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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 55
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
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Altgedinge, 31. Juli 19 ..

Wenn man große Übersiedlung macht – ei so kann man keinen »Fullianten füllen«. Der Ahne wird's verzeihen in der Ewigkeit. Die Muhme Kordula ist wie ein Ehrenmann. Sie hält mir Wort. – Kommt wahrhaftig mit mir nach Dierkhof, wo ich nun als Vormund von Lütt Birgitt Dierk Heimatrecht bekomme. Aber doch Knecht bleibe, bis ich fünfzig Jahr alt bin und Birgitt adoptieren kann. Dann hab' ich eine Tochter, und kein Mensch kann sie mir fortnehmen bis zu ihrer Mündigkeit. Und ich werde endlich jemand haben, der zu mir gehört. Vielleicht weist meine Birgitt dann sogar alle fremden Mannsbilder ab, um bei Vadder Wien zu bleiben. – Wollen sehn.

Muhme Kordula hat mir erzählt, daß die »guten, braven Bauern« wirklich dem Jochen die Vorsteherstelle angetragen haben, wenn er bei ihnen seßhaft würde. »Das will ich werden«, hat er versprochen. Ja, und am 26. August soll Hochzeit sein auf dem Sleefkamp. – Solche Bestimmungen trifft man, und der Himmel fällt nicht ein. Im Gegenteil, er strahlt in solcher Bläue – – – Kann's nicht lassen zu denken – wie Ameis Augen strahlt er. – Bis an mein Lebensende werd' ich an den 26. August denken.

Der Doktor Jochen soll lange mit Muhme Kordula gesprochen haben. Er will sein böses Geheimnis der Amei kund tun, wenn sie über Jahr und Tag verheiratet sind und sie nicht mehr so kindisch denkt wie jetzt. Hat auch ein Sparkassenbuch angelegt mit einer rechtschaffenen Summe drauf, die aber mit meinem Willen die Birgitt niemals anrühren soll ...

Ich war einmal ein aufrechter Kerl. Federmann hat's mir gesagt. Und nun ist mir, als könnt' ich ein miserabler Hund werden an dem Tag, da der Jochen die Amei in seine Kammer führt ...

Dierkhof, den 3. August 19 ..

Es sieht noch etwas wüst aus hier. Trotzdem die Gesine gehaust hat, als sei sie der Reinemachteufel in Person. Hannes und seine Braut Stina haben gestern geheiratet. Es war die höchste Zeit. Nun kriegt dann Lütt Birgitt bald einen Spielgesellen. Die alte Gesine verweist mir solche Schluderworte. Sie femt noch jedes Mädchen, das sich die Krone nehmen ließ.

Muhme Kordula hab' ich zum Einstand fünfzig Brasils gestiftet. Sie hat noch nicht eine einzige in Angriff genommen. Schmecken ihr nicht. Liegt aber nicht an den Brasils. – Wer beinahe seinen Lebtag immer auf dem Sleefkamp gesessen hat – – auf die weite Heide hingeschaut hat, und auf die Föhren an dem Hünengrabe und hat allmorgen den Riesenwacholder gegrüßt und hat jeden achten August gerufen: »Herrgott, deine Heide blüht!« ... der nimmt sein Herz in beide Hände, wenn er auf den Dierkhof verschlagen wird, wo die Moorhexe trügerische Blumen auf dem häßlichen braunen Wasser aufblühen läßt. Um zu täuschen, daß man auf schwankem Boden steht.

»Muhme Kordula«, sagt' ich heute. »Du bist unglücklich hier und du klagst nicht. Wo nimmst du die Kraft her?«

Sagt sie still: »Wien, ich hab' schon manches Glück zu Grabe getragen, aber keine Glocke dazu geläutet.«

Und sie strafft sich, und ist auch hier unser aller Vorbild. Hannes und Stina helfen, sind die rechten Wirtschafter. Der Herr Dr. phil. et rer. pol. hat auch meinen guten Freund Tetje zum Helfen beurlaubt. Aber der starke Schaffer nützt diesmal wenig. Er macht schlapp. Daß ich weggehe, will nicht in seinen Schädel rein. Er schnaubt an seiner Nase, daß man es im Nachbardorf hören kann und wischt sich die Augen und schluckt. So sind aber die Heidjer. Sie können ungerührt ganze Familien wegsterben sehen, wenn aber ihr eigener Spezi von ihnen weggeht, dann fallen sie um. Er möcht' mit hierbleiben. Ich leid's aber nicht. Er muß dem Sleefkamp treu sein, weil's der Wien nicht darf. Befohlen hab' ich's ihm. Nun sieht er's ein.

Wie heut' die Muhme und ich still zusammensitzen und ins Abendrot schauen, sagt sie plötzlich lebhaft: »Wir sind nicht zum Abschiednehmen gekommen, die Amei und ich. Sie wird's morgen tun.« Ich hab' mich verfärbt und trutzig gerufen: »So lauf' ich in die Heide.«

»Wie der Will«, meint sie ruhig. »Wirst mir's aber erlauben, Wien, daß ich meine Enkeltochter ans Herz nehme, ehvor sie Hochzeit macht.«

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