Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felicitas Rose >

Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 48
Quellenangabe
pfad/rose/wienslee/wienslee.xml
typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20081208
projectid9a63d6f8
Schließen

Navigation:

Sleefkamft, den 8. Juli 19 ..

Heute war der Landjäger endlich einmal wieder bei mir. Ich hab ihn damals bei der traurigen Suche nach der jungen Mutter Birgitt Dierk nur als Beamten kennengelernt. Aber viel Menschlichkeit und gutes Wesen schauten auch an jenem Tage aus seinem Gebahren. Heute jedoch, da sah ich gar keine grüne Uniform mehr, sah nur einen armen Menschen, der Trost suchte. Weil er Tag für Tag etwas sucht, und nicht finden kann. Und kommt zu mir, weil ich Vater von der lüttjen Birgitt werden will. Aber immer noch nicht bin. Unser Pfarrer hat sich das leichter gedacht, aber das Amt macht ja so viele Striche durch schöne Rechnungen. Fünfzig Jahre muß ich erst sein, daran hapert's. Achtzehn Jahr muß man älter sein als das Kind. Und ich hab' sechsunddreißig Jahre mehr auf dem Buckel als Lütt-Birgitt. Aber es geht nicht. Warten wir also noch vierzehn Fahre, wenn uns Gott das Leben schenkt.

War gestern auf dem Amt. Sagten mir die Herren, ich könnt' ja jeden Tag heiraten und Kinder kriegen, und die würden dann benachteiligt von Lütt Birgitt. Ich und heiraten! Ich hätte den Herrn gleich das Gegenteil beschwören mögen, aber sie ließen sich nicht drauf ein. Bürgerliches Gesetzbuch. Nun, sie müssen das wissen, und ich bin ärgerlich fortgegangen, weil man einem ehrlichen, einsamen Knecht nichts gönnt.

Der brave Landjäger trägt Herzeleid. Hat die Birgitt schon gar lange geliebt. – Ich weiß, wie das tut, wenn man in ganze Hoffnungslosigkeit hineinschaut. Und er quält sich mit dem entsetzlichen Moortod der Liebsten, nachdem ein Schuft sie verdorben hatte. »Sie ist nicht verdorben, Arne Brodersen«, sagt ich – denn wenn ein schwer geprüftes Menschenkind so gebeugt vor einem sitzt, dann ruft man ihn mit Namen und nicht mit einem hochmögenden Titel. »Birgitt Dierks ist nicht verdorben, die ist von Stund' an hinauf zum Herrgott gekommen.«

Da schluchzte er schwer.

Aber er straffte sich auch rasch nach Heidjerart. Und erzählte, daß er niemals, keinen Tag bis zum Dunkelwerden geruht hätte, und alle Nachbarn des Dierkhofes hätten geholfen und das Amt und der Landrat hätten Hilfskräfte beordert – nichts, nichts hätten sie gefunden. An dieselbe Stelle seien sie zurückgekommen, hätten nichts ausrichten können, und wo das Kindlein im roten Tuch gelegen, stehe jetzt Wasser. – Das hört sich übel an, wenn man so etwas erzählt bekommt.

Und wir sind Freunde geworden, der Arne Brodersen und der Knecht Wien Sleef. –


Nun muß ich wieder zwei Briefe einschalten, die Nachfahren werden sich damit abfinden.

 << Kapitel 47  Kapitel 49 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.