Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felicitas Rose >

Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 38
Quellenangabe
pfad/rose/wienslee/wienslee.xml
typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20081208
projectid9a63d6f8
Schließen

Navigation:

Sleefkamp, den 3. Juni 19 ..

Nun sind wir schon tüchtig in der Arbeit. Auf dem Felde Rüben hacken, auf der Wiese Gras mähen, wenden, aufladen, fortfahren. Und der Herrgott schickt Sonne, wie sie lange nicht geschienen hat auf die Lüneburger Heide. Und Regen zwischendurch zum Gedeihen und gleich drauf wieder den lachenden Sonnenschein. Ich war wohl in diesen Tagen überall und nirgends. Wollt' mal nichts hören und nichts sehen als unsern schönen Hof, und was drauf wächst und gedeiht. Auf dem groten Felde werden jetzt die Futterrunkeln abgezogen und verpflanzt. Da muß alles bei zugange sein. Die Abbauern und Häuslinge helfen mit, sie arbeiten gern auf dem Sleefkamp und ist neben aller Arbeit immer frohes Treiben. Es sind wahrlich »gute Freunde und getreue Nachbarn«, wie Luther sagt. Natürlich wächst auch Ärger und manche Sorge recht als Unkraut zwischen all dem Guten. Der Fadenwurm zeigte sich – Schwerenot. »Nematode« heißt das Biest mit Vornamen. Haben ihn hoffentlich nicht lange, denn ich baute Fangpflanzen an. – Kam aber auch wieder Genugtuung und Anerkennung. Der Sleefkamp steht im Kreisblatt. Unser Stier wurde preisgekrönt. Haben ihm die Knechte einen Kranz in den Stall gehängt. War aber gleich zertrampelt. Da kann sich manch ein Mensch ein Beispiel nehmen, der nach äußeren Ehren giert. Ich selbst halte mich gern von Ehrungen zurück, hatte trotzdem hohen Besuch. Fräulein Amei von Sleef ließ sich herab, plötzlich im Stalle aufzutauchen. Ihr Gesichtchen war gottsunmöglich schön. Ich blieb aufrecht stehen. Denn soviel weiß ich von Doktor Jochen – eine Dame muß immer zuerst die Hand geben. Und das tat sie nicht. Also macht ich auch keinen Bückling. Neulich hab ich mal von der Grotte von Capri gelesen. Bislang wußt ich nicht, daß sowas angehen kann. Aber nun weiß ichs. – Seit Ameis Augen rundum meinen Stall durchschaut haben. – Aber noch sicherer weiß ich, daß der Knecht Wien Sleef verrückt ist. Unheilbar.

Als ich kein Wort sagte, nur so von meiner zwei Meter- und drei Zentimeter-Höhe auf ihre ein Meter und achtundsechzig Zentimeter herabschaute, kriegte ich wieder einen Zornblitz. Dann rief sie: »Vater grüßt Sie.« Und war auf und davon. Da schickt ich ein schallend Lachen hinter ihr drein.

Nun wird sie sich gegiftet haben. Aber wenn ich über sie lachte, komme ich mir am wenigsten lächerlich vor.

 << Kapitel 37  Kapitel 39 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.