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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 58
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Dierkhof, den 20. August 19 ..

Ein Brief kam aus Hannover:

Vetter Wien Sleef! Begreifst Du die ungeheure Lächerlichkeit, die darin liegt, daß wir beiden Verwandten, Nachbarn, ja Freunde, wie ich gern sagte, Briefe wechseln in hilder Erntezeit? Wie zwei Stadtjungfern, die überflüssige Zeit totschlagen wollen? Aber wir beide gehören ja zum Tierschutzverein, deshalb dürfen wir uns nicht gegenseitig quälen. Kannst Du mir Aufschluß geben, was in unsere Base Amei gefahren ist, die ich meine Braut nannte? Sie hat Angst vor mir und meiner Liebe. Ich lasse Dich hineinsehen in diese zarte Sache, weil Du ein ehrlicher Kerl bist, wenn auch wie alle besonders schätzenswerten Vorbilder etwas pharisäerhaft. Sie, die Amei hat mir in manchem Brief hoch und heilig beteuert, daß sie mich »schrecklich« liebte, was ich gar nicht verlangte. Aber schrecklich war's – weil sie bei jedem persönlichen Zusammensein die Finger spreizte, wie ein alter Zweig am Ilexstrauch. Sie hat mich auch nicht ein einziges Mal geküßt, um gleich darauf wieder in Briefen zu beteuern, wie »furchtbar« und »ungeheuerlich« ihre Liebe zu mir sei. Poesielos, wie ich bin, nannte ich sie bei mir selbst »verrücktes Huhn«. Und fügte ein andermal noch »verdrehte Schraube« hinzu, weil sie mich dringend bat, solch einen Brief von ihr in Deinem Zimmer zu verlieren. Weil ich aber weiß, daß kleine Mädchen in dem gesegneten Alter von sechzehn bis neunzehn voll Schrullen sitzen, wie der Hund voll Flöh, so dachte ich, es würde alles normal werden, wenn sie meine Frau sei, und in rechter Ruhe und Besinnlichkeit unseres Sleefkamps dahinleben konnte, notabene auch unter einer kleinen, gerechten, unsichtbaren Fuchtel. Als sie von einem Ausflug auf Kismet heimkam – es muß wirklich ein Flug gewesen sein – denn Roß und Reiter dampften, da gab sie auf keine meiner Fragen Antwort. Sah mich an, als ob sie um ihr Leben flehte, murmelte auch einige Male »bitte bitte«, wie ein kleines Kind, das einen Zwieback sieht, und ist vom Pfarrhaus entwichen, wohin wir sie verstaut hatten. »Weil er mich trauen wollte.« Und nun bekomme ich heute einen lächerlich großen, schweren Brief auf Büttenpapier, das es mit Deinem »Fullianten« aufnimmt und eigentlich als Päckchen befördert werden mußte ... Aber nur zwei Worte stehen in Ameis steiler Kinderhandschrift vermerkt: » Wien Sleef!« – Jedes noch so närrische Wort wäre mir verständlicher gewesen, als dein Name. Kannst Du mir Auskunft geben?

Jürgen-Jochen Sleef.

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