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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 41
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
correctorreuters@abc.de
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Sleefkamp, den 12. Juni ..

Solange hat es gedauert, bis ich heute die Muhme Kordula fragen konnt': »Du liebe Muhme, was meinst, wenn wir die lüttje Birgitt bei uns behielten. Und ob ich verständiger, alter, einschichtiger Mann sie nicht an Kindesstatt annehmen könnt'? – Die alte Frau erschrak so sehr, daß sie die Brasil fortlegte.

»Wien, ich würde vorsichtig sein«, meinte sie scheinbar gleichmütig, aber ich sah doch, wie ihre Lippen weiß waren und ihre Wangen einzufallen schienen. Wo ist doch einmal unsere lebfrische Muhme Kordula hingekommen?!

»Willst du mit Gewalt die Schandmäuler in Bewegung setzen? Als hättest du was gutzumachen, du Erzbraver? Hat nicht erst gestern die Amei dem großen Hütejungen Peter eine heruntergehauen, als er griente: »De Oberknecht hatt' sik an Soggerpupp mitbröcht!«

Ich mußte mich an die Tischkante lehnen. Aber nicht ob der üblen Nachrede, aber ich sinnierte darüber, daß die Deern ...

Was für ein Bosheit mochte drin enthalten sein, daß sie meine Partei nahm?

»Es geht schon weit in die Runde, Wien, und man zerbricht sich die Schafsköppe, kann ich dir sagen. Wie, wann, wo, woher? Das sind jetzt die weltbewegenden Fragen.«

»Und du hast keine einzige getan, Muhme Kordula. Du sagst: ›Es ist der Wien! Und der ist sauber.‹ Bist aber rundum eine Ausnahme. Ich mag Ausnahmen gern. Und ich bin froh, daß ich bei dir bin.« Da hatte sie auf einmal ein stilles leuchtendes Lachen in ihrem Gesicht. Und sie hob ordentlich wie ein Schelm den Finger und sagte: »Wien, wenn mir das nur nicht zu Kopf steigt bei meinen achtzig Jahren. Vom Wien eine Liebeserklärung zu kriegen, das muß ein Stück Arbeit sein, und mir fällt es nur so zu.«

»Hätt' ich ein' Ahnung gehabt, daß du das gern magst – hätt'st sie all lang kriegen können.«

»Tschawoll! Ik heww up luert.«

Da lachten wir beide. Haben gescherzt in dieser schweren Zeit. Aber es war gut für mich, vielleicht für uns beide. Ich konnt' mich sammeln und die Muhme tat's zerstreuen.

»Du bist aber noch gar nicht bei dem Lüttjen gewesen, Wien, hast ihm auch nicht nachgefragt. Die alte Gesine beklagte sich sehr wortreich.«

»Ja, das kann sie. Und das ist auch wieder eine Liebserklärung wert, Muhme Kordula, daß du diese wackere Obermagd so gehoben hast aus schwerer Arbeit in diesen schönen Dienst hinein als Kindspflegerin. Da kann sie alle Menschenliebe austoben, die sie im Leibe hat.«

»Wien, was hast du dir für eine Schwade angewöhnt! Man kennt dich gar nicht mehr«, meinte sie kopfschüttelnd. »Aber nun geh auch mal zur Gesine, mach' ihr die Freude. Sie hat auch dagegen gewettert, daß man dich verdächtigte. – Und noch eins, Wien – wenn wir nun zusammen Mittagessen, Früh- oder Abendbrot nehmen – sei büschen gut mit der Amei! Sie hat's doch auch nicht leicht ...«

»Aber sie nimmt's leicht«, hab' ich erbost geantwortet. »Den ganzen Morgen hat sie schon im Feld gesungen, wie eine Heidelerche.« Das wollt' die Muhme mir nun gar nicht glauben. Und sie machte gleich drauf wieder ein nachdenkliches, vergrämtes Gesicht, und ich mußt' den schweren silbernen Kasten bringen, wo die Brasils drinnen ruhn.

»Willst nicht mittun, Wien?«

»Nein, Muhme. Es ist genug, wenn von zweien eins unverständig ist.«

»Bist 'n olen Klogschieter!«

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