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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 50
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
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Sleefkamp, den 10. Juli 19 ..

Muhme Kordula verleugnet sich nicht. Sie weiß alles, was auf dem Hof vor sich geht, sie hat ihre scharfen Augen überall, ihr Herz hängt an allem, was dem Sleefkamp angeht. Und deshalb sieht sie mit dem Herzen und auch mit dem Verstand. Und das erstere freut die Dienstdeerns, und das zweite die Knechte. Denn brave Dienstleute halten auf Gerechtigkeit. – Muhme Kordula weiß genau, daß ich ohne Sorge um die Zeit jetzt in den Folianten schreiben kann. Sagt es schon, unser Heu ist ersoffen. Bis an die Knie kann man im Wasser stehen. Aber während ich schrieb, hat sich die Muhme Wasserstiefel angezogen und ist mit Knecht Onnen Tewes an die Wiesen herangefahren, hat alles mit großer Traurigkeit betrachtet. Müh' und Arbeit umsonst. Und mich hat sie nicht mitgenommen. »Du hast deinen »Fullianten«, das ist rechtschaffene Arbeit genug,« meinte sie hinterher, als ich arg fünsch war. »Wenn hilde Heuernte wär', und Gottes Sonnenschein über und über, hättest gar nicht schreiben können. Aber so war der Skribifar im Trocknen, und wir andern brachten keinen trocknen Faden mit heim.«

»So«, sagt' ich übelnehmerisch, »und die Muhme Kordula hat sich natürlich nicht umgezogen und nasse Strümpf' anbehalten und wird morgen wieder Grog trinken müssen.«

»Hä«, machte sie und vergaß ganz ihre Bildung, und daß sie die Ziehmutter von einem lebendigen General war, denn sie spreizte gegen mich mit allen fünf Fingern eine lange Nase. »Du kennst die söte Amei schlecht. Die hat mich wie eine Soggerpupp auf dem Wagen eingefatscht und mich dann ebenso ausgezogen und eine gute Stunde in die ›Heia'‹ gelegt. Und einen Heidemärker brachte sie mir, der heizte ordentlich ein.«

»War denn die Deern auch mit von der nassen Graspartie?« fragte ich nun gereizt.

»Dat schall woll sin«, gab sie fröhlich zurück, »und ich will dir's gleich sagen, Wien, ich wollt' dich rufen. Aber die Amei sagte: ›Laß em man sitten. Wenn he mitkümmt, denn zanken wi üs ok. Un denn hat man doch kein Spaß mehr.‹«

»So? Eine vertrunkene Wiese macht ihr also Spaß? Du hättst mi dat gor nich vertellen solln, Muhme.«

»Och du büs jo 'n richt'gen Haarspalter, Wien. Un ik segg dir, die Amei hat mir extra aufgetragen, dir das zu sagen.«

Da saß ich denn wieder mit einem dicken Koppe da. Und spür's immer deutlicher, daß wir kein Zusammensehen haben, die Amei und ich. Und spür' außerdem, daß ich sie bald ebenso hasse, wie sie mich. »Gute Nacht, Muhme Kordula – ich geh' jetzt ins Bett.«

»Das tu dü man, Wien! Da drin kannst dich höchstens mit dem Kopfkissen zanken, und das hat keine Widerred'.«

Aber ein Foliant »füllet« sich schlecht, wenn das Herz schwer ist. Ich spür's ja, muß alle näslang aufspringen und aus dem Fenster schauen, so unrastig bin ich, und schau' doch nichts als Regen, Regen, Regen.

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