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Wien Sleef, der Knecht

Felicitas Rose: Wien Sleef, der Knecht - Kapitel 19
Quellenangabe
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typefiction
authorFelicitas Rose
titleWien Sleef, der Knecht
publisherDeutsches Verlagshaus Bong & Co
printrun15. ? 19. Tausend
year1933
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Dierkhof, den 22. März 19 ..

Wenn man so einsam ist, wie der Wien Sleef, dann kann solch ein Ruf von einem wertvollen Menschen das Herz wohl warm machen. Es gibt wirklich jemand in der weiten Welt, der nach mir verlangt! Da brach es gleich wie hellichter Frühling über mich herein. Ich gab mich auch gar nicht groß dem Sinnieren hin, ob ich denn auch weg könnte vom Dierkhof. Wo so hilde Arbeit ist und nur die beiden knickebeinigen Olschchen, der einzige Knecht und die verliebte Magd. Verliebte Leut' sind nur halbe Menschen. Sie mögen ja bei ihrem auserlesenen Gegenstand ganze, vollständige Lebewesen sein, aber der Verstand ist flüchtig und unstet. – Doch tröstet es mich stark, daß die Dierkhofer jetzt besser dastehen, als zuvor. Mehr Arbeitskräft' können geschafft werden. Wenn der Hof auch nur klein ist.

Knecht Fite kann dann das Oberkommando übernehmen. Er ist nicht verliebt, sondern bodenständig. – Meine Sätze lesen sich so, als wollt' ich Hals über Kopf weg. Und meine Nachfahren könnten einmal denken, ich sei eine Wetterfahne gewesen. Wie der Wind weht, so dreht sie sich. Jedenfalls bin ich dann eine alte, verrostete Wetterfahne. Ich ächze und stöhne bei meinen Fluchtgedanken. Wieder in den Sleefkamp zurück! Heimat! Heimat – – –! Aber Wien Sleef, die Heimat ist ja leer ... »Als ich Abschied nahm, war das Herz mir voll so sehr, als ich wiederkam ...«

Wien Sleef! du kannst ja auch nur recht drinnen hausen und der Muhme Kordula helfen, wenn ihr beide allein seid. Konntest du es nicht aushalten, als ein junges, dummes, rabiates Dinglein dich zwiebelte, wie wolltest du's hinnehmen, wenn dein Herrenvetter Hochzeit macht? Und hat zu eigen, was deines Herzens Trost ist und dein Teil? Und wenn sie dann den Sleefkamp »füllen«, die Zwei, wie es der Ahne von ihnen verlangt??

Bist wirklich ein Esel, Wien. Hol' dir anderes Schreibzeug. Hast in Schmerz und Zorn den Federhalter in drei Teile zerdrückt mit deiner Hand. Die Feder ist im Daumen stecken geblieben, und die Tinte ist in die Wunde geflossen. Arnikasalbe ist wohl noch in deinem Schapp? Aber weit und breit kein Nastüchlein von der Amei ... Wien Sleef, dir kann niemand helfen – – –

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