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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 5
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
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Sleefkamp, Neujahr, 6. Januar 19 ..

Ich hätte ja wohl noch ein paar Wochen fortgetühnt wie ein altes Weib, wenn ich nicht das Wundfieber gekriegt hätte. So ein Mammut wie ich, so ein Riesentrumm, und muß sich hinlegen lassen wie ein Fatschkind. Und weiß nicht's von sich, und phantasiert das Blaue vom Himmel runter, das ehestens drauf war. – Denn nun haben wir ümmerlos Heidenebel. Und man kann kaum vor sich sehen. Das war aber närrisch mit meiner Krankheit. Und auch heute will die garstige Wunde noch nicht heilen. Das Dinglein aber, die Generalsdeern ist kandidel as 'n Katteiker. Ich denk mir, in ihrem Tüchlein muß ihre ganze Bosheit und Widerborstigkeit gesteckt haben, die hat mich und meine Brandwund' recht von Grund auf vergiftet. Aber in dem Tuchfetzen, darauf ich ihr die Arnikasalbe strich, war die ganze lachende Güte meiner Mutter Amei drinnen. Da konnt sie freilich genesen, die ungute Deern.

Wie man so Etwas »Amei« nennen kann! Ich mein, da müßt sich die Feder, die beim Kirchenbuch liegt, gesträubt haben. Aber Muhme Kordula hat mir erzählt, der General hätte von meiner Mutter, als einer Fernversippten gehört. Auch daß sie ein seelensgutes, schönes bayrisches Madel gewesen sei. Und hat einen Narren an dem Namen »Amei« gefressen. Weil er so weich geklungen hat, wie sein eigen Weib zutiefst gewesen ist. Da hat er gemeint, der Name könnt' abfärben auf sein eigen Fleisch und Blut. Aber selbst Generäle können irren, wenn ich auch keinem Rekruten raten möcht', sowas anzunehmen.

Die Mutter von – – – hier muß ich eine andere Feder einsetzen, denn düsse Foliantenfeder sträubte sich wirklich meiner Mutter Namen für die Deern hinzuschreiben. – Deshalb taufe ich einfach um und nenne das ungute Ding »Raudi«. – Oh, ich hört es wohl, auch in meinem Fieber, wie sie manchmal hinaufschlich an meinen Krankenpesel und die Magd fragte, wie denn so die Nacht war. Weiß aber nicht, warum sie Erkundigung tat, denn wenn die vernagelte Magd Antwort gab: »Gut zuwege« bei vierzig Grad, dann rutschte die »Raudi« auf dem Treppengeländer hinunter, was eine grauenhaft quietschende Tonleiter abgab, und unten ballerte sie die Tür, daß der Kalk bei mir von der Decken runterrieselte.

Und die Mutter von dieser Raudi, welche seelensgut gewesen ist, ist bei der Geburt ihres Kindes gestorben. Da kenn ich mich nicht aus beim Herrgott, daß er solches zuläßt. Gut – ein Weib kann er sterben lassen vom Manne fort. Wenn sie eine Beißzange war, so kann der Wittiber ein neues geruhiges Leben anfangen, und war sie ein Engel schon auf Erden, so braucht der Herrgott sie bei klein da droben zum Harfenspielen. Aber eine Mutter dürfte nicht wegsterben von ihrem lürlütten Soggerpupp. – Man sieht's ja, was aus sowas wird. Die Schönheit freilich, die ficht es nicht an, das ist was Außenwendiges. Aber alle Bosheit und List und ungut Wesen kann in das Innerliche kommen und sich festsetzen, wenn Mutterhände nicht abwehren und Mutteraugen nicht Obacht haben Tag und Nacht. Was kann son General groß erziehen ... Noch dazu, da er vor fünfzehn Jahren man erst Hauptmann war. Erbeingesessene Nachfahren werden meinen, es sei dem Außenseiter Wien zu Kopf gestiegen, daß er in den Folianten schreiben darf. Und daß er sich was einbildet auf die Sinniererei und wollt' gar Anweisungen geben dem Herrgott und der Sippen. Ist nicht an dem.

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