Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felicitas Rose >

Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 31
Quellenangabe
pfad/rose/wienslee/wienslee.xml
typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20081208
projectid9a63d6f8
Schließen

Navigation:

Sleefkamp, den 3. Mai 19 ..

An dem Abend konnt' ich nicht Ruh' finden. Mitternacht war's da geisterte ich noch umher, und erschien schließlich der Muhme als ein ruheloser Übeltäter.

»Das hab' ich mir gedacht«, rief die hellwache Muhme Kordula, als ich in ihren Schlafpesel trat. Und wahrhaftig, sie rauchte eine lange Brasil im Bett. »Du bist ein Döllmer, Wien, denkst wohl gar nicht an meinen guten Ruf?«

Es war das erstemal, daß sie um Mitternacht noch Humor hatte, die liebe Frau.

»Nein, Muhme Kordula, an den denk' ich jetzt nicht.« Und ich schob den Urväterstuhl beiseite und setzte mich gradewegs auf die Bettkante. Die ist bei einem echten, rechten Bauernbett bequem und breit. Als ich noch klein war, hab' ich oft zwischen Vater und Mutter drauf geschlafen. Besonders bei Krankheit und Fieber, da war ich allstunds behütet. Gibt doch nix, was Elternglück gleicht. – Hansnarren, die das lesen, werden drüber lachen. Über den »gefühligen« Bauernknecht. Aber ein Bauernknecht kann wohl mehr in die Tiefe denken als ein Stadtmensch. Den muß ja das lärmende Drumrum verwirren, wenn er sich nicht zurückhalten kann. – Ich lob mir die Heideeinsamkeit. Muhme Kordula stieß mich an. »Wien, wenn du schlafen willst, geh in deinen eigenen Pesel. Ich hab' Wunder gedacht, was du mir für aufregende Sachen zu melden hast.«

»Es läßt mich nicht schlafen – wenn ich nicht mit dir gleich bin, Muhme Kordula. – Du wolltest dein Herz ausschütten – – und ich meint, ich hätt' keinen Platz dafür. Aber nun bin ich da. Und weiß, daß ich ein leeres Herz hab'. Schütt' aus!«

»Aber nicht jetzt, du groten, dummen Jung. Gleich wird der Nachtwächter zum zweitenmal tuten und sich heil wunnern, dat de Olsch vun 'n Sleefkamp noch Licht hat. Gu'n Nacht, Wien!«

»Hab' ich nicht recht, Muhme Kordula, wenn ich sag', daß wir Bauern nur jäten, hacken, säen, mähen und düngen sollten?«

»Du hast recht, Wien. Unsere Arbeit ist heiliges Tun. Das braucht ganze Menschen. Und ganze Menschen müssen schlafen, wenn sie ganze Arbeit leisten wollen. Morgen, wenn wir hellwach sind, dann reden wir gute Dinge. Wien, ich bin dir gut. Hab' keinen Menschen auf der Welt, dem ich das sag'.«

Ich stolperte aus der Tür. Umgerissen hätt's mich, wär' ich noch eine Minute länger verweilt. – Der General und die Muhme! Die beiden Prachtsmenschen! Und haben den Wien lieb ...

 << Kapitel 30  Kapitel 32 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.