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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 20
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
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Sleefkamp, den 23. März 19 ..

Nun bin ich hier. In Lebensgröße.

Muhme Kordula schrie mich an: »Jesus, Wien! Bleib' auf der Peselschwelle stehen und sag's frei, daß du nur ein Geist bist! Was hat man aus dir gemacht?« Und dann lag ich alter Kerl vor ihr auf den Kien und tat das, wonach mich damals der Doktor Jochen fragte – – – ich barg meinen Kopf in ihrem Schoß ...

Mutter Amei ist tot, aber es war eine Mutterhand, die meinen Haarwald streichelte, wieder und wieder. »So weh hat's getan? So ganz bist aus den Fugen, mien olen Wien – – –«

Nicht die sind Mütter, die Kinder gebären. Gottesliebe weiht erst zur Mutterschaft. So kann auch eine Jungfer Mutter sein. Dank, Muhme Kordula! Nichts weiter hast du zu mir gesprochen, als die beiden Sätze, die da oben stehen. Du echte Heidjerin! Es läßt sich gut mit dir schweigen.

Als ich aufstand und beschämt das unmännliche Naß aus meinen Augen wischte, schnobst du mich wieder an: »Bring' mir hurtig eine schwarze Brasil!« Da wußt' ich, Muhme Kordula, daß auch du aus den Fugen warst.

Aber nun sind wir beide gesund. Und ich weiß, es kann nie wieder ganz dunkel werden. Denn ich habe die Muhme Kordula. Vielleicht hatte ich es laut gesprochen, denn es tönte zu mir: »Da hast du auch was Rechtes, du Traumulus.«

Sehen konnte ich nichts, denn die Muhme war ganz in eine Tabakswolke gehüllt. Ich kann mir vorstellen, daß Engel auf Wolken sitzen und schwarze Brasils rauchen, und empfinde den Gedanken nicht als Lästerung.

Sleefkamp, den 26. März 19 ..

»Wie lange bleibst du bei mir, Wien?« fragte mich heute Muhme Kordula, und ich sah sie arg verdutzt an. »Wie kann ein gescheiter Mann ein so saudummes Gesicht machen?« war ihre zweite Frage.

Da konnt' ich lachen, frei heraus; nicht so wie vor Tagen, da sich die Dierkhoferin vor mir fürchtete.

»Erquickend unhöflich ist Muhme Kordula«, sagt' ich. »Mich dünkt, du hast mich gerufen – und Gott wolle verhüten, daß du mich wieder wegschickst. Deine Frag' versteh' ich nicht, nix für ungut.«

Da trat ein helles Leuchten in ihr altes Gesicht. Und wahrhaftig, sie küßte mich. Trotz meiner Wunden und entstellenden Narben, küßte mich auf beide Augen. Gottlob, die waren heil. Und mir war's, als müßte ich aussehen wie der Jungbursch, ehe er in den großen Krieg zog. Als hätte ein Jemand zu mir gesagt: »Stehe auf, dein Glaube hat dir geholfen!«

Die Muhme Kordula steckte sich gleich noch eine Zigarre an, so daß ich ihr mit dem Finger drohen mußte. Da kriegten wir beide das Lachen. »Du Kücken«, sagte sie, und ich fühlte mich blitzjung.

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