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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 67
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
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Dierkhof, 21. Oktober 19 ..

Heute sind wir gerade einen Monat verheiratet, und die Amei hat mir einen Strauß auf den Frühbrottisch gestellt. Lauter Astern, denn es herbstet ja schon. Das Getreide ist alles herunter von den Feldern, und gut war die Ernte. Das Roggenfeld ist umgepflügt und später kommen Wasserrüben drauf. Wir sind bei der Ernte von Kartoffeln und Runkelrüben – der kleine Dierkhof schneidet gut ab.

Aber was ist's mit dem Sleefkamp? Der mir zu tausend Malen ans Herz gewachsen ist? Und den ich verlassen habe, um dem braven Dierkhofer gerecht zu werden, die ein Sleef in Jammer und Schande brachte. Um einem armen, kleinen Bankert seinen rechtmäßigen Namen zu verschaffen, und vor allem ihm den schmucken Hof zu erhalten. Aber wie steht's mit dem Namen? Du Pharisäer, Wien! Gib Rechenschaft dir selbst. Hast nicht manchmal ganz insgeheim an deine Brust geschlagen und gedacht: »Gott sei Dank, daß ich nicht bin wie jener.« Und hast jetzt auf deine Mission vergessen. Hast ein schönes, gesundes Weib genommen und hoffest schöne, aufrechte, blonde Sleefs zu zeugen, und hoffst, daß dein schönes, aufrechtes, deutsches Weib sie dem Lichte entgegen trägt. Und der lüttje Bankert bleibt außen vor ... Schäm dich, Wien!

Mit solchen Gedanken arbeitet es sich schlecht. Noch schlechter, wenn man vier Kilometer weiter seinen liebsten Freund sitzen hat, dem es schlecht geht. Die Leute munkeln es alle. Von überall wird es mir zugetragen mit offenen und mit versteckten Worten, daß der Doktor Jochen sehr leichtsinnig eine Bürgschaft übernommen hat, an der er jetzt knackt, und die Nussen nicht aufbringt. »Auszahlen wird er dich nicht können«, sagt Bauer Weselförde heute, als er sich Honig vom Sleefkamp geholt hat, welcher der beste ist weit und breit »in der Lüneburger Heide, in dem hochgelobten Land«. Vierzig Pfund Heidehonig für vierzehn gesunde Weselfördebrut, das trägt ja nicht viel für den einzelnen. »Se freten's mit Lepeln, de ›Briten‹«, lacht der glückliche Vater, und fährt gleich drauf fort: »Aber auszahlen wird er dich nicht können, Sleef, der Honnig allein macht den Sleefkamp nich glücklich, is auch mehr der ›Fru‹ ehr Sach'.«

»Wer spricht von auszahlen?« fuhr ich ihn unwirsch an.

»Wenn du's nicht nödig has, Wien – mir schall's recht sien. Aber ich dacht man blot, wer ein schmckes, junges Weib freit, der brukt veel Batzen. Dem setzt sik jo jedwedes Johr de Adebor upn Schostein.«

So kümmern sich die Nachbarn um einen, wenn man auch noch so still für sich hin lebt. Und ich mußt insgeheim zugeben, daß ich mit dem »Auszahlen« geliebäugelt hatte. Bargeld lacht. Und ich hatte allerhand vor für all die »Soggerpuppen«, die ich von meiner Eheliebsten erhoffte.

Der Weselförder hatte seine »vierzehn Nothelfer« beisammen. Zehn stramme Buben und vier Deerns zum Einheiraten auf andere Höfe. Der Älteste erbte den eigenen Hof. Das war alles bar Geld, und brauchte er niemalen fremde Knechte. Ich hab' rechtschaffen Verlangen, mit dem General zu sprechen, mit meinem hochwerten Vadder Sleef. Der hat so straffe Meinungen und rechtschaffene Ansichten. Man kann gut mit ihm fertig werden. Und daß ich die Jugend und Gesundheit von seiner lieben Deern respektier, das hat mich ihm vollends zum Freund gemacht. Er ist aber nach Hannover gefahren, bereitet dort seinen Umzug nach hier. – Im Sleefkamp, wo er ja Heimatrecht hat wie ich, kann er eine Menge Hausrat lassen, er richtet alle die vielen Stuben ein, die dort leer stehen. Und ich baue das Ausgedinge vom Dierkhof größer, wenn Lütt-Birgitt mal heiratet.

Und wo setzen wir dann unsern Stab hin, meine Amei und ich? Ich denk', das ist Gottessach'. – »Sorget nicht für den morgenden Tag, es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe.« Und ich denk' trotzdem weiter, daß wir einmal alle wieder auf dem Sleefkamp sind mit dem Jochen zusammen. In zwanzig Jahren. Wenn mir die Amei zum drittenmal sagt, daß sie mich lieb hat.

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