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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 27
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
correctorreuters@abc.de
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Sleefkamp, den 20. April 19 ..

An jenem Abend habe ich allein im Dunkeln gesessen und bin ohne Abendbrot ins Bett gegangen. Denn ich hatte so viel Bittres 'runterzuwürgen, daß ich satt davon wurde.

Also nicht ein Wort hat die Generalsdeern vom Knecht erzählt! Der doch ihren Namen trägt, also doch nicht ganz hinter dem Zaun auf der Landstraße hervorgeholt ist. Nicht mal 'n Atemzug bin ich ihr wert gewesen. Gott verhüt', daß sie jemals über diesen Folianten kommt, ich müßt' mich noch im Grabe schämen, wenn sie mein Stammeln liest, mein Geschwafel und mein Heimweh nach ihr. Vier Jahre bin ich an der Front gewesen – immer gleich wieder 'raus mit den halbwegs geschlossenen Wunden – aber keine davon dünkt's mich heut, hat so weh getan, wie – – ja – daß es nicht mal meinen Namen genannt hat – –'s Amei – – –

Sleefkamp, den 21. April 19 ..

In dieser letzten schlaflosen Nacht bin ich vernünftig geworden. Das fehlte noch, daß ich um einer Deern willen meine Pflicht versäume. – Bin zwei Meter lang, will auch zwei Meter gescheit sein.

Mein »Spezi«, der Doktor Jochen (so würde ihn meine Mutter genannt haben), ist immer noch nicht zurückgekommen. Und der Onkel Ernst scheint doch auf ihn zu warten. »Onkel Ernst.« – Wie geht diese Anrede jetzt ganz leicht von den Lippen. Närrisch, was so ein simpler Knecht alles lernt. Auch das »Du«, das ich ihm auf seinen Befehl gebe, ficht mich gar nicht mehr an. Der General hat mir alle Scheu genommen. Weil er ein herzbraver Mensch ist. Ich bin immer sehr glücklich, wenn ein Sleef gut ist. »Familiensimpel« hat mal der Doktor Jochen zu mir gesagt. Damals hat mich noch jedes Schimpfwort zum Jähzorn gereizt, und ich stürzte meine Waschkanne über seinen Kopf. Aber wie sich der Doktor Jochen so ruhig umzog und abtrocknete und nur sagte: »Du machst dich, Mammut – ein sentimentaler Knecht ist ein Nonsens«, da schämte ich mich in die grawe Grund. Ehe er fortging, rief er mir zu: »Nun schreib nur ja nichts davon in den Folianten, als ob eine verstiegene Jungfer Buch führt.« Damals tat ich's nicht. Aber heute zwingt es mich, weil ich mich ja anklage und keinen anderen.

Heute morgen war's beinahe zum Lachen. Aber man lacht nicht über den General, man zwingt's nicht. Ich hatte mir meine Wolljacke über den Kopf gezogen. Diese verrückten, aber warmen Kamisols sind ja ohne Knöpfe. Da war's nun komisch anzusehen, wie der General nach einem Anhaltspunkt suchte, als er mich ins Gespräch ziehen wollte. Er fand aber keinen Knopf und ward nun schier verlegen. Das will ich nicht wieder sehen. Sobald ich den abgedrehten Knopf das vierte Mal angenäht habe, ziehe ich die richtige Joppe wieder an.

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