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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 43
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
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Sleefkamp, den 13. Juni 19 ...

Ja. – Und nun ist Muhme Kordula krank. Sie hat es mir durch die Amei sagen lassen. Die ist heute wieder borschtig. – Das ist aber ein grober Knechtsausdruck und paßt wohl nicht auf die schöne Deern. Weiß keinen anderen, und muß er auf ihr sitzen bleiben. Aber selbst die böse Zornfalte auf der Stirn kann das Engelsgesicht nicht häßlich machen. Und war die Amei gestern ein guter Engel, als sie so das Kindlein betraute, so ist sie heute ein böser. Hat aber einen Brief bekommen – und was in einem Brief für garstig Wesen und Herzweh stecken kann, das weiß ich. Woher er kam, weiß ich aber nicht. Gesäet hat irgend jemand bösen Samen, aber ich mußte die Zornblicke ernten. Ist schon mal mein Geschick. Auch ich hab' einen Brief geschrieben, und er soll mit in den Folianten. Es ist für Leben und Sterben.

»Vetter Jochen Sleef! Ich kann dir da kein gutes Wort vor deinen Namen setzen. Viel hatt' ich für dich übrig. Die große gute Freundschaft eines ehrlichen Mannes. Und die war ganz unverbraucht, und ich hatte sie dir geschenkt. Aber du hast sie totgeschlagen. Pharisäer bin ich nicht. Und ich kann mir auch denken, daß die Liebe Himmel und Hölle zugleich sein kann. Aber warum du nichts von mir vor deinen Namen gesetzt bekommst, das ist, weil du dem braven Mädchen, das dir seine Krone schenkte, so lange Zeit nicht nachgefragt hast. Zu lange. Und ist sie verzweifelt, die Birgitt Dierks. Und die Großeltern dazu. Denn ich habe deine Liebste gefunden. – – Im Moor. Aber ihr Kind konnt' ich vor dem grausigen Moortod bewahren. Zwei Leben auf dem Gewissen zu haben, hat dir der Herrgott erspart.

Das Kind ist gesund, aber es gehört nicht mehr dir, sondern mir. Wenn du Ansprüche machst, mußt du klagen gehn. Ich bin Vormund und bald sein Vater. Bin ledig und bleib ledig, nehme die alte aber noch rasche Magd Gesine Hansen zu mir. Die betraut das Kindlein auch jetzt. – Wenn du einmal heimkommst von deiner Forschung, dann ist aber der Hof frei von uns dreien. Ich will den kleinen Dierkhof groß machen, und das Lüttje dazu. Mit Gottes Hilf, Amen! Den Foliant mußt mir aber lassen. Weil ich ein Sleef bin. Er wird dir schon nach meinem Tod ausgeliefert werden. Es kann auch sein, daß du vorzeitig heimgerufen wirst, Vetter Jochen Sleef. Da ist eine ganz wunderliche Klausel aufgedeckt worden im »Fulliant«.

Haben's mir schon meine Eltern gesagt, als ich ein »Bübel« war. Aber damals wollt' ich Konditor werden oder Generalfeldmarschall, deshalb hat es nicht im Gedächtnis gehaftet. Als die Klausel ruchbar ward, haben sich gleich noch zwei »Sleefs« gemeldet. Aber ein kluger Rechtsanwalt schreibt mir, wir könnten sie ablehnen. Es sind unsichere Kantonisten. Wenn Dir der Sleefkamp zugeschrieben wird vor Gericht, so ist er Dir vergunnt. Mußt mich dann aber nach Recht und Gesetz auszahlen. Das Geld kriegt mein Kind Birgitt. Der Dierkhof kann's brauchen, hat nicht arg guten Boden. Aber die Hauptsache ist, daß ich kein Geld von Dir nehmen will. Denk drüber nach. Ich bin ein grober Knecht, daher sag' ich die grobe Wahrheit in Dein feines Gesicht hinein. Und hehle es Dir auch nicht, daß mir das Weh drüber das Herz abfrißt. – Wie den liebsten Bruder hab' ich Dich geliebt ...
Wien Sleef, Knecht.

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