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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 25
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
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Sleefkamp, den 12. April 19 ..

Von meinem Schlafpesel aus sah ich just auf den mächtigen Schuppen, wo wir die Dreschmaschine drin haben, und ist neben, vor und hinter ihr noch bannig viel Platz für Geräte aller Art. Wach ich diese Nacht auf und gewahre Lichtschein in dem Schuppen. »Feuer«, denk' ich und heraus aus der Koje. Angezogen im Nu und hinaus in den April, der noch mit Hagel und Schnee gegen den Frühling angeht. War aber kein Feuer, sondern Licht. Eine Azetylenlampe. Und der Doktor Jochen hält sie vor mein erschrockenes Gesicht und lacht.

»Wien, du hast eine ganze Auswahl in dummen Gesichtern«, sagt er, »eins davon würd' ich mir patentieren lassen.« Aber man kann ihm ja nicht böse sein. »Da – ich schenk' sie dir, Außenseiter.« Und er zeigt auf die Maschine, mit der wir uns damals gemüht hatten und in deren Angesicht mir die wunzkleinen Schräubchen aus den klobigen Knechtsfingern gefallen waren. Steht die Maschine doch fix und fertig da und ist wieder imstand, und der Doktor lacht sich von Sinn und Verstand über mein verbastes Wesen.

Dann wach ich aber auf und wehre ihm. »Laß das nach, pscht! Du weckst mir noch die Schweine und die Muhme Kordula auf.« Denn die waren die nächsten Nachbarn vom Schuppen.

Da lachte er noch lauter. Aber er kann ja auch lachen, wenn er zu seinen sonstigen Wissenschaften auch noch Maschinenbauer ist. Und ich bin nur ein Elefant. Die sind wohl in Indien nützlich, aber auf Sleefkamp? Und bei seinen Frauen? –

Eines ist gut dabei. Daß der Doktor Jochen weiß, daß Wien Sleef nicht neidisch ist. – – –

Da es erst drei Uhr nachts war, nahm uns nochmal der Schlafpesel auf. Das heißt mich, den Goliath. Denn der schmalhüftige Doktor stürmte in den Wald. War auch um neun Uhr noch nicht zurück, da ich die vordere Dielentür aufschloß. Ich rieb mir die Augen, trotzdem ich hellwach war, und dann fingerte ich an meinen Hosenbeinen, weil ich die Biesen suchte. Eine Kalesche hielt vor dem Gewese und vor mir stand... ein Tippelbruder. Er schnarrte:

»Sind Sie vom ersten Garderegiment übriggeblieben, Flügelmann?«

»Jawohl, Exzellenz.«

Denn es war der Generalleutnant von Sleef.

Von außen sah man es ihm nicht an. Ich sinnierte mir's so zurecht: Er hatte nie in seinem Leben Zivil getragen, und so stammte dieser Überzieher aus der Arche Noah. Der Hut war ein Jagdhut, der hatte schon überall und nirgends gelegen. Die Reisetasche war auf und nieder eine Schwester von meiner Bonvoyage. Sie zeigte dieselbe Art der Stickerei, nur die Worte lauteten anders: ›Au revoir‹. Eine echte Sleef ist sie wie meine Vonvoyage, und die beiden haben ein fröhlich Wiedersehn gefeiert, denn im Jahre 1813 hatte ein Ahne Ode Sleef beide Taschen zur Hochzeit geschenkt bekommen.

Als ich den General ins Gastzimmer geführt hatte, nahm ich ihm den Überrock ab, und da stand er in einem altmodischen Jagdfrack da, vom Kopf zu Fuß ein vornehmer Kavalier.

Er schnob mich an:

»Wie heißen Sie?«

» Sleef, Exzellenz.«

»Sind Sie meschugge?«

»Nein, Exzellenz.«

»Ich schreibe Familiengeschichte – aus welcher Linie stammen Sie?«

»Ode Sleef, mein Vater, meine Mutter, 's Amei – – –«

Da faßten und schüttelten mich zwei kraftvolle Arme. »Donnerwetter,'s Amei! Unter dem taten Sie's wohl nicht, Sie, Sie, Sie Flügelmann.«

»Nein, Exzellenz.« – Ich hätte heulen können, die Freude von dem alten Herrn brachte mich beinahe um.

»Oberfeine Rasse, dies bayrische Madel!« rief er begeistert, »dies Blut hatte den Sleefs gefehlt. Sie haben hoffentlich eine tüchtige Frau und die Stube voll Kinder. Eins noch in der Wiege und das andere unterwegs – he?«

»Nein, Exzellenz, ich bin unverheiratet.«

»Schafskopf! Und was sind Sie hier?«

»Knecht, Exzellenz.«

»Das ist recht. Und nimm mir den Schafskopp nich übel, ich bin ja dein Onkel. Wir Sleefs sind alle verrückt.«

»Jawohl, Exzellenz.«

»Und du der Verrückteste. Hat »'s Amei« zur Mutter und vervielfältigst sie nicht. Aber du gefällst mir ausgezeichnet. Kannst mich duzen, Neffe. Ich heiße Ernst, auf Reisen Julius.«

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