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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 77
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
correctorreuters@abc.de
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Dierkhof, 20. November 19 ..

Heut' sah ich die Amei über den Hof gehen. Hatte das Kind auf dem Arm. Soll ja noch gar nicht schwer tragen, hat mir Doktor Kraatz als Mahnung mitgegeben, als ich ihn zufällig traf. Aber die Amei tut ja, als ging ich sie nichts mehr an. So werden die Sleefs wohl aussterben. Ich ballte die Fäuste. Konnt's nicht mit ansehen, wie mein Weib den fremden Bankert »eite« und »strakte«. Und düsse lüttje Sleef hatte ich selbst vom Moortod gerettet und ins Haus getragen. Ob ich's heute wieder täte?

Wien, du bist schlecht. – Oder du wirst schlecht durch dein Leid. Wenn alle üblen Eigenschaften der Heidjer bei dir hochkommen – – weil du den fressenden Zorn nicht los wirst und die Heidjer-Sturheit, – dann geh fort mit deinem inwendigen Gift – – weit fort! Dann siehst die Amei nimmer. – –

Aufgeheult hab' ich.

Dierkhof, 22. November 19 ..

Die Muhme Kordula ist wieder in meinem Pesel.
Da sitzt sie, als ich hereinkomme.

»Alltosamen«, grüßt sie. »Ist Vadder Sleef nicht bei dir?«

Meine Antwort ist: »Der kommt nicht mehr. Hab' ihn verjagt. Ihr seid ja alle gegen mich – – –«

»Das ist nicht wahr! Was hast ihm für Red' gegeben?«

Sprech's ungern noch einmal. »Daß ich zusammenbrech' unter Ameis Tat«, hab' ich ihm gesagt.

Die Muhme hat mich durch und durch angeschaut. »Jetzt versteh' ich sein Gebahren«, sagt' sie kurz. »Kein Wort spricht er mit seiner Tochter seit jenem Tag. – – So sehr gut ist er dir, der Sleefvadder. Dir, dem Zornebock, dem sturen Heidjer Wien.«

Angepackt hab' ich sie mit beiden Armen und dann ihre feinen Hände im Schraubstock gehalten. Weil sie so ruhig blieb, schämte ich mich.

»Deine Kraft' hast noch, Schlagetot«, meinte sie, und rieb die Handgelenke, die ich hätt' küssen mögen in Ehrfurcht. Aber da wär' ich ja wohl gestorben daran. So etwas tut kein Heidjer.

Da war ein Stadtherr – der küßte einmal meiner Amei die Hand. Niederschlagen hätt' ich ihn mögen, den weibischen Wicht. Es soll vornehm sein. Gott schall mi wohren! Ich sagte zur Muhme: »Ungut ist Vadder Sleef mit seinem Augapfel?«

»Wien, wie bist du häßlich geworden!« kam die Antwort. »Spott ist Häßlichkeit. Und dies paßt nicht zu deinen schönen ernsten Augen!«

Vielleicht war's das erste Kompliment in Muhme Kordulas Leben. Ich wußte, ich hatte just diese Worte schon einmal gehört. Das war, als die Amei mich noch lieb hatte. Aus dem schönen roten Munde kamen sie, darin die weißen Fahne blitzen. Oder hatte ich sie damals lieb? Herrgott ist's damit vorbei? Hab' ich nur die Mutter meiner Kinder in ihr gesehen? Und war das Heimweh nur Rausch?

»Bist so still, Wien«, tönte nach einer Weile Muhme Kordulas Stimme. »Es ist ein trübselig Leben jetzt bei euch. Auf dem Sleefkamp Niedergang, und hier kein Aufstieg. Wo soll sich eine alte Frau Nahrung suchen?«

Solche Wörter schneiden in die Seele ...

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