Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felicitas Rose >

Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 24
Quellenangabe
pfad/rose/wienslee/wienslee.xml
typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20081208
projectid9a63d6f8
Schließen

Navigation:

Ich fahre fort am 6. April 19 ..

Ein uralt Sleefkampgebet war es. Es stund oftmals im Folianten. Aber nur in ganz bedrängten Zeiten war es gebetet worden. – – – Wir beide haben schweigend gegessen. Einmal war's, als wollte die Muhme anheben mit reden – auch als wolle sie meine Hand nehmen – aber sie nahm nur eine neue Brasil. Da wollt' auch ich hinausgehen und suchen, wo der Doktor Jochen abgeblieben war. Aber nun trat er selbst herein. Ging zur Muhme Kordula. Aller Zorn war von seinem Antlitz gewichen, auch aller Leichtsinn. Er nahm wieder die Hand der Muhme und küßte sie. Aber das war nicht wie eine gleichgültige Stadtmode. Das war beinahe wie eine heilige Handlung, wie eine tiefe Abbitte. Ganz sacht sagte er etwas an ihrem Ohr... Das hätte ich nie tun können. Abbitte leisten?! Ein Heidjerl Da wußte ich, Doktor Jochen Sleef war größer als ich. – Und das Mammut schämte sich.

Muhme Kordula rauchte ihre Brasil nicht zu Ende. Es war eine Unrast in ihr. – »Das ist ein unguts Zeichen«, sagte ich und ich wagte es, über ihren weißen Scheitel zu streichen. Da strahlte sie mich gütig an. Hätt's nicht geglaubt, hätte eher gedacht, sie würd' die vorlauten Finger schlagen. »Der Wien hat eine Hand, wie eine Mutter«, sagte sie still.

So ein Wort – zum Knecht gesagt – wie das wohltut! Aber was tut der Dr. rer. pol.? Ist das wohl auch Kinderstube? Er faßt die Muhme rundum, lacht sie an, küßt sie rechts und links und mitten auf den Mund und ruft: »Hei, und was hab' ich?«

»Ein loses Maul«, sagt sie trocken, war aber doch etwas atemlos. »Scheinst recht in der Übung zu sein, Jochen. Aber vor mir, der alten kümmerlichen Muhme, hättest doch wohl Halt machen können...«

»Alt und kümmerlich!« spottete er. »Und regierst uns alle. Sagst einfach: ›Kusch dich!‹ Und dann liegt man vor dir auf dem Bauch und frißt Erde wie die Schlange in der Bibel.«

»Kusch dich!« ruft doch da die Muhme, nur um seinen losen Mund zu stopfen, aber wirklich liegt der gelehrte Dottor auf die Minute wie ein geprellter Frosch auf dem Boden.

Muhme Kordula machte schmalen Mund, und ehe der Doktor aufstund, war sie schon draußen.

Man muß allstunds höllisch aufpassen bei ihr, will man's nicht verschütten durch Grenzverletzung. Nun, es liegt nicht in meinem Wesen Scherze zu weit zu treiben. Vielleicht kommt es daher, daß ich ein Knecht bin. Oder – der Sohn von Mutter Amei ... Wenn ich an sie denk', ist mir jede Frau heilig.

 << Kapitel 23  Kapitel 25 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.