war zuweilen sehr gefährlich und viel gefährlicher als bei der Schweinsjagd. Drum hieß es auch »dem Hirsch die Bar, dem Schwein der Balbirer.« Im Altfranzöschen heißt es bei Gaston Phöbus: apres le sanglier le mire et apres le cerf la biere (mire-medecin). Gaston de Foix, genannt Phöbus, zur Zeit Karls VI. von Frankreich, ein Prinz, der 1348 die Tochter Philipps III., Königs von Navarra heirathete und 1391 zu Orthez starb. Daher wurden oft dem gestellten Hirsch die Sehnen am Sprunggelenk der hintern Läufe ( die Hessen) abgehauen, um ihn wehrlos zu machen. War der Hirsch gefällt, so wurde ihm der rechte Vorderlauf abgelöst und dem Jagdherrn als Ehrengabe überreicht. Dann folgte das Curée-Machen, schon bei Gaston de Foix (Phöbus, † 1391) unter diesem Namen erwähnt, welches darin bestand, daß man über den zerwirkten und klein zerlegten Hirsch die Decke mit dem Kopf und Geweih legte, dann die Hunde in die Nähe brachte, ihnen den Kopf zeigte und mit raschem Wegziehen der Decke den Hirsch preisgab. Auch gab man ihnen das Gescheide, Milz &c. mit dem Schweiß zum »Genieß«, oder wie die deutschen Jäger sagten, die Hunde wurden »gepfneischt.« Illustrationen zur älteren Parforcejagd finden sich bei Fouilloux »La Venerie« übersetzt von Bernhart Jobin unter dem Titel »Neu Jägerbuch« 1590, die spätere hat El. Ridinger (1756) auf vierzehn großen Kupfertafeln vortrefflich in al1en ihren Momenten dargestellt; in Immermanns»Tristan und Isolde« ist ein farbiges poetisches Bild davon gegeben (im Tristan von Gottfried von Straßburg ist die Erzählung weniger gelungen); auch das Gedicht »La chasse du Grand Seneschal de Normandye« aus dem 15. Jahrhundert gibt ein lebendiges Bild. Mehuls bekannte Jagdsymphonie hat als Tongemälde nicht ihres gleichen.

Diese Jagd forderte zur Zeit ihrer Blüthe an Studien und Uebung des Jägers weit mehr, als irgend eine andere Jagd. Es galt nicht nur einen jagdbaren Hirsch sicher anzusprechen und zu bestättigen, sondern beim Jagen auch immer an demselben zu bleiben, zu erkennen, ob die Hunde die rechte Fährte halten, oder ob sie die eines anderen Hirsches, dem die Jagd nicht vermeint war, angefallen. Das Einüben der Hunde war eine Hauptarbeit des Jägers, die Zeit dazu, welche man » Behängenszeit« nannte, war im Mai und Juni. Da wurde der Leithund In den bojarischen Gesetzen im siebten Jahrhundert kommt Spurihunt vor, womit der Leithund oder auch der Schweißhund gemeint war, denn es heißt, daß er am Seil geführt, die Fährte halte. am Hängeseil unter fleißigem und fröhlichem Zuspruch an die Waldsäume zum Aufsuchen der Fährten geführt und mußte allmählig dahin gebracht werden, eine bestimmte Fährte zu halten. Daß der Jäger diese genau kennen mußte, Vergleiche »Der Fährtegerechte Jäger« von Cl. Louis. Aschaffenburg 1853 und desselben Gypsabgüsse der Fährten. versteht sich von selbst, bei der Jagd aber auf wechselndem Boden ohne Fehler durchzukommen, war eine schwierige Aufgabe.

Die alten Jäger hatten 72 Kennzeichen des Hirsches. Winkell hat die Zahl umgekehrt und hält 27 für ausreichend. Davon sind die wichtigsten, die schon ein alter Waidspruch nennt:

Ho ho ho, mein lieber Waidmann, unveracht,
Sag' mir an: was hast du vor sieben Hauptzeichen betracht?
»Jo ho ho, mein lieber Waidmann rund,
Den Zwang und Ballen thu' ich dir kund,
Woraus der Burgstall klar sich findet,
Der Abtritt (des Grases), dessen Grüne oder Welke sich damit verbindet,
Der Schrank und der Schritt,
Die Oberrücken mit,
Hiedurch bei schnellem Fliehen,
Als auch bei sachtem Ziehen
Kann ich den edlen Hirsch erkennen
Und auch nach seiner Güte nennen.

Der Zwang oder das Zwängen entsteht dadurch, daß der Hirsch die im Tritte zusammengepreßte Erde zum Theil mit den Schalen fest an sich und rückwärts zieht. Dadurch schließen die Spitzen der Schalen fest aneinander, welches beim Thier nicht der Fall ist.

Die Ballen sind größer als beim Thier und tiefer eingedrückt.

Burgstall. So heißt die Wölbung innerhalb der Hirschfährte, die beim Thier viel weniger ausgesprochen. Diese Wölbung, nach der Länge ausgedehnt, ist auf thonigem Boden sehr deutlich zu sehen.

Der Schrank oder das Schränken besteht darin, daß die Tritte des rechten und linken Laufes nie in gerader Linie hinter einander kommen, sondern im Zickzack neben einander wie die nachfolgenden Punkte . · . · . · . · . Die Größe des Schranks wird durch die Entfernung der beiden geraden Linien von einander gemessen, welche durch die links und rechts liegenden Fährten gezogen werden können.

Schritt heißt die Entfernung einer Fährte von der nächsten. Ist der Schritt 2½ Schuh weit, so kann der Hirsch für einen Zehnender angesprochen werden.

Bei Fouilloux (Jobin) heißt es von dem Gang des Hirsches: »gehet geschrenkt wie ein voller Bawer, als wenn jr zween weren, das Wild aber geht schlechtlich.«

Oberrücken. Die Oberrücken oder Afterklauen (Geäfter) drückt der Hirsch in gutem Boden fast daumendick ein, beim Thier ist der Eindruck spitz und schmal.

Ein alter Waidspruch sagt ferner von den Kennzeichen des Hirsches:

Sag' an mein lieber Waidmann
Was hat der edle Hirsch unten und oben gethan?
»Er hat unten geblendt und oben gewendt,
Dabei hat ihn der Jäger erkennt.«

Beim Blenden tritt der Hirsch mit der hintern Schale in die vordere Fährte, so daß diese dadurch etwas länger und breiter wird. Man kann damit getäuscht werden, einen geringen Hirsch für einen starken anzusprechen.

Das Wenden heißt auch Himmelszeichen. Beim Durchziehen durch junges Laubholz wendet der Hirsch mit dem Geweih Blätter und knickt feine Aestchen. Es sind weiter noch zu bemerken

das Fädlein, ist der dünne Erdstreifen, der sich durch den Zwang der Schalen in die Höhe drückt, beim Thier ist er breiter als beim Hirsch.

Das Insiegel, hohe Insiegel. Dieses Zeichen besteht in dem durch die Schalen auf thonigem Boden gerissenen Klumpen.

Das Schlagen und Fegen, auch Himmelsspur genannt, ist ein untrügliches Zeichen des Hirsches. Der Hirsch wählt sich dazu junge Bäume und schlägt mit dem Geweih daran die Rinde ab. Je stärker der Hirsch, an desto stärkeren Holzstangen fegt er und desto höher hinauf sieht man die Rinde geschunden.

Die Losung, das Gloß, erfordert ein besonderes Studium, da sie zu verschiedenen Jahreszeiten verschieden geformt erscheint. Die alten Jäger mußten die Losung nach Hause bringen und wurde dieselbe dem fürstlichen Jagdherrn als ein Zeichen des bestätigten Hirsches präsentirt. Wie dabei die Anzeige geschehen soll, gibt B. Jobin an:

Vom Herren mein anzeig zu thun hinein ich tritt,
Mit vorgehender Reverentz so ist mein bitt,
Daß jedermann schweig, und leg auff den tisch als stoltz,
Das gloß auf grünen blettern bring auß dem g'holtz,
Sprich gnedigster Herr ein Hirsch von zehen enden,
Welchen ich bestetet, vnd gewiß weiß zu finden,
Sein gloß ist lenglecht dick schleimig vnd eckecht,
Zeigt an das Wildpret vnd ist dabei auch safftecht,
Da dann sein Gnad auch ferners sollt befragen;
Was vnd welcher Gestalt der Hirsch sein Gehirn thut tragen,
Antwort dann fluck auff der vorsuch gnedigster Herr,
Mein Laithund verfieng die fart eines Hirsch von ferr,
Faßt ihn kurtz, alßbald vnd folgt jhm strack nach,
Den Hirsch fand ich auff dem geäß vnd war mir gach,
Sein Ghirn ist wie eine offne Hand vnd war mir wirsch,
Nach ihm, war braun vnd ein zehen endiger Hirsch,
Die Stang dick rund vnd groß bey dem Kopff vnden,
Sehr rauch Perlen gleich, braun breit vnd wol erzogen,
Nach dem ich dann diß gut Zeichen bfand gab acht,
Im ab vnd wider zug sein zugang wol betracht,
Im Heimgang zum stand, nam für mich sein vorfart,
Umbzog, fürschlug kraißt ein fürgriff mein Hund riß hart.
Fiel in die Fährt verfieng sehr wol zog ab von Holtz,
Merkt den Stand verprach nider hoch fand Hirsch groß stoltz,
Der mein allein blieb in seinem stand (fragt er dan
Wie die fart beschaffen, so sag vnd lieg (lüg) nichts dran)
Er hab die fast lang vnd stark vnd auch die ballen,
Groß breit den Klawen gesperrt darzu hole schalen,
Mutig, keck auffrecht, sey noch kurzkegelt darzu,
Der Hirsch laufft wol, macht Hund vnd Jäger groß vnruh. –

Man sieht mit welchem Fleiß das Bestätigen des Hirsches vorgenommen wurde.

Auch den Jägerinnen jener Zeit wurden die Hirschlosungen zur Augenweide vorgelegt, wie ein Gedicht aus dem 15. Jahrhundert, La chasse du Seneschal de Normandye, Le livre de la chasse du Grand Seneschal de Normandye et les Ditz du bon chien Souillard, publié par le Baron Jérôme Pichon. A Paris. chez Auguste Aubry. 1858. besagt, wo der Seneschal der gefeyerten Anna von Beaujeu die Losung eines Achtzehnenders präsentirt. Es heißt (z. Thl. sehr naiv):

»Quant je vins pour mon rapport faire
La trouvay à table assise,
Lors me vit et fit chacun taire,
Car désir de chasser l'atise;
Des fumées
(Losungen) eut en maintes guises
Sur la table et de lieux divers – –
En la saluant humblement
Mes fumées lui presentay:
Elle me respond doulcement:
Et à vous! dont me contentay.«

Wie der Leithund, mußte auch der Schweißhund gezogen und geübt werden, er heißt im 15. Jahrhundert oft Bluthund, Pluthund. Mit den Wind- und Parforce-Hunden war es ähnlich und mußten diese vorzüglich auf die Hornrufe exercirt und geeignete Jagden mit ihnen angestellt werden.

Auf gute Hunde wurde natürlich Alles gehalten, man ließ sie weither um theures Geld kommen, sie bildeten den Gegenstand werthvoller Geschenke der Fürsten und ihre Unterhaltung und Beaufsichtigung kostete große Summen. Berühmt waren in Frankreich zu Ende des 13. bis in's 16. Jahrhundert die sogenannten grauen Hunde und die Abkömmlinge des Hundes Souillard oder die Hunde der weißen Race, Baulx Auch baulds geschrieben. Soll vom italienischen boldo, kühn, stolz, herkommen. Greffiers hießen sie, weil die Stammhündin der Race einem Kanzellisten Ludwigs XII. angehört hatte. In einer Uebersetzung von Fouilloux von 1590 heißt es:

»Sanct Hubert von Gottesforcht,
Souillard sein Hund ihm wohl gehorcht,
Aller guten Hund Vater ist
Wol gearbait zu aller frist.«

oder Greffiers genannt, dann die alten schwarzen Hunde der Abtei St. Hubert in den Ardennen; in Deutschland später die englischen Hunde. Die genannten grauen Hunde waren von Ludwig dem Heiligen aus dem Orient von seinem ersten Kreuzzug mitgebracht worden (um 1254). Es wurde von ihnen behauptet, daß sie niemals von der sogenannten Wuth befallen würden, im gewöhnlichen Sinne des Wortes waren sie aber die wüthendsten Hetzer und auf der Hirschjagd glich eine Meute derselben einem Rudel rasender Wölfe.

Es existiren mehrere französische Gedichte, Le Livre de la chasse du Grand Seneschal etc. welche ausgezeichnete Hunde Ludwigs XI. und Ludwigs XII. besingen. So von den Hunden Soulliart, Basque und Bon Relay, die alle selbstredend eingeführt sind und ihre guten Eigenschaften und Thaten hervorheben, auch den Wunsch aussprechen, Gott möge ihren Herrn das Paradies verleihen. Unter anderem äußert Relay daß Ludwig XII. selbst dessen Biographie geschrieben

Car ma vie est par lui escrite et redigée,
Dont ma race à jamais luy demeure obligée.
Courage aussi donnoit à mes posterieurs
D'estre bons comme moy, ou estre encore meilleurs.«

Am Schlusse heißt es in Beziehung auf den König

»Digne estoit d'un tel chien, moy heureux d'un tel maistre!«

Die Hunde der weißen Race standen in Ansehen bis in's 17. Jahrhundert und Robert de Salnove, der unter Ludwig XIII. jagte, erzählt wie diese Hunde den angejagten Hirsch vier und fünf Stunden jagten und denselben unter fünf- bis sechshundert andern Hirschen, unter welche er sich nach und nach während der Jagd mischte, immer wieder herausfanden und nicht nachließen, selbst wenn die Jäger sie irrigerweise von der Fährte, die sie verfolgten, abbringen wollten.

Gaston de Foix hatte eine Meute von 14–16 Hundert Hunden, die deutschen Parforce-Jagden waren nicht so übertrieben ausgestattet, Döbel führt 460 Hunde der Anhalt Dessau'schen Jagd an und 155 der königlich polnischen und churfürstlich sächsischen Jagd.

Mit der besprochenen Jagd kam auch die französische Ansprache der Hunde nach Deutschland herüber und dem braven Döbel wie anderen Jägern des Landes zum Aerger mußte nun ein modischer Besuchsknecht statt »recht so, Gesellmann« ein mechanisch eingelerntes »Ami, tu dis vrai« sagen und erklangen die deutschen Wälder vom ungewohnten Kauderwelsch. Französische Piqueurs, die man kommen ließ, machten sich wichtig mit ihrer Jägerei und führten das Wort, die Hornrufe wurden französisch benannt, Lancé, Vue, Retour etc. die Namen der Hunde waren französisch &c.

Hier einige solcher üblichen Namen: Aimable, Amant, Ami, Charmante, Flottante, Humaine, Coquette, Brunette, Blondine, Comte, Comtesse, Duc, Duchesse, Marquis, Marquise, Lady, Madame &c.

Auch aus der Mythologie wurden sie oft genommen: Apollo, Jupiter, Diana, Mars, Pluto &c. Namen der Jagdhunde in Frankreich im dreizehnten Jahrhundert waren: Brisegaus, Frisaus, Liépart, Tisson, Cortin, Hector, Cloëte, Brachine, Violette, Fauve, Gete-rose, Primevaire, Pinçonete etc.; die Namen ausgezeichneter Nachkommen des berühmten Hundes Souillard im Besitz der Anna von Beaujeu (um 1470) waren; Cleraut, Jombard, Miraud, Meigret, Marteau und Hoise de la bonne Lyce.

Die altdeutschen Namen der Leithunde waren: Söllmann (Gesellmann) und Heila (Hela), auch Weckauf, Klopfan, Sultan &c. kommen vor.

Schon Ludwig XI. wird als großer Parforcejäger genannt und unter Karl VI. († 1419) glänzte der Graf Gaston de Foix, der unter dem Namen Phebus (Phöbus) über die Jagd und besonders über die Parforcejagd schrieb, als einer der berühmtesten Jäger seiner Zeit. Er preist diese Jagd, die dem Jäger zum Himmel verhelfe, denn wenn er den gehetzten Hirsch erblicke, und die jagenden Hunde, wenn er schreie und in's Horn stoße aus Leibeskräften, so denke er an keine Sünde und nichts Böses – et puit quat tous ses chiens serot devat il se mettra a chevaucher sur la meute apres ses chiens et huera et cornera de la plus forte et grat alaine quil ne pense a nul autre peche ne mal.

Franz I. († 1547), Heinrich II. († 1559) und dessen berühmte und berüchtigte Gemahlin Katharina von Medicis huldigten der Parforcejagd und letztere ritt auf einem Männersattel mit, ohngeachtet sie mehrmals abgeworfen wurde. Die sogenannte petite bande des dames, eine auserwählte Schaar schöner junger Damen an dem lüderlichen Hofe des Königs fand sich auch bei diesen Jagden ein. (Brantome). Wie Katharina jagte auch Maria von Medicis mit ihren Damen zu Fontainebleau und hatte 4–500 Edelleute dabei im Gefolge. Karl IX., Katharinas Sohn, schrieb ein berühmt gewordenes Werk über die Hirschjagd: »La chasse royale,« zuerst publicirt 1625 (neue Ausgabe von Henri Chevreul, Paris 1857) worin er namentlich die Angaben des Aristoteles einer Prüfung und Kritik unterwirft. Von ihm wird in einem Gedichte von François d'Amboise gerühmt, daß er einen Hirsch ohne Hunde forcirt und erlegt habe.

Heinrich IV. († 1610) forcirte oft an einem Tage 5–6 Hirsche. Die Liebe des Franzosen zu Glanz und Luxus zeigte sich auch hier, denn Ludwig XIV. hielt 1671 zu Chantilly eine Parforcejagd bei der Nacht, wo der Wald von Lampen und Fackeln erhellt war und in dem Glanz ebenfalls schöne Damen funkelten, ein Fest, welches ein Prinz von Condé später ebenda in ähnlicher Weise wiederholte. Interessant sind aus jener Zeit die Briefe der churpfälzischen Prinzessin Elisabeth Charlotte, Herausgegeben von Wolfgang Menzel. Herzogin von Orleans, an die Raugräfin Louise zu Pfalz. Die Prinzessin war eine eifrige Jägerin. Sie schreibt von Marly 1709 – Ist es möglich, daß Ihr liebe Louise nie Keine parforce jat gesehen habt, Ich habe gewiß mehr alß tausendt hirsch fangen sehen, habe auch manchen braffen fall Im jagen gethan, In 26 mahl daß Ich gefallen bin, habe ich mich Nur Ein Eintzig mahl wehe gethan.

1710 schreibt sie ebenfalls von Marly – – wie wir alle die st hubert celebrirten undt schon Einen hirsch gefangen hatten, undt den andern renten, sehe Ich Einen daher renen der stürzt mitt dem pferde, Ich meinte Erst Es were Ein piqueur sahe wohl daß Er sehr blessirt war, den er hatte Mühe auffzustehen wie Man Ihm auffhilfft undt Ich Ihn ins gesicht sehe war Es mein sohn denkt wie mir Zu Muht war Ich Nahm Ihn In Mein calesch &c. – Sie hat die Jagden theils zu Pferde theils in einer kleinen Calesche mitgemacht. Davon schreibt sie (Marly am 6. Mai 1702) – Kame Ich Eben Von der jagt mitt I. M. dem König, die jacht war perfect schön, der König hat kleine Calesche und kleine pferdtger, die renen aber so stark daß man allzeit bei den hunden ist – die jagt wehrte Nur anderthalb stundte undt die hunde Ersoffen den hirsch allernegst hier bei in Einem weyer, Es war recht schön alle die Hunde mitt dem hirsch Ins wasser zu sehen alle die leutte magnifick gekleydt so drumb herumb wahren undt alle die jager so auff den jagts hörner sehr woll blaßen, Es war Ein recht specktackel.

In einem Briefe von 1714 heißt es – Vergangen Donnerstag fung man Einen hirsch der Ein wenig böß war Ein Edelmann stieg auff den felßen hinter dem hirsch undt gab Ihm Einen hieb In den schenkel, da könnte Er den Kopff nicht mehr bücken war also ohne gefahr. hinter meiner Calesch war eine Calesch mitt 3 geistliche, der Ertzbischoff von Lyon undt 2 abte, welche das jagen nicht gewont sein die wie der hirsch sich Ihnen Nur wieß sprangen 2 auß der Calesch undt Versteckten sich hinter der Calesch plat auff dem boden Es ist mir leydt daß Ich dieße scene nicht gesehen habe, hette mich braff lachen machen den wir ander alten jäger scheuen die hirsche nicht so sehr

Unter Ludwig XV. ereignete sich auf einer Parforcejagd am St. Hubertustag zu Rambouillet der seltene Fall, daß drei von verschiedenen Meuten gejagte Hirsche in einem Weiher, genannt l'etang de Hollande, zum Halali zusammenkamen, der eine von der Meute des Königs, ein zweiter von der des Fürsten von Conti und der dritte von der Meute des Fürsten d'Ombre. – Die Jäger in glänzenden Uniformen von den verschiedenen Farben ihrer Herrn, die Menge der Pferde und Hunde, die dreifach besetzten Fanfaren &c., das ganze Schauspiel eines solchen Zusammentreffens muß wohl einzig in seiner Art gewesen sein. J. La Vallée. La Chasse à courre en France, pag. 304.

Um die Zeit Ludwigs XIV. kam die französische Parforcejagd nach Deutschland Im weiß Kunig vom Anfang des 16. Jahrhundert heißt es übrigens schon vom Kaiser Maximilian, daß er von »Newem« das »fortz vnd parckgejagt« auf den Hirsch aufgebracht habe. und wurde in Hannover, Preußen, Sachsen, Bayern, Würtemberg, Hessen &c. eingeführt.

Sie dauerte bis zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts; 1811 hielt der Großherzog Karl August von Weimar noch eine Hirschparforcejagd. Gegenwärtig besteht zu Pardubitz in Böhmen eine Parforcejagd-Gesellschaft, welche sich 1840 constituirt hat und die Fürsten Trautmannsdorf, Auersperg, Taxis, Windischgrätz &c. zu Mitgliedern zählt. Es wurden im Herbst 1857 – 24 Jagden gehalten um Nemoschitz, Kolodej, Sesemitz &c., die letzte am 6. December. Diese soll ziemlich anstrengend gewesen seyn, der Hirsch ging fünfmal durch die Elbe und ward erst fünf Meilen von Pardubitz bei einbrechendem Dunkel gefangen. Hugo's Jagdzeitung. Die Jagdkleidung ist die englische mit dem rothen Rock. Zur Zeit des Gaston Phöbus war, wie man aus einer illustrirten Handschrift ersieht, die Jagdkleidung nicht uniform sondern namentlich in den Farben sehr verschieden, blau, roth, braun &c. Im alten Glanze, wenigstens äußerlich und was das Ceremoniel betrifft, sind die Hirschparforcejagden in Frankreich in den kaiserlichen Parken wiederhergestellt.

Vor der letzten Hälfte des 17. Jahrhunderts, wo man in Deutschland, wie oben gesagt wurde, auch Hetzjagden zu Pferde hielt und dabei die Jagdhörner gebrauchte, war das Todthetzen der französischen Parforcejagd ohne Schuß oder wie absichtlich geschah nur mit einem nicht tödtlichen, bloß damit die Hunde etwas Rothfährte hatten, nicht bekannt.

Man nannte einen solchen Schuß einen Hetzschuß, mit welchem auch Hunde auf ihre Tüchtigkeit probirt wurden. Ein Bericht eines hessendarmstädtischen Jagdbeamten, welchen Landau mittheilt, giebt ein Bild, wie es noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts damit gehalten wurde. Dieser Bericht ist so charakteristisch, daß ich ihn ausführlich wiedergebe:

»Ihre Hochfürstl. Durchl. zu Hessen-Darmstadt committirten mir, eine Raiße nacher Wien zu thun, alwo an Ihre Kayserl. Majestät, als auch Ihre Königliche Hoheit dem Prinz Carl und Ihr Durchl. dem Fürst Wensell von Lichtenstein, von unterschiedenen Sorten gute Hunde bringen mußte. Ich tratte hierzu, nachdem ich allhier von Smo. völlig expedirt worden, den 19. Juli 1748 meine Raiße mit einem Jungen, 9 Stück Hunde, und einem Pferde im Namen des Herrn an. Meine Raiße zu Land bis nacher Ulm ging glücklich von statten.

In Ulm verkaufte mein Pferd und raisete zu Wasser, dem Höchsten seye gedanket, glücklich bis nacher Wien; des Morgens um 10 Uhr komme ich alda an, da es dann sogleich dem Fürsten Lichtenstein ohne mein Wissen gemeldet worden, so bekame sogleich die ordre, daß mich dahin verfügen solte. Es geschahe solches und es wurden, als ich meine Commission bei Hochdemselben abgelegt, alsobalden die Hunde nebst meiner ganßen equibagen in dessen Behausung gebracht. Dieser Herr hatte eine ungemeine Freyde darüber und raiseten alsbalden von da ab nacher Schönbrunn; sobalde es nun Ihro Majestät dem Kaiser gemeldet worden, so wurden sogleich ordre ausgestellt, mich nebst meinen Hunden abzuholen; punct 12 Uhr des Mittags kamen etl. Kutschen benebst denen ordre, ich solte sogleich mit allem was von lebhafften Creaturen bei mir hätte, auf Schönbrunn fahren, als nun vor dem Schloßhoff ausgestiegen, und ließ meine Hunde einen jeden apart hinter mir herführen ( NB. Hierzu wurden mir Leuthe gegeben) so stunden Ihre Majestät der Kaiser und viele hohe Personen auf der äusseren Gallery, und sahen mich von weitem kommen, als nun in die Nähe kamen, rufften Ihre Majestät selbsten mir gnädigst zu, ich sollte mit allen Hunden hienauff auf den Saal kommen; ich wurde sogleich zu Ihro Majestät dem Kayser geführet, da dann meine DCommission mit spanischen Complimenten abgelegt, so mußte einen Hund nach dem andern vor Hochdieselben führen, auch explication thun, kurtzum es war Hochdieselben über die Hunde dergestalt condentiret, daß Sie die allergnädigste expressionen darüber ausdrückten.

Ich bekame demnach vor Hochdenenselben die gnädigste ordre, daß mich den anderen Tag alsobalden darauf schicken sollte, vor Ihre Majestät die Prob, sowohl mit denen Schweis Hunden als auch Saufinder zu machen; ob ich nun schond mir solches abbitten wolte, und zwar um deßwegen, weilen die Hunde von der Raiß noch ermüdet wären, so halff es nichts, den andern Tag mußte ich mit 2 Kutschen hinausfahren und zwar auf ein Forsthauß, alwo der Kayser die Hallstatt benennten. Es ware des Nachmittags um 3 Uhr und bin keine ½ Stunde dagewesen, da kamen alle Herrschafften, und wohl über 80 bis 90 Personen dahin, ich mußte sogleich zu Sr. Kaiserl. Majestät, alwo nochmahlen befragt worden, ob ich getraute die prob mit meinen Hunden so zu machen, wie ich gestern versicherte, ich antwortete ja, und ich wünschte mir hierzu nichts anders, als nur Gelegenheit; Se. Majestät setzten sich zu Pferd und mir wurde ebenfalls ein Pferd gebracht und mußte auf speciellen Befehl gleich hinter dem Kayser reiten. Es fragten mich Hochdieselben im Wegreiten, wie ich einen Hirsch zum Hetzen geschossen haben wollte, ich stellte Ihro Majestät solches in gnädigste disposition und erwähnte, weilen Ihro Majestät ein guter Jäger sind, so durffte mir solches nicht erstl. schoisiren. Als wir nun weiter kamen und eine weile verstrichen, so kamen Hirsch zum Vorschein, Ihro Majestät blieben auf dem Pferd sitzen und gaben dem Hirsch einen Hätz-Schuß; ob nun zwar schon I. M. der Kayser, als Sie solches sahen, sehr hitzig gewesen, so hatte meine Ehre hierbei zu retten, mir die Freyheit nehmen müssen und zu sprechen, es seye nicht Stili bei unß einen guten Schweis Hund auf den heisen Schweis zu hetzen, Sie nahmen solches gnädigst an, worüber denn eine weitläuffte explication thun muste; und weilen nun dabei gewahr wurde, daß der Fürst Auersperg Durchl. und Fürst Lichtenstein mir darüber zu blickten, so wurde dadurch versichert, daß es vor genehm gehalten wurde, Ihro Majestät beliebten mir auf die letzt zu sagen, und zwar mit dieser expression, diese ganße Jagd solte allein von mir depentiren, und Sie wollten von mir provitiren und wann die Hunde solten auf dem verwunten Hirsch gearbeitet werden, solte ich es nur sagen; I. M. ritten noch eine halbe Stunde herum und schussen ein Stück Wild, welches gleich liegen bliebe, da sie nun über den guten Schuß mit Verwunderung fertig gewesen, so tratte hinzu, und fragte unterthänigst an, ob Ihro Majestät gnädigst befehlen, die Schweis-Hunde zu probiren, weil es nun Zeit dazu seye. – Ich kann dabei versichern, daß es nun an dem ware, daß meine Ehre oder Schande in denen Wagschalen lagen, und mußte also gewärtiget seyn (absonderlich da es mit nichts anders, als mit unvernünftigen Creaturen herausbringen mußte) sowie solches ablaufen durfte, allein Gott Lob, es ginge gut von statten. Ich mußte voraus reiten, und alle hohe Herrschaften kamen dahin, wo der Hirsch angeschossen worden. Ich nehme meinen einen Schweis-Hund an den Hetzrühmen und ginge Hochdenenselben bis dahin entgägen, da dann sogleich von Ihro Majestät befohlen worden, alle Herrschaften alda halten zu bleiben, und Niemand vom Pferd abzusteigen, Hochdieselben bemühten sich mit mir zu Fuß zu gehen und Sie sprachen ferner zu mir, jetzo solte meinen Hund arbeiten, wie wir es zu Darmstadt tractiren und ich solte nicht thun, als wann I. M. bei mir wären; ich thate also und setzte den Hund auf die Fährt; mein Zuspruch gefiel dem Kayser ganz ungemein und Sie gingen mit mir allein bei dieser Arbeit über 1000 Schritt. Es kame nun endlich daß der angeschossene Hirsch völlig aufhörte zu schweisen, und konnte man nicht mehr, ohne einen rechten firmen Hund sähen, ob wir noch an dem kranken Hirsch wären. Als ich nun gewahr wurde daß I. M. wollten anfangen zweyfellhaft daran zu werden, so sprach dem Hund erstl. zu und darauf ließ ihn zeigen, sobalden der Kayser dieß gewahr wurde, so fragten Sie, was das seye, ich that meine kürtzliche Explication und sagte, es seye dieses die Versicherung, daß wir noch an dem geschossenen Hirsch wären, auch die Firmität von einem guten Hund; solches gefiele I. M. über die massen, Sie nahmen mir den Hund hierauf aus der Hand und arbeiteten solchen nach meiner Arth; als Sie nun den Hund unterschiedenemahl auch zeigen ließen, so funden Hochdieselben vor des Hundes Naas etliche Tropfen Schweis; dieses ware eine ungemeine Freude und der Hund wurde über 10mal von Hochdenselben gekupt. Unser nach Henken auf dem Schweis wurde über eine starke halbe Stunde, endlich hörete der Hirsch vor unß in dicken Rohr &c. losbrechen. I. M. hörten selbsten und sprach ob S. M. den angeschossenen Hirsch wiederum Vortheil lassen wolten, damit wir solchen mit diesem Hund nocheinmal sprengen könnten oder ob Sie solchen hätzen wolten; es sprachen Hochdieselben, nein, dieser Hund hat Ehre genug an dem Rühmen gemacht und wann ich glaubte, daß er an dem verwundeten Hirsch anhielte, so wolte er ihn dran lassen, ich gabe darauf unterthänigst die Versicherung, daß der Hund nichts anders, als seinen verwundeten Hirsch jagen, auch daran halten würde. Hierauf ließen I. M. den Hund selbsten loos, und schrien Pferd her. Der Hund wurde alsobalden an dem Hirsch laut, und die ganze Suite jagten dem Hund nach. Ich machte mich mit dem Kayser voraus, und der Hund kam mit dem Hirsch bei dem Kayser vorbey und fiel in die Donau, der Hund hinter ihm drein, und ereilete solchen an dem im Wasser, der Hirsch trauete sich in völligen Strom um deßwillen nicht zu wagen, weilen solchem der Kayl entzwey geschossen ware, weßhalbe er eine kleine tour in dem Wasser macht, und stiege endlich an dem Uffer, alwo der Kayser gehalten, wiederum hinaus. Es liesen Hochdieselben den Hirsch mit allem Fleiß lauffen, um die prob recht mit dem Hund zu machen, weßhalben die Jagd wiederum anginge, und zwar so lang, bis der Hirsch vor dem Hund stehen mußte, da dann I. M. mit mir dahin ritten, und schussen dem Hirsch auf den Kopf. Es rufften und wuchseten (winkten) Hochdieselben denen übrigen von der Suite hefftig zu, und als sie beisammen gewesen, wurde von Hochdenenselben die Firmität und gute Arbeit dieses Hundes mit vielen Lobreden erzehlt; I. M. trugen den Hund selbst von dem todten Hirsch ab und es wurde derselbe von allen hohen Herrschaften admitiret.

Als nun das weitere vorgenommen werden sollte, so mußte ich mit dem kleinen Saufinder herbey; I. M. beliebten ein Stückwegs mit mir zu reithen, und wissen mir einen District, wo mit denen Hunden durchsuchen solte. Es verfügten sich Allerhöchstdieselben auf eine Alee und wollten alda zusehen, was die Sau-Finder jagden. Ob nun zwar sehr wenige Sauen in dieser revier gewesen, wohl aber viel Wildpreth und Hirsch, so ist mir dabei nicht zum Besten gewesen, allein es ginge sehr gut von Statten, ich suchte etwa eine halbe Stunde, so kamen die Hunde auf Sau und bellen auf das schönste. – Ich machte mich sogleich hin, um zu sehen was es vor Sau sind und ich sahe ein Schwein nebst einer Bache mit 4 Frischling; ich verfügte mich sogleich dahin wo der Kayser hielte und berichtede also. Dieses war Hochdenselben noch die allergrößeste Freyde und Sie sprachen: dieses hiesen Saufinder. Es wolten Hochdieselben sogleich mit mir hinein und wolten vor denen Hunden schiessen (denn die Sau blieben stehen) allein weilen es wegen dem Schwein gefährlich vor solchen großen Monarchen gewesen, so habe es wiederrathen, dahingegen der Prinz Carl sich sogleich erbethen, mit mir hinein zu gehen, um die Sauen über die Alee zu jagen, wo der Kayser gestunden. Es geschahe dieses also, es konnte aber wegen der Hunde niemand schiesen, aus Furcht einer getroffen zu werden. Weilen ich aber meinen Hunden folgen muste, und der Abend darüber angekommen, schickten I. M. und liessen mir durch Hr. Oberjägermeister sagen, ich möchte zu sehen, daß mir die Hunde wiederum bekommen möchte, es wären Hochdieselben mit meiner prob vollkommen zufrieden &c.« (Beim Abschied erhielt der Jäger vom Kaiser 150 Kremnitzer Dukaten, vom Fürst Lichtenstein 50 dergl. &c.).

Die Parforcejagd erfordert gewiß Muth und Geschicklichkeit im Reiten, es wird aber das Vergnügen, man mag sagen was man will, nur mit einer widerlichen Quälerei des edlen Hirsches erkauft. Dem ächten Waidwerk selbst hat sie viel geschadet, denn das rücksichtslose Getummel über Feld und Flur, wie es oft genug und fast zu jeder Jahreszeit vorkam, mußte nothwendig eine Erbitterung gegen das Jagen überhaupt hervorrufen, und diese hat sich auch, nachdem dergleichen Forciren aufgehört oder auf Parke beschränkt wurde, noch erhalten und fortgepflanzt.

Es dauerte je nach der Oertlichkeit und Jahreszeit manchmal lange, bis der Hirsch halali gejagt war und oft mußte die Jagd der Nacht wegen unterbrochen werden und wurde dann am folgenden Tage wieder fortgesetzt. – In den Jahren 1712, 1713 und 1714 wurden vom Landgraf Ernst Ludwig von Hessen 124 Hirsche halali gejagt. Die im Frühjahre forcirten erlagen nach 3–4 Stunden, im Herbst hielten sie bis 5 und 5½ Stunden aus.

Manches Pferd wurde dabei zu todt geritten; ein Fürst von Anhalt-Dessau soll einmal bei einer Jagd, die 10 Meilen weit ging, sogar acht Pferde todt geritten haben; die Hälfte kann man also wohl sicher annehmen.

Im Dessau'schen wurde überhaupt scharf gejagt. Der Fürst Leopold (1746) jagte öfters mit einer Meute von 140 bis 150 Hunden und wurden dergleichen keine auf Relais gestellt, sondern die ganze Meute gleich auf den Hirsch angelegt und mußte bis zum Fange aushalten. Von einem anhalt-dessauischen Prinzen Dietrich führt Döbel an, daß er in etlichen Jahren zweimal mit seiner Jagd gewechselt und die Hunde umgearbeitet habe, da sie zuerst Füchse Parforce jagten, dann Rehböcke und dann Damhirsche. Der Fürst Leopold jagte auch mit 40 seiner Hunde in Preußen etliche Elennhirsche und sogar einen Bären Parforce.

Eine besondere Berühmtheit hatten damals die Parforcejagden des Fürsten Victor Friedrich von Anhalt-Bernburg, welche in den Gebirgsgründen des Harzes zwischen Ballenstädt, Harzgerode, Güntersberg und Gernrode stattfanden. Das Reiten war da sehr gefährlich und mußten die Pferde oft über die Berghänge hinuntergeführt werden. Es wurden vom August bis Hubertustag öfters 30–40 Hirsche forcirt.

Der Markgraf Alexander von Ansbach, wo die Parforcejagd 1763 neu errichtet wurde und bis 1791 dauerte, jagte von Anfang August bis St. Hubertustag im November wöchentlich zweimal mit 50–60 englischen Hunden. Es wurden 25–30 Hirsche gefangen.

Zu Kornburg, Landgerichts Schwabach, steht eine Denksäule mit einem Hirsch und mit der Inschrift:

»Der durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Wilhelm Friedrich, Markgraf zu Brandenburg, Herzog in Preußen, auch zu Mecklenburg, Burggraf zu Nürnberg, haben einen Hirsch von 10 Enden auf der paar(!)force Jagd bei Weidersdorf angejagd und solchen durch Regelsbacher Wildfuhr oberhalbs Reichelsdorf durch die Redniz, dann durch Kornburger, Megeldorfer und Fischbacher Wildfuhr, von dannen wieder zurück bis Kornburg in den Flecken forcirt und auf diesem Platz nach 3¼ Stund mit 40 Hunden erlegt. – So geschehen den 3 ten  November 1712.« – Diese Jagd ging durch sieben Forstreviere nach jetziger Eintheilung und betrug der Weg bis gegen 10 Stunden Länge. – Bürgers Lied vom wilden Jäger zeichnet die damaligen Verhältnisse. – Der erwähnte Markgraf war als Jagdtyrann besonders verrufen.

Oft wurden die Hirsche mit Netzen eingefangen und in die Parke transportirt, um da bequemer parforce gejagt werden zu können. Von diesen Jagden in Bayern wird später noch die Rede seyn.

Die Leidenschaft, mit der damals und in früherer Zeit die Hirschjagd getrieben wurde, erhellt auch aus der ohne alle Rücksicht geübten Wildhege, die oft solche Verwüstungen in den Feldern zur Folge hatte, daß z. B. 1580 in Franken ernstliche Händel darüber entstanden. Es wurde von Nürnberg, Bamberg, Würzburg &c. eine Deputation an den Kaiser geschickt, der dann die fränkischen Herren und namentlich den Markgrafen von Brandenburg ernstlich auf ihr alleiniges Eigenthum und Grund und Boden verwies und gebot, daß Niemand verwehrt werden solle, sein Eigenthum mit Zäunen, Hunden &c. vor dem Wilde zu wahren. Die Gemeinden trieben es auch oft auf's Aeußerste, so daß sie die Wälder anzündeten, um das Wild zu verderben, wie in Hessen und anderwärts im 16. und 17. Jahrhundert mehrmals vorgekommen ist.

Der Wilddiebstahl wurde natürlich auf's strengste geahndet. Die Geldstrafen waren unter Churfürst in Brandenburg Friedrich III.: Für einen Hirsch 500 Thaler, Stück Wild 400 Thaler, ein hauend Schwein 400 Thaler, ein Reh 100 Thaler, für einen Hasen und alles größere Federwild 50 Thaler, Reiher, Gans &c. 40 Thaler &c., »welches an einigen Orten noch mehr geschärfet ist,« heißt es in Groß »Begriff der edlen Jägerei« von 1730. Landesverweisung und Ausstäuben, Abhauen der rechten Hand, Blenden, Hinrichtung mit Strang und Schwert &c. Vgl. den Artikel »Schweinsjagd.« sind in den betreffenden Mandaten bis in's 18. Jahrhundert als Strafen bestimmt und bei geringeren wurde oft die Art des Frevels durch das Zeichen des Hirschgeweihs hervorgehoben.

In Hessen brannte man 1562 einem Wildschützen ein Hirschhorn auf die Wange oder auf die Stirne, im Ansbach'schen kommt dieses Brennen auf die Stirne ebenfalls vor um 1586 und 1587 und 1601; der Wilddieb mußte bei einer öffentlichen Arbeit ein mit einer Kette befestigtes 20–25 Pfund schweres eisernes Hirschgeweih tragen &c.

Die Erzählungen vom Binden auf einen lebendigen Hirsch à la Mazeppa sind weniger beglaubigt. Ich habe nichts weiter darüber finden können, als was Stiesser in seiner Jagdgeschichte doch als nicht verbürgt anführt. Es heißt in der Einleitung der Historie des Churfürstenthums Sachsen: »Unter Mauritii Regierung ist einem Bauren, welcher eine geraume Zeit in der Stille viel Wild geschossen, eine besondere Strafe widerfahren. Denn dieser wurde, andern zum Schrecken, auf einen lebendigen Hirsch zwischen die Geweihe gebunden, darauf hetzte man den Hirsch mit Hunden hinaus in die Wildniß, daß also dieser elende Mensch von Bäumen und Hecken jämmerlich zerfleischt worden.« Auch soll man i. J. 1666 im Mai in der Wetterau in einem Kornacker einen Hirsch angetroffen haben, worauf ein Mensch mit zerrissenen Kleidern und zerfleischtem Leibe geschmiedet gewesen und um Hilfe gerufen habe &c. Aehnliche tyrannische Rohheiten werden mehr berichtet, von Vielen aber als bloße Erfindungen angesehen. So unter andern, daß der Erzbischof Michael von Khienburg zu Salzburg i. J. 1560 »einen armen Mann, der einen Hirschen, so ihme zu Schaden gangen, niedergemacht und mit den Seinigen gegessen, in die Hirschhaut stecken, auf dem Markt jagen und von den Hunden zerreissen (ließ), darauf er aber des andern Tages, auf der Jagd, vom Pferd durch eine jähe Krankheit gefallen und umkommen ist.« Pfeffinger Vitriar. illustr. III. das westphäl. Jagdrecht v. I. S. Seibertz. Arnsberg 1852. p. 42. Dükher in seiner Salzburger Chronik von 1666 widerspricht dieser Erzählung und sagt, daß sie »besorglich die Ketzer, welche er (der Bischof) auszutreiben gedacht war, geschmidt haben möchten.« Nach seiner Angabe ist der Bischof vom Schlag gerührt worden, als er von der Schweinshatz, zu der ihn Herzog Albrecht in Bayern nach Geisenfeld eingeladen, heimkehren wollte.

In der Geschichte der alten fränkischen Könige wird Folgendes erzählt. Auf einer Jagd, welche König Guntram in den Vogesen hielt, fand er Spuren eines getödteten Auerochsen ( bubuli), und als er von dem Aufseher des Waldes zu wissen verlangte, wer sich unterstanden habe, das Thier im königlichen Walde zu erlegen, nannte derselbe den Chundo, den Kammerdiener des Königs. Dieser wurde auf Befehl des Königs sofort ergriffen und in Fesseln gelegt. Dem Aufseher gegenüber gestellt, läugnete er jedoch die That, weßhalb der König auf Zweikampf zwischen beiden erkannte. Der Kämmerer stellte für sich seinen Neffen, der die Lanze nach dem Waldaufseher werfend, dessen Fuß durchbohrte, daß er rücklings niederstürzte. Als nun der Neffe den an seinem Gürtel hangenden Dolch zog, um ihn dem Gefallenen in den Hals zu stoßen, wurde sein Leib von dem Dolch des Letzteren durchbohrt, so daß auch er stürzte und nun beide starben. Chundo, dieses sehend, suchte fliehend sich in die Basilica des heiligen Marcellus zu retten, ehe er jedoch dieselbe erreichte, wurde er auf des Königs Befehl gefangen, an einen Pfahl gebunden und zu Tode gesteinigt. N. Gregor v. Tours. S. Seibertz a. a. O.

Das Grausige eines Hirschrittes à la Mazeppa mag, obwohl ganz unverdient, vor etwa hundert Jahren der Stadtschreiber Lanner von Furth im Wald (im Chambthal an der böhmischen Gränze) empfunden haben. Die Erzählung sagt: daß er auf einer Jagd in Daberg einen Hirsch niederschoß und sich in seiner Waidmannslust darauf wie reitend setzte, um so vor seinen Jagdgefährten zu triumphiren. Als diese herankamen, springt der Hirsch plötzlich mit ihm auf und wirft das Geweih der Art zurück, daß der erschrockene Reiter davon festgehalten wurde, und so rennt der Hirsch gegen das nahegelegene Dickicht. Wenn auch Lanner nicht lange geritten wäre, so hätte ihn doch das Unterholz zerrissen und zerfleischt. Da ergriff einer der Jagdgefährten entschlossen die Büchse und schoß den dahineilenden »Gaul der Einsiedler« glücklich nieder, ohne den Stadtschreiber zu verletzen. – Man weiß wie bedenklich ein Schuß ist, der einen Hirsch auf den Fleck niederwirft, der Hirsch ist dann oft nur am Kreuz geprellt oder unter dem Rückgrat, wie man sagt, »hohl« durchgeschossen und eilt man nicht ihm einen zweiten Schuß zu geben, so steht er wieder auf und ist meistens verloren. Es ist mir dieses mit zwei Hirschen und einem Thier begegnet, welches letztere ich schon am Luser gefaßt hatte, um es zu genicken, es riß sich aber los und entkam, ohne wieder zu Schuß gebracht werden zu können. Von solchem Prell- und Hohlschuß erholt sich ein Stück bald wieder und geht selten eines darüber ein.

Die Hirsche waren in den älteren Zeiten ungleich stärker als heutzutage, und ist die Ursache davon theils darin zu suchen, daß ihnen alle Getreidefelder zur Aesung offen standen, denn es durften diese entweder gar nicht geschützt werden, oder nur sehr unvollkommen; dann aber auch darin, daß es damals viel ausgedehntere Wälder gab und diese nicht auf alle Weise begangen und beunruhigt wurden, wie zu unserer Zeit.

Es ist zwar nicht immer der Fall, daß die Zahl der Enden für die Stärke eines Hirsches entscheidet, denn ein Achtender wiegt oft mehr als ein Zwölfender, im Allgemeinen aber ist daran ein Anhaltspunkt. Das Verzeichniß der Hirsche, welche der Churfürst Johann Georg I. von Sachsen in 44 Jahren, von 1611 bis 1655 erlegt und gefangen hat, gibt auf die außerordentliche Zahl von 15,291 Stücken über die Hälfte Hirsche an, davon die geringeren von zehn Enden waren und auf der Hirschliste des Churfürsten Johann Georg II. von Sachsen, der mit seinen Schützen in 24 Jahren von 1656 bis 1680 gegen 13,636 Hirsche erlegte, waren auch über ein Drittel Hirsche von wenigstens zehn Enden.

Es mag wohl beim Aufschreiben etwas zugegeben worden seyn, doch finden sich Angaben auch anderwärts, welche eine Jagdbeute von 300–600 Hirschen und mehr in einem Jahre beurkunden. So berichtet der Landgraf Philipp von Hessen, daß die Beute an Hirschen im Jahre 1561 die Zahl 367 ergeben, der Markgraf Georg von Brandenburg 679 Hirsche vom Jahr 1581, Graf G. Ernst von Henneberg in demselben Jahr 366 Hirsche u. s. w. Darunter sind öfters Hirsche von fünf und sechs Centner erwähnt, und werden einige sogar zu acht und neun Centner angegeben. Um 1649–52 hatten viele im Fürstenthum Baireuth erlegte Hirsche sechs Centner, und ein Sechzehnender, der im Thiersteiner Wald gefangen wurde, wog sieben Centner zehn Pfund.

1560 schreibt der Landgraf Philipp von Hessen von einer Jagd, daß die Hirsche im Ganzen nicht faist und keiner über 4½ Centner schwer gewesen.

Ein Hirsch von vier Centnern gehört aber gegenwärtig schon zu den selteneren.

Was die Geweihe betrifft, so sind unter den Hirschen, welche die genannten Churfürsten von Sachsen zusammen in 69 Jahren (von 1611–1680) erlegt haben, erwähnt:

1 Hirsch von 30 Enden
1 " " 28 "
1 " " 26 "
3 " " 24 "
15 " " 22 "
51 " " 20 "
187 " " 18 "
669 " " 18 "

Wenn damals Jahr für Jahr neun Hirsche von sechzehn Enden und zwei oder drei von achtzehn Enden erlegt wurden, so vergehen in unserer Zeit oft viele Jahre, bis ein einziger Hirsch von solcher Endenzahl erlegt wird, und mit Recht zeigte 1838 der Herzog Heinrich von Württemberg das Erlegen eines Hirsches von achtzehn Enden mit den Worten an: »wofür ich der schönen Diana Hände und Füße küsse.«

Man weiß, daß das Aufsetzen und die Bildung des Geweihs mit der Aesung sehr zusammenhängt und nicht nur vom Alter bedingt ist, und dieselben Gründe, warum früher die Hirsche so feist wurden, gelten auch für die damals so vielendigen und starken Geweihe, deren manche bis zu 30 Pfunden wogen, während jetzt gewöhnliche Geweihe von zwölf Enden selten sieben Pfund erreichen.

Von Hirschen mit außerordentlichen Geweihen, insoweit es die Endenzahl betrifft, sind besonders folgende zu nennen:

Ein Hirsch von 66 Enden, welchen König Friedrich I. von Preußen 1696 in der Gegend von Frankfurt a. d. O. erlegte. Man errichtete an dem Platz, wo er verendete, eine Denksäule. Das Geweih kam als Geschenk an den Churfürsten von Sachsen, Friedrich August, und wird in der Moritzburg aufbewahrt.

Ein Hirsch von 42 Enden, dessen Geweih der Herzog Wilhelm IV. von Bayern um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts der Königin Maria von Ungarn schenkte.

Ein Hirsch von 32 Enden, von Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt 1762 als Zwanzigender bei Battenberg lebendig gefangen. Er wurde in den Thiergarten zu Kranichstein gebracht, wo er 22, dann 24, und zuletzt 32 Enden aufsetzte, dann aber auf 26 zurücksetzte.

Kaiser Maximilian erwähnt eines Sessels, »der von selbs vnd aus aim hierschhorn gebaxen (gewachsen, gebildet) ist, oben die schauffl zum sitzen vnd die andr zinken zw staphfflen des gehurn oder sessel.« (V. Karajan, Jagdbuch.)

Da man vielendige Geweihe, sowie auch abnorme besonders schätzte, so suchte man dergleichen auch künstlich zu erzielen, indem man besonders Parkhirschen gelegenheitlich in der Kolbenzeit, im Mai, einen Schuß mit groben Schroten in die Kolben gab, wo dann das Geweih eine zerrissene Krone mit vielen Enden erhielt. Bekanntlich wurde ein End als solches angesprochen, wenn man ein Hornfessel (d. i. der schmale Riemen an dem das Hüfthorn getragen wurde) daran hängen konnte.

Hirsche mit den prächtigen Geweihen, die wir in alten Sammlungen bewundern, sind gegenwärtig selten geworden, doch kommen dergleichen noch vor, wo für Aesung reichlich gesorgt ist und sonst nöthiger Raum und Ruhe gegeben. So in der Gegend von Wien an beiden Ufern der Donau nach aufwärts und abwärts etwa sieben Meilen weit.

In der Lobau, auf der Jagd des Grafen Hardegg zu Stetteldorf &c., setzen die Hirsche ausgezeichnet auf, ebenso in der Bukowina, in Serbien und Galizien. Graf Arco-Zinneberg hat im Stanislauer Kreis in den Karpathen noch in jüngster Zeit Hirsche von vierzehn Enden geschossen, deren Geweihe den schönsten alten nicht nachstehen. Der Urtypus des edlen Hirsches scheint sich aber in seiner ganzen Herrlichkeit nur in den sogenannten Roky mountains des nördlichen Amerikas erhalten zu haben.

Diese Riesenhirsche sind Edelhirsche. Der Graf Arco-Zinneberg macht den Versuch, dergleichen bei uns anzusiedeln.

Von drei Hirschen und zwei Stück Wild in seinem Besitz sind bereits Kälber vorhanden, und soll im Gebirge eine geeignete Thalschlucht die stolzen Thiere aufnehmen und ihre Nachkommen verbreiten. Das ist wohl ein dankenswerthes und waidmannsfreudiges Unternehmen, dem der Segen des St. Hubertus nicht fehlen möge.

Die ältesten Nachrichten Von Karl dem Großen ist erwähnt, daß er sich bei seinem Aufenthalte in Nürnberg viel mit Jagen beschäftigt habe. – Er sei, unter einem Zelte schlafend, ganze Nächte in den Nürnbergischen Gehölzen geblieben. Die Kaiser bewohnten bei ihren Jagden im Reichsforst ein befestigtes Haus, Brunn genannt, welches 1449 im Kriege verwüstet wurde. Diesen Reichsforst nannte Kaiser Ludwig »Unser und des Reichs Pingarten,« wegen der Bienen, welche zu nützen an die Zeidler verliehen wurde, die davon Honigzins gaben. Eine bemerkenswerthe Jagdnotiz von 1376 mag hier auch Platz finden. In der Chronik von Augsburg, von Burkhard Zink heißt es, Ann. 1376: »Da kam ein großer schelm unter das wild überal in dem Land also, das in den walden und auf dem veld gar vil wild tod lag, hirschen, hinden, rech, bern, wolff, fuchs und hasen fand man überal also tod liegen.« Es ist dieses vielleicht der erste Fall, der eine allgemeine Seuche unter dem Wild anzeigt. Oefele I. 257. über die Jagd in Bayern und über die Hirschjagd gibt ein Salbuch des Jägermeisteramts im Herzogthum Bayern-Ingolstadt von 1418. Es findet sich darin ein Verzeichniß der Klöster in Oberbayern, welche für den Herzog Stephan († 1413) auf eine bestimmte Zeit (wahrscheinlich die Jagdzeit), Jäger und Hunde freizuhalten hatten, und zwar 3 Jäger, 10 Jägerknechte, 5 Pferde und 42 Hunde. Da trifft z. B. Tegernsee sechs Wochen, Etal zwei Wochen, Scheftlarn zwei, Diessen eine Woche &c. Die Jagden erstreckten sich auch nach Kufstein, Kitzbüchel und Rattenberg, wo die Bären- und Wolfsjäger ihr Gejaid hatten.

Dasselbe Salbuch gibt ein Verzeichniß des Personals der Hofjägerei Ludwigs des Gebarteten, mit Pferden, Hunden &c. Unter den Jägern sind genannt: 2 berittene Hirschjäger mit 10 Knechten zu Fuß und 68 Hunden zur Hirschjagd (Hirßgejaigd) Der Hirsch ist um 1300 oft hirz geschrieben, im neunten Jahrhundert hiret und bei den alten Germanen auch harz. und 64 Hunden zur Schweinsjagd, ein Birscher (Pirrsär) zu Roß »mit ainem Bluthund,« ein Windhetzer zu Roß, 15 Hinderhetzer (Hinderheczer) mit 30 Hund und 15 Leithund, welche das Wild von den Gränzen in des Herrn »wiltpan« hetzen mußten &c. Mehrere dieser Jäger hatten Wagen, Zeug und Netze zur Verfügung. Von Herzog Heinrich von Landshut († 1450) heißt es: Oefele I. 313. »der Herr hett groß lieb zue den rotten wild, und ließ das gar wenig vahen, darumb ward des wilds gar unsäglich vil, das denn Leuten reich und armen vil schaden davon geschah an irem traid &c.«

Wie es aber mit der Hirschjagd hoch herging in unseren Forsten um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts, beweist ein Jagdregister Herzog Wilhelms IV. vom Jahre 1545. Einen Reichthum an Edelwild hegten die Waldungen und Gehölze um Ebersberg, Anzing, Hechenkirchen, Grünwald, Kranzberg, Isareck, Geisenfeld, Kösching, Kehlheim, Abensberg, um Starnberg und Polling &c., da ging der Herzog birschen und mit seinen Freunden jagen und gab es Arbeit vollauf. So heißt es in den Angaben über die Jagden von Ingolstadt aus: am andern Augusti (am Suntag) an der Möringer an gefangen vnnd geschossen XVIJ Hirsch, XVIIIJ wild, IIIJ kölber.

Item am Montag den dritten Augusti gefangen und geschossen, an der Menn und Mennhinger Au XVJ Hirsch, VJ wild, J peckher (Keiler.) Item Mittwochs den funfften Augusti: von der Au, so man am Sackh nennt, gefangen vnnd geschossen XVJ hiersch, XXXVJ wild &c.

Item am VJ Augusti an Zucheringer Au XXX hiersch, XV wild &c.; dann weiter am 7ten August am Stasgelsletten &c. gefangen und geschossen 36 Hirsche, 4 »spieß« (Spießhirsche), 18 Wild, 6 Kälber. In letzterem Gejaid, heißt es, sind geschehen 127 Schuß, ein Beweis, daß viel des Wildes von den Hunden gefangen und mit dem Hirschfänger erlegt wurde, sonst kämen nur zwei Schüsse auf ein Stück, was nicht wahrscheinlich ist, wenn auch die Herrn gut geschossen haben.

In einer dieser Jagden werden zwei Hirsche von 18 Enden erwähnt, wovon der eine mit den Winden (großen flüchtigen Hunden, Windhunden) gefangen wurde, der andere geschossen, dazu ein Sechzehnender, Zwölfender und ein Zehner, welcher »von seinem khürn (Gehörn) größer und schwärer« war, als einer der Achtzehnender.

Der Herzog ist auch »pirschen« geritten und gefahren, und auch die Herzogin, Maria Jakobäa, des Markgrafen Philipp von Baden Tochter, war dem Waidwerk ergeben, »– ist mein gn. Frau von Grienwald Wird schon zu Herzog Mainhards Zeit um 1361 erwähnt. Grienenwald und Wolfstein »zu Gejaid und anderer Kurzweil.« aus auf die haid pirschenndt gefarn, vnd gen Grienwald pracht IIIJ wild.«

Der Bericht, welcher die Jagden des Herzogs und seiner Schützen, sowie die Lieferungen der Jäger umfaßt, schließt also:

Somma alles obgeschriebenen fanngs, an allerlei wildprät, von ostern an, biß auf den leczten Faschang tag, thut:

An hirschen 817
" wilden jm. 78
" kölbern 137
" rechern (Rehen) 224
" spiessen 22
" schwein (starke Keiler) 84
" pachen 253
" frischling 178
" wölff 38

Von dem Sohn und Nachfolger Wilhelms IV., Herzog Albrecht V., findet sich ein Jagdbuch von 1555 bis 1579, in welchem Jahr der Herzog starb, und weist dasselbe nach, daß der Herzog in den genannten 25 Jahren 2779 Hirsche, 1784 Stück wild und 220 Kälber erlegt habe. Auch die Herzogin Anna jagte. Es finden sich in den Hofrechnungen von 1583: »Andre Dietrich der Bixenmacher zu Passau umb 2 sonderbare Birschbixen für die gnädige Frau 60 fl.« Die meisten der aufgeführten Hirsche sind vom Jahr 1576 (nämlich 246), die wenigsten von 1555 (nur 28). Die Hege war sehr streng und wurden um die Felder nur Wildzäune gestattet, welche an den vier Ecken Oeffnungen hatten, durch welche das Wild ungehindert ein- und ausgehen konnte.

Der Herzog erließ mehrere Warnungsschreiben an den Abt des Klosters Benediktbeuern, seine Jäger nicht zur Unzeit pirschen und jagen zu lassen und die Hirsche gar »im Schnee« niederzuschießen. 1558 befiehlt er dem Abt, die Jagd nur für seine Person »waidelich vnnd beschaidenlich« zu treiben, und droht im Fall des Zuwiderhandelns mit Einziehung der Jagdbefugniß. Die Klosterrechnungen geben damals jährlich nur gegen 12 Stück Edelwild an, zehn Jahre später aber und bis 1600 wurden dann durchschnittlich per Jahr gegen 40 Stück erlegt.

Im Jahre 1584 wurden erlegt und zur Hofhaltung geliefert: 105 Hirsche, 305 Stück Wild, 30 Kälber.

Der Stand an Edelwild in den Tegernsee'schen Klosterjagden war damals merklich besser als zweihundert Jahre später. Es sind von 1568–1580 in 13 Jahren verzeichnet: 159 Hirsche, 282 Stück Wild; von 1768–82 (von zwei Jahren fehlen die Rechnungen, daher wieder 13 Jahre) sind nur 83 Hirsche und 56 Stück Wild verzeichnet. Diese Erscheinung erklärt sich zum Theil daraus, daß es in dem angegebenen Zeitraum des sechzehnten Jahrhunderts wahrscheinlich nicht so viel Luchse gab, als in dem letztern, wo deren 39 aufgeführt sind.

Diese Klosterjagden betreffend ist ein Bericht von P. Aegydio Schmid »würdig und embsigstem waldmeister« von 1752 von Interesse. Er sagt, daß er aus einem Pergament-Codex entnommen, daß von 1400–1500 und zu Anfang 1600 das Kloster Tegernsee an Jägerei gehabt habe: »Erstens einen Jäger, andtens einen Jägerknecht, drittens einen Jägerjung, viertens einen gämbß Jäger, oder dortmahlens sogenannten Pockschizen; fünftens einen Federspihler, das ist, einen solchen Jäger, welchem wegen bösseren Erhaltung des Federwildbräths hauptsächlich obgelegen die Falken, stoßdann andere Raubvögel zu schiessen, und endlichen einen huener Jäger, mithin in allen 6 Jäger für beständig in der Besoldung gehabt habe.« Der Ordnung halber sei 1564 ein Oberjäger ernannt worden, früher hätten die Jäger nach Gutdünken gejagt. Die Besoldung eines Jägers war damals an Geld und taxirten Naturalien jährlich 39 fl. 34 kr., davon an baarem Geld nur 4 fl. 40 kr. Alles Uebrige in Naturalien. Darunter kommt vor:

Vor die schuech 1 fl. 30 kr.

Jedem Jäger alle freytag 4 Kiechl und alle Sambstäg 1 Straubn thut jährlich 2 fl. Bei jeglicher Rauchnacht-Zeit giebt man jedem Jäger 2 Maaß Bier, 1 leger Käß und 2 gsölln-Brod.

»Wann die Jäger ein Bärn, Wolf, Lux od Hirschn. Item ein Wild, Rech od gämbß schießen, haben sie miteinand 2 Maaß schuß- und 2 Maaß fangbier.«

1544 unterhielt das Kloster Jagdhunde in einem eigenen Zwinger: » 8 Herzhunt und 14 Jahunt sufficiunt nobis

Das Jägerrecht wurde 1606 neu bestimmt, da sich die Jäger beschwerten, nicht mehr mit der Besoldung leben zu können. Es heißt: »Von ainem Hirsch, Wilt, schwein, Pern für das Stück 40 kr.; von einem »Wildkalb, Rech, frischling, ohrhahn« (Auerhahn) per Stück 20 kr.

Es muß mitunter auch die Sitte gewesen sein, einem gefangenen Hirsch ein Halsband umzulegen und ihn wieder freizulassen, wie man den Reihern einen Ring anlegte und sie wieder frei ließ. Im hiesigen Wittelsbacher Museum findet sich ein solches Halsband oder vielmehr eine Halskette von Messing, deren Glieder zweifingerbreite Platten bilden. Auf diesem steht der Spruch: »Lieber Jäger Laß Mich Leben, Der Churfürst Hat Mir Freyheit Geben 1609.« An den Schlußgliedern steht auf dem einen: Friedrich (IV.) Pfaltzgraff Churfürst, auf dem andern ist das churpfälzische Wappen. Wie der Hirsch wieder gefangen wurde ist nicht bekannt.

Aus einem Schreiben des Sebastian Kolb zu Trauchgau vom 18. Juli 1614 geht hervor, daß im Hohenschwangauer Gebirg 37 Hirsch befindlich, darunter 29 jagdbare, welche während der Brunft am Geschrei zu erkennen waren.

1618 wurde die Hirschfaist von Maximilian I. im Amt Rueperting am Oxensteig gehalten. Sie dauerte 38 Tage, während welcher Zeit Jagden mit Zeug und Hunden gehalten wurden. (Jägermeister: Wilhelm von Maxlrain.)

Unter Ferdinand Maria ist bei Anwesenheit des Kaiser Leopold I. im August 1658 und diesem zu Ehren »zu Schleißheim in der GarchingerAw ein Gejagt vorgangen, in welchem, ob schon etlich hundert Stück Hirschen gewesen, doch weil Ihro Majestät so gewollt, über 60 Stück nicht gefällt worden.«

Ein anderes Gejägte wurde nächst der Perlacher-Hayd gehalten, auf welcher auch unter Zelten und »Lauberhütten« das Mittagsmahl eingenommen wurde und »nur hundert Stück ob wohl über fünfhundert Stück Hirschen vorhand gewest, gefället und seyn Ihro Majest. sampt den Churfürstlichen Persohnen zu solchen in ihrem schönen Leibwagen innen und aussen mit Gold hoch erhebt und gestickt, auß der Statt in seiner Ordnung mit Trompeten und Heerpaucken gefahren. Ferner »den zweiten September nach eingenommener Mittagsmahlzeit ist in dem Hoffgarten auf dem Hirschanger ohne auffwarten der Cavallier etwas von Hirschen gepürscht worden.«

Den Arbeiten mit den Leithunden wurde die größte Sorgfalt gewidmet.

Von 1667 ist unter dem Oberjägermeister Graf v. Törring zu Seefeld angegeben, daß in diesem Jahr ein Behenget im Forst- und Wildbahnamt Landshut gehalten wurde, welches 28 Tage dauerte.

Die Hirschfaist (im August) wurde in diesem Jahre von Ferdinand Maria um Dachau, Gelting und Schleißheim gehalten.

In den folgenden Jahren ist eine merkliche Abnahme des Edelwilds ersichtlich.

Von 1674–82 (in acht Jahren) wurden noch dem Hofzöhrgaden und Hofkuchen geliefert:

600 Hirsche
484 Stück Wild
225 Kälber.

Von 1683–91 aber nur

278 Hirsche
360 Stück Wild
75 Kälber.

1690 wurden von Max Emanuel mehrere Parforcejagden im Forstenrieder Forst gehalten, auch in der Geigersau und zu Buching bei Hohenschwangau hielt er Hirsch- und Wildpretjagden.

Im Jahre 1722 wurde von demselben Churfürsten eine Jagd zur Vermählungsfeier des Churprinzen Karl Albrecht im sogen. Kezlholz bei Schleißheim gehalten.

Es wurde dazu ein Theil des Wilds weit her in Kasten transportirt und im besagten Holz ausgelassen, so Rehe von Utting und Hofolding, Damwild aus dem Thiergarten von Landshut, Sauen und Rothwild von Geisenfeld.

Eine andere Jagd fand in demselben Jahr am Stahrenbergersee statt und giebt einen Beleg, wie damals die Jagd zu einem je nach der Mode gestalteten Spektakel gemacht wurde.

Es begaben sich der Churfürst mit der Churfürstin, die Prinzessinnen, der Churfürst von Köln, die Hofdamen und zahlreiches Gefolge auf Schiffen nach dem Ufertheil, an welchen der Park von Forstenried angränzt. Die höchsten Herrschaften hatten den Bucentauro, ganz in der Größe und nach dem Modell des berühmten venetianischen Dogenschiffs erbaut, bestiegen, die übrigen je nach dem Rang die kleineren Schiffe. Im Park war ein Auslaß so eingerichtet, daß der gejagte Hirsch gezwungen werden konnte, dort auszubrechen und sich in den See zu stürzen. Der Berichterstatter erzählt nun: »Die Fürsten und ihre Jäger, durch Kanonenschüsse von der Ankunft der Prinzessinnen auf den Schiffen benachrichtigt, jagten den Hirsch auf und zwangen ihn durch den Schall des Waldhorns, aus seinem Hinterhalt hervorzubrechen. Dieser Hirsch, einer der stärksten und wildesten, behielt lange Zeit das Terrain, durch die Thätigkeit der Jäger und Hunde aber, welche letztere nie wechselten, sondern immer den aufgejagten Hirsch beibehielten, obschon dieselben in diesem Walde vielen anderen begegneten, da es hier in Uebermaß giebt, wurde er am Ende dennoch gezwungen, durch die Oeffnung zu gehen; allein wohl zwanzigmal kam er ans Ufer und ging jedesmal, durch den Anblick der Schiffe geschreckt, welche in drei Linien, den Bucentauro allein voran, aufgestellt waren, wieder zurück. Endlich durch die Hunde gedrängt, welche durch die immer blasenden Jäger unterstützt waren, sprang er ins Wasser, und die Hunde setzten ihm schwimmend nach und umringten ihn. Sogleich tauchte er unter und verlor sich aus dem Gesicht, aber bald erschien er wieder auf dem Wasser und wurde aufs Neue von den Hunden verfolgt. Je mehr er sich vertheidigte, um so mehr wurde er angegriffen; dieser Kampf dauerte beinahe eine Stunde und gewährte unendliches Vergnügen. Die Trompeter bliesen während dieser Zeit abwechslungsweise. Der Hirsch kämpfte endlich seinen Todeskampf und die Jäger bliesen seinen Tod; vier Gondeliere bemächtigten sich hierauf des Hirsches am Geweih und brachten ihn an Bord, wo er sogleich verendete.

Ein Jäger schnitt ihm den Lauf ab und brachte ihn der Churfürstin, und diese erlauchte Gesellschaft hatte das Vergnügen, bei dem Schalle der Hörner das Jagdrecht der Hunde zu sehen. Die Churfürstin ließ sich hierauf vom Churfürsten zur Bayerin taufen; er bespritzte sie mit einigen Tropfen Wasser, sowie auch die Schlüsseldamen und Edelleute von ihrem und des Churfürsten von Cöln Gefolge.«

Diese Jagd, wenn man sie so nennen will, wurde von Seite der Jagenden zu Pferde gehalten, war also eine Parforcejagd, welche der Churfürst sehr liebte. Er hielt dazu 300 Pferde und 400 Hunde. Einer der eifrigsten Jäger unter den bayerischen Fürsten war Karl Albert (Kaiser Karl VII.) Es sind von ihm Jagden von 1727–1744 verzeichnet. Bei einer derselben in Hohenschwangau wurden zwei Hirsche, der eine zu 400 Pfund, der andere zu 420 Pfund, erlegt. Daß damals noch sehr gute Hirsche vorkamen, beweist auch ein prächtiges Geweih von 24 Enden, welches noch gegenwärtig im Hirschgarten bei Nymphenburg aufbewahrt wird. Der Hirsch wurde vom Churfürsten in der Hirschau bei München erlegt.

Unter den Jagdbezirken ist auch Fürstenried genannt, welches Max Emanuel 1715 erworben und ihm den Namen gegeben hat. Früher hieß es Poschetsried (Poschn, Büsche), und gehörte einem Grafen von Hörwart.

Unter Karl Albrecht kommen mehrere Jagden und Jagdfeste vor, wie sie nach dem damaligen Geschmack der Zeit an Höfen Mode waren, einem einfachen Waidmann aber nicht gefallen können. Von einem derselben gibt ein Anschlagzettel Bericht, der folgendermaßen lautet:

Eigentliche Abbildung und Lista, der aufgezogenen Ritter, bei dem unweit Nymphenburg in Alla, zwischen zwei Waldungen auf einer Wiesen, den 15. May Anno 1727 vollbrachten wilden Thierkampf.

Französische Jäger.

Aufführer
Herr General Graf Costa.

1. Ihro Churfürstl. Durchleucht.

2. Ihro Durchl. Hertzog Theodor &c.

3. Ihro Exc. Herr Graf Gaudenz v. Rechberg, Obrist-Jägermeister.

– – 6. Ihro Exc. Herr Baron v. Freyberg, Obrist-Falkenmeister.

– 8. Herr Graf Carl v. Lodron, Intendant von denen Festinen &c.

 
Teutsche Jäger.

Aufführer
Herr General Graf Minutzi.

1. Ihro Durchl. Hertzog Ferdinand &c.

2. Ihro Excell. Herr Graf Max von Preysing, Obrist-Stall-Meister.

– Graf Piossasque, Trabanten-Hauptmann.

– Graf Hier. Spreti, Oberst-Kuchel-Meister.

– Graf Em. v. Tauffkirchen, Hatschier-Hauptmann &c.

 
Gewinneter zu dem Thier-Turnier zu Nymphenburg und wie solche ausgefallen.

Das Erste in den mehristen Numeris.

Eine große Jagd-Dosen von Orientalisch gefleckten Stein, mit Gold garniert: Hat gewonnen Mons. de Seyssel mit 6 Numeris.

Das Erste mit der Lantzen.

Ein Englisch glatt-goldene Repetier-Uhr: Haben gewonnen Ihr Durchl. Hertzog Theodor mit 3 Numeris und 1 Krantzl.

Das Erste mit dem Pfeil.

Ein Stock mit einem goldenen Knopff, welcher mit Carniol, Schmaragd und Brillanten besetzt ist: Haben gewonnen Ihro Durchl. Herzog Ferdinand &c.

Das Erste mit dem Pistol.

Eine schöne Flinte sambt ein Paar Pistolen: Haben gewonnen Ihro Churf. Durchl. unser Gnädigster Herr &c. durch Rittern mit Ihro Excell. Herrn Grafen General Rechberg.

Das Erste mit dem Degen.

Ein Hirschfänger mit einem Schildkrottenen reich mit Gold eingelegten Gefäß: Hat gewonnen Ihro Churf. Durchl. unser Gnädigster Herr &c.

Pour la Dame.

Ein grüner Schlaff-Rock: Haben gewonnen Ihro Churf. Durchl. unser Gnädigster Herr &c. Es sind noch weitere Preise angegeben, darunter Ein groß Silberner Ingenier und zugleich Reyß-Besteck &c.

Auf dem beigegebenen Kupferstich sieht man die Hirsche aus einem laubenartigen zugemachten Raum in den mit einem Netz gesperrten Lauf zwischen zwei Barrieren hervorspringen. Die Herrn ritten außerhalb der Barrieren dem Hirsch entgegen und schoßen, warfen mit dem Pfeil &c. Man sieht, daß die Hirsche eine Gurte um den Leib hatten, an welche lange Stricke oder Riemen befestiget waren, daß sie nicht frei ausbrechen konnten. Der Schauplatz ist ein Viereck, an jeder Seite ein Pavillon mit Bogen für die Herrschaften und »Damesen,« für »Trompeten und Heerpaucken,« für die Richter des Turniers, für die Musikanten &c. Dann ein Amphitheater für die Zuschauer, und vertheilt stehen zu Pferde mehrere »Kampff-Ritter« mit Lanzen. Es wurden Hirsche und »Dendl« (Damhirsche) gefällt.

Eine andere gedruckte Lista dieser Art beschreibt eine maskirte Hirschjagd in Nymphenburg am 1. März 1734.

Es erschienen im Aufzug:

Nr. 1. Teutscher Jäger mit einem Wayd-Messer.

Ihro Churfl. Durchleucht zu Cölln &c.

Ihro Churfl. Durchleucht in Bayern &c.

Nr. 2. Frantzösischer Jäger mit einem Couteau de chasse..

Ihro Durchleucht Hertzog Ferdinand &c.

Ihro Durchleucht Hertzog Theodor &c.

Nr. 3. Pantelons mit einem krumpen Messer.

Mons. Marqui Caponi, Chur-Cöllnischer Cammerer und Intendant der Musik.

Herr General Graf Joseph Taufkirchen, Churfürstlicher Cammerer.

Nr. 4. Prigella mit der Pritschen.

Herr Graf Fugger von Zünenberg, Churf. Cammerer, General-Wachtmeister u. Hauptmann von der Hatschier Leib-Guardi.

Herr Baron Rechberg, Churfürstl. Cammerer.

Nr. 5. Scaramouches mit dem langen Degen.

Herr Graf Ruepp, Churfürstl. Cammerer.

Herr Baron Sigmund Lösch, Churfürstl. Cammerer.

Nr. 6. Camin-Feger mit der Leiter und Besen.

Herr Baron Stein, Chur-Cöllnischer Cammerer.

Herr Graf von Plankenheimb.

Nr. 7. Bayrische Bauern mit der Mist-Gabel.

Herr Graf Sensheimb, Churfürstl. Cammerer und Obrist-Silber-Cammerer.

Herr Graf Truckseß, Churfürstl. Cammerer.

Nr. 8. Oesterreichische Bauren mit Wein-Reben-Messer.

Herr Graf Max Preysing, Churfürstl. Geheimer- und Conferentz-Rath und Obrist-Stallmeister.

Herr Baron von Haßlang, Churfürstl. Cammerer und Hochfl. Freysing: Ober-Stallmeister.

Nr. 9. Frantzösische Bauren mit der Drischl.

Herr Graf Carl Piosassque, Churfürstl. Cammerer und General-Wachtmeister.

Herr Baron Stein, Churfürstl. Cammerer, Obrister und Lieutenant von der Hatschier Leib-Guardi.

Nr. 10. Juden mit denen Geld-Beutlen.

Herr Baron Valaise, Churf. Cammerer u. General-Wachtmeister.

Herr Graf Ludwig Fugger, Churfürstl. Cammerer.

Nr. 11. Vieillards mit der Krucken.

Herr Baron von Roll, Chur-Cöllnischer Geheimer-Rath und Obrist-Stallmeister.

Herr Baron Burgau, Chur-Cöllnischer Cammerer.

Nr. 12. Pourceaugnacs mit dem Degen.

Herr Graf Trauner, Chur-Cöllnischer Geheimer Rath und Cammerer.

Herr Baron Seybolstorff von Rockhenstein, Churf. Cammerer.

Nr. 13. Apotheker mit der Spritzen.

Herr Baron Joseph Neuhauß, Churfürstl. Cammerer und Hochf. Freysing: Ober-Kuchelmeister.

Herr Graf Ladron von Haag, Churfürstl. Cammerer.

Nr. 14. Homes â deux visages, mit einer Holz-Scheer.

Herr Graf Emanuel Arco, Churfürstl. Cammerer und Intendant der Musik.

Herr Baron Metternich, Chur-Cöllnischer Cammerer u. Domherr.

Nr. 15. Narr mit einem Narren-Kolben.

Herr Baron Fraunberg, Churfürstl. Cammerer.

Herr Baron Max Burgau, Churfürstl. Cammerer.

Nr. 16. Pieross mit dem Tobacks-Ribeisen.

Herr Graf von Satzenhofen, Churfürstl. Cammerer u. Obrister.

Herr Graf Max Taufkirchen, Churfürstl. Cammerer.

Nr. 17. Harlequins mit der Pritschen.

Herr Baron Joseph Morawitzki, Churfürstl. Cammerer.

Herr Baron Joseph Lösch, Churfürstl. Cammerer.

Nr. 18. Hannß-Wurst mit dem Schwein-Spieß.

Herr Baron Mayrhofen, Churfürstl. Cammerer und Vice-Stallmeister.

Herr Baron Perfahl, Churfürstl. Cammerer und Ober-Hofmeister bei denen Hertzoglichen zwei Prinzen Maximilian und Clemens Durchlauchten &c.

Nr. 19. Schulmeister mit dem Ferl.

Herr Baron Bibra, Chur-Cöllnischer Cammerer, Commendeur zu Frankfurt und Teutscher Ordens-Ritter.

Herr Graf Allcardi, Churfürstl. Cammerer.

Nr. 20. Pagodes mit der Tobacks-Pfeiffen.

Herr Graf Max Fugger, Churfürstl. Cammerer.

Herr Baron Ingenheim, Churfürstl. Cammerer und Vice-Jägermeister.

Nr. 21. Policinella mit zwei Blattern.

Herr Graf Spreti, Churfürstl. Cammerer und Obrist-Kuchelmeister.

Herr Baron Morawitzki, Churfürstl. Cammerer und General-Wachtmeister.

Nr. 22. Domino mit einer Masque.

Herr Graf Quido Taufkirchen, Churfürstl. Cammerer.

Mons. de Seyssel, Churfürstl. Cammerer, und Lieutenant von der Trabanten-Guardi.

Nr. 23. Dottorie mit einer Rollen Pappier.

Herr Baron Mantica, Churfürstl. Cammerer.

Herr Baron Manteufel, Churfürstl. Cammerer.

Wie die Jagd gehalten wurde, ist nicht angegeben, der Intendant von denen Festinen wird wohl gesorgt haben, daß sie ebenso geschmackvoll angeordnet war, wie der Zug.

1735 den 9. August, erhuben sich Ihro Churfürstl. Durchleucht mit Ihre Churfürstl. Durchleucht der Churfürstin dann Ihro des Churprinzen und beider Churf. Herzoginnen Antonia und Theresia Durch. Durchl. nacher Geiserfeld zur Hirschfaist &c. Es wurden am 10. August 88 Hirsche und 22 Thiere erlegt.

Die Churfürstin Maria Amalia (Tochter Kaiser Josephs I.) war eine leidenschaftliche Jägerin.

Keyßler erzählt in seinen Reisen: die Churfürstin schießt sehr gut nach der Scheibe und nach dem Wildpret, – »wann ihr Kutscher auf par force Jagden sie zum Tod des Hirsches liefert, hat er allzeit einen Maxd'or oder siebenthalb Gulden zu gewarten.«

Obwohl die Churfürstin bei einer solchen Gelegenheit, und da sie guter Hoffnung war, zweimal in einem Vormittag umgeworfen wurde, erhielt der Kutscher doch sein Trinkgeld und kam ohne Strafe davon.

»Auf der Jagd geht sie in grüner Mannskleidung mit einer kleinen weissen Perücke, in welcher Gestalt sie auch das erstemal in's Land gekommen und zu Sleisheim (Schleißheim) abgemalt ist. – Die Hofdamen gehen spanisch gekleidet und können sich der schönsten Gesichtsfarben nicht viel rühmen, weil sie nebst der Churfürstin in der größten Hitze und Kälte, bei Regen, Wind und Sonnenschein an allen Spazierfahrten und Jagden des Churfürsten theilnehmen.« Zschokke bemerkt dazu, daß diese »Amazonen« dem Herzen des Churfürsten oft gefährlicher waren, als seinem Gewilde. – Die Churfürstin liebte die Hunde sehr, und die Schlösser Karl Albrechts wimmelten von Hunden aller Art. – Keyßler erzählt darüber: »Der Churfürst hat gleichfalls viele Jagdhunde, von welchen sein Herr Vater nicht weniger ein großer Liebhaber war, also daß er auch in Frankreich allezeit die trefflichste meute unterhielt. – Ludwig XIV. sagte einsmals aus Scherz zu dem Churbayerischen Oberjäger-Meister v. Freyberg, wegen einer Hündin, auf welche der Churfürst insbesondere viel hielt: on m'a dit que votre chienne prend souvent le change Prendre le change heißt die Fährte wechseln, nicht auf derselben Fährte bleiben. worauf der v. Freyberg im Eifer antwortete: Comment elle est aussi sure que l'Evangile.«

Unter Churfürst Karl Albrecht war, 1738, Commandant der Parforce-Jagd (die Französische Jägerei genannt); Baron Sigmund von Preysing, Obrist-Jägermeister; Vice-Commandant Ferd. Graf v. Rampaldi, Kämmerer &c.

Es waren 4 berittene und 1 unberittener »Piquir«, 3 Bsuch-Knecht, 10 Jäger-Jungen und 1 Hundskoch dabei angestellt. 1739 hielt der Churfürst großes Jagen im Geisenfelder Forst (Landgericht Pfaffenhofen), welches am 4. November angefangen und am 20. beendet wurde. Treiber und Wehrleute lieferten Pfaffenhofen, Vohburg, Abensberg, Neustadt &c. zusammen 1200 Mann, nebst 270 Pferden und 12 Wagen. Dazu die berittenen Amts- und Gerichtsleute, Klopfklupperer &c., die Hälfte mit guten Hacken versehen. – Die Zurüstung zu dieser Jagd erforderte weiter 25 Tücherwagen, 16 Netzwagen, Federwagen, Schirmwagen, 12 Hirschkästen, 12 Hudelwagen und Bagagewagen, zusammen 85 Wagen und gegen 240 Pferde. Es wurden dabei im Feillerforst 12 Hirsche gefangen und lebendig an die Parforce-Jagdparks übersendet.

Ausserdem wurden an Rothwild und Rehen 181, mit den Sauen aber 445 Stück erlegt.

Die Jagdkleidung bei der gewöhnlichen Hirschjagd war dunkelgrün, bei der Parforce-Jagd hellblau mit Silbertressen, gelben Westen und Hosen, hohen Reitstiefeln und dreikantigem mit Silberborten besetztem Hut.

In Sachsen war 1730 die Jagdkleidung zur Parforcejagd gelb, die Damen gingen in Mannskleidung; am Hofe des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm I. war die Kleidung der Piqueurs roth und grün, der Rock roth mit grünsammtenen Aufschlägen, Hosen und Weste grün.

1744 war Karl Albrecht als Gast beim Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen, welcher ihm eine Parforcejagd gab. Zur Erinnerung daran wurde im Walde Mitteldick, unfern Trebur, ein 4 Fuß hoher Stein errichtet mit der auf dessen vier Seiten vertheilten Inschrift:

Carl VII. Roemischer Kaiser hat Anno MDCCXLIIII den V. May (hier folgt das Bild eines starken Hirsches) diesen Hirsch par force gejagt.

Der Waldbezirk wurde davon die Kaiserplatte genannt.

Unter Maximilian III. scheint 1748 eine der von 1722 ähnliche Hirschjagd stattgefunden zu haben, wo der Hirsch in den Starrenbergersee gesprengt und die Jagd von den hohen Herrschaften vom Bucentauro aus angesehen wurde. Diese Jagd (mit der angegebenen Jahrzahl 1748) ist von dem Maler Bidermann auf einem großen Bilde dargestellt, worauf auch der zeichnende Maler zu sehen. Es wurde ein Hirsch von 12 Enden forcirt. Er schwimmt im See, hinter ihm etwa 70 weiße, lichtgelb gefleckte Hunde. Zahlreiche Kähne zu beiden Seiten, wo kleine Kanonen gelöst werden und flinke Gondeliers auf venetianischen Gondeln geben ihm die Richtung nach dem berühmten, mit Reichthum überladenen Bucentauro. Der Churfürst selbst hatte den Hirsch mit vielen Cavalieren in den See forcirt und hält am Ufer, wo der Wald ausgeht, in Mitte zahlreicher Jäger, welche auf großen Parforcehörnern blasen. Die höchste Pracht ist überall sichtbar, die Schiffe und Kähne meistens mit den bayerischen Rauten bemalt und Flaggen, Segel und die Kleidung der Schiffer von den Hausfarben, daneben ein größeres Schmuckschiff mit rothen und weißen Farben und auf dem mächtigen Bucentauro Cavaliere und Damen in grosser Galla, rothe und blaue in Gold und Silber schimmernde Uniformen &c., auf dem höchsten Deck die Trompeter und Paucker in voller Arbeit und rings ein Gewimmel von Barken und Kähnen mit Jägern, Dienern und Zuschauern. Das Schauspiel muß ein höchst imposantes gewesen seyn.

Von Maximilian III. sind Jagden verzeichnet in Großwayl, Isareck und zu Schleisheim. Eine derselben 1758 zu Großwayl bei Benediktbeuern wurde mit großartigem Aufwand eingerichtet. Es waren 1300 Mann und 190 Pferde aufgeboten. Am 5. August begann das Einrichten der Jagd, am 11. August wurde abgeschossen. Angegeben waren 40 Hirsche, darunter zwei Vierzehn-Ender, drei Zwölf-Ender &c. Das Resultat der Jagd selbst fand ich nicht aufgezeichnet. Zu Schleisheim hat sich der Churfürst öfters aufgehalten um der Hirschjagd zu pflegen, so in den Jahren 1753 und 1754 jedesmal vom 12. bis 24. Juli. Bei dem Aufenthalt in letzterem Jahre erlegte er während der kurzen Zeit allein 12 Hirsche und 1 Thier. Bei mehreren Jagden in diesen Jahren wurden 7, 11 und 15 Hirsche lebendig gefangen und nach Forstenried in den Parforce-Park gebracht.

Am 20. und 25. August 1755 hielt der Churfürst im »Yberreiteramt Isaregg« (Wiltmeisteramts Landshut) zwei gesperrte Hirschjagden, wobei 92 Hirsche, 7 Thiere und 15 Kälber geschossen wurden. Die Lieferungen zum Wildpretgewölb und Hofzöhrgaden zeigen, daß die Hirschjagd um die Mitte des vorigen Jahrhunderts gegen das Ende des siebzehnten wieder zugenommen hatte. Eine Zusammenstellung von 1751–55 ergibt durchschnittlich per Jahr 97 Hirsche, 102 Thiere und 49 Kälber (248 Stück), während die Lieferungen von 1674–1691 durchschnittlich per Jahr nur 55 Hirsche, 53 Thiere und 19 Kälber gibt.

Das Personal der Parforce-Jagd bestand um 1770 aus 30 Jägern, Knechten &c. mit den zugehörigen Pferden; es wurden 100 Hirschhunde, 40 Wildprethunde, 20 Leithunde gehalten zu Neuhausen bei München, wo noch ein Mauerbild darstellt, wie die Hunde den fürstlichen Herrschaften vorgeführt werden.

Commandant war Sigm. Friedrich Graf v. Preysing. – Die ganze Parforce-Jagd kostete 15,864 fl.

1775 hielt der Kurfürst am 12. Oktober, an seinem Namenstage, eine Parforce-Jagd bei Maria Eich, einem bekannten Wallfahrtsort in der Nähe von München. Nach langem Hetzen flüchtete sich der Hirsch in einen eingezäumten Winkel der dortigen Mutter-Gottes-Kapelle. Die Meute fand ihn bald, die Jäger eilten herbei und der ganze Jagdtumult erscholl um die Kapelle. Da aber der Churfürst herankam (er fuhr in einer zweirädrigen Kalesche) befahl er sogleich, um die heilige Zufluchtsstätte zu ehren, vom Hirsch abzulassen und ihm die Freiheit zu schenken, worauf er die Jagd anderwärts fortsetzte.

Eine Bildertafel mit gereimter Beschreibung des Ereignisses ist noch an der Kapelle zu sehen.

Die Kurfürstin Maria Anna war ebenfalls Jägerin. – 1780 als Wittwe begab sie sich auf den Schleisheimer Hirschplan zum Jagen. – Um diese Zeit wurde der Hirschgarten bei München auf Befehl des Churfürsten Karl Theodor durch den Oberstjägermeister Freiherrn von Waldkirch angelegt. – Mit der Hirschjagd scheint sich der Kurfürst damals weniger mehr beschäftiget zu haben als seine Vorgänger.

Die Parforce-Jagd ist unter ihm 1778 aufgelöst worden. In der Rheinpfalz hatte er sie 1747 eingeführt.

König Maximilian I. war ein großer Freund und Gönner des Waidwerks, und unter ihm begann vorzüglich die Hirschjagd in Tegernsee in Flor zu kommen, sowie in Berchtesgaden.

1818 – und 1820 hielt der König eingestellte Hirschjagden zu Tegernsee am Gruberberg. – In der ersten Jagd wurden 49 Stück Edelwild, darunter 19 Hirsche (2 von 14 Enden 3 von 12 &c.) in der zweiten 116 Stück erlegt, worunter 53 Hirsche (1 von 16 Enden, 2 von 14, 8 von 12 &c.) Die erste Jagd kostete 1406 fl. – die zweite 1785 fl.

In Berchtesgaden wurden auf dergleichen Jagden im Mittel 60 Stück erlegt. – Ferner hielt König Max I. Jagden in Forstenried, Neuried, Fürstenfeldbruck, in der Hirschau und zu Ismaning, es wurden meistens gegen 50 Stück erlegt. – Unter den Jagden des Königs Ludwig waren die in den Freisinger Auen die vorzüglichsten und wurden meistens 100 Stück und darüber geschossen, so 1827 – 172 Stück, 1829 – 108 Stück, 1832 auf zwei Jagden einmal 130, das anderemal 108 Stück, 1835 – 168 Stück und s. f. bis mit dem Jahre 1848 in diesen Revieren ganz abgeschossen wurde. – Es sind daselbst von 1825 bis 1847 auf 11 königlichen Jagden geschossen worden 435 Hirsche, 624 Stück Wild, 247 Kälber. – Die Lieferungen zum Zwirchgewölb betrugen von 1841–45 im Durchschnitt jährlich 325 Hirsche, 354 Thiere und 83 Kälber.

Vorzügliche Gehege waren auch in den Bergen um Stauf und Wörth bei Regensburg, deren Jagdherr, der Fürst von Thurn und Taxis, den Wildschaden so erheblich vergütete, daß derselbe öfters beim Verkaufe eines Hofes oder Grundstückes als Rente mit in Anschlag kam.

In den Wörther-Revieren wurden in freier Jagd von 1827 bis 56 an Edelwild 1294 Stück geschossen, worunter 549 Hirsche. – Die Jagd wurde ächt waidmännisch getrieben, denn der Fürst ist ein ausgezeichneter Jäger und es war eine Seltenheit, wenn ein angesagter Hirsch im Bogen fehlte oder unrichtig angesprochen war. – Die Hirsche waren meistens sehr gut und kamen mitunter vorzügliche Geweihe vor. – Unter den genannten Hirschen sind 3 von 16 Enden, 20 von 14 Enden, 54 Zwölfer, 117 Zehner und 145 Acht-Ender verzeichnet.

Mit dem Jahr 1848 wo unter allerlei Vorwand von der Gefahr des Vaterlandes auf Volksbewaffnung gedrungen und diese auch theilweise in der Bildung von Freicorps &c. erreicht wurde, mußte schon deßhalb der Wildstand mehr oder weniger seinen Untergang finden, denn die Bauern, Bergschützen &c. zogen mit den zutheilten Waffen so viel sie konnten zum Jagen aus und mancher anfangs jubelnde Demokrat sah mit Entsetzen, wie sie lieber dem Wild nachliefen, als sich der angesonnenen Verfechtung seiner Fortschritts-Ideen hinzugeben und wie alles Reden und Schmeicheln nichts nützte. – Dazu kamen die neuen Jagdgesetze und allerlei Verwirrung und Unfug, so daß namentlich die Hirsch-Jagd in vielen Landesdistrikten ihr Ende fand oder auf Parke beschränkt wurde.

Außer dem Hochgebirg kommt noch Edelwild, doch verhältnißmäßig in geringer Menge, im Freien vor: im Spessart, 1787 wurden im Spessart beim Hirschfaistjagen, welches der Churfürst von Mainz hielt, 89 jagdbare Hirsche erlegt. in der Rhön, im Gramschatzer-Wald bei Würzburg, im Fichtelgebirg und Veltensteiner-Forst in Oberfranken, in den Waldungen zwischen Rothenburg und Winsheim in Mittelfranken, in den oberpfälzischen Waldungen zwischen Grafenwöhr und Vilseck, und in den Revieren Buchenberg (Jagd des Prinzen Luitpold, am Gebirg), Kürnach und Glöttwang in Schwaben, theils als Pacht, theils als Regie-Jagden. Die vorzüglichsten Parke, welche Edelwild hegen, sind die königlichen von Forstenried (gegen 800 Stück), Perlach und Grünwald (500 Stück) unter Administration der Hofjagdintendanz, dann die Parke von Anzing und im Spessart (200 Stück) unter Administration der Forstverwaltung; die Parke des Fürsten von Thurn und Taxis bei Regensburg, des Fürsten von Löwenstein im Spessart (500 Stück) und des Fürsten von Leiningen bei Amorbach an den Ausläufern des Odenwalds. In den Parken von Forstenried, Anzing und Grünwald sind auf den königlichen Jagden von 1851–55 inclus. 333 Stück Edelwild erlegt worden.

In unseren Alpen dagegen, jenen willkommenen Schlössern, welche die neuere Zeit mit all ihrer Sucht des Gleich- und Ebenmachens nicht abtragen und erniedrigen kann, ist die Hirschjagd, obwohl sie ebenfalls viel gelitten, durch des regierenden Königs hohen Schutz wieder zu erfreulicher Blüthe gediehen.

Es giebt auch kaum anderwärts so vortrefflich gelegene Thäler und Höhen, die allen Zwistigkeiten über gegründete und ungegründete Wildschadensklagen entrückt sind, und sie schicken nun den angrenzenden Jagden der Gemeinden freigebig manchen Hirsch zu, dessen diese außerdem nur durch alte Geweihe als der Beute vergangener Zeiten erinnert würden, oder durch Wirthshausschilde, an welchen die Jugend der württembergischen Bauern und vieler anderer nächstens allein noch ihre Studien machen wird, wie wohl ein Hirsch des Landes ausgesehen haben mag.

In den Ammergauer-Revieren sind vorzügliche Gehege; die einsamen Thäler von Graswang und Halbammer, durch die felsigen Rücken des Sonnenbergs, Brunnenkopf, Klammspitz und andere getheilt, über welche die Wechsel gehen; in der Vorder-Riß die Au und der Hochkopf mit seiner wundervollen Fernsicht; in Berchtesgaden der Regen ober der Kaunerwand, die Fischunkel, die Eisschlucht bei St. Bartolmä und das wilde Wimbachthal.

Vorzüglich bemerkenswerth ist die Jagd auf dem sogenannten Regen an der östlichen Seite des Bartolomä- oder Königssee's. Der König hat dort in der Nähe der Regenalphütte zwei Birschhäuser für sich und seine Gäste. In einer Höhe von 5000 Fuß mit der schönsten Aussicht auf die Bergketten am westlichen und südlichen Theil des See's mit dem Watzmann, steinernen Meer, und der mit ewigem Schnee »übergossenen Alm« wechseln waldige und steinige Gehänge mit mancherlei Einsenkungen und zum Theil schwer zu begehenden Gründen voll felsiger Gruben und Löcher. Da ist man zwischen zwei Gemsgebirgen, unterhalb das Warteck, die Kaun, Thalwand &c. und oberhalb die Tauern, Karlsberg &c. Der Stand an Edelwild ist verhältnißmäßig für den kleinen Platz bedeutend und kommen oft gegen 100 Stück in den Jagdbogen.

Gewöhnlich werden von den 8–9 Schützen 15–16 Stück geschossen, da die Jagd ganz frei ist und einfach getrieben wird, wobei viele Rudel nicht an die Schützen kommen, von den anlaufenden aber meistens nur die stärkeren Hirsche zum Schuß ausgewählt werden.

Auf den Berchtesgadner-Jagden kommen der Oertlichkeit wegen Scenen vor, welche anderwärts nicht möglich sind und es geschieht öfters, daß die Hirsche den Obersee oder den Bartolomäsee annehmen oder in's Steingewänd einsteigen wie die Gemsen (wobei selten einer abstürzt, außer wenn er flüchtig ist), und wechseln in den romantischen Gründen die herrlichsten Bilder, wie sie nur ein Hirsch gewähren kann, sei es, daß er das Dickicht theilend, aus dem Dunkel des Holzes trotzig hervortritt in den sonnigen Tag oder durch ein Gewirre mächtiger Felsblöcke hinzieht, oder mit dem flüchtigen Rudel des Wildprets vom Gehänge heranbraust, daß der Boden zittert, – Jagdscenen, welche all den seiner Zeit so gepriesenen Glanz übertreffen, der um die Mitte und gegen Ende des vorigen Jahrhunderts bei den eingestellten Jagen mit aufgeputzten Schirmen und Zelten und Empfang des Wildes mit Trompeten und Pauken erzielt werden wollte.

So geschieht es gewöhnlich, wenn die Fischunkel mit Hunden gejagt wird, daß Hirsche durch den auf zwei Seiten mit steilen Wänden eingeschlossenen Obersee schwimmen und entweder von einem Kahn aus geschossen werden können, oder an dem Platze, wo sie aussteigen und hat der König 1856 dort fünf starke Hirsche erlegt. Auch schwimmen sie wohl an eine Stelle, wo man es bei den Thalbrunnen nennt und steigen an der furchtbaren Thalwand hinauf, wo ein überhängender Felsen scheinbaren Schutz gewährt. Ein guter Büchsenschuß erreicht sie aber und stürzt sie in den See. – So sind 1853 vom Könige zwei Hirsche von 10 Enden vom Schiff aus geschossen worden.

Am Obersee, im Eis- und im Wimbachthal sind die Berge in größeren Höhen meistens so steil und mit Wänden begränzt, daß oft nur wenige Stellen bleiben, wo ein Hirsch noch weiter steigen und in's hohe Gemsgebirg wechseln kann. Es bedarf manchmal nur einer Thüre, um dieses zu verhindern und dergleichen (die sog. Gatterln) sind auch mehrere angebracht, weniger wegen des Jagens, als weil ein sich so versteigender Hirsch oder Stück Wild, wenn Schnee fällt, verloren ist und verhungert.

In das sogenannte Hocheis, so heißt ein Gehänge, welches die Thalschlucht mit der bekannten Eiskapelle abschließt, kann das Wildpret nur hinaussteigen, wenn viel Schnee fällt, und dort einen felsigen Graben zwischen der Hachelwand und »der Kirch« ausfüllt und dadurch zugänglich macht. Wenn dieses nicht der Fall ist, so können allein die Gemsen aus dem felsigen Kessel an den Wänden fortwechseln, das Wildpret muß durch das Thal des Eisbachs. Man kann daher dort leicht ein eingesperrtes Jagen anstellen, indem man das Wild in den Kessel treibt und den engsten Theil der Thalschlucht mit Tüchern abschließt. Solche Jagden werden auch gehalten und dann das Zeug in der Nähe der Watzmann-Wände, wo der Königsschirm steht, niedergelegt.

Wenn durch frühen Schnee die erwähnte Schlucht an der »Kirch« sich ausfüllt und Wildpret in's Hocheis steigt, so müssen die Jäger sich bemühen, es zeitig herunter zu treiben, denn da die Schneemasse in Eis sich umwandelt, und unter ihr ein Bach sich bildet, der das Eis aushöhlt, so bricht dann dieses oft ab, so daß auf der Oberfläche kein Wechsel mehr möglich ist, sondern nur unter dem stehengebliebenen Gewölbe. Diesen Weg nimmt das Wild niemals und da es bei eintretendem Winter im Hocheis zu Grunde gehen muß, so bleibt nichts übrig, als darauf Jagd zu machen und zu schießen, was zu bekommen ist.

Ich war einmal bei einer solchen Jagd und habe, obwohl nur Wildpret zu schießen war, kaum eine erlebt, die romantischer gewesen wäre, denn abgesehen von dem unheimlichen Wege in jener Schlucht, wo wir unter dem drohend niederhängenden bis 5 Fuß dicken Eisgewölb eine ziemliche Strecke in dem Bach ansteigen mußten, kam während des Jagens ein Donner von der Hachlwand, als wollte diese in sich zusammenstürzen. Man sah dabei nicht sogleich was vorgehe, bis sich plötzlich von Staubwolken begleitet eine gewaltige Felsmasse über den höchsten Rand des Gehänges hervorwälzte und bei dem furchtbaren Sturz in Trümmer zerschellend in die Decke des Eisgewölbes einschlug, welches wir passirt hatten und durch welches wir wieder zurück mußten. Wir schossen damals vier Stück Wild, deren eines in eine Kluft fiel, wo das Eis am Felsen abgeschmolzen war. Es mußte ein Mann an einem Strick hinuntergelassen werden um das Thier zu bekommen, ebenso mußte das sämmtliche Wild am Strick über den Felsen, der die »Kirch« heißt, heruntergeschafft werden, und bot diese Jagd von Anfang bis zu Ende gar seltsame und malerische Bilder. Ich sah dabei ein Thier und ein Kalb auf einem sehr steilen Felsrücken zwischen scharfen Gräben gegen eine Wand steigen, wo sie nicht mehr weiter konnten und war der Grat so schmal und der Wechsel so gezwungen, daß der Jäger, der sie heruntertreiben wollte, nur mit Gefahr ausweichen konnte, als sie um durchzubrechen auf ihn zukamen.

Ein eigenthümliches Schauspiel erlebte ich einmal am Obersee in Berchtesgaden, als ich von einem Ausflug in die Fischunkel nach Bartolomä zurückkehrte. Dort führt nur ein schmaler Weg um den See, der sich ansteigend und wieder senkend am Felsengehäng hinzieht. Am höchsten Punkte, etwa 80 Fuß ober dem See, ist eine der vorhin besprochenen Thüren, welche den Steig abschließt und gegen die Seite nach der Salet sich öffnet. Ich mußte da durch und machte die Thüre wieder zu, weil ich schießen hörte und wußte, daß in der Salet (am Saamenschlag) eine königliche Jagd stattfinde. Es ist nämlich der erwähnte Steig auch der einzige Wechsel, welchen ein Hirsch annehmen kann, um aus der Salet in die Fischunkel zu gelangen, wenn er nicht hoch ansteigen oder über den Obersee schwimmen will, daher bei den Jagden die Thüre geschlossen wird. Als ich auf dem ziemlich langen Steig etwa eine Viertelstunde weiter gegangen war, fiel mir ein, daß es gerade kein Spaß wäre, auf solchem Platz einem ausreißenden Hirsch zu begegnen, denn der Abhang gegen den See ist schwindlich steil und die andere Seite an vielen Stellen ebenfalls nur schwierig oder gar nicht zu erklimmen. Der Steig aber wird am schmälsten wo er gegen die Salet ausgeht und an ein Ausweichen ist nicht zu denken. Ich beeilte mich daher aus diesem Felsengang zu kommen und kaum hatte ich den Fuß auf die Ebene der Salet gesetzt, so rannte wirklich ein Hirsch von 6 Enden gerade auf mich zu und dann in größter Flucht den Steig hinauf, welchen ich eben verlassen hatte. Es war ein herrlicher Anblick. Als er nun gegen die Thüre kam, hielt er an und stand unschlüssig was er thun wolle. Indessen kam der Hund, der ihn gejagt und hell ausgebend rannte er ebenfalls den Steig hinaus. Da versuchte der Hirsch über die furchtbaren Platten unter ihm das Ufer des See's zu gewinnen. Mit einigen Sprüngen gelang es ihm etwa ein Drittel der Höhe herunter zu kommen und sich auf einem Vorsprung der Felsschichten zu erhalten. Der Hund wagte nicht zu folgen, aber nicht lange so setzte der Hirsch wieder hinauf an gegen den Hund, bei der zweiten Platte rutschten ihm aber die Läufe aus, er drehte sich noch einmal, konnte keinen Halt mehr fassen und stürzte nun die ganze Höhe, nur einmal an der Wand auffallend, in den See, wo er auch sogleich verendete und mit einem Kahn an's Land geschafft wurde. Es haust da oben der Tod, der wilde Jäger für Mensch und Thier, mit manchem Vortheil für sein Waidwerk, der ihm in der Ebene versagt ist.

Die meisten königlichen Hirschjagden, welche der König im Gebirg hält, sind freie Jagden, wobei zuweilen Federlappen Dieses Scheumittel war schon den Römern unter dem Namen formido (Furcht) bekannt: Pennae in lineam contextae dicuntur formido. gebraucht werden und wird je nach den Verhältnissen auch mit Hunden gejagt, an denen übrigens fast zu wenig geschieht, was sonst zu viel daran gewendet wurde.

In den großen Forsten der Ebene waren vor 1848 die Jagden, welche der verstorbene Fürst Löwenstein hielt, da ihm die königlichen Reviere zu Gebote standen, von eigenthümlicher Art, und mag hier Einiges davon erwähnt werden.

Wenn die Schützen und Treiber angestellt waren, so setzte des Fürsten Leibjäger einen Leithund auf die Fährte des Hirsches, welcher bestätiget war und zog, auf der Fährte nachhängend, voraus in's Holz. Die Treiber rückten still und nur wenig an die Bäume klopfend nach. Der Hund verließ die Fährte nicht, da es dann bald geschah, daß der Jäger an den Hirsch kam. Sowie er ihn erblickte, stieß er in's Horn, und es waren eigene Zeichen, welche die Stärke des Hirsches verkündeten, und leicht zu erkennen, wohin sich dieser im Bogen wendete. Auf das Zeichen blieben die Treiber stehen oder folgten nur von fern dem Hornruf. Anfangs ging der Hirsch wohl flüchtig, aber nicht weit, denn er wußte bald was im Werk war, da man nur auf einen jagdbaren Hirsch jagte und ein solcher hatte als Spießer, Gabler und auch später schon genug Erfahrungen gemacht und unterschied die Störung der Jagd und zufälliges Aufgescheuchtwerden recht gut. Der Hirsch suchte also keineswegs in übereilter Flucht gegen die Schützen zu rennen, sondern vielmehr den verfolgenden Jäger durch Wiedergänge zu täuschen, und steckte sich in jedem größeren Dickicht. Aber der Hund war gut und wie das Verhängniß sein Opfer überall findet, so fand er den Hirsch. Da wurde dieser doch endlich gegen die Schützen gedrängt, und ging oft so bedächtig vor, daß ihm der Jäger ganz nahe kam und ihn häufig erblickte, wobei er jedesmal in's Horn stieß. Wer ein Waidmann ist, kann sich die Spannung denken, und wie das Herz schlug, wenn der Ruf immer näher kam, und das Dickicht deutlich bezeichnete, welches den Hirsch verbarg.

Alles ringsum still, der Blick unverwandt nach dem dichten Tannengrün gerichtet, die Büchse hoch genommen, schußfertig – noch ein Hornruf, jetzt muß der Hirsch erscheinen; ein Rauschen, jetzt gilts – da bricht er vor mit dem stolzen Geweih! Waidmanns Heil! – Im Dickicht zog der Hirsch gewöhnlich sehr zögernd hin und her, sobald er aber ins lichte Holz oder gegen eine Straße oder einen Richtweg kam, und öfters konnte man nur da schießen, dann ging er mehrentheils flüchtig, so daß es flink seyn galt, ihn zu fällen. Im Hessischen nennt man diese Jagd auch das Lanciren des Hirsches und den gebrauchten Leithund – Lancirhund – ( Lancer le cerf = den Hirsch auftreiben). So nannte man auch den Hund manchmal, der bei der Parforcejagd den Hirsch zuerst sprengte.

Alle Arten, den Hirsch im Treiben zu jagen, haben ihre anziehende Seite, ihn aber in der Brunstzeit im freien Wald oder im Gebirge zu birschen, ist noch viel höher zu stellen. In manchen Revieren unserer Berge kann man sie zu Ende Septembers wohl zu zehn und mehr auf einem Platz von ein paar Stunden schreien hören und haben viele, wie die oberbayerischen Jäger sagen »a' woiterni Laut'n« d. i. eine tüchtige Stimme. Im Graswangthal und in der Halbammer bei Ettal und auf dem Regen bei Berchtesgaden geht der Handel am lustigsten. Wenn man da auf einer Alphütte übernachtet, so wird man wenig schlafen, denn die sogenannten »Almliecht'n« oder die Waideplätze der Alpen besuchen die Hirsche in der Nacht vorzüglich gern und kommen der Hütte oft so nahe, daß beim Mondschein mancher vom Fenster aus geschossen wird. Unter günstigen Umständen kann man an einem Gehäng ihr Treiben oft beobachten und besonders anziehend ist es zu sehen, wie ein guter Zehn- oder Zwölfender sein Wildpret gegen einen zudringlichen Achter bewacht, wie er ihn gewaltig zürnend anspricht und bald drohend gegen den nahenden vorschreitet, bald in Sprüngen ihn in die Flucht jagt. Seltsam ist dabei, daß wenn ein solcher geringerer Hirsch mit einigem Wildpret, welches er jagt, in die Nähe eines starken kommt, das Wildpret diesem zuläuft und sich zu seinem Harem gesellt. Bei Fouilloux nach B. Jobin heißt es: »ist wunderbarlich zu hören, daß der alt Hirsch viel hitziger auff das Wild, vnnd auch demselbigen viel annehmlicher ist, dann der jung, welches bei etlichen vnsern Weibern nicht breuchlich seyn, sondern im Widerspil gefunden werden wil.« Es kommt freilich auch vor, daß während der Platzhirsch mit einem Rivalen sich beschäftigt und mit ihm kämpft, ein anderer Rival der leichteren Waare die Gelegenheit benützt, beim Wildpret sein Glück zu machen und nicht abgewiesen wird. Das Kämpfen, welches man weit hört, endet oft mit tödtlicher Verwundung des einen oder auch beider Betheiligten und kommt viel auf den Bau des Geweihes an, um diesem oder jenem Hirsch beim Kampf ein Uebergewicht zu verleihen. Vor zwei Jahren habe ich einen auf diese Weise todtgekämpften Hirsch bei Gelegenheit einer Jagd in der Riß gesehen. Er war noch ganz frisch und hatte einen tiefen Stoß unter der Lunge erhalten. In den Jagdgeschichten ist ein besonderer Fall verzeichnet, welchen der Herzog Christian von Sachsen-Weissenfels erlebt hat. Er erlegte im Jahre 1728 bei der Hirschbrunft zu Freyburg dreißig Hirsche und darunter einen von 14 Enden, welchen er auf der Bürkersrodischen Weidenau mit einem Zwölfender kämpfend antraf. Die Hirsche hatten ihre Geweihe dergestalt verkämpft und verschlagen, daß sie nicht mehr auseinander konnten. Der Zwölfender erlag im Kampfe und der Vierzehner wurde dann vom Herzog geschossen.

Auch findet man Beispiele, daß zwei Hirsche verenden mußten, weil sie im Kampfe ihre Geweihe in gedachter Weise verschränkt hatten. Schon der Kaiser Maximilian führt einen solchen Fall an: »Zwen Hiersch In der brunfft habendt mit ainander gekempfft, vnd sindt mit dem gehurn in ainander kommen, und nit von ainander megen, das Er ain hiersch todt ist peliben. also sendt sy gefunden worden, vnd die Gehurn noch also Inainander.« Solches geschah auch 1756 in Hessen, im Bickebacher-Tann, wo zwei so aneinandergeklammerte Hirsche verendet gefunden wurden. Die Geweihe befinden sich im Darmstädt'schen Jagdschloß Kranichstein und sind von Ridinger abgebildet worden. Darunter stehen nachfolgende Verse, worin den Hirschen zum Vorwurf gemacht wird, daß sie sich nicht vom Landgrafen Ludwig haben erschießen lassen. Es heißt:

Schau Leser einen Hirsch-Duell
Wo beide blieben auf der Stell'
Als sie aus Eifersucht gerungen
Und mit Gewichtern sich verschlungen;
Ihr Fleisch, das sonst dem Mensch gehört,
Ward schimpflich von dem Wurm verzehrt,
Da sie entgangen Ludwigs Waffen
So mußten sie sich selber strafen. –

Landgraf Ludwig VIII. war ein großer Jäger und hat in der Brunft wohl die meisten und stärksten Hirsche erlegt, die je ein Jäger gebirscht, denn 1748 schoß er zu Jägerthal 80 Hirsche und 1747 erlegte er einen 22-Ender von 480 Pfund, dessen Geweih 24½ Pfund wog, dann einen 20-Ender von 500 Pfund mit einem Geweih von 15½ Pfund und weiter zwei 20-Ender von gegen 4½ Centner. Diese 4 Kapitalhirsche erlegte er in nicht 3 Wochen, vom 18. September bis 5. Oktober. Das ist des Guten wahrlich zu viel! – Er pflegte dabei meistens mit einer Windbüchse zu schießen.

Es hängt viel von der Geschicklichkeit im Birschen, aber auch von Glück ab, um in der Hirschbrunft zu Schuß zu kommen. Manchmal zieht ein suchender Hirsch daher, als wäre er bestellt worden und manchmal kann man Tag und Nacht laufen und immer gehts verkehrt. Treibt man es im Gebirg eine Woche so fort, so kann man wohl um einige Pfunde leichter werden und zum Verdrusse wird dann auch mitunter die erste Morgenstunde versäumt, weil der Schlaf nicht zu bewältigen und trotz harter Lagerstatt auf Tannenästen und trotz Frierens in der Hütte, wo der Wind überall hineinbläst, dennoch sich einfindet und die Glieder fesselt. Dann fährt man wohl erschreckt empor, wenn die Sonne schon die Laanen bescheint und das Wildpret eingezogen ist. Die Tyroler Schützen behaupten, man bekomme keinen Schlaf, wenn man eine Fledermaus bei sich trage oder ein Rabenherz. Sie verfertigen sich auch ein sogenanntes »Wachbeutele,« welches so geschieht: »Fange Frösche, stich ihnen die Augen aus, und lasse sie wieder lebendig in's Wasser hineinschwimmen. Die Augen aber umhülle mit dem Fleisch von einer Nachtigall und nähe Alles in ein kleines Flecklein von Hirschhaut. Das Beutelchen hänge dir um den Hals, so kommt kein Schlaf durch viele Tage, und bist trotzdem gleich stark zum steigen.« Alpenburg. Mythen und Sagen Tyrols.

Auf einen schreienden Hirsch, wenn er allein ist, läßt sich wohl ankommen, es ist aber nicht immer möglich der Aufmerksamkeit des Wildprets zu entgehen, wenn ihn solches begleitet. Die Vorsorge und Wachsamkeit des weiblichen Wilds zum Vortheil und Schutz des männlichen ist überall bemerkbar und namentlich in der Zeit des Brunftens und Falzens, wo die Buhlen vor Leidenschaft und Schwärmerei oft den Kopf verlieren und an Gefahr gar nicht denken. Bei der Hirschbrunft vereitelt daher nicht selten das Wildpret ein glückliches Anschleichen ebenso, als es die Hennen sind, welche oft verrathend aufflattern, wenn man einen falzenden Auer- oder Spielhahn anbirscht. Am ärgerlichsten ist, wenn das Wildpret vom Hirsch gegen den Birschenden getrieben wird und ehe dieser noch den Hirsch gewahr werden kann, sehr nahe heranzieht. Ist dann der Wind nicht ganz gut, so ist man meistens um den Schuß betrogen. Es ist schon oben angeführt worden, daß das Kinkhorn »der Schneck« bei der Hirschbrunft von unsern Jägern gebraucht wird. Man bricht dieser Muschel die Spitze ab, daß die Luft durchzieht und ruft nun, den Hirsch nachahmend, in den Schnecken hinein. Der eifersüchtige und kampflustige Hirsch kommt zuweilen ohne Säumen heran; wenn er aber auch nicht kommt, so meldet er sich wenigstens und ist das natürlich schon ein schätzbarer Behelf beim Anbirschen. Ein sehr großer Schneck taugt weniger als einer von mittlerer Größe. Unter den mir bekannten Waidmännern handhabt der Graf C. Dürkheim den Schnecken mit besonderer Meisterschaft und hat damit (1858) auf den Jagden des Fürsten Lamberg in Steyermark in 14 Tagen 23 meist sehr gute Hirsche erlegt.

Es ist kein Wunder, wenn man bei solcher Birsch zuweilen das sogenannte Hirschfieber bekommt, denn der Anblick eines starken Brunfthirsches ist prachtvoll, und es packt einen, wenn er so stolz und wilden Ansehens dasteht, den Hals dick und langbehaart, dunkelfarbig, ganz schwarz, wie unsere Jäger sagen, und wenn das hohe Geweih in weißen Enden blitzend die dreifache Krone trägt. Es geschah einem meiner Freunde, der einen solchen Hirsch aus eigener Jagd in einem Schlag anbirschte, daß ihn das Fieber so überkam, daß er nicht schießen konnte. Da der Hirsch ganz vertraut war, birschte er sich wieder zurück und ruhte eine zeitlang unter einem Baum, indem er sich fortwährend zusprach, doch ruhigen Blutes zu seyn, es sey ja kein gar so großes Unglück, wenn er den Hirsch auch fehlen sollte, er komme ja sicher ein andersmal wieder an ihn u. s. w.

Nachdem er meinte, er sey nun hinlänglich ruhig und zum Schießen gefaßt, birschte er wieder vor und war der Hirsch noch etwas näher gezogen. Da kam aber wieder das Fieber und obwohl er nun gleichsam im Zorn schoß, so fehlte er ihn doch.

Die Urhirsche des Grafen Arco, welche ich in Berchtesgaden zu beobachten Gelegenheit hatte, schreien wohl theilweise wie die unserigen, der Schluß des Schreiens ist aber verschieden. Während die unserigen meistens mit einigen rauhen, kurz ausgestoßenen Tönen schließen, endet bei jenen das Schreien mit einem überschlagenden gezogenen Sägen.

Daß die Parkhirsche in der Brunstzeit und auch außer derselben manchmal gefährlich sind und den Menschen annehmen, ist bekannt und erst vor einigen Jahren ist der Graf Wilhelm von Württemberg von den Angriffen eines solchen, der ihn schon zu Boden geworfen hatte, nur durch einen zufällig dazu gekommenen Dachshund gerettet worden; im Freien kommt dergleichen nur bei angeschossenen Hirschen vor, dagegen sind manche in anderer Weise bösartig und rauflustig und hat man Beispiele, daß sie Stiere angegriffen und mit ihnen gekämpft haben. Ein solcher Kampf fand im vorigen Jahre mehrmals auf der Griesalm im Wimbachthal statt und die Sennerin rief dem König, der dort zur Jagd ritt, zu, er könne leichter als mit Jagen den starken Hirsch bekommen, wenn er am Morgen oder Abend an dem Platz, wo der Stier weide, passen wolle, denn der Hirsch komme gewiß wieder zum Raufen. Einen ähnlichen Fall, der zu Veuve an der Ouche vorgekommen, erzählt Bingley. Der Hirsch erschien bei der Heerde fast immer zu derselben Zeit während der Monate April bis Juni und wurde von dem Stier, sobald ihn dieser erblickte, mit lautem Brüllen empfangen; meistens mußte der Stier weichen.

Einem angeschossenen Hirsch, der sich niedergethan hat, darf man nur mit Vorsicht nahen und ebenso ist es immer gefährlich einen Hirsch beim Jagen an einem engen Platz abwehren zu wollen. In den Revieren von Weitwörth bei Salzburg war sonst ein guter Hirschstand und ich hatte selbst Gelegenheit mit dem Fürsten Löwenstein dort zu jagen. Da ist nun das meiste Holz so dicht unterwachsen und mit Ranken und Schlinggewächsen durchzogen, daß Treiber und Hirsch nur schmale Gänge haben, die durch die Wildniß führen und ging der Hirsch gegen den Treiber, wie oft geschah, so blieb diesem nichts anderes übrig, als sich auf den Boden zu werfen und ihn über sich wegsetzen zu lassen. Ein Versuch gewaltsamen Wehrens hatte bei ähnlichen Verhältnissen des Jagdbogen auf einer der fürstl. Taxis'schen Jagden einen höchst traurigen Ausgang. Der Hirsch stieß nämlich dem Treiber, einem erwachsenen Mann, einen Sproßen des Geweihs tief in's Auge und trug den Sterbenden noch eine ziemliche Strecke mit sich fort, ehe er ihn wegschleuderte. Die Stärke eines guten Hirsches ist überhaupt sehr groß und einen solchen genicken zu wollen, wie man einen Rehbock genickt, mag jeder bleiben lassen, der noch eine Kugel zu einem Schuß laden kann. Auch bei den Kampfjagen hat sich darin der Hirsch oft bewährt. Bingley erzählt, daß ein Herzog von Cumberland um 1764 einen Hirsch mit einem Tiger in einem eingeschlossenen Waldtheil von Windsor zusammenbrachte, um sie kämpfen zu sehen. Der Hirsch wies zwei Angriffe des Tigers mit seinem Geweih tapfer zurück und beim dritten schleuderte er ihn dermaßen weg, daß der Tiger abließ. Der Herzog schenkte diesem Hirsch die Freiheit und legte ihm ein breites silbernes Halsband um, auf welchem die Erzählung des Kampfes eingegraben war.

Weiße Hirsche kamen bei uns vor 30 Jahren in der Gegend von Andechs vor und noch im Jahre 1847 in der Nähe davon bei Hochschloß. Landau erwähnt derselben auch in früherer Zeit in Hessen, ebenso braun und weiß gefleckte Hirsche. Im Park von Hellbrunn bei Salzburg befinden sich noch gegenwärtig mehrere weiße Hirsche und Thiere und kamen zu Ende des 17. Jahrhunderts im Salzburg'schen auch im Freien vor. Im Jahr 1693 wurde ein weißer Hirsch im Revier Golling auf dem Satteleck gefangen und 1690 einer bei Glaneck in Gegenwart des Erzbischofs Johann Ernst.

Flemming sagt, daß das Erscheinen eines weißen Hirsches Unglück bedeute; um solches Omen kann man sich beruhigen; öfter trifft bei der Hirschjagd das Unglück ein, daß auch kein brauner Hirsch erscheint.

Schwarze Hirsche sind sehr selten. Es befand sich ein solcher 1813 im Thiergarten zu Waldleiningen. Sowie zuweilen Hirsche mit mehreren Stangen, drei und sogar vier, vorkommen, ebenso gibt es welche, die nur eine Stange haben und auch solche ohne Geweihe. Erstere nannte man vormals in Hessen Mörder, letztere Mönche. Von unsern Gebirgsjägern werden die Spießer häufig Moses oder Moises genannt, weil die gewöhnlichen Strahlen am Kopf des Moses in den alten biblischen Bildern oft durch zwei Hörner, ähnlich wie bei einem Spießer, ersetzt sind.

Die Gebirgshirsche sind, je nach der Lage und Güte der Aesungsplätze, gewöhnlich stärker am Leib, als die Landhirsche und unterscheiden sich von diesen durch stumpfere Schalen der Läufe; sie wechseln oft sehr weit, und als noch auf dem Schleisheimer-Moos Standwild war, konnte man nicht selten einen Berghirsch im Rudel beobachten. Die Jäger machten meistens gleich Jagd auf den unstäten Gast und erlegten ihn gewöhnlich, indem sie den Rudel über die sumpfigsten Stellen trieben, wo die leichte Waare glücklich hinüberkam, der schwerere Berghirsch aber bei dem steten Einsinken so zu arbeiten hatte, daß der Jäger zum Schuß gelangen konnte. Umgekehrt wechseln auch die Landhirsche in's Gebirg.

Es ist oft viel Arbeit, einen erlegten Hirsch von den Bergen herunterzubringen und geschieht gewöhnlich auf Schlitten oder kleinen Karren, zuweilen muß er aber zerwirkt und theilweise getragen werden.

Es gibt dort noch Männer, deren einer allein im Stande ist, einen jagdbaren Hirsch zu tragen. Dazu wird Vorder- und Hinterlauf auf derselben Seite geschränkt oder zusammengebunden, daß sie wie Tragriemen dienen, der Mann schlieft mit den Armen durch und nimmt den Hirsch so auf, Kopf und Geweihe hängen über die Schulter. In unserer papierenen Zeit ist es ein erfrischender Anblick, einen solchen Träger mit seinen Steigeisen zu sehen, wie er mit dem stattlichen Thier dahingeht und muß man sich wundern, daß dergleichen Bild noch von keinem Maler benutzt worden ist. Wegen der erwähnten Schwierigkeiten des Fortbringens kommt es auch vor, daß ein Jäger, der sich auf seinen Hund verlassen kann, absichtlich einen Hirsch waidwund schießt und dann den Hund daran läßt. Mit solchem Schusse geht der Hirsch immer abwärts und findet ihn der Jäger vor dem verbellenden Hund meistens an einem Bach am Fuße des Berges, wo er ihn erlegt. Man wird dieses Verfahren nicht so sehr mißbilligen können, als es auf den ersten Blick vielleicht scheinen mag, denn so oder so, der Gebirgsjäger hat ohnehin mit Mühseligkeiten, Beschwerden und Gefahren genug zu kämpfen.

Wer die Hirschjagd nur in der Ebene kennt, der hat sie, möchte ich sagen, nur halb genossen, und wer sie nicht anders als in Parken mit regelrechten Geräumten mitgemacht, der hat daran das Wenigste erlebt. In den Bergen aber sind die günstigen Verhältnisse gegeben, die ganze Herrlichkeit solcher Jagd zu entfalten. Es ist dieses ganz natürlich, denn man denke, wie dort oft ein weites Gehänge zu überschauen und das nahende Wild oft lange zu beobachten ist, ehe es in die Schußweite kommt, man denke sich, wie ein einziger Hirsch solche Landschaft belebt, während im ebenen Wald die Aussicht bedeutend beschränkt ist und in Parken das Wild oft nur momentan beim Wechsel über ein Geräumt zum Vorschein kommt. Der Stand an Edelwild ist in mehreren unserer Gebirgsreviere vorzüglich. In den Jagden von Hohenschwangau waren im Jahre 1828 nicht über 50 Stück vorhanden, gegenwärtig kann der Stand auf 700 Stück angesprochen werden, in den Berchtesgadener-Revieren (Königssee, Bartolomä, Schapbach und Wimbach, Hintersee, Bischofswies) zu 450 Stück &c.

Die früheren Feinde des Edelwildes unter den Raubthieren sind fast gänzlich verschwunden, und kommt der Waidspruch nicht mehr vor, wo es heißt: »Sag an, mein lieber Waidmann, wie spricht der Wolf den edlen Hirsch im Winter an?« und die Antwort lautet: »Wohlauf, wohlauf, du dürrer Knab, du mußt in meinen Magen, da will ich dich wohl durch den rauhen Wald hin tragen.« Dagegen ist der Winter selbst der gierige Wolf und der grimmige Bär, welcher in manchem Jahr gar furchtbar haust unter dem armen Wild und seine Feinde sind weiter die Calamitäten der kleingehackten Jagdbezirke und die ungenügenden Pachtzeiten, welche zu Nutz und Freude baldigst beseitiget werden mögen!

 << Kapitel 3  Kapitel 5 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.